PLAY PODCASTS
Auf den Tag genau

Auf den Tag genau

2,057 episodes — Page 24 of 42

Ep 907Goethe und Lotte in Wetzlar

Was Romeo und Julia für die englische, Dante und Beatrice für die italienische und Penelope und Odysseus für die griechische, das wohl sind Lotte und Werther für die deutsche Literatur: ihr berühmtestes Liebespaar. In seinem den ‘Leiden‘ des männlichen Protagonisten gewidmeten Briefroman verarbeitete der junge Johann Wolfgang Goethe bekanntlich nicht nur seine eigene platonisch gebliebene Liebe zu der bereits anderweitig verlobten Charlotte Buff, sondern auch den Suizid seines liebeskranken Freundes Karl Wilhelm Jerusalem, die sich beide im Jahr 1922 zum einhundertfünfzigsten Mal jährten. Die Stadt Wetzlar, Ort der biographischen wie der literarischen Handlung, ließ sich dieses Jubiläum genauso wenig entgehen wie die Berliner Morgenpost, die eigens anreiste und in ihrer Ausgabe vom 15. Juni von den ‘Originalschauplätzen‘ berichtete. Diesem Lokaltermin angeschlossen hat sich für uns Frank Riede.

Jun 15, 202210 min

Ep 906Künstliche Inseln im Ozean

Manche irre Idee größenwahnsinniger US-Milliardäre stammt ihrem Ursprung nach gar nicht von diesen, sondern ist bisweilen viel älter. Über künstliche Inseln im Ozean etwa, entnehmen wir der B.Z. am Mittag vom 14. Juni 1922, wurde auch schon vor einhundert Jahren nachgedacht, und das durchaus ernsthaft. Anders als in aktuellen Plänen ging es bei dem damaligen Konzept indes nicht darum, offshore Steueroasen für Superreiche zu errichten und in diesen mit neuartigen, mutmaßlich ultralibertären Regierungsformen zu experimentieren. Vielmehr waren es seinerzeit Fragen des Weltverkehrs zu Wasser und in der Luft, die die Phantasie der Ingenieure in diese Richtung lenkte. Mit ihnen buchstäblich vor Anker geht für uns Paula Leu.

Jun 14, 20225 min

Ep 905Die Jahreszeit der Bowlen

Sie ist nicht tot zu kriegen: Wenn die Temperaturen steigen, die Blusen luftiger und die verbeulten Leinenhosen aus dem Schrank gekramt werden, um sich zu einem Gartenfest ausführen zu lassen, schlägt auch die Stunde der unvermeidlichen Bowle, der unschlagbaren Mischung aus Fruchtzucker und Alkohol, dem direktesten und zuverlässigsten Weg zum dicken Kopp schon zur Mittagszeit. Dass die heute zumeist dominierende simple Fruchtbowle diesbezüglich nicht das Ende aller sommerlichen bacchantischen Phantasie sein muss, lehrt indes unser heutiger Artikel aus dem Berliner Tageblatt vom 13. Juni 1922. Neben einigen interessanten Informationen zur Kulturgeschichte der Bowle wartet er mit einer Reihe origineller zeitgenössischer Rezepte auf, die nachgerade danach schreien, nachgemixt und nachgetrunken zu werden. Und die wie nebenbei belegen, dass die Übergänge zwischen Bowle und Cocktail nicht nur flüssig, sondern auch fließend sind. Frank Riede hat für uns gekostet.

Jun 13, 20228 min

Ep 904Blutige Auseinandersetzungen in Königsberg

Ostpreußen galt während der gesamten Weimarer Jahre als Bastion der Republikfeinde, als Hochburg der Deutschnationalen. Kein Wunder, dass deren Galionsfiguren wie der putschende Generallandschaftsdirektor Kapp oder auch ‘Kriegsheld‘ Hindenburg sich gerne hier in den ‘fernen Osten‘ des Reiches zurückzogen, um von hier aus für ihren Feldzug gegen die junge deutsche Demokratie zu mobilisieren. An einem Sonntag im Juni 1922 war es anlässlich entsprechender monarchistischer Feierlichkeiten in Königsberg zu linken Gegenkundgebungen gekommen – die von der staatlichen Ordnungsmacht blutig aufgelöst wurden. Die Freiheit attestierte der Republik daraufhin Selbstverachtung und veranschaulicht in ihrem wütenden Bericht vom 12. Juni, dass die Gräben zwischen Unabhängigen und Sozialdemokraten noch immer sehr tief waren. Es liest Paula Leu.

Jun 12, 20225 min

Ep 903Wissen über Bodenschätze

1922, lange vor der digitalen Revolution, vor dem Wachstum des Dienstleistungssektors, hing das wirtschaftliche Wohlergehen Deutschlands, nach Meinung der Ökonomen, wesentlich von den verfügbaren Rohstoffen ab. Davon geht auch der Autor Dr. P. Stautz aus, der am 11. Juni für das Berliner Tageblatt über Deutschlands Bodenschätze schrieb, er verband diese Feststellung aber zugleich mit der Forderung, über die Bodenschätze an den Schulen und in den Museen aufzuklären. Museumspädagogik und Wissenschaftskommunikation waren gefordert. Frank Riede gräbt für uns den Artikel aus und vertont ihn.

Jun 11, 20228 min

Ep 902Berliner Porträts III - Käthe Dorsch

Das Berlin der 1920er Jahre war nicht nur berühmt für die große Zahl seiner großen und kleinen Theater, sondern, damit einhergehend, auch für die vielen in der Stadt ansässigen prominenten Schauspielerinnen und Schauspieler. Zu den gefeierten Stars jener Zeit gehörte Käthe Dorsch, die, ursprünglich aus der Oberpfalz stammend, seit 1911 in Berlin wirkte – zunächst noch als Operettensoubrette, bald aber schon als gefeierte Charakterdarstellerin an den bedeutendsten Bühnen. Ebenso wie die Berliner Morgenpost und die Vossische Zeitung leistete sich auch das 8-Uhr-Abendblatt im Frühjahr 1922 eine Porträtserie berühmter Berliner Persönlichkeiten. In diesem Rahmen widmete sich am 10. Juni der renommierte Publizist Kurt Pinthus der Dorsch und versuchte ihre Faszination zu ergründen. Für uns folgt ihm dabei Paula Leu.

Jun 10, 202212 min

Ep 901Berliner Porträts II - Max Planck

Nachdem wir gestern ein Porträt von Heinrich Zille gehört haben, folgt nun in der kleinen Porträt-Reihe eine weitere große, in Berlin tätige Persönlichkeit: Max Planck. Als Autorität in Sachen Physik in Deutschland, war er ja 1919 mit dem Nobelpreis des Jahres 1918 ausgezeichnet worden, war er Beständiger Sekretär der Preußischen Akademie der Wissenschaften, Gründer der Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft, Senator der Kaiser-Willhelm-Gesellschaft, die später zur Max-Planck-Gesellschaft werden sollte. Doch er war auch weiterhin Professor und hielt regelmäßig Vorlesungen. Und in eine dieser setzte sich Werner Bloch für die Vossische Zeitung und beschrieb den großen Wissenschaftler aus dieser kleinen Beobachtung heraus. Den Text druckte die Zeitung am 9. Juni 1922 ab und für uns drückte Frank Riede die Studienbank.

