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Auf den Tag genau

Auf den Tag genau

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Ep 1057Das Vermögensrecht der Ehefrau

Was waren die Auswege aus einer wirtschaftlichen Abhängig der Frau vom Mann in einer Ehe. Gütertrennung? Das Auszahlen von einer Art Lohn für die „häusliche“ Arbeit durch den Ehemann? In einem Artikel der Neuen Zeit vom 12. November 1922 diskutiert die Juristin Anna Mayer diese Fragen. Wie so oft in unserem Podcast, dokumentieren wir mit dieser Folge Zweierlei: Auf der einen Seite den mühsamen Kampf um die rechtliche Gleichstellung der Frau und um ihre wirtschaftliche Freiheit, auf der anderen Seite aber auch unhinterfragte, als selbstverständlich betrachtete Annahmen über die Stellung der Frau, die uns heute empören dürften, damals aber auch von fortschrittlichen Frauen, wie dieser Autorin, oftmals nicht hinterfragt wurden oder werden konnten. Paula Leu beschäftigt sich für uns mit der Gütertrennung 1922.

Nov 12, 20227 min

Ep 1053Beim ‘bayerischen Mussolini’ in München

Die Machtergreifung Benito Mussolinis in Italien hatte die politische Tektonik Europas schwer erschüttert. Aus deutscher Perspektive verfügte der faschistische Coup dabei nicht nur über eine außenpolitische Dimension, sondern veränderte erkennbar auch die Einschätzung der innenpolitischen Lage. Konzentrierte sich der Blick nach ‘rechts‘ bislang vor allem auf den militärischen Sektor und kaisertreue Kreise, so gerieten nun vermehrt auch freiradikale neurechte Bewegungen in den Fokus, die bisher ein wenig unter dem Radar geflogen waren. Besonderes Interesse der Hauptstadtpresse zog in diesem Zuge ein selbsternannter ‘bayerischer Mussolini‘ namens Adolf Hitler auf sich, der schon seit geraumer Zeit in München mit Hetzreden und prügelnden Schergen auffällig geworden war. Mit der korrekten Schreibweise – mit nur einem ‘t‘ – tut sich das 8-Uhr-Abendblatt in seinem Lagebericht aus der Parteizentrale vom 11. November 1922 noch schwer. Aus welchem ideologischen Holz Hitlers krude ‘Lehre‘ geschnitzt war, macht indes bereits diese frühe Analyse - unter anderem mit vielen schwer erträglichen wörtlichen Zitaten - so unmissverständlich deutlich, dass alle bekannten späteren Beteuerungen, man habe ja nicht gewusst, was Hitler wollte, einmal mehr ultimativ ad absurdum geführt werden. Allein in der Einschätzung, wie ernst man die vom Nationalsozialismus ausgehende Bedrohung zu nehmen habe, sollte der Korrespondent des 8-Uhr-Abendblattes irren. Es liest Frank Riede.

Nov 11, 20229 min

Ep 1052Nobelpreis für Albert Einstein

Wer kann die Namen Charles Édouard Guillaume, Johannes Stark oder Manne Siegbahn sofort richtig zuordnen? … Es sind allesamt Nobelpreisträger für Physik zwischen 1919 und 1924. Ohne ihre Verdienste in irgendeiner Form schmälern zu wollen, muss man feststellen, dass - nicht nur aus heutiger Sicht - sondern schon damals, Albert Einstein als Träger dieses Preises in der Luft lag. Jedes Jahr wurde er von zahlreichen seiner Kollegen vorgeschlagen, bekam den Preis aber nicht. 1921 sollte es dann so weit sein, aber die Jury konnte sich nicht einigen, da manchem die Relativitätstheorie zu unverständlich war und sie deshalb zögerten. Der Preis wurde in dem Jahr also gar nicht vergeben. Erst 1922 wurde rückwirkend für das Jahr 21 Einstein geehrt, aber nicht explizit für die Relativitätstheorie. Und so kam es zu einer illustren Doppelehrung, da der Physikpreis des Jahres 1922 an Nils Bohr ging für die Erforschung der Struktur der Atome und ihrer Strahlung. Die Vossische Zeitung berichtete am 10. November von den Beschlüssen der Schwedischen Akademie der Wissenschaften. Frank Riede stellt uns die Gewinner vor.

Nov 10, 20226 min

Ep 1051Klara Bohm-Schuch zum vierten Geburtstag der Republik

Auch exakt vier Jahre nach der Novemberrevolution waren deren Ergebnisse äußerst fragil, blieb die junge Republik durch zahlreiche Feinde in ihrem Inneren bedroht, die die Demokratisierung Deutschlands nie akzeptiert hatten. Dieser Riss durch die Gesellschaft bildete sich naturgemäß auch immer wieder in der Presse ab, deren Organe dem vierjährigen Jubiläum der Republik, je nach politischer Couleur, sehr unterschiedlich viel Raum einräumten. Die größte Emphase legte am 9. November 1922, wenig überraschend, die Parteizeitung der SPD, der Vorwärts, an den Tag, der den Republikgeburtstag in schwerer Zeit seitenlang aus verschiedenen Perspektiven kommentierte. Unsere heutige Wahl fiel dabei auf ein leidenschaftliches republikanisches Plädoyer der Schriftstellerin und SPD-Reichstagsabgeordneten Klara Bohm-Schuch, die für diese ihre Gesinnung unter den Nazis bereits 1936 mit dem Leben bezahlen sollte. Wir erinnern an sie mit unserer Lesung von Paula Leu.

Nov 9, 20227 min

Ep 1056Das Sterben der deutschen Eleganz

Mit dem Sterben der deutschen Eleganz befasste sich am 8. November 1922 in der Neuen Zeit der Schriftsteller Egon Straßburger. Es ist, wenig überraschend, ein Bericht über den Niedergang der hohen und differenzierten Kunst der Vorkriegszeit, in der jedes Einstecktuch, jedes Detail bewusst und gekonnt eingesetzt wurde von denjenigen, die sich im Spiel mit den Normen kleiden konnten. Die Welt des „köstlichen“ Geschmacks und der feinen Equipagen schien für immer unter zu gehen. Paula Leu bringt uns diesen Umbruch näher.

Nov 8, 20225 min

Ep 1050Zehn Jahre Deutsches Opernhaus Charlottenburg

Für die kulturelle Vielfalt Berlins mit heute etwa noch drei Opernhäusern gibt es diverse Gründe. Einen davon kann man in dem Reichtum seiner Vorstädte ausmachen. Die heutige Deutsche Oper in der Bismarckstraße zum Beispiel ist die Nachfolgeinstitution des alten Deutschen Opernhauses Charlottenburg, mit dessen Eröffnung 1912 die bis 1920 eigenständige, überaus wohlhabende Gemeinde im Westen Berlins ihre kulturellen Ambitionen energisch unterstrich. Klar, dass eine derart selbstbewusste bürgerlich geprägte Kommune mit immerhin 300.000 Einwohnern auch über eigene eingesessene Presseorgane verfügte. Die Neue Zeit war und blieb auch nach der hier wenig beliebten Fusion zu Groß-Berlin eine Charlottenburger Tageszeitung, die in ihrer Ausgabe vom 7. November 1922 mit entsprechend lokalpatriotischem Stolz auf ‘ihr‘ Opernhaus blickt und dessen zehnjähriges Jubiläum zum Anlass nimmt, an den steilen Aufstieg Charlottenburgs von einer biederen Ackerbürgerstadt zur Kulturmetropole zu erinnern. Frank Riede stammt nicht aus Charlottenburg, er liest aber trotzdem.

