
Auf den Tag genau
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Ep 757St. Moritz in Berlin
Alpiner Wintersport war in der Berliner Presse der frühen 1920er Jahre ein absolutes Modethema, für die allermeisten Berlinerinnen und Berliner seinerzeit allerdings praktisch noch ein ganz und gar unerschwingliches Vergnügen. Wenn der Prophet – buchstäblich – nicht zum Berg kommt, muss der Berg halt zum Propheten kommen. Oder um es mit der Neuen Zeit vom 16. Januar 1922 zu formulieren: Wenn man sich St. Moritz nicht leisten kann, muss Berlin eben zu St. Moritz werden. Üppiger Schnee, strahlender Sonnenschein und ein wenig Phantasie machten es zumindest für ein paar Wochenendstunden möglich. Es liest Paula Leu.
Ep 756Die Schule der Schlangenmenschen
Die Geschichte des Jiu-Jitsu in Deutschland, und des asiatischen Kampfsports überhaupt, ist eng mit der Person Erich Rahn verbunden. Als Sohn eines Kaufmannes, der mit Fernost handelte, gab es Erich, so die Legende, zu denken, dass die viel kleineren Kinder der japanischen Handelspartner ihn, der viel kräftiger und größer war, stets beim Rangeln besiegten. Später sah er in einem Berliner Zirkus einen japanischen Meister kämpfen – solche Touren durch europäische Varietés und Zirkusbühnen waren damals üblich – und lies sich von diesem ausbilden. 1906 eröffnete Rahn dann die erste Jiu-Jitsu-Kampfsportschule Deutschlands im Hinterzimmer einer Kneipe. Er hatte damit wenig erfolgt. Doch dann trat auch Rahn im Zirkus gegen beliebige Gegner auf und wurde nie besiegt, wodurch die Polizei auf ihn aufmerksam wurde und ihn 1910 zum Ausbilder im Nahkampf machte. In den 20er Jahren hatte er dann auch mit seiner Schule in Berlin Erfolg, die ein Journalist der Berliner Volks-Zeitung für seinen am 15. Januar 1922 abgedruckten Bericht besucht. Auch er ist angetan vom Sieg der Schnelligkeit und Intelligenz über die rohe Kraft. Für uns berichtet Frank Riede von den Anfängen der Kampfsportschulen des Jiu-Jitsu.
Ep 755Lernt Spielen!
„Kinder an die Macht“ hat Herbert Grönemeyer 1986 getextet und dabei die anarchischen und kreativen Impulse der Kinder gefeiert. Mittlerweile ist dieses Thema voll in der Ratgeberliteratur angekommen, damit jeder Erwachsene im Rahmen seiner Selbstoptimierung auch kindliche Perspektiven in sein Handeln und Denken einbauen kann, womit die radikale und wirklich kreative Sprengkraft sicherlich beseitigt wurde. Diese finden wir aber noch (und schon) vor 100 Jahren in einem Aufsatz der österreichischen Lyrikerin, Erzählerin und Übersetzerin Helene Scheu-Riesz in der Berliner Morgenpost vom 14. Januar 1922. Hier plädiert sie dafür, dass die Erwachsenen das Spielen von den Kindern wieder-erlernen sollten. Es liest dennoch nicht seine Tochter, sondern Frank Riede selbst.
Ep 754Die Ästhetik in der Chirurgie
Die Brutalität des Ersten Weltkrieges wurde der Nachkriegsgesellschaft tagtäglich durch die verwundeten und verkrüppelten Soldaten vor Augen geführt. Ihre verstümmelten oder amputierten Gliedmaßen und schweren Verletzungen im Gesicht und am Kopf legten ein Zeugnis vom Vernichtungswerk der Bomben, Granaten und sonstiger Geschosse ab. Vor diesem Hintergrund überrascht es wenig, dass im Berliner Tagblatt vom 13.1. 1922 die Errungenschaften der Ästhetischen Chirurgie gefeiert werden. Noch war die Schönheitsoperation kein Wunderversprechen an die Oberschicht oder gar an breite Schichten, die in der Regel mit Kriegsverletzungen nichts am Hut haben. Für uns liest Paula Leu.
Ep 753Wider die Dolchstoßlegende
Minus mal Minus ergibt Plus: Diese Rechnung der politischen Rechten funktionierte in der Weimarer Republik erschütternd publikumswirksam. Nachdem auf die schmähliche Kriegsniederlage von 1918 der in nationalen Kreisen nicht minder betrauerte Sturz der Monarchie folgte, strickte man flugs eine Legende, in der Ursache und Wirkung vertauscht und die militärische Niederlage der jungen deutschen Demokratie in die Schuhe geschoben wurde. Es war die berühmte Dolchstoßlegende, welche die Rechtspresse wieder und wieder erzählte und gegen welche die republikanischen Zeitungen nimmermüde anschrieben. Das Berliner Tageblatt widmete dem Thema im Januar 1922 sogar eine ganze Reihe, in der sie dem Generalmajor a.D. und späteren Friedensaktivisten Paul von Schönaich das Wort gab. Aus der dritten Folge vom 12.1. liest für uns Frank Riede.
Ep 752Im Obdachlosenasyl “Palme”
Die Unterstützung und Versorgung von Obdachlosen hat in Berlin eine lange Tradition, was auch von der Kontinuität dieser Herausforderung an die öffentliche Wohlfahrt zeugt. Eine der ersten Hilfseinrichtungen für Obdachlose in Europa entstand im Viertel Prenzlauer Berg, in der Fröbelstr., am damaligen Stadtrand von Berlin bereits 1886. Wegen einer Topf-Palme im Eingangsbereich erhielt das städtische Asyl den Spitznamen „Palme“. Hier konnten zunächst ca. 2000 Obdachlose eine Übernachtungsgelegenheit und hygienische Einrichtungen finden – 1920 war es für ca. 4 ½ Tausend Personen ausgelegt, aber dennoch oftmals überbelegt. Daher wurden die Zustände in der „Palme“ zu einem Sinnbild der herrschenden Armut. So reagierte der Vorwärts am 11. Januar 1922 auf Berichte von einem „Pennerball“, bei dem angeblich Wohlfahrtsmittel verschwendet wurden, mit einem schonungslosen Blick auf die Zustände in der Fröbelstr. – so schonungslos, dass wir darauf hinweisen wollen, dass die geschilderten Bilder teilweise verstörend wirken können. Paula Leu liest.
Ep 751Nackttanz vor Gericht
Nacktheit auf der Bühne ist im 21. Jahrhundert zumindest hierzulande längst ein Gemeinplatz geworden und kaum mehr dazu angetan, Skandale zu verursachen. Vor einhundert Jahren sah die künstlerische und kleinkünstlerische Welt diesbezüglich selbstredend ganz anders aus, und ein paar Quadratzentimeter nackter Haut bei Schummerlicht hinter einem semitransparenten Schleier vermochten mitunter heftige Wellen der Entrüstung auszulösen. So rasant die aufstrebende Metropole Berlin seinerzeit ihre Freizügigkeit entdeckte, so vehement wurde diese Entwicklung von selbsternannten Sittenpolizisten bekämpft, die sich die Nächte in aufopferungsvollem Dienst für Jugend und Tugend um die Ohren schlugen und alle von ihnen ausgemachten Unsittlichkeiten vor den Kadi einer noch weithin kaiserzeitlich geprägten Rechtsprechung zerrten. Einer von gleich mehreren Prozessen im Winter 1922 galt dem Ensemble der sogenannten Nackttänzerin Celly de Rheidt. Die Berliner Presse begleitete die Verhandlung mit durchaus lustvollem Interesse, auch wenn sie in den spannendsten Momenten leider ausgesperrt blieb. Das 8-Uhr-Abendblatt berichtete am 10. Januar trotzdem. Für uns tut dies Frank Riede.
