
Auf den Tag genau
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Ep 1508Mahatma Gandhi freigelassen
Im August 1920 rief Mahatma Gandhi die Kampagne der Nichtkooperation in Indien aus, die zu dem passiven Widerstand weiter Bevölkerungsteile gegenüber der britischen Kolonialmacht führte. Nachdem 1922 eine lokale Mobilisierungs-Kampagne, die friedlich und im Geiste Gandhis begonnen hatte, in Gewalt gegen britische Polizisten und zwischen den verschiedenen Religionsgemeinschaften umschlug, wurde Gandhi verhaftet und zu 6 Jahren Haft verurteilt, zumal er vor Gericht die Schuld für die Gewalt auf sich genommen hatte. Offiziell wegen einer Blinddarmoperation wurde er aber 1924 vorzeitig freigelassen, um kurze Zeit später der Präsident des Indischen Nationalkongresses zu werden. Die Vossische blickt am 5. Februar 1924 auf die Lage in Indien, beschäftigt sich aber nicht nur mit Mahatma Gandhi, sondern auch mit den Herausforderungen, vor denen die neue britische Labour-Regierung stand. Für uns liest Frank Riede.
Ep 1507Nachruf auf Woodrow Wilson
Der Historiker und Demokrat Woodrow Wilson war von 1913 bis 1921 für zwei Amtszeiten Präsident der USA. Unter seiner Führung traten die Vereinigten Staaten in den Ersten Weltkrieg ein und er saß nach dem Krieg mit am Verhandlungstisch, als es darum ging eine Nachkriegsordnung zu schaffen. Sein 14-Punkte Programm prägte die Debatten auch wesentlich und auf Wilsons Initiative hin wurde der als letzter Programmpunkt dieser Liste anvisierte Völkerbund begründet. Wilson war aber weder in der Lage, die Reparationsforderungen der Franzosen zu verringern, noch ein wirklich wirkmächtiges Weltparlament zu errichten, weshalb er auch in Deutschland der Nachkriegszeit teilweise zum Feindbild wurde. Zwar wurde er 1919 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet, gerade seine außenpolitischen Projekte müssen aber als zu großen Teilen gescheitert angesehen werden, zumal die Stimmung in Amerika wieder in Richtung Isolationismus kippte und die USA selbst nicht dem Völkerbund beitrat. Wilson war nach einem Zusammenbruch und einem Schlaganfall im Herbst 1919 halbseitig gelähmt und konnte die Amtsgeschäfte kaum noch führen. Er starb am 3. Februar 1924. Wie der Vorwärts in seinem Nachruf vom 4. Februar die Leistungen von Wilson bewertete weiß Paula Rosa Leu.
Ep 1505Mit der Transsibirischen Eisenbahn um die halbe Welt
Eisenbahnartikel gehören zu den großen Konstanten in gut vier Jahren Auf den Tag genau. Mit ihnen haben wir den europäischen Kontinent in alle Himmelrichtungen durchkämmt, aber auch noch entlegenere Weltgegenden wie etwa Japan stilvoll bereist. Um uns den ultimativen Traum aller Zugromantiker zu erfüllen, mussten wir indes bis heute warten: eine Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn. Ein ungenannt bleibender Autor der Deutschen Allgemeinen Zeitung schildert in deren Ausgabe vom 3. Februar 1924 detailliert die seinerzeitigen Herausforderungen einer solchen Tour um die halbe Welt in allen, auch bürokratischen Einzelheiten. Zugleich dokumentiert sein Text in einer Passage freilich auch, dass Globetrotting nicht notwendig vor rassistischen Weltsichten schützt und die DAZ auch im sechsten Jahr der Weimarer Republik weit rechts in deren Meinungsspektrum anzusiedeln blieb. Wegen des spektakulären Themas haben wir den Artikel dennoch Frank Riede für uns lesen lassen.
Ep 1504Der Nebbich: Sternheim inszeniert Sternheim
Immer wieder stoßen wir bei unseren Recherchen für Auf den Tag genau auf Theaterautoren und -stücke, die heutzutage eher nur noch dem Namen als ihren Inhalten nach bekannt sind. Auch die satirischen Dramen von Carl Sternheim zählen zu dieser Rubrik. Alle Jubeljahre wagt ein Theater mal wieder eine Wiederausgrabung. Wirklich ins Repertoire zurückgekehrt sind sie nach ihrer Verfemung durch die Nazis jedoch nicht. Für die letzte Berliner Inszenierung von Sternheims Nebbich muss man bis in die frühen 1990er Jahre zurückreisen, als man sich an einer Neubelebung in den Kammerspielen des Deutschen Theaters versuchte. Eben genau dorthin, aber natürlich noch ein paar Jahrzehnte weiter, nämlich gleich bis zur Uraufführung im Jahr 1924 nimmt uns Frank Riede mit, der der B.Z. am Mittag vom 2. Februar entnimmt, was dem Regisseur Sternheim damals zum Autor Sternheim eingefallen ist.
Ep 1503Heinrich Mann: Gespräch mit Masaryk
Die Verbindungen der Familie Mann zur Tschechoslowakei wurden erst vor nicht allzu langer Zeit gründlicher erforscht. So half etwa der Präsident der Tschechoslowakei Tomáš Garrigue Masaryk nach der Emigration Heinrich Manns aktiv und finanziell dabei, die Bibliothek und das Archiv aus der Münchener Wohnung ins Ausland zu schaffen. 1936 erhielten Thomas und Heinrich Mann die Tschechoslowakische Staatsbürgerschaft. In den Abhandlungen zu den weit über diese zwei soeben genannten Tatsachen hinausreichenden Beziehungen der Manns zu dem Intellektuellen an der Spitze des jungen Staates, den viele Tschechen respektvoll als Papa Masaryk bezeichneten, steht immer geschrieben, dass Heinrich Mann, Masaryk 1924 kennen gelernt hatte. Und genau diese erste Begegnung schilderte er für die Vossische Zeitung vom 1. Februar 1924. Neben seinem Eindruck vom Präsidenten als Person beschreibt er auch die Gespräche über das Verhältnis von Deutschland zu Frankreich. Da Masaryk von Paris aus die Exilregierung der Tschechoslowakei während des Ersten Weltkriegs anführte, dort den unabhängigen Staat verhandelte und stets beste Beziehungen zu französischen Politikern pflegte, verwundert es nicht, dass seine Position sich deutlich abhebt von der in der deutschen Presse propagierten Sichtweise, der Hauptschuldige an der Ruhrbesetzung sei Poincaré. Paula Rosa Leu war zusammen mit Heinrich Mann zu Besuch auf dem Landsitz des tschechoslowakischen Präsidenten in Lány.
Ep 1502Hugo von Hofmannsthal zum (1)50.
Vorzeitige Glückwünsche zum Geburtstag gelten in unseren Breiten eigentlich als unschicklich. Weshalb Oskar Maurus Fontana dem großen Hugo von Hofmannsthal schon am 31. Januar im Berliner Börsen-Courier zu seinem fünfzigsten Ehrentag am 1. Februar 1924 gratulierte, bleibt ungeklärt. Dass er den Jubilar für einen der großen deutschsprachigen Literaten der Epoche hält, daran lässt er indes keinen Zweifel. Freilich teilt auch Fontana die Einschätzung Stefan Zweigs aus der Welt von gestern, dass der allergrößte Hofmannsthal der ganz junge gewesen sei. Hofmannsthals einhundertfünfzigsten Geburtstags gedenkt für uns, wegen des Formats von Auf den Tag genau notwendig ebenfalls zu früh, Frank Riede.