Nov 7, 202211 min

Ep 1055Sling als Lustspielautor

Paul Schlesinger alias Sling ist regemäßigen Hörerinnen und Hörern unseres Podcast mit Sicherheit ein Begriff, denn als umtriebiger Feuilletonist und Gerichtsreporter zählt er zu den fleißigsten Beiträgern von Auf den Tag genau. Nicht mehr ganz so bekannt ist heute, dass er mit dieser Tätigkeit keineswegs ausgelastet war, sondern sich nebenbei auch noch etwa als Kinderbuch- und Lustspielautor betätigte, als der er zu Lebzeiten ebenfalls durchaus erfolgreich reüssierte. Als im Herbst 1922 sein Opus „Die Erwachsenen“ im Komödienhaus am Schiffbauerdamm, unweit des heutigen Berliner Ensemble, zur Uraufführung kam, waren nicht nur Kollegen Slings von der Vossischen Zeitung, sondern Vertreter nahezu aller Berliner Presseorgane anwesend. Wir haben uns für die Rezension von Paul Wiegeler aus der B.Z. am Mittag vom 6. November entschieden und Frank Riede die Lektüre anvertraut.

Nov 6, 20226 min

Ep 1054Die Erde auf der Wiegeschale

Die Wissenschaft soll ihre Erkenntnisse erklären und sich erklären, wofür ihre Forschung einem Jeden praktisch nutzt. Mit dem ersten Teil dieser auch heute erhobenen Forderung war der 1875 in Berlin geborene Schriftsteller und Wissenschaftspublizist Bruno Bürgel mehr als einverstanden und entwickelte sich zu einem begnadeten Wissenschafts-Kommunikator, der astronomische Kenntnisse nicht nur in Publikationen und Vorträgen, sondern auch über den entstehenden Rundfunk verbreitete – eine Art Harald Lesch der 1920er. Am 5. November 1922 schrieb er für die Berliner Morgenpost über die wissenschaftliche Beantwortung der Frage nach dem Gewicht des Erdballes und damit auch ein Plädoyer für die Grundlagenforschung, die nicht primär nach dem praktischen Nutzen fragt. Für uns wiegt die Erde Paula Leu.

Nov 5, 20229 min

Ep 1049Ausflug in die Welt mit Gabriele Tergit

Gabriele Tergit gehört mittlerweile fraglos – wieder – zu den prominentesten Autor*innen der Weimarer Republik. 1933 vor den Nazis geflüchtet und, wie so viele andere auch, nach 1945 weitgehend in Vergessenheit geraten bzw. geblieben, kehren ihre Bücher seit geraumer Zeit mit erstaunlicher Auflage auf den Buchmarkt und in die Literaturhäuser und Feuilletonspalten zurück. Dabei hinterließ die Tergit nicht nur große Romane, sondern war ursprünglich vor allem eine Meisterin kleiner Formen, die sie in der Regel für die Veröffentlichung in Zeitungen produzierte. So auch ihren „Ausflug in die Welt für 2 Mark“ aus dem Berliner Tageblatt vom 4. November 1922, der zwar so manches ethnische Klischee streift, aber doch auf sehr feinnervige Weise vom kosmopoliten Leben in bzw. zwischen den Metropolen der 1920er Jahre berichtet. Für uns an ihre Fersen geheftet hat sich Paula Leu.

Nov 4, 20226 min

Ep 1048Im Linien-Flugzeug über den Großglockner

Werbewirksam lud der Junkers Flugdienst zu einem Flug über die Alpen in einer Passagiermaschine. Man war sich sicher: die Zukunft des Personenverkehrs sind Fluglinien. Rolf Brandt war für die Berliner Morgenpost an Bord und berichtet begeistert von dem Flug, bei dem der Kapitän sich durch die Wolken hindurch an markanten Landschaftsformationen, Seen, Bergen orientieren musste. Die Etablierung von Fluglinien wurde für die Weimarer Republik dadurch erschwert, dass die Auflagen der Alliierten den Bau von Flugzeugen zunächst untersagten, insofern sind Mutmaßungen über die hier eingesetzte Maschine, wie sie unser Unterstützer Ralf angestellt hat, ganz spannend. Die Junkers-Werke hatten zahlreiche Flugzeuge des Typs F13, das der Beschreibung in diesem Artikel entspricht, dennoch gebaut und in Hallen auf den Land und im Ausland versteckt. Unter anderem bei der Danziger Luftpost – die die Flugzeuge speziell gelb-schwarz anstrichen. Es könnte sich also um eine nach Aufhebung des Verbots aus Danzig zurückgeholte F13 handeln. Aber genug der Spekulationen. Genießen wir den Flug im Gebirge. Für uns war Frank Riede an Bord.

Nov 3, 202211 min

Ep 1047Gegen den deutschen Faschismus

Während die Berliner Presse über den beinahe reibungslosen Sieg der italienischen Faschisten berichtete, lag als nächster Schritt der Blick auf die Reaktionären Bewegungen und den Faschismus in Deutschland nahe. Würden die monarchistisch-nationalistischen Kräfte mit einem Putsch mehr Erfolgsaussichten haben als beim Kapp-Putsch 1920? Verständlicher Weise schrillten bei den deutschen Kommunisten die Alarmglocken am lautesten, war ja der Widerstand der Arbeiter gegen Mussolini in sich zusammengebrochen. In ihrer Parteizeitung, der Roten Fahne finden wir am 2. November 1922 eine eindrückliche Warnung, dass alle europäischen reaktionären Bewegungen nun Aufwind haben und auch die Weimarer Republik einem Faschistischen Aufstand zum Opfer fallen könnte. Der verarmende Mittelstand, das rechte Militär, das nach rechts blinkende Bürgertum verheißen nichts Gutes – und die Rote Fahne teilt aber auch gegen die Sozialdemokratie aus, die dem Bürgertum zu unrecht vertraut. Paul Leu liest.

Nov 2, 202210 min

Ep 1046450. Geburtstag von Lukas Cranach d. Älteren

In diesem Podcast haben wir in den vergangenen beinahe drei Jahren von dem heftig diskutierten, aber immer wieder für Schlagzeilen sorgenden, Eugen Steinach und dessen Verjüngungstherapien berichtet, der Traumvorstellungen von ewiger Jugend weckte. Das mittelalterliche Pendant dazu war der mythische Jungbrunnen, den man alt betrat und jung verließ. In der Gemäldegalerie Berlin hängt das einzige große Tafelgemälde dieses Sujets. Ein skurriles und ungewöhnliches Gemälde, ein ebenso sexistisches Gemälde. Gemalt hat es Lucas Cranach der Ältere im Jahre 1546. Seine Geburt wird und wurde auf 1472 datiert, weshalb 1922 sein 450 Geburtstag gefeiert wurde. Für die Berliner Börsen-Zeitung vom 1. November blickte der Dichter Hans Benzmann auf die berühmtesten Gemälde, das Leben und die sich einer klaren Einordnung entziehende Malweise des Künstlers. Frank Riede verjüngt für uns diesen Text.