Jun 9, 20227 min

Ep 900Berliner Porträts I - Heinrich Zille

Manchmal spült uns das Zeitungsarchiv Artikel ins Netz, die im Podcast eine Miniserie ergeben, obgleich sie vor einhundert Jahren unabhängig voneinander in unterschiedlichen Zeitungen erschienen. So beginnt heute eine dreiteilige Porträtreihe bei Auf den Tag genau. Den Anfang macht der Maler Heinrich Zille, der mit seinen in Arbeitervierteln und in Hinterhöfen gefunden Sujets vielleicht zu dem Künstler der Weimarer Republik avancierte, der gleichermaßen von der Kritik, der Kunstwelt, sowie von den von ihm Portraitierten selbst bewundert wurde. Lediglich die Sittenwächter nahmen an seinen freizügigeren Zeichnungen Anstoß. 1922 war er bereits einer der berühmtesten Berliner, konnte den Ruhm aber nur bedingt genießen, da 1919 seine geliebte Frau Hulda verstorben war und er, mittlerweile 64 Jahre alt, zunehmend an Gicht und Diabetes litt. Am 8. Juni 1922 porträtiert ihn die Berliner Morgenpost. Für uns begibt sich Paula Leu zu Zille und seinem „Milljöh“.

Jun 8, 202211 min

Ep 899Brief aus Stettin (an den Baedeker)

Athen hat Piräus, Paris Le Havre, Sao Paolo hat Santos, Peking Tianjin. Und Berlin? Hatte früher Stettin. Fragen des Hafenwesens, der Löschung von Waren und des städtischen Handels interessierten Star-Kolumnist Sling bei seiner Reise ans Haff respektive in seinem dort entstandenen Bericht für die Vossische Zeitung vom 7. Juni 1922 freilich nur insoweit, als sie gewiss zu dem urban-maritimen Flair beitrugen, das Sling hier weit mehr in den Bann schlug als alle Restaurants und Rathausfassaden, die ihm sein mitgebrachter Reiseführer dröge aufreihte. Sein Ärger über dessen steif-bildungsbürgerliche Einfalt lässt Sling einen empörten Brief an die Redaktion des Baedeker verfassen. Bzw. seine kleine Hymne auf Stettin sich als Brief an die Redaktion des Baedeker maskieren. Gelesen hat ihn für uns Frank Riede.

Jun 7, 20228 min

Ep 898Mordanschlag auf Philipp Scheidemann

Zwischen den politischen Morden an Matthias Erzberger im August 1921 und an Walther Rathenau, um den es in weniger Wochen gehen wird, versuchte die monarchistisch-völkische Gruppe Consul eine weitere, wenn nicht die Symbolfigur der Weimarer Republik Philipp Scheidemann zu töten. Hatte er doch 1918 die Republik ausgerufen. Dabei war er Karl Liebknecht zuvorgekommen, was ihn zum Feid sowohl der rechten Militaristen als auch der Kommunisten machte – den Mordversuch unternahmen aber, wie schon erwähnt, drei Rechtsradikale. Scheidemann, 1922 Oberbürgermeister seiner Heimatstadt Kassel, ging am Pfingstsonntag, am 4. Juni mit seiner Tochter spazieren, als die Attentäter an ihn herantraten und ihm aus einem kleinen, an einem Spazierstock befestigten Gummiball Blausäure ins Gesicht sprühten. Er überlebte wohl, weil der Wind gerade so wehte, dass die Blausäure nicht in Mund und Nase eindringen konnte. Die Berliner Volkszeitung schilderte am 6. Juni den Tathergang und ordnete den politisch motivierten Mordversuch ein. Frank Riede liest.

Jun 6, 20226 min

Ep 897An der Panke

Im Westen und im Zentrum der Stadt, hieß es früher in Berlin, werde gelebt, im Süden, Osten und Norden gearbeitet. Die berühmtesten, berüchtigtsten und vor allem bevölkerungsreichsten Arbeiterquartiere lagen dabei nur knapp nördlich des historischen Stadtkerns in der Oranienburger und Rosenthaler Vorstadt, im Prenzlauer Berg und vor allem im Wedding, der gerade in Weimarer Zeit gleichermaßen als gefährlicher Brennpunktstadtteil dämonisiert wie als heimliches Herz der Hauptstadt idealisiert wurde. Der Autor Ossip Harlander stammt offensichtlich von hier und widmete seiner alten Heimat an der Panke in der Berliner Volks-Zeitung vom 5. Juni 1922 einen mit zahlreichen Reminiszenzen gespickten Bericht, der weder einseitig auf die Idylle, noch ausschließlich auf das Elend fokussiert. Angeschlossen bei seiner Rückkehr ins alte Milieu hat sich für uns Paula Leu.

Jun 5, 20229 min

Ep 896Geistausgießung in die Politikerköpfe

Wie schon mehrfach in unserem Podcast angeklungen, mehrten sich Anfang der Zwanziger Jahre die Analysen einer wirtschaftlich und politisch global verflochtenen Welt, für deren Probleme es auch globale Antworten zu finden gelte. Damals natürlich nicht, um den Planeten ökologisch zu retten, wie es aktuell vonnöten wäre, sondern auf der Suche danach, wie sich künftig Weltkriege verhindern ließen und ein Welthandel sich geschmeidig entwickeln könnte. Der Berliner Börsen-Courier nimmt das Pfingstfest zum Anlass, um am 4. Juni 1922 auf eine Geistausgießung in die Köpfe der Politiker zu hoffen, damit sie endlich auch zu der Einsicht gelangen, dass eines jeden Leid auch eines jeden anderen Leid ist. Eine elegante Formulierung des Stoßgebetes: „Herr, wirf Hirn vom Himmel“. Für uns hofft auf solch ein Pfingstwunder Frank Riede.

Jun 4, 20229 min

Ep 895Im "Kinostaat" von Kalifornien

Um 1900 war Hollywood eine kalifornische Gemeinde mit ca. 500 Einwohnern. Zehn Jahre später wurde es von New Yorker Filmproduzenten entdeckt, die sich dort einer nach dem anderen ansiedelten. Bereits 1920 entstand der Großteil der US-amerikanischen Filmproduktion in dieser Film-Stadt, auf deren Gelände unzählige Bauten als Kulissen für die unterschiedlichsten Genres und historische Epochen dienten. Am 3.6. 1922 berichtete das Friedenauer Tageblatt aus dem Herzen der Traumfabrik, in der, so erfahren wir, eigene Gleise und Farmen und Saloons zur Produktion der unzähligen Cowboy-Filme dienten, aber auch die indigene Bevölkerung Amerikas als eine Art lebendiges Inventar für diese Produktionen missbraucht wurde. Der Artikel beschreibt dies in der zeittypischen Terminologie. Paula Leu überbrückt für uns die Strecke Friedenau – Hollywood.

