
Auf den Tag genau
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Ep 107Weiterhin Putschgefahr?
Der Kapp-Lüttwitz-Putsch vom März 1920 war zwar mit vereinten lagerübergreifend republikanischen Kräften innerhalb weniger Tage abgewehrt worden – die Angst vor einer gewaltsamen Machtübernahme von rechts war damit aber keineswegs vom Tisch. Nachdem die von der eigenen Armeespitze ausgehende Gefahr vorher naiv verkannt worden war, nahm man dort auszumachende Umtriebe nun von Regierungsseite umso nervöser in den Blick und versuchte sich gegen etwaige neue Staatsstreichbestrebungen zu wappnen. Die sozialdemokratische Parteizeitung Vorwärts vom 15. April 1920 belässt es deshalb denn auch nicht bei einem sorgenvollen Bericht aus ostelbischen Kasernen. Sie verbindet diesen vielmehr mit einem vorangestellten Aufruf an die eigenen Parteigenossen, die Republik notfalls auch mit der Waffe zu verteidigen. Es liest Paula Leu.
Ep 106Ferienreform in Berlin
Im April 1920 schickte sich die Schulverwaltung von Groß-Berlin an, die Ferienzeiten der Schulen zu reformieren. Ausgehend von der Einsicht, dass es auch eine „Pädagogik der Ferien“ gibt, versuchte man den Kindern eine seelische und körperliche Erholung, vorzugsweise in der Natur außerhalb des innerstädtischen Lebensalltags, zu ermöglichen. Die Berliner Volkszeitung berichtet über diese sozialpädagogischen Pläne in ihrer Ausgabe vom 14. April 1920. Es liest Frank Riede.
Ep 105Die Putsch-Pandemie
Noch eine Pandemie? Eine Putsch-Pandemie? Am 13.4.1920 berichtet der Berliner Börsen-Courier vom Höhepunkt der sogenannten „Tragischen Woche“ in Guatemala. Der langjährige, das Land autokratisch führende Präsident Manuel Estrada Cabrera war von der Nationalversammlung als zur Amtsführung unfähig erklärt worden. Cabrera hatte seinen Getreuen darauf den Befehl zum Beschuss der Hauptstadt gegeben. In seiner kurzen Notiz stellt der BBC diese Nachricht in die Reihe politischer Putschversuche aus der jüngsten Vergangenheit. Es liest Paula Leu.
Ep 104Bayerns Sonderwege
In Bayern gehen die Uhren bisweilen politisch etwas anders: Diese Regel galt auch schon zu Zeiten der Weimarer Republik. Während sich in Berlin in der Revolution von 1918/19 die republikanischen Kräfte durchsetzen, wird in München die berühmte bayerische Räterepublik aus der Taufe gehoben. Sie bleibt freilich eine Erscheinung von kurzer Dauer. Nach den für die USPD verheerenden Landtagswahlen 1919 und dem Attentat auf ihren Kopf und Ministerpräsidenten Kurt Eisner entwickelte sich der Freistaat, im Gegenteil, nun wiederum zu einer Hochburg und zu einem Laboratorium rechtsreaktionärer Kräfte. Eine Tendenz, die spätestens mit dem Kapp-Putsch einsetzte und bereits dem Berliner Tageblatt vom 12. April 1920 Sorgen bereitet. Es liest Frank Riede.
Ep 103Triumph der Militaristen
Die Tageszeitung „Freiheit“ bestand zwischen 1918 und 1922 als Parteizeitung der USPD, also, der Partei, die sich sozusagen als „linker Flügel“ von der SPD abgespalten hatte. Die Zeitung stand dementsprechend der herrschenden Regierungskoalition unter SPD-Führung sehr kritisch gegenüber, vor allem was ihre Zusammenarbeit mit den „bürgerlichen” Parteien anging, etwa bei der Niederschlagung der Aufstände im Industrierevier. Am 11.4. findet sich in der Freiheit ein Artikel, der eine von der allgemein dominierenden Perspektive abweichende Sicht auf die Kämpfe im Ruhrgebiet präsentiert. Es liest Frank Riede.
Ep 102Wie stoppt man die Verbreitung der Grippe?