Ep 1501Wucher und Volk und Braunschweiger Wurst
Im heutigen Artikel aus der Berliner Volks-Zeitung vom 30. Januar 1924 geht es buchstäblich um die Wurst – aber auch darum, welchen Einfluss der Kampf um die Emotionen der Massen auf das Schicksal einzelner Menschengruppen hat. In Braunschweig wurde auf großen Druck der Bevölkerung hin ein Wuchergericht installiert, das die Gewinnler an der Inflation des Vorjahres bestrafen sollte. Gerade die Fleischer gerieten nun ins Visier dieses Gerichts, das ein paar hohe Strafen verhängte. Allerdings peitschten im Anschluss rechts-konservative Abgeordnete die Bevölkerung gegen die Urteile auf und die Stimmung begann umzuschlagen. Sollte der Staat diese lediglich rational, wirtschaftlich handelnden Unternehmer etwa willkürlich und übertrieben hart bestrafen? Paula Rosa Leu berichtet für uns von Wucher und Volk und Braunschweiger Wurst.
Ep 1500Ein europäischer Blick nach Indien
Dafür dass er mit seinen weit über zweihundert Millionen Einwohnern auch schon vor einhundert Jahren zu den größten Ländern der Erde zählte, kam der nach wie vor unter britischer Kolonialherrschaft stehende Subkontinent Indien in der Berliner Presse äußerst selten vor. Und wenn, mag man hinzufügen, waren die Meldungen kaum je vor Ort recherchiert. Das gilt auch für den Text des geschätzten Arnold Höllriegel, der im Berliner Tageblatt vom 29. Januar 1924 bezeichnenderweise von Wien aus über Indien berichtete. Nicht nur wimmelt es im Artikel von problematischen Termini für die unterschiedlichen hier betrachteten Bevölkerungsgruppen. Auch im Ton ist die Darstellung durchaus nicht frei von europäischer Herablassung, auch wenn die Sympathie des Autors letztlich wohl nicht den englischen Kolonialherren gehört. Um zu dokumentieren, welches Bild man sich seinerzeit hierzulande von Indien machen konnte, haben wir uns dennoch für eine Produktion des Textes entschieden und ihn zur Lektüre an Frank Riede übergeben.
Ep 1499In der “historischen” Woche in London
Aus der Wahl zum Britischen Unterhaus vom 6. Dezember 1923 gingen zwar die Tories unter Stanley Baldwin als stärkste Kraft hervor, verfehlten aber deutlich die Mehrheit, die sie sich versprochen hatten. Und so kam es zum ersten Mal in der Geschichte Englands zu einer Regierung unter der Führung der Arbeiterpartei, der Labour-Party. Ramsay MacDonald bildete im Januar 1924 eine Minderheitsregierung, die von den Liberalen toleriert wurde. Diese hatte allerdings auch nur bis zum November 1924 bestand. Die BZ am Mittag hatte ihren politischen Redakteur Gustaf Kauder nach London entsandt und der schickte einen launigen Bericht von der „historischen Woche“ nach Berlin, in der die Lords und Gentlemen aufatmen konnten, da die Ernennung eines Premierministers der Labour-Partei nicht zu einem Zusammenbruch der alten Sitten und Gebräuche des britischen Parlamentarismus führte. Für uns liest Frank Riede.
Ep 1498Autorennen auf dem Wannsee
Man kennt diese Erzählungen aus Sibirien oder aus dem Norden Kanadas: Zugefrorene Seen und Flüsse, die im Winter zu Straßen werden, auf deren meterdicken Eisdecken Autos weite Kilometer zurücklegen. Aber in Berlin, auf dem Wannsee – Kraftfahrzeuge? Wer es nicht glaubt, höre, was die B.Z. am Mittag am 27. Januar 1924 aus dem kalten Winter jenes Jahres zu vermelden hatte. Nicht als Transportweg wurde Berlins größte Havelbucht dabei freilich genutzt, sondern sogar, tatsächlich, ein Parcours für Automobilrennen auf dem Eis angelegt, auf dem Fahrzeuge verschiedenster Art und Klasse um die Wette ihre Runden drehten. Dass sich bei diesem waghalsigen Spektakel offensichtlich auch Schaulustige als Zuschauer mit aufs Eis begaben, macht das Szenario noch abenteuerlicher. Für uns hat sich Paula Rosa Leu auf den Wannsee gewagt.
Ep 1497Eine Hymne auf den Espresso
Dass dem italienischen Espresso die Krone aller Kaffeekultur gebührt – wer wollte der Vossischen Zeitung da widersprechen!? Dabei ist die spezifische Zubereitungsart des schwarz-braunen Goldes mit Dampf und unter hohem Druck in großen metallenen Maschinen eine relativ junge Erfindung, die erst um 1900 durch Luigi Bezzera in Mailand entwickelt wurde. Was die ungarischstämmige Autorin und Komponistin Gisela Selden-Goth einer imaginären Freundin vom Caffé al banco in den Bars von Florenz in ihrem begeisterten offenen Brief vom 26. Januar 1924 mitzuteilen hat, war für das zeitgenössische Publikum insofern alles andere als kalter Kaffee. Italiamanti unserer Tage hingegen erkennen das Land ihrer Träume über die Entfernung eines Jahrhunderts in den nachfolgenden Zeilen nur zu gut wieder. Und müssen doch zugeben: Selten ist eine schönere und stimmigere Hymne auf das Kulturgut Espresso angestimmt worden! „Viva l’Italia del caffé“ ... singt für uns Paula Rosa Leu.
Ep 1496Tollers Hinkemann oder Ein Theater-Skandal in Dresden
Carl von Ossietzky war im Hauptberuf kein Theaterkritiker, und sein Text über die Premiere des expressionistischen Kriegsheimkehrer-Dramas Hinkemann von Ernst Toller in Dresden ist auch im eigentlichen Sinne keine Rezension. Der Grund für die Berichterstattung der Berliner Volks-Zeitung vom 25. Januar 1924 und entsprechend auch der Fokus ihres Artikels liegen vielmehr auf den im mehrfachen Sinn des Wortes skandalösen Umständen, unter denen die Aufführung in der sächsischen Hauptstadt über die Bühne ging. Rechte Störer hatten dort einen Skandal inszeniert, die völkische Presse Tollers Stück und die Dresdner Inszenierung anschließend mit übelster antisemitischer Hetzrhetorik skandalisiert und damit eine Absage nachfolgender Vorstellungen wegen Gefährdung der Mitwirkenden provoziert – darin erblickt Ossietzky den wirklichen, politischen Skandal von Dresden! Es liest Frank Riede.
