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Auf den Tag genau

Auf den Tag genau

2,057 episodes — Page 30 of 42

Ep 607Sexualwissenschaft

“Sexualwissenschaft” wurde in den ersten Dekaden des 20. Jahrhunderts als eigenständiger Wissenschaftszweig etabliert. Einer der Pioniere war Hermann Rohleder, der Aufklärung mit Büchern wie „Die Sexualphysiologie“ und „Die Sexualpsychologie“ betrieb und von fortschrittlichen Zeitungen wie der Freiheit, hier in der Ausgabe vom 19. August 1921 empfohlen wurde. Uns legt Paula Leu die Werke ans Herz.

Aug 19, 20213 min

Ep 606Dr. med. Ludendorff

Wer hat nicht alles schon Ehrendoktorwürden verliehen bekommen. Mal passen Titel und Person besser mal schlechter zusammen. Als dem General a.D. Erich Ludendorff ein Ehrendoktor der medizinischen Fakultät verliehen wurde, kommentierte der Vorwärts am 24. August 1921 amüsiert. Es liest Frank Riede.

Aug 18, 20214 min

Ep 604Die kurzlebige Republik Baranya

Zu den hierzulande unbekanntesten und wahrscheinlich kurzlebigsten staatlichen Gebilden in der jüngeren europäischen Geschichte zählt die Republik Baranya. In das Gebiet um die Stadt Fünfkirchen – heute eher unter ihrem magyarischen Namen Pécs bekannt – hatten sich seit 1919 zahlreiche Gegner des Regimes von Miklós Horthy geflüchtet, die in einem interessanten Verbund mit Vertretern der dort ansässigen serbischen wie deutschen Bevölkerungsgruppen im Sommer 1921 ihre Unabhängigkeit von Ungarn proklamierten. Am 17. August, drei Tage nach seinem Anfang und drei Tage vor seinem Ende, berichtet das Berliner Tageblatt von diesem Projekt. Es liest Paula Leu.

Aug 17, 20213 min

Ep 605Südpolexpedition auf Zelluloid

Ungefähr 3 Jahre nachdem Roald Amundsen 1911 den Südpol erreicht hatte, begann Ernest Shackelton die sogenannte Endurance-Expedition, deren Ziel es war, die Antarktis über den Südpol hinweg zu durchqueren. Der Versuch scheiterte früh, da das Schiff “Endurance” von Eismassen beschädigt sank, noch bevor es den Ausgangspunkt der Expedition erreichte. Es folgte eine abenteuerliche und heldenhafte, vor allem erfolgreiche Rettung aller Expeditionsteilnehmer. Eine Pioniertat gelang allerdings. Zur Expedition gehörte ein Kameramann, der erste dokumentarische Bilder der südlichen Polarregion machte. Und von diesem Südpolfilm berichtet die Berliner Börsenzeitung am 16. August 1921. Für uns kurbelt Frank Riede.

Aug 16, 20214 min

Ep 603Börsenfieber

Zwischen den Kursentwicklungen an der Börse und der Situation in der Realwirtschaft besteht bekanntlich nicht immer eine nachvollziehbare Korrelation. Während die deutsche Volksökonomie in der Folge des Weltkriegs vor einhundert Jahren noch immer weithin siech darniederlag, grassierte unter den Wertpapierhändlern an der Berliner Burgstraße längst eine ganz andere Krankheit: das Börsenfieber. Die Vossische Zeitung vom 15. August 1921, und für uns Paula Leu, widmen sich dessen Symptomen.

Aug 15, 20214 min

Ep 602Die Nacht des Polizeipräfekten

Frisch zum Polizeipräfekten von Paris berufen, inspizierte Herr Leullier nächtens die Situation an den Seine-Ufern – und landete prompt beinahe im Wasser. Die Berliner-Volkszeitung vom 14. August brachte diese amüsante Geschichte, für uns flaniert Frank Riede durch Paris.

Aug 14, 20213 min

Ep 601Spannungen in Palästina

Als sich die Briten nach dem Ersten Weltkrieg den vormals türkischen Landstrich Palästina an das koloniale Bein banden, werden sie kaum geahnt haben, vor welch spannungsreicher Zukunft ihr neues ‘Mandatsgebiet‘ damals stand. Im Sommer 1921 zeichneten sich die Konflikte zwischen den unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen gleichwohl schon erstaunlich klar ab. Aus der Deutschen Allgemeinen Zeitung vom 13. August liest für uns Paula Leu.