Pandemien hat es bekanntlich immer schon gegeben. Zu den schwersten diesbezüglichen Geißeln zählte im 20. Jahrhundert die sogenannte Spanische Grippe, die in den Jahren 1918 bis 1920 in mehreren Wellen um den Globus ging und mit ihren mindestens 25 Millionen Opfern wohl allein mehr Tote forderte als der Erste Weltkrieg. Im Gegensatz zu heute wurden seinerzeit zumindest in Deutschland und Europa indes erstaunlich wenig epidemologische Schutzmaßnahmen ergriffen; das öffentliche soziale und kulturelle Leben pulsierte fast ungebremst weiter. Auf nachgerade skurrile Weise vertraut nehmen sich hingegen die medizinischen Ratschläge gegen eine weitere Verbreitung aus, die die Kliniker seinerzeit aussprachen und die der Vorwärts in seiner Ausgabe vom 10. April 1920 wie folgt zusammenfasst. Es liest Paula Leu.
Ep 101Durch Berlins Kanalisation
Die Berliner Unterwelt, im übertragenen Sinne, hat ihren festen Platz in der Erinnerungskultur an die 20er Jahre. Ein Autor der Morgenpost widmet sich am 9. April 1920 aber der tatsächlichen Unterwelt Berlins, wie er sie dutzende Meter unterhalb der Großstadt vorfindet. Für ihn sind die Kanäle, Leitungen und Tunnel, nun wieder im übertragenen Sinne, die Verdauungsorgane Berlins. Gelesen von Frank Riede.
Ep 100Frankfurter Zusammenstöße
Der sogenannte Kapp-Putsch vom 13. März 1920 galt zwar spätestens mit der Beendigung des Generalsstreiks am 23. März als abgewehrt. Die von ihm ausgelösten Erschütterungen zogen allerdings immer noch weite Kreise. Nach wie vor tobten Anfang April vor allem im Ruhrgebiet Kämpfe zwischen aufständischen Arbeitern und der Reichswehr - was wiederum die französische Politik auf den Plan rief, die durch die damit verbundenen deutschen Truppenbewegungen in Grenznähe wesentliche Paragraphen des Versailler Friedensvertrags verletzt wähnte. Unmittelbare Folge war ein Vorstoß französischer Armeeverbände über den Rhein, der in einer mehrtägigen Besetzung Frankfurts am Main und umliegender Städte mündete. Die deutsche Empörung über diese Aktion und die durch sie ausgelösten blutigen Zusammenstöße war enorm, wovon auch der folgende Bericht im Berliner Tageblatt vom 8. April 1920 eindrücklich kündet. Es liest Frank Riede.
Ep 99Schieber der Fremdsprachen
Am 7. April wirft das 8-Uhr Abendblatt einen Blick auf den Fremdsprachenunterricht in Berlin. Welche Fremdsprachen sind beliebt und wer lernt diese Fremdsprachen? Die Ergebnisse der Recherche werden mit der Situation vor dem Ersten Weltkrieg verglichen. Dabei zeigt sich nicht nur eine Verschiebung bei den Präferenzen, sondern auch eine neue am Fremdsprachenerwerb interessierte Kundschaft: die Schieber. Es liest Paula Leu.
Ep 98Vormarsch im Ruhrgebiet
Wie befürchtet kommt es aufgrund der Unruhen an der Ruhr zu einer Polizeiaktion im sogenannten Industriegebiet. Truppen der Reichswehr rücken auf die Hochburgen der Aufrührer vor. Obwohl Kampfhandlungen, wenn möglch, vermieden werden sollen, leidet die Bevölkerung unter der Auseinandersetzung und der Gewalt von beiden Seiten. Politisch gibt es durch das gesamte Spektrum der republikanischen Parteien kaum Widerspruch – obwohl hier zur Verteidigung der Republik auf Truppenteile und auf Freikorps zurückgegriffen wird, die diese noch vor kurzem mit Kapp und Lüttwitz zu stürzen suchten. Der Vorwärts berichtet über den Vormarsch ins Ruhrgebiet am 6.4.1920.
Ep 97Ostermontag 1920
Auf den 5. April fiel 1920 der Ostermontag. An diesem Tag erschienen keine Zeitungen, weshalb unser Podcast heute nicht wie gewohnt einen Artikel präsentiert. Sie können natürlich gerne alte Folgen nachhören. Uns bleibt nicht anderers übrig, als Ihnen zu Wünschen, dass Sie gesund durch die Covid 19-Krise kommen.