Ep 1495Sonnenfinsternis-Expedition nach Mexiko und der Einstein-Effekt
Dr. Richard Prager, geboren 1883 in Hannover, war ein deutscher Astronom, der seit dem Jahre 1916 als Observator an der Sternwarte in Babelsberg arbeitete. Wegen seiner jüdischen Herkunft wurde der 1938 von den Nazis verhaftet, allerdings aufgrund des Druckes aus dem Ausland freigelassen, so dass er in die USA emigrieren konnte, wo er bis zu seinem Tod im Jahre 1945 an der Harvard-University lehrte. Seit Albert Einstein seine Relativitätstheorie veröffentlicht hatte, erlangte die Beobachtung von Sonnenfinsternissen eine gesteigerte Bedeutung, da man hier Beweise für die Richtigkeit der Theorie erlangen wollte – und konnte. Auch die deutsche Expedition zur Sonnenfinsternis vom 10. September 1923 in Mexiko, an der sich das Potsdamer und ein Hamburger Observatorium beteiligten, hatte unter anderem, wie es im vorläufigen Abschlussbericht zu lesen ist: „Aufnahmen zur Prüfung des Einstein-Effekts“ auf dem Programm. Paula Rosa Leu liest für uns den Bericht zur Expedition von Dr. Prager, der in der Wochenbeilage des Berliner Tageblattes vom 24. Januar 1924 erschien.
Ep 1494Der Tod Lenins
Von mehreren Schlaganfällen gezeichnet lebte Lenin 1924 in Gorki und kommunizierte mit der Führung der KPdSU per Brief, da er kaum noch sprechen konnte. Auch wir haben hier im Podcast dokumentiert, dass er von der europäischen Presse von Zeit zu Zeit verfrüht für tot erklärt wurde. Doch am 21. Januar 1924 verstarb er tatsächlich, wahrscheinlich an einem weiteren Schlaganfall. Die Berliner Zeitungen bringen dieses Ereignis, das mit der Frage nach seiner Nachfolge verknüpft war, am 23. Januar, und zitieren bereits, so auch die Berliner Volks-Zeitung des Tages, die Kommuniques der Sowjet-Regierung und der Kommunistischen Internationale. Noch bevor die riesigen Trauerfeierlichkeiten, die in einem ersten provisorischen Mausoleum den einbalsamierten Lenin ausstellten, stattfanden, begann bereits die Debatte nach der Bedeutung Lenins und seinem Erbe. Frank Riede liest für uns diese Titelseite, die telegraphierte Berichte, Verlautbarungen und Biographisches vermengt.
Ep 1493Klatsche zu Hause! Eine Operettenpremiere am Radiogerät
Der Live-Übertragung einer Theateraufführung – wie auch einer Show-, einer Sport- oder politischen Veranstaltung – auf ein elektronisches Endgerät ist uns das Normalste auf der Welt und in „keinster“ Weise mehr Anlass für irgendeine Irritation. Ganz anders stellte sich die Situation vor einhundert Jahren für die Leute dar, die erstmals staunend vor ihren Radiogeräten saßen und dort in Echtzeit der Premiere in einem kilometerentfernten Theater beiwohnen konnten. Die Dialektik des Dabei-und-doch-nicht-dabei-Seins, die für diese Art Teilnahme über alle medialen Umbrüche hinweg durchaus charakteristisch geblieben scheint, stellte sich indes auch bei dieser Premiere im doppelten Sinne rasch ein: Man sah den Vorgang vor dem inneren Auge aufgehen, ortete die Soubrette auf Vor- oder Hinterbühne – und genoss doch zugleich Mokka und Zigarette. Aus der Vossischen Zeitung vom 22. Januar 1924 liest Frank Riede.
Ep 1492Radiowerbung
Wie lassen sich Podcasts monetarisieren? Abo-Systeme, Paywall für bestimmte Angebote, Werbung, Sponsoring, Product-Placement? Vor ähnlichen Fragen standen die Radiosender der Zwanziger Jahre. Daher überrascht es nicht, dass die Deutsche Allgemeine Zeitung am 21. Januar 1924 titelte: Drahtloses Reklamewesen. Ihr Blick richtet sich natürlich in die USA, um einen Eindruck davon zu bekommen, was das verhältnismäßig rückständige Rundfunkwesen in Deutschland so erwartet. Paula Rosa Leu sendet für uns nach wie vor werbefrei und bestens zugänglich.
Ep 1491Knorke!
‘Knorke‘, informiert uns die Wikipedia, „ist ein Wort der Umgangssprache und bedeutet so viel wie ‚gut‘, ‘ausgezeichnet‘, ‘zufrieden‘, ähnlich dem heutigen Gebrauch von cool.“ Ferner erfahren wir dort, dass der Ursprung des Wortes im Dunkeln liege, es seit 1916 in Berlin nachweisbar und danach bald auch schon zum zu kabarettistischen und literarischen Ehren gekommenen Modewort aufgestiegen sei – um im Herbst 1924 von Kurt Tucholsky in der Vossischen Zeitung freilich auch schon wieder für veraltet erklärt zu werden. Am 20. Januar war davon im Berliner Börsen-Courier indes noch nichts zu spüren. Ein Autor mit dem Namen Wilhelm John widmet diesem schönen Berolinismus vielmehr eine alkoholgeschwängerte Glosse, die wir so knorke fanden, dass wir sie Frank Riede haben einlesen lassen.
Ep 1490Die ersten weiblichen Minister
Als erste Ministerin der Geschichte gilt Alexandra Kollontai, die 1917 dem revolutionären russischen Kabinett angehörte und dort dem Ministerium für öffentliche Wohlfahrt vorstand. Nach dem Ersten Weltkrieg stand also die Frage im Raum, in welchem Staat die nächste Ministerin vereidigt würde. Das 8-Uhr-Abendblatt beteiligt sich in der Ausgabe vom 19. Januar 1924 an dieser Spekulation, indem es zwei, für uns eher überraschende, Länder anführt. England und die Türkei. Während sich die Erwartung, die Gewerkschaftsfunktionärin und erste Frau im britischen Unterhaus Margaret Bondfield würde Ministerin werden, Jahre später bewahrheiten sollte, lag die Zeitung mit Halide Edib Adivar daneben. Die bedeutende Schriftstellerin, Parlamentarierin, Offizierin, die aktiv am Türkischen Befreiungskrieg beteiligt war, sollte, auch wegen des Zerwürfnisses mit Mustafa Kemal Pascha, nicht Ministerin werden. Dass Sie aber für das 8-Uhr-Abendblatt eine Spitzenkandidatin ist, zeigt wie liberal und progressiv die 1923 gegründete Türkische Republik wahrgenommen wurde. Paula Rosa Leu stellt uns Margaret Bondfield und Halide Edib Adivar vor.