Jun 3, 20225 min

Ep 894Die Waldschule in Charlottenburg

Charlottenburg galt vor seiner Fusion mit Groß-Berlin im Jahr 1920 zwar zeitweise als die reichste Stadt Preußens; dicht besiedelte Mietskasernen mit dunkel-feuchten Hinterhäusern, in denen Armut, Rachitis und Tuberkulose blühten, gab es indes auch hier im goldenen Westen. Eine vielbeachtete Maßnahme, diese Missstände zumindest punktuell zu lindern, war die 1904 von der Charlottenburger Stadtverordnetenversammlung beschlossene und auch sofort in die Tat umgesetzte Gründung einer Waldschule im nahen Grunewald. Gesundheitlich besonders angeschlagenen Kindern wurde hier fortan, anfangs nur im Sommerhalbjahr, eine kostenlose Beschulung im Grünen ermöglicht, die, wenn das Wetter es zuließ, teilweise sogar im Freien erfolgte – ärztliche Betreuung und nahrhafte Verköstigung inklusive. Die Neue Zeit aus Charlottenburg berichtet am 2. Juni 1922 nicht ohne Lokalstolz vom Tagesablauf in der Gemeindeschule im Wald, wenngleich sie ihre Enttäuschung nicht ganz verbergen kann, dass der Zugang zu der sechs Jahre später gegründeten Höheren Waldschule gleich nebenan nicht ganz so inklusiv geregelt war. Es liest Frank Riede.

Jun 2, 20227 min

Ep 893Wien und seine Applauskultur

Die Kunstsinnigkeit der Wienerinnen und Wiener und speziell ihr Enthusiasmus für Musik und Theater sind bis heute weltberühmt. Nicht von ungefähr, sagt man, sei Wien die einzige Stadt auf der Welt, in der man beim Taxifahrer erfragen könne, was abends wo gespielt würde. Wie wir in unserem heutigen Artikel aus der Vossischen Zeitung vom 1. Juni 1922 erfahren, wurde an dieser Legende (die möglicherweise gar keine Legende ist) auch schon seinerzeit kräftig gestrickt. Autor Karl Lahm führt dort aus, was viele Künstlerinnen und Künstler auch heutzutage unterschreiben würden: Der Applaus in Wien ist in puncto Begeisterungsfähigkeit wie in puncto Differenziertheit mit nichts zu vergleichen. Vom berühmten Sonderfall des Wiener Burgtheaters, vormals Hoftheaters, an dem es bis sage und schreibe 1983 nicht üblich war, dass seine Ensemblemitglieder zum Beifall vor den Vorhang traten, weil es als für „Schauspieler Seiner Majestät“ nicht schicklich galt, sich vor dem einfachen Volk zu verbeugen, ist im Artikel wie überhaupt von Schauspielhäusern nicht die Rede. Es liest Paula Leu.

Jun 1, 20227 min

Ep 892Die Affeninsel von Robert Musil

Dass ein Zeitungspodcast über die 1920er Jahre über kurz oder lang beinahe unvermeidlich auch zu einem Who is Who der großen Literaten gerät, ist an dieser Stelle eigentlich unnötig zu erwähnen. Gabriele Tergit, Joseph Roth, Hermann Hesse, Gerhard Hauptmann, die Manns ... – sie alle waren zum Broterwerb oder aus anderen Gründen bisweilen auch journalistisch tätig und sind hier bei Auf den Tag genau in den letzten zweieinhalb Jahren entsprechend ein- und ausgegangen. Mit dem heutigen Tag tritt nun auch Robert Musil in diesen Kreis. Musil lebte seit dem Ende des Ersten Weltkriegs gleichfalls überwiegend in Berlin und schrieb in dieser Zeit nicht nur am Mann ohne Eigenschaften, sondern veröffentlichte gelegentlich auch kleinere Texte in der hauptstädtischen Presse, zum Beispiel ‘Die Affeninsel‘ am 31. Mai 1922 in der Vossischen Zeitung. In diesem Sinne willkommen im Club, lieber Robert! Frank Riede führt dich bei uns ein.

May 31, 20228 min

Ep 891In der Moschee des Kriegsgefangenenlagers Wünsdorf

Die älteste Moschee in Deutschland war der zwischen 1915 und 1930 bestehende Sakralbau im brandenburgischen Wünsdorf vor den Toren Berlins. Auf dem Gelände eines Kriegsgefangenenlagers, in dem überwiegend Gefangene muslimischen Glaubens interniert waren, genehmigte das Kriegsministerium den Bau eines hölzernen Gotteshauses. Nach dem Kriege kehrten die meisten Gefangenen in ihre Herkunftsländer zurück, es blieb aber eine etwa 90köpfige Gruppe zurück, die die Moschee als religiöses Zentrum weiternutzte, und zu besonderen Festen ihre Türen für interessierte Berliner öffnete. So auch zum Ende des Fastenmonats Ramadan 1922, dem 28. Mai, als der Schriftsteller Erdmann Graeser für die Vossische Zeitung die Moschee und ihre Gemeinde besuchte. Seinen Bericht darüber druckte die Zeitung am 30.5. ab, und Frank Riede trägt ihn für uns vor, wobei er, wie es Graeser tut, die türkische und persische Bezeichnung des Fastenmonats nutzt: Ramasan.

May 30, 20226 min

Ep 890Gelenkte Demokratie in Ungarn

Nein, Viktor Orbán hat vor einhundert Jahren natürlich noch nicht in Ungarn regiert. Der nachfolgende Bericht aus dem Vorwärts vom 29. Mai 1922 über die ungarischen Parlamentswahlen am vorausgegangenen Wochenende lässt aber durchaus einige Parallelen zu heutigen ungarischen Parlamentswahlen erkennen bzw. veranschaulicht zumindest deutlich, wie gut man bei der FIDESZ seinen Hórthy studiert hat. Willkürliche Verhaftungen von oppositionellen Kandidaten sind aus dem Ungarn des 21. Jahrhunderts zwar nicht bekannt. Andere Aspekte, von denen der Artikel kündet, die Diskriminierung und Einschüchterung von Regierungskritikern, die Instrumentalisierung von Minderheitenfragen und das drastische Stadt-Land-Gefälle, sind hingegen sehr wohl wiederzuerkennen. Paula Leu weiß Näheres.

May 29, 20224 min

Ep 889Speiseeis und Eisgetränke

Wie schmeckte das Speiseeis, das die Straßenkarren-Verkäufer mit dem beginnenden Sommer 1922 in Deutschlands Städten verkauften? Das werden wir wohl nicht so einfach erfahren. Immerhin finden wir im Berliner Tageblatt vom 28. Mai einen Artikel, der sich mit dem Speiseeis und den Eisgetränken und ihren Mixturen beschäftigt. Das bringt uns dem Geschmack natürlich nur bedingt näher. Die offensichtlich häufige Beimischung von alkoholischen Getränken zu dem Eis könnte uns aber vermuten lassen, dass die geschmacklich intensiven Sherrys und Liköre überdecken sollten, was an gutem Geschmack der Eismasse fehlte. Vielleicht tuen wir aber auch dem Eis der Zwanziger unrecht. Frank Riede arbeitet sich für uns durch die Eissorten.

May 28, 20228 min

Ep 888Für Köpenicks Unabhängigkeit!