Ep 750Eishockey in Prag
Wenn wir die Zeitungslandschaft so genau verfolgen, können wir bestimmte Entwicklungen im Angebot der Zeitungen nicht übersehen, die sich dann auch bei Auf den Tag genau niederschlagen. Der „Sport-Teil“ beschränkte sich 1920 und 1921 im Wesentlichen auf die korrekte Wiedergabe von Ergebnissen der Pferde-, Radrennen oder zunehmend auch Fußballspiele. Nur vereinzelt tauchten Spielberichte oder besondere Sportereignisse auf, über die breiter berichtet wurde, wie etwa bei großen Box-Kämpfen. Dies ändert sich zunächst schleichend, dann ruckartig im Übergang zu 1922. Immer mehr Zeitungen geben dem Sport immer mehr Raum, man könnte sagen, der Sportjournalismus erlebt einen Aufschwung oder gar seine Entstehung. In der BZ am Mittag vom 9. Januar 1922 liest für uns Paula Leu von dem Versuch des Berliner Schlittschuh-Clubs, den Eishockey-Wettbewerb in Prag um den Ringhoffer-Pokal zu gewinnen. Reicht unser Erfahrungsschatz nicht so weit zurück, müssen wir annehmen, dass der Berliner Club gegen die tschechischen Mannschaften, die Mannschaften einer „Eishockey-Weltmacht“, unterlegen gewesen sein muss. Kaum zu glauben: Dem war nicht so...
Ep 749Berliner Hotelschau
Zu den regelmäßigen Rubriken in der BZ am Mittag gehörte auch ein Überblick über die Prominenz, die in den nobleren Berliner Hotels übernachtete. Darüber, an wen sich genau diese „Berliner Hotelschau“ richtete, lässt sich nur spekulieren. Wahrscheinlich ermöglichte es Interessierten eine Kontaktaufnahme mit den Persönlichkeiten aus Politik, Diplomatie, Industrie, Adel, Kunst und Kultur. Sie wussten in welchem Hotel sie vorsprechen konnten. Damals verrieten es diese begehrten Persönlichkeiten ja noch nicht auf ihren Social media-Kanälen. Frank Riede liest für uns die Hotelschau vom 8. Januar 1922, die zunächst allgemeine Informationen zum Fremdenverkehr in Berlin gibt, bevor sie zu den kuriosen Listen, die Namen mit Hotels verbinden, kommt. Diesmal haben wir, ausnahmsweise, diesen Teil des Artikels gekürzt. Das Prinzip dieser ungewöhnlichen Rubrik dürfte aber deutlich werden.
Ep 748Angeklagt nach Paragraph 175
Seit seinem Inkrafttreten am 1. Januar 1872 kannte das Reichsstrafgesetzbuch den Paragraphen 175, der sexuelle Handlungen zwischen Personen männlichen Geschlechts unter (teilweise drakonische) Strafe stellte. Alle Versuche aus dem linken politischen Spektrum, diesen abzuschaffen, scheiterten auch nach 1918 an den Mehrheitsverhältnissen im Reichstag. Zwar bewegte sich die Zahl der jährlichen Verurteilungen nach Paragraph 175 in Weimarer Zeit reichsweit ‘nur‘ im mittleren dreistelligen Bereich. Gerade mutige Aktivisten der jungen Schwulenbewegung wie der Herausgeber der Kunstzeitschrift „Der Eigene“ Adolf Brand lebten in ihrem Kampf für die Legalisierung der Homosexualität aber dennoch gefährlich und standen ständig mit einem Bein im Gefängnis. Zum Glück waren Brand und seine Anwälte rechtskundig und clever genug, um zu wissen, was sie vor Gericht sagen durften und was nicht. Die Berliner Volks-Zeitung vom 7. Januar 1922 hat es für die Nachwelt festgehalten, Paula Leu liest es uns vor.
Ep 747Aller heiligen Könige sind drei
Wäre Auf den Tag genau in irgendeinem Archiv dieser Welt verschlagwortet, würde es eine Recherche zu dem Suchbegriff ‘Feiertag‘ bereits auf eine ganz stattliche Zahl an Einträgen bringen. In zwei Jahren Podcast ist en passant gleichsam eine Anthologie des vor einhundert Jahren bestehenden Festkalenders und der dazugehörigen Feierbräuche zusammengekommen. Eine der letzten prominenten Lücken in dieser Serie schließt unser heutiger, dem Dreikönigstag gewidmeten Artikel aus dem Vorwärts vom 6. Januar 1922. Allzu christlich Erbauliches ist von einer sozialdemokratischen Zeitung zu diesem Anlass nicht zu erwarten, und tatsächlich geht es auch eher als um theologische Finessen um die aktuelle politische Weltlage; d.h. statt auf Caspar, Melchior und Balthasar wird hier dereinst in hundert Jahren die Suchfunktion auf die Schlagworte Harding, Lloyd George und Briand reagieren. Und was du, glückliche Archivbenutzer*in in ferner Zukunft, dann, wenn du klickst, zu hören bekommen wirst, ist die Stimme von Frank Riede.
Ep 746Der Hauptmann von Köpenick ist tot!
Nein, von Harald Juhnke ist hier nicht die Rede. Dieser musste am 5. Januar 1922 schließlich noch über sieben Jahre auf seine Geburt in der Städtischen Frauenklinik zu Charlottenburg warten. Wenn die Berliner Presse an diesem Tag den Tod des Hauptmanns von Köpenick vermeldet, ist tatsächlich das Original gemeint: Friedrich Wilhelm Voigt, Deutschlands berühmtester Schuster, dem es am 16. Oktober 1906 nur mit Hilfe einer preußischen Uniform das Rathaus von Köpenick zu kapern gelungen war, hatte im Alter von knapp 73 Jahren das Zeitliche gesegnet. Zwei Jahre nach seinem Coup nach der Hälfte der gegen ihn ursprünglich verhängten Haftstrafe von Namensvetter Kaiser Wilhelm II. begnadigt, wusste Voigt seinen Legendenstatus zeitweise durchaus erfolgreich zu vermarkten, vermochte seinen darüber erworbenen bescheidenen Wohlstand freilich nicht über Krieg und Inflation hinwegzuretten. Verarmt starb er am 3. Januar 1922 weit weg von Dahme und Spree im fernen Luxemburg. Trotzdem schaffte er es zwei Tage später noch einmal prominent auf die Titelseite der Berliner Morgenpost, die noch einmal ausführlich an seinen großen Coup erinnert. Für uns tut dies Paula Leu.
