
Auf den Tag genau
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Ep 1457Trude Hesterberg als Señora auf der Operettenbühne
Die Operette Señora aus der Feder des Komponisten Hugo Hirsch ist heute kaum mehr auch nur dem Namen nach bekannt. Wie so viele andere während der Nazi-Zeit verfemte Künstler, konnte auch der in den Zwanzigern für seine Ohrwürmer berühmte Hirsch nach der Rückkehr aus dem Exil nicht mehr an die Erfolge von einst anknüpfen und starb 1961 wenige Tage nach dem Mauerbau in West-Berlin bereits weitgehend vergessen. Den Namen von Trude Hesterberg kennt man schon eher noch. Während der Weimarer Jahre war sie eine der führenden Chansonnieren, Soubretten und Kabarettistinnen der Republik. Obwohl jüdischer Herkunft, durfte sie aufgrund ihrer großen Popularität und einer Sondergenehmigung von Joseph Goebbels auch nach 1933 weiter auftreten und wurde später eine gefragte Schauspielerin im deutschen Nachkriegskino. Wie sie sich 1923 in der Uraufführung der Señora am Deutschen Künstlertheater an der Budapester Straße in der Titelrolle geschlagen hatte, konnte man am 17. Dezember für 25 Goldpfennig in der Berliner Börsen-Zeitung nachlesen – oder man fragt Frank Riede.
Ep 1456Es wird wieder gekauft
In den letzten Monaten konnten wir die wachsende Armut rund um die Hyperinflation des Jahres 1923 verfolgen. Kein Tag, an dem sich nicht zahlreiche Artikel der Hauptstadtzeitungen mit steigenden Lebensmittelpreisen, verpuffenden finanzpolitischen Interventionen und Einblicken in bitterste Armut beschäftigten. In der Vorweihnachtszeit aber sorgte die Rentenmark für die langersehnte Stabilität der Währung, was wir ganz anschaulich mit den nicht mehr steigenden Preisen der Zeitungen belegen können. In der Regel wird der Preis nun neben Mark auch in Goldpfennig angegeben. So etwa bei der heutige Ausgabe des Berliner Tageblatts vom 16. Dezember: 25 Goldpfennig = 250 Milliarden Mark. Und in ihr finden wir, nach langer Zeit, einen hoffnungsvollen Bericht über das wieder steigenden Kaufverhalten im Einzelhandel – rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft. Paula Rosa Leu beschreibt für uns die Eindrücke vom Shopping vor 100 Jahren.
Ep 1455Politische Gefangene
Der Schriftsteller, Journalist und Politiker Felix Fechenbach wurde 1922 in München wegen angeblichem Volksverrat in einem politisch motivierten Verfahren zu 11 Jahren Zuchthaus verurteilt. Sein Schicksal ist eines von vier Beispielen, die die Berliner Volks-Zeitung vom 15. Dezember aus der ganzen Welt zusammenträgt, unter dem Untertitel: Die Weltschmach der „politischen Gefangenen“. Ein klarer Appell an die demokratischen Republiken der Welt, eine wirklich unabhängige und nicht politisch agierende Judikative durchzusetzen. In der Aussage eines von der Zeitung zitierten Gefangenen findet sich eine pauschalisierende und abschätzige Bemerkung gegenüber Marokkaner*innen. Felix Fechenbach wurde aufgrund von anhaltenden Protesten im Jahre 1924 begnadigt, engagierte sich weiterhin politisch für die SPD und gegen den Aufstieg der NSDAP. Er wurde am 11. März 1933 verhaftet und wenige Monate später auf dem Weg ins KZ Dachau brutal ermordet. Frank Riede schaut für uns auf die „politischen Gefangenen“ in Amerika, Irland, im von Frankreich besetzten Gebiet und in Bayern.
Ep 1454Alfred Polgar über Karl Valentin
Großstadtfeuilleton ist, wenn eine Wiener Legende und ein Münchener Original in einer Berliner Tageszeitung aufeinander treffen. So geschehen wahrscheinlich öfter in den 1920er Jahren, aber konkret sei heute hier die Rede von Alfred Polgar, der im Berliner Tageblatt vom 14. Dezember 1923 der spezifischen Komik des großen Karl Valentin auf den Grund zu gehen versucht. „Er ist ein Phänomen und spottet der Analyse“, schließt sein Text voll Bewunderung und Bescheidenheit. In den vorangegangenen zwei kleinen Spalten kommt der Literat Polgar dem Phänomen Valentin aber vermutlich näher als die meisten anderen Exegeten. Kostenpunkt der veröffentlichenden Abendausgabe übrigens: 100 Milliarden Mark. Oder wie man neuerdings rechnete: 10 Goldpfennig. Unser Mann bei diesem Gipfeltreffen ist Frank Riede.
Ep 1453Ohne Pass von Berlin nach Syrien
Der 16jährige Kurt H. aus Berlin „hatte Stress“ mit seiner Mutter und machte sich kurzerhand auf den Weg in den Nahen Osten. Anstatt sich über zig Landesgrenzen hinweg über Land durchzuschlagen, schlich er sich als blinder Passagier auf einen Dampfer. So beschreibt der Bericht aus dem 12-Uhr-Abendblatt vom 13. Dezember seine Reise von Berlin nach Syrien. Da die Zeitungsausgabe weiterhin für „nur“ 100 Milliarden zu kaufen war, verzeichnen wir an dieser Stelle keine weitere Inflation. Paula Rosa Leu stellt uns diesen kuriosen „Ausflug“ vor.
Ep 1452Marie-Elisabeth Lüders gegen den Antisemitismus
Marie-Elisabeth Lüders, in der Weimarer Republik mehrmals Reichstagsabgeordnete für die DDP und zwischen 1953 und 61 Bundestagsmitglied für die FDP, war eine sehr couragierte Frau. Trotz mehrmonatiger Gestapo-Haft blieb sie auch nach ihrer Freilassung 1937 ganz bewusst in Deutschland und engagierte sich unter anderem bei den Quäkern für verfolgte Juden, von denen sie einige zwischenzeitlich auch bei sich zu Hause aufnahm. Die Gefahren des Antisemitismus hatte sie bereits viel früher erkannt und vor seinen Folgen gewarnt. Ihr diesbezüglicher Beitrag über die Feigheit und Dummheit der Judenhetze aus dem Berliner Tageblatt vom 12. Dezember 1923 ist von großer Klarheit und, wie wir heute wissen, leider auch Weitsicht. Gelesen wird er für uns aus historischem, aber leider auch aktuellem Anlass von Paula Rosa Leu.
Ep 1451Saloniki, griechische Hamburg
Ganz treue Hörerinnen und Hörer von Auf den Tage genau werden sich vielleicht erinnern, dass wir in unserer Anfangszeit, vor bald vier Jahren schon einmal mit dem Zug nach Saloniki gereist sind. Unser heutiger Text aus der Vossischen Zeitung vom 11. Dezember 1923 setzt gleich dort ein und beschreibt eine pulsierende Hafenstadt, die beim Autor, bei allen klimatischen Unterschieden und balkanischen Gebräuchen und Gewohnheiten, durchaus heimatliche Erinnerungen wachzurufen vermag: Nicht nur bei Tage gehe es hier auf den Kais geschäftig zu wie an den Hamburger Landungsbrücken, auch im Nachtleben erkennt er vielerlei Parallelen zu dem auf Sankt Pauli. Dass es in dem Reisebericht auch viel um Geld und Umtauschkurse geht, vermag in einer Zeit, da die Zeitung daheim in Berlin immer noch 200 Milliarden Mark kostete, nicht zu überraschen. Für uns am Thermaischen Golf umgesehen hat sich Frank Riede.