Aug 13, 20213 min

Ep 600Ein deutschnationaler Heros will wieder Engländer werden

Nicht erst seit seiner Heirat mit Richard Wagners Tochter Eva galt Houston Stewart Chamberlain als eine der einflussreichsten Figuren des Bayreuther Kreises und als einer der wichtigsten Protagonisten eines rassistischen Antisemitismus in Deutschland. Als er im Ersten Weltkrieg demonstrativ seine britische Staatsbürgerschaft ablegte, machte ihn das endgültig zum Heros der Deutschnationalen. Dass er nun wenige Jahre später aus ziemlich profanen finanziellen Motiven offensichtlich doch wieder den Engländer in sich entdeckte, trug ihm den entsprechend beißenden Spott des Berliner Tageblatts vom 12. August 1921 ein. Und den von Frank Riede.

Aug 12, 20213 min

Ep 599Sie begraben das Kriegsbeil

Aus dem „letzte Mohikaner“ von James Fenimore Cooper, dem 1826 erschienen Roman, kennen wir die blutigen Fehden zwischen den Indianerstämmen des heutigen Kanada. Dem Vorwärts vom 11. August war der Friedensschluss von 1921 zwischen den Huronen und den Irokesen eine Meldung wert, die die Friedensbereitschaft als Vorbild hervorhob, allerdings auch das zeittypische rassistische Vokabular verwandte.

Aug 11, 20213 min

Ep 598Im Namen des Königs

Von einem “Freudschen Verschreiber” berichtet am 10. August 1921 die Vossische Zeitung. Angeblich hatte ein Gericht sein Urteil im Namen des Königs gefällt. Diesem antirepublikanischen Affront spürt für uns Frank Riede nach.

Aug 10, 20212 min

Ep 597Judenpogrom in Memmingen

Dass der gewalttätige Antisemitismus im Deutschland der 1920er Jahre eine lange Vorgeschichte hatte, war in den anderthalb Jahren Laufzeit unseres Podcast bereits ausgiebig zu verfolgen. Ein weiteres trauriges Kapitel wurde diesbezüglich im Sommer 1921 im bayerisch-schwäbischen Memmingen geschrieben. Die Freiheit vom 9. August berichtete, für uns liest Paula Leu.

Aug 9, 20212 min

Ep 596Die Goldrubel im Lycker See

Nicht nur im wilden Westen, sondern auch im waldigen Ostpreußen ist schon so mancher Goldschatz auf dem Grund eines tiefen Sees vermutet worden. Ein Berliner Kaufmann, von dem im Folgenden die Rede ist, blieb der Erzählung gegenüber freilich skeptisch, und das hat ihm wohl das Leben gerettet. Im Vorwärts vom 8. August 1921 schürft für uns Frank Riede.

Aug 8, 20214 min

Ep 595Der Reiz des Motorradelns

Das Motorradfahren erfreute sich Anfang der 1920er zunehmend an Beliebtheit, und schon damals wurde an diese Weise der Fortbewegung ein besonderes Freiheits- , Körper- und Unabhängigkeitsgefühl geknüpft, wie folgender Artikel des Berliner Tagblatts vom 7. August 1921 eindrücklich belegt. Für uns lässt Paula Leu den Fahrtwind an sich vorbeirauschen.

Aug 7, 20214 min

Ep 594Missstände in den Berliner Krankenhäusern

Manche Dinge auf der Welt ändern sich offenbar nie: Nein, die Freiheit vom 6. August 1921 berichtet nicht von dem vergeblichen Versuch einer englischen Fußballnationalmannschaft, ein Elfmeterschießen zu gewinnen, sondern aus dem Berliner Gesundheitswesen und beklagt in den dortigen Kliniken vor allem – Überraschung! – Personalmangel. Es liest Frank Riede.

Aug 6, 20213 min

Ep 593Ein Brief aus Argentinien

Die Auswanderungsbewegung nach Südamerika war in unserem Podcast schon Thema. Am 5. August 1921 druckte die Deutsche Allgemeine Zeitung den Brief eines Auswanderers nach Argentinien ab, in dem er nüchtern die Situation derjenigen schildert, die den Schritt in die Neue Welt gewagt haben. Es liest Paula Leu.

Aug 5, 20213 min

Ep 592Bergbrand am Hochstaufen

Tief im Südosten Bayerns, zwischen den Ortschaften Reichenhall, Piding und Inzell liegt der Hochstaufen, um dessen Gipfel sich, ähnlich wie beim nahegelegenen Untersberg, manche Mythen und Legenden ranken. Deren vielleicht berühmteste erzählt vom leibhaften Teufel, der sich hier dereinst in einen Gamsbock und zwei ihm nachstellende Jäger zu Stein verwandelt habe. In der folgenden Nachricht aus der Vossischen Zeitung vom 4. August 1921 kommt indes höchstens ein Feuerteufel vor. Es liest Frank Riede.