Ep 745Freiheit ist immer die Freiheit der Kommunistischen Internationale
Ende des Jahres 1921 waren Schriften Rosa Luxemburgs posthum erschienen, in denen sie sich kritisch zu einigen Entwicklungen innerhalb der bolschewistischen Revolution in Russland äußerte. Wir hatten, betitelt mit ihrem daraus stammenden, berühmten Zitat „Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden“, darüber berichtet. Nun stand die Frage im Raum, wie sich die Kommunistische Partei Deutschland zu diesen Worten ihrer verehrten Mitbegründerin stellen würde. Über das lange Schweigen und den darauf folgenden verbalen Eiertanz, den eine andere große Frau der kommunistischen Linken Klara Zetkin vollführte, belustigt sich die Freiheit vom 4. Januar 1921. Sie sieht in den Versuchen Zetkins, nicht schlecht über Rosa Luxemburg zu sprechen und doch ihre Thesen ganz klar als Irrungen zu benennen, eine blinde, unselbständige und kritiklose Gefolgschaft der russischen Kommunistischen Partei. Für uns versucht sich Frank Riede an dieser Schwergeburt.
Ep 744Putschen lohnt sich!
Nachdem der sogenannte Kapp-Putsch rechtsgerichteter preußischer Offiziere im März 1920 durch einen Generalstreik breiter Bevölkerungsschichten abgewehrt worden war, hatte die nach Berlin zurückgekehrte Reichsregierung eine konsequente Strafverfolgung der Rädelsführer angekündigt. Knapp zwei Jahre später war von diesen vollmundigen Versprechungen jedoch wenig in die Tat umgesetzt worden. Lediglich ‘Viertagesinnenminister‘ Traugott von Jagow war im Dezember 1921 vom Reichsgericht in Leipzig wegen Beihilfe zum Hochverrat zur Mindeststrafe von fünf Jahren Festungshaft verurteilt worden. Alle anderen Putschisten befanden nicht nur auf freiem Fuß, sondern lebten fast alle, zum Teil sogar dank üppig fließender staatlicher Zuschüsse, auch weiter auf großem Fuß. Die USPD-Parteizeitung Freiheit empört sich am 3. Januar 1922 über so viel rechtsäugige juristische Blindheit – und mit ihr für uns Paula Leu.
Ep 743Unterdessen schreitet die Zeit
Diplomatische Neujahrsempfänge sind auch heute noch fester Bestandteil des Kalenders von Frank-Walter Steinmeier, und werden es auch bei seinen Nachfolger:innen sein. Vor 100 Jahren berichteten die Berliner Zeitungen nicht nur detailliert von dieser Veranstaltung beim deutschen Reichspräsidenten, sondern lieferten auch Zusammenfassungen der Empfänge in Paris, London, Washington, Rom oder Prag. Die bei dieser Gelegenheit vorgetragenen Ansprachen zeichneten sich, auch das ist heute wohl nicht anders, durch mehr oder wenige salbungsvolle Friedens-, Zusammenarbeits-, und Freundschaftsbekundungen zwischen den einzelnen Staaten aus. Einen nüchterneren Blick auf das anbrechende Jahr 1922 und seine politischen Spielräume trägt heute Frank Riede für uns vor. Es stammt aus der Feder eines Kolumnisten des Berliner Börsen-Couriers, vom 2. Januar.
Ep 742Die Jahresbilanz der Frau
Tageszeitungen im Berlin der frühen 1920er Jahre wurden ganz überwiegend von Männern gemacht. Journalistinnen waren seinerzeit noch drastisch unterrepräsentiert und blieben, wo sie schrieben, häufig auf klischeehaft weibliche Themen wie Haus, Küche und Mode abonniert. Und doch beginnt in den Jahren nach der Republikgründung und der Einführung des Frauenwahlrechts langsam auch in den Redaktionsstuben sich etwas zu verändern. Vorneweg in der sozialdemokratischen Presse, bei Vorwärts und Freiheit, aber vereinzelt auch in bürgerlichen Zeitungen wird die Frauenbewegung selbst Gegenstand der Berichterstattung – so wie hier in der Charlottenburger Neuen Zeit, die den 1. Januar 1922 zum Anlass für einen Jahresrückblick gleichsam in feministischer Perspektive nimmt. Nicht alles in diesem Text klingt für unsere Ohren wirklich emanzipatorisch; in einer Passage, in der es um die sogenannte ‘Schwarze Schmach‘ geht, positioniert er sich sogar explizit rassistisch. Aber gerade auch diese vermeintlichen Widersprüche machen ihn zu einem Dokument von historischem Interesse. Es liest Paula Leu.
Ep 741So wird 1922!
Silvester und die vorausgehenden Tage sind traditionell eine Zeit der Rückschau. Im TV erinnert man an Zehntausende Corona-Tote, die Flut im Ahrtal und an Armin Laschet, und die Tageszeitungen listen seitenlang Schlagzeilen, prominente Verstorbene und Medaillengewinner des verflossenen Kalenderjahres. Letzteres war im Prinzip auch vor einhundert Jahren nicht anders, aber keine Regel ohne Ausnahme, der wir diesmal bei unserer Silvesterausgabe von Auf den Tag genau den Vorzug geben: Die B.Z. am Mittag vom 31. Dezember 1921 schaut nicht zurück, sondern nach vorn und befragt eine Wahrsagerin nach den Aussichten für 1922. Mit ihr tut dies für uns Frank Riede. Wir wünschen euch allen einen guten Rutsch in ein hoffentlich, nun ja, weniger pandemiegeprägtes neues Jahr und sagen euch eine neue Folge unseres Podcasts für den 1. Januar voraus. Ob Madame Fraya mit ihren Prognosen richtig lag, könnt ihr ab dann weiterhin Tag für Tag bei uns überprüfen.
Ep 740Ein Tag am Jugendgericht
Wenn die Justiz in unserem Podcast bislang auftauchte, dann im Kontext ihrer Blindheit auf dem rechten Auge und der zahlreichen Monarchie-Sympathisanten in ihren Reihen. Erfrischend anders ist der Bericht über einen Tag an einem Berliner Jugendgericht. Obgleich wir uns die Härte und Unerbittlichkeit des damaligen Justizsystems nicht schönzeichnen sollten, so überrascht der Artikel aus dem 8 Uhr-Abendblatt vom 30.12.1921 doch mit teilweise verständnisvollen und freundlichen Augenblicken, und einer Kritik an der konsequenten juristischen Verfolgung von Lappalien, die Auswirkung auf das ganze Leben der Jugendlichen hat. Weniger erfreulich ist der misogyne Seitenhieb auf Politikerinnen, der aber Paula Leu nicht daran hindert, dieses Zeitdokument vorzutragen.