Unabhängigkeitsbestrebungen sind kein Phänomen, das erst dort zu beobachten ist, wo sich ein Gemeinwesen selbst als Nation definiert; vielmehr beginnt derlei oftmals buchstäblich schon vor der eigenen Haustür. Hörer*innen, die diesem Podcast schon länger die Treue halten, werden sich an die Querelen erinnern, die sich mit der Konstituierung von Groß-Berlin im Jahr 1920 auch in den Zeitungen abbildeten, und die Widerstände gegen diesen Zusammenschluss der Hauptstadt mit zahlreichen ihrer Vororte waren, wie unsere heutige Folge belegt, auch zwei Jahre später keineswegs ausgestanden. Das Cöpenicker Tageblatt vom 27. Mai 1922 schaut interessiert auf separatistische Bewegungen in einigen Nachbarorten sowie im Kreis Teltow und leitet daraus einen Aufruf auch an die Köpenicker Bevölkerung ab, für eine Rückkehr zur Unabhängigkeit von Berlin zu kämpfen. Die Gründe, die dafür ins Feld geführt werden, kennt Paula Leu.

May 27, 20227 min

Ep 887Jubiläum des Hambacher Festes

Am 27. Mai 1832 begann auf dem Hambacher Schloss und in Neustadt an der Haardt in der damals zum Königreich Bayern gehörenden Rheinpfalz das sogenannte Hambacher Fest. Auf dem versammelte sich die bürgerliche Opposition, um gegen die repressiven Politik des Deutschen Bundes zu protestieren und Freiheit, politische Partizipation sowie nationale Einheit zu fordern. 90 Jahre später, würde man meinen, sollte die Weimarer Republik an dieses Erbe anknüpfen und das Jubiläum feierlich begehen. Und tatsächlich fand 1922 eine Festveranstaltung am Schloss statt, wie die Vossische Zeitung vom 26.5. zu berichten weiß. Wie es uns oft in der Weimarer Zeit begegnet, war diese aber parteipolitisch klar definiert. Die Deutsche Demokratische Partei hatte geladen und stellte die Redner. Paula Leu feiert dennoch mit.

May 26, 20226 min

Ep 886In Fords Fabrik

Den Einfluss der Automobilfabriken von Henry Ford mit ihrer effizienten Fließbandproduktion auf die Entwicklung der Weltwirtschaft lässt sich kaum überschätzen. Mit den auf einige Handgriffe spezialisierten Arbeitskräften, speziellen Maschinen, die eigens für einen Arbeitsschritt der Fließbandproduktion geschaffen wurden, einem Produkt, das sich breite Bevölkerungsschichten leisten können, stehen die Fordschen Werke für eine Entwicklung, die zumindest bis zu Corona-Pandemie, wesentlicher Teil des Leitbildes der globalisierten Industrie war – ganz unabhängig davon, ob Henry Ford wirklich der Erfinder war, und unabhängig von seiner antisemitischen publizistischen Tätigkeit. An dem Nimbus dieser Fabriken in Detroit schrieb auch am 25. Mai 1922 die Beilage des Vorwärts Heimwelt mit, die eine Passage aus Friedrich Dessauers Reisebuch „Auslandsrätsel“ abdruckte. Für uns liest am Fließband Frank Riede ein.

May 25, 20227 min

Ep 885Das Gartenfest beim Reichspräsidenten

Paul Schlesinger alias Sling ist in den vergangenen Monaten zu einem der meistgespielten Autoren in diesem Podcast avanciert, und auch bei seinem sich heute jährenden Bericht aus dem ‘Garten des Deutschen Reiches‘ in der Vossischen Zeitung vom 24. Mai 1922 konnten wir nicht widerstehen. Die mehrtägige Gastspielreise, die den renommierten Wiener Männergesangverein seinerzeit nach Berlin geführt hatte, beschäftigte nicht nur die hauptstädtische Presse überraschend ausführlich. Selbst der Reichspräsident fühlte sich bemüßigt, jenem zu Ehren zu einem frühsommerlichen Empfang im Garten zu laden. Zu den Gästen dieses Get together zählte neben vielen anderen schillernden Persönlichkeiten auch Sling, dessen kolumnistische Hauptaufmerksamkeit denn auch weniger den musikalischen Darbietungen, als dem gesellschaftlichen Drumherum galt. Bei einem Covercoat handelt es sich übrigens um einen klassischen britischen Herrenmantel mit typischerweise gekerbtem Revers, der Ende des 19. Jahrhunderts in Mode kam. Alle weiteren Informationen hat Paula Leu.

May 24, 20228 min

Ep 884(1)40 Jahre Gotthardtunnel

Der Bau des sogenannten Gotthardtunnels unter dem bzw. durch das gleichnamige Schweizer Gebirgsmassiv gehört zu den großen Pioniertaten der Eisenbahngeschichte. Der Realisierung einer Zugverbindung durch die Alpen galt seinerzeit, in den 1880er Jahren als eine technische Sensation. Ihr Ergebnis war die mit 15 Kilometern damals längste Röhre der Welt, die das Reisen vom Norden in den Süden Europas und vice versa in der Tat revolutionierte. Grund genug für die Neue Zeit am 23. Mai 1922 zum nur mäßig runden vierzigsten Geburtstag an diesen fulminanten Durchbruch im mehrfachen Sinne des Wortes zu erinnern. Obgleich der historische Gotthardtunnel mittlerweile wesentliche Funktionen an den 2016 eröffneten Gotthard-Basistunnel abgegeben hat, gratuliert zu seinem nunmehr einhundertvierzigjährigen Bestehen für uns Frank Riede.

May 23, 20227 min

Ep 883Die Filmoper “Jenseits des Stromes”

Musik und Film ist ein Beziehungsgeflecht, das in der frühen Kinematographie für zahlreiche Experimente sorgte. Weit verbreitet war die Livemusik, die passend zur Stimmung der einzelnen Filmszenen anderweitig entstandene heitere, ernste, dramatische, traurige Musikstücke anspielte. Zunehmend entstanden eigens für einen Film komponierte Filmmusiken, die ebenfalls während der Vorführung live gespielt wurden. Parallel dazu wurde mit technischen Synchronisierungsverfahren experimentiert, die aufgezeichnete Musik abspielten. Ludwig Czerny hingegen ließ sich ein Verfahren patentieren, das am unteren Ende des Filmbildes die Partitur der Filmmusik, der Opernarien abspielte, so dass die anwesenden Musiker:innen und Sänger:innen dadurch sozusagen von der Leinwand aus dirigiert wurden. Damit wollte er eine Film-Oper schaffen, die gleichermaßen Musik- und Filmerlebnis war. Der erste mit diesem Verfahren erstellte große Opernfilm war „Jenseits des Stromes“, den für die Berliner Volks-Zeitung vom 22. Mai 1922 Lothar Band rezensierte. Dabei setzte er die technische Seite des Verfahrens als bekannt voraus, da er diese in einem früheren Artikel vorgestellt hatte. Sollte die nun folgende Kritik allgemein geteilt worden sein, so wäre sie eine Erklärung für das kommerzielle Scheitern des Filmoper-Verfahrens von Czerny. Die Tücken der Synchronisierung von Live-Sänger:innen und Leinwandsänger:innen schildert für uns Paula Leu.