Aug 4, 20212 min

Ep 591Zum Tode Enrico Carusos

Der Neapolitaner Enrico Caruso gilt bis heute als einer der größten Tenöre der Operngeschichte und war bereits zu Lebzeiten ein Weltstar. Als er im Sommer 1921 während eines Heimaturlaubes unerwartet im Alter von nur 48 Jahren starb, stürzte dies nicht nur Italien in kollektive Trauer, sondern ließ Feuilletonredakteure in aller Welt ihren Sommerurlaub für die Dauer eines Nachrufs unterbrechen. Wir erinnern an Caruso mit jenem aus der Berliner Volks-Zeitung vom 3. August, es liest Paula Leu.

Aug 3, 20214 min

Ep 590Mit dem größten Fernrohr ins Weltall schauen

1917 wurde im Mount-Wilson-Observatorium in Kalifornien das für die darauf folgenden 30 Jahre größte Spiegelteleskop der Welt in Betrieb genommen. Mithilfe dieses 2.54 Meter (bzw. 100 Zoll) großen Teleskops gelang etwa der Nachweis, dass das Weltall expandiert. Am 2. August 1921 zitiert die Berliner-Börsen-Zeitung den Direktor der Sternwarte, der von den ersten Erfolgen bei der Weltraumbeobachtung mit dem neuen Gerät berichtet. Für uns blickt Frank Riede ins Weltall.

Aug 2, 20214 min

Ep 589Neues von der Straßenbahn

Fahrgelderhebung in der Straßenbahn ohne Schaffner? Am 1. August kommentierte die Vossische Zeitung die Neuerungen im Öffentlichen Nahverkehr der Hauptstadt. Paula Leu fährt für uns mit.

Aug 1, 20213 min

Ep 588Beleidigung des Reichspräsidenten

Die auf dem rechten Auge blinde Justiz der Weimarer Republik ist den Sozialdemokraten ein steter Dorn im Auge. Auch im Vorwärts vom 31. Juli 1921 wird dieses Ungleichgewicht beklagt - Auslöser ist ein Beleidigungsprozess mit dem Reichspräsidenten als Beleidigtem. Es liest Frank Riede.

Jul 31, 20213 min

Ep 587Flugzeugabsturz bei Warnemünde

Von einem spektakulären Fluzeugabsturz berichtet die DAZ am 30. Juli. Bei Warnemünde wird doch tatsächlich ein Flieger beschossen und stürzt brennend ab. Was dahinter steckt, löst Paula Leu für uns auf.

Jul 30, 20212 min

Ep 586Ist Nacktbaden schamlos?

Mit Badehose oder ohne – die Frage, in welchem Bekleidungszustand man zur sommerlichen Abkühlung in den See springen dürfe oder solle, nahm in den 1920er Jahren teilweise Züge eines Kulturkampfes an. Auf welcher Seite diesbezüglich des Zentrums Parteiorgan Germania, auf welcher der sozialdemokratische Vorwärts gestanden haben dürfte, ist einigermaßen vorsehbar, der Artikel in Letzterem vom 29. Juli 1921 aber dennoch amüsant. Es liest Frank Riede.

Jul 29, 20213 min

Ep 585Fidelio in der Zoppoter Waldoper

Das mondäne Ostseebad Zoppot nördlich von Danzig hatte vor einhundert Jahren nicht nur – wie Ihr seit unserem Podcast vom 23. Juli wisst – ein viel frequentiertes, preußisch straff geführtes Spielcasino. Seit 1909 verfügte es auch über eine (bis heute bespielte) ‘Waldoper‘, in der des Sommers ein überregional beachtetes Musiktheaterfestival unter freiem Himmel abgehalten wurde. Ab 1922 wurden hier vornehmlich Opern Richard Wagners gespielt, 1921 gab es nochmal Beethovens Fidelio, über den die Vossische Zeitung am 28. Juli berichtete. Es liest Paula Leu.

Jul 28, 20213 min

Ep 584Die ‘schwarze Schmach’ in Zeven

Dass der Erbfeind Frankreich nicht nur die Dreistigkeit besessen hatte, Deutschland im Krieg zu besiegen, sondern bei der daraus resultierenden Besetzung des Rheinlandes auch noch schwarze Kolonialsoldaten einsetzte, erregte im Land der Kriegsverlierer weiterhin die Gemüter und befeuerte wüste rassistische Phantasien. In der Kleinstadt Zeven unweit von Bremen gebierte der Furor über die sogenannte ‘schwarze Schmach‘ im Sommer 1921 sogar ein Theaterstück. Der Vorwärts vom 27. Juli nahm es zum Anlass für Spott und Polemik. Es liest Frank Riede.

Jul 27, 20213 min

Ep 583Ausbau der Flugpostverkehrs

Höher, schneller, weiter! Jede Sekunde zählt bei der Zustellung von Post. Und dabei hakte es oft bei der Luftpost an der Strecke vom Flugplatz in die Stadt. Das wurde 1921 angepackt, wie die Berliner Volks-Zeitung zu berichten weiß. Es liest Paula Leu.