Nov 1, 20228 min

Ep 1045Mussolini Ministerpräsident

So wie sich die Machtübernahme der Faschisten in Italien schon Monate zuvor abgezeichnet hatte, der Marsch auf Rom in der Luft hing, so schnell war der gewaltsame Aufstand auch schon vorbei. Der italienische König stellte sich neben die Faschisten, Mussolini zog bejubelt in Rom ein und bildete ein Kabinett, Widerstand von Truppenteilen oder Arbeitern wurde brutal niedergemetzelt. Der Bericht aus der Berliner Morgenpost vom 31. Oktober 1922, also drei Tage nach dem „Marsch“ schildert nicht nur den Sieg der Faschisten, sondern macht auch klar, wie sehr es zur Strategie Mussolinis gehörte, die freie Presse auszuschalten und auf dem Gebiet der Informationen die Hoheit zu gewinnen. Für uns liest Paula Leu.

Oct 31, 202212 min

Ep 1044Die Rutenbündler

Eine brutal kämpferisch, militaristisch und kompromisslos auftretende Bewegung, wie die italienischen Faschisten, war an die Macht gekommen. Wofür stand sie eigentlich genau? Nun an der Spitze der Institutionen angekommen, würde sie ja reale Politik machen müssen. Wie würde sich die Bewegung dadurch transformieren? Auf diese Fragen versuchte der Berliner Börsen-Courier eine Antwort zu geben. In manchen Punkten sicherlich voll genauer Beobachtungen, fällt die Analyse dennoch definitiv zu optimistisch aus. Es liest Frank Riede.

Oct 30, 20225 min

Ep 1043Eine Siedlung für die Kriegsversehrten

Das kleine Örtchen Golzow im Oderbruch verdankt seine heutige Bekanntheit der vielbeachteten DEFA-Langzeitdokumentation Die Kinder von Golzow, die in insgesamt zwanzig zwischen 1961 und 2007 entstandenen Filmen das Leben etlicher Menschen dieses Dorfes über den Zeitraum von fast einem halben Jahrhundert dokumentierte und mit diesem rekordverdächtigen Projekt Filmgeschichte schrieb. Was für ein bemerkenswerter Zufall, dass es die Berliner Morgenpost am 29. Oktober 1922 auch schon just in diesen Flecken an der Alten Oder verschlug und sie dort – möglicherweise – den Großeltern oder Urgroßeltern einiger ‘Kinder von Golzow‘ begegnen ließ. Anlass für ihren Ausflug ins ganz flache brandenburgische Land war eine soziale Großtat: Ein örtlicher Großgrundbesitzer, der selbst lange Monate des Ersten Weltkriegs im Lazarett gelegen hatte, stellte einen großen Teil seiner Ländereien schwer kriegsversehrten Heimkehrern und ihren Familien zur Verfügung, auf dass sie sich dort eine neue Existenz aufbauen konnten. Für uns hat sich Paula Leu dort umgesehen.

Oct 29, 20227 min

Ep 1042Tschitscherin in Pisa

Der 28. Oktober 1922 ging ein in die Geschichte als Tag des sogenannten ‘Marsches auf Rom‘, mit dem Benito Mussolini seine über zwei Jahrzehnte währende unheilvolle Herrschaft über Italien begründete. Die Berliner Morgenzeitungen wussten von diesen Vorgängen damals naturgemäß noch nichts, und auch die Abendausgaben vermeldeten allenfalls ein paar vage Gerüchte. Das Berliner Tageblatt bewies dennoch insofern einen guten Riecher, als es in Person eines seiner – und unserer – Lieblingskolumnisten Arnold Höllriegel eine so skurrile wie erschreckende Szene aus der italienischen Provinz kolportiert, die die fortschreitende Machtergreifung der Faschisten im Lande eindrücklich dokumentiert. Die geschilderte Begebenheit soll sich bereits im Frühjahr 1922 im Nachklang der politisch hochkarätig besetzten Wirtschaftskonferenz von Genua abgespielt haben, und was an ihr Dichtung, was Faktum ist, spielt eigentlich keine Rolle. Als unser Agent in Pisa mit von der Partie war Frank Riede.

Oct 28, 20227 min

Ep 1041Wembley, das neue Fußballstadion in London

Aller guten Dinge sind bekanntlich drei: Nachdem wir im März auf Skiern am Holmenkollen vorbeigeschneit und unlängst auf der Rennstrecke von Monza schwer motorisiert Probe gefahren sind, führt uns die B.Z. am Mittag heute in die Frühgeschichte einer weiteren ikonischen Stätte des Weltsports: zum Wembley-Stadion nach London respektive zu der Baustelle, die es vor einhundert Jahren noch darstellte. Von Geoffrey Hurst und Tofiq Bəhramov, Günter Netzer und Oliver Bierhoff, Gareth Southgate und Bukayo Saka, Alexandra Popp und Chloe Kelly konnte der ungenannte Autor am 27. Oktober 1922 natürlich noch nichts wissen und berichten. Und doch erfüllt seinen Artikel über die „neue Anlage für die Pokal-Endspiele“ bereits irgendwie die Ahnung, dass hier ein hochmythischer Ort der Fußballgeschichte im Begriff zu entstehen war. Besichtigt hat ihn für uns die Sportredakteurin von Auf den Tag genau Paula Leu.

Oct 27, 20226 min

Ep 1040Leo Heller: Tanz im Film

Das österreichische Multitalent Leo Heller, heute vor allem bekannt für seine Reportagen aus dem kriminellen Milieu Berlins, schrieb, wie es sich für einen Feuilletonisten gehört, über alle möglichen Themen, so auch über das Kino. Am 26. Oktober 1922 finden wir im 8-Uhr-Abendblatt eine Reflexion von ihm über den Tanz im Film. Wie so oft in dieser Phase des Stummfilms, ist sein gedanklicher Ausgangspunkt die Abwesenheit des Tons, die andere Ausdruckformen einfordert. Die Bewegung des Körpers wäre solch ein narratives Element. Daher überrascht es Heller wenig, dass der Tanz eine prominente Rolle im Film spielt. Die Konsequenzen dieser Überlegung und eine Liste von Tänzer:innen, die von den Tanzbühnen zum Kintopp abgeworben wurden, präsentiert uns Frank Riede.

Oct 26, 20228 min

Ep 1039Schulschließungen im Winter

Angesichts des kommenden Winters, der Energiepreise und dem Gasmangel ist es leider nicht total übertrieben, sich zu fragen, ob im Winter die Schulen durchgängig beheizt werden können. Ein Vorschlag der Kultusminister:innen und -senator:innen, die Winter- oder Weihnachtsferien zu verlängern, um Energie zu sparen, ist im Bereich des Denkbaren. So geschehen vor genau 100 Jahren, damals allerdings aufgrund des Kohlenmangels. Der Vorwärts vom 25. Oktober 1922 referiert Zuschriften von aufgebrachten Eltern, die nach anderen Lösungen verlangen und auch konkrete Vorschläge machen, um verlängerte Ferien zu verhindern. Paula Leu liest.