Ep 739“Bau-Eldorado” Belgrad
Dass ein Architekt, eine Architektin eine ganze Großstadt mit aller dazugehöriger Infrastruktur entwerfen kann, begegnet uns heute eher bei Mega-Bauprojekten in Asien. Im Berliner Tageblatt vom 29.12. 1921 findet sich ein Artikel über den Ausbau und die Modernisierung von Belgrad, in dem man den Eindruck hat, dass sich die Stadt vollständig neu und deutlich größer erfinden will. Belgrad war Hauptstadt des 1918 gegründeten Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen geworden. Trotz aller Kriegszerstörungen und wirtschaftlichen Verwerfungen, erlebte Belgrad ein wirtschaftliches und vor allem ein Bevölkerungswachstum. Gerade die Einwohnerzahl stieg von etwa 100.000 um 1914 auf ca. 240.000 Ende der 20ger Jahre. Dass Belgrad dafür einen Stadtbauplan brauchte, war den Verantwortlichen klar, und so gab es, wenn wir dem Bericht des Balkan-Korrespondenten Theodor Berkes glauben wollen, zahlreiche Ausschreibungen, die Architekten aus der ganzen Welt anlockten. Mit ihnen auf Wanderung durch die Stadt begibt sich Frank Riede und bringt uns auch die beeindruckende Liste der geplanten neuen Bauwerke näher.
Ep 738Ein Tee bei feinen Leuten
Die Welt, die sich in der Berliner Presse der frühen 1920er Jahre und damit auch hier in diesem Podcast spiegelt, ist häufig konfliktreich, rau und proletarisch. Selbst in der politisch aufgewühlten Hauptstadt gab es aber selbstredend noch immer auch andere Kreise, die neben ihrem althergebrachten Wohlstand auch den dazugehörigen Lebensstil über alle Wirren von Weltkrieg und Revolution hinwegzuretten vermocht hatten. In diesen Kreisen las man natürlich nicht den Vorwärts oder die Berliner Volks-Zeitung, wahrscheinlich auch nicht den Berliner Börsen-Courier oder die ehrwürdige Vossische, sondern eher vielleicht die, nach dieser, zweitälteste Zeitung der Stadt, das Berliner Intelligenzblatt. Selbiges feiert hier bei Auf den Tag genau heute jedenfalls seine Premiere mit einem Artikel vom 28. Dezember 1921 zu dem wahrhaft großbürgerlich-aristokratischen Problem: Wie veranstaltet man heute einen ‘Tee‘? Die Antwort weiß Paula Leu.
Ep 737Die Tattoo-Mode in England
Tätowierungen, hört man häufig, seien früher ein Stigma von Strafgefangenen und Seeleuten gewesen. Zumindest in westlichen Gesellschaften, so lautet die verbreitete Erzählung, hätten sie bis Ende des 20. Jahrhunderts weithin als anrüchig gegolten und seien im Grunde erst seitdem im mainstream der hiesigen Schmuck- und Körperkultur angekommen. Unser heutiger Artikel aus dem 8-Uhr-Abendblatt vom 27. Dezember 1921 wirft dieses Narrativ ziemlich grundlegend über den Haufen. Nicht nur gibt er Kunde von einer damals höchst aktuellen Tattoo-Mode in besseren englischen Kreisen. Darüber hinaus weiß er auch eine durchaus illustre Reihe historisch prominenter Tintlinge – mit gleichfalls aristokratischem Hintergrund – aufzuzählen. Vielleicht weniger unerwartet macht der Parforceritt durch die Geschichte der Tätowierung kurz auch bei sogenannten Naturvölkern Station und operiert dabei mit zeittypischen Begrifflichkeiten, die wir einmal mehr mit einem trigger warning versehen müssen. Es liest Frank Riede.
Ep 736Die Weihnachtspyramide
Da die Zeitungsausgabe vom 25. auch den zweiten Weihnachtsfeiertag „abdeckte“, an dem keine Zeitungen erschienen, bringen wir heute einen Artikel aus der Berliner Abendpost vom 25.12. 1921. Unseren treuen Hörer:innen wird diese Zeitung noch unbekannt sein. Tatsächlich feiert sie heute ihre Premiere bei Auf den Tag genau und zugleich ihren Abschied. Im Ullstein-Verlag 1887 als Zeitung konzipiert, die außerhalb Berlins erschien und schnell die Informationen aus der Hauptstadt in alle Gegenden des Deutschen Reiches trug, wurde sie zum Ende des Jahres 1921 eingestellt. Erst kürzlich wurde sie digitalisiert, so dass wir nun wenigstens einmal einen Artikel erhaschen, bevor wir ins Jahr 1922, ohne Abendpost, schreiten. Vom Weihnachtsbaummangel 1921 war ja schon zu Genüge die Rede. Heute erinnert daher der Autor an den Vorläufer des geschmückten Tannenbaumes: die Weihnachtspyramide – auch hier wieder inklusive einer Bau- und Bastelanleitung. Heutzutage lässt sich dieser Artikel auch lesen als Aufruf zu einer Schonung unserer Wälder. Eine Pyramide kann im Keller das Jahr überdauern und nächstes Weihnachten wieder für Stimmung sorgen. Egal ob es eine ernsthafte Option ist oder nicht, bringt uns Paula Leu die Weihnachtspyramide nahe.
Ep 735Der Kampf ums Theater
Die 1920er Jahre waren bekanntermaßen eine Dekade der Kulturkämpfe, und eine der wesentlichen Bühnen dieser Kämpfe war – die Bühne. Die Streitschrift ‘Der Kampf ums Theater‘ des renommierten Kritikers Herbert Ihering ist für die gesamte Theaterepoche der Weimarer Republik mit ihren Skandalen und mitunter sogar tätlichen Auseinandersetzungen sprichwörtlich und zum gern entliehenen Titel und Untertitel späterer Überblicksdarstellungen und Sammelbände geworden; dabei stammt ihre Erstveröffentlichung bereits aus dem Jahr 1922. Iherings angestammte publizistische Heimat, der Berliner Börsen-Courier, druckt sogar schon am 25. Dezember 1921 Auszüge aus der Einleitung ab und weitet den sonst eher kurzatmigen Zeitungsblick auf das Theater damit pünktlich zum Fest von der einzelnen Premiere einmal auf das große Ganze. Zumindest in diesem Ausschnitt ist freilich weniger von wilden ideologischen Fehden die Rede, als dass der Autor, vor allem mit Blick nach Wien, eine untergegangene aristokratische Gesellschafts- und Theaterepoche halb süffisant, halb melancholisch zu Grabe trägt. Für uns betrachtet die „schöne Leich“ Frank Riede.
Ep 734Weihnachten in Oberhof
Berlin liegt bekanntlich weder am Meer, noch im Gebirge, und unter beidem litten seine Einwohner*innen offensichtlich auch schon vor einhundert Jahren sehr. Während unser Podcast in den Sommermonaten dank der dort urlaubenden Hauptstadtpresse regelmäßig von Nord- und Ostseestränden sendet, durften wir selbige in den zurückliegenden Winterwochen bereits in die Dolomiten und ins Riesengebirge begleiten – und verleben den Heiligen Abend des Jahres 1921 heute mit dem Berliner Tageblatt im Thüringer Wald. Dessen Edelfeder Victor Auburtin hatte bereits die Tage vor dem Fest im mondänen Wintersportort Oberhof verbracht und dort zwar keine pittoreske Schneelandschaft vorgefunden, dafür aber umso intensiver die entspannte Leere und Ruhe vor dem Sturm der anrückenden Schar der Berliner Weihnachtsgäste genossen. Mit ihm gereist ist nur, für uns, Paula Leu.