Ep 96Ignaz Wrobel beobachtet Offiziere
Viele, auch in diesem Podcast immer wieder berücksichtigte, Debatten nach dem Ersten Weltkrieg, und noch mehr nach dem gescheiterten Kapp-Putsch, drehten sich um die vergangene und zukünftige Rolle des Militärs. Eine eindeutige Position zum “Beitrag” des Militärs für die Gesellschaft bezieht Kurt Tucholsky in einem unter seinem Pseudonym Ignaz Wrobel veröffentlichten Text in der Berliner Volkszeitung vom 4. April 1920. Es liest Frank Riede.
Ep 95Die Lage im Ruhrgebiet
Der Kapp-Putsch ist vorbei, aber noch sind nicht alle Landesteile vollständig befriedet. Im Ruhrgebiet kämpfen bewaffnete Gruppen, die sich selbst als ‚Rote Armee‘ bezeichnen und politisch außerhalb der parteimäßig organisierten Linken verorten, um Städte wie Essen, Duisburg oder Bochum. Die Situation ist angespannt, ein polizeiliches Einschreiten der Regierung nicht ausgeschlossen, wie die Vossische Zeitung am 3.4.1920 berichtet. Es liest Paula Leu.
Ep 94Berlins Selbstmörderfriedhof
Heute wie vor einhundert Jahren findet sich weit draußen im Jagen 135 des Grunewalds, nahe des Schildhornwegs, ein abgelegener kleiner Waldfriedhof, für den sich im Volksmund der Name „Friedhof der Namenlosen“ oder „Selbstmörderfriedhof“ eingebürgert hat. Nach den lärmenden Wochen des Kapp-Putsches nimmt sich die Berliner Morgenpost vom 2. April 1920 die Muße, diesem in der Karwoche einen stillen Besuch abzustatten. Und appelliert an Staat und Gemeinde – im Tod seien schließlich alle Menschen gleich –, ihm die gleiche Pflege wie anderen Friedhöfen zukommen zu lassen. Es liest Frank Riede.
Ep 93Ossietzky: Die demokratische Parole!
Zwei Wochen nach dem sogenannten Kapp-Putsch sind Einigkeit und Zusammenhalt von demokratischen Parteien und Zivilgesellschaft gegen Rechts beinahe schon Geschichte. Die alten Streitigkeiten brechen wieder auf. In der Berliner Volkszeitung vom 1.4.1920 analysiert der spätere Herausgeber der Weltbühne und Friedensnobelpreisträger Carl von Ossietzky die Lage und fordert eine neue demokratische Parole, eine offene, wahrhafte Politik der Eindeutigkeit, um den Herausforderungen der kommenden Zeit gewachsen zu sein. Es liest Paula Leu.
Ep 92Wenn der Kaiser nicht mehr kommt…
Das beschauliche oberösterreichische Städtchen Ischl war zu k.u.k.-Zeiten so etwas wie die heimliche Sommer-Hauptstadt Österreich-Ungarns. Alljährlich residierte Franz Josef I. hier mit seinem gesamten Hofstaat zur Sommerfrische und ließ ganz Ischl wochenlang in Kaisergelb erstrahlen. Mit diesem imperialen Glanz war es nach der Abdankung des Kaisers und dem Zerfall der Doppelmonarchie naturgemäß vorbei, und Ischl über Nacht ein profaner Ort im Salzkammergut. Wie sehr die kaiserliche Vergangenheit freilich immer noch hinter jeder Ecke hervorlugte und der daraus resultierende Phantomschmerz die Atmosphäre an der Traun prägte, weiß der große Feuilletonist Alfred Polgar in seinem vorösterlichen Reisebericht im Berliner Tageblatt vom 31. März 1920 zu beschreiben. Es liest Frank Riede.