Oct 25, 20224 min

Ep 1038Die Uhr ohne Ticktack

Dass viele kleine Schwingungen sich in bestimmten Konstellationen überlagern können und zu einer großen Schwingung auswachsen, ist ein bekanntes Phänomen. Das Ergebnis sind die eindrücklichen Videos von wild sich wellenden Brücken, die irgendwann zusammenbrechen. Seit diese Zusammenhänge bekannt sind, sucht man auch nach einer produktiven Nutzung dieser physikalischen Addition. Unter anderem eine Uhr mit schwingendem Pendel, ohne Tick-Tack, hat die Berliner Morgenpost am 24. Oktober 1922 diesbezüglich im Angebot. Was man sonst noch an Innovationspotential anvisierte, weiß Frank Riede.

Oct 24, 20228 min

Ep 1037Königskrönung in Rumänien

Nach zweidreiviertel Jahren und über 1000 Folgen Podcast kennt zumindest einmal die europäische Landkarte von Auf den Tag genau nicht mehr allzu viele große weiße Flecken. Zu den wenigen, die es doch noch gibt, zählt der von der Berliner Tagespresse der 1920er Jahre wenig beachtete östliche Balkan, weshalb wir uns heute dankbar auf einen Artikel aus der Vossischen Zeitung vom 23. Oktober 1922 stürzen, der uns nach Siebenbürgen führt. Seit dem Weltkrieg zu Rumänien gehörig, war dessen historische Hauptstadt Alba Iulia – das alte, nach dem Vater Maria Theresias benannte Karlsburg – nun Schauplatz einer spektakulären Krönungszeremonie, in der der bereits seit 1914 amtierende rumänische König Ferdinand I. aus dem Hause Hohenzollern und seine Frau Maria zu König und Königin des sich erheblichen Territorialgewinnen des Weltkriegs verdankenden Großrumäniens krönen ließ. Dabei war, als angeblich einziger deutscher Pressevertreter, Georg Strelisker. Und für uns Paula Leu.

Oct 23, 202211 min

Ep 1036Mengelberg mit dem Concertgebouw in Berlin

Dass das Amsterdamer Concertgebouw Orchester heute zu den führenden Klangkörpern der Welt zählt, wird nachhaltig noch immer auf das langjährige Wirken Willem Mengelbergs zurückgeführt. Stolze fünfzig Jahre, von 1895 bis 1945, stand Mengelberg als Chefdirigent an dessen Spitze, und weit über die Grenzen der Niederlande strahlte der Glanz dieser glücklichen künstlerischen Langzeitbeziehung aus. So auch nach Berlin, wo im Herbst 1922 ein Gastspiel des Concertgebouw mit Werken von Beethoven, Weber und Richard Strauss sowie Gustav Mahlers Achter Symphonie auf dem Programm stand. Letztere wurde mit besonderer Spannung erwartet, weil Mengelberg mit Mahler persönlich befreundet war und seinen Mahler-Interpretationen deshalb vielfach Referenzcharakter zugesprochen wurde und teilweise auch heute noch wird. Für die Deutsche Tageszeitung vom 22. Oktober 1922 berichtete aus der Berliner Philharmonie Hermann Springer, für uns Frank Riede.

Oct 22, 20225 min

Ep 1035Lloyd George in drei Minuten

Der Gedanke, dass ein britischer Premierminister abtritt und ein ernstzunehmender hiesiger Publizist sehnsüchtig mit dem Wunsch kokettiert, dann möge jener doch jetzt die deutsche Regierung übernehmen, erscheint unserer Tage, gelinde gesagt, etwas abwegig. Als der liberale David Lloyd George im Oktober 1922 von Hinterbänklern seines konservativen Koalitionspartners gestürzt wurde, war indes genau dies der Fall. Kein geringerer als der von uns heute vor allem als glühender Nazi-Gegner erinnerte Emil Ludwig blickte schon damals etwas neidisch auf die politische Kultur auf der Insel und vor allem auf den scheidenden Premier, ehedem immerhin erbitterter Weltkriegswidersacher. Was Ludwig in seinen drei Miniaturen für das 8-Uhr-Abendblatt vom 21. Oktober skizziert, hat dabei durchaus nichts von einer Hagiographie. Vielmehr zeichnet er das äußerst differenzierte Bild eines Politikers von sehr britisch sachlicher, stilvoller, aber auch machtbewusster Rationalität, nach der sich mancher heute – nicht nur, aber vielleicht gerade auch im Vereinigten Königreich – wieder sehnen mag. Es liest Frank Riede, der dafür doch etwas mehr als drei Minuten braucht.

Oct 21, 20229 min

Ep 1034Mit Gabriele Reuter auf Hiddensee

Die Ostsee galt auch schon vor einhundert Jahren als so etwas wie die Badewanne des Berliners. Allerdings war seinerzeit, um im Bild zu bleiben, noch nicht das ganze Jahr über Waschtag. Die bekannte Romanautorin Gabriele Reuter schwärmt in ihrem Artikel für das Berliner Tageblatt vom 20. Oktober 1922 entsprechend ausgiebig nicht nur für die Insel Hiddensee, sondern vor allem für das Privileg, dort abseits der Saison, allein mit den Einheimischen und ein paar Künstlern zu verweilen. Was sie über die Verhältnisse in den Sommermonaten zu berichten weiß, scheint von heutigen Exzessen des Overtourism zwar durchaus noch einigermaßen weit entfernt. Dennoch durchzieht die Sorge um den Fortbestand des nordisch-maritimen Eilandidylls ihren gesamten Inselspaziergang. Auf diesem begleitet sie für uns Paula Leu.

Oct 20, 202210 min

Ep 1033Die Eröffnung des Renaissance-Theaters

Das Renaissance-Theater an der Charlottenburger Hardenbergstraße zählt bis heute zu den architektonischen Kleinodien der Berliner Kulturlandschaft und gilt als ikonischer Bau der 1920er Jahre in Berlin. Dabei ist dieser ursprünglich deutlich älter und wurde anfangs auch gar nicht als Theater, sondern erst als Verbindungshaus, dann als Kino genutzt und erst 1922 zum Theater umgebaut – zunächst allerdings auch noch nicht in der legendären, bis heute gepflegten hölzernen Ausstattung von Oskar Kaufmann. Die sehr kulturaffine Boulevardzeitung B.Z. am Mittag zeigt sich am 19. Oktober in ihrem Bericht von der Eröffnungspremiere zumindest ein paar Sätze lang dennoch durchaus angetan von der architektonischen Gestaltung des Hauses, um im weiteren Verlauf des Textes dann aber doch eher zu den klassischen Fragen des Rezensionsfeuilletons zurückzukehren. Bei Lessings damals wie heute selten gespielter Miß Sara Sampson war Paula Leu.