Jul 26, 20213 min

Ep 582Hauptmann antwortet Gorkis Notruf

Der russische Schriftsteller Maxim Gorki versuchte im Juli mit einem dramatischen Appell an die Weltöffentlichkeit auf die katastrophale Hungekatastrophe in seinem Land aufmerksam zu machen. Aus Deutschland antwortete ihm mit einem offenen Brief sein Kollege Gerhart Hauptmann. Die Deutsche Allgemeine Zeitung vom 25. Juli druckte einen Teil des Briefes ab, Frank Riede liest.

Jul 25, 20214 min

Ep 581Der Niedergang Deutsch-Neu-Guineas

Am deutschen Wesen möge die Welt genesen – an dieser Vorstellung weidete sich der Wilhelminismus, aus ihr heraus legitimierte sich nicht zuletzt die aggressive deutsche Kolonialpolitik. Klar, dass es mit der Kokosnussplantage und ganz Neuguinea dann bergab geht, wenn der tüchtige Deutsche weg ist. Schreibt so oder so ähnlich eine australische Zeitung, und die Vossische Zeitung vom 24. Juli 1921 glaubt es gerne. Es liest Paula Leu.

Jul 24, 20212 min

Ep 580Croupier auf dem zweiten Bildungsweg

Wo fanden ehemalige preußische Offiziere nach dem Ersten Weltkrieg eine Anstellung? Die Berliner Volks-Zeitung vom 23. Juli 1921 ist in den mondänen Casinos in Zoppot fündig geworden. Frank Riede berichtet.

Jul 23, 20212 min

Ep 579Der ‘Sektierer’ in der Portierloge

Dem Berufsstand des Portiers begegnet man heutzutage fast nur noch in Hotels und in größeren Firmensitzen oder Behörden. Früher hingegen hatte jedes bessere Wohnhaus seinen Aufpasser hinter der Tür, der mehr oder weniger gewissenhaft prüfte, wer da so ein- und ausging. Dass einem bei dieser Tätigkeit die Zeit bisweilen ein wenig lang werden konnte, liegt auf der Hand und wurde für einen gewissen August Markowski offenbar zu einem Problem. Aus dem Vorwärts vom 22. Juli 1921 liest Paula Leu.

Jul 22, 20213 min

Ep 578Thomas Mann schreibt nicht über das Volkstheater

Die zuletzt 1914 realisierten Wagner-Festspiele in Bayreuth sollten in der Weimarer Republik wieder aufgenommen werden. Auf dem Weg zu den nächsten Festspielen 1924, erbat die Vossische Zeitung eine Reflexion zum „neuen“ Bayreuth von Thomas Mann. Dieser schlug den Wunsch aus, erlaubte aber der Zeitung, aus seinem ablehnenden Brief Passagen abzudrucken, was diese am 21. Juli 1921 tat. Es liest Frank Riede.

Jul 21, 20214 min

Ep 577Trubel im Unterhaus

Ooorrrdeerrrr! Spätestens seit den legendären Parlamentsschlachten um den Brexit sind die eminent theatralen Rituale des britischen Unterhauses auch dem gemeinen deutschen Fernsehzuschauer bestens vertraut. Vor einhundert Jahren sah das Treiben dort mutmaßlich nicht so anders aus. Die Berichte über eine Abstimmungsniederlage der Regierung und über die feixende Freude darüber seitens der Opposition vom 20. Juli 1921 klingen jedenfalls seltsam vertraut. Es liest Paula Leu.

Jul 20, 20213 min

Ep 576Der königliche Schlosshund

Am 19.7. berichtet die Freiheit von einer ganz besonderen Konstellation, um Kriegerwitwen und Kriegswaisen vom Fürsorgeamt Charlottenburg abzuhalten. Frank Riede hat keine Angst vor bissigen Hunden.

Jul 19, 20212 min

Ep 575Nachrichten von der Berliner Börse

Man kann es ihrem Namen unschwer entnehmen: Die 1855 gegründete Berliner Börsen-Zeitung hatte ihre Wurzeln in ausführlichen Kursmitteilungen vor allem über die in Berlin gehandelten Wertpapiere. Auch Anfang der 1920er Jahre nahmen entsprechende Nachrichten aus der Finanzwelt immer noch einen erheblichen Raum in ihrer Morgen- wie Abendausgabe ein und kultivierten dabei einen ganz eigenen ‘Börsensprech‘. Eine Kostprobe aus der Zeitung vom 18. Juli 1921 gibt uns Paula Leu.

Jul 18, 20213 min

Ep 574Französische Nationalfeier in Posen

Posen war mit dem Versailler Vertrag an Polen gegangen. Orstansässige deutsche Staatsbürger wurden, in Übereinstimmung mit dem Friedensvertrag, enteignet und waren immer wieder Opfer chauvinistischer Übergriffe. Aber auch die Arbeiterbewegung sorgte in der Region für Unruhe, wovon die DAZ vom 17. Juli zu berichten weiß. Es liest Frank Riede.