Ep 1450Die Vorgeschichte des Münchener Putsches
Die bekanntlich sehr milden strafrechtlichen Konsequenzen für die Beteiligten des Hitler-Ludendorff-Putsches wurden in einem Prozess ab dem 26. Februar 1924 festgelegt. Das juristische Vorspiel zu diesem Prozess begann allerdings unmittelbar nach dem Putsch. Die Staatsanwaltschaft sprach mit den Rechtsbeiständen der Festgesetzten und bereitete den Prozess vor. Ein Ziel der Untersuchungen war es, Licht in die Vorgeschichte des Putsches zu bringen. Gerade die Frage, wie sehr Hitler v. Kahr und Lossow gezwungen hatte mitzumachen, bzw. inwieweit diese im Vorfeld dem Putsch zugestimmt hatten, stand im Vordergrund. Das Berliner Tageblatt druckte am 10. Dezember 1923 die Ausführungen von Hitlers Anwalt, Lorenz Roder, ab, zusammen mit den Kommentaren des Generalstaatskommissariats. Egal was genau abgesprochen war zwischen v. Kahr, Lossow, Ludendorff und Hitler, ganz deutlich ist, dass alle ganz offen einen politischen Umsturz planten, lediglich in den Mitteln und im Timing gab es zwischen ihnen Differenzen. Für uns begibt sich Frank Riede in das juristische Klein-Klein von Aussage gegen Aussage.
Ep 1449Der Aschenputtel-Film
Zu jedem Weihnachts-Fernsehprogramm gehört nun schon seit Jahrzehnten der tschechische Film „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“, der eher aufgrund von unvorhergesehenen Verzögerungen in der Produktion die Märchenhandlung kurzerhand in eine Schneelandschaft verlegt hat und so eine einzigartige Stimmung vermittelt. Vor 100 Jahren hat ebenfalls ein Aschenputtel-Film für Begeisterung gesorgt, lange bevor Disney sich des Stoffes bemächtigt hat. Der Regisseur Ludwig Berger hatte, vom Theater kommend, mit dem Film „Ein Glas Wasser“ eine eigene filmische Handschrift entwickelt, welche die Propagator:innen der Filmkunst aufhorchen ließ. Mit dem Märchenfilm, der unter dem Titel „Der verlorene Schuh“ am 5.12. 1923 Premiere feierte, soll er, wollen wir der Kritik aus der Vossischen vom 9. Dezember glauben, die filmischen Mittel gefunden haben, die aus einem Film ein wahres Filmmärchen machen. Der sich abzeichnende Erfolg der Finanzreformen, der Einführung der Rentenmark lässt sich auch am Preis der Zeitungen erkennen. Seit Tagen verzeichnen wir keine riesigen Steigerungen mehr. Die Vossische kostete wie schon fünf Tage zuvor erneut 200 Milliarden Mark. Paula Rosa Leu macht uns mit diesem Weihnachtsfilm bekannt.
Ep 1448Das Vereinigte Königreich hat gewählt
Die Wahlen zum britischen Unterhaus vom 6. Dezember 1923 bedeuteten für das Vereinigte Königreich eine politische Zäsur: Zum ersten Mal quasi seit den Anfängen des modernen britischen Parlamentarismus ging aus ihnen weder ein Liberaler, noch ein Konservativer als Premierminister hervor, sondern zum ersten Mal überhaupt in der Geschichte sollte mit dem Schotten Ramsay MacDonald ein Vertreter der Labour Party in dieses Amt rücken. Obwohl nach wie vor nur die zweitstärkste Fraktion im Parlament, konnte Labour ein Minderheitenkabinett bilden, das von den Liberalen toleriert wurde und u.a. den Ausgleich mit Deutschland anstrebte. Unmittelbar nach dem Wahlabend war diese Entwicklung indes noch nicht absehbar, zumindest nicht für die Berliner Volks-Zeitung. Wer für eine solche am 8. Dezember 150 Milliarden Mark auf den Tisch legte, erwarb damit Zugang zu einem Bericht, der die komplizierten Verhältnisse in Westminster penibel analysierte, sich die Konsequenz einer Links-Regierung mit einem Arbeiterkind an der Spitze aber noch nicht vorstellen konnte. Frank Riede beteiligt sich für uns an den Spekulationen.
Ep 1447Der revolutionäre Smoking
Nach bald vier Jahren Auf den Tag genau lässt sich festhalten: Nur wenigen Zeitungsgenres merkt man die Distanz eines Jahrhunderts so stark an wie den Modeartikeln. Die Kleidungsetikette der 1920er Jahre unterschied sich radikal von den unseren, wie auch der nachfolgende Artikel aus der B.Z. am Mittag vom 7. Dezember 1923 unzweideutig dokumentiert: Heutzutage nur mehr in wenigen Kleiderschränken überhaupt noch vorhanden und, wenn, seltenen, sehr formellen Anlässen vorbehalten, galt der „Smoking“ vor einhundert Jahren noch als vergleichsweise legeres Kleidungsstück für private Feierlichkeiten, mit dem man, wie wir erfahren, auch sehr gerne experimentierte und mit Änderungen am Detail Distinktion herstellte. Wie Mann solche Extravaganzen in Tagen finanzierte, in denen schon die Tageszeitung 150 Milliarden Mark kostete, verrät der Artikel nicht. Alles Weitere erzählt uns Frank Riede.
Ep 1446Einer der großen Geigenvirtuosen: Fritz Kreisler
Die alte Berliner Philharmonie befand sich zwar an der Bernburger Straße im Bezirk Kreuzberg, aber wenn einer der größten Virtuosen seiner Zeit dort konzertierte, schickte natürlich auch das Friedenauer Tageblatt einen Berichterstatter: Fritz Kreisler hatte mit dem Violinspiel bereits für einige Jahre aufgehört, nachdem ihn die Wiener Philharmoniker bei einem Vorspiel abgelehnt hatten, als er im Alter von schon Mitte zwanzig doch noch eine Solokarriere startete, die ihn zu einem der gefragtesten, wiewohl auch umstrittensten Interpreten seines Instruments auf dem Globus machte. Auch in seiner Wahlheimat Berlin – aus der die Nazis den gebürtige Wiener wegen seiner jüdischen Herkunft später vertreiben sollten – wurde Kreisler gefeiert, wie wir von dem mit den Initialen R.B. zeichnenden Rezensenten erfahren. Mit einem Kaufpreis von 120 Milliarden Mark war eine Stadtteilzeitung wie das Friedenauer Tageblatt übrigens kaum billiger als die großen Flaggschiffe der Hauptstadtpresse. Dass es trotzdem lohnte und lohnt, sie zu lesen, untermauert Paula Rosa Leu.