Oct 19, 20227 min

Ep 1032Der Psychotechnische Kongreß

Wenn Sie ein Tier wären, welches Tier wären Sie? Wieviel Smarties passen in einen VW-Bus? Wer ist ihr größtes Vorbild und warum? Solche Fragen bei Bewerbungsgesprächen basieren auf der Idee, mit Unterstützung von psychologischem Know-How eine bessere Auslese der Kandidat:innen zu gewährleisten. Um dies systematisch zu untersuchen und zu diskutieren, trafen sich vom 10. Bis zum 14. Oktober 1922 internationale Psychologen auf einem Psychotechnischen Kongreß in Berlin. Der Vorwärts berichtete in der Ausgabe vom 18. Oktober. Frank Riede liest.

Oct 18, 20225 min

Ep 1031Das geleugnete Organ - Schule und Sexualerziehung

Es ist verständlich, dass unser Blick auf die Zwanziger Jahre in Berlin, die sexuelle Freizügigkeit bestimmter Milieus sowie die Tanz-, Party- und Drogenszene hervorhebt, macht dies doch einen Teil der Anziehungskraft von Serien wie Babylon Berlin aus. Die „Goldenen Zwanziger“, der „Tanz auf dem Vulkan“ leben von dieser Seite Berlins, die es auch zweifellos gab. Wieviel verklemmter und puritanischer andere Teile der Gesellschaft mit der Sexualität umgingen, zeigten uns etwa der Prozess gegen die Aufführung von Schnitzlers Reigen, oder der Kampf der Sexualreformer. In der heutigen Folge druckt die liberale Berliner Volks-Zeitung vom 17. Oktober die Forderung nach einer Reform der schulischen Sexualkunde ab. Es solle endlich das geleugnete Organ zu seinem Recht kommen. Wie es uns immer wieder in der journalistischen Landschaft der Zwanziger Jahre begegnet, kommt es hier auch zu der Situation, dass der tatsächlich progressive Autor bei seinem Kampf gegen veraltete Moralvorstellungen selbst gleichzeitig nicht frei ist von zeittypischen homophoben Überzeugungen. Es liest Frank Riede.

Oct 17, 20228 min

Ep 1030Thomas Mann und die deutsche Republik

Thomas Manns sich im Herbst 1922 immer klarer abzeichnende Metamorphose vom kaisertreu-nationalkonservativen Saulus zum liberal-republikanischen Paulus war hier im Podcast bereits vor einigen Wochen anlässlich der Veröffentlichung seines Essays „National und international“ ausführlich Thema. Noch prominenter wirkte diesbezüglich indes seine (eigentlich dem 60. Geburtstag Gerhard Hauptmanns geltende) Rede ‘Von deutscher Republik‘ vom 13. Oktober des Jahres, in der er sich klar zu eben dieser bekannte und sich vor allem an die studentische Jugend wandte, es ihm gleich zu tun. Im 8-Uhr-Abendblatt vom 16. Oktober berichtet Autor Kurt Pinthus vom Auftritt Manns im Beethovensaal der Alten Philharmonie und beurteilt das dort Vernommene, nicht überraschend, positiv, wenngleich er sich Manns politisches Statement wohl durchaus noch konsequenter vorstellen könnte. Es liest Frank Riede.

Oct 16, 20229 min

Ep 1029Das Urteil im Rathenau-Prozess

Seit dem 3. Oktober 1922 war gegen 13 Beschuldigte wegen des Mordes an Außenminister Walther Rathenau vor dem neubegründeten Staatsgerichtshof zum Schutze der Republik verhandelt worden, bereits am 14. Oktober ergingen in dem vielbeachteten Prozess die Urteile. Der Hauptangeklagte Ernst Werner Techow entging der Todesstrafe, weil er nur der Beihilfe, nicht aber der Mittäterschaft am Attentat überführt werden konnte. Die Strafen gegen neun weitere Angeklagte wurden allgemein als vergleichsweise, d.h. in Relation zu anderen Verfahren mit rechtsterroristischem Hintergrund, drastisch angesehen. Die heiß diskutierte Frage nach etwaigen Hintermännern, etwa aus den Kreisen der berüchtigten Organisation Consul, ließ das Gericht in seiner Urteilsbegründung jedoch offen. Weitere Details erfahren wir aus der Berliner Morgenpost vom 15. Oktober, und zwar von Paula Leu.

Oct 15, 20227 min

Ep 1028Joseph Roth: Die Welt mit den zwei Seiten

Die alten Römer verehrten Janus, den Gott des Anfangs und des Endes, den Gott, der die Dualität in den ewigen Gesetzen symbolisierte. Der oftmals doppelgesichtig Dargestellte stand für die Verknüpfung von Zerstörung und Schöpfung, von Licht und Dunkelheit oder von Leben und Tod. Dass der Mensch in sich auch janusköpfig ist, indem er widersprüchliche Emotionen und Beweggründe in sich trägt, dämmerte dementsprechend nicht erst dem Schriftsteller und fleißigen Feuilletonisten Joseph Roth, der am 14. Oktober 1922 über die Dualität der Welt für den Vorwärts schrieb. Seine Überlegung, die ausgeht von der Beobachtung des Rathenau-Prozesses, bleibt aber nicht auf der Ebene der Beschreibung einer anthropologischen Grundkonstante, sondern entwickelt eine klare politische und pazifistische Position. Für die mußte Roth sich beim Vorwärts sicherlich nicht rechtfertigen, wo er vorübergehend publizierte, nachdem er kurz zuvor beim Berliner Börsen-Courier gekündigt hatte – mit folgender Begründung: „Ich kann wahrhaftig nicht mehr die Rücksichten auf ein bürgerliches Publikum teilen und dessen Sonntagsplauderer bleiben, wenn ich nicht täglich meinen Sozialismus verleugnen will.“ Seine Betrachtung der Welt mit zwei Seiten liest für uns Frank Riede.

Oct 14, 20225 min

Ep 1027Halali im deutschen Wald

Die Jagd war bekanntermaßen die längste Zeit ein Privileg des Adels, und in der Tat ist die Autorin, die sich am 13. Oktober 1922 für den Berliner Lokal-Anzeiger „Auf Hirschsuche“ begab, eine zumindest angeheiratete ‘von und zu‘: Eva Gräfin von Baudissin entstammte zwar, genau wie zwei literarisch noch etwas bedeutendere Zeitgenossen, dem Lübecker Bürgertum, pflegte aber offensichtlich auch nach der bereits 1906 vollzogenen Scheidung von ihrem Ehemann und Schriftstellerkollegen Wolf Ernst Graf von Baudissin dann und wann aristokratische Freizeitbeschäftigungen, die sie in diesem Fall in den herbstlichen Forst führten. Was sie den städtischen Leserinnen und Lesern des auflagenstarken Lokal-Anzeigers aus dem Verlagshaus Scherl hier auftischte, war dabei freilich alles andere als eine Weichzeichnung des Jagdwesens. So effektvoll ihr Text im Geäst romantische Nebel wallen lässt, so wenig unterschlägt er zugleich die grausam-blutige Seite des Waidwerks, an das sich für uns Paula Leu heranpirscht.