Jul 17, 20212 min

Ep 573Wie erholt man sich am besten?

Heute wie vor einhundert Jahren suchen viele Menschen im Urlaub vor allem Erholung. Das kann bekanntlich gründlich schiefgehen, weshalb die Berliner Volks-Zeitung ihren Leser*innen, bevor sie sie 1921 in die Sommerfrische entließ, am 16. Juli noch ein paar Expertenhinweise mit auf den Weg gab, worauf beim Erholen zu achten sei. Wir müssen Euch nicht mit Ferientipps verabschieden, weil man Podcast mittlerweile ja, um es mit der BVZ zu sagen, auch „an der See, im Gebirge und an den heißen Quellen“ empfängt und wir – natürlich – auch in diesem Sommer durchsenden. Mit Rücksicht auf Eure Erholung werden indes auch unsere Artikel in den kommenden Wochen tendenziell etwas kürzer und sommerlicher ausfallen. Schließlich soll man, nochmal mit der BVZ, im Urlaub „Übertreibungen vermeiden und viel ruhen“. Genaueres erfahren wir von Paula Leu.

Jul 16, 20217 min

Ep 572Groß-Berlin und seine Straßennamen

Durch das am 1. Oktober 1920 in Kraft getretene Groß-Berlin-Gesetz war die deutsche Hauptstadt schlagartig in der Fläche um das Dreizehnfache gewachsen, und die Zahl der Einwohner hatte sich buchstäblich über Nacht eben einmal verdoppelt. Im täglichen Leben dürften deren alte und neue Einwohner davon erstmal nicht allzu viel gemerkt haben, weil Berlin faktisch ja schon lange vorher mit vielen seiner Vorstädte zusammengewachsen war. Administrativ allerdings barg die Fusion große Herausforderungen und auch manche Skurrilitäten. So gab es etliche populäre Straßennamen im Stadtbild fortan gleich zweifach, dreifach, zehnfach – ‘Berliner Straßen‘ allen voran. Umbenennungen standen in den meisten Fällen gleichwohl nicht zur Diskussion, obschon der Vorwärts vom 15. Juli 1921 diesbezüglich einige Vorschläge hätte. Es liest Frank Riede.

Jul 15, 20217 min

Ep 571Expedition zur Osterinsel

Die Osterinseln verbinden wir mit den bis heute rätselvollen Steinstatuen, von denen wohl über 1000 über die Insel verteilt standen. Sie sind, so zumindest der Zivilisationsforscher Jared Diamond, das Produkt eines im Endeffekt selbstzerstörerischen Kultus, der relevante Ressourcen der Insel band und irreversibel aufbrauchte. Der Artikel vom 14. Juli 1921 der Vossischen Zeitung bringt den Leserinnen und Lesern die neuesten Erkenntnisse zu der entlegenen Insel, basierend auf den Berichten des Forscherpaares Katherine und William Routledge, die mit der sogenannten Mana-Expedition die Osterinsel besucht und dabei ethnologische Pionierarbeit geleistet hatten. Paula Leu setzt für uns ihre stimmlichen Ressourcen ein.

Jul 14, 20217 min

Ep 570Wer kann sich noch eine Ehe leisten?

Offensichtlich herrschte 1921 die Sorge, dass nicht genügend Ehen in Deutschland geschlossen würden. Sollte die Geburtenrate deswegen zu sehr zurückgehen?! Was waren die Ursachen dafür? Ausgehend von einer damals unhinterfragten Rollenverteilung zwischen Mann und Frau suchte die Berliner Volks-Zeitung am 13. Juli nach Antworten. In der krisenhaften wirtschaftlichen Lage würde es dem Ernährer der Familie schwer gemacht, diese noch adäquat zu ernähren. Und die Frauen seien mehr an Luxus und Vergnügen interessiert, als bescheiden den Haushalt zu führen und sich um die Kinder zu kümmern. So lauteten einige Erklärungsansätze dafür, dass die Mitgift auch zu Beginn des 20. Jahrhunderts immer noch das entscheidende Kriterium auf dem Heiratsmarkt darstellte. Es liest Frank Riede.