Ep 91Wagner-Comeback in New York
Der Erste Weltkrieg mit seiner abschließenden militärischen Niederlage hatte Deutschland nicht nur politisch und wirtschaftlich isoliert. Die Ächtung vor allem in der sogenannten westlichen Welt erstreckte sich vielerorts auch auf die deutsche Kultur, die sich – erklärt oder unerklärt – gerade in Amerika jahrelang ausgeprägter Boykottmaßnahmen ausgesetzt sah. Von dem zarten Pflänzchen einer vorsichtigen Rückkehr deutscher Komponisten in das Konzertleben berichtet am 30. März 1920 aus New York der Korrespondent der B.Z. am Mittag – und auch von feinen Unterschieden, die dabei zwischen einzelnen Künstlern vorerst gemacht wurden. Gelesen von Paula Leu.
Ep 90Ledige Telefonistin gesucht!
Die Weimarer Zeitungen hatten alle eine Rubrik für kleine und Kleinstmeldungen, die jeweils unterschiedliche Namen trugen: Drahtmeldungen oder Aus aller Welt. Im Falle der Neuköllnischen Zeitung hieß sie Lokales und Vermischtes. In der Ausgabe vom 29. März liest man dort etwa von einer spektakulären Schmugglerjagd, von den Berufsqualifikationen einer Fernsprechgehilfin und vom S-Bahn-Todesschützen. Es liest Frank Riede.
Ep 89Ludendorff: Ich war’s auch nicht!
Nach der erfolgreichen Abwehr des Kapp-Putsches war recht schnell klar, dass das zwischenzeitlich nach Stuttgart geflohene Kabinett unter dem Sozialdemokraten Gustav Bauer am Ende war. Am 28. März konstituierte sich eine neue Regierung unter dem Sozialdemokraten Herrmann Müller. An der Macht blieb aber eine Koalition aus SPD, Zentrumspartei und der Deutschen Demokratischen Partei, der DDP. Die neue Ministerliste präsentieren alle Zeitungen des Tages, sowie sie auch von der juristischen Verteidigung des ehemaligen Generals Ludendorff berichten, der nicht am Kapp-Putsch beteiligt gewesen sein will. Hier die entsprechende Meldung aus der Vossischen Zeitung.
Ep 88Für eine Polizei in Jogginghosen!
Der Kapp-Putsch hatte gezeigt, wie sehr auch große Teile der Reichswehr noch durch anti-demokratisch monarchistische Kräfte bestimmt waren. Statt sie zu schützen, schien das Militär eher Gefahr für die junge Republik zu sein. In der Berliner Volkszeitung vom 27. März 1920 fordert Willy Meyer, Hauptmann a.D, eine radikale Lösung: Statt Soldaten in Uniform brauche es Polizisten im Trainingsanzug, statt Säbeln, Gummiknüttel, um die Sicherheit des neuen Staatswesens zu garantieren. Es liest Frank Riede.
Ep 87Neue Geschichtsbücher müssen her!
Die Frage, wie sich die Republik zukunftssicher machen und ihre Jugend in republikanischem, weltoffenem Geist erziehen kann, wird zu Beginn der 1920er Jahre immer wieder diskutiert. Das Verhältnis der staatlichen Bildungseinrichtungen, vor allem der Schulen steht dabei im Mittelpunkt des Interesses. In seinem Beitrag für den Vorwärts vom 26. März 1920 erläutert Oberlehrer Doktor Erich Witte die Bedeutung der Entscheidung des Ministers für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung in diesem Zusammenhang, die noch aus dem Kaiserreich stammenden Lehrbücher für den Geschichtsunterricht durch neue, republikanisch taugliche zu ersetzen. Es liest Frank Riede.
Ep 86Jetzt will’s keiner gewesen sein…
Natürlich beschäftigen sich auch am 25. März die Leitartikel der Hauptstadtpresse mit den überstandenen Kapp-Putsch. Das Berliner Tageblatt hebt besonders eine Charakteristik der Putschisten hervor, nämlich die massive Verbreitung dessen, was wir heute als „Fake-News“ oder „alternative Fakten“ bezeichnen würden. Zudem wird eine ausgesprochene „Verantwortungsflucht“ der Beteiligten herausgestellt. Weder die direkt am Putsch beteiligten, noch die rechten Sympathisanten in Presse und Politik stellen sich ihrer Verantwortung, sondern entziehen sich dieser durch Flucht oder neue „Fake-News“. Es liest Frank Riede.