Oct 13, 202210 min

Ep 1026Vergiftungsanschläge und ihre Untersuchung

Zu der Zeitungslandschaft Berlins gehörten neben den großen überregionalen Zeitungen, die das Gros der Folgen von Auf den Tag genau bestücken, auch zahlreiche Lokalzeitungen, die oftmals zentrale Blätter der Städte um Berlin herum waren und nach der Fusion zu Groß-Berlin 1920 Zeitungen der Stadtviertel blieben bzw. wurden. So etwa auch das Neuköllner Tageblatt. In ihm finden wir in der Ausgabe vom 12. Oktober 1922 einen Bericht, in dem politisches Tagesgeschehen mit Wissenschaftsjournalismus verbunden ist. Offenbar waren einige Angeklagte im Leipziger Rathenau-Prozess nach dem Konsum von Pralinen mit Vergiftungssymptomen erkrankt. Ein Fall für die chemische Wissenschaft, die auch die kleinsten Giftspuren aufspüren kann. Paula Leu schaut für uns den Chemikern über die Schulter.

Oct 12, 20227 min

Ep 1025“Die Schlimme Botschaft” von Carl Einstein vor Gericht

Wenn nicht gegen Nackttänzerinnen oder Schnitzlers Reigen wegen Unsittlichkeit prozessiert wurde, dann stand die Kunst wegen vermeintlicher Gotteslästerung vor Gericht. Ein sehr prominenter Fall der jungen Weimarer Republik war die Anklage gegen den heute nahezu vergessenen Autor Carl Einstein und seinen noch heute bekannten Verleger Ernst Rowohlt. Es ging um das Buch „Die schlimme Botschaft“, in dem Jesus auf die Realität und das Christentum des 20. Jahrhunderts trifft und daran verzweifelt, bzw. auch wieder gekreuzigt wird. Ein ähnliches Narrativ galt in Dostojewskis „Der Großinquisitor“ wohl schon 1922 als große Literatur. Rowohlt und Einstein mussten sich, angezeigt von religiösen Eiferern, die im Zweifelsfall das Buch gar nicht gelesen hatten, vor Gericht erklären. Mit Blick auf die Verbotsdebatte um Monty Python’s „Life of Brian“ Ende der 1970er Jahre ist uns eine solche Debatte um die Kunstfreiheit wohl näher als wir meinen. Während es aber bei John Cleese und co. nur darum ging, ob der Film gezeigt werden durfte, mussten Verleger und Autor 1922 allerdings eine Haftstrafe fürchten. Und tatsächlich wurden sie verurteilt und das Buch nach 200 verkauften Exemplaren vom Markt genommen. Immerhin wurde die Strafe in eine Geldstrafe verwandelt, die allerdings empfindlich ausfiel. Frank Riede war zusammen mit dem Vorwärts vom 11. Oktober beim Prozess dabei.

Oct 11, 202210 min

Ep 1024Künstlerinnen

Die Malerinnen Dora Hitz und Martel Schwichtenberg sowie die Bildhauerinnen Milly Steger und Emy Roeder waren Anfang der Zwanziger Jahre allesamt etablierte Künstlerinnen, die im Herbst 1922 zeitgleich in verschiedenen Galerien in Berlin ausstellten. Wahrscheinlich veranlasste diese zeitlich-räumliche Koinzidenz den Kunstkritiker und Feuilletonisten Max Osborn zu einer Sammelrezension – überschrieben: „Künstlerinnen“. So sehr wir uns über diese Trouvaille freuen, die einen Blick auf die wenig beachtete Künstlerinnenszene wirft, so sehr lässt sich der männliche Blick des Autors auf die Werke und ihre Schöpferinnen nicht leugnen. Für uns macht diese Perspektive auf Künstlerinnen der Weimarer Republik, die es heutzutage vielleicht wiederzuentdecken gilt, Frank Riede lebendig.

Oct 10, 20227 min

Ep 1023Die Modernität von Webers “Oberon”

Carl Maria von Webers romantische Oper Oberon ist Musikliebhaberinnen und -liebhabern wohl auch heute noch ein Begriff, auf den Spielplänen der Opernhäuser sucht man selbige jedoch weitgehend vergebens. Auch schon vor einhundert Jahren galt sie wegen vermeintlich kruder Form und Handlung weithin als Machwerk, was Kritiker Erich Urban von der B.Z. am Mittag beim Wiedersehen anlässlich einer Neueinstudierung an der Berliner Staatsoper indes nicht länger teilen mag. In der sprunghaften Dramaturgie von Webers letzter Oper entdeckt er in seiner Rezension vom 9. Oktober 1922 vielmehr ungeahnte Bezüge in die Moderne. Es liest Paula Leu – und vielleicht hört man ja auch in der einen oder anderen zeitgenössischen Dramaturgiestube zu.

Oct 9, 20227 min

Ep 1022Skandal um Arnold Schönberg

Unter den verschiedenen Strömungen der musikalischen Moderne des frühen 20. Jahrhunderts war der Weg Arnold Schönbergs und seiner sogenannten Zweiten Wiener Schule zweifellos ein besonders kühner und entsprechend heftig angefeindeter. In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg gerieten etliche Aufführungen der ‘frei-atonalen‘ Kompositionen eben von Schönberg, Berg oder Webern in Wien und Prag in erhebliche Turbulenzen und gingen auch wegen der um sie geführten Saalschlachten respektive als „Watschenkonzert“ in die Geschichte ein. In den 1920er Jahren verlagerte Schönberg seinen künstlerischen Lebensmittelpunkt zunehmend nach Berlin, und auch hier wiederholten sich die Konflikte um sein Werk. Die Rezension seines Pierrot Lunaire im Berliner Börsen-Courier vom 8. Oktober 1922 ‘würdigt‘ kurz die skandalhaften Umstände auch dieses Konzertabends, zeigt sich dann aber doch vornehmlich an der Musik interessiert. Es liest Frank Riede.

Oct 8, 20224 min

Ep 1021Der Marsch auf Rom wird kommen

Schon seit Monaten blickten die Berliner Zeitungen nach Italien und kommentierten den Aufstieg der Faschistischen Bewegung an dessen Spitze sich Benito Mussolini stellte. Aus lose verbundenen Squadren ging Ende 1921 die „Nationale Faschistische Partei“ hervor, die bald schon über 300.000 Mitglieder zählte. Im September und Oktober 1922 wurde von den Faschisten recht offen eine Machtübernahme angestrebt und mit einem „Marsch auf Rom“ gedroht. Quasi als Probelauf kann der „Marsch auf Bozen“ gelten, in dem in den ersten Oktobertagen Bozen mit bewaffneten Gruppen besetzt wurde, um dort gegen den deutschsprachigen Einfluss vorzugehen. Die durchgesetzte Absetzung des Bürgermeisters rief keine nennenswerte Gegenwehr der italienischen Staatsgewalt hervor, was sicherlich einen „Marsch auf Rom“ näher rücken ließ. Dennoch verblüfft es, mit welcher Klarheit und Zwangsläufigkeit Manfred Georg für die Berliner Volks-Zeitung am 7. Oktober die Ereignisse, die da kommen würden, prophezeite. Es liest Frank Riede.