Jul 13, 20216 min

Ep 569Sommerfest in der Tuschkastensiedlung

Seit dem Jahr 2008 finden sich insgesamt sechs sogenannte Wohnsiedlungen der Berliner Moderne in der renommierten UNESCO-Liste des Weltkulturerbes. Zu ihnen zählt, als ältestes dieser Bauprojekte, auch die von Bruno Taut im südöstlichen Ortsteil Bohnsdorf entworfene Gartenstadt Falkenberg – bekannt wegen der Buntheit ihrer Häuser auch als Tuschkastensiedlung –, deren Ursprünge bereits ins Jahr 1912 zurückreichen. Zwar schrumpfte das ehrgeizige Bauvorhaben, bedingt vor allem durch den Ersten Weltkrieg, von geplanten 1500 auf nur ungefähr ein Zehntel tatsächlich auch realisierte Wohneinheiten zusammen. Als utopischer Vorgriff auf einen menschenfreundlicheren Städtebau der Zukunft entwickelte es insbesondere in linken Kreisen dennoch eine große Strahlkraft. Davon kündet auch ein Artikel über ein in der Siedlung gefeiertes Sommerfest, der am 12. Juli 1921 in der USPD-Parteizeitung Freiheit erschien und der für uns von Paula Leu gelesen wird.

Jul 12, 20216 min

Ep 568Wegbereiter des Flugzeugs

Was braucht man, um eine Flugstrecke über der Sahara zu etablieren? Die Antwort verblüfft vielleicht: Lastkraftwagen. Nachdem Überflüge in Havarien endeten, machte sich eine Lastkraftwagenkolonne auf den Weg, wortwörtlich, den Boden für die Flugzeuge zu bereiten. Der Vorwärts vom 11. Juli berichtet von dieser Expedition aus dem brennend heißen Wüstensand. Paula Leu ist für uns dabei.

Jul 11, 20213 min

Ep 567Deutsche Kolonialverbrechen

Die Geschichte des deutschen Kolonialismus ist zwar deutlich kürzer als die des englischen, französischen oder portugiesischen Kolonialismus, aber durchaus nicht weniger grausam. So fällt in die Verantwortlichkeit der Kolonialmacht in Deutsch-Südwestafrika, im Gegenteil, gleich der erste der zahlreichen Genozide des 20. Jahrhunderts, als deutsche Truppen unter dem Befehl des Generalleutnants von Trotha zwischen 1904 und 1908 Aufstände der Herero und Nama brutal niederschlugen und Männer, Frauen und Kinder anschließend zu Zehntausenden in der Wüste verdursten ließen und in Konzentrationslagern umbrachten. Bis zur deutschen Anerkennung dieser Kolonialverbrechen als Völkermord dauerte es über ein Jahrhundert; erst vor wenigen Wochen wurde bekanntlich erstmals ein Hilfsfond für die Nachkommen der Opfer in Namibia aufgelegt, und auch dieser ist in Hinblick auf Gestalt und Volumen, vorsichtig gesagt, durchaus umstritten. Dabei waren die Fakten der Gräueltaten im Kern schon vor einhundert Jahren bekannt. Nachlesen konnte man sie beispielsweise in der Berliner Volks-Zeitung vom 10. Juli 1921, für uns tut dies Frank Riede.

Jul 10, 20215 min

Ep 566Sind die Leipziger Kriegsverbrecherprozesse eine Farce?

Die Leipziger Prozesse zwischen 1921 und 1927 stellten einen Versuch dar, von deutschen Militärs während des 1. Weltkriegs begangene Kriegsverbrechen, Verstöße gegen die 1907 unterzeichnete Haager Landkriegsordnung, vor dem Reichsgericht zu verhandeln. Die Verfahren standen unter keinem guten Stern. Von Anfang an hieß es, dass nur die kleinen Chargen bestraft werden und die Generäle freigesprochen werden, und das Ausland empörte sich gegen die Milde der Strafen. Im Juli 1921 wurde der Prozess gegen den Generalleutnant Hans von Schack und Generalmajor Benno Kruska geführt, angeklagt in 1280 Mordfällen, weil sie einen Typhusausbruch im Kriegsgefangenenlager Kassel verursacht hätten. Das Gericht stellte fest, dass der Typhusausbruch, dem auch deutsche Wachmannschaften zum Opfer fielen, auf der Verteilung russischer Kriegsgefangener auf die einzelnen Lager beruhte, der von der Obersten Heeresleitung angeordnet war und den die Angeklagten lediglich befolgt hätten. Sie wurden freigesprochen. Unabhängig davon, wie dies letztlich zu bewerten ist, schäumte damals die französische Presse vor Wut und der sozialdemokratische Vorwärts verteidigte am 9. Juli sogar das an selber Stelle oft kritisierte Verfahren, und machte klar: Kriegsverbrechen können nationale Gerichte kaum verhandeln. Es liest Paula Leu.