May 22, 20227 min

Ep 882Alfred Kerr an der Wall Street

Alfred Kerr war bekanntermaßen einer der prägenden Theaterkritiker der Weimarer Jahre, dessen regelmäßige Rezensionen der wichtigsten hauptstädtischen Premieren heute zu den wichtigsten theaterhistorischen Dokumenten jener Epoche zählen. Von Zeit zu Zeit nahm sich Kerr zum Ausgleich indes auch andere Topics vor, ein maritimer Trip über den Atlantik machte ihn dabei im Frühjahr 1922 sogar für ein paar Wochen zum Reiseschriftsteller. In New York City beobachtete er nicht nur das dortige kulturelle Leben, sondern widmete sich auch anderen gesellschaftlichen Themen, etwa der Börse. Dass die Wall Street in vielerlei Hinsicht großes Theater ist, wusste man wohl auch vorher. Aber nur wenige vermochten dies so eindrucksvoll zu schildern wie Alfred Kerr in den folgenden Auszügen aus dem Berliner Tageblatt vom 21. Mai. Als sein Alter ego fungiert, wie immer bei Auf den Tag genau, Frank Riede.

May 21, 202212 min

Ep 881Entschleunigung in Brandenburg

Der größte denkbare Kontrast zu Berlin ist bekanntlich ... Brandenburg, und das gilt offensichtlich nicht erst seit Rainald Grebe. Auch schon Victor Auburtin, der große Kolumnist des städtischen Lebens, der Chronist des pulsierenden Berlin der 1920er Jahre, dessen Miniaturen normalerweise selbst dann das urbane Flair des Großstädters verströmen, wenn er im Thüringer Wald auf die Berliner Weihnachtsgäste wartet oder auf Sylt Austern schlürft – in einem kleinen Dorf in der Mark kam er richtig zur Ruhe. Den Begriff der Entschleunigung kannte man seinerzeit vermutlich noch nicht, und doch, könnte man sagen, handeln Auburtins Zeilen aus dem Berliner Tageblatt vom 20. Mai 1922 genau davon. Begleitet bei seinem Retreat hat Auburtin, abgesehen von ein paar Dörflern und einer Gans, nur Paula Leu.

May 20, 20225 min

Ep 880Béla Bartók in Frankfurt

Béla Bartók gilt als einer der wichtigsten Vertreter der musikalischen Moderne, obwohl, aber vielleicht auch gerade weil er nicht über eine der musikgeschichtlichen Hauptrouten, etwa im Schlepptau der zwölftönenden Zweiten Wiener Schule oder über den musikalischen Expressionismus dorthin fand. Vielmehr kam Bartok geographisch und vor allem künstlerisch eher vom Rand der europäischen Musikkultur, indem er sich etwa ausgiebig von der Volksmusik seiner pannonischen Heimat inspirieren ließ und intensiv auch mit pentatonischen oder bitonalen Formen experimentierte; womit er anfänglich sowohl konservative, als auch streng avantgardistische Hörer irritierte. Das gilt auch für den Kritiker Artur Bogen, der sich mit Bartóks berühmter einziger Oper Herzog Blaubarts Burg und dem Tanzspiel Der holzgeschnitzte Prinz bei deren deutscher Erstaufführung in Frankfurt erkennbar schwertat. Aus seiner Rezension in der Deutschen Allgemeinen Zeitung vom 19. Mai 1922 liest Frank Riede.

May 19, 20227 min

Ep 879Eine Hochtour durchs Salzkammergut

Im Salzkammergut, da kammer gut lustig sein, weiß die Operette. Aber im Salzkammergut, da kann man auch abenteuerliche Touren ins Hochgebirge unternehmen, weiß die Neue Zeit vom 18. Mai 1922. Der bekannte Autor und Filmarchitekt Albin Grau schilderte hier eine Skiwanderung durch die Ausläufer des Dachsteingebirges, bei der selbstverständlich auch die Kamera nicht fehlen durfte und die alles aufweist, was alpine Gletscherüberquerungen an Extremen zu bieten haben: eisige Kälte und gleißende Sonne, grandiose Ausblicke und plötzliche Lawinengefahr, bange Momente und glückliche Abstiege. Über den anschließenden Aufenthalt im magischen Ort Hallstatt am gleichnamigen See, der sommers mittlerweile ein touristisch überlaufenes Dorado vor allem asiatischer Besucher geworden ist, erfahren wir leider nicht mehr viel. Aber man kann halt nicht alles haben, nicht einmal in diesem Podcast. Es liest Paula Leu.

May 18, 20229 min

Ep 878Stinnes und Kunze

Vom völkischen Antisemiten Richard Kunze, wegen seines zeitweisen Vertriebs von Knüppeln, „Knüppel Kunze“ genannt, berichteten wir im Zusammenhang mit dessen Wahl in die Berliner Stadtverordnetenversammlung. Wie so viele rechte Populisten agitierte er offenbar pauschal gegen die Eliten des Landes: Politiker, Intellektuelle, Unternehmer. Wie so viele rechte Populisten besänftigte sich (zumindest, wenn es keiner mitbekam) der Furor gegenüber den Eliten, wenn es um die eigene Finanzierung ging. Sollte „Knüppel Kunze“ auch in die Reihe derer eingeschwenkt sein, die sich ihre völkische Agitation vom Industriellen Hugo Stinnes finanzieren ließen? Im April veröffentlichte das Berliner Tageblatt Briefe eines Vertrauten Kunzes, in denen er Stinnes um Geld für Kunze bat. In der Freiheit vom 22. Mai finden wir ein Spottgedicht, das diesen Gesinnungswandel des selbsternannten Arbeiterführers aufs Korn nimmt. Für uns gelesen von Frank Riede.

May 17, 20223 min

Ep 877Glückwunsch an die Funktelegraphie

Sicherlich gibt es heute unzählige Meinungen dazu, was als Geburtsstunde der drahtlosen Telegraphie anzusehen ist. War es die Ausformulierung der ersten Idee Ende des 18. Jahrhunderts? War es das Patent James Lindsays 1854? Waren es die Experimente von Karl Strecke 1895? Für das Berliner Tageblatt vom 16. Mai 1922 gratulierte der Autor Arthur Fürst der Funktelegraphie zum 25jährigen Jubiläum. Für den Verfasser des Sachbuches „Im Bannkreis von Nauen. Die Eroberung der Erde durch drahtlose Telegraphie“ waren die Geburtsstunde also die ersten Übertragungsversuche von Guglielmo Marconi an der englischen Küste, als er im Mai 1897 die Insel Flat Holm über den Bristolkanal mit dem Festland „verband“. Paula Leu gratuliert also heute zum 125sten.

May 16, 202211 min

Ep 876Der Weg zum Weltparlament

Am 19. Mai 1922 endete die Konferenz von Genua, der auch bei Auf den Tag genau einige Folgen gewidmet waren. Bei der Bewertung der Ergebnisse von Genua, bzw. gerade dem Fehlen ebensolcher ähnelt die gängige Wahrnehmung heute der von vor hundert Jahren. Konkrete Beschlüsse waren nicht gefasst worden. Allerdings war man auch nicht im Streit auseinandergestoben. Alle beteiligten Nationen erkannten die Wichtigkeit des gemeinsamen Konferierens an und verabredeten sich zur nächsten Konferenz. Und genau dies war für einen Beobachter des Berliner Börsen-Couriers bereits in der Ausgabe vom 15. Mai die Pointe von Genua. Sie habe deutlich gemacht, dass eine dauerhafte Konferenz notwendig ist, ein Weltparlament. Dass dabei der bereits bestehende Völkerbund mit keinem Wort erwähnt wird fällt auf, wenn wir Frank Riede lauschen.