Oct 7, 202211 min

Ep 1020Bibliomanen

Die krankhafte Liebe zu Büchern und die damit verbundene Sammelleidenschaft geht oftmals zu Lasten der öffentlichen Bibliotheken, denen entliehene Bücher nicht zurückgebracht werden. Der Schriftsteller und Journalist Fedor von Zobeltitz, Mitbegründer der “Gesellschaft der Bibliophilen” und selber passionierter Büchersammler, wirft in seinem Artikel für die Vossische Zeitung vom 6. Oktober 1922 anlässlich eines Prozesses zu umfangreichem Bücherdiebstahl, bei dem er als Sachverständiger beteiligt war, Schlaglichter auf berühmte und abgründige Fälle von kriminellem “Bücherwahn” der Geschichte. Paula Leu ist für uns bei diesem true-crime-Streifzug zu den Bibliomanen dabei.

Oct 6, 20229 min

Ep 1019Nachwuchshoffnung Bertolt Brecht

Dass ein gerade 24jähriger Jungdramatiker, der, abseits der Hauptstadt, soeben sein allererstes Stück auf die Bühne gebracht hatte und zuvor allenfalls mit etwas Kleinkunst auffällig geworden war, mit einem spaltenlangen Porträt geehrt wurde, passierte selbst im üppigen Feuilleton des Berliner Börsen-Courier nicht alle Tage. Dessen Theaterkritiker Herbert Ihering bewies jedoch einen sehr guten Riecher, als er es am 5. Oktober 1922 nicht bei einer Rezension der Münchener Uraufführung von Trommeln in der Nacht bewenden ließ, sondern diese zum Anlass nahm, ihren Autor Bertolt Brecht – von niemand anderem ist hier nämlich die Rede – kurzerhand zur größten Begabung der zeitgenössischen deutschen Dramatik auszurufen. Ihering hatte, wie wir erfahren, bereits auch die noch nicht aufgeführten Stücke Baal und Im Dickicht gelesen und erspürt, dass hier ein Dramatiker aus der Modewelle expressionistischer Zeitstücke herausragte. Er sollte sich bekanntlich nicht täuschen. Es liest Frank Riede.

Oct 5, 20228 min

Ep 1018Der Astronom

Wohl nichts auf der Welt hat den Menschen seit eh und je so fasziniert wie der Blick in der Sterne. Der technische Fortschritt ließ das, was man dort zu sehen bekam, mit der Zeit immer plastischer und konkreter werden und zunehmend auch Laien an diesem astronomischen Abenteuer teilhaben, und das durchaus nicht nur in den vielerorts mittlerweile bestehenden Planetarien. Das 8-Uhr-Abendblatt berichtet in seiner Ausgabe vom 4. Oktober 1922 von einem offensichtlich philanthropisch gesonnenen Zeitgenossen, der ein Teleskop sein Eigen nannte und dies für einen verschwindend geringen Obolus seinen Zeitgenossinnen und Zeitgenossen zur Verfügung stellte. So konnte man namentlich am Wittenbergplatz seinerzeit noch weit höher hinaus reisen als nur bis in die Lebensmittelabteilung des KadeWe. Frank Riede war für uns dabei.

Oct 4, 20226 min

Ep 1017Das Rathenau-Attentat vor dem Strafgerichtshof der Republik

Das Attentat auf Außenminister Walther Rathenau am 24. Juni 1922 hatte die fragile deutsche Republik erschüttert wie kein Ereignis zuvor. Nachdem die fieberhafte Suche nach den Tätern anfangs wenig erfolgreich verlief, führten Zeugenaussagen in Thüringen die Polizei schließlich auf die Schliche der mutmaßlichen Schützen Erwin Kern und Hermann Fischer, die bei dem Zugriff jedoch beide – in einem Fall durch eine Polizeikugel, im anderen durch Suizid – ums Leben kamen. Es blieben 13 weitere Verdächtige, denen ab dem 3. Oktober 1922 unter großer Anteilnahme der Öffentlichkeit vor dem neugebildeten Strafgerichtshof der Republik in Leipzig der Prozess gemacht wurde. Den Auftakt dazu nahm im Berliner Tageblatt dessen renommierter Ressortleiter für Innenpolitik Ernst Feder zum Anlass für einen Kommentar, in dem er seiner Hoffnung Ausdruck verlieh, dass die Weimarer Justiz sich diesmal nicht wieder auf dem rechten Auge als blind erweise und endlich auch die Hintermänner und Financiers des rechten Terrors zur Rechenschaft ziehe. Sein Plädoyer liest Paula Leu.

Oct 3, 202210 min

Ep 1016Rückkehr der Ferienkinder

Die Zustände in den großen Arbeiter-Wohnblöcken in Neukölln, im Wedding, oder im Prenzlauer Berg sind hinlänglich bekannt. Geteilte vormoderne Sanitäranlagen, Großfamilien oder mehrere Familien in einer beengten Wohnung, Dunkelheit, Betten, die man sozusagen im Schichtbetrieb untereinander teilt. Für die Familien, die in diesen Siedlungen lebten, war ein Sommerurlaub in der Natur, am Meer, auf dem Land schlichtweg nicht finanzierbar. Drum organisierten Wohlfahrtsverbände Sommerurlaube für Kinder bei temporären Pflegefamilien in ländlichen Gegenden. Rund 75.000 Kindern wurde so eine Erholung in gesunderer Umgebung ermöglicht. Erdmann Graeser nimmt für die Vossische Zeitung vom 2. Oktober 1922 die letzten Heimkehrenden am Bahnhof in Empfang. Seine Eindrücke liest Frank Riede.

Oct 2, 20225 min

Ep 1015Die Energievorräte der Welt

Natürlich wurden die Grenzen des Wachstums prominent mit der gleichnamigen Publikation des Club of Rome 1972 ins öffentliche Bewusstsein gebracht. Seit der Zeit ringen wir mir den Konsequenzen dieser Erkenntnisse – mal weniger, zum Glück aktuell endlich auch mal mehr. Das begrenzte Vorkommen von Ressourcen war schon viel länger bekannt. Der 1859 geborene schwedische Nobelpreisträger für Chemie Svante Arrhenius machte auf die Schwindenden Mengen von Erdöl, Kohle und Metallen aufmerksam. Das Berliner Tageblatt druckte am 1. Oktober 1922 einen diesbezüglich aussagekräftigen Abschnitt des Buches „Die Chemie und das moderne Leben“ von ihm ab. Arrhenius zählt darüber hinaus zu den ersten Wissenschaftlern, die eine Verbindung von Erderwärmung und menschengemachten Kohlendioxid-Emissionen postulierten – da erscheint es schon beinahe zwingend, dass Arrhenius Mutter tatsächlich eine geborene Thunberg war. Paula Leu schaut mit uns auf die Zukunft der Energievorräte.