Ep 1489Joseph Wirths Kampf gegen rechts
Wie positionieren sich die eingesessenen Parteien des bürgerlich-konservativen Spektrums gegenüber aufstrebenden rechtsextremen Gruppierungen und deren Plänen, die freiheitlich-demokratische Grundordnung außer Kraft zu setzen? Diese gerade wieder sehr aktuelle Frage beschäftigte die politische Öffentlichkeit auch schon in der Weimarer Republik und wurde von unterschiedlichen Protagonisten höchst unterschiedlich beantwortet. Während einige Politiker nicht nur der Deutschen Volkspartei, sondern auch der katholischen Zentrumspartei nach rechts mehr als nur schielten, warnte deren Alt-Reichskanzler Joseph Wirth eindringlich vor dieser Versuchung. „Der Feind steht rechts“, hatte er bereits nach der Ermordung von Walther Rathenau der Republik ins Stammbuch geschrieben. Nun, anderthalb Jahre und einige politische Attentate und Umsturzversuche später legte er in einem offenen Brief nach – der zumindest in den Reihen der konkurrierenden Sozialdemokraten auf große Sympathie und Zustimmung stieß. Der Vorwärts vom 18. Januar 1924 zitierte ihn ausführlich, für uns liest Frank Riede.
Ep 1488Erlebnisse einer Flugzeug-Abspringerin
Weltbekannt ist die Zeichnung Leonardo da Vincis, die einen Fallschirm skizziert, jedoch ist über tatsächliche Sprungversuche aus der Zeit nichts bekannt. Erst im Jahre 1783 sprang ein Louis-Sébastien Lenomand mit einem selbst konstruierten Fallschirm von dem Turm des Observatoriums in Montpellier und landete unversehrt, womit er das moderne Fallschirmspringen begründete. 140 Jahre später, als die Flugzeuge mit der zivilen Luftfahrt das Reisetempo beschleunigten, als zugleich zahlreiche Luftakrobat*innen waghalsige Kunsttücke auf fliegenden Maschinen zeigten, treffen wir auf den deutschen Ingenieur Otto Heinicke, dem die am Flugzeug befestigte Aufziehleine zugeschrieben wird, die es verhindert, dass der Fallschirm sich mit dem Flugzeug, aus dem man springt, verheddert. Das 8-Uhr-Abendblatt machte sich auf den Weg zu ihm, um allerdings nicht ihn, sondern seine Verlobte zu befragen, die als Fallschirmspringerin für Furore sorgte. Und so lernen wir zusammen mit Paula Rosa Leu und der Ausgabe vom 17. Januar 1924 diese Pionierin des „Flugzeug-Abspringens“ kennen.
Ep 1487Hermann Hesse: Die heutige deutsche Literatur
Hermann Hesse war 1924 ein über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannter Autor. So erklärt sich auch die Anfrage junger italienischer Dichter, die ihn um einen Überblick über die aktuelle deutschsprachige Literatur baten. Er antwortete mit einem Brief, den er in der Neuen Züricher Zeitung veröffentlichte und den die Vossische am 16. Januar 1924 nachdruckte. Obgleich wir mit manchem Namen, der in der Übersicht fällt nicht auf Anhieb etwas anfangen können, so beweist Hesse ein hervorragendes „Näschen“, indem er mit Franz Kafka und Robert Walser gleich zwei Autoren lobt, die schon am Ende der Weimarer Republik in Vergessenheit geraten waren und erst Jahrzehnte später zu Weltruhm gelangten. Wer sonst noch in diesem Hesseschen Panorama der deutschsprachigen Literatur figuriert erfahren wir von Frank Riede.
Ep 1486Durch das verschneite Tirol
Das Inntal ist ein bekanntes Nadelöhr im europäischen Reiseverkehr, und so hatte es durchaus weitreichende Konsequenzen, dass heftige Schneefälle die Bahnstrecke durch Tirol über den Jahreswechsel 1923/24 tagelang lahmlegten. Richard Ilnitzky, der sich für den Berliner Lokal-Anzeiger auf den Weg machte, hatte das Glück, dass zumindest die wichtigsten Züge wieder fuhren und ihn ins schöne Wörgl am Zusammenfluss von Brixentaler Ache und Inn brachten. Und so berichtet er in seinem Artikel vom 15. Januar 1924 aus einem tief verschneiten Winterwunderland, in dem sich auf leidlich geräumten Wegen herrliche Wanderungen unternehmen ließen, gemütliche Herbergen rote Weine und Selbstgebranntes offerierten und man sich all dies dank des Währungsschnitts auch als „Reichsdeutscher“ wieder leisten konnte. Für uns hat sich Paula Rosa Leu in den Schnee schicken lassen.
Ep 1485Strawinskys “Geschichte vom Soldaten” in Berlin
Mit seiner Histoire du Soldat, deutsch: Die Geschichte vom Soldaten, setzten sich Igor Strawinsky und sein Textdichter Charles Ferdinand Ramuz selbstbewusst zwischen alle Stühle. Getreu der Originalbezeichnung „Lue, jouée, dansée et en deux parties“ („Gelesen, gespielt, getanzt und in zwei Teilen“) entzieht sich das gut einstündige, kammerspielartige Stück Musiktheater bis heute jedweder genretechnische Einordnung. Und auch kompositorisch wurde es in seiner wilden Mixtur aus komplexer Polyphonie und Polyrhythmik mit verschiedensten populärmusikalischen Idiomen von Tango bis Ragtime bereits von den Zeitgenossen als janusköpfig beschrieben. 1918 an der Oper in Lausanne uraufgeführt, wurde es in Deutschland vielfach nachgespielt, wobei es in Berlin 1924 mit der Volksbühne am heutigen Rosa-Luxemburg-Platz interessanterweise eine nominelle Sprechbühne war, die sich des jungen Werkes annahm. Dem renommierten Musikkritiker Siegmund Piesling immerhin, entnehmen wir dem 8-Uhr-Abendblatt vom 14. Januar, gefiel es bei allen Schwierigkeiten der künstlerischen Einordnung. Warum, weiß Frank Riede.
Ep 1484Gibt es bezahlten Applaus im Kino?
Um 1820 gründete ein Monsieur Sauton in Paris die „Assurance de succès dramatique“. Dahinter verbargen sich professionelle „Applaus-Spender“, die gegen Bezahlung Aufführungen an Theatern und Opern durch ihre Beifallsstürme, die sie unabhängig vom Gebotenen entfachten, zu Erfolgen machten. Ein Phänomen, das natürlich nicht nur auf die Pariser Bühnen beschränkt blieb. Wer von uns weiß schon, welcher Online-Bewertung zu trauen ist. Doch wurden auch in den 20er Jahren in deutschen Lichtspielhäusern bei wichtigen Premieren von den Produktionsfirmen Claqueure engagiert, um Filme zu finanziellen Erfolgen zu führen? Offensichtlich hielten sich solche Gerüchte, weshalb ihnen in der BZ am Mittag vom 13. Januar 1924 der Schriftsteller und Journalist Christian Bouchholz entgegentrat. Paula Rosa Leu war für uns bei den Premieren dabei und dokumentiert damit, unabhängig von der Frage nach bezahlter Claque, dass Szenenapplaus während Kinovorführungen durchaus üblich war.
Ep 1483Roald Amundsen in Berlin
Der norwegische Forscher Roald Amundsen gilt mit seinen vier Begleitern als der erste Mensch am Südpol, und er war wohl auch einer der ersten Menschen am Nordpol. Er durchfuhr als mutmaßlich erster die Nordwestpassage und als zweiter die Nordostpassage. Nach Berlin hingegen hatten es schon etliche Leute vor ihm geschafft. Dennoch war sein Besuch in der deutschen Hauptstadt Anfang 1924 der Mosse-Presse einen eigenen Bericht wert, denn Amundsen erläuterte hier seine damals noch nicht realisierten Pläne, mit dem Flugzeug den Nordpol zu überqueren und dort möglicherweise sogar zu landen. Es sollte dies ein seltenes Projekt werden, das Amundsen nicht vollumfänglich verwirklichen konnte: 1925 strandeten er und sein Team für drei Wochen im ewigen Eis und galten schon als verschollen, bevor sie es doch schafften, im Schnee eine Startpiste zu errichten und zurück zu fliegen – um im Jahr darauf, nun mit einem Luftschiff, den Pol doch als erste zu überqueren. Aus der Berliner Volks-Zeitung vom 12. Januar 1924 liest Frank Riede. Wer sich für das Fliegen und Flugpioniere in der Weimarer Republik interessiert, dem empfehlen wir die aktuelle Folge des 20er-Jahre-Podcasts Goldstaub, die im Rahmen der Feierlichkeiten zu “100 Jahre Flughafen Templehof” live entstand - und in dem wir zudem auch noch zu Gast sind. Unbedingt reinhören.
Ep 1482Eine neue Hauptstadt für Brasilien
Die Planstadt Brasilia zählt zu den jüngsten Hauptstädten der Welt und gilt wegen ihrer maßgeblich von Oscar Niemeyer entworfenen öffentlichen Gebäude heute als Ikone der architektonischen Moderne. Hierzulande kaum bekannt, reicht ihre Geschichte respektive der in der brasilianischen Verfassung festgeschriebene Beschluss, eine neue, zentral gelegene Kapitale im Landesinneren zu errichten, indes bis ins späte 19. Jahrhundert zurück. Die Grundsteinlegung erfolgte bereits im Jahr 1922. Grund genug für das Berliner Tageblatt, seine Leserinnen und Leser am 11. Januar 1924 mit diesen Plänen vertraut zu machen und zu rekapitulieren, warum die bereits im 18. Jahrhundert von Salvador da Bahia nach Rio de Janeiro verlegte Hauptstadtfunktion abermals weiterwandern sollte. Neben ökonomischen und politischen werden dafür interessanterweise auch militärische Argumente ins Feld geführt, die für uns Paula Rosa Leu erläutert.
Ep 1481Quer durch Deutschland im Automobil
Werner Beumelburg ist alles andere als ein unproblematischer Autor. Nationalist und Anti-Demokrat, stand er in harter Opposition zur Weimarer Republik und wurde, wenig überraschend, ab 1933 zu einem gefeierten Schriftsteller im Nationalsozialismus und Panegyriker Hitlers – den er persönlich zuvor lange noch kritisch betrachtet hatte. Ab 1942 führte er als Luftwaffenoffizier das Kriegstagebuch von Hermann Göring; ob er in den letzten Kriegsjahren tatsächlich etwas auf Distanz zum NS-Regime gegangen ist, wie eine Zeitlang geglaubt, ist höchst umstritten. Den späteren Werdegang Beumelburgs erahnt man in seinem Bericht über eine Autofahrt von Berlin nach Frankfurt aus der Deutschen Allgemeinen Zeitung vom 10. Januar 1924 allenfalls in der gelegentlich militärischen Metaphorik, mit der er Menschen wie Tiere hier marschieren lässt. Wir haben uns entschieden, den Artikel zu senden, weil er sehr eindringlich die Faszination veranschaulicht, die vom neuen Medium des Automobils und dem von diesem verheißenen Rausch der Geschwindigkeit auf die Zeitgenossen ausgegangen sein muss. Es liest Frank Riede.
Ep 1480Marie Juchacz über “Frauenfragen”
Marie Juchacz zählte zu den größten Frauenrechtlerinnen der Weimarer Republik und war die erste Parlamentarierin, die nach der Einführung des Frauenwahlrechts vor der Weimarer Nationalversammlung sprach. Bei uns kehrt sie heute nach längerer Pause als Publizistin in den Podcast zurück, und zwar mit einem Text, der am 9. Januar 1924 in der Frauenwelt, einer Beilage des Vorwärts, erschien und sich auch, so der Titel, mit „Frauenfragen“ befasste. Dem Duktus des Artikels merkt man sein Alter von einhundert Jahren bisweilen durchaus an. Sein Thema – Fragen der Gleichberechtigung und der Vereinbarkeit von Beruf und Familie – ist aber unvermindert aktuell. Es liest Paula Rosa Leu.
Ep 1479Abschied vom alten Café Bauer
Das 1877 eröffnete Café Bauer an der zentralen Kreuzung Unter den Linden/Friedrichstraße war in Berlin über Jahrzehnte eine gastronomische Institution. Sein Gründer Matthias Bauer hatte ähnliche Cafés zuvor schon in seiner Heimatstadt Wien betrieben und erkannte weitsichtig, dass das Konzept des Wiener Kaffeehauses mit Mokka und österreichischen Mehlspeisen auch im traditionell eher asketischen, aber aufstrebenden Berlin funktionieren müsste. Neben den großartigen Backwaren und einer opulenten Ausstattung punktete das „Bauer“ bereits ab 1884 zudem als Pionier mit einem besonderen Service bei seinem Publikum: elektrischem Licht. Das war insofern bedeutsam, als das „Bauer“ für seine große Auslage von angeblich bis zu 800 europäischen Tageszeitungen berühmt war. Davon, dass sich darunter auch die Vossische Zeitung befand und man am 8. Januar 1924 in dieser von der großartigen Zeitungsauswahl sowie dem bevorstehenden Umzug des „Bauer“ in ein Hotel am Bahnhof Friedrichstraße lesen konnte, ist schwer auszugehen. Bei elektrischem Licht, aber nicht in einem Kaffeehaus hat das für uns Frank Riede getan.
Ep 1478Täglich 20 Tote infolge von Abtreibungen
Wie lange hat es in Deutschland gedauert bis mit dem Paragraphen 218a im Jahre 1993 die Möglichkeit einer straffreien Abtreibung geregelt wurde und das Leiden von unzähligen Frauen infolge von illegal durchgeführten Abtreibungen der Geschichte angehören sollte. Wie wir wissen ist gerade der Kampf gegen das Recht auf Abtreibung auch in vielen Demokratien immer noch ein zentrales Betätigungs- und Agitationsfeld der konservativen und religiösen Kräfte – man denke nur an die Aufhebung von Roe vs. Wade durch den amerikanischen Supreme Court im Jahre 2022. Einen Einblick in die Welt der Ärzte, Pseudoärzte, Hochstapler und “Waisen Frauen”, die von diesem lukrativen Geschäft mit der Not schwangerer Frauen profitierten bietet uns das 8-Uhr-Abendblatt vom 7. Januar 1924. Ein Kriminalkommissar Johannes Möller berichtet aus seinem Alltag als Ermittler. Die Position der Zeit, die weder „uneheliche Kinder“ noch Abtreibungen tolerierte, kritisiert er zwar nicht offen, man hat aber doch den Eindruck, dass die Schlussfolgerung, die Verhältnisse zu ändern, anstatt die Kriminellen, die an ihnen verdienen, zu jagen, ziemlich auf der Hand liegt. Da Paula Rosa Leu weiterhin verhindert ist, begleitet Frank Riede den Kommissar bei seinem Kampf gegen das Unwesen der Hinterhof-Abtreibungspraxen.
Ep 1477Überfüllte Straßenbahnen
Im Inflationsjahr 1923 war der Berliner Straßenbahnverkehr aus wirtschaftlichen Gründen zusammengebrochen. Zahlreiche Linien wurden stillgelegt und die wenigen Bahnen, die fuhren, waren in der Regel überfüllt. Wir, die wir viel mit dem Berliner Öffentlichen Nahverkehr fahren, reiben uns die Augen, da seit dem neuen Fahrplan vom 10. Dezember 2023 zahlreiche Buslinien im Takt verringert und manche ganz gestrichen wurden. Seitdem kommt es noch häufiger vor, dass überfüllte Busse nach 20minütigem Warten an einem ohne Anzuhalten vorbeifahren. Ob es uns beruhigen, amüsieren oder frustrieren soll, dass wir vieles davon im heutigen Artikel aus dem Berliner Lokal-Anzeiger vom 6. Januar 1924 wiederfinden…? Für die Verkehrsbilder springt jedenfalls für uns Frank Riede auf die überfüllte Straßenbahn auf, der nach wie vor für die verhinderte Paula Rosa Leu einspringt.
Ep 1476Ausgerechnet Bananen!
1922 veröffentlichten amerikanische Songwriter den Foxtrottschlager “Yes! We Have No Bananas”, der weltweit Erfolge feierte. In ihm wird die Bananenknappheit in Amerika, aufgrund einer geringen Ernte in Brasilien, thematisiert mit der Aussage eines eingewanderten Gemüsehändlers, der positiv bejahend verkündet: Ja, wir haben keine Bananen. 1923 schrieb der österreichische Librettist und Schlagerdichter Fritz Löhner darauf einen deutschen Text, der davon abweichend die Launen einer Frau in den Vordergrund stellt, die von ihrem Verehrer Bananen fordert und sich mit nichts anderem zufrieden gibt. Diese deutsche Fassung war ein solcher Erfolg, dass der Liedtitel in den allgemeinen Sprachgebrauch überging, nahezu jedes Orchester eine Fassung des Liedes spielte und zahlreiche Interpret*innen sich an dem Lied versuchten. Der heutige Artikel aus dem 8-Uhr-Abendblatt vom 5. Januar 1924 beschäftigt sich mit diesem Phänomen und ist einer der seltenen Artikel, auf die wir stoßen, die sich mit, wir würden heute sagen, medialer Pop-Kultur beschäftigen. Frank Riede informiert uns über diesen Welthit.
Ep 1475Große Koalition in Sachsen
Nachdem es in Sachsen im Krisenjahr 1923 zu einer Regierungsbeteiligung der KPD gekommen war, wurden tatsächliche oder angebliche Aufstandspläne von links durch das Eingreifen der Reichswehr unterdrückt, die im Oktober 1923 einmarschierte und die Regierung entmachtete. Allerdings konnte sich innerhalb von Stunden eine rein durch die SPD gestellte Minderheitsregierung etablieren. Diese löste sich dann am 4. Januar 1924 auf und bildete eine Große Regierungskoalition unter Einbeziehung der bürgerlichen DDP und DVP unter der Führung von Max Heldt von der SPD. Der Vorwärts war natürlich einer der ersten, der schon am 4. Januar über die Ereignisse in Dresden berichtete. Frank Riede klärt uns auf, wie die Parteizeitung der SPD, das Verhalten der Sozialdemokraten begründete und sich von der KPD distanzierte.
Ep 1474Winterliche Vergnügen am Weißensee
Winter in Berlin – das war in schneereicheren Zeiten durchaus ein Ereignis. Nachdem wir in den vergangenen Jahren mehrfach schon mit dem Podcast in den verschneiten Grunewald oder zum zugefrorenen Wannsee gereist sind, führt uns der Vorwärts vom 3. Januar 1924 heute in die vom Stadtzentrum aus entgegengesetzte Himmelsrichtung, nach Weißensee. Dort, erfahren wir, ging es vielleicht etwas weniger mondän zu als im reichen Westen, aber durchaus nicht weniger lustig. Dass die Höhenunterschiede in den märkischen Breiten eher zu vernachlässigen sind, hat der berlinischen Rodelbegeisterung damals offenbar keinen Abbruch getan. In Vertretung der nach wie vor aus familiären Gründen verhinderten Paula Rosa Leu stürzt sich Frank Riede für uns auf dem Schlitten in die Tiefe.
Ep 1473Silvesterbilanz
Alle Jahre wieder knallt es an Silvester, und das nicht nur im wörtlichen Sinne. Gewaltausbrüche, Verletzungen, Krankenhauseinlieferungen – auch die Bilanz des Jahreswechsels 1923/24 in Berlin konnte davon eine stattliche Zahl vorweisen. Und dennoch resümiert die Vossische Zeitung vom 2. Januar des neuen Jahres ein im Vergleich mit den Vorjahren relativ friedliches Silvesterfest. Und nicht nur dies: Nach den vielen Krisen der jüngeren Vergangenheit registrierte sie eine deutlich freudvollere Stimmung, in der man das neue Jahr begrüßte. Berlin, erfahren wir von Frank Riede, hatte seinen Optimismus wieder.
Ep 1472Berlin 1923-1924
Wie jedes Mal zum Neujahr bilanzierten auch 1923 die Zeitungen das vergangene Jahr und machten sich Gedanken über die kommenden 12 Monate. In der Deutschen Allgemeinen Zeitung vom 1. Januar 1924 fiel diese Aufgabe dem Journalisten Bruno Huettchen zu – allerdings nicht im Hinblick auf Deutschland, oder gar Europa: Er verfasste die Jahresbilanz für Berlin. Natürlich kam er dabei auch nicht ohne Bezug auf die gesamtwirtschaftliche Lage aus, aber auch nicht ohne den aus heutiger Sicht zeitlosen Hinweis auf die notorische Unterfinanzierung der Kommunen. Da Paula Rosa Leu nach wie vor aus familiären Gründen nicht einlesen kann übernimmt an dieser Stelle Frank Riede. Wir wünschen Euch allen ein schönes Jahr 2024!
Ep 1471Silvester bei Goethe
Nach nunmehr tatsächlich vier vollen Jahren Auf den Tag genau können wir auf einiger empirischer Basis resümieren: Kaum etwas vermochte uns während dieser Laufzeit so regelmäßig zu überraschen wie alte Festtagsartikel; denn wer glaubt, unsere Feiertagstraditionen folgten einem jahrhundertealten unveränderlichen Plan, der irrt gewaltig! Dass der historische Rückblick auf frühere Festlichkeiten lohnt, wussten indes auch schon die Kollegen Zeitungsmacher vor einhundert Jahren und blickten am 31. Dezember 1923 in der Berliner Volks-Zeitung ihrerseits gut einhundert Jahre zurück und machten sich und ihrem Publikum ein Bild davon, wie Johann Wolfgang von Goethe dereinst im Salon von Johanna Schopenhauer dereinst in Weimar die Jahreswechsel zelebriert haben mochte. Frank Riede und das gesamte Team von Auf den Tag genau wünschen Euch einen guten Rutsch!