May 15, 20227 min

Ep 875Georg Lukács ‘gratuliert’ Arthur Schnitzler zum Geburtstag

György oder Georg, Luukatsch oder Lukaaaasch? Einigkeit über die Aussprache des aus Ungarn stammenden gleichnamigen Philosophen und Literaturwissenschaftlers konnte im akademischen Diskurs nie so recht hergestellt werden. Inhaltlich ist die Sache sehr viel klarer: Der Namensträger gilt als einer der wichtigsten und vor allem wirkmächtigsten marxistischen Denker des 20. Jahrhunderts, der die ästhetischen Aufbrüche der literarischen Avantgarden mit ihren formalen Experimenten vehement bekämpfte und seine marxistische Theorie des Realismus – Ironie der Geschichte! – ausgerechnet am Ideal des bürgerlichen Romans entwickelte. Für den feinsinnigen Psychologismus eines Arthur Schnitzler hatte die von ihm geprägte (in der sowjetischen Hemisphäre dereinst außerordentlich einflussreiche) Denkschule, wie für die gesamte Literatur des Fin de siècle, naturgemäß wenig übrig und lehnte dessen Werk mit der großen Geste ideologischer Selbstgewissheit als dekadent ab. Der Gruß, den Luukatsch – oder Lukaaaasch – dem international gefeierten Jubilar Schnitzler zum sechzigsten Geburtstag in der Roten Fahne vom 14. Mai 1922 nach Wien sandte, fällt denn auch wenig freundlich aus. Frank Riede liest ihn uns trotzdem vor.

May 14, 202211 min

Ep 874Gabriele Tergit: Batist, Kaschmirschals und Moral

Elisa Hirschmann, die mit dem Pseudonym Gabriele Tergit ihre publizistische und literarische Tätigkeit zeichnete, war eine der größten literarischen Wiederentdeckungen Ende der 1970er Jahre. Obgleich ihr 1932 erschienener Roman „Käsebier erobert den Kurfürstendamm“ ein Erfolg war und sie für ihre Feuilletons und Gerichtsreportagen bekannt war, geriet sie für Jahrzehnte aus dem Fokus der Aufmerksamkeit. Wenige Jahre vor ihrem Tod 1982 wurde ihr Roman neu aufgelegt, ihre weiteren, bislang unveröffentlichten Werke erschienen post mortem. Erst 2021 ist ihr großes Portrait der deutschen Gesellschaft des 20. Jahrhunderts „So war‘s eben“ zum ersten Mal erschienen. Wir lenken heute den Blick auf ihre Feuilletons, die sie während ihres Studiums in verschiedenen Zeitungen veröffentlichte. In der Vossischen vom 13. Mai 1922 erfahren wir von ihr über die Zusammenhänge von Damenkleidung, Nationalökonomie und Moral. Es liest Paula Leu.

May 13, 20225 min

Ep 873Passionsspiele in Oberammergau

Die Geschichte ist Legende: Als 1633 im oberbayerischen Oberammergau die Pest wütete, taten die Bewohner in ihrer Verzweiflung ein Gelübde, den „Herrn“ zukünftig alle zehn Jahre in einem Passionsspiel zu ehren, wenn „Er“ sie von dieser Geißel befreie. Das Wunder geschah, und seither wird die dortige Dorfgemeinschaft in dezimaler Regelmäßigkeit zunächst zur friseurfreien Zone und dann für einen Sommer zu einer riesigen Laienspieltruppe, deren vielstündiges Spiel bereits seit dem 19. Jahrhundert zunehmend auch den internationalen Jetset ins sonst so beschauliche Ammertal lockt. Abweichungen vom Zehn-Jahres-Turnus kannte der Passionsfestspielbetrieb nur in bedeutenden historischen Ausnahmefällen. War es 2020 eine globale Pandemie, die eine Verlegung des Spektakels ins Jahr 2022 erzwang, so ließen 1920 die Auswirkungen des Ersten Weltkriegs die Veranstalter den nämlichen Beschluss fassen und die nächste Passion gleichfalls um zwei Jahre verschieben. Für die Berliner Morgenpost berichtete von dieser am 12. Mai 1922 Max Osborn, für uns tut dies Frank Riede.

May 12, 202211 min

Ep 872Sind die anderen Gestirne bewohnt?

Eine der ganz großen und zeitlosen Menschheitsfragen stellt das Friedenauer Tageblatt am 11. Mai 1922: „Sind die anderen Gestirne bewohnt?“ Und auch die Motivation für diese Frage klingt für uns vertraut – der jammervolle Zustand unseres Planeten. Und so geht es im Folgenden auch nicht nur um die Existenz von Außerirdischen, sondern auch um die Möglichkeiten für Menschen anderweitig im Weltraum einen neues Plätzchen zu finden. Paula Leu begibt sich mit auf die Suche.

May 11, 20225 min

Ep 871Wassily Kandinsky bei Goldschmidt-Wallerstein

Die von den zwei Kunsthistorikern Dr. Fritz Goldschmidt und Dr. Victor Wallerstein nach dem Ersten Weltkrieg gegründete und nach ihnen benannte Galerie am Schöneberger Ufer 36a eröffnete 1921 eine Abteilung für die Moderne. Und in ihr fand vom April bis zum Juni 1922 eine Ausstellung von Wassily Kandinsky statt. Sie begleitete sozusagen Kandinskys Rückkehr nach Deutschland. War er vor dem Krieg als Mitbegründer der Künstlergruppe „Blauer Reiter“ in München tätig, zog ihn die russische Revolution nach Moskau, wo er 1920 der Leiter des „Instituts für Künstlerische Kultur“ wurde. Als ihm klar wurde, dass die neuen Machthaber in Rußland weder der künstlerischen Freiheit allgemein, noch der abstrakten Malerei im Besonderen zugeneigt waren, kehrte er zurück und folgte im Juni 22 dem Ruf Walter Gropius‘, um am Bauhaus in Weimar zu unterrichten. Die Berliner Börsen-Zeitung veröffentlichte in ihrer Ausgabe vom 10. Mai eine Kritik der Einzelausstellung bei Goldschmidt-Wallerstein. So ganz kann sich der Rezensent nicht für die Abstraktion Kandinskys erwärmen, wie Paula Leu zu berichten weiß.