Ep 733Weihnachtsbäume für Selbstabholzer
Dass Ende 1921 Aufgrund der Inflation die Finanzkraft der Bürger:innen nicht gerade groß war, ist an dieser Stelle schon vorgekommen. Verständlich, dass das Klagen über die teuren Gewürze zum Backen, den teuren Weihnachtsschmuck und die teuren Spielwaren in allen Zeitungen Widerhall findet. Im Zentrum des Vorweihnachtslamento steht zweifelsfrei aber der überteuerte Weihnachtbaum, dessen mangelnde Erschwinglichkeit viele baumlose Weihnachtsfeiern befürchten ließ. Daher begrüßt der Berliner Lokalanzeiger vom 23. Dezember die Aktion der Forstverwaltung von Dreilinden im Grunewald, die eine Fichtenpflanzung für Selbstabholzer freigab, um den Unmut der Berliner zu besänftigen. Die dadurch hervorgerufenen Pilgerscharen mit Axt und Säge zeigten, dass dies wohl nur ein Tropfen auf den heißen Stein war. Erst Tage später korrigiert der Lokalanzeiger selbst das noch halbwegs friedliche Bild, dass sie im heutigen Artikel zeichnet. Tatsächlich kam es zu Tumulten und zu Abholzungen in nicht dafür vorgesehenen Waldstücken, aber vielleicht hat der Autor in seiner Macbeth-Referenz das Massaker an den Bäumen irgendwie schon angedeutet. Frank Riede berichtet.
Ep 732Soxephon
Der Streit, ob es sich beim ‘Berlinischen‘ um einen Dialekt, einen Soziolekt, einen Metrolekt oder einfach nur um eine Verballhornung der Sprache handelt, tobt schon mindestens so lange, wie Berlin eine Großstadt ist. Gemein mit anderen, bereits durch Lautverschiebungen entstandenen deutschen Idiomen ist ihm in jeden Fall, dass es für Zugereiste häufig selbst unter größten Anstrengungen nicht verständlich ist. Diese Erfahrung musste auch ein eigentlich schon lange an der Spree ansässiger Kolumnist des Berliner Börsen-Couriers machen, als er sich zu nächtlicher Stunde in eine offenbar berüchtigte Spelunke im damals schwer verrufenen Scheunenviertel begab. Obwohl mit dem Titel ‘Soxephon‘ überschrieben, spielt in seinem Erlebnisbericht vom 22. Dezember 1921 jedenfalls keine Jazzband auf. Es liest die eingeborene Berlinerin Paula Leu.
Ep 731Zur Wohnungsnot im Roten Rathaus
In der heutigen Folge geht es um ein Thema, das aktuell seit Jahren oben auf der Agenda der Politik steht und dies auch schon vor 100 Jahren getan hat, weshalb dies auch nicht das letzte Mal sein wird, dass “Auf den Tag genau” darüber berichtet: Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum. Bei der Berliner Stadtverordneten-Versammlung, die die Berliner Morgenpost vom 21. Dezember 1921 zusammenfasst, wird uns mal wieder alles geboten. Die Linke stellt Anträge, die die Bürgerlichen befürchten lässt, dass sich bei einer Umsetzung das Arbeiten nicht mehr lohnt, es werden Sofortbauprogramme ins Auge gefasst, doch zunächst die Wohnungsausschüsse personell aufgestockt und ein Vertreter der Wirtschaftspartei glaubt an den Trickle Down-Effekt. Er möchte das Problem angehen, indem zunächst die Mieten erhöht werden, damit Eigentum sich rechnet. Für uns trägt mehr Altbekanntes und wenig Überraschendes Paula Leu vor.
Ep 730„Freiheit ist immer Freiheit des Andersdenkenden!“
Die Kommunistische Partei Deutschlands war Anfang der 1920er Jahre noch nicht ganz der monolithisch-linientreue Vasall ihrer bolschewistischen russischen Schwesterpartei, als der sie sich in späterer Weimarer Zeit unter Ernst Thälmann präsentierte. Dennoch zeichnete sich bereits auch schon damals eine klare Orientierung nach Moskau und eine entsprechend kritiklose Begeisterung für die Entwicklung in der werdenden Sowjetunion ab. Wäre die Geschichte unter einer Vorsitzenden Rosa Luxemburg womöglich anders verlaufen? Wäre die KPD unter ihrer Mitbegründerin auf einem eigenständigeren, weniger autoritären Kurs geblieben? Eine im Herbst 1921 erschienene Publikation mit nachgelassenen Schriften der knapp drei Jahre zuvor ermordeten Luxemburg legt dies nahe. Selbst das bürgerliche Berliner Tageblatt zeigt sich von der Lektüre angetan und stellt seinen Bericht vom 20. Dezember unter ein berühmtes, nicht zuletzt auch später in der DDR bedeutsam gewordenes Zitat. Es liest Frank Riede.
Ep 729Der blaue Vogel
Der Aufstieg Berlins zur größten russischen Metropole außerhalb Russlands war Ende 1921 bereits in vollem Gange und zog zunehmend auch im Kulturleben seine Spuren. Von dem mehrwöchigen Gastspiel des legendären Moskauer Künstlertheaters und seiner Aufnahme bei der größtenteils vor der Revolution gen Westen (und besonders zahlreich nach ‘Charlottengrad‘) getürmten russischen Exil-Community war in den letzten Wochen in diesem Podcast schon zweimal die Rede. Daneben ließ aber auch zunehmend hier vor Ort eine äußert lebendige russische Kleinkunstszene immer neue Ensembles aus dem Boden sprießen. Dessen vielleicht berühmteste Institution, Der blaue Vogel von Igor Jushny, öffnete vor einhundert Jahren im damals kulturell noch etwas abgelegenen Schöneberg seiner Pforten. Für die Vossische Zeitung berichtete am 19. Dezember 1921 Moritz Goldstein von der Eröffnung, für uns tut dies hier und heute Frank Riede.
Ep 728Weihnachtsmarkt auf St. Pauli
Wer kennt die beliebte altväterliche Klage nicht, dass Weihnachten immer mehr in Konsum ersticke und früher alles besinnlicher gewesen sei? Vielleicht stimmt das sogar, aber dann muss dieses „früher“ länger als einhundert Jahre zurückliegen oder damit zumindest nicht Hamburg gemeint sein. Was die Berliner Volks-Zeitung ihren Berliner Leserinnen und Lesern am 18. Dezember 1921 vom Weihnachtsmarkt auf dem Heiligengeistfeld vermittelt, klingt auf jeden Fall mehr nach Rummel und St. Pauli als nach Kerzenschein und Fachwerkbudenbeschaulichkeit. Remmi-demmi statt Stille Nacht. Oder um es mit Loriot zu sagen: Letztes Jahrhundert war auch nicht mehr Lametta. Beziehungsweise eben gerade doch. Es liest Paula Leu.