Ep 85Die 11 Sturmtage
In der ersten Ausgabe nach Beendigung des Generalstreiks zieht die Vossische Zeitung ein erstes Fazit der Ereignisse. Der Autor hebt die breite Koalition aus bürgerlichen Milieus und der Linken hervor, die wesentlich zum Scheitern des Putsches beitrug. Aber er beklagt auch die unübersichtliche Lage bei den noch wütenden Kämpfen, vor allem im Ruhrgebiet, bei denen die rechten Freicorps nun doch wieder gegen die „bolschewistische Gefahr“ kämpfen. Eines ist für ihn klar: Es kann nach diesem Putschversuch kein „weiter so“ geben, keine Rückkehr zum Zustand vor dem Putsch. Es liest Paul Leu.
Ep 84Kapp-Putsch #9
Am 23. März 1920 erscheinen in Folge des Generalstreiks wegen des sogenannten Kapp-Putsches letztmals keine Zeitungen in Berlin. Zwar haben etliche Betriebe ihre Arbeit wieder aufgenommen, und auch die Omnibusse fahren wieder. Die Druckereien sind jedoch weiter im Ausstand, da unter den Streikenden noch immer Uneinigkeit über dessen Fortsetzung besteht. Das ändert sich, als im Laufe des Tages auch die USPD-Mitglieder der Berliner Zentralstreikleitung ihre Zustimmung zum Abbruch des Generalstreiks geben. Während Berlin in der Folge langsam zur Normalität zurückkehrt, setzen sich die Kämpfe in anderen Teilen des Landes unvermindert fort. Der Arbeiteraufstand im Ruhrgebiet hatte sich fast bis Münster ausgedehnt. Rechte Freicorpskräfte sammelten sich daraufhin am 23. März in Hamm. Soeben noch unter der Flagge von Kapp und Lüttwitz an der Erhebung gegen die Republik beteiligt, sollten sie nun im Namen eben dieser Republik die linke Revolte gewaltsam niederschlagen.
Ep 83Vorwärts in den Kampf
Auch am 22. März 1920 konnte von einer vollständigen Rückkehr zur Normalität nach den Wirren des sogenannten Kapp-Putsches und dem gegen diesen gerichteten Generalstreik noch immer nicht die Rede sein. Während in den meisten Fabriken die Arbeit langsam wieder aufgenommen wurde, war das Berliner Zeitungswesen auch weiterhin lahmgelegt. Eine einsame Ausnahme machte die sozialdemokratische Parteizeitung Vorwärts, die in einer Sonderausgabe vorerst einmalig erscheinen konnte. Allbeherrschendes Thema in dieser waren natürlich der Putsch und seine Folgen. Der Leitartikel ‘Vorwärts in den Kampf‘ lässt wenig Sympathie für die räterepublikanische Linke erkennen, deren Aufstand vor allem im Ruhrgebiet immer noch andauerte. Zugleich plädiert er jedoch für einen klaren Linksschwenk der SPD in Hinblick auf die vorgezogene Reichstagswahl im Frühsommer – und für einen konsequenten Rückzug des bisherigen Reichswehrministers Gustav Noske. Gelesen von Frank Riede.
Ep 82Kapp-Putsch #8
Wegen des Generalstreiks erschienen keine Zeitungen. Hier ein Schlaglicht auf die Ereignisse des Tages.
Ep 81Kapp-Putsch #7
Wegen des Generalstreiks erschienen keine Zeitungen. Hier ein Schlaglicht auf die Ereignisse des Tages.
Ep 80Kapp-Putsch #6
Wegen des Generalstreiks erschienen keine Zeitungen. Hier ein Schlaglicht auf die Ereignisse des Tages.
Ep 79Kapp-Putsch #5
Wegen des Generalstreiks erschienen keine Zeitungen. Hier ein Schlaglicht auf die Ereignisse des Tages.
Ep 78Kapp-Putsch #4
Wegen des Generalstreiks erschienen keine Zeitungen. Hier ein Schlaglicht auf die Ereignisse des Tages.
Ep 77Kapp-Putsch #3
Wegen des Generalstreiks erschienen keine Zeitungen. Hier ein Schlaglicht auf die Ereignisse des Tages.