May 10, 202211 min

Ep 870Bericht aus Charkow/Charkiw

Charkow oder Charkiw – diese dieser Tage so erschütternd blutig ausgetragene Frage war auch schon vor einhundert Jahren bedrückend aktuell und hatte die Stadt im Osten der Ukraine zwischen 1917 und 1920 während des Russischen Bürgerkriegs mehrfach zum Schauplatz schwerer Kämpfe gemacht. Charkow oder Charkiw – für Colin Roß stellte sich diese Frage, zumindest sprachlich nicht. Der berühmte Reiseschriftsteller (der hier in diesem Podcast schon verschiedentlich aus Südamerika berichtet hatte) hielt sich, wie damals in der deutschen Berichterstattung weithin üblich, an die russischen Sprech- bzw. Schreibweisen – und griff auch ansonsten auf einige heute nicht mehr gebräuchliche, weil als diskriminierend in Verruf gerate Redewendungen zurück. Seine Aufzeichnungen aus der Berliner Morgenpost vom 9. Mai 1922 vermitteln interessanterweise den Eindruck, als habe sich nach der Oktoberrevolution und der Herrschaftssicherung der Bolschewiki sooo viel doch (noch) gar nicht geändert. Es liest Frank Riede.

May 9, 20229 min

Ep 869Breyer Memorial Bad Pistyan 1922

Das Heilbad Piešťany in der Slowakei wird wohl nur wenigen bekannt sein, aber nur Schachhistoriker kennen die Bedeutung dieses Ortes für die Schachgeschichte. Denn ebendort fand im April 1922 auf Anregung des in der Nähe lebenden ungarischen Schachspielers Gyula Breyer ein erstes internationales Turnier nach dem Ersten Weltkrieg statt, das die durch den Krieg verursachte Zersplitterung und die nationalen Feindschaften, im Geiste dieses Sports zu überwinden suchte. Der Initiator Breyer starb überraschend 1921 und so wurde der Wettkampf als “Breyer Memorial" tituliert. In diesem Turnier setzten sich zwei künftige WM-Kandidaten durch, die aus Rußland und der Ukraine emigrierten Alexander Aljechin und Efim Bogoljubow, wobei Bogoljubow knapp den Turniersieg davontrug. Der Bericht über das Turnier aus der DAZ vom 8. Mai könnte den Eindruck vermitteln, dass es schlecht besetzt war, da er sich en Detail mit allen Absagen beschäftigt. Paula Leu bringt uns alle Ab- und Zusagen.

May 8, 20229 min

Ep 868Semana Santa in Malaga

Wer jemals in der Karwoche in Südspanien weilte, wird die Bilder vom Scheitel bis zur Sohle in Kutten vermummter, unter repetitivem Trommelwirbel stundenlang Kreuze und Monstranzen durch die Innenstädte tragender Kohorten von Gläubigen nicht vergessen. Dieser Brauch der Semana Santa ist Jahrhunderte alt und schlug Reisende aus dem Norden über all die Zeit in ihren Bann. So erging es offensichtlich auch einem gewissen Paul Frank, den es im Frühjahr 1922 nach Málaga verschlagen hatte, von wo er einen eindringlichen Bericht von der dortigen Gründonnerstagsprozession ins protestantisch-heidnische Berlin schickte. Die Morgenpost hat ihn ein paar Wochen später am 7. Mai abgedruckt – und Frank Riede ihn für uns eingelesen.

May 7, 202210 min

Ep 867Jessner inszeniert Grabbe am Schauspielhaus

Der Name Christian Dietrich Grabbe ist, jenseits von Detmold, heute fast nur mehr germanistischen Spezialisten ein Begriff. Seine ambitionierten Dramen wie Herzog Theodor von Gothland oder Don Juan und Faust sind von der deutschen Bühne nahezu vollständig verschwunden. Vor einhundert Jahren sah das noch ein wenig anders aus, sein 1831 vollendetes Stück Napoleon oder Die hundert Tage war freilich auch schon damals in Weimarer Tagen ein eher selten gespieltes Werk. Mit seiner Inszenierung am Staatlichen Schauspielhaus am Gendarmenmarkt wagte Intendant und Regisseur Leopold Jessner also quasi, wie man heute sagen würde, eine Ausgrabung. Das Ergebnis würdigt im Berliner Börsen-Courier vom 6. Mai 1922 dessen Chefredakteur Emil Faktor – und für uns Frank Riede.

May 6, 202210 min

Ep 866Eduard Spelterini: Pionier der Luftfahrt und der Luftaufnahme

In der heutigen Folge beschäftigen wir uns zusammen mit der Vossischen Zeitung vom 5. Mai 1922 mit der Luftballonfahrt und stoßen dabei auf den Pionier der Luftfahrt und Luftaufnahme: Eduard Spelterini. Der 1852 geborene Schweizer besorgte sich 1887 in Paris einen eigenen Ballon „Urania“ und flog mit ihm kreuz und quer durch Europa. Er beförderte Prominente, wie Kaiser Franz Joseph, den Grafen von Zeppelin, aber auch zahlreiche Wissenschaftler, die in der Höhe Experimente machten. Irgendwann um 1895 begann er aus dem Korb Luftaufnahmen auf Glasplatten zu machen, die mit der Zeit eine bedeutende Sammlung darstellten. Als der Motorflug die Ballon-Luftfahrt verdrängte und nach dem Ersten Weltkrieg die Begeisterung für Ballonfahrten nachließ, musste er seine Bildersammlung verkaufen und arbeitete Anfang der 20er Jahre vor einem Ballon posierend in einem Vergnügungspark in Kopenhagen. 23 zog er ins österreichische Zipf und baute eine Hühnerzucht auf. Gänzlich von der Weltöffentlichkeit vergessen starb er dort 1931. Paula Leu lässt uns an der Begeisterung für die Ballonfahrt und für Spelterini teilhaben.

May 5, 20229 min

Ep 865Bakschisch

Das Osmanische Reich, vor allem in seiner Spätphase, gilt im allgemeinen Bewusstsein als besonders von Korruption geplagt – das Schmieröl der Verwaltung war das Bakschisch. Das Wort stammt aus dem Persischen, in dem es zunächst Geschenk bezeichnete, für Almosen oder Trinkgeld benutzt wurde, aber zunehmend die Bedeutung von Schmiergeld annahm. An dem Narrativ der fröhlich korrupten Osmanischen Reiches strickt auch die Vossische in ihrer Ausgabe vom 4. Mai 1922 mit, die ihren deutsch-jüdischen Autor Eli Samgar das Prinzip Bakschisch erläutern lässt. Paula Leu brauchen wir nicht zu bestechen, damit sie liest.

May 4, 20225 min

Ep 864Fünf Weichseldörfer zwischen Deutschland und Polen

Seit wir mit diesem Podcast auf Sendung sind, ging es in ungezählten Folgen immer wieder um die Frage von Grenzziehungen in Folge des Ersten Weltkriegs, und auch im Frühjahr 1922 war diesbezüglich nach wie vor kein Ende in Sicht. Nicht nur in Oberschlesien, sondern auch in Westpreußen und Pommerellen stand die Klärung, wo Deutschland und wo Polen anfangen respektive enden sollten, immer noch aus. Zu den umstrittenen Gebieten, die es immer wieder in die hauptstädtische Presse schafften, zählten u.a. auch fünf Dörfer am Unterlauf der Weichsel, die zusammen zwar kaum ein paar hundert Einwohner zählten und in ihrer Mehrheit zusammen genommen auch hauchdünn für einen Anschluss an Polen votiert hatten – für deren Verbleib bei Deutschland das Berliner Tageblatt am 3. Mai aber dennoch leidenschaftlich auf die Barrikade stieg. Für uns berichtet aus Marienwerder Frank Riede.