Ep 1445Skigebiete bei Berlin
Um zu wissen, dass die Winter in unseren Breiten noch vor nicht allzu langer Zeit im Durchschnitt deutlich länger, härter und schneereicher ausfielen als heutzutage, reicht es schon, so alt wie die Mitglieder der Auf den Tag genau-Redaktion zu sein, die sich noch gut an lange Kindertage auf zugefrorenen Seen und üppig weißen Rodelpisten erinnern können. Blicke in die Zeitungen von vor einhundert Jahren bestätigen diesen Befund erst recht. Die monatelange Eiseskälte schlägt einem dort nicht nur im Zusammenhang von Energieknappheit, Heiznotstand und sonstigen sozialen Themen bald über ein Drittel des Jahres thematisch geballt entgegen. Zahlreiche Artikel künden Jahr für Jahr umgekehrt auch von den wintersportlichen Freuden, die die kalte Jahreszeit ermöglicht und weite Teile des Berliner Umlandes, wie wir aus der 200 Milliarden Mark schweren Vossischen Zeitung vom 5. Dezember 1923 erfahren, seinerzeit in veritable Skigebiete verwandelte. Paula Rosa Leu hat sich für uns auf die Bretter gestellt.
Ep 1444Liebesfalle Romanisches Café
Das Romanische Café an der Stelle des heutigen Europa-Centers zählte in den 1920er Jahren zu den legendären Berliner Künstler-Lokalen und Bohème-Treffpunkten. In unserer heutigen Podcast-Folge ist es indes Schauplatz einer schnöden Intrige zwischen Eheleuten, die in Moabit vor Gericht endet. Während sich der – mutmaßlich männliche – Autor der kleinen Glosse dabei über die vorgebliche Unmoral der modernen Frauenwelt empört, wirkt aus heutiger Perspektive eher die Doppelmoral und das sich in diesem Urteil transportierende misogyne Weltbild empörend. Bei Hugo von Hofmannsthal und Richard Strauss im Rosenkavalier übrigens erfährt eine ähnliche Geschichte eine ganz andere Bewertung. Aber diese spielt ja auch in Wien und nicht in Berlin, wo man, um von ihr zu lesen und sich zu empören (oder auch nicht), für ein 8-Uhr-Abendblatt am 4. Dezember 1923 weiterhin 150 Milliarden Mark hinlegen musste. Oder man ging in ein Zeitungscafé, wie das Romanische, und las die Zeitung dort. Für uns hat dies Frank Riede getan.
Ep 1443Das Erwachen Berlins
Das pulsierende und beschleunigte Leben in einer Metropole des 20. Jahrhunderts faszinierte zahlreiche Künstler:innen und reizte sie, diesen Rhythmus der Großstadt künstlerisch, filmisch, sprachlich einzufangen. Gar nicht selten ging der Blick aber an den Rand des quirligen und unübersichtlichen Betriebes, an den frühen Morgen, wenn das Nachtleben verstummt war und der Arbeitsalltag noch nicht begonnen hatte, um dem Erwachen der Großstadt beizuwohnen. Im Vorwärts vom 3. Dezember 1923 finden wir einen journalistischen Text, dessen Autor Karl Suckert mit einem Nachtzug in das noch größtenteils schlafende Berlin einfuhr. Aus der - für den im Dezember 1923 vergleichsweise günstigen Preis von 70 Milliarden Mark zu erwerbenden - Ausgabe liest für uns Paula Rosa Leu.
Ep 1442Mit einer Rakete zu den Planeten
Der Flug zu den Planeten mittels einer Rakete war in der Literatur schon angekommen, lange bevor irgendein Land ein Raumfahrtprogramm aufgesetzt hatte. Auch der Film hat einen solchen Flug bereits mehrfach dargestellt: ganz prominent Georges Méliès und seine “La voyage dans la lune” von 1902. Im Jahre 1929 drehte Fritz Lang den Klassiker “Frau im Mond”, der die meiste Zeit in der Rakete und auf dem Mond spielt. Dabei wurde Lang vom Pionier der Raumfahrttechnik Hermann Oberth beraten. Also: Wo befanden sich 1923 technisch die Ingenieure und Naturwissenschaftler auf dem Weg zur bemannten Raumfahrt? Die Antwort gibt die Deutsche Allgemeine Zeitung vom 2. Dezember, die vor allem im Rückgriff auf das Werk “Die Rakete zu den Planetenräumen” des bereits erwähnten Oberth künftige Möglichkeiten für Raketenflüge auslotet – und dies zu den astronomisch hohen Kosten von 250 Milliarden für die Ausgabe preisgibt. Uns informiert Frank Riede wie sich Oberth die Weltraumflüge vorstellte, nach dem heute der Oberth-Effekt für treibsstoffsparende Flugmanöver benannt ist.
Ep 1441Vor dem Empfänger: Die BBC
Seit Ende Oktober 1923 der erste Unterhaltungsrundfunk Deutschlands aus dem Berliner Vox-Haus seinen Betrieb aufnahm, finden sich nun regelmäßig und gehäuft Artikel zum Radio in den Zeitungen, die zunächst auch damit konfrontiert sind, dass es noch keine professionelle Radio-Kritik gibt. Als eine der ersten reagierte die BZ am Mittag und richtete eine neue Zeitungsseite „Radio – BZ“ ein. In ihrer Ausgabe vom 1. Dezember, die für 100 Milliarden zu erwerben war, sehen wir, dass die Aufmerksamkeit für das neue „Massen“-Medium schnell zu der Feststellung führte, wie sehr die Nachbarn, konkret England, Deutschland auf dem Gebiet voraus waren. Die BBC hatte bereits ein Jahr zuvor ihre regelmäßigen Übertragungen begonnen und sendete weit mehr als nur eine Stunde täglich. Paula Rosa Leu schlägt die BZ am Mittag auf und hört sich für uns durch die englischen Programme.
Ep 1440Das Kabinett Wilhelm Marx
Es war mal wieder soweit: Die Regierung Stresemann war Ende November 1923 wegen einer abweichenden Haltung der SPD zu den zurückliegenden Vorgängen in Sachsen und Bayern am Ende, und die Republik suchte bereits zum zehnten Mal in nur fünf Jahren nach einer neuen Regierung. Nachdem verschiedene Kandidaten bei deren Bildung gescheitert waren, gelang es schließlich dem Zentrums-Vorsitzenden Wilhelm Marx ein Minderheitenkabinett zu schmieden, welches aus Mitgliedern seiner Partei, der Deutschen Volkspartei Stresemanns, der Bayerischen Volkspartei sowie der Deutschen Demokratischen Partei bestand. Für Letztere saß seinerzeit u.a. Hermann Pachnicke im Reichstag, der die großen Herausforderungen, vor denen die neue Reichsregierung stand, im 8-Uhr-Abendblatt vom 30. November prägnant skizzierte. Der Preis, den diese Zeitung hatte, versinnbildlicht den Ernst der Lage: 120 Milliarden Mark. Das Wort hat Frank Riede.
Ep 1439Kirchner und Pechstein bei Cassirer
Wer am 29. November 1923 eine Abendausgabe des Berliner Tageblatts erwerben wollte, musste dafür auch weiterhin 100 Milliarden Mark berappen. Wieviel eines der Gemälde von Ernst-Ludwig Kirchner oder von Max Pechstein, die damals in der renommierten Galerie Cassirer zum Verkauf standen, kostete und welche Währung hier überhaupt akzeptiert worden wäre, verrät der Artikel über diese Schau im Inneren der Zeitung nicht. Rezensent Fritz Stahl beschränkt sich in seiner Betrachtung auf die ästhetischen Aspekte der Exponate und findet dabei zu den für ihn typischen klaren, aber doch differenzierten Urteilen. Die Rückkehr der Künstler zur ‘Landschaft‘ bewertet er auf alle Fälle positiv, verrät seinem zeitgenössischen Publikum wie uns Nachgeborenen indes leider nicht, welche Bilder damals konkret zu sehen waren. Alle Pinselstriche seiner ergo eher ins Grundsätzliche zielenden Argumentation vermittelt uns: Frank Riede.
Ep 1438Die Schule steuert in die Katastrophe
Bei keinem Thema herrscht parteiübergreifend solch eine Einigkeit wie beim Thema Bildung. Es sei Deutschlands wichtigste Investition in die Zukunft und der Schlüssel zum Wohlstand. Interessanterweise ist es auch der Bereich, der sich konstant im Krisenmodus befindet und in dem ein enormer Handlungsbedarf herrscht. Angesicht von Lehrermangel, maroder Infrastruktur und schleppender Digitalisierung kommt einem die Klage darüber, dass das Schulsystem auf eine Katastrophe zusteuert, die wir in der Berliner Volkszeitung vom 28. November 1923 finden, irgendwie bekannt vor. Auf einer ganzen Seite werden dort unter der Überschrift „Die Schule stürzt“ mehrere alarmierende Artikel versammelt, von denen wir nun den Beitrag des „Junglehrers“ Adolf Koch hören. Die BVZ musste an dem Tag für 120 Milliarden Mark gekauft werden. Es liest Frank Riede.
Ep 1437Auf der mondänen Calle Florida in Buenos Aires
Argentinien zählte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu den reichsten Ländern der Erde, und dieser Reichtum spiegelte sich auch in den Prachtstraßen seiner Hauptstadt. Zu diesen zählte wie heute auch schon vor einhundert Jahren die Calle Florida, in der der Korrespondent des Berliner Lokal-Anzeigers einen abendlichen Bummel machte, dessen Eindrücke man dort am 27. November 1923 für 150 Milliarden Mark mit ihm teilen konnte. Wer sich das noch leisten konnte, erfuhr, dass es Kriegsgewinnler auch am anderen Ende des Globus gab; nur die Art der Zurschaustellung des neuen Reichtums unterschied sich anscheinend in Nuancen. Der Autor schaut sehr genau hin, entwickelt ein interessantes Sittengemälde des damaligen Buenos Aires – und tappt doch in sehr viele Klischeefallen. Paula Rosa Leu hat sich für uns umgesehen.
Ep 1436Im Abwehrkampf gegen die antisemitische Hetze
Es ist nicht immer behaglich, dieser Tage in die Zeitungen von vor einhundert Jahren zu schauen. Manches, was man dort liest, ist uns sehr fremd, manches irritierend nahe, wieder anderes beängstigend nahe. Auch vor einhundert Jahren sah man sich mitten in Berlin mit erschreckenden Auswüchsen eines Übels konfrontiert, das man überwunden zu haben gehofft hatte: des Antisemitismus. Von Plünderungen und gewalttätigen Übergriffen insbesondere, aber durchaus nicht nur im Scheunenviertel hatten wir kürzlich mehrfach hier im Podcast berichtet. Heute blicken wir mit der Vossischen Zeitung vom 26. November 1923 auf verschiedene Veranstaltungen, in denen sich das deutsche Judentum gegen die Anfeindungen versuchte argumentativ zur Wehr zu setzen und die deutsche Zivilgesellschaft für die Bedrohung des Gemeinwesens durch die völkische Hetze zu sensibilisieren. Es liest Frank Riede.
Ep 1435Benedetto Croce über die Verstorbenen
Wie geht die Gesellschaft mit dem Tode um? Wie integrieren Menschen die Verstorbenen in ihre Leben? So lässt sich der Fragenkomplex anreißen, zu dem sich der berühmte italienische Philosoph, Historiker und Politiker Benedetto Croce in seinem Buch „Fragmente zur Ethik“ äußert. Anlässlich des Erscheinens der deutschen Übersetzung, druckte die Deutsche Allgemeine Zeitung vom 25. November 1923 einen Ausschnitt über „Die Verstorbenen“ ab. Für uns liest Frank Riede aus der unglaubliche 250 Milliarden teuren Ausgabe.
Ep 1434Nächtliche Bahnhofsrazzia
Wenn es draußen kalt und dunkel ist, wenn der Bahnverkehr in der Nacht nahezu zum Erliegen kommt, dann locken die Wartesäle der Bahnhöfe mit Wärme, Licht, Trockenheit. Die Bahn hatte 1923 offensichtlich einen Sicherheitsdienst, der regelmäßig nächtliche Razzien an den Bahnhöfen durchführte und alle ohne gültigen Fahrschein hinauswarf. Ein Journalist der Berliner Morgenpost fuhr bei einer solchen Razzia mit und veröffentlichte seine Eindrücke in der Ausgabe vom 24. November. Ob die 100 Milliarden für diese Zeitungsausgabe damals für eine Bahnsteigkarte ausreichten, ist uns nicht bekannt. Paula Rosa Leu führt uns nun von Ost nach West durch die Bahnhofswartehallen Berlins.
Ep 1433Eindrücke aus Norwegen
Aberwitzige 200 Milliarden Mark kostete ein Berliner Tageblatt am 23. November 1923 in der Morgenausgabe, aber dafür konnte man mit diesem immerhin noch in Weltgegenden reisen, die für die gemeine Berliner Leserin und den gemeinen Berliner Leser ohne Valuta ansonsten völlig unbezahlbar und unerreichbar geworden waren. Zum Beispiel nach Norwegen, wohin es uns im Podcast in den zurückliegenden vier Jahren bereits zwei Mal gezogen hat. Anlaufpunkt ist auch diesmal wieder die Gegend um die Hauptstadt Oslo, das man damals noch Kristiania nannte, und wie schon vor gut anderthalb Jahren geht es erneut zum legendären Holmenkollen, nur in diesem Fall ohne (die traditionell erst im März abgehaltenen) Skispiele. Vertraut ist auch der Nachname des Autors, Adolf Miethe, denn von dessen Tochter Käthe kamen hier auch schon verschiedentlich Artikel zur Anhörung. Mit den Miethes auf Nordlandfahrt gegangen ist für uns Frank Riede.
Ep 1432Kabinett zwischen Separatismus und Misstrauensvoten
Auch die zweite Novemberhälfte des Jahres 1923 lässt sich als der schnelle Wechsel multipler Krisen beschreiben. Der militärische Belagerungszustand in Sachsen verärgerte die Sozialdemokratie, die, sollte dieser nicht aufgehoben werden, ein Mißtrauensvotum einbringen wollte. Aber auch die Frage des Umgangs mit der Ruhr- und Rheinbesetzung und mit Bayern stellten das Kabinett vor Herausforderungen, für deren Lösungsansätze kein breiterer politischer Konsens existierte. Wie die Lage im Reichstag war berichtete die Vossische Zeitung vom 22. November, die für 100 Milliarden Mark zu kaufen war. Für uns hat sich Paula Rosa Leu ein Exemplar gesichert.
Ep 143125 Jahre Kabelwerk Oberspree
Anders als die Siemensstadt im Nordwesten Berlins führt das am entgegengesetzten Ende gelegene Oberschöneweide die AEG zwar nicht im Ortsteilnamen; die Verbindung mit der 1883 von Emil Rathenau gegründeten und seit 1890 zunehmend vom Gesundbrunnen an die Oberspree expandierenden Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft ist historisch jedoch ähnlich eng. Eines der zentralen Bauprojekte war dabei das bis heute wegen seiner charakteristischen gelben Klinkersteine berühmte Kabelwerk Oberspree, welches, wie der Name schon sagt, auf die Herstellung elektrischer Kabel und Leitungen spezialisiert war. Bis zu 8000 Arbeitskräfte waren auf der Anlage selbst in den wirtschaftlich schwierigen Jahren nach dem Ersten Weltkrieg beschäftigt. Grund genug für die 90 Milliarden Mark teure Berliner Volks-Zeitung vom 21. November 1923 einen Artikel zum 25jährigen Jubiläum zu drucken. Und Grund genug für uns, Frank Riede diesen für uns lesen zu lassen.
Ep 1430Auburtin: Von großen Männern
Im Berliner Tageblatt, dessen Abendausgabe mit dem Preis von 120 Milliarden nun auch die 100 Milliarden-Marke überwunden hatte, widmete sich Victor Auburtin den großen Männern der Geschichte. Welches Bild ihres Alltags wird uns überliefert? Wieviel Schlaf und feine Speisen gönnten sie sich, während sie „Großes“ vollbrachten? Während auch noch heute so mancher Politiker, so manche Politikerin das Bild des Tag und Nacht bei Brot und Wasser für das Wohl der Wähler:innen tätigen Workaholics kultiviert, konterte am 20. November 1923 Auburtin süffisant mit einem Rezept für ein dekadentes, gleichwohl kulinarisches Frühstücksgericht, das für uns Frank Riede – wohl nicht gekostet hat – vielmehr unermüdlich und schlaflos bei Brot und Wasser hinter dem Mikrofon ausharrend vorträgt.
Ep 1429Wandert Albert Einstein aus?
Dass Albert Einstein mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten Deutschland verließ und nach Amerika auswanderte sowie bei der ersten Gelegenheit seinen Reisepass zurückgab – auf der Deutschen Botschaft in Brüssel – und einen Antrag auf Ausbürgerung stellte, ist bekannt. Doch schon im Jahre 1923 erschütterte ihn wohl der auch in diesem Podcast dokumentierte Antisemitismus in Deutschland so sehr, dass er darüber nachdachte, Deutschland den Rücken zu kehren. Zumindest verkündet seine diesbezügliche Entscheidung das 12-Uhr-Blatt vom 19. November, was sich als voreilig herausstellen sollte. Wie alarmiert das Blatt, das mittlerweile für 100 Milliarden zu erwerben war, auf die Möglichkeit regierte, dass der weltbekannte Einstein auswandern könnte, weiß Paula Rosa Leu.
Ep 1428Spaziergang durch die Potsdamer Vorstadt
Die alte Berliner Stadtstruktur mit ihrem mittelalterlich-frühneuzeitlichen Kern und ihren vielen sich seit dem 19. Jahrhundert voreinander schiebenden Vorstädten, die irgendwann mehr oder weniger fließend in die im Dunstkreis Berlins zu eigenständigen Großstädten emporgewachsenen alten märkischen Dörfer übergingen – man kann sie heute im Stadtbild kaum mehr erahnen. Einige der alten Vorstädte, wie die Spandauer oder die Rosenthaler Vorstadt, haben zumindest als Kiez-Begriffe überlebt. Dass es südwestlich des Zentrums, hinter dem längst abgegangenen Potsdamer Tor, entlang der Potsdamer Straße auch eine „Potsdamer Vorstadt“ gab, ist – wahrscheinlich im Zuge der schweren Kriegszerstörungen und der heute entsprechend radikal veränderten Bebauung – hingegen quasi in Vergessenheit geraten – nicht einmal ein Wikipedia-Eintrag weißt noch auf sie hin. Grund für uns, uns einem der kundigsten Stadtführer durch das alte Berlin, Erdmann Graeser, anzuschließen, der bereits in der inflationsbedingt 100 Milliarden Mark teuren Vossischen Zeitung vom 18. November 1923 einen reichlich sentimental gefärbten Blick auf ein teilweise etwas aus der Zeit gefallenes, teilweise sich rasant veränderndes Stadtviertel wirft. An seine Füße geheftet hat sich Paula Rosa Leu.
Ep 1427Offener Brief an den Reichskanzler
In der letzten Zeit kam es, auch verursacht durch die Krisen von Corona und dem Ukrainekrieg, häufiger vor, dass offene Briefe an die Bundeskanzlerin oder den Bundeskanzler veröffentlicht wurden, häufig mit der Erwartungshaltung verbunden, Unterzeichner:innen für das im Brief formulierte Anliegen zu finden. In der heutigen Folge finden wir im Berliner Börsen-Courier vom 17. November 1923 einen Brief an den Reichskanzler Stresemann, verfasst unter dem Namen „Mercator“, der nicht unbedingt ganz klare Forderungen stellt, sondern auch einen beratenden Charakter hat, der durchaus auch zeitlose Aspekte behandelt. So ist ein Ratschlag des Autors, an einer besseren Kommunikationsstrategie der Politik zu arbeiten, sicherlich auch heute ganz oben auf der Agenda der Mediencoaches. Was sonst noch an Gustav Stresemann herangetragen wird, weiß Frank Riede. Kostenpunkt der Ausgabe: 70 Milliarden Mark – Guter Rat ist teuer.
Ep 1426Die Rentenmark kommt!
Auch am 16. November 1923 verhinderte weiterhin ein Buchdruckerstreik das Erscheinen quasi sämtlicher großer Berliner Tageszeitungen, weshalb wir ein vorerst letztes Mal an den Stadtrand ausweichen und unseren Blick nochmal, wie schon vor ein paar Tagen, in die in Friedrichshagen am Müggelsee erscheinende und mit 30 Milliarden Mark Verkaufspreis noch vergleichsweise günstige Niederbarnimer Zeitung werfen. Dort finden wir, apropos, einen Bericht zur endlich begonnenen Ausgabe der sogenannten Rentenmark, die als grundschuldgestützte Übergangswährung die wertlos gewordene Papiermark ersetzen und die Inflation bremsen sollte. Die Skepsis, die der Autor dem Konzept gegenüber zum Ausdruck bringt, sollte sich historisch interessanterweise nicht bestätigen. Nicht nur erfüllte die Rentenmark dahingehend ihren Zweck, dass sie tatsächlich die Währung und damit auch die Volkswirtschaft stabilisierte. Neben der 1924 eingeführten Reichsmark war ihr auch ein langes Leben als offizielle Zweitwährung beschieden, die sie die Weimarer Republik und sogar das Dritte Reich überdauern ließ, bis sie erst 1948 durch die Währungsreform Geschichte wurde. Paula Rosa Leu blickt auf deren Anfänge.
Ep 1425Leni Riefenstahl und andere neue Sterne am Tanzhimmel
Seine Dissertation aus dem Jahr 1894 hatte John Schikowski noch sehr trocken und ernsthaft „Über Arbeitslosigkeit und Arbeitslosenstatistik“ verfertigt, danach aber machte er seine große Leidenschaft, den Tanz, zu seinem Beruf und avancierte spätestens in der Weimarer Republik zu einem der meistgeschätzten Kritiker dieser Kunst. Als solcher beobachtete er mit großer Neugier, was Abend für Abend auf den hauptstädtischen Bühnen anhob, die Tanzwelt zu revolutionieren, und gab davon regelmäßig den Leserinnen und Lesern des Vorwärts Bericht. So auch am 15. November 1923 in dessen Morgenausgabe (Bezugskosten: 50 Milliarden Mark), in der verschiedene aufstrebende Künstlerinnen respektive Kompanien von ihm vergleichend betrachtet werden. Am besten schneidet dabei eine damals noch weithin namenlose, heute indes äußerst bekannte junge Tänzerin ab, die ihr Talent später durchaus eher nicht in den Dienst der Sozialdemokratie stellte. Für uns hat Frank Riede deren erste (Tanz-)Schritte verfolgt.
Ep 1424Hitler-Anhänger demonstrieren in Charlottenburg
Mochte der Hitler-Ludendorff-Putsch vom 9. November 1923 auch innerhalb weniger Stunden relativ kläglich in sich zusammengebrochen sein, so waren die zahlreichen Unterstützer dieses Unterfangens naturgemäß nicht über Nacht verschwunden oder gar bekehrt. Manche von ihnen trauten sich sogar schon sehr bald wieder mit lauten Parolen auf die Straße, und das nicht nur in der bajuwarischen „Hauptstadt der Bewegung“, sondern auch im preußischen Nordosten des Reiches wie dem gediegenen Charlottenburg. Ca. 1000 Personen zählte das Friedenauer Tageblatt vom 14. November bei einer Kundgebung auf dem Wilhelmplatz, dem heutigen Richard-Wagner-Platz, die sich anlässlich einer Ansprache des völkisch-antisemitischen Publizisten und Reichstagsabgeordneten Reinhold Wulle gebildet hatte und die aus ihrer Sympathie für die nationalsozialistischen Ziele keinen Hehl machte. 20 Milliarden Mark kostete eine Ausgabe des Friedenauer Tageblatts seinerzeit, heute kann man sie kostenlos in der Zentral- und Landesbibliothek Berlin einsehen, was für uns Paula Rosa Leu getan hat.
Ep 1423Die Welt zu Gast in Köpenick
Wie schon gestern, bleiben wir mit unserer Textauswahl auch heute im Südosten von Groß-Berlin, wenden uns von Friedrichshagen, wo die Niederbarnimer Zeitung erschien, allerdings ein paar Kilometer nach Westen, der Cöpenicker Zeitung und deren Kurznachrichtendienst zu. Dort finden wir einige interessante Nachrichten, die den zurückliegenden Putsch in München betreffen, allen voran eine von der Festnahme ihres wichtigsten Rädelsführers. Daneben erhalten wir unter anderem aber auch Kunde von fortgesetzten und beendeten Streiks in In- und Ausland, von den jüngsten Ergüssen aus dem Hause Wagner und den verbotenen Genüssen im amerikanischen Zeitalter der Prohibition. Kurz: die ganze bunte weite Welt in wenigen Zeilen, die man sich am 13. November 1923 in Köpenick für schlappe 70 Milliarden Mark nach Hause holen konnte. Für uns tut dies Frank Riede.
Ep 1422Niederbarnimer Zeitung über Ludendorff
Wie gestern angekündigt, kommt heute wegen des Buchdruckerstreiks eine Zeitung zu Wort, die wir selten durchforsten: die Niederbarnimer Zeitung. In ihrer Ausgabe vom 12. November 1923, die 30 Milliarden Mark kostete, widmet sie sich Erich Ludendorff, der 3 Tage zuvor zusammen mit Hitler den Marsch auf die Feldherrenhalle angeführt hatte und noch am selben Tage verhaftet worden war. Würde er im Gefängnis landen? Schon nach seiner Beteiligung am Kapp-Putsch im Jahre 1920 war er glimpflich davongekommen, zehrte von seinem Nimbus als Held des Ersten Weltkriegs. Während wir im Laufe des Novembers in anderen Zeitungen bissige und sogar vernichtende Kommentare zu Ludendorff finden, wird er hier sehr milde für seine Rolle beim Putsch kritisiert – damit hat der Artikel eine Tendenz, die sich auch bei der Justiz durchsetzen sollte, denn Ludendorff wurde auch für diese verräterische Handlung aufgrund der angeblichen großen Verdienste im Ersten Weltkrieg freigesprochen. Was es in Friedrichshagen, Rahnsdorf und Fichtenau dazu zu lesen gab, teilt uns Paula Rosa Leu mit.
Ep 1421Zeigt die Fäuste!
Zwischen dem 11. und 17. November 1923 herrschte in Berlin wieder einmal ein Buchdruckerstreik, weshalb mit der Ausnahme des sozialdemokratischen Vorwärts keine der Zeitungen der Hauptstadtpresse, die diesen Podcast regelmäßig bestücken, erschien. Eine weitere Ausnahme bilden die kleineren Zeitungen der Berliner Peripherie, was uns in den nächsten Tagen die Gelegenheit gibt, sie ins Rampenlicht zu holen. Heute aber dokumentieren wir den Aufruf des Vorwärts, gerade in dieser Krisenzeit für die Republik einzustehen. Ein Artikel, der sich zu zahlreichen solchen Aufrufen (auch) aus anderen liberalen und demokratischen Zeitungen einreiht. Er ist aber dennoch besonders, da er die Aufforderung durch Alltagsbeispiele prorepublikanischen Auftretens in der Öffentlichkeit, die die Redaktion des Blattes als Zuschriften erreichten, unterstreicht. Ob der Vorwärts nicht bestreikt wurde, weil aus den Einnahmen, etwa durch den Kaufpreis der Ausgabe vom 11. November von 40 Milliarden, ein höherer Lohn an die Drucker gezahlt wurde, wissen wir nicht. Was aber Beispiele dafür waren, dass Republikaner ihre Fäuste zeigten, weiß für uns Frank Riede.
Ep 1420Das Ende der Hanswurstiade um Hitler-Ludendorff
Der Spuk dauerte nur ein paar Stunden. Dann hatte die Staatsmacht in München die Ordnung wieder hergestellt, und der sogenannte Hitler-Ludendorff-Putsch war Geschichte. Die Berliner Tageszeitungen konnten sich bereits tags darauf daran machen, die Lehren aus dessen Geschichte zu ziehen. Zu den klarsten Stimmen gehörte dabei wie fast immer die von Ernst Feder, der sich in seinem Kommentar im Berliner Tageblatt nur kurz mit den Hauptdarstellern dieser – wie er es nannte – „Hanswurstiade“ aufhielt, um stattdessen eher nach denjenigen zu schauen, die er in der politischen Verantwortung dafür sah, dass sich die Republik fürderhin wehrhafter gegen ihre völkischen Feinde zeigen müsste. Dass man leider zu wenig auf ihn und andere hören sollte, ist bekannt – und eher nicht der Tatsache geschuldet, dass man für die Zeitung am 10. November 1923 30 Milliarden Mark entrichten musste. Es liest Frank Riede.
Ep 1419Das schnelle Ende des Hitlerputsches
Treue Hörer:innen von Auf den Tag genau haben nicht nur gehört wie stark diverse Machtzirkel in Bayern antirepublikanisch und separatistisch zu agieren trachteten und tatsächlich agierten. Unser Podcast hat auch dokumentiert wie seit dem „Marsch auf Rom“ Benito Mussolinis Adolf Hitler und die NSDAP in den Fokus der Berliner Hauptstadtpresse gerieten. Seine Putschpläne äußerte er unverhohlen und auch, dass ein Umsturz mit einem „Marsch auf Berlin“ von München aus beginnen sollte. Am Abend des 8. November 1923 stürmte die NSDAP eine Veranstaltung im Bürgerbräukeller und verkündete eine neue nationale Regierung. Dass der Landeskommandant der Reichswehr in Bayern Otto von Lossow und der Regierungspräsident von Oberbayern Gustav von Kahr ihre Unterstützung für Hitlers und Ludendorffs Staatsstreich sofort wieder entzogen, sobald sie aus dem Bürgerbräukeller herausgekommen waren und gegen den Putsch agierten, war ein wichtiger Faktor dafür, dass der Putsch schnell scheiterte. Zumindest verkündeten die meisten Berliner Zeitungen in ihren Abendausgaben vom 9. November bereits die Niederschlagung des Aufstandes. So auch der Berliner Börsen-Courier. Welchen Überblick über die unübersichtliche Lage in München er denjenigen gab, die neugierig genug waren, um 30 Milliarden Mark für die Ausgabe zu zahlen, liest für uns Paula Rosa Leu.
Ep 1418Weinprobe an Saale und Unstrut
Es ist wohl kein allzu arger Spoiler, dass ab morgen, ab dem 9. November 23, für ein paar Tage die Politik hier im Podcast dominieren wird. Deswegen haben wir uns entschieden, heute noch einmal etwas ganz anderes zu machen und uns mit der Deutschen Allgemeinen Zeitung vom 8. November 1923 in die Reben zu begeben. Den Autor hat es nach Naumburg verschlagen, wo ihn eine Weinprobe sehr überzeugt hat; weshalb er jene zum Anlass nimmt, eine Lanze für das damals wie heute häufig unterschätzte Anbaugebiet zwischen Saale und Unstrut zu brechen. Gekostet hat die Zeitung, in der dies stand, mittlerweile 20 Milliarden Mark. Gekostet von dieser Zeitung hat für uns Frank Riede.
Ep 1417Reichswehr-Einmarsch in Thüringen
Im November 1923 erlebte die junge deutsche Republik ihre bis dato fraglos existentiellste Krise. An Rhein und Ruhr standen nach wie vor französische Besatzungstruppen, die zum Teil gemeinsame Sache mit separatistischen Gruppen machten, welche eine Abspaltung vom Reich propagierten, und in Bayern bliesen Hitler, Ludendorff und andere rechte Frontmänner zum Marsch auf die Feldherrenhalle und zum Sturm auf die gewählte Reichsregierung in Berlin. Die Berliner Morgenpost richtete ihr Augenmerk in der Ausgabe vom 7. des Monats – Kostenpunkt 15 Milliarden Mark – derweil auf einen dritten schwelenden Krisenherd, nämlich auf Sachsen und in diesem Fall vor allem Thüringen, wo es seit einigen Wochen Regierungsbündnisse aus SPD und KPD gab und man gleichfalls eine revolutionäre Bedrohung für die parlamentarische Weimarer Verfassung ausmachte. Anders als bei den zahlreichen Umsturzplänen aus dem völkischen Freikorpslager schickte man zur Bannung dieser Gefahr präventiv Reichswehreinheiten. Alles Weitere erfahren wir von Paula Rosa Leu.
Ep 1416Pogrom im Scheunenviertel
Wie sicher konnten sich jüdische Bürger:innen im November 1923 auf den Straßen der Reichshauptstadt fühlen? Die Antwort muss lauten: sehr unsicher. Obgleich die ungezügelte und nicht sanktionierte antisemische Hetze damals lautstark aus Bayern dröhnte, hieß das noch lange nicht, dass sich die aufgeladene Stimmung in Berlin nicht blitzschnell gegen Jüd:innen wenden konnte. So geschehen am 5. November 1923 im Scheunenviertel: Ein Menge Arbeitsloser wartete am Arbeitsamt in der Alexanderstraße auf Unterstützungsgelder, die dann nicht ausgezahlt wurden. Es war kein Geld da. Daraufhin verbreitete sich, bzw. wurde von Hetzern verbreitet, die Fake-Nachricht, jüdische Händler aus dem Scheunenviertel hätten das wertbeständige Notgeld systematisch aufgekauft. Es folgte bis in die Nacht hinein ein Pogrom, während dessen der Mob stundenlang, teilweise ungehindert, Plündern, Misshandeln und Demütigen konnte. Einen Bericht von den schrecklichen Ereignissen veröffentlichte der Berliner Börsen-Courier in seiner 10 Milliarden teuren Ausgabe vom 6. November, die Frank Riede für uns liest.
Ep 1415Charlie Chaplin bei der Arbeit
Charles Chaplin war Anfang der 1920er dank seiner zahlreichen kurzen Filme, in denen seine Kunstfigur, der Tramp Charlie, die Hauptrolle spielte, bereits ein Weltstar. Einen Wendepunkt in seinem Schaffen bildet sicherlich die Mit-Begründung der United Artists, die ihn finanziell und kreativ unabhängiger machen sollte, sowie die Entdeckung des 4 Jahre alten Jackie Coogan. Die Zusammenarbeit mit ihm führte zu Chaplins erstem Langfilm „The Kid“, der eine riesiger Erfolg war und in über 50 Länder exportiert wurde. Premiere feierte der Film am 21. Januar 1921, kam aber erst beinahe 3 Jahre später, am 9. November 23 in Deutschland in die Kinos. Dies nahmen zahlreiche Zeitungen zum Anlass, über Chaplin zu schreiben. Auch der Berliner Lokal-Anzeiger vom 5. November tat dies in seiner 5 Milliarden teuren Ausgabe. Wie sehr Chaplin neben des Schauspiels auch die Regie und andere Gewerke des Films an sich riss liest für uns Frank Riede.
Ep 1414Wenn wir Frauen regierten
Elisabeth I. von England, Katharina die Große von Russland, Maria Theresia von Österreich – allen patriarchalischen Strukturen zum Trotz haben Launen der Thronfolge zumindest ab und an auch Frauen in höchste monarchische Staatsämter gebracht und teilweise sehr prägenden Einfluss auf die Weltgeschichte ausüben lassen. Paradoxerweise bedeutete der Übergang zu demokratischen Verfassungen in den meisten Fällen diesbezüglich zunächst sogar einen Rückschritt. Zwar gab es in Deutschland nach 1918 einige weibliche Reichstagsabgeordnete. In wirklich machtvolle Positionen rückten diese in den Jahren der Weimarer Republik allermeist jedoch nicht auf. Hätte deren Geschichte sonst womöglich einen besseren Verlauf genommen? Noch schlechter, befand eine anonym bleibende Autorin bereits 1923, am 4. November, sarkastisch in der Berliner Morgenpost, hätten sie es jedenfalls schwerlich hinbekommen. Angesichts der multiplen Krisen jener Jahre mit hyperinflationären Zeitungspreisen von nunmehr 10 Milliarden Mark können wir da nicht widersprechen, sondern geben das Wort an Paula Rosa Leu.
Ep 1413Brust an Brust mit dem Tode
Allein schon die Dokumentation der steigenden Preise der Tageszeitungen, die wir in diesem Podcast betreiben – die Ausgabe des 8-Uhr-Abendblattes vom 3. November 1923 kostete übrigens 3 Milliarden Mark – lässt uns erahnen, zu was für wirtschaftlichen Verwerfungen die Hyperinflation in der Gesellschaft führen musste, zu wieviel Elend, Armut, Hunger und Leid. Und heute entfernen wir uns von dem sonst dominanten Klagen über die Teuerung und Preissteigerungen und Wechselkurse und begleiten einen Journalisten ganz konkret durch die Elendsquartiere der Hauptstadt, dorthin, wo sich Familien das Brot nicht mehr leisten konnten. Diese erschütternden Eindrücke liest für uns Paula Rosa Leu.
Ep 1412Aus der Weltgeschichte des Papiergeldes
Wer hätte das gedacht? Das Papiergeld, wie wir es heute kennen, ist hervorgegangen aus Quittungen, die britische Goldschmiede des 16. Jahrhunderts Kunden ausstellten, deren Münzgeld sie in Verwahrung nahmen. Das jedenfalls entnehmen wir dem Berliner Börsen-Courier vom 2. November 1923, der die Hyperinflation und den anhaltenden Wertverlust der deutschen Währung zum Anlass nahm, einmal tiefer in die Geschichte des Papiergeldes zu schauen. Wer das lesen wollte, musste seinerzeit 2 Milliarden von besagter Mark berappen. Dass die Zeitungsverkäufer alternativ lieber Gutschriften bei einem britischen Goldschmied entgegen genommen hätten, darf stark vermutet werden. Es liest Frank Riede.
Ep 1411Rudolf von Laban: Das Tanztheater
Zweifelsfrei war Rudolf von Laban einer der großen Tänzer und Tanztheoretiker des 20. Jahrhunderts. Mit seinem lebensreformatorischen Ansatz, wie er ihn etwa am legendären Treffpunkt von Pazifisten, Künstlern und Lebensreformern, dem „Monte Veritá“ im Tessin praktizierte, war er auf der Suche nach einem neuen Körperempfinden und einem neuen körperlichen Ausdruck im Tanz. Heute kommt er in unserem Podcast zu Wort, dank der Vossischen Zeitung vom 1. November 1923, die genau wie das Berliner Tageblatt am Tage zuvor 2,5 Milliarden Mark kostete und seine tanztheoretischen Gedanken abdruckte. Zum Glück tanzt Paula Rosa Leu den Artikel nicht vor, sondern liest ihn.
Ep 1410Der innere Zweifronten-Krieg
Hugo Preuß, 1860 in eine jüdischen Kaufmannsfamilie geboren, wurde nach seinem Jura-Studium und seiner Habilitation als Staatsrechtler Hochschullehrer, begann aber auch eine politische Karriere als Berliner Stadtrat. 1918 war er Mitbegründer der Deutschen Demokratischen Partei und wurde zugleich nach der Novemberrevolution mit einem Entwurf einer Reichsverfassung beauftragt – und tatsächlich stammen weite Teile der Weimarer Verfassung aus seiner Feder. Daher verwundert es nicht, dass er sich in einer Krisenzeit, die die Weimarer Republik zu zerreißen drohte, im Berliner Tageblatt vom 31. Oktober 1923 zu Wort meldete. Der ehemals erste Innenminister der Republik sieht das Land in einem inneren Zweifronten-Krieg zerrieben. Während die politische Mitte nicht genug Kraft zu haben scheint, die Republik zu verteidigen, werde sie von rechts und links angegriffen. Urteilen Sie selbst, ob uns Preuß auch für die heutige Zeit interessante Einblicke bietet. Die Ausgabe kostete 2,5 Milliarden und es liest aus ihr Frank Riede.
Ep 1409Erste Unterhaltungssendung im Radio
Heute können wir nochmal der Geburtsstunde des Rundfunks in Deutschland aus der Sicht des damals unangefochtenen Nachrichten-Mediums, der Zeitung, beiwohnen. Am 29. Oktober 1923 wurde die erste Unterhaltungssendung aus dem Vox-Haus, ein nahe dem Potsdamer Platz gelegenes Bürogebäude, das wegen zu großer Nähe zur Mauer im Jahr 1971 gesprengt wurde, gesendet. Es überrascht wenig, dass die Zeitungen die Übertragung damals nicht als Schlüsselereignis begriffen, konnten sie ja auch nicht ahnen, zu welch einem Konkurrenten sich das Radio rasch auswachsen würde. Der BZ am Mittag vom 30. Oktober war es aber einen durchaus begeisterten Sendebericht wert, in dem diejenigen, die noch keinen Radioempfänger hatten und die 2 Milliarden für die Zeitungsausgabe berappen konnten, erfuhren, was es zu hören gab. Uns informiert über die Auf den Tag genau-Welle Frank Riede.
Ep 1408Von Austern in Zeiten der Hyperinflation
Am 29. Oktober 1923 spricht in Deutschland alle Welt über Hyperinflation, Verelendung, Arbeiteraufstände und Putschgerüchte. Nur der Berliner Lokal-Anzeiger, und wir mit bzw. für uns Paula Rosa Leu, sprechen über ... Austern. Allerdings schießt Autor Adolf von Wilke gleich voraus, dass es auch für ihn aktuell beim „über Austern sprechen“, sie im Schaufenster betrachten und in Erinnerung schwelgen leider bleibe. Das allerdings tut er dann ausgiebig, und so erfahren wir nicht nur, wie vielfältig die Austernküche vor einhundert Jahren bereits war, sondern auch davon, dass noch während des Ersten Weltkriegs dank der neutralen Niederlande in Deutschland eine gewisse Grundversorgung mit dem edlen Schalentier bestand. Fünf Jahre nach dessen Ende gab es Austern in Berliner Delikatessgeschäften hingegen nur noch gegen internationale Valuta – und selbst für einen Berliner Lokal-Anzeiger musste man an einem ganz ordinären Montag 2 Milliarden Mark hinblättern.