PLAY PODCASTS
Auf den Tag genau

Auf den Tag genau

2,057 episodes — Page 29 of 42

Ep 657Kellnerstreik in Berlin

Wer bisher der Ansicht war, Claus Weselskys Gewerkschaft der Lokführer habe der Öffentlichkeit in diesem Spätsommer einen aberwitzig langen Arbeitskampf zugemutet, möge uns unbedingt bei unserer heutigen Zeitreise in die Berliner Schankstuben des Jahres 1921 begleiten. Nicht eine, nicht zwei, nicht drei, nein, satte fünfeinhalb Wochen – am Stück! – streikten damals an die 30.000 Berliner Kellner für höhere Löhne in Zeiten einer galoppierenden Inflation und legten den auch damals schon umtriebigen Café- und Restaurantbetrieb in der deutschen Hauptstadt damit in erheblichem Umfang lahm. Der Berliner Börsen-Courier galt, wie sein Name verrät, als eher wirtschaftsnahe Tageszeitung und hatte zu dem Ausstand, wenig überraschend, bereits nach sieben Tagen eine sehr klare Meinung. Zu Gehör bringt sie im Folgenden Frank Riede.

Oct 8, 20214 min

Ep 656Alpenfilme: Zwischen Dokumentarfilm und Fiktion

Der dokumentarische Bergfilm, der Gipfellandschaften, Skifahrer und Bergsteiger bei ihren Touren zeigt, hat seine Wurzeln in den 20er Jahren. Der Film der Freiburger Berg- und Sport-Film-Gesellschaft, „In Sturm und Eis“, über dessen Veröffentlichung die Neue Zeit vom 7. Oktober 1921 berichtet, scheint durchaus ein bedeutender früher Vertreter des Genres zu sein. Der Rezensent allerdings wirft eine bis heute relevante und vieldiskutierte Frage auf. Wie viele Techniken des fiktionalen Film darf ein Dokumentarfilm einsetzen? Darf ein Hang aus dramaturgischen Gründen steiler gefilmt werden, als er in Wirklichkeit ist? Für uns wirft diese Fragen Paula Leu auf.

Oct 7, 20215 min

Ep 655Germania appelliert an die Frauen

Bis 1918 durften sie gar nicht wählen, danach stellten sie sogleich die absolute Mehrheit des Wahlvolkes: Frauen waren in den Parlamenten der jungen Weimarer Republik zwar dramatisch unterrepräsentiert, als Wählerinnen wurden sie von sämtlichen Parteien aus sehr naheliegenden Gründen dennoch heftig umworben. Die katholische Zentrumspartei hatte sich nicht gerade als Vorkämpferin für das Frauenwahlrecht hervorgetan. Das hinderte ihre Parteizeitung Germania aber nicht daran, im Vorfeld der Berliner Stadtverordnetenwahlen des Jahres 1921 nun sehr nachdrücklich darum zu kämpfen, weibliche Stimmen den Linken abzujagen. Ihren Appell an die Frauen aus der Ausgabe vom 6. Oktober liest für uns passend zum Gestus des Textes – ein Mann: Frank Riede.

Oct 6, 20215 min

Ep 654Weinfest in Frascati

Schon in der Antike war das Gebiet 20 Kilometer vor Rom in den Albaner Bergen eine beliebte Villengegend und blieb es durchgängig mit einer Hochphase im 16. und 17. Jahrhundert, als die Papst-Familien dort ihre Villen bauen ließen. Uns ist Frascati vielmehr durch den Wein bekannt, der auch schon vor hundert Jahren bei rauschenden Festen auf den Marktplätzen, in den Tavernen und Restaurants ausgeschenkt wurde. Für den Berliner Lokal-Anzeiger war ihr Korrespondent zusammen mit „echten“ Römern, er nennt sie Romani di Roma, zu einem Weinfest nach Frascati gepilgert. Seinen Bericht, abgedruckt am 5. Oktober, liest für uns Paula Leu.

Oct 5, 20218 min

Ep 653Joseph Roth fliegt nach Dortmund

Heutzutage steigt kaum noch jemand mit ungehemmtem Zukunftsoptimismus, Technikbegeisterung und dem Glauben an ein Anrecht des Menschen darauf, wie ein Vogel durch die Lüfte zu schweben, in ein Flugzeug. Zu sehr ist das Fliegen als ein Klimakiller erkannt. Vor hundert Jahren bestieg Joseph Roth in Berlin eine Maschine und flog durchaus begeistert nach Dortmund. Seinen Erfahrungsbericht druckte der Berliner Börsen-Courier am 4. Oktober ab. Über den Wolken sitzt Frank Riede daneben.

Oct 4, 20219 min

Ep 652Das Rennen der Zeitungsfahrer

Die Sportseiten in den Tageszeitungen der frühen 1920er Jahre unterschieden sich von den heutigen nicht nur durch ihre ganz andere, wesentlich knappere Art der Berichterstattung, sondern auch in Hinblick auf die Mischung der dort berücksichtigten Sportarten. Der Fußball hatte noch nicht den alles überragenden Stellenwert. Andere Mannschaftssportarten kamen fast gar nicht vor, dafür umso mehr Pferdesport, aber auch Boxen, Schwimmen und Fahrradrennen, auf der Bahn wie auf der Straße. Das Rennen, von dem im Folgenden die Rede sein wird, stellte freilich auch 1921 eher eine sportjournalistische Kuriosität dar: Die Berliner Zeitungsfahrer fuhren im Grunewald ihre Meisterschaft aus. Ihre Arbeitgeber berichteten davon. Und am Folgetag, dem 3. Oktober 1921, wurden selbige Berichte, wie hier in der B.Z. am Mittag, mutmaßlich wieder von den in den Berichten gewürdigten Kurieren ausgefahren. Unsere Kuriere bewegen bekanntlich bei der Zustellung der Texte nur mehr ihre Stimmlippen. Heute tut dies hier Paula Leu.