Ep 1470Ski-Weihnachten auf dem Brocken
Der 1891 in Berlin gebürtige Publizist Cheskel Zwi Klötzel hatte eine bewegte Vita. Nach Thoraschule, kaufmännischer Lehre, Lehrerausbildung und dreijährigem Fronteinsatz im Ersten Weltkrieg führte ihn eine erste Anstellung als Deutschlehrer an eine jüdische Mädchenschule ins griechische Saloniki, bevor er, zurück in Berlin, begann, regelmäßig für die großen Tageszeitungen, aber auch für die Jüdische Rundschau, die Jugendzeitschrift Bar Kochba und mehrere populäre Kinderbücher zu schreiben. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 emigrierte er nach Palästina, wo er sich weiterhin publizistisch betätigte und von wo er u.a. für englischsprachige Zeitungen, wie auch für die deutsche Exilpresse als Korrespondent berichtete. Mitglied der zionistischen Organisation Hagana, erlebte er 1948 die Gründung des Staates Israel und starb 1951 in Jerusalem. All dies war in keiner Weise absehbar, als er 1923 Weihnachten im tief verschneiten deutschen Harz verbrachte, von denen er am 30. Dezember in der Berliner Volks-Zeitung lebhaft Zeugnis gibt. In Vertretung der nach wie vor aus familiären Gründen verhinderten Paula Rosa Leu ist Frank Riede für uns zum Brocken gereist.
Ep 1469Aus dem Leben des Silvester-Karpfens
Der Karpfen – wegen seiner vielen Gräten und des mitunter schlammigen Geschmacks ist er als Speisefisch hierzulande ein wenig aus der Mode gekommen. Dabei kann er auf eine lange Tradition als Festtagsmahl zurückblicken. Je nach Region gehörte er bald zu Weihnachten, zu Aschermittwoch oder, wie uns der Berliner Lokal-Anzeiger vom 29. Dezember 1923 eindrucksvoll vor Augen führt, zu einem standesgemäßen Silvestermenü. Über die Zubereitung und Darreichung verrät der Artikel relativ wenig, umso mehr dafür von der Karpfenzucht in Schlesien, dem aufwendigen Transport in die Hauptstadt Berlin und dem Weg vom Bottich des Fischhändlers in die Badewanne des Endverbrauchers. Und auch das mitunter brutale Ende des Karpfens wird uns Frank Riede nicht vorenthalten.
Ep 1468Christmas in London
Die von der Berliner Morgenpost als Korrespondentin in London beschäftigte Dora Edwards konnte sich offensichtlich, fern der Inflations- und sanktionsbedingten Krisen Deutschlands, die die Ausgabe 150 Milliarden Mark kosten ließen, einen gutbürgerlichen Lebenswandel leisten. Und so geht es in ihrem Bericht über Weihnachten in England vom 28.12. 1923 um den Speiseplan des Haushaltes, den Edward mit ihrer englischen Köchin aushandelte – aber natürlich auch über das schon vor 100 Jahren allgegenwärtige Vorurteil, dass das Kochen feiner Speisen und England nicht wirklich zusammengehen. Frank Riede, der Paula Rosa Leu, die aus familiären Gründen verhindert ist, vertritt, testet für uns nicht nur Yorkshire-Pudding und co., sondern erörtert auch die Fallstricke des Weihnachtsgeschenkkonsums.
Ep 1467Die Krolloper: Eine Vorbesichtigung
Das Etablissement Kroll am Berliner Königsplatz mitten im heutigen Regierungsviertel war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine beliebte Vergnügungsstätte mehr oder weniger betuchter Kreise. Seit seinen Anfängen gab es hier daneben immer wieder auch einen Opern- und Operettenbetrieb, der, vor allem als Ausweichspielstätte anderer Bühnen, bereits in der Kaiserzeit zunehmend zum Kerngeschäft avancierte. Konsequent zum Opernhaus umgebaut wurde die Krolloper aber erst nach dem Ersten Weltkrieg, als der Kulturverein „Volksbühne“ das Haus pachtete und renommierte Architekten um Stadtbaurat Ludwig Hoffmann und Oskar Kaufmann den Umbau zu einer ‘Volksoper‘ mit stattlichen 2500 Plätzen zum Jahresbeginn 1924 vollzogen. Dass hier vor allem Ende der 1920er Jahre unter der Ägide von Otto Klemperer Musiktheatergeschichte mit etlichen Referenzinszenierungen geschrieben werden sollte, konnte der Musikpublizist Oscar Bie bei seiner Vorbesichtigung für den Berliner Börsen-Courier vom 27. Dezember 1923 genauso wenig wissen, wie irgendjemand damals ahnen mochte, dass die Krolloper keine zehn Jahre später zum Schauplatz größten politischen Unheils werden sollte, als hier das folgenschwere Ermächtigungsgesetz vom 24. März 1933 beschlossen wurde. Bies Begehung hat sich für uns Frank Riede angeschlossen.
Ep 1466Thomas Mann: Europäische Schicksalsgemeinschaft
Unter dem Titel „Das geistige Ausland und das geistige Deutschland“ versammelte das Berliner Tageblatt die Antworten europäischer Literat*innen zum Thema einer „Europäischen Schicksalsgemeinschaft“, die sie bei ihnen angefragt hatte. Im Zentrum dieser Kampagne stand die Äußerung zu dem Thema von Thomas Mann, die für uns heute Frank Riede vorträgt. Unter anderem setzten Romain Rolland, G.B. Shaw, Knut Hamsun, Edvard Munch, Hugo von Hofmannsthal und Selma Lagerlöf ihre Unterschrift unter den Text, verbunden mit verschieden langen Anmerkungen und Kommentaren. Obgleich der Artikel pro-europäisch ist, so irritiert er zugleich durch ein heute befremdliches Pathos und scheint eher im Ersten Weltkrieg als in der Nachkriegszeit verwurzelt zu sein. Die ganze Seite, die das Berliner Tageblatt dieser Aktion widmete, stammt aus der Ausgabe vom 25. Dezember, die beide Feiertage abdeckte, so dass wir ihn heute, am Zweiten Weihnachtsfeiertag bringen, zu dem wir alles Beste wünschen.
Ep 1465Manfred Georg: Ein Weihnachtsspuk
Die Kombination aus Weihnachten und einer Spukgeschichte war spätestens seit Charles Dickens „A Cristmas Carol“ ein etabliertes Genre. Der Autor Manfred Georg tischt uns zusammen mit der Berliner Volks-Zeitung vom 25. Dezember 1923 eine solche Erzählung auf. Sie beginnt mit einer ganz realistischen Beobachtung einer Café-Gesellschaft, die aus einsamen Einzelgänger*innen besteht, welche das Weihnachtsfest eben nicht am heimischen Weihnachtsbaum feiern. Was sich an Zauber in diesem melancholischen Raum vollzieht, ist dennoch nicht vor dem Zugriff der Ordnungsmacht gefeit. Aus der zum stabilen “Märchenpreis” von 150 Milliarden Mark, bzw. 15 Goldpfennig zu erwerbenden Zeitung liest für uns Paula Rosa Leu. Und wir alle wünschen einen schönen 1. Weichnachtsfeiertag.