Jul 9, 20215 min

Ep 565Im Klosterviertel - ein Spaziergang durch Alt-Berlin

In anderthalb Jahren Podcast sind wir und seid Ihr mit uns wahrlich weit herumgekommen. In ungezählten Berliner Kiezen haben wir uns herumgetrieben, etliche deutsche Landschaften durchwandert, mittlerweile fast alle europäischen Länder bereist und immer wieder auch in noch entferntere Weltgegenden geschaut – ja selbst ins Weltall haben wir gefunkt. Gleichsam nur um einen Ort haben wir, unsererseits gänzlich unfreiwillig, einen Bogen gemacht: Die eigentliche historische Mitte Berlins, seine Keimzelle um den Mühlendamm, zwischen Nicolaiviertel und Fischerinsel, Marien-, Kloster und Petrikirche wurde von den Tageszeitungen der frühen 1920er Jahre überraschenderweise bereits ähnlich konsequent ignoriert wie ihre versprengten, durch Schnellstraßen zersiedelten Überreste von den heutigen Berlinerinnen und Berlinern. Auf den Tag genau vor einhundert Jahren, am 8. Juli 1921, sind wir endlich doch einmal fündig geworden. Die Berliner Volks-Zeitung macht sich auf nach Alt-Berlin, zu einem Spaziergang in der Klosterstraße, Frank Riede heftet sich an ihre Fersen.

Jul 8, 20219 min

Ep 564Die Deutschen in Jugoslawien

Das nach dem Ersten Weltkrieg aus den vormals unabhängigen Staaten Serbien und Montenegro sowie zahlreichen ehemaligen Provinzen Österreich-Ungarns gebildete Jugoslawien wurde im 20. Jahrhundert zum Inbegriff eines Vielvölkerstaates in Europa. Heute ein wenig vergessen: Neben Serben, Kroaten und Slowenen, Bosniaken, Mazedoniern und Montenegrinern, Albanern, Italienern und Ungarn lebten – seit Jahrhunderten alteingesessen – während der Zwischenkriegszeit in seinen Grenzen u.a. auch 700.000 Deutsche. Die Deutsche Allgemeine Zeitung vom 7. Juli 1921 weiß zu berichten, dass deren politischen Rechte unter der neuen Herrschaft speziell im nördlichen Landesteil Slowenien, aber auch in der serbischen Vojvodina einstweilen stark eingeschränkt seien - mittelfristig zeigt man sich aber durchaus optimistisch. Es liest Paula Leu.

Jul 7, 20216 min

Ep 563Lysistrata in Vorpommern

Nichts ist komischer, als wenn die Wirklichkeit versucht, das Theater nachzuahmen – und besonders toll gerät diese Travestie erfahrungsgemäß häufig dann, wenn deutschnationale Chargen dafür die politische Bühne okkupieren. Dass Vertreterinnen aus deren vorpommernschem Landesverband mit der Vernachlässigung ihrer ‘Ehepflichten‘ drohten, um dem Kaiser wieder auf den Thron zu verhelfen, lässt den Vorwärts naheliegenderweise an die Lysistrata des griechischen Komödiendichters Aristophanes denken, in der die (Ehe-)Frauen in Athen und Sparta bekanntlich sexuelle Enthaltsamkeit für den Frieden übten. Die Rezension dieser Farce in der Ausgabe vom 6. Juli 1921 fiel denn auch entsprechend amüsiert aus. Für uns klatscht sich Frank Riede auf die Schenkel.

Jul 6, 20213 min

Ep 562Werbeplakate auf Schinkels Wand!

Wir alle kennen die flimmernden Werbebilder, die die Häuserfassaden des Times Square in New York dominieren. Ein Sinnbild der Überflutung mit kommerziellen Versprechen als wesentlicher Teil des pulsierenden städtischen Lebensalltags. Eine solche „Vorreiterrolle“ spielte der Times Square bereits 1922 als der Schriftsteller Gilbert. K. Chesterton mit Blick auf seine Plakatierung formulierte: Was für ein Wundergarten muss dies für jeden sein, der so glücklich ist, nicht lesen zu können. Ein Jahr früher erhob die Berliner Akademie der Künste, unter ihrem Präsidenten Max Liebermann, die Stimme und protestierte am 5. Juli 1921 in der DAZ gegen die geplante Freigabe bestimmter Parkmauern und Häuserwände Berlins für Werbeplakate. Freilich wollte auch sie dem Fortschritt nicht im Wege stehen, aber eine künstlerische Expertise bei der Auswahl und Plakatierungsart der Flächen hielt sie schon für wünschenswert. Besonders die Parkmauer des von Karl Friedrich Schinkel renovierten Prinz-Albrecht-Palais’, damals gelegen an der heutigen Wilhelmstr. Ecke Niederkirchnerstr., sollte nicht ohne Sinn und Verstand, aus Sicht der Akademie, zugekleistert werden. Aus heutiger Perspektive muss man sagen: Welch glückliche Zeit, als es um die Plakatierung der Parkmauer ging! 1934 bezog der Sicherheitsdienst des Reichsführers SS das Palais und plante von hier seine Gräueltaten. Die Ruine des Gebäudes ließ der Berliner Senat 1949 sprengen und heute befindet sich auf dem Gelände die Gedenkstätte Topographie des Terrors. Für uns liest Frank Riede.