Oct 1, 20229 min

Ep 1014Abschied von der “Freiheit”

Am 11. April 2020 hatte sie ihre Premiere bei uns im Podcast, heute nimmt sie ihren – vorläufigen – Abschied: Die Freiheit, die Parteizeitung der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, war am 15. November 1918 erstmals erschienen und stellte nach dem Nürnberger SPD-Parteitag im September 1922, auf dem das Gros der USPDler in den Schoß der Mutterpartei zurückkehrte, – vorläufig – ihr Erscheinen ein. In ihrer letzten Ausgabe vom 30. September erläutert Wilhelm Dittmann, einst Mitbegründer der USPD und nun einer der Wortführer unter den Rückkehrern, einige Beweggründe für die erfolgte ‘Bündelung der proletarischen Kräfte‘ und empfiehlt den Leserinnen und Lesern der Freiheit fürderhin wieder die Lektüre des Vorwärts als neuem alten Zentralorgan einer wiedervereinigten Sozialdemokratie. Dem leisten wir bei Auf den Tag genau ohnehin bekanntlich regelmäßig Folge. Adieu zur Freiheit sagt für uns – vorläufig – Frank Riede.

Sep 30, 20226 min

Ep 1013Gefrierfleisch - eine Kühlkette über den Atlantik

Unter den vielen politisch-ökonomischen Herausforderungen der jungen Weimarer Republik war die der Nahrungsmittelversorgung einer stetig wachsenden Bevölkerung unter den Bedingungen der geschrumpften Nachkriegswirtschaft nicht die kleinste. Die Aufgabe, namentlich die Menschen in den Städten mit ausreichend Lebensmitteln auszustatten, reduzierte sich dabei nicht auf Fragen der Produktion, sondern war auch eine von Transport und Lagerung. Entsprechend neugierig beobachtete man den technischen Fortschritt, der sich seinerzeit auf dem Gebiet der Konservierung von Nahrungsmitteln durch Tiefkühlung abzeichnete. Der heimische Kühlschrank mit Tiefkühlfach war natürlich noch fernste Zukunftsmusik. Immerhin aber konnte der Berliner Lokal-Anzeiger am 29. September 1922 spektakuläre Fortschritte vermelden, was den Weg zum Verbraucher, will in diesem Fall immerhin heißen: die Kühlkette über den Atlantik betraf. Für uns am Rio de la Plata war Paula Leu.

Sep 29, 20226 min

Ep 1012Ein Hoch auf die Tomate

Kaum eine Frucht prägt in so vielfältigen Variationen unsere Speisepläne wie die Tomate. Auch schon vor einhundert Jahren, erfahren wir aus der Deutschen Allgemeinen Zeitung vom 28. September 1922, erfreute sich selbige großer Beliebtheit, wenngleich sie wegen der damals noch gegebenen jahreszeitlichen Beschränkungen lange nicht so omnipräsent in Topf und Salatschüssel gewesen sein dürfte wie heute. Die Liebeserklärung von Anna Kappstein klingt entsprechend denn auch wie ein Panegyrikus auf ein beinahe noch exotisches Gewächs, das bezeichnenderweise heute wie damals nicht nur in Österreich als Paradeiser: als Paradiesapfel verklärt wurde und wird. Für uns preist es Frank Riede.

Sep 28, 20226 min

Ep 10111000. Folge "Auf den Tag genau": Hunde-Rennen im Grunewald

Legt man die Frequenz der Berichterstattung in der Berliner Tagespresse zugrunde, so war der beliebteste Sport in den frühen 1920er Jahren nicht Fußball und nicht Boxen, weder Motor-, noch Wintersport, sondern das gute alte Pferderennen. Konkurrenz bekamen die großen Vierbeiner seinerzeit aber offensichtlich von kleineren Vierbeinern: Der Berichterstatter der Neuen Zeit hat sich zunächst geziert, dann aber doch zum Besuch eines Hunderennens im Grunewald überzeugen lassen und zeigt sich in seinem Artikel vom 27. September 1922, wenn auch nicht enthusiasmiert, so doch durchaus angetan von der Veranstaltung. Es liest Paula Leu.

Sep 27, 20228 min

Ep 1010Im Büro der Tscheka

Ein Wesenszug von modernen totalitären Systemen besteht in der Verbreitung von Angst, die sich aus einer nur nach außen hin auf Gesetzen basierenden Gewalt speist, welche vielmehr willkürlich ist und jederzeit und überall jeden treffen kann. Auf ein neues und grausiges Niveau hob diesen Unterdrückungsmechanismus das junge bolschewistische Russland. Im Dezember 1917 wurde eine Geheimpolizei mit großen Vollmachten unter dem Kürzel Tscheka gegründet, ausgeschrieben und übersetzt lautete der Name: Außerordentliche Allrussische Kommission zur Bekämpfung von Konterrevolution, Spekulation und Sabotage. Von ihnen Zuhause, auf der Straße oder auf dem Arbeitsplatz zu einem Gespräch abgeholte Personen tendierten dazu, nie mehr wieder aufzutauchen. Von diesem Alltagsterror berichtet für die Vossische Zeitung vom 26. September 1922 die 1880 geborene Archäologin Tatiana Warscher, die später Russland verließ und sich Ausgrabungen in Pompeji widmete. Es liest Frank Riede.

Sep 26, 202210 min

Ep 1009Die historische Stunde: (U)SPD

Die Geschichte der Arbeiterparteien ist gefüllt von Abspaltungen, Wiedervereinigungen, und oftmals erbitterter Feindschaft. Aus einer Abspaltung des eher linkeren Flügels der SPD, der damit gegen eine Unterstützung des Kriegskurses der Reichsregierung protestierte, entstand im Jahre 1917 die USPD, die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands, deren publizistisches Organ, die „Freiheit“, diesem Podcast immer wieder Futter geliefert hat. Die USPD lavierte mehrere Jahre zwischen den Positionen der SPD und denen der Kommunistischen Partei, durchlief aber auch schwere Krisen, etwa in der Entfremdung des Gründungsmitgliedes Karl Kautsky von der Partei. Am 24. September 1922 kehrte der nun eher rechtere Flügel der USPD und mit ihm etwa zwei Drittel der Mitglieder in den Schoß der Mehrheits-Sozialdemokratie zurück. Zahlreiche andere Mitglieder wiederum traten der KPD bei, so dass nur noch eine kleine Splitterpartei zurückblieb. Die Freiheit vom 25. September feiert diese historische Wiedervereinigung – und mit ihr Paula Leu.

Sep 25, 20226 min

Ep 1008Graesers Komische Weltreise

Dass der heute für seine gern im Dialekt gehaltenen Berlinromane bekannte Erdmann Gräser in der Vossischen Zeitung vom 24.9.1922 mit einem Reisebericht in Erscheinung tritt, ist an sich schon eine Überraschung. Dass diese Reise auch noch eine Weltreise mit erstem Ziel Konstantinopel sein soll, lässt einen staunen. Und doch nimmt Gräser seine Leser mit auf eine Fahrt gen Osten, mit wenig Gepäck, aber Unmengen nützlichem Kram in den Taschen. In Trampke muss der Zug gewechselt werden, In Jakobshagen wird Mokka aus gebrannter Gerste zubereitet und endlich am Ziel angekommen läuft einem gleich am Stadtrand der letzte noch verbliebene Hund von Konstantinopel in die Beine. Eine Komische Weltreise. Es liest Frank Riede.

Sep 24, 202212 min