May 3, 202210 min

Ep 863Der Erste Mai in Friedenau

Berlin-Friedenau gilt seit Jahrzehnten als Inbegriff eines gefragten, links-bürgerlichen Innenstadtquartiers mit satten grün-roten Mehrheiten. Vor einhundert Jahren war dessen Prägung indes noch deutlich konservativer, was sich auch an der Ausrichtung des hiesigen Friedenauer Tageblatts ablesen ließ. Die Kundgebungen zum Ersten Mai, zum Tag der Arbeit, interessierten hier nur, so lange sie die kommunistischen und unabhängigen Aktivisten auf ihrem Weg zum Lustgarten entlang der Hauptstraße durch den Bezirk führten und sich gleichsam von oben aus dem Fenster betrachten ließen. Und was man dort, aus sicherer Entfernung, so an Beobachtungen machte und anderntags, am 2. Mai 1922, über das durchmarschierende Proletariat zu Papier brachte, klingt auch nicht besonders herzlich. Oder, Paula Leu?

May 2, 20224 min

Ep 862Gänge durch Berliner Bildungsstätten: Das Naturkundemuseum

Das Museum für Naturkunde - Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung lautet der vollständige Name des Hauses in der Berliner Invalidenstraße, das weltweit bekannt ist für das riesige in Lebensgröße aufgebaute Skelett des Brachiosaurus brancai. Neben der Ausstellung, die sich etwa im Jahre 2019 über 700 Tausend Besucher:innen anschauten, lädt das Museum zusammen mit der Initiative „Wissenschaft im Dialog“ zu Bürgerwissenschaftsprojekten ein, bei denen sich jeder an wissenschaftlicher Forschung beteiligen kann. 1922 machte die Berliner Morgenpost in ihrer Reihe „Gänge durch Berliner Bildungsstätten“ halt und berichtete am 30. April, also in der Ausgabe, die auch den zeitungsfreien 1. Mai bespielte, darüber. Der Brachiosaurus stand damals freilich noch nicht. Welche Exponate vor hundert Jahren im Lichthof ausgestellt waren, und dass manche davon aus den ehemaligen deutschen Kolonien in Afrika stammten, schildert für uns Frank Riede.

May 1, 202210 min

Ep 861Joseph Roth und das Lächeln der Weltgeschichte

Was macht es mit uns, dass wir immer und überall damit rechnen müssen, von einer Handykamera gefilmt oder fotografiert zu werden? Wie verändert sich unser Verhalten im öffentlichen Raum? Was bedeutet es erst für den Alltag von sogenannten Prominenten? Eine erste Revolution in dieser Hinsicht vollzog sich in den 20er Jahren, als die Photokameras zunehmend mobiler und die Photomaterialien empfindlicher wurden. Damit einhergehend feierten illustrierte Magazine, in denen die Zeichnungen durch Photografien ersetzt wurden, mit riesigen Auflagen Erfolge. Ein Riesenschritt auch für das, was wir heute als Boulevardjournalismus bezeichnen. Für den Berliner Börsen-Courier vom 30. April 1922 dachte Joseph Roth über die Auswirkungen der Schnappschüsse in den Medien, über das Dauerfotolächeln der Politik nach. In seinem Studio, vor neugierigen Paparazzi-Objektiven geschützt, liest für uns Frank Riede.

Apr 30, 20228 min

Ep 860Mary Wigman und die Zukunft der Tanzkunst

Mary Wigman, eigentlich bürgerlich 1886 als Marie Wiegmann in Hannover geboren, zählt zu den wichtigsten Wegbereiterinnen des sogenannten Ausdruckstanzes in Deutschland. Als Choreographin wirkte sie vor allem mit ihrer eigenen Tanzgruppe von Dresden aus und stand in engem Austausch auch mit bildenden Künstlern wie Ernst Ludwig Kirchner. Darüber hinaus hinterließ sie aber auch tiefe Spuren als Tanzpädagogin, bei der u.a. Gret Palucca, Margarete Wallmann und Harald Kreutzberg lernten. 1922 war der neue Stil der Wigman, wenig überraschend, noch sehr umstritten. Erich Vogeler versucht im Berliner Tageblatt vom 29. April eine Lanze für sie zu brechen, artikuliert zugleich aber doch auch einige Vorbehalte. Hier gelesen von Paula Leu.

Apr 29, 20227 min

Ep 859Dr. Mabuse, der Spieler

In der Filmgeschichte gibt es gibt immer wieder Filme, die als Zeitbilder ihrer Entstehungsepoche gesehen werden, als würden sie die Stimmung, Themen, Leidenschaften, das Lebensgefühl etwa eines Jahrzehnts in sich verkörpern. „Ausser Atem“ von Jean-Luc Godard, „Die Fahrraddiebe“ von Vittorio de Sica sind Beispiele dafür. Und sicherlich gehört „Dr. Mabuse, der Spieler“ von Fritz Lang auch in diese Reihe. Die nervöse, verruchte, ekstatische und anarchische Weimarer Republik bekommt mit diesem zweiteiligen insg. 4 ½ stündigen Film ein Denkmal gesetzt, weshalb es nicht verwundert, dass die Erfolgsserie “Babylon Berlin” sich immer wieder vor diesem Stummfilm verneigt. Dr. Mabuse ist ein Meisterverbrecher, Manipulator, Hypnotiseur, Spieler, ein Mann mit tausend Gesichtern, einem weit verzweigten Verbrechernetzwerk, der die Börse manipuliert, mit Immobilien spekuliert und dabei weniger von finanziellem Gewinn getrieben ist, sondern vor allem von der Freude am Spiel. Am 27. April 1922 feierte der erste Teil Premiere in Berlin und einen triumphalen Erfolg. Für den Regisseur Fritz Lang und die Drehbuchautorin Thea von Harbou ebnete er den Weg zu weiteren gemeinsamen Großproduktionen. Mit der Filmkritik aus der BZ. am Mittag vom 28. April folgt für uns Paula Leu den Spuren des Dr. Mabuse.

Apr 28, 20228 min

Ep 858Die Flucht der Hungernden aus der Ukraine

Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich, lautet ein bekanntes, meistens fälschlich Mark Twain zugeschriebenes Bonmot, mit dem regelmäßige Hörer:innen von Auf den Tag genau möglicherweise etwas anfangen können und an das auch unser heutiger Zeitungsartikel aus dem Berliner Tageblatt vom 27. April 1922 unwillkürlich denken lässt: Auch vor gut einhundert Jahren tobte in Teilen der Ukraine ein blutiger Krieg um deren Unabhängigkeit, der im Frühjahr 1922 immer noch nicht ganz beendet war und u.a. erhebliche Fluchtbewegungen gen Westen initiierte. Vor allem ethnische Minderheiten, nicht zuletzt die in nicht geringer Zahl dort lebenden Deutschen, waren es damals offensichtlich, die ihre Koffer packten und auf die häufig wochenlange, lebensgefährliche Reise machten. Wir senden einen Augenzeugenbericht, gelesen von Frank Riede.

Apr 27, 20229 min