Ep 763 1/2 Fragen an Daniel Schönpflug
Der heutige 15. März bedeutet auch für unseren Podcast einen Einschnitt: Ab sofort präsentieren wir einmal im Monat Hintergründe zu den Ereignissen und Themen des Jahres 1920 in unserem neuen Interviewformat „3 1/2 Fragen an….“, in dessen erster Folge der Historiker Daniel Schönpflug zu den Folgen wie der geschichtlichen Einschätzung des Kapp-Putsches zu hören ist.
Ep 75Kapp-Putsch #2
Wegen eines Generalstreiks in Reaktion auf den sogenannten Kapp-Putsch erschienen in Berlin keine Zeitungen. Hier ein Schlaglicht auf die Ereignisse des Tages.
Ep 74Kapp-Putsch #1
Wegen eines Generalstreiks in Reaktion auf den sogenannten Kapp-Putsch erschienen in Berlin keine Zeitungen. Hier ein Schlaglicht auf die Ereignisse des Tages.
Ep 73Putschgerüchte
Mitte März 1920 hatten sich Gerüchte verdichtet, dass rechtsnationale Kreise eine Art Marsch auf Berlin planten. Einflussreiche Offiziere der Reichswehr hatten augenscheinlich paramilitärische Einheiten wie die Brigade Ehrhardt mobilisiert, um in der Hauptstadt einzumarschieren und die Regierung zu stürzen. General Walther von Lüttwitz schien an der Spitze der Bewegung zu stehen. Am 13.3. berichtet das Berliner Tageblatt von dem Verdacht, die Putschisten hätten sich bereits vor den Toren Berlins in Döberitz positioniert und könnten jeden Moment attackieren. Es liest Paula Leu.
Ep 72Urteil im Helfferich-Prozeß
Der Erzberger-Hellferich-Prozess war ein Beleidigungsverfahren, das vom 19. Januar 1920 bis zum Urteil am 12. März dauerte. Der ehemalige Staatsminister Karl Hellferich, von der anitrepublikanischen DNVP, hatte in der Broschüre „Fort mit Erzberger“ und in Artikeln der konservativen Keuzzeitung dem in rechten Kreisen für seine Beteiligung am Versailler Friedensvertrag verhassten Finanzminister Erzberger Korruption vorgeworfen. Erzberger trat bei dem Prozess als Nebenkläger auf. Obgleich Helfferich verurteilt wurde, waren die Korruptionsvorwürfe in der Sache nicht widerlegt, was zum Rücktritt von Erzberger führte. Daher liest sich der etwas angestrengt um Ausgewogenheit bemühte Bericht zum Urteil im Berliner Börsen-Courier vom 12. März auch teilweise wie ein Nachruf auf den Politiker Erzberger. Was der Kommentar verkennt: Der Prozess zeigte deutlich die antirepublikanische Gesinnung der Justiz. Die Feinde der Republik konnten sich durch dieses Urteil bestätigt und zur Tat aufgefordert sehen. Es liest Frank Riede
Ep 71Romain Rolland
Der französische Schriftsteller, Pazifist und Literaturnobelpreisträger Romain Rolland hatte den 1. Weltkrieg in der Schweiz verbracht, von wo aus er – frei von den Beschränkungen der Zensur – gegen die Politik der Großmächte publizierte. Nach Ende des Krieges war er Mitinitiator der Gruppe Clarté, einer Friedensbewegung linker Intellektueller, und unermüdlich um ein verbessertes Verhältnis zwischen den beiden Erb/Erzfeinden Frankreich und Deutschland bemüht. 1919 veröffentlichte Rolland ‚Les Précurseurs‘, eine Sammlung von Artikeln aus den Kriegsjahren. Am 11. März 1920 findet sich im Berliner Vorwärts eine Besprechung des Bandes, die nicht zuletzt durch die große Bewunderung ihres Autos für den französischen intellektuellen geprägt ist. Es liest Paula Leu.
Ep 70In der Liribiri Bar
Das Berliner Nachtleben in den Wilden 20ern war und ist legendär. Babylon Berlin lässt grüßen. Was passiert aber, wenn die gesitteten Damen aus den bürgerlichen Bezirken aus Neugierde einen Blick auf das verruchte Leben in den Pop-up-Bars und -Clubs der Metropole werfen wollen? Darauf liefert der Autor Kilian Kipp in der Berliner Morgenpost vom 10. März 1920 eine humorige Antwort, die zugegeben nicht ganz frei von machohafter Allüre ist. Es liest Frank Riede.