Ep 1464Der Weihnachtswunsch des Reichskanzlers
Das Medium der Stunde war vor einhundert Jahren: das Radio. Wie wir mehrfach hier im Podcast berichteten, begann im Jahr 1923 der erste reguläre Rundfunkbetrieb in Deutschland, und dieser wartete naturgemäß auch über die Weihnachtstage mit Premieren auf. Zum ersten Mal wurde am 25. Dezember etwa die Weihnachtsansprache eines Reichskanzlers im Radio übertragen. Der erst seit wenigen Wochen amtierende Wilhelm Marx von der Zentrumspartei konnte sich direkt an die Bevölkerung wenden und seine Sicht auf die Lage nach einem äußerst turbulenten Jahr erläutern. Und das alte Leitmedium Zeitung? Das durfte in dieser Frage fürs Erste zumindest noch einmal das zeitliche ‘Prä‘ für sich reklamieren. Bereits am 24. Dezember erfuhr zumindest das Publikum des 8-Uhr-Abendblattes, wie der Weihnachtswunsch des Kanzlers aussah. Der große Wunsch, die Inflation in den Griff zu bekommen, hatte sich in den vorangegangenen Wochen ja bereits zunehmend erfüllt, ein 8-Uhr-Abendblatt kostete dennoch auch am Heiligen Abend nominell immer noch 150 Milliarden Mark. Es liest Frank Riede.
Ep 1463Wie orientieren sich Blinde in der Stadt?
Wie nehmen blinde Menschen ihre Umgebung wahr, wie orientieren sie sich im städtischen Raum, wie schätzen sie die Menschen, denen sie begegnen, ein? Der Journalist Christian Bouchholtz machte sich im Dezember 1923 auf den Weg zum Blindenheim des Diakons Menke in der Seestraße, um auf diese Fragen Antworten zu finden. Publiziert wurde sein daraus hervorgegangener Artikel in zwei Teilen am 22. und 23. Dezember in der BZ am Mittag. Paula Rosa Leu liest für uns nun den zweiten Teil, was erklärt, dass der Text etwas abrupt einsetzt mit der Widergabe seines Gesprächs mit einem Blinden aus besagtem Heim, der sehr detailliert Auskunft über seinen beeindruckenden Lebensalltag und die nicht minder beeindruckende Lebensgeschichte gibt.
Ep 1462Hinter dem Schalter sitzt der Feind
Die Menschen des Jahres 1923 hatten ein Jahr der Hyperinflation hinter sich und waren es gewohnt, bei jeder Gelegenheit Schlange zu stehen: auf Behörden, beim Einkaufen – und wohl auch am Ticketschalter der Bahn. Eine solche Routine ist aber keineswegs ein Grund, sich nicht darüber aufzuregen. So finden wir im 12-Uhr-Blatt vom 22. Dezember einen teilweise szenisch aufbereiteten Leidensbericht von dem Versuch, eine Schlafwagenkarte zu erlangen. Für 15 Goldpfennige konnte jeder Leser, jede Leserin die persönlichen Erfahrungen mit diesem Kampf gegen eine Dame hinter dem Schalter der Bahn abgleichen. Für uns verarbeitet Frank Riede den Text.
Ep 1461Rugby goes Germany?
Rugby ist in Deutschland bis heute nie recht heimisch geworden. Zwar gibt es einen Ligabetrieb und natürlich auch eine Nationalmannschaft, die öffentliche Aufmerksamkeit dafür tendieren jedoch eher gegen Null. Dabei, erfahren wir aus dem 12-Uhr-Blatt vom 21. Dezember 1923, hat das Rugby-Spiel seinen Weg nach Deutschland sogar vor dem Fußball angetreten. Beziehungsweise, um das Argument des Artikels genauer zusammenzufassen: Das Fußballspiel ist zunächst als Rugby-Spiel hierzulande importiert worden. Dass beide Spiele auf das Engste auch historisch miteinander verbunden sind, rekapituliert für uns Paula Rosa Leu.
Ep 1460Weihnachtszeit in China
Heute verschmelzen zwei Genres, die regelmäßig ohne gegenseitige Berührungspunkte in unserem Podcast vorkommen. Der Artikel, der sich mit Weihnachtsbräuchen beschäftigt, und der Bericht aus fernen asiatischen Ländern. Der in Berlin lebende chinesische Gelehrte Ingwen Liang schrieb für den Berliner Lokal-Anzeiger vom 20. Dezember 1923 über die „Weihnachtszeit in China“. Für regelrecht günstige 100 Milliarden Mark konnten die Leser*innen so erfahren, was sich zeitgleich zu den christlich-europäischen Feiertagen in China abspielte. Bevor Frank Riede den Artikel verliest, weisen wir darauf hin, dass am 27. Dezember im Deutschlandfunk Kultur im Rahmen des Magazins „Zeitfragen“ ein Feature von Frank Riede und Robert Sollich über das erste chinesische Restaurant in Berlin ausgestrahlt wird, in dem vielleicht auch der Autor des folgenden Artikels verkehrte.
Ep 1459Der Weihnachtsbaum, eine deutsche Erfindung
In Zeiten wie den unseren, die eine gewisse Neigung zum Kulturkampf haben, geraten gerne einmal auch eher gemütliche Gestalten wie zum Beispiel Weihnachtsbäume zwischen die Fronten. Eine einzelne Hamburger Kita beschließt, einen solchen in diesem Jahr nicht aufzustellen, und begründet dies mit religiöser Neutralität, und schon beschwören etliche Zeitungen und Magazine und ein einzelner deutscher Ministerpräsident den Untergang des Abendlandes. Grund genug, uns des guten Stücks Weihnachtsfolklore einmal sachlicher anzunehmen, dessen Traditionen zu ergründen und – wenig überraschend – herauszufinden, dass es sich bei der guten Tanne natürlich um alles andere als ein christliches Ursymbol handelt. Mit von der Partie bei dieser interessanterweise in Italien startenden Recherche sind das Berliner Tageblatt vom 19. Dezember 1923, dessen Preis mittlerweile bei 250 Milliarden Mark alias 25 Goldpfennigen eingefroren war – und Paula Rosa Leu.
Ep 1458Der Rasewahn auf den Straßen
Tja, als Fußgänger ist man im Großstadtverkehr ein Wesen, das besonderen Schutz vor den Automobilen und Fahrrädern, ganz zu schweigen vor Elon Musks neuen Hyper-SUVs, verdient. Da wird schnell der Ruf nach der Ordnungsmacht laut – so auch vor 100 Jahren, als der Verkehr durch weniger Regeln, Markierungen und Ampeln geregelt war. Dies gekoppelt mit dem “Rasewahn” der mechanisierten und motorisierten Verkehrsteilnehmer, den die Deutsche Allgemeine Zeitung am 18. Dezember 1923 konstatierte, erforderte ein „ernstes Wort an die Polizei“. Dieses richtet, aus der Abendausgabe, die für 15 Goldpfennige oder 150 Milliarden Mark zu erwerben war, lesend, Paula Rosa Leu nun an Euch.