Ep 727Das fliegende Nachtquartier
Nachdem nahezu alle Nachtzugverbindungen eingestellt worden waren, erlebt der europäische Schienenverkehr gerade eine Renaissance der Nachtzüge. Reist man in solch einem Schlafabteil, so gleicht dessen Aufbau einem Schlafzugabtei 3. Klasse aus dem Jahre 1921. Damals freilich wurden von der Deutschen Bahn diese neu entworfenen Nachtzug-Wagons der Öffentlichkeit präsentiert und für einen Testbetrieb freigegeben. Für eine erste Fahrt wurden sie mit Vertretern der Berliner Presse befüllt, die auch in großer Zahl in ihren Zeitungen darüber berichteten. Es war eines der Verkehrsinfrastruktur-Ereignisse des Jahres. Neben den neuen Schlafwagen wurde auch ein Unterrichtswagon eingeführt, in dem passender Weise auch die Präsentationen stattfanden. Mit Film- und Fotoprojektoren ausgestattet sollten diese Wagons als fahrbare Schulungsstätten für das Bahnpersonal auch in entlegenen ländlichen Gegenden genutzt werden. Kommst du nicht zur Fortbildung, kommt die Fortbildung zu dir. Wir bringen heute den Reisebricht aus dem Vorwärts vom 17.12. Für uns quetschte sich Frank Riede durch die Abteile.
Ep 726Was willst du in der Zeitung lesen?
Es liegt im natürlichen Interesse jedes regelmäßig erscheinenden Publikationsorgans, die Vorlieben seiner Leserschaft zu kennen, um sie im Regelfall bedienen und vielleicht manchmal ausnahmsweise auch ein wenig unterlaufen zu können. Heutzutage gibt es bekanntlich viele digitale Hilfsmittel bei der Kundenerkundung und Kundenbindung. Vor einhundert Jahren dagegen gestaltete sich beides bedeutend mühseliger. Die Neue Zeit hatte ihren Ausgaben tausende von Umfragebögen beigelegt und sieht sich in ihrer Ausgabe vom 16. Dezember 1921 nun mit einem reichlich widersprüchlichen Feedback konfrontiert: Der einen Freud ist des anderen Leid. Was A zu viel, ist B zu wenig und C gerade genehm. Man konnte es auch schon damals offensichtlich nicht jedem und jeder recht machen, jedenfalls nicht mit ein und derselben Sache. Was wollt Ihr bei Auf den Tag genau hören? Seid Ihr in euren Interessen ähnlich divers wie die Abonnenten der Neuen Zeit? Schreibt uns und kommentiert gerne auch die heutige Folge, durch die uns Paula Leu führt.
Ep 725Treibjagd in der Markthalle
1921 hatte Art Spiegelmann seine epochemachende Graphic Novel „Maus“ noch nicht erschaffen und der Holocaust, den er darin verarbeitet, mit all seiner menschenverachtenden Rhetorik von „Ausrottung“, „Ungeziefer“, „Endlösung“ hatte noch nicht stattgefunden. Das konnte für die Leser:innen des Berichtes über den Kampf gegen die Ratten in den Berliner Markthallen aus der Berliner Morgenpost vom 15.12. also nicht anklingen. Paula Leu begibt sich mit dem erfahrenen Kammerjäger Oskar Schuster und seiner Hundestaffel auf die Treibjagd durch die Markthallen.
Ep 724Im Höllenkreis der Telefonistin
Das Fräulein vom Amt nahm Anrufe entgegen, wählte die gewünschte Zielperson an und begrüßte diese mit dem Satz „Jetzt kommt ein Gespräch für sie!“. Dann verband sie die beiden Seiten zu einem Gespräch. 1907 arbeiteten 16.000 Frauen in diesem Beruf, für den sie jung, ledig und „aus gutem Hause“ sein mussten. Darüber hinaus waren Schulbildung und Fremdsprachenkenntnisse gewünscht, die Bezahlung war aber daraufhin konzipiert, eine, heut würde man sagen, Single-Frau zu ernähren. Mit fortschreitender Automatisierung starb das Berufsbild (mit der Ausnahme von Telefonanlagen großer Firmengebäude) langsam aus, jedoch wurde erst 1966 das letzte Ortsnetz der alten Bundesrepublik automatisiert. Aber eines ändert sich nicht: Der Frust der Telefonierenden, wenn sie anstatt verbunden zu werden irgendwo im Nirvana des Netzes landen und von Neuem wählen müssen. Heutzutage schimpfen wir auf die Technik, den Provider. Wie man sich vorstellen kann, richtete sich dieser Frust vor hundert Jahren auf die Telefonistinnen, wovon der Text des Prager Schriftstellers Richard Katz aus der Vossischen vom 14. Dezember 1921 Zeugnis ablegt. Zusammen mit dem Autor steigert sich Frank Riede in Rachephantasien hinein.
Ep 723Wenn Rübezahl grollt
Skitourismus war vor einhundert Jahren beileibe noch kein Massenphänomen, sondern – abgesehen von den Einheimischen – das distinktionssichere Vergnügen einiger weniger betuchter Großstädter. Dennoch oder wahrscheinlich gerade deswegen hatten Erlebnisberichte aus verschneiter Bergkulisse in den Zeitungen allwinterlich Hochkonjunktur. Nachdem wir uns an dieser Stelle erst kürzlich auf Skiwanderung durch die Dolomiten begaben, reist die B.Z. am Mittag vom 13. Dezember 1921 heute für uns ins Riesengebirge. Dass sich dort mittlerweile auch weniger erfahrene Abenteurer sorglos auf Bretter stellten, nimmt jene zum Anlass für eine mythenschwere Beschwörung der Naturgewalten, die sich freilich zugleich auch beinahe wie ein Vorgriff auf spätere Action-Adventure-TV-Formate liest. Für uns tut dies Frank Riede.
Ep 722Hintertreppe
Am heutigen Tage treffen die Diva des deutschen Stummfilms Henny Porten zusammen mit dem Kammerspieldrehbuch von Carl Mayer auf den Theaterregisseur und Intendanten des Staatlichen Schauspielhauses in Berlin Leopold Jessner und seine expressionistische Handschrift – eine Mischung, die auch die Rezension des aus dieser Zusammenarbeit entstandenen Filmes im Berliner Börsen-Courier thematisiert. Der Name des Filmes ist Programm: Hintertreppe. Ein menschliches Drama, ein tragisches Liebesdreieck, im Hinterhof, im Milieu des Dienstpersonals, abseits des bürgerlichen Wohlstands-Lebens der Vorderhäuser, das gar nicht erst gezeigt wird. Für die Theatergröße Jessner war es der erste Ausflug zum Film, in dem sich auch deutlich die in diesem Podcast schon thematisierte Handschrift von Carl Mayer zeigte, der den Zwischentitellosen-Film anstrebte. Immer wieder wird auch in dieser Rezension „Hintertreppe“ mit dem vorangegangenen Film nach einem Mayer-Script „Scherben“ verglichen. Und noch ein großer Name ist an der heutigen Folge, natürlich neben Paula Leu, die heute liest, beteiligt: der Kritiker Herbert Ihering ist der Autor des am Tage nach der Premiere, also am 12. Dezember, verfassten Artikels.
Ep 720Braucht es Intellektuellen-Wohnkolonien?
Was machen 300 Intellektuelle, die in einer Wohnsiedlung zusammenleben…? Was klingt wie der Anfang eines Witzes ist eine Frage, die die Berliner Volks-Zeitung in ihrer Ausgabe vom 11. Dezember 1921 zu beantworten suchte. Offensichtlich gab es derartige Siedlungs-Ideen, die die Produktivität der geistigen Arbeiter steigern sollten. Die BVZ positioniert sich eindeutig und warnt vor lebensunfähigen Parallelgesellschaften. Frank Riede liefert die Argumentation.
Ep 719Weihnachtsbastelei für den Herren
In der Vorweihnachtszeit 1921 beklagen die Zeitungen allesamt die gestiegenen Preise für Weihnachtsbäume, Baumschmuck und Gewürze. Wahrscheinlich ist Spielzeug auch teurer und so stoßen wir auf ein bislang in diesem Podcast noch nicht da gewesenen Texttyp. Die Berliner Volks-Zeitung beauftragt Elfriede Behne mit dem Verfassen einer Bastelanleitung für die männlichen Leser der Zeitung. Warum nicht mal selber Geschenke basteln, mit dem, was man ohnehin zuhause hat? Do It Yourself Spielzeug-Eisenbahnwagen? Am 10. Dezember erschien diese Zeitungs-Hobbythek, die für uns Paula Leu liest. Also, meine Herren, Stift und Papier zur Hand und viel Spaß beim Nachbauen.
Ep 721Nur als Zeuge: Ludendorff vor dem Reichsgericht
Der sogenannte Kapp-Putsch rechtsgerichteter Offiziere hielt die junge Weimarer Republik im März 1920 mehrere Tage lang in Atem, bevor ein Generalstreik den Spuk nach 100 bangen Stunden beendete – wir berichteten darüber in diesem Podcast ausführlich. Nun, gut anderthalb Jahre später versuchte sich die angegriffene deutsche Demokratie an einer höchst halbherzigen juristischen Aufarbeitung, die vor dem obersten Gerichtshof, dem Reichsgericht in Leipzig, mit einem Prozess gegen den Mitinitiator Traugott von Jagow und zwei Mitangeklagte begann (und auch schon fast wieder endete). Der gleichfalls involvierte Weltkriegs-Feldherr Erich Ludendorff wurde rechtlich nicht belangt, sondern lediglich als Zeuge nach Leipzig vorgeladen. Die hauptstädtische Presse berichtete mit Interesse. Frank Riede liest für uns aus dem Berliner Börsen-Courier vom 9. Dezember 1921.
Ep 718Im Leihhaus
Leihhäuser gibt es in einer Stadt wie Berlin auch heute noch, aber in schweren sozial-ökonomischen Krisenzeiten wie den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg waren sie wahrscheinlich deutlich stärker frequentiert. Grund genug, für den Vorwärts vom 8. Dezember 1921 sich die entsprechenden Anstalten einmal genauer anzuschauen und in Erfahrung zu bringen, was große und kleine Leute damals so versetzen ließen. Dabei wird schnell deutlich, dass sich sämtliche Konjunkturkurven der letzten Jahre bis hier in den Pfandbetrieb präzise nachvollziehen lassen und dass – oh Wunder! – die gerade galoppierende Inflation selbstredend auch hier eine Freundin des Schuldners ist. Diesem Artikel ihre Stimme leiht Paula Leu.
Ep 717Die Lage im pazifischen Raum
Der pazifische Raum ist, von Europa betrachtet, weit weg, und entsprechend randständig kommt man sich bei uns auf dem ‘alten Kontinent‘ plötzlich bei Beschwörungen vor, eben dorthin würde sich der Schwerpunkt der Weltpolitik im 21. Jahrhundert verlagern. Dass das auch wieder eine sehr europäische Sicht der Dinge ist; dass Weltpolitik dort natürlich schon sehr viel länger gemacht wird, belegt unser heutiger Artikel aus der Berliner Börsen-Zeitung vom 7. Dezember 1921. Auf den Tag genau zwanzig Jahre vor Pearl Harbor wird dort bereits die Gefahr eines Flottenkrieges zwischen Japan und den USA diskutiert und überhaupt das Wettrüsten in Fernost thematisiert. Für uns rekapituliert dies hier Frank Riede.
Ep 716Das Schicksal der Zarenfamilie
Wenn im Zuge eines revolutionären Umschwungs der Monarch, die Monarchin hingerichtet werden, so hallt dies als Ereignis durch die Geschichte. Eine gewisse Logik besteht darin, aus Sicht der Revolutionäre, die Tötung zu einem symbolisch aufgeladenen Akt, öffentlich durchzuführen – wie etwa die Hinrichtung Ludwig des XVI. in der Französischen Revolution. Im Falle der Bolschewiki wurde die Ermordung des Zaren Nikolaus des II. und weiter Teile der Romanows in der Nacht vom 16. auf den 17. Juli 1918 hastig und verborgen in einem Keller in Jekaterinburg ausgeführt. Hintergrund war dabei wohl die Absicht, während des Bürgerkriegs kein lebendes Mitglied der Zarenfamilie den „Weißen“ als potentielle Symbol- und Sammlungsfigur zu überlassen. Jekaterinburg stand kurz vor der Eroberung durch die Weißen Truppen. Die Leichen der Romanows wurden verscharrt. Lediglich die Exekution des Zaren wurde offiziell von den Bolschewiki verlautbart, über den Verbleib der restlichen Familienmitglieder kursierten fortan jahrelang nur Gerüchte. Am 6.12. versucht das Berliner Tagblatt Licht in das undurchsichtige und mythenumrankte Schicksal der Zarenfamilie zu bringen – mithilfe eines Zeugen, der in Jekaterinburg vor Ort war. Den Wissensstand von 1921 trägt für uns Frank Riede vor.
Ep 715Der Presseempfang im Reichstag
Als Zeitungspodcast interessiert sich Auf den Tag genau naturgemäß in besonderer Weise für Berichte, die ihrerseits wiederum hinter die Kulissen des Medienbetriebs in der Weimarer Republik schauen. Auch schon damals luden Presseverbände gelegentlich zu Empfängen, und die Spitzenpolitik kam nicht selten in Mannschaftsstärke. Kam man sich bei derartigen Veranstaltungen womöglich gar ein wenig zu nahe? Zumindest was die Feuilletonredakteure betrifft, war diesbezüglich offenbar keine Gefahr im Verzug – jedenfalls wenn man dem berühmten Vertreter dieser Zunft Paul Schlesinger alias Sling Glauben schenken mag. Dieser hätte dem Reichskanzler durchaus etwas zu sagen gehabt, tut dies, statt in Präsenz, nun notgedrungen aber doch wieder in seiner Zeitung, der Vossischen vom 5. Dezember 1921. Gelesen von Paula Leu.