Oct 3, 20217 min

Ep 651“Masse Mensch” an der Volksbühne

Stell dir vor, auf den deutschen Theaterbühnen ist Expressionismus und dessen wichtigste Vertreter sitzen in Haft! Georg Kaiser – wir berichteten – wanderte im Jahr 1920 wegen Unterschlagung und Betrugs nach Stadelheim und musste etliche Premieren und Uraufführungen seiner Stücke von dort verfolgen. Ernst Toller verbüßte seit 1919 für seine Beteiligung an der Münchener Räterepublik gar fünf Jahre Festungshaft, die er freilich, was den dramatischen Output betrifft, äußerst produktiv zu gestalten verstand. So entstanden in dieser Zeit u.a. seine berühmten Werke Die Maschinenstürmer, Hinkemann und Masse Mensch. Letzteres erlebte ein knappes Jahr nach der Nürnberger Uraufführung im Herbst 1921 in der Regie von Jürgen Fehling an der Volksbühne nun auch seine Berliner Erstaufführung. Die Berliner Morgenpost vom 2. Oktober war, wie wir von Frank Riede erfahren, ziemlich angetan.

Oct 2, 20217 min

Ep 650Am Kurbelkasten

Einmal die Woche präsentierte die Berliner Volks-Zeitung die Rubrik „Am Kurbelkasten“, in der – immer auf der Suche nach der gekonnten Überleitung – verschiedene Nachrichten, Ereignisse und faits divers aus aller Welt zu einem Text verwoben wurden. Heute schafft sie es in unseren Podcast. Am Kurbelkasten aus der BVZ vom 1. Oktober 1921 dreht Paula Leu.

Oct 1, 20218 min

Ep 648Demaskierung der Urlaubs-Persona

Vor über einem Jahr sendeten wir eine Reflexion aus der DAZ darüber, was eigentlich den Urlaub der Menschen ausmachen sollte. Die These: Wirkliche Erfüllung bringe es, wenn man im Urlaub das sein kann, was man sich erträumt. In der Neuen Zeit vom 7. Oktober ist uns ein Artikel zum definitiven Ende der Urlaubssaison ins Netz gegangen, in dem genau dieser Gedanke konkretisiert wird anhand der Urlauber:innen an einem Badeort. Aus Primaballerinas und Fürsten werden auf dem Rückweg in den Alltag Ladenmädchen und Angestellte. Für uns beschreibt den magischen Wandel Frank Riede.

Sep 30, 20215 min

Ep 649Das Wohnzügle

Nichts ist in Großstädten bekanntlich so knapp wie bezahlbarer Wohnraum. Auch schon vor einhundert Jahren waren deshalb kreative Lösungen gefragt, und wenn es an in den märkischen Sand gemauerten Wänden und Dächern fehlte, konnte man sich es ja im Einzelfall auch auf ausrangierten vier Rädern hübsch wohnlich machen. Die folgende, entfernt an den berühmten Bauwagen von Peter Lustig erinnernde Geschichte vom Wohnzügle aus der Deutschen Allgemeinen Zeitung vom 29. September 1921 ist durchaus nicht frei von Romantik. Eine politische Lösung barg und birgt dieses Modell schon mangels verfügbarer bzw. wiederum bezahlbarer Grundfläche natürlich nicht. Es liest Paula Leu.

Sep 29, 20213 min

Ep 647Kleines Feuilleton

Die 1904 gegründete B.Z. am Mittag aus dem Verlagshaus Ullstein gilt allgemein als die erste deutsche Boulevardzeitung. Anders als ihre heutigen Nachfahren, vergleichbar unter diesen allenfalls mit der Münchener Abendzeitung, legte sie dennoch Wert auf eine umfassende, großstädtische Kulturberichterstattung. Neben einem durchaus ambitionierten Rezensionsfeuilleton in Sachen Theater, Kino und Konzert umfasste diese freilich auch Petitessen, Preziosen und Kuriositäten aus allen möglichen Bereichen des künstlerischen und sonstigen öffentlichen Lebens. Aus einem solchen sogenannten ‘Kleinen Feuilleton‘ vom 28. September 1921 liest für uns Frank Riede.

Sep 28, 20215 min

Ep 646Ein Jahr vor der ‘Kleinasiatischen Katastrophe’

Zu den grausamsten und blutigsten Folgekonflikten des Ersten Weltkrieges gehörte der griechisch-türkische Krieg der Jahre 1919 bis 1922. Während Athen die Annexion in hoher Zahl von Griechen bewohnter Teile Westanatoliens und Ostthrakiens betrieb und seine Grenzen dabei noch über die Festlegung des Friedensvertrags von Sèvres hinaus auszudehnen versuchte, ging es der türkischen Seite unter Mustafa Kemal um eben dessen Revision und die Rückeroberung der abgetrennten Gebiete. Zehntausende Soldaten bezahlten diese Auseinandersetzung mit ihrem Leben, bestialische Massaker an der Zivilbevölkerung waren auf beiden Seiten an der Tagesordnung. Am Ende des Gemetzels stand für Griechenland die sogenannte ‘Kleinasiatische Katastrophe‘, in deren Folge insgesamt knapp 2 Millionen Menschen – ca. 1,25 Millionen Griechen und etwa 500.000 Türken – im Rahmen großangelegter wechselseitiger Zwangsumsiedlungen zu Heimatvertriebenen wurden. Der Berliner Börsen-Couriers ahnt von dieser bevorstehenden dramatischen Zuspitzung des Kriegsgeschehens ein Jahr zuvor, am 27. September 1921, noch nichts. Es liest Paula Leu.

Sep 27, 20218 min

Ep 645Charlie Chaplin in Berlin

Charlie Chaplin war im September 1921 ein globaler Superstar. Zwei Jahre zuvor hatte er mit Douglas Fairbanks, Mary Pickford und Dawid. W. Griffith die unabhängigen United Artists gegründet. Im Januar 1921 ging sein erster Langspielfilm „The Kid“ um die Welt. Und auch Chaplin brach 1921 zu seiner ersten „Rückkehr“ als Filmstar nach Europa auf. Im Rahmen dieser Europatour, bei der er begeistert empfangen wurde, besuchte er auch Berlin, nicht um Filmgrößen wie Lubitsch, Lang oder Murnau zu treffen, sondern um mit Max Rheinhardt über Schauspiel zu diskutieren. Abends nahm er an Gesellschaftsabenden teil, wie auch am 25. September 1921 in der Villa des Justizrates Dr. Werthauer. Für die BZ. am Mittag am Folgetag berichtete C.M. Schmidt, der dabei sein durfte. Er zeigt sich begeistert von dem Talent Chaplins auch solch eine Salon-Soiree zu einer Bühne zu machen, die kein Auge trocken lässt. Ohne die weitere Bedeutung zu ahnen, beschreibt der Autor auch das erste Aufeinandertreffen von Chaplin mit der Schauspielerin Pola Negri. An diesem Abend begann, was zu einem Wiedersehen im Oktober 1922 in Amerika führte und in ihrer beider Verlobung im Januar 1923 kulminierte. Wenige Monate später erfolgte allerdings die Trennung. Für uns war Frank Riede bei diesem denkwürdigen Abend dabei.

Sep 26, 20218 min

Ep 644Fräulein oder Frau - Leserbriefe

Heutzutage besteht mehr oder minder ein Konsens darüber, dass die Gleichstellung von Mann und Frau ein wünschenswertes Ziel ist. Es wird eher darüber gestritten, wie dieses Ziel am besten zu erreichen ist, unter anderem intensiv über die Frage, welche Rolle die Sprache dabei spielen sollte. Vor 100 Jahren druckte die Berliner Morgenpost über mehrere Ausgaben hinweg eine mittels Zuschauer:innen-Briefen geführte Debatte, die ausgelöst wurde durch einen Artikel, der die Forderung enthielt, die Bezeichnung „Fräulein“ abzuschaffen. In der Ausgabe vom 25. September 1921 kommen ein alter weißer Mann zu Wort, der eine weitere Benutzung von „Fräulein“ propagiert und eine ältere weiße Frau, die den Begriff abschaffen möchte – um Frauen davon abzuhalten, nur aus dem Grunde zu heiraten, um nicht als „altes Fräulein“ zu enden. Dieses Zeitdokument, diesen Ausschnitt aus der Gender-Debatte von 1921 liestesen für uns Frank Riede und Paula Leu.

Sep 25, 20216 min

Ep 643AVUS: Im Rausch der Geschwindigkeit

Im 19. Jahrhundert prägte die Zugfahrt durch ihre Geschwindigkeit ein Zeitalter, wurde aber, wie wir sehr schön dem heutigen Artikel aus dem Berliner Börsen-Courier vom 24. September 1921 entnehmen können, vom Automobil abgelöst. Der Autor Friedrich Otto besuchte die AVUS und raste in der Position des Technikers, der damals im Auto mitfuhr, um sofort, auf der Strecke, Schäden beheben zu können, in einem Rennwagen der Marke Nationale Automobil Gesellschaft, kurz NAG, mit. Seine akustischen, visuellen und körperlichen Eindrücke schildert für uns Frank Riede.

Sep 24, 20217 min

Ep 642Mit wem koaliert die SPD?

Es ist doch schön, wenn man durch die Lektüre historischer Tageszeitungen mal Abstand von der eigenen Gegenwart gewinnt und in ganz andere, fremde Themen und Argumente eintauchen kann: Die gute alte Tante SPD ist unter Druck, von allen Seiten. Sie sucht nach Mehrheiten für ihre Sache, weiß aber nicht, in welche Richtung sie sich wenden soll. Wenn sie Bündnisse mit den Linkssozialisten sondiert, tönt es dräuend aus dem sogenannten bürgerlichen Lager: ‘Alle Wege führen nach Moskau!‘ Und wenn sie die Rechtsliberalen versucht in ihr Regierungsboot zu holen, hält man ihr von links entgegen: ‘Nichts, was ihr politisch fordert, werdet ihr in dieser Konstellation verwirklichen können!‘ So oder so ähnlich steht es zum Beispiel in der Freiheit vom 23. September 2021, äh 1921 – oder war es 2119? Es liest auf jeden Fall Paula Leu.

Sep 23, 20216 min

Ep 641Größte Explosionskatastrophe in der Geschichte Deutschlands

Am Morgen des 21. Septembers 1921 kam es im badischen Oppau zur bis heute größten zivilen Explosionskatastrophe in Deutschland, bei der 559 Menschen ums Leben kamen. Ein Silo mit etwa 400 Tonnen des als Düngemittel verwendeten Ammoniumsulfatnitrat war detoniert. Die immense Explosion riss einen 165 Meter langen, 95 Meter breiten und fast 19 Meter tiefen Krater, was bedeutet, dass 12.000 Kubikmeter Erdreich in die Luft geschleudert wurden. Die Druckwelle zerstörte Teile der Fabrik und des Dorfes Oppau und weiterer umliegender Ortschaften. Im 13 Kilometer entfernten Wormser Dom gingen alle Kirchenfenster zu Bruch, im 25 Kilometer entfernten Heidelberg wurden noch Dächer abgedeckt und eine Straßenbahn entgleiste, bis nach München, Zürich und Göttingen war die Explosion zu hören. Das 8-Uhr-Abendblatt hatte einen Korrespondenten vor Ort, dessen Drahtberichte Paula Leu für uns verliest, so wie sie am 22. September die Zeitung abdruckte. Die das Ausmaß der Katastrophe herunterspielenden Aussagen zu beginn lassen sich vielleicht damit erklären, dass unmittelbar nach dem Unglück wilde Berichte kursierten, die selbst das ohnehin krasse Ausmaß noch weit übertrieben.

Sep 22, 20217 min

Ep 640In der Wachau und in Wien

Von den Folgen des Weltkriegs und dem daraus resultierenden Zusammenbruch der k.u.k.-Monarchie war die junge Republik Österreich auch wirtschaftlich schwer gebeutelt. Als eine Gegenmaßnahme wurde im Jahr 1921 die Messe Wien ins Leben gerufen, als internationales Schaufenster konzipierte Verkaufsausstellungen, zu der anfänglich nicht die einheimische Bevölkerung, dafür aber umso mehr ausländische Journalisten geladen waren und offensichtlich auf dem Weg dorthin entlang der Donau durch die schönsten Ecken Österreichs geführt wurden. So begab sich auch Emil Faktor vom Berliner Börsen-Courier auf die mehrtägige Reise und berichtete in der Ausgabe vom 21. September u.a. von nächtlichen Irrungen und Wirrungen in der wunderschönen Wachau und am Zielort Wien. Es liest Frank Riede.

Sep 21, 20216 min

Ep 639Alfred Kerr is not amused

Der große Theaterkritiker Alfred Kerr galt zu Lebzeiten auch als großer Meister des Verrisses, und diesem Ruf macht er im Berliner Tageblatt vom 20. September 1921 wahrlich alle Ehre. Sein Missfallen an der Neuinszenierung von Friedrich Hebbels (heute kaum noch gespielten) Drama Herodes und Mariamne am Deutschen Theater zieht sich durch alle Instanzen, erstreckt sich gleichermaßen auf die berühmten Mimen Werner Krauß und Agnes Straub in den Hauptrollen wie auf den für deren Spiel verantwortlich gemachten Regisseur Otto Falckenberg wie auf den für dessen Engagement verantwortlich gemachten Intendant Felix Hollaender. Nur der Dichter Hebbel bleibt in des Rezensenten Bilanz über jeden Zweifel erhaben. Gelesen von Frank Riede.

Sep 20, 20218 min

Ep 638Streik auf den Fidschi-Inseln

In der Zwischenkriegszeit ließ sich eine fortschreitende Globalisierung nicht leugnen. Nicht nur das kapitalistische Prinzip breitete sich über den Erdball aus, auch die über lange Zeit errungenen Arbeiterrechte schienen parallel dazu weltweit anklang zu finden. Am 19. September 1921 berichtet die Freiheit, das Zeitungsorgan der Unabhängigen Sozialdemokratie, von einem Streik auf den Fidschi-Inseln. Die zahlreichen Hindu-Arbeiter auf den Plantagen der Inseln waren in einen Arbeitskampf getreten, der sich zuspitzte – Verhaftungen und angedachte Militärschläge inklusive. Doch die Macht des kollektiven, solidarischen Widerstandes war ersichtlich. Wie es in den Zeitungen der 20er Jahre oft vorkommt, klingen auch in diesem Artikel rassistische Vorurteile und entsprechendes Vokabular an. Für uns liest Paula Leu.

Sep 19, 20215 min

Ep 637Ein anderer Blick auf den Fall ‘Großmann’

Der Fall des vielfachen Frauenmörders Karl Großmann erschütterte vor einhundert Jahren die deutsche Hauptstadt. Vier Wochen nach seiner Festnahme im August 1921 waren weder die makabren Umstände seiner Taten vollständig bekannt, noch die enorme tatsächliche Opferzahl ansatzweise ermittelt, dennoch überboten sich die Berliner Zeitungen in ihrer Abscheu und Verachtung gegenüber der ‘Bestie‘ Großmann. Die Berliner Volks-Zeitung vom 18. September versucht sich an einem anderen Erklärungsansatz: Gut materialistisch geht sie davon aus, dass immer persönliche und gesellschaftliche Dispositionen den Täter zum Täter machten und bei der Erklärung wie auch bei der juristischen Beurteilung eines Falles entsprechend miteinzubeziehen sei. Es liest Frank Riede.

Sep 18, 20217 min

Ep 636Asta Nielsen über Mode(n) des Films

Asta Nielsen gehörte neben Fern Andra, Henny Porten und Mary Pickford zu den gefragtesten und angehimmeltsten Stummfilm-Schauspielerinnen. Ständig wurde über sie von den Vorläufern der Klatschpresse berichtet. Wo ließ sie sich in der Öffentlichkeit blicken? Was trug sie dabei für Kleider? In unserer heutigen Folge wird aber nicht über Asta Nielsen gesprochen, vielmehr reflektiert sie selbst in einem Artikel in der Berliner Volks-Zeitung vom 17. September 1921 die Moden des Stummfilms und die Mode im Stummfilm ihrer Zeit. Dabei wird klar, dass sie sich ihrer Rolle als Trendsetterin für die Öffentlichkeit durchaus bewusst ist, sie weiß dabei aber auch von überraschenden Schattenseiten zu berichten. Also hören wir, wie Paula Leu, Asta Nielsen ihre Stimme verleiht.

Sep 17, 20219 min

Ep 635Der anglo-irische Konflikt schwelt weiter

Zu den vielen ungelösten politischen Problemen im Nachkriegs-Europa des Jahres 1921 zählte der anglo-irische Konflikt. Den Osteraufstand im Jahr 1916 hatte die britische Kolonialmacht blutig niedergeschlagen, der 1919 anschließende Irische Unabhängigkeitskrieg gleichfalls bereits über 1000 Tote gefordert, als sich die Konfliktparteien am 11. Juli 1921 auf einen Waffenstillstand einigten. Es folgten lange Verhandlungen zwischen der britischen Regierung unter Premierminister Lloyd George und den Vertretern der selbsternannten Irischen Republik angeführt von deren, auf irischer Seite seinerseits nicht unumstrittenem Präsidenten Éamon de Valera. Am 16. September berichtet die Freiheit, dass diese Gespräche gerade einmal wieder zu scheitern drohten – und dass die englische Presse dafür, wenig überraschend, die Iren verantwortlich machte. Es liest Frank Riede.

Sep 16, 20216 min

Ep 634Hausse der Polarforschung

Das Jahr 1921 war scheinbar ein goldenes Jahr der Polarexpeditionen. Zahlreiche kämpften sich durch das damals noch als „ewig“ betrachtete Eis. Für die Deutsche Allgemeine Zeitung schildert am 15. September F. Mewius das rege Treiben vor allem in der nördlichen Polarregion. Für uns stellt die einzelnen Expeditionen und ihre Ziele Paula Leu vor.

Sep 15, 20218 min

Ep 633Die Mörder Erzbergers identifiziert

Etwa drei Wochen nach dem Attentat auf Matthias Erzberger war es dem badischen Generalstaatsanwalt gelungen, die beiden Täter zu identifizieren: die ehemaligen Marineoffiziere Heinrich Tillessen und Heinrich Schulz. Was vielen Beobachtern damals schon klar war, dass nämlich die beiden zu rechtsradikalen Geheimorganisationen gehörten und im Auftrag dieser Kreise handelten, ist aus der heutigen Rückschau belegbar. Beide waren Mitglieder der sog. Operation Consul und erhielten vom Leiter des militärischen Arms dieser Untergrundorganisation Manfred von Killinger den Auftrag zum Mord an Erzberger. Killinger und andere einflußreiche Sympathisanten halfen ihnen auch nach vollbrachter Tat zur Flucht ins Ausland. Beide Täter kehrten nach Deutschland zurück, als sie durch die Straffreiheitsverordnung von 1933, die alle Strafen für Verbrechen beim Aufbau des Nationalsozialismus aufhob, eine Amnestie erhielten. Doch zurück zum 14. September 1921. Da berichtete die Berliner Morgenpost von der Identifizierung der Täter. Es liest Paula Leu.

Sep 14, 20215 min

Ep 632Albert Bassermann im Porträt

Seit über zweihundert Jahren gilt der mythenumwobene Iffland-Ring als das höchstdotierte Erbstück der hiesigen Theaterwelt, gestiftet um dem „jeweils bedeutendsten und würdigsten [männlichen] Bühnenkünstler des deutschsprachigen Theaters“ auf Lebenszeit verliehen zu werden. Der fünfte von bis heute neun und dabei zugleich der bis heute am längsten ‘amtierende‘ Träger war der gebürtige Mannheimer Albert Bassermann, der seit den 1890er Jahren das Berliner Theaterleben in unzähligen Rollen entscheidend prägte. Am 13. September 1921 widmete das Berliner Tageblatt Bassermann ein ausführliches Porträt, das indes weniger nochmals von dessen großen Bühnenerfolgen erzählte, als es sich für den Privatmann hinter dem großen Schauspieler interessierte. In herbstlicher Grunewaldkulisse entsteht dabei das Bild eines außergewöhnlich in sich gekehrten und höchst disziplinierten, gängige Mimenklischees in vielerlei Hinsicht unterlaufenden Menschen. Es liest Frank Riede.

Sep 13, 202110 min

Ep 631Rücktritt des bayerischen Ministerpräsidenten v. Kahr

Von dem langanhaltenden Konflikt zwischen der Regierung von Kahr und der Reichsregierung, in dem es u.a. um die Beendigung des Ausnahmezustandes, damit um die Entwaffnung der Bürgerwehren ging, haben wir an dieser Stelle berichtet. Als der Bayerische Landtag einem Schlichtungsangebot zustimmte, mit dem eine Entwaffnung stattfinden sollte, traten Gustav von Kahr und sein Justizminister zurück. Vorerst hatte sich die Reichsregierung durchgesetzt – aber, wen überrascht es, die Querelen rund um eine besonderer Rolle Bayerns im Deutschen Reich waren damit nicht aus der Welt. Am 12. September berichtet der Berliner Börsen-Courir über den Rücktritt, für uns liest Paula Leu.

Sep 12, 20213 min

Ep 630Berlin hat die längste

Global warming war vor einhundert Jahren noch kein Thema, CO2-Emission völlig unverdächtig und der Verbrennungsmotor ein Versprechen auf die Zukunft! Entsprechend stolz und vorfreudig präsentierte man sich in der deutschen Hauptstadt, fortan auf der längsten Autobahn der Welt durch den Grunewald brettern zu können. Bei einer Vorabbesichtigung vor der offiziellen Eröffnung war auch die Berliner Morgenpost dabei und zeigt sich in ihrer Ausgabe vom 11. September 1921 von der Automobil-Verkehrs- und Übungsstraße bereits vor deren Fertigstellung schwer beeindruckt. Einzig dem Akronym, unter dem sie firmieren soll, gibt man keine Zukunft ... Für uns auf Spritztour geht Frank Riede.

Sep 11, 20215 min

Ep 629Das Schicksal der Privatdozenten

Manche Missstände in der großen wie in der kleinen Welt – die Erfahrung durften wir in diesem Podcast schon häufiger machen – sind uralt und können oder wollen offensichtlich auch in einhundert Jahren nicht behoben werden. Das Privatdozentum an deutschen Universitäten ist offensichtlich so ein Fall. Wer sich nach langen Galeerenjahren im sogenannten akademischen Mittelbau in einem aufwendigen Verfahren habilitiert hat, muss anschließend, so lange er auf keine Professur berufen wurde, seine Lehrkraft quasi unentgeltlich zur Verfügung stellen, sonst verliert er den hart erarbeiteten Status umgehend wieder und kann, theoretisch, von vorne anfangen. Wenn man ein paar Namen (Euro statt Mark) und ein paar Zahlen (eher nach unten als nach oben) korrigierte, könnte man den von uns aufgespürten Artikel aus der Vossischen Zeitung vom 10. September 1921 auch heute noch so ähnlich abdrucken. Wir haben ihn lieber eingesprochen bzw. Paula Leu das für uns tun lassen.

Sep 10, 20215 min

Ep 628Lubitsch reagiert auf Polgars “Zerstörung der Filmindustrie”

Heute lauschen wir dem im Berliner Tageblatt ausgetragenen Streit zwischen einem der damals prominentesten und erfolgreichsten Filmemacher Ernst Lubitsch und dem ebenso berühmten Autor und Publizisten Alfred Polgar. Beide Namen erklingen in diesem Podcast nicht zum ersten Mal. Alfred Polgar hatte am 1. September ein „Genre“ bedient, dass so alt wie die Filmkunst selbst ist, Rezo würde es „Zerstörung der Filmindustrie“ nennen. Offenbar hat Polgar dem Film den Kunstwert abgesprochen und scharfzüngig über die geringe Qualität der Filmwerke hergezogen. Ernst Lubitsch antwortet am 9. September mit nicht geringerer Süffisanz und Angriffslust. Vom verbalen Schlachtfeld berichtet Frank Riede.

Sep 9, 20217 min

Ep 627Die Hungerkatastrophe in Rußland

Ende Juli hörten wir an dieser Stelle von dem Notruf, mit dem sich Maxim Gorki an die Welt richtete, bei der Hungerkatastrophe in Rußland nicht wegzusehen. Am 8. September 1921 druckt die Berliner Volks-Zeitung den Bericht eines fliegenden Reportes ab, der die zutiefst schockierende Lage schildet. Es sind tatsächlich verstörende Bilder, die Frank Riede mit dem Verlesen des Textes für uns evoziert.

Sep 8, 20217 min

Ep 626Die Situation im Burgenland

Freunde des Wiener Walzers wissen es aus dem Pausenfilm des diesjährigen Neujahrskonzertes der Wiener Philharmoniker: Österreich feiert heuer einhundert Jahre Burgenland. Das kleine östliche Bundesland gab es natürlich auch schon zu k.u.k-Zeiten. Damals hieß der Landstrich allerdings noch Deutsch-Westungarn und gehörte, trotz seiner in diesem Namen anklingenden deutschsprachigen Bevölkerungsmehrheit, zum magyarischen Teil der Doppelmonarchie. Die Friedensverträge von St. Germain und Trianon sprachen es nun der Republik Österreich zu, was in Ungarn erheblichen Widerstand mobilisierte und im Laufe des Jahres 1921 immer wieder zu bewaffneten und teilweise blutigen Auseinandersetzungen führte. Der Vorwärts vom 7. September nimmt diese zum Anlass, einmal etwas genauer in die Geschichte und die Kultur des Burgendlandes zu blicken, für uns folgt ihm darin Paula Leu.

Sep 7, 20216 min

Ep 625Die ungeklärte Wilna-Frage

Gabriele D’Annunzio hatte es in Fiume alias Rijeka vorgemacht, wie man in Nachweltkriegs-Europa handstreichartig politische Fakten schuf – polnische Freischärler unter der Führung des Generals Żeligowski taten es ihm – letztlich sogar noch erfolgreicher – nach und besetzten im Herbst 1920 das im Versailler Vertrag eigentlich dem Nachbarn Litauen als Hauptstadt zugesprochene, freilich überwiegend polnischsprachige Vilnius, polnisch: Wilna. Fast ein Jahr später, am 6. September 1921, entsann sich die Berliner Börsen-Zeitung des nach wie vor schwelenden Konfliktes und machte im nachfolgenden Artikel aus ihrer wenig überraschenden Sympathie für die litauische Seite (‘Meines Feindes Feind ist mein Freund‘) keinen Hehl. Es liest Frank Riede.

Sep 6, 20218 min

Ep 624Röntgenstrahlen gegen Krebs

Schon wenige Jahrzehnte nach der Entdeckung der Röntgenstrahlen im Jahre 1895 wurden diese nicht nur etwa für Diagnostik benutzt, sondern auch gezielt als Mittel gegen Krebszellen eingesetzt, da diese empfindlicher als die Umgebung sind und von der Strahlung abgetötet werden. Ein Pionier auf diesem Gebiet war Herrmann Wintz von der Universität Erlangen, der die Tiefenwirkung der Strahlung zu erhöhen und die Nebenwirkungen zu verringern suchte. Von seinen dabei erzielten Erfolgen berichtet die Freiheit vom 5. September 1921 und weiß schon damals darauf hinzuweisen, dass eine Früherkennung das A und O sei. Paula Leu klärt für uns auf.

Sep 5, 20213 min

Ep 623Vom Rauchen in der U-Bahn

Babylon Berlin hat es uns mit einiger Penetranz unter die Nase gerieben: Im Berlin der 1920er Jahre wurde gequalmt, dass einem noch vor dem digitalen Endgerät die Augen tränen. Heute (nicht nur wegen der aktuellen Maskenpflicht) völlig unvorstellbar, durften Nikotinistinnen und Nikotinisten ihrer Sucht seinerzeit selbst in der U-Bahn frönen, in der zu diesem Zweck an den Wänden sogar Aschbecher montiert waren. Zumal wohl während der Rush Hour war es mit deren Funktionalität freilich nicht so weit her, was die Berliner Volks-Zeitung vom 4. September 1921 zu einer kleinen conte morale inspirierte. Für uns gelesen von Paula Leu.

Sep 4, 20214 min

Ep 622Die Attraktion der Massenszenen

Das Kino lebte von Anfang an - und gerade zu Beginn - vom Attraktionswert. Auch in den Zwanziger Jahren suchte die rasch wachsende Filmindustrie mit immer neuen “Sensationsfilmen” das Publikum zu beeindrucken, bzw. zu überwältigen. Eine wesentliche Rolle spielten dabei neben Actionszenen und opulenter Ausstattung auch gewaltige Massenszenen mit tausenden von Komparsen. Über die Bedeutung dieser choreographierten Statistenheere auf der Leinwad sinniert die Voss vom 3. September 1921 anlässlich der Premiere von Ernst Lubitschs “Historien-Groß-Film” “Das Weib des Paharao” - unser Mann des Mikrophons: Frank Riede.

Sep 3, 20217 min

Ep 621Bayern ignoriert Zeitungsverbot

Gustav von Kahr, seit dem 16. März 1920 Ministerpräsident der von der Bayerischen Volkspartei geführten rechtsbürgerlichen Bayerischen Regierung, kämpfte für eine Sonderstellung Bayerns innerhalb des Deutschen Reiches, was zu einem offenen Konflikt führte. Es ging dabei besonders um die Entwaffnung der Einwohnerwehr, der sich Bayerns Regierung widersetzte. Im September spitzte sich der Streit weiter zu, als das Reichsinnenministerium Zeitungsverbote gegen bayerische Zeitungen aussprach, die besonders gegen die Reichsregierung hetzten, und von Kahr auch hier diese Anordnungen schlicht nicht umsetzte. Frank Riede liest für uns einen Bericht des Vorwärts vom 2. September über die angespannte Lage zwischen Bayern und dem Reich.

Sep 2, 20213 min

Ep 620Deutsche Juden im Ersten Weltkrieg

Vor einhundert Jahren, im Sommer 1921, spielte zwar die NSDAP noch keine nennenswerte Rolle in der deutschen Politik; wüst antisemitische Töne prägten allerdings auch schon damals die parlamentarische wie außerparlamentarische Arena. Ein Lieblingsthema der völkischen Rechten war dabei die Rolle der deutschen Juden im zurückliegenden Weltkrieg, die abzuqualifizieren, zu verleumden, zu verunglimpfen sie sich in einem Fort überboten. Die Berliner Volks-Zeitung vom 1. September 1921 macht sich dankenswerterweise die Mühe, diese Fake News einmal mit Zahlen zu widerlegen. Es liest Frank Riede.

Sep 1, 20215 min

Ep 618Strandmoden in französischen Seebädern

Und wir beschließen unser Sommerprogramm mit einem letzten Strandbesuch. Die Berliner Volkszeitung vom 31. August 1921 klärt die Berliner Bevölkerung, aus den mondänen französischen Badeorten berichtend, über die Trends in der weiblichen Bademode auf. Paula Leu ist wie immer auf dem Laufenden.

Aug 31, 20213 min

Ep 617Wo ist Oltwig von Hirschfeld?

In den Tagen nach dem Attentat auf Matthias Erzberger fahndete die Polizei nach den flüchtigen Tätern. Der Verdacht fiel, verständlicher Weise, auch auf Oltwig von Hirschfeld, der zwar im Gefängnis seine Strafe für das versuchte Attentat auf Erzberger vom Januar 1920, bei dem er Erzberger mit zwei Schüssen verletzt hatte, verbüßte, aber wegen Krankheit für Monate aus dem Gefängnis beurlaubt war. Der Vorwärts berichtet am 30. August von den Versuchen des Berliner Polizeipräsidiums, Oltwig von Hirschfeld aufzuspüren. Für uns liest Frank Riede.

Aug 30, 20213 min

Ep 619Von der Leipziger Herbstmesse

Die Tradition Leipzigs als bedeutende Messestadt reicht bis ins 12. Jahrhundert zurück. Trotz aller wirtschaftlichen Not nach dem Weltkrieg hatte der Messebetrieb im Sommer 1921 längst wieder Fahrt ausgenommen und lockte nicht nur, wie wir gleich hören werden, zahlreiche internationale Gäste an die Pleiße, sondern auch neugierige Vertreter der Hauptstadtpresse. Aus dem Berliner Tageblatt vom 29. August 1921 liest für uns Paula Leu.

Aug 29, 20213 min

Ep 616Ossietzky: Zwischen den Schlachten

Auch am zweiten Tag nach den Geschehnissen von Bad Griesbach kannte das politische Berlin kein anderes Thema als die Ermordung von Ex-Minister Matthias Erzberger. Alle Tageszeitungen in der Hauptstadt trieb die Frage um, was die Bluttat für die junge und fragile deutsche Republik bedeutete. Für Carl von Ossietzkys Kommentar in der Berliner Volks-Zeitung weichen wir aus gegebenem Anlass ausnahmsweise von dem für die Dauer unseres Sommerprogramms selbst auferlegten Gebot der Kürze ab. Es liest Frank Riede.

Aug 28, 20219 min

Ep 615Der Mord an Matthias Erzberger

Das republikanische Deutschland stand unter Schock: Der Zentrumspolitiker und ehemalige Reichsminister der Finanzen Matthias Erzberger – seit seinem prominenten Werben für eine Annahme des Versailler Vertrages Hauptfeindbild und Hassobjekt der völkischen Rechten – war am 26. August 1921 in der Nähe seines Urlaubsortes Bad Griesbach im Schwarzwald am helllichten Tag ermordet worden. Was über das Attentat bereits bekannt war, zeichnet am Folgetag der Vorwärts nach. Es liest Paula Leu.

Aug 27, 20214 min

Ep 614Im Reiche des Pharaos

Ägypten-Begeisterung, Schauspielstars zum Greifen nah, Live-Musik und opulente Tanznummern. Das alles gab es für einen guten Zweck im Zoologischen Garten am 27. August 1921. Am Tag zuvor kündigte die Berliner Volks-Zeitung dieses, wir würden heute sagen, „Event“ an. Für uns liest Frank Riede.

Aug 26, 20213 min

Ep 613Die Vernehmung des Massenmörders Großmann

Am 20. August hatten wir von der Suche nach dem Serienmörder berichtet, der seit Monaten die Stadt in Atem hielt. Nur einen Tag später, am 21. August 1921 wurde er, nach unzähligen Morden (vermutet werden über 100 Opfer), auf frischer Tat in seiner Wohnung am Schlesischen Bahnhof ertappt. Die Identität des Mörders war geklärt. Es handelte sich um den 1863 in Neuruppin geborenen Carl Großmann, einen Fleischerlehrling, der nach Abbruch der Lehre hausierend durch Süddeutschland gezogen und dabei mit zahlreichen Sexual- und Gewaltdelikten aufgefallen war. Er ließ sich 1913 in einer Wohnküche in Berlin nieder und lockte fortan Frauen in seine Wohnung, wohl oftmals eine Stelle aus Hauswirtschafterin in Aussicht stellend, um sie dann zu missbrauchen und zu töten. In den Tagen nach der Festnahme war dieses soeben skizzierte Bild des Täters noch nicht so klar, die Polizei sammelte Beweise und verhörte Großmann. Vom aktuellen Stand berichtete die Berliner Volks-Zeitung am 25. 8. Tatsächlich gab Großmann bei dem anschließenden Prozess nur 3 Morde zu und entzog sich der Verurteilung durch einen Selbstmord. Auch beim heutigen Bericht, den Paula Leu verliest, möchten wir vorab warnend auf die in ihm enthaltenen verstörenden Details dieser bestialischen Gewaltakte hinweisen.

Aug 25, 20214 min

Ep 612Jedermann bei Fackelschein

Max Reinhardt galt und gilt noch immer als Theatermagier mit einem unvergleichlichen Sinn für Effekte. Wo er bei seinen Massenspektakeln in Berlin modernste Drehbühnen und Hubpodien bewegte, ging er bei den von ihm 1920 mitbegründeten Salzburger Festspielen einen entgegengesetzten Weg und bespielte bei seiner Inszenierung von Hofmannsthals Jedermann die barocke Stadt als Bühne . Bei der Wiederaufnahme ein Jahr später setzte Reinhardt atmosphärisch nun noch einen drauf und lud zum Abschluss des Festivals zu einer Abendvorstellung bei Fackelbeleuchtung. Mit dabei waren das am 24.August kurz berichtende Berliner Tageblatt – und für uns Frank Riede.

Aug 24, 20212 min

Ep 611Ein politisches Filmverbot

Nachdem wir am 27. Juli mit dem Vorwärts über ein nationalistisches Propaganda-Theaterstück “Die schwarze Schmach” in Zeven gehört hatten, berichten wir heute mit der Vossischen vom 23. August 1921 über die Filmoberprüfstelle, die für den mindestens ebenso rassistischen Film gleichen Namens tatsächlich ein Verbot ausgesprochen hat. Paula Leu kennt die Begründung.

Aug 23, 20212 min

Ep 610Der Internationale Esperanto-Kongreß in Prag

1887 veröffentlichte der jüdische Augenarzt Ludwig Zamenhof die Grundlagen der Plansprache Esperanto. Dieses Projekt der friedvollen Völkerverbrüderung durch eine künstlich geschaffene und einfach für jedermann zu erlernende Sprache fand weltweit Anhänger, die sich vernetzten und das Esperanto propagierten. Am 22. August 1921 berichtet der Vorwärts über den 13. Internationalen Esperantokongress in Prag - ĝi legas Frank Riede.

Aug 22, 20213 min

Ep 609In aller Kürze aus aller Welt

Knappe Nachrichten von nur wenigen, dafür aber prägnanten Zeichen erfreuten sich bekanntlich auch schon vor SMS und Twitter großer Beliebtheit. Vor einhundert Jahren fand man sie vor allem in der Zeitung. Aus einer solchen, nämlich aus der Deutschen Allgemeinen vom 21. August 1921, bedient sich für uns in aller Kürze Paula Leu.

Aug 21, 20213 min

Ep 608Eine Stadt sucht einen Mörder

Unser heutiger Beitrag aus der Berliner Volks-Zeitung vom 20. August 1921 ist nichts für ganz Zartbesaitete: Ganz Berlin fahndete vor einhundert Jahren nach einem Massenmörder, der Leichenteile seiner weiblichen Opfer, offensichtlich um Spuren zu verwischen, nach ihrer Tötung im gesamten Stadtgebiet verteilte. Für uns auf kriminaldienstliche Ermittlung begibt sich Frank Riede.

Aug 20, 20214 min