Jul 5, 20214 min

Ep 561Phänomenal-Exentric-Sensations-Box-Match Dempsey-Carpentier

Während wir in der gestrigen Folge einen mehr oder weniger sachlichen Bericht über den Jahrhundert-Box-Kampf zwischen Dempsey und Carpentier gehört haben, in dem aber die Aufregung und massenhafte Begeisterung rund um den Kampf bereits Thema waren, folgt heute eine humorvoll überzeichnende Kritik an diesem Sport-„Event“ aus der Berliner Volks-Zeitung vom 4. Juli. Noch bevor sich die uns heute so wohlbekannten kommerziell ausgeschlachteten Sportveranstaltungen richtig herausgebildet hatten, machte sich in diesem Artikel bereits ein Autor über die Massenhysterie, das Marketing, die Überhöhung, die fieberhafte Berichterstattung in Echtzeit und die enthaltenen chauvinistischen Aufladungen eines Kampfes lustig, bei dem sich eigentlich nur 15 Minuten lang zwei erwachsene Männer gegenseitig blutig schlagen. Für uns liest Frank Riede.

Jul 4, 20216 min

Ep 560Der Box-Kampf Dempsey-Carpentier

Der Boxkampf um den Weltmeistertitel im Schwergewicht zwischen dem Amerikaner Jack Dempsey, Kampfname „The Manassa Mauler“, und dem Franzosen Georges Carpentier, „The Orchid Man“, am 2. Juli 1921 war das Sportereignis des Jahres 1921, und zählt zu der Handvoll Box-Kämpfen, die als „Fight of the Century“ bezeichnet werden. Das Aufeinandertreffen des seit 1919 amtierenden Schwergewichtschampions Dempsey und des Halbschwergewichtschampions Carpentier war das erste Box-„Event“, bei dem über eine Million Dollar Gewinn generiert wurden. Es hielt Menschenmassen zumindest in Amerika und in Frankreich in Atem. Die Stilisierung des Kampfes etwa als Kampf des Kriegshelden Carpentier, gegen den Kriegsdienstverweigerer Dempsey, oder als das Aufeinanderprallen von Dempseys roher Kraft und Gewalt auf den feinen, schmächtigeren, aber willensstarken Carpentier sorgten für emotionale Anteilnahme und die Schönheit Carpentiers angeblich für eine besonders hohe Zahl von Zuschauerinnen am Ring. Der Bericht aus dem Berliner Tageblatt vom 3. Juli beschreibt nicht nur den Ablauf des Kampfes, sondern auch in seinem zweiten Teil die Übermittlung der Runden-Zusammenfassungen per Telegraph über den Atlantik, so dass die Pariser Bevölkerung über eine Art Live-Ticker informiert wurde. Uns hält Paula Leu auf dem Laufenden.

Jul 3, 20218 min

Ep 559Austern schlürfen auf Sylt

„Manchmal schließe ich die Augen / Stell' mir vor ich sitz' am Meer / Dann denk' ich an diese Insel / Und mein Herz das wird so schwer“ – nein, die hamburgische und berlinische Sehnsucht nach Sylt ist keine Erfindung deutscher Punkrocker der 1980er Jahre, sondern schlug offensichtlich auch schon vor einhundert Jahren manch badehungrigem Städter aufs Gemüt und ließ ihn oder sie die damals durchaus langwierige, seit dem Weltkrieg neuerdings sogar teilweise über dänisches Territorium führende Bahnreise nach Deutschlands größter Nordseeinsel antreten. So machte sich auch auf Victor Auburtin vom Berliner Tageblatt, für dessen Ausgabe vom 2. Juli 1921 er weidende Milchkühe beobachtete, am Westerländer Bade- und Gesellschaftsleben teilnahm und bei List Austern schlürfte. Frank Riede reist ihm für uns hinterher.

Jul 2, 20218 min

Ep 558Berlin: Rendezvous pour tous

Jede Zeit hat ihre Praktiken und Rituale zur Anbahnung eines Rendezvous. An welchen Orten lernen sich die Paare kennen? An welchen findet das nächste Treffen statt? Von wem geht die Initiative aus? Schon in der Zeit vor den Apps, mit denen das nächste Rendezvous nur einen „Swipe“ entfernt ist, galt die Metropole Berlin als ein freundliches Pflaster für die Partner_innen-Suche. In der Berliner Volks-Zeitung vom 1. Juli 1921 wird scheinbar an dem moralisch verruchten Ruf der Großstadt weitergeschrieben: Niemand verabredet sich so leicht wie Berliner_innen. Aber diese Einfachheit hat eine Schattenseite. Paula Leu weiß welche.

Jul 1, 20216 min