Ep 713Durch den Nebel Londons
London und sein Nebel. Kaum ein Kriminalfilm, der in England spielt, ob Sherlock Holmes oder die Edgar-Wallace-Verfilmungen, kommt ohne ihn aus, den Nebel, der atmosphärisch dicht durch die Straßen quillt. Bei bestimmten Wetterlagen kommt es hin und wieder zu einem extremen Nebel, der tagelang den Verkehr lahmlegt. Ist es dann noch Winter, vermengt sich der Nebel mit dem Staub der kohlebetriebenen Heizungen und Öfen, was den Smog-Nebel sogar zu einem tödlichen Risiko werden lässt. 1952 forderte solch eine Wetterlage tausende Menschenleben. Nicht ein solcher Jahrhundert-Nebel, aber zumindest ein Jahrzehnt-Nebel herrschte 1921 in London und der Korrespondent der Vossischen Zeitung, Ludwig Wachtel, wagte einen Spaziergang mit geringer Sichtweite, die er im Artikel vom 4. Dezember verarbeitete. Wahrscheinlich ahnte er damals nicht, dass er, der er jüdischer Herkunft war, nach 1933 in London seine neue Heimstatt finden würde. Heute lässt uns Frank Riede in den Nebel an der Themse eintauchen.
Ep 714Mit dem Luftschiff von Cadiz nach Buenos Aires
Der Kampf gegen den menschengemachten Klimawandel führt derzeit zu einer Renaissance von Projekten in der Luftschifffahrt. Sind Zeppeline nicht eine Umweltfreundliche Alternative für Waren- und Passagiertransport? Mit den Hoffnungen, die man an Luftschiffe nach dem Ersten Weltkrieg knüpfte, lässt sich das freilich (noch) nicht vergleichen. 1919 glückte die erste Atlantiküberquerung mit einem Luftschiff von England in die USA. Pläne für einen Linienverkehr über den Ozean wurden geschmiedet. Von einem solchen handelt unsere heutige Folge. Die Auslandsbeilage der Vossischen, die Voss, präsentierte am 3. Dezember 1921 die bereits 3 Jahre zuvor angedachte, nun von Spanien zu finanzierende, von einem deutschen Luftschiffunternehmen umzusetzende Linie von Cadiz nach Buenos Aires und zurück. Die finanzielle Projekthoheit Spaniens war schon allein deshalb notwendig, um die Bestimmungen des Versailler Vertrages zu umgehen, der eine von Deutschland geleitete Unternehmung untersagte. Tatsächlich pendelten ab 1931 Zeppeline auf der weltweit ersten Passagierlinie zwischen Europa und Südamerika. Bei den Planungen 1921 ist Paula Leu mit von der Partie.
Ep 712Stresemann gegen den rechten Flügel der DVP
Wie navigiert eine bürgerliche Partei zwischen einer Kooperation mit den sozialdemokratischen Kräften und dem Druck vom äußeren rechten Flügel? Für die 1918 gegründete nationalliberale Deutsche Volkspartei stellte sich diese Frage in der Zeit ihres Bestehens, also bis 1933, beinahe durchgängig. Sollte die Partei den Schulterschluss mit der Deutschnationalen Volkspartei suchen, oder mit der SPD in einer Regierung zusammenarbeiten? Auf dem Parteitag in Stuttgart konnte sich der Parteiführer Gustav Stresemann noch ohne weitere Probleme gegen den „rechten“ Flügel durchsetzen, wie die Berliner Morgenpost vom 2.12. 1921 zu berichten weiß. Für uns war Paula Leu dabei.
Ep 711Winter in den Dolomiten
Es ist eine Geschichte aus uralter Zeit, die die B.Z. am Mittag vom 1. Dezember 1921 uns heute auftischt. Eine Geschichte aus den winterlich verschneiten, sonnendurchglühten Dolomiten, die offensichtlich eine Skiwandergruppe ganz für sich allein hat, da winterlicher Massentourismus auf diesen Alpenkämmen, in diesen Alpentälern noch ein Fremdwort ist. Es gibt keine Seilbahnen, Skilifte oder präparierte Pisten, keine Bettenburgen und keine Après-Ski-Bars in diesem Artikel, sondern nur einsame Gipfel und Klüfte in eisiger Luft und gleißendem Licht. Beim Zuhören wird man wehmütig und fast ein wenig schneeblind. Es liest Frank Riede.
Ep 710Ausländische Export-Experten
Wir hatten vom Verfall der Mark in den letzten Monaten des Jahres 1921 bereits berichtet. Eine Folge dessen war natürlich die Kaufkraft der Fremdwährungen. Ein gewisser H. Pollack heftet sich für die Vossische Zeitung vom 30.11. an die Fersen der ausländischen Import-Export-Experten und berichtet von überraschenden Geschäftspraktiken. Sein Blick auf die Ausländer:innen ist dabei nicht immer ganz frei von (auch rassistischen) Stereotypen. Für uns tingelt von Auktionshaus, über Nobelhotel ins Tanzrestaurant Paula Leu.
Ep 709Nach Moskau! Nach Moskau! - Das Gastspiel des Moskauer Künstlertheaters
„Nach Moskau! Nach Moskau!“ – ihre berühmte Sehnsucht teilten die drei Schwestern aus Anton Tschechows gleichnamigem Stück mutmaßlich mit vielen der nach der Oktoberrevolution in Berlin gestrandeten russischen Exilanten. Kein Wunder, dass sich diese denn auch in großer Zahl zum Gastspielauftakt des legendären Moskauer Künstlertheaters eben mit Tschechows ‘Drei Schwestern‘ im Theater an der Königgrätzer Straße, dem heutigen Hebbel-Theater oder HAU1, einfanden. Der Kritiker des 8-Uhr-Abendblattes Josef Adolf Bondy vermag sich in die Wehmut der jungen Protagonistinnen auf der Bühne genauso einzufühlen wie in die der russischen Seelen im Zuschauerraum. Dennoch kommt er im Vergleich mit seiner eigenen Erstbegegnung mit der Inszenierung bei einem früheren Gastspiel der Moskauer zu dem Schluss, dass die stürmisch bewegte Zeit doch ein wenig über diese Art von wiewohl großartigem Theater hinweggegangen sei. Und erklärt die Regisseure und Begründer des Künstlertheaters Konstantin Stanislawski und Wladimir Nemirowitsch-Dantschenko in seinem Bericht vom 29. November 1921 gleich einmal irrtümlicherweise für tot ... Wie immer zu neuem Leben erweckt werden alle Beteiligten an diesem Gastspiel bei uns in der Lesung von Frank Riede.
Ep 708Das tönende Archiv
Am 15. September letzten Jahres berichteten wir mit dem Berliner Tageblatt über das Berliner Lautarchiv, heute, etwa 440 Folgen später, besuchen wir am 28.11.1921 das an der Berliner Staatsbibliothek institutionalisierte Archiv mit Tonwalzen und -Zylindern und Wachsplatten mit der Vossischen Zeitung. Liegt der Sammlung ohnehin partiell ein kolonialistischer Gestus zugrunde, so greifen einzelne Lautaufzeichnungen in ihren Titeln rassistisches Vokabular auf, das sich dann auch in der Berichterstattung wiederfindet. Diesmal wühlt für uns Paula Leu in den Schätzen des Berliner Lautarchivs, wobei ein weiteres Mosaikstück unseres Berliner Zeitungslautarchivs der Weimarer Republik entsteht …