Ep 69Arbeiterwohnungen im Stadtschloss
Tja, wie soll das Berliner Stadtschloss genutzt werden? Diese Frage stellte sich auch schon während der Weimarer Republik, als das Schloss tatsächlich noch stand. Anfang 1920 wird der Umzug des Kunstgewebemuseums in dieses Gebäude geplant. Im Vorwärts vom 9. März 1920 macht sich ein gewisser Otto Meyer dafür stark, im Schloss die ästhetische Erziehung der Arbeiter nicht zu vernachlässigen. Besonders praktische, ästhetisch wie qualitativ hochwertige Einrichtungsgegenstände für die Ausstattung von Arbeiterwohnungen sollten dort ausgestellt werden. Gelesen von Frank Riede.
Ep 68Eklat im Adlon
Am 6. März abends war es im Hotel Adlon zu einem Übergriff deutscher Gäste auf zwei französische Offiziere und einen Beamten gekommen. Sie hatten sich beim Abspielen des Deutschlandliedes durch die Hauskapelle nicht von ihren Plätzen erhoben. Unter den deutschen Angreifern war auch Prinz Joachim Albrecht von Preußen, was dem eh schon peinlichen Vorfall eine ganz besondere Note verlieh. Von französischer Seite wurde in der Folge heftig auf eine exemplarische Bestrafung der Schuldigen gedrungen. Tatsächlich waren die nicht zuletzt durch nationalistische Agitation beförderten Vorfälle gerade auch für die junge Republik ein schwieriges Problem: Mit ihnen wurde ihr arg eingeschränkte Einfluss auf große Teile der Bevölkerung offensichtlich. Am 8.3. berichtet die Vossische Zeitung von der zumindest vorläufigen Verhaftung Prinz Joachim Albrechts. Gelesen von Paula Leu.
Ep 67Ödipus in der Makthalle
Herbert Ihering galt im Berlin der Weimarer Republik als einer der einflussreichsten Theaterkritiker und als großer Antipode Alfred Kerrs - von dem am 19. Januar bereits eine Rezension im Podcast zu hören war. Am 7. März 1920 bespricht Ihering in seiner Stammzeitung, dem Berliner Börsen-Courier, eine Wiederaufnahme von Max Reinhardts Oedipus-Inszenierung am Großen Schauspielhaus. Ursprünglich eine Markthalle, war dieses 1918/19 vom Architekten Hans Poelzig in expressionistischem Stil spektakulär umgebaut worden und bildete nun den Schauplatz für Reinhardts berühmte Masseninszenierungen - die in Berlin seinerzeit freilich keine allzu gute Presse hatten. Auch Herbert Ihering äußert sich über den Oedipus eher verhalten. Es liest Frank Riede.
Ep 66Geldregen
Banküberfälle, Autojagden, Schießereien in den Straßen – das ist ein gerade dieser Tage immer wieder bemühtes Cliché aus dem Berlin der 20er Jahre. Manchmal entsprechen Clichés allerdings der Wirklichkeit, wie im März 1920, als zwei bewaffnete Verbrecher im Bayrischen Viertel eine alte Frau ihrer ansehnlichen Barschaft beraubten, um deren größten Teil auf der Flucht gleich wieder loszuwerden. Am Ende gibt’s tatsächlich noch ne Schießerei, bevor die Diebe verhaftet werden. Also einer von ihnen. Der andere bleibt flüchtig. Die Berliner Morgenpost vom 6.3. berichtet. Gelesen von Paula Leu.
Ep 65Wilhelmina schützt Wilhelm
Nach seiner Abdankung als Kaiser floh Wilhelm II. nach Holland, wo ihm die Königin der Niederlande Wilhelmina Exil gewährte. Wiederholt forderten die Entente-Mächte eine Auslieferung im Rahmen der Verfolgung von Kriegsverbrechern. Die Regierung der Niederlande, die “Regierung Ihrer Majestät”, verweigerte diese jedoch beharrlich. Der Artikