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Auf den Tag genau

Auf den Tag genau

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Ep 1357Kultureller Rückschritt in Amerika

Niemand würde heute der Aussage widersprechen, dass die US-amerikanische Gesellschaft, die sich traditionell als der Hort der freien Meinungsäußerung sieht, besonders gespalten und polarisiert ist, dass vielerorts das „Zum Schweigen bringen“ der Gegenseite erstrebt wird. Geht man an in der Geschichte zurück, fällt einem sofort der Feldzug gegen alles „Unamerikanische“ während der McCarthy-Ära ein. Aber wie sah es vor dem Zweiten Weltkrieg aus? Ein wenig schmeichelhaftes und überraschend heutiges Bild zeichnet der Schriftsteller Henry F. Urban, der mit 25 Jahren 1887 nach Amerika ausgewandert war, für den Berliner Lokal-Anzeiger vom 8. September 1923. Der Preis für diese Morgenausgabe betrug 200.000 Mark. Frank Riede informiert uns über den 1923 festgestellten kulturellen Rückschritt in Amerika.

Sep 8, 202310 min

Ep 1356Die Sorge um die Heizung

Wie sich bisweilen doch die Schlagzeilen gleichen: „Die Sorge um die Heizung“ überschreibt das Berliner Tageblatt einen Artikel aus seiner Morgenausgabe vom 7. September 1923, für die man aufgrund der galoppierenden Inflation bereits 200.000 Mark am Kiosk aufwenden musste. Die Hintergründe der im gleichen Maße steigenden Energiekosten und der daraus resultierend befürchteten Versorgungsengpässe waren mithin zwar gänzlich anderer Art als heute in Zeiten von Klimakrise und Ukrainekrieg. Im Ergebnis stand indes gleichfalls die Notwendigkeit, den Energieverbrauch zu drosseln. Damit ‘Weniger Verheizen‘ nicht schlicht ‘Mehr Frieren‘ bedeutet, bringt der für uns von Paula Rosa Leu gelesene Text die interessante Idee einer individuellen Heizberatung durch Fachleute ins Spiel, die den Verbraucher*innen beibringen sollten, wie man mit möglichst geringem Ressourceneinsatz maximalen Effekt erzielt. Wegen Ämterüberlastung und Fachkräftemangel brauchen wir dieses Konzept wohl leider gar nicht erst zu Nachahmung vorschlagen.

Sep 7, 20237 min

Ep 1355Blick in die Zukunft einer Hitler-Diktatur

Am 1. und 2. September 1923 trafen sich in Nürnberg die völkischen Wehrverbände zum „Deutschen Tag“, bei dem zehntausende unter den Augen von Adolf Hitler und Erich Ludendorff und zahlreichen geladenen Adeligen aufmarschierten. Aus den Verbänden SA und Reichsflagge und Bund Oberland wurde der „Deutsche Kampfbund“ gegründet. Die Reden ließen keine Zweifel daran, dass ein gewaltsamer Umsturz angestrebt wird und bayrische Polizeiverbände marschierten munter mit und hielten die Völkischen nicht von Gewalttaten gegen Arbeiter ab. Im Vorwärts wurde nicht nur über die Vorkommnisse in Nürnberg berichtet. In der Ausgabe vom 6. September, die 80.000 Mark kostete, wagt Hans Bauer einen leicht spöttischen und zugleich erschreckend zutreffenden Blick in die Zukunft, der die Diktatur mit ihren Gummi-Paragraphen beschreibt. Frank Riede schildert uns den Zwang zur Liebe.

Sep 6, 20234 min

Ep 1354Die künstliche Herstellung von Gold

Jahrhunderte suchten Alchemisten nach dem Stein der Weisen, nach der Herstellung von Gold aus minderwertigen Stoffen. Dass sie dabei nebenbei Porzellan oder das Goldrubinglas fanden, bestätigt nur das Hoffnungslose des Unterfangens selbst – oder nicht? Ist es nicht so, dass diese Experimentatoren richtig beobachtet hatten, wie sich Metalle irreversibel verändern und auch veredeln lassen? Fehlte es ihnen nicht lediglich an den technischen Möglichkeiten? Tatsächlich scheint es mithilfe von Teilchenbeschleunigern und Nanotechnologie heutzutage möglich zu sein, Gold künstlich herzustellen, nur das der Aufwand viel zu groß ist für den mikroskopischen Ertrag. Insofern hat der heutige Artikel aus der Berliner Volkszeitung vom 5. September 1923 den richtigen Riecher, wenn er postuliert „Unsere Nachkommen werden Gold machen“. Angesichts der Inflation und des Preises der Ausgabe von 100.000 Mark ist es gut verständlich, warum die Hoffnung auf die Alchemisten des 20. Jahrhunderts gesetzt wird. Es liest Paula Rosa Leu.

Sep 5, 20235 min

Ep 1353In unerforschten Meeren

Fredrick George Binney, geboren im Jahre 1900 war ein britischer Polarforscher, der schon als Student in Oxford die erste Polarexpedition dieser Universität im Jahre 1921 organisierte. Bereits zwei Jahre später leitete er die zweite Expedition, die mit fünf britischen Wissenschaftlern und einer norwegischen Crew zu der nördlichsten Insel der Spitzbergen fuhr. Dabei wurden neben botanischer und geologischer Forschung auch bestehende Karten korrigiert. Wir korrigieren den Namen des Schiffes, der in dem Bericht über die Forschungsreise des 12-Uhr-Blattes vom 4. September 1923 fälschlich als „Teringen“ wiedergegeben wird, zum korrekten Namen „Terningen“. Frank Riede entführt uns also nun ins Eis des Nordpolarmeeres.

Sep 4, 20237 min

Ep 1352100.000 Tote bei Erdbeben in Japan

Am 1. September 1923, wenige Minuten vor Mittag, ereignete sich eines der schwersten Erdbeben der jüngeren Geschichte Japans, das eingegangen ist in die Geschichte als „Großes Kanto-Erdbeben“. Das Beben zerstörte die Stadt Yokohama und Teile Tokios, es folgte ein 12 Meter hoher Tsunami und eine Feuersbrunst, die ganze Stadtteile zu Asche verwandelte und erst Tage später gelöscht werden konnte. Da gerade viele Bewohner:innen auf offenen Feuerstellen ihr Mittagsmahl zubereiteten und die Häuser überwiegend aus Holz gefertigt waren, entstanden nahezu gleichzeitig an unzähligen Stellen Brände. Nach dieser verheerenden Katastrophe, während der es übrigens noch zu allem Überfluss zu fremdenfeindlichen Ausschreitungen kam, denen tausende Menschen zum Opfer fielen, wurde beschlossen, Tokio als Hauptstadt zu behalten, aber dominant in einer Beton-Stahl-Bauweise wieder aufzubauen. Die Forschung geht heute von etwa 100.000 Todesopfern durch das Erdbeben und weiteren 40.000 durch die Brände aus. Die Nachricht erreichte die BZ am Mittag in der Ausgabe vom 3. September, in der aber die Dimension der Katastrophe bereits sehr treffend beschrieben wird. Paula Rosa Leu liest für uns die ersten Berichte. Für diese Ausgabe der Zeitung mussten 100.000 Mark bezahlt werden.

Sep 3, 20237 min

Ep 1351Zum 50. Geburtstag der Siegessäule

Jubiläen nehmen nicht immer Rücksicht auf die Zeit, in die sie gerade fallen. Die Erinnerungen, in denen die Vossische Zeitung vor einhundert Jahren zum damals fünfzigsten Geburtstag der Siegessäule kramte, mussten den Zeitgenoss*innen seinerzeit wie ein Märchen aus uralter Zeit vorkommen. 150.000, statt wie noch in der Vorwoche 100.000 Mark hatte man für deren Sonntagsausgabe am 2. September 1923 mittlerweile zu berappen, und auch sonst war alle überschwängliche Aufbruchsstimmung – wie sie zumindest die wilhelministischen Historiker für die Gründerjahre des Reiches gerne herbeischrieben – vor dem Hintergrund von Kriegsniederlage, politischer Instabilität, Putschgerüchten und Wirtschaftskrise längst verflogen. Das reflektierte die Vossische natürlich bereits auch in ihrem Geburtstagsständchen, das denn entgegen der ursprünglichen Intention des besungenen Baus auch auf einem deutlich pazifistische Schlussakkord endet. Unser Solist ist Frank Riede.

Sep 2, 202312 min

Ep 1350Mussolini lässt Korfu beschießen

Die Causa ist heute unter dem Namen Korfu-Zwischenfall bekannt: Ein italienischer Offizier und vier Begleiter waren im albanisch-griechischen Grenzgebiet ermordet worden, der noch relativ frisch amtierende italienische Ministerpräsident Mussolini sandte darauf ein Ultimatum mit sieben Forderungen an die griechische Regierung, die von offiziellen staatlichen Entschuldigungen bis zu finanziellen Entschädigungen reichten. Und als Griechenland diese nicht alle erfüllte, schickte Mussolini Kriegsschiffe über die Straße von Otranto nach Insel Korfu und ließ die Inselhauptstadt beschießen und besetzen. Klassische Kanonenbootpolitik eines Jung-Diktators, der die Muskeln spielen lassen und die Entschlossenheit der europäischen Mächte und des neugegründeten Völkerbundes einmal testen wollte. Militärische Opfer forderte die Aktion nicht, aber bis zu 20 korfiotische Zivilisten kamen im italienischen Bombenhagel ums Leben, die meisten davon Kinder. Es liest Paula Rosa Leu aus der Berliner Morgenpost vom 1. September 1923, die diese schrecklichen Zahlen noch nicht kennt.

Sep 1, 20237 min

Ep 1349Lisbeth Dill: Sonderbare Familienverhältnisse

Die überaus produktive Schriftstellerin Lisbeth Dill, die 1877 im saarländischen Dudweiler geboren wurde, ist heute weitestgehend vergessen. Ihr Werk, das – berechtigt oder nicht – eher der Unterhaltungsliteratur zugerechnet wird, verhandelt wesentlich die Rolle der Frau im wilhelminischen Deutschland und in der Weimarer Republik und die Rolle des Saarlandes und Lothringens. In 12-Uhr-Abendblatt vom 31. August 1923 beweist sie Humor, indem sie literarisch die schwierige Situation ihrer Generation, von Weltkrieg über Revolutionen, Besetzung und schwieriger Wirtschaftslage, in sonderbare Familienverhältnisse ummünzte. Paula Rosa Leu liest für uns den Text und war tatsächlich bei der Aufnahme anwesend.

Aug 31, 20234 min

Ep 1348Alfred Polgars kleine Phänomenologie des Essens

Dem Berliner mag so allerlei nachgesagt werden; dass er – oder auch sie – etwas von gutem Essen und Trinken verstehe, gehört zumindest traditionell eher nicht dazu. Das wusste wohl auch das Berliner Tageblatt, dessen Abendausgabe am 30. August 1923 bereits 80.000 Mark kostete, und ließ über „Das gute Essen“ einen waschechten Wiener, nämlich Alfred Polgar, sich auslassen, wobei man durchaus streiten kann, ob dieser Titel tatsächlich den Gegenstand des nachfolgenden Textes präzise, nun ja, aufspießt. Noch mehr als um das Schnitzel auf dem Teller, das auch vorkommt, geht es Polgar um den physiologischen Vorgang des Speisen Inkorporierens und seine unmittelbaren Folgen für Seele und Zunge sowie um verschiedene Typen des Essers. Frank Riede hat sich Polgars delikate kleine Studie für uns schmecken lassen.

Aug 30, 20239 min

Ep 1347Jerusalem in der Zeppelin-Halle von Staaken

Hatten Studiohallen für Filmproduktionen anfangs noch Glasdächer gehabt, um das für den Dreh notwendige Tageslicht nutzen zu können, was die Ausdehnung der Hallen einschränkte, so waren den Ateliers beim Einsatz künstlicher Beleuchtung keine Grenzen mehr gesetzt. Und so wurde 1923 die ehemalige Zeppelin-Halle beim Flughafen Staaken zu einem der größten Studios, mindestens Europas, ausgebaut. Der Aufnahmeraum war achtmal so groß wie der sämtlicher Berliner Ateliers zusammengerechnet. Bauten konnten bis zu 28 Meter in die Höhe schießen. Der erste Film, der in diesem Riesenstudio mit einem 60 Meter breiten Rundhorizont gedreht wurde, war die Bibelverfilmung „INRI“. Als der Einzug Jesu nach Jerusalem “geschossen” wurde, war Egon Jacobsohn für die BZ am Mittag zu Besuch und berichtete in der Ausgabe vom 29. August. Paula Rosa Leu/Frank Riede begibt sich für uns ans Tor von Jerusalem in Staaken bei Berlin.

Aug 29, 20238 min

Ep 1346Eine Warnung vor falschen Propheten

Prophezeiungen seien ein schwieriges Geschäft, heißt es in einem landläufigen Bonmot, vor allem wenn sie die Zukunft beträfen. Dass sie freilich nicht immer darauf zielen, tatsächlich treffende Prognosen zu machen, sondern oft genug ganz gezielt veröffentlicht werden, um Stimmungen anzuheizen und dabei sehr nüchternen Kalkulationen und Kochrezepten folgen, also zu sehr strategischen politischen Zwecken eingesetzt werden, ist eine ähnlich triviale Einsicht, die als Wort der Warnung dennoch nicht oft genug ausgesprochen werden kann. Am 28. August 1923 tat dies mit einigen durchaus humoristischen Beispielen die Berliner Volks-Zeitung, für deren Abendausgabe man an diesem Tag inflationsbedingt bereits 40.000 Mark hinblättern musste. Finanziell völlig barrierefrei eingelesen hat sie für Euch Frank Riede.

Aug 28, 20239 min

Ep 1345Schulaufsätze von 15jährigen

In unserer heutigen Folge kommt eine Textsorte zu Gehör, die wir bislang noch nicht im Programm hatten. Schulaufsätze von Gymnasiasten des Jahres 1923. Ein Redakteur des 8-Uhr-Abendblattes hatte von einem befreundeten Oberstudienrat Texte von etwa 15jährigen Schülern bekommen, die die Aufgabe hatten, von ihrem „großen Erlebnis“ zu berichten. So bekommen wir mit der Ausgabe vom 27. August einen Einblick in die Lebenswelten von Jugendlichen vor 100 Jahren und erkennen deutlich den Unterschied zu behüteten heutigen Generationen. Den 15jährigen verleiht Paula Rosa Leu ihre Stimme.

Aug 27, 20236 min

Ep 1344Die große Bauhausausstellung in Weimar

An dem 1919 in Weimar gegründeten Bauhaus schieden sich von Anfang an die Geister. Von nationalistischen Kreisen aufs Ärgste bekämpft, erhöhte die von der USPD tolerierte thüringische Landesregierung aus SPD und DDP 1922 die Zuwendungen für seine längst international beachtete Staatliche Kunstschule, verband dies allerdings mit der Auflage, dass das Bauhaus seine Ergebnisse in einer großen Leistungsschau einer breiteren Öffentlichkeit zu präsentieren habe. Die Bauhausaustellung, die daraufhin im Sommer 1923 veranstaltet wurde, bedeutete für die Arbeit von Walter Gropius und seiner Mitstreiter*innen tatsächlich einen enormen Popularisierungsschub – obwohl der wirtschaftliche Erfolg der Schau wegen der galoppierenden Inflation bescheiden ausfiel. Neben der Präsentationen der verschiedenen Werkstätten des Bauhauses und zahlreichen Vorträgen sowie künstlerischen Darbietungen auch im Bereich der darstellenden Künste war es vor allem das in nur vier Monaten realisierte Musterhaus Am Horn, was die Feuilletonisten der Republik nach Weimar lockte. Das Fazit von Grete Fischer im Berliner Börsen-Courier vom 26. August 1923 fiel indes, wie auch das vieler Kolleg*innen, durchwachsen aus. Frank Riede verrät, wieso.

Aug 26, 20238 min

Ep 1343Stresemanns neuer Ton in der Frankreich-Politik

Als erster Deutscher überhaupt wurde Gustav Stresemann 1926 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Gemeinsam mit dem französischen Außenminister Aristide Briand wurde er vom Osloer Komitee für die Aussöhnungspolitik zwischen den alten ‘Erbfeinden‘ geehrt, deren Vollendung Stresemanns tragischer früher Tod im Oktober 1929 freilich folgenschwer verhindern sollte. Dass der Ausgleich mit dem westlichen Nachbarn langfristig ein Hauptanliegen Stresemanns war, verrät der nachfolgende Artikel aus dem Berliner Börsen-Courier vom 25. August 1923. Noch keine zwei Wochen als Reichskanzler amtierend, wandte sich Stresemann bereits mit einer diplomatischen Offensive gen Paris, die einen neuen Ton in der deutschen Frankreich-Politik setzte und die im Zuge der Besetzung an Rhein und Ruhr hochgeschlagenen Konflikt tatsächlich perspektivisch erheblich entspannen sollte. Es liest Frank Riede.

Aug 25, 20238 min

Ep 1342Legale und illegale Papiergeldproduktion

Wer will noch den Durchblick behalten, wenn ständig eilig gedruckte neue Geldscheine auf den Markt kommen, wenn Fabriken und Geschäfte ihr eigenes Notgeld produzieren? Die Lage in Deutschland war im August 1923 unübersichtlich – immer Neues Geld verlor blitzschnell seine Funktion. Natürlich blieben dabei auch die Sicherheitsstandards, die das Geld fälschungssicher machen, auf der Strecke. Und so titelte das 8-Uhr-Abendblatt am 24. August 1923 „Jedermann sein eigener Papiergeld-Fabrikant“. Paula Rosa Leu führt uns durch den Wirrwarr der verschiedenen Notgeldscheine zu der illegalen Falschgeldproduktion.

Aug 24, 20239 min

Ep 1341Salzburg 1923: Molière in Leopoldskron

Gute Traditionen muss man pflegen, und deshalb wirft Auf den Tag genau auch in diesem wie in den vorangegangenen Jahren wieder einen Blick nach Salzburg zu den dortigen sommerlichen Festspielen. So richtig fanden diese anno 1923, also im vierten Jahr ihres Bestehens, freilich gar nicht statt, denn die allgemeine ökonomische Krise machte auch vor der Kultur und den sich damals wie heute weitgehend selbst finanzierenden Festspielen nicht halt. Kein Jedermann-Ruf erklang deshalb auf dem Domplatz, dafür rief Festmitbegründer Max Reinhardt das Publikum in seine Privatresidenz, das von ihm 1918 erworbene prachtvolle Barockschloss Leopoldskron im Salzburger Süden, und gab dort den Eingebildeten Kranken von Molière. Aus der Not entstanden, man kann es sich denken, wurde daraus an diesem speziellen Ort eine Sternstunde des Theaters – der Rezensent des 8 -Uhr-Abendblattes war jedenfalls ob des Ambientes und des kunstvollen Ineinanders von Sein und Schein völlig hin und weg. Für uns schwärmt: Frank Riede.

Aug 23, 20237 min

Ep 1340Auf dem Amtsschimmel durch Berlin

Tiere in Berlin waren in den zurückliegenden Wochen ein großes Sommerlochthema. Eine Löwin, die am Ende zwar gar keine war und das auch nur in Kleinmachnow, hielt 24 Stunden lang die Hauptstadt in Atem, und nachdem diese zurück in die Wälder gekrochen war und sich wieder in ein Wildschwein verwandelt hatte, krochen Füchse, Wölfe, Waschbären und Dachse aus dem medialen Unterholz und hinter ihnen ein Rattenschwanz von Expertinnen und Experten, die sich zu ihrem Vorkommen in der Stadt äußerten. Vor einhundert Jahren spielten die genannten Tiere zumindest in den Berliner Tageszeitungen keine Rolle. Dafür galoppierte ein anderer Vierbeiner am 22. August 1923 durch die B.Z. am Mittag, den man Gerüchten zu Folge auch heute noch gelegentlich in Berlin antrifft. Und das nicht nur im Sommerloch. Paula Rosa Leu versucht ihn für uns zu zähmen.

Aug 22, 20237 min

Ep 1339Die Möglichkeit des Fernsehens

1923 sind die Tageszeitungen unbestritten das Leitmedium. Das Radio erreicht noch nicht die Massen, macht sich aber bereit für seinen baldigen Siegeszug. Doch auch am Fernseher wird bereits getüftelt, wie unser heutiger Artikel aus dem Berliner Tageblatt vom 21. August belegt. Für schlappe 80.000 Mark konnte man diese Ausgabe erwerben und dort von Artur Fürst Details über den aktuellsten Stand der Bewegtbildübertragung erfahren. Der Autor und Schriftsteller war ein sehr erfolgreicher Technik-Erklärer der Weimarer Republik. Sein „Weltreich der Technik“ in vier Bänden war ein Klassiker des populärwissenschaftlichen Sachbuchs. Obgleich er 1926 überraschend im Alter von 47 Jahren verstarb, fiel doch auch er den Nationalsozialisten zum Opfer – insofern, als seine Bücher, wegen seiner jüdischen Herkunft, aus dem Verkehr gezogen wurden, so dass sein Werk in Vergessenheit geriet. Frank Riede liest für uns nun wie viele Pixel damals schon übertragen wurden.

Aug 21, 202310 min

Ep 1338Eine Donaufahrt in Inflationszeiten

Dass die Mark kaum mehr das Papier wert war, auf dem sie gedruckt wurde, merkte man am 20. August 1923 spätestens bei der Begegnung mit dem Zeitungsverkäufer, der für die Abendausgabe einer Deutschen Allgemeinen Zeitung satte 40.000 dieser wertlosen Mark verlangte. Noch drastischer offenbarte es sich freilich im Ausland, wohin im Sommer 1923 überhaupt nur noch reisen konnte, wer über größere Valutaquellen verfügte oder bei deren Beschaffung sehr kreativ und findig war. Wie der namenlose Autor seine Schiffskreuzfahrt auf der Donau finanzierte, lässt sein Artikel offen. Deutlich aus diesem hervor geht indes, dass er diese entspannte Reise den Fluss entlang sehr genoss, ohne die allgegenwärtige Inflationsthematik dabei jedoch aus dem Auge zu verlieren. So ziehen bei der anschließenden Lesung von Paula Rosa Leu nicht nur die malerischen Städte und Stifte vorbei, die sich entlang von Mitteleuropas längstem Strom wie Perlen an der Kette auffädeln. Wir erfahren auch einiges über andere Donaureisende und deren Reisefinanzierungskonzepte.

Aug 20, 20239 min

Ep 1337Zwischenfälle mit Paul Zech

Anfang der 1920er Jahre stand der literarische Expressionismus noch immer in voller Blüte, und Kurt Pinthus, Herausgeber der berühmten Anthologie Menschheitsdämmerung erinnerte sich später rückblickend in einem berühmten Bonmot sehnsüchtig an jene Zeit, in der „viel gebechert, gewerfelt und gezecht worden“ sei. Während uns Johannes R. Becher, nicht zuletzt durch seine spätere politische Tätigkeit als Kulturfunktionär in der jungen DDR, und Franz Werfel wegen einiger sehr populär gebliebener Romane noch immer sehr geläufig sind, ist der große Lyriker und produktive Dramatiker Paul Zech ein wenig in Vergessenheit geraten. 1933 ins südamerikanische Exil geflohen und dort 1946 in Buenos Aires verstorben, ist er wie so viele Exilautoren nie wirklich wieder entdeckt worden. Dass das durchaus lohnen würde, belegt ein kleiner Prosatext aus dem Berliner Tageblatt vom 19. August 1923, für uns gelesen von Frank Riede.

Aug 19, 20239 min

Ep 1336Mit Fritz Lang an König Etzels Hof

Dass die Filmproduktionen den Wert von Berichten von Dreharbeiten, spektakulären Sets oder aufwändigen Reisen für die Vermarktung entstehender Filme erkannt hatten, ist an dieser Stelle schon deutlich geworden. So überrascht es nicht, dass die Vossische Zeitung den Regisseur Fritz Lang bei seinem Dreh zu dem Zweiteiler „Die Nibelungen“ besuchte, der erst 1924 seine Premiere feierte. Für den Film, der in die Filmgeschichte eingehen würde, hatte Fritz Langs damalige Ehefrau Thea von Harbou das Drehbuch geschrieben. Der zweite Teil mit dem Titel „Kriemhilds Rache“ gipfelt in dem Gemetzel am Hofe des Hunnenfürsten Etzel, wohin Kriemhild ihre Verwandtschaft lockt, um blutige Gerechtigkeit für Siegfrieds Ermordung zu erlangen. Colin Roß, der die Vossische eigentlich mit seinen Reiseberichten aus fernen Ländern belieferte, reiste also zu den Hunnen nach Potsdam-Babelsberg und gab einen sehr lebendigen Eindruck davon, wie Stummfilm-Dreharbeiten abliefen. Wer sich dafür interessierte, musste am 18. August 1923 für die Ausgabe der Zeitung schon 50.000 Mark berappen. Roß, der in diesem Podcast öfter mit seinem rassistischen Blick auf die besuchten Regionen, negativ aufgefallen war, bestätigt diese Geisteshaltung leider auch in diesem Text, mit einem despektierlichen Blick auf die Hunnen. Es liest Paula Rosa Leu.

Aug 18, 202310 min

Ep 1335Mit Arnold Höllriegel in Palästina

Viele Jahrhunderte lang war Palästina, nun ja, der Herrgottswinkel des Osmanischen Reiches, außer von durchziehenden Beduinen und ein paar Gläubigen der verschiedenen monotheistischen Weltreligionen, die es nach Jerusalem zog, von der Weltgeschichte weitgehend unbeachtet. Dies hatte sich Anfang des 20. Jahrhunderts geändert. Nicht nur war Palästina nach dem für die Türkei verlorenen Ersten Weltkrieg als sogenanntes „Mandatsgebiet“ an Großbritannien gefallen; seit dem Aufkommen der zionistischen Bewegung zog es zudem Juden aus den verschiedenen Ecken Europas in das ‘Heilige Land‘, die sich dort zunächst in kleinen Einheiten, vor allem den berühmten Kibbuzim, ansiedelten und mit ihrem Pioniergeist das Land spürbar veränderten. Das zumindest beobachtet der Wiener Publizist Arnold Höllriegel, der das Land 1923 bereits zum zweiten Mal bereiste und gegenüber seinem ersten Besuch neun Jahr zuvor kaum wiedererkannte. Seinen Bericht über das Kalifornien am Mittelmeer aus dem Berliner Tageblatt vom 17. August liest für uns Frank Riede.

Aug 17, 20238 min

Ep 1334Griechenland nach dem Frieden von Lausanne

Die sogenannte ‘Kleinasiatische Katastrophe‘ ist in Griechenland auch nach einhundert Jahren noch tief im kollektiven Gedächtnis eingebrannt: In Folge des verlorenen griechisch-türkischen Krieges verlor man 1922 nicht nur alle anatolischen und ostthrakischen Gebiete, die Griechenland eigentlich in Konsequenz des Ersten Weltkriegs hätten zufallen sollen. Darüber hinaus mussten auch mehr als eine Million Menschen auf griechischer Seite – und ca. 400.000 auf türkischer – ihre teilweise seit Jahrhunderten angestammte Heimat verlassen und sich mittellos in ihrem „Mutterland“ eine neue Existenz aufbauen. Die nachträglich im Friedensvertrag von Lausanne getroffenen Vereinbarungen änderten an dieser Situation wenig bzw. setzten die im Krieg begonnene Politik der Vertreibung sogar noch weiter fort. Die Herausforderungen die sich für den kleinen und noch wenig entwickelten griechischen Nationalstaat daraus ergaben, streift der Artikel der Deutschen Allgemeinen Zeitung vom 16. August 1923 zumindest am Rande, fokussiert des Weiteren aber auch auf sich hier möglicherweise eröffnenden Chancen für den deutschen Import/Export. Statt von Völkern oder Ethnien spricht der Text, irritierend aber nicht zeituntypisch, meist von Rassen. Was er darüber hinaus zu sagen hat, weiß Frank Riede.

Aug 16, 20239 min

Ep 1333Die Notgeldnot

Die Ausgabe der Berliner Volks-Zeitung vom 15. August 1923 konnte für 20.000 Mark erworben werden. Doch konnte sie auch mit sogenanntem Notgeld bezahlt werden? Offensichtlich wurde die Welt der finanziellen Transaktionen in Deutschland immer unübersichtlicher, da die Firmen, die von den Banken nicht rechtzeitig das Geld bekamen, um die Löhne der Arbeiter:innen auszuzahlen, dazu übergingen, eigenes Geld auszugeben, und sich um eine Akzeptanz dieses Notgeldes zumindest in Lebensmittelgeschäften bemühten. Doch das gelang nicht immer, wie Hans Bauer in seinem sehr persönlichen Erlebnisbericht schildert, den Paula Rosa Leu für uns einliest.

Aug 15, 20234 min

Ep 1332Wie entsteht der Tod?

Wie definiert man den Tod eines Menschen? Das ist eine Frage, an der sich noch heute die Geister scheiden. Der klinische Tod wird aktuell über den irreversiblen Ausfall der Hirnfunktion gefasst. Aber je genauer man den Zeitpunkt zu fassen versucht, umso komplizierter wird es, reagiert doch das Rückenmark noch eine ganze Weile nach dem „Hirntod“ auf äußere Reize. Unter der Frage: Wie entsteht der Tod? fasste das 8 Uhr-Abendblatt vom 14. August 1923 die damalige Forschungsdiskussion zusammen. Es liest Frank Riede.

Aug 14, 20236 min

Ep 1331"Große Koalition" mit Reichskanzler Stresemann

Im August 1923 steuerte die Weimarer Republik auf ihre bis dahin größte Krise zu, bei der selbst ihr Fortbestand auf dem Spiel stand. Die Inflation hatte sich zur Hyperinflation entwickelt, der passive Widerstand in den besetzten Gebieten, der zunächst parteiübergreifend befürwortet wurde, stellte sich als Sackgasse heraus und musste aus wirtschaftlichen Gründen beendet werden. Und es war unklar, wie sich bei einem weiteren Putsch von rechts die Reichswehr verhalten würde. In dieser schwierigen Phase strebten die bürgerlichen und konservativen Kreise, die mit dem Kabinett Cuno die Regierung stellten, zunehmend eine „große“ Koalition mit der SPD an, damit diese die unpopulären Entscheidungen, die nun anstanden, mitzutragen hätte. Die SPD war dazu bereit, wollte aber keineswegs den Kanzler stellen. Und so stand sehr früh der Mitbegründer der nationalliberalen Deutschen Volkspartei Gustav Stresemann als Reichskanzler fest. Am 13. August bildete sich also das Kabinett Stresemann, das in der Form bis zum Oktober desselben Jahres Bestand haben sollte. Die Vossische Zeitung dieses Tages, die für 20.000 Mark zu erwerben war, stellt den neuen Kanzler vor. Es liest Frank Riede.

Aug 13, 20238 min

Ep 1330Mit dem Reichswasserschutz auf Patrouille in den Havelssen

Die Sonntagsausgabe des Berliner Tageblatts kostete am 12. August 1923 inflationsbedingt bereits 30.000 Mark, aber das Alltagsleben, entnehmen wir selbiger, ging dennoch nicht nur zu Lande, sondern auch zu Wasser über weite Strecken noch einen recht normalen Gang. Angler, Paddler und Motorbootführer bevölkerten eifrig die berlin-brandenburgischen Gewässer und hielten sich dabei durchaus nicht alle immer an die dort geltenden Regeln. Zum Glück gibt es eine Wasserschutzpolizei, die damals noch Reichswasserschutz hieß und die Fischereilizenzen und Geschwindigkeitsbegrenzungen überwachte. Begleitet auf seiner abendlichen Patrouille durch Potsdam und den Südwesten von Groß-Berlin, durch Havel, Wann- und Griebnitzsee hat diesen Reichswasserschutz für uns Paula Rosa Leu.

Aug 12, 20239 min

Ep 1329Teuerungskrawalle

Gestern berichteten wir noch über die Konsequenzen, die das Zeitungsgewerbe aufgrund der Inflation ziehen musste. Heute blicken wir mit der Ausgabe des Berliner Tageblatts vom 11. August 1923, die 15 Tausend Mark kostete, auf gewaltsame Proteste gegen die Teuerung der Lebensmittel, die sich offensichtlich zeitgleich über das ganze Reichsgebiet verteilt ereigneten. Im oberschlesischen Ratibor, im niederrheinischen Krefeld und in Hamburg war es zu Plünderungen und Zusammenstößen gekommen, bei denen es mindestens acht Todesopfer und unzählige Verletzte zu beklagen gab. Von diesen Teuerungskrawallen berichtet für uns Frank Riede.

Aug 11, 20236 min

Ep 1328Die Hyperinflation erreicht die Zeitungspreise

Tageszeitungen gelten oder galten jedenfalls in vor-digitalen Zeiten ihren Leser*innen klassisch als Fenster zur Welt – aber trivialerweise gehören sie natürlich zugleich immer auch zu der Welt, auf die sie berichtend, analysierend, kommentierend und glossierend verweisen. Entsprechend beherrschte die Hyperinflation im Sommer 1923 die Berliner Blätter längst nicht mehr nur thematisch, sondern schlug sich auch in ihren ständig rasant steigenden Verkaufspreisen nieder. Zumindest die Berliner Börsen-Zeitung berechnete ihren Kund*innen das Abonnement offenbar monatlich und kam dabei im Laufe des August ob galoppierender Papier- und gewiss auch Personalkosten in so große Kalamitäten, dass sie sich bereits am 10. August gezwungen sah, sich auf der Titelseite direkt an ihr Publikum zu wenden und aus aktuellem Anlass eine außerplanmäßige satte Preiserhöhung zur Monatsmitte anzukündigen. Wieviel der Blick durchs Fenster fortan kosten sollte, weiß Paula Rosa Leu.

Aug 10, 20234 min

Ep 1327Nur drei Zeilen

Im Zeitalter von SMS und Twitter sind in Serie produzierte Kürzestnachrichten ein längst akzeptiertes Mittel unserer Alltagskommunikation. Die schnelle Information scheint dem Tempo unserer Zeit mehr zu entsprechen als langatmig-mäanderndes Berichten und Erzählen. Dass das vor hundert Jahren schon ganz ähnlich gesehen werden konnte, machte einer unserer Lieblingsautoren in diesem Podcast, Alfred Polgar, in einem wunderbaren Essay über die ‚kleine Form‘ bereits Mitte der 1920er deutlich. Er hatte vor allem seine eigenen literarischen Texte im Kopf, die eigentlichen Vorläufer der heutigen kleinen Formen aber scheinen sich nicht zuletzt auch in Zeitungsspalten wie derjenigen der DAZ unter dem Titel „Nur drei Zeilen“ zu finden. Frank Riede liest diese Kurznachrichten vom 9. August 1923.

Aug 9, 20234 min

Ep 1326Sullivan durchschwimmt den Ärmelkanal

Während man heute vom Festland kommend auf dem Weg nach Großbritannien, so man es sich leisten will, durch den Tunnel saust, galt es Jahrtausende lang, den Ärmelkanal mit einem Boot zu überqueren - es sei denn, man schwamm einfach. Als erster inoffizieller Durchschwimmer gilt der Soldat Saletti, der 1815 von den Engländern bei Waterloo gefangen genommen in Dover vom Boot sprang, um kurzerhand zurück nach Frankreich zu schwimmen. Offiziell gilt Matthew Webb als der erste Bezwinger, der 1875 den Kanal in etwa 21 Stunden durchschwamm, dadurch eine gewisse Berühmtheit erlangte, und 1883 bei dem Versuch starb, die Stromschnellen oberhalb der Niagara-Fälle zu durchqueren. Der zweite erfolgreiche Versuch ohne Hilfsmittel fand 1911 durch Thomas Burgess, der 22 ½ Stunden benötigte, statt. ​​1923 gelang dann die Überquerung zum dritten Mal. In beinahe 27 Stunden schwamm am 5. August Henry Sullivan von England nach Frankreich. Noch im selben Jahr gelang es allerdings zwei weiteren Schwimmern, bevor es 1926 Gertrude Ederle als erster Frau in weniger als 15 Stunden gelang. ​​Die Berliner Morgenpost berichtete am 7. August 1923 von Sullivans Erfolg. Paula Rosa Leu war im Begleitboot für uns dabei.

Aug 8, 20236 min

Ep 1325Protest gegen einen Moscheebau am Kaiserdamm

Moscheebauten in Europa, erfahren wir aus der Berliner Morgenpost vom 7. August 1923, waren auch schon vor einhundert Jahren ein Politikum. Am Kaiserdamm im gerade erst in Erschließung begriffenen Westen Charlottenburgs plante die Ahmadia-Gemeinde ein solches muslimisches Gotteshaus – das erste in Berlin –und stieß dabei nicht auf nur auf Wohlwollen. Die Proteste kamen aber nicht etwa, wie bisweilen heutzutage und deshalb vielleicht zu erwarten, aus rechten, deutschnationalen Kreisen. Vielmehr wurde die Ahmadia wegen vermeintlich zu großer England-Freundlichkeit von einigen anderen Muslimen angefeindet, die bei der Grundsteinlegung am Bahnhof Witzleben prompt für einen kleinen Eklat sorgten. ​​Dass dieser Grundsteinlegung letztlich kein Bau folgte, hatte indes wiederum andere, ökonomische Gründe. Aufgrund der galoppierenden Inflation wurde das ehrgeizige Projekt bald abgebrochen und stattdessen ein paar Jahre später die heute noch bestehende, freistehende Moschee an der Brienner Straße in Wilmersdorf realisiert. Es liest Frank Riede.

Aug 7, 20235 min

Ep 1324Künstler:innenexodus nach Hollywood

Der große Regisseur Ernst Lubitsch war 1922 nach Hollywood gegangen, wovon seine Briefe aus Los Angeles zeugen, die in diesem Podcast bereits zu hören waren. Doch was bedeutete es für den Deutschen Film, dass Regisseure und Schauspieler:innen Deutschland verließen? Ein mit „Aros“ zeichnender Autor des Berliner Lokal-Anzeigers nahm eine Premiere von Lubitschs letztem in Deutschland gedrehten Film, „Die Flamme“, zum Anlass, um am 6. August 1923 die patriotische Wehklage vom Ausverkauf der deutschen Filmkunst anzustimmen. Sollte Deutschland stolz sein, dass seine Künstler den amerikanischen Markt eroberten? Oder war es vielmehr ein Verlust, der die Filmindustrie in Deutschland weiter ruinierte, verursacht durch materialistische Interessen der Künstler:innen, die vom Dollar gelockt wurden. Der Autor, der die Bedeutung des deutschen Films erhalten wollte, ahnte freilich nicht, dass die Nationalsozialisten 10 Jahre später, zu Hauf Künstler:innen nach Amerika vertreiben, und so der Weimarer Filmkunst ein Ende bereiten würden. Es liest Paula Rosa Leu.

Aug 6, 202310 min

Ep 1323Das Gehalt der Hausfrau

Die heutigen Debatten rund um die sog. Care-Arbeit und die geringe Wertschätzung, die diese erfährt, auch pekuniär, finden ihre Vorläufer, wen überrascht es, auch vor hundert Jahren. In der Beilage „Berliner Moden-Zeitung“ der Berliner Volks-Zeitung vom 5. August 1923 ist nicht nur ein Schaukasten, der anhand von Zeichnungen belegt, warum das Korsett gesundheitlich schädlich ist, sondern auch eine Abhandlung über ein „Gehalt der Hausfrau“. Eine Autorin, oder ein Autor, zeichnend mit dem Pseudonym „Schlipski“, macht hier sehr konkret deutlich, was die Frauen der Zeit leisten, um dabei auch noch vom knappen Haushaltsgeld und den kargen Zuwendungen des verdienenden Ehemannes abhängig zu sein. Allein an dieser Beschreibung lässt sich erkennen, dass der Artikel für heutige Ohren veraltete Rollenbilder zu Grunde legt, die Stoßrichtung reicht aber deutlich in Richtung heutiger Care-Arbeit-Diskurse. Frank Riede liest.

Aug 5, 20235 min

Ep 1322Beim Wunder-Doktor der Rede-Kunst

Die Rhetorik, die Kunst der Rede hat als Disziplin eine lange Tradition, die weit in die Antike zurückreicht. Wie kann man mittels einer Rede das Gegenüber von einer Sache überzeugen oder zu einer Handlung bewegen? Diese Frage beantwortet die Rhetorik und gibt Anleitungen zum Erfolg. Natürlich gab es Bereiche und Zeitphasen im Laufe der Jahrtausende, in denen die Rhetorik weniger Ansehen genoss und etwa als reine inhaltsferne und substanzlose Mechanik betrachtet wurde. Zu einem neuen Höhepunkt jedenfalls wollte ihr, so erfahren wir aus dem 8Uhr-Abendblatt vom 4. August 1923, ein moderner Rhetor verhelfen, der in Berlin eine Redner-Akademie eröffnete und für jeden Beruf, jeden Kontext Schulungen anbot. Der Autor des Zeitunsartikels, der mit dem Pseudonym „Glossator“ zeichnete, hat sich dort für uns umgesehen und einen rhetorisch ausgefeilten Text verfasst, den Frank Riede für uns vorträgt.

Aug 4, 20239 min

Ep 1321Der US-Präsident ist tot, es lebe der US-Präsident!

Der Präsident ist tot, es lebe der Präsident! – Gleich dreimal in den letzten einhundert Jahren ertönte dieser Ruf in den USA, weil ein Vize für seinen im Amt verstorbenen Chef ins Weiße Haus aufrückte. Zuletzt der Fall war dies 1963, als Lyndon B. Johnson für den ermordeten John F. Kennedy in die Bresche sprang, zuvor hatte Harry S. Truman 1945 für den verstorbenen Franklin D. Roosevelt übernommen, und am 2. August 1923 folgte Calvin Coolidge auf Warren G. Harding, der auf der Rückreise von einem Besuch des Alaska-Territoriums in San Francisco einem Herzinfarkt oder Schlaganfall erlegen war. Als mächtigster Mann der Welt war der USA-Präsident seinerzeit, anders als dann nach 1945, noch nicht unbedingt gesetzt. Sein plötzliches Ableben war aber natürlich dennoch eine Weltnachricht, die es als solche auch in Deutschland auf die Titelseiten der Zeitungen schaffte und dort die eigenen Themen und Sorgen zumindest kurzzeitig verdrängte – wenngleich diese sich, wie gleich zu hören, durch die Hintertür gerne auch in die Nachrufe auf Harding wieder einschlichen. Den aus dem 8-Uhr-Abendblatt vom 3. August, nebst einem Porträt seines Nachfolger Coolidge, liest Frank Riede.

Aug 3, 202310 min

Ep 1320Insektenbegräbnis in Westminster Hall

Ach ja, die Briten und ihr Humor – was haben wir dem nicht alles zu verdanken! Sir John Falstaff und Monty Python’s Flying Circus. Prinz George mit seinen Fratzen und Boris Johnson mit seinen Faxen. Und auch ein veritables Staatsbegräbnis für Holzwürmer, von dem uns dankenswerterweise das Berliner Tageblatt vom 2. August 1923 in Kenntnis setzt. Dieses fand, wie im Vereinigten Königreich zu erwarten, natürlich nicht irgendwo statt, sondern in den heiligen Mauern von Westminster Hall, wo die Verstorbenen, genauer gesagt: die Gerichteten auch zuvor schon gelebt hatten. Aus dem royalen London berichtet für uns Paula Rosa Seelmann-Eggebert.

Aug 2, 20234 min

Ep 1319Ein Brief vom Lido aus Venedig

Wie kann man den August standesgemäßer einläuten als mit einem Reisebrief vom Lido aus Venedig? Das dachte sich auch schon vor einhundert Jahren die B.Z. am Mittag und druckte in ihrer Ausgabe vom 1.8. 1923 einen solchen ihres Mitarbeiters Adolf Weißmann als Trost an alle Daheimgebliebenen ab. Wobei – wenn man so hört, was Frank Riede uns gleich verliest, wird man vom Reisefieber wahrscheinlich erst so richtig erfasst. Bei uns Nachgeborenen ist es zudem das Zeitreisefieber, denn bei allem beschriebenen Trubel auf dem Strand und auf der Piazza vermittelt der Bericht vom Venedig der Vor-Overtourism-Zeit einen doch vergleichsweise eher noch beschaulichen Eindruck.

Aug 1, 20237 min

Ep 1318Auf Erzfahrt nach Nordschweden

Die Nachricht elektrisierte vor einigen Wochen die europäische Öffentlichkeit: In Nordschweden ist man in großen Mengen auf sogenannte seltene Erden gestoßen, deren Fund die Hoffnung auf baldige Unabhängigkeit von chinesischen Beständen bei dieser industriell wertvollen Ressource weckt. Dass die Gegend um Kiruna ein wichtiges Rohstofflager birgt, ist indes alles andere als eine neue Entdeckung. Bereits seit Jahrhunderten fördert man dort in Riesenumfang Eisenerze und versorgte damit phasenweise die halbe Welt. Mit der Zusicherung, Deutschland damit exklusiv zu beliefern, vermochten die Schweden während des Zweiten Weltkriegs sogar einem Einmarsch der Wehrmacht vorzubeugen. Von dieser düsteren Zeit weiß der Reisebericht aus dem Berliner Tageblatt vom 31. Juli 1923 naturgemäß noch nichts, als es zu seiner „Erzfahrt“ über die Ostsee nach Luleå kurz vor dem Polarkreis aufbricht. Durch die Schären ins Reich der Mitternachtssonne mitgereist ist für uns Paula Rosa Leu.

Jul 31, 20238 min

Ep 1317Friedensdemo “Nie wieder Krieg" - mit oder ohne Langevin?

Paul Langevin war ein französischer Physiker, der neben der Erfindung der Langevin-Gleichung und einer Affäre mit der verwitweten Marie Curie vor allem durch sein Hervortreten als Pazifist von sich Reden machte. Als in Berlin der Aktionsausschuss „Nie wieder Krieg“ zum 9. Jahrestag des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs zu einer Friedenskundgebung aufrief, reiste er an, zusammen mit seinem Freund Albert Einstein. Sollte ausgerechnet ein Franzose, Vertreter der Nation, die Teile Deutschlands besetzt hielt, auf der Demo sprechen? Der Polizeipräsident kam zum Schluss, dass Langevin nicht sprechen sollte. Was dann passierte berichtete der Vorwärts am 30. Juli 1923, und für uns Frank Riede.

Jul 30, 20234 min

Ep 1316Der Printator überzeugt Gabriele Tergit nicht wirklich

Oops, we did it again. Schon zum wiederholten Male haben wir einen Text von Gabriele Tergit aus den Untiefen der Archive gezogen, der in den einschlägigen Sammelbänden ihrer journalistischen Arbeiten noch nicht enthalten, also weithin unbekannt ist. Bei ihrem „Printator“ aus dem Berliner Tageblatt vom 29. Juli 1923 handelt es sich um eine echte Miniatur, nur wenige Zeilen stark, und er widmet sich dem gleichnamigen Patent eines Notizlöschblocks, auch Zaubertafel oder Wunderblock genannt, bei dem ein Schreibgriffel das Deckblatt auf eine darunter liegende Wachstafel drückt – und sich das Geschriebene anschließend durch einen mechanischen Vorgang, der die Folie wieder von der Wachsschicht abhebt, umgehend wie von Zauberhand wieder löschen lässt. Wie viele Texte Gabriele Tergit auf Printator geschrieben und später wieder zum Verschwinden gebracht hat, wissen wir nicht. Alles was sie auf geduldiges Papier gebracht hat, versprochen, werden wir jedoch finden und Euch exklusiv hier bei Auf den Tag genau präsentieren – wie heute den „Printator“ durch Paula Rosa Leu.

Jul 29, 20234 min

Ep 1315Die Zeichen stehen auf Sturm

Stürme brechen in der Regel nicht plötzlich über das Land herein, sondern kündigen sich durch Vorboten an. Das gilt nicht nur in der Meteorologie, sondern auch für politische Räume – das jedenfalls insinuiert ein Text aus der Berliner Volks-Zeitung vom 28. Juli 1923, der die weiter rasant voranschreitende Geldentwertung und die daraus resultierenden schweren sozialen Verwerfungen als Wetterleuchten noch größeren politischen Ungemachs interpretiert. Wie wir heute wissen, lag er mit dieser Prognose nicht so verkehrt: Der hier heftig attackierte Reichskanzler Cuno war wenige Tage später bereits Geschichte, und auch sonst sollten die folgenden Monate ja noch jede Menge politische Dramatik liefern. Als Prophet unruhiger Zeiten betätigt sich für uns Frank Riede.

Jul 28, 20236 min

Ep 1314Fritz Lang über den Regie-Beruf

ausgeprägt - oftmals war es die Person, die an der Kamera kurbelte, die zugleich die Schauspieler anwies. Je länger und komplexer die Filme wurden, je mehr Gewerke, wie Szenografie, Kostüm, Beleuchtung an ihnen beteiligt waren, umso mehr bedurfte es einer Position am Set, die das alles zusammenführte. Was macht aber eigentlich einen guten Filmregisseur, eine gute Filmregisseurin aus? Fritz Lang, der bereits 1923 als ein Großer seiner Zunft galt, beantwortete diese Frage für das 12-Uhr-Blatt vom 27. Juli. Frank Riede liest.

Jul 27, 20236 min

Ep 1313Deutschland vor dem Problem der Geldlosigkeit

Wie den Hörer:innen dieses Podcasts nicht entgangen sein dürfte, plagte die Weimarer Republik im Juli 1923 eine fortschreitende Geldentwertung, die zu enormen sozialen Verwerfungen führte – und die eigentliche exponentielle Hyperinflation stand noch bevor! Es war deutlich, dass Deutschland auf eine Katastrophe zu schlitterte, weshalb es nicht überrascht, dass der Berliner Börsen-Courier am 26. 7. den ganz großen historischen Vergleich bemühte: den Untergang des Römischen Reiches. Waren dort die Edelmetalle nur Neige gegangen, so fehlte es dem Deutschen Reich an Geld, an Papiergeld. Paula Rosa Leu führt uns ein in die Probleme der Geldherstellung und -distribution.

Jul 26, 20237 min

Ep 1312Der Friedensvertrag von Lausanne

Der Vertrag von Lausanne aus dem Juli 1923 war kaum weniger als eine vollständige Revision des Friedensvertrags, den man drei Jahre zuvor im Pariser Vorort Sèvres abgeschlossen hatte. Großer Gewinner war die in Gründung begriffene Türkische Republik, die fast alle der im Griechisch-Türkischen Krieg eroberten Gebiete ihrem Staatsgebiet hinzufügen durfte. Weder kam es zu der vorgesehenen Bildung eines armenischen Staates, noch war von den griechischen Ansprüchen auf Teile Kleinasiens und Ostthraziens etwas übrig geblieben. Außerdem verabredeten die an der Konferenz beteiligten Mächte einen folgenschweren Bevölkerungsaustausch, in dessen Rahmen weit über eine Million Griechen und etliche Hunderttausend Türken ihre teils jahrhundertelange Heimat aufgeben und in ihr „Mutterland“ übersiedeln mussten. Von diesen Inhalten erzählt der Bericht der Berliner Morgenpost vom 25. Juli wenig; dafür beschreibt er sehr ausführlich das Abschlusszeremoniell, welches trotz allen Zinnobers durchaus erahnen ließ, dass hier einige Vertragspartner eher mit dem Messer zwischen den Zähnen unterschrieben. Es liest Paula Rosa Leu.

Jul 25, 20236 min

Ep 1311Walther von der Vogelweide in Kufstein

Über das Leben oder auch nur die Herkunft Walthers von der Vogelweide, des bedeutendsten deutschsprachigen Lyrikers des Mittelalters, ist bis heute erstaunlich wenig Gesichertes bekannt. Lange Zeit ging man fest davon aus, dass er aus dem Tirolerischen stammte, was wohl auch der Grund dafür gewesen sein dürfte, dass man im Sommer 1923 auf der zu Lebzeiten Walthers erstmals urkundlich erwähnten Festung Geroldseck in Kufstein am grünen Inn sommerliches Freilufttheater zu seinen Ehren veranstaltete. Ein wenig ist man hier geneigt, Parallelen zum Setting des Jedermann auf dem nahen Salzburger Domplatz zu ziehen. Nicht nur der Untertitel „Ein vaterländisches Burgenspiel“, sondern auch einige Begriffe aus der Besprechung des Berliner Lokal-Anzeigers vom 24. Juli legen indes nahe, dass die Ausrichtung dieser Burgfestspiele, verglichen mit dem sehr österreichischen Charakter der Salzburger Festspiele, eher in die deutschnationale Richtung gegangen sein könnte. Es liest Frank Riede.

Jul 24, 20237 min

Ep 1310Curt Glaser über Jacopo Tintoretto

Dass ästhetische Vorlieben historischem Wandel unterworfen sind, ist eine Binse. Jacopo Tintoretto, der große venezianische Meister des Manierismus wurde lange Zeit an den Maßstäben der vorangegangenen Renaissance gemessen und sein Schaffen entsprechend kritisch beurteilt. Folgt man Curt Glaser und dessen Ausführungen im Berliner Börsen-Courier vom 23. Juli 1923, so setzte eine Neubewertung seiner Person und seines Werkes erst im 20. Jahrhundert ein. Drei frisch erschienene Monographien taugen Glaser zur Untermauerung dieser These. Alle drei streift sein Text aber nur am Rande, um stattdessen seinem eigenen Blick auf Tintoretto weit größeren Raum zu geben. Das ist dennoch höchst interessant, denn Glaser war ein ausgewiesener Kenner und auch bedeutender Sammler der Kunst von der Renaissance bis zur Gegenwart. Große Teile dieser Sammlung musste Glaser in die Auktion geben, als er sich 1933 zunächst ins schweizerische, dann ins italienische und schließlich ins amerikanische Exil begab, wo er 1943 verstarb. Es liest Frank Riede.

Jul 23, 202310 min

Ep 1309Auf der Jagd nach Nachrichtenfilmen

Der Hunger nach bewegten Bildern von großen Ereignissen, Katastrophen oder herausragenden Leistungen nahm vor hundert Jahren ordentlich Fahrt auf. Was später in Formaten wie der Tagesschau und anderen Nachrichtensendungen kanalisiert wurde, waren in der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert die kurzen Nachrichten-Schauen, die in den Kinos vor dem Hauptfilm gezeigt wurden. Natürlich erreichten die Bilder die Kinos erst Tage oder gar Wochen nachdem sie aufgenommen worden waren, und dennoch galten sie als brandheiße News. Die Berliner Börsen-Zeitung gab in ihrer Ausgabe vom 22. Juli 1923 einen Einblick hinter die Kulissen dieser aufkommenden Nachrichtenindustrie, schildert den großen Aufwand der betrieben wurde, um die Kameraleute möglichst schnell zum Ereignis und das Material möglichst schnell wieder zur Produktionsfirma zu bringen. Was es bedeutete „Neues vom Tage“ zu bebildern, als es noch keine Bevölkerung von Handy-Hobbyfilmern gab, die bei jedem Ereignis Bilder produzierten, erzählt uns Paula Rosa Leu.

Jul 22, 20236 min

Ep 1308Der arme Dieb - Spitzweg gestohlen

In der Alten Nationalgalerie wird ein Gemälde von Carl Spitzweg gestohlen und wir finden am Folgetag in vielen Tageszeitungen keinen Bericht darüber, und da, wo wir fündig werden, handelt es sich um eine kurze, völlig unaufgeregte Meldung auf Seite 5 darüber, dass das Bild bestimmt bald wieder vom Dieb selbst zurückgebracht wird. Heutzutage völlig unvorstellbar. So ähnlich aber vor genau 100 Jahren passiert. Damals hieß die heutige „Alte Nationalgalerie“ noch „Nationalgalerie“. Ein Dieb stahl ein Gemälde von Spitzweg und es war vielen Zeitungen keine Notiz wert. Lediglich im Berliner Lokal-Anzeiger vom 21. Juli fanden wir folgenden sehr entspannten Artikel, den Frank Riede für uns liest.

Jul 21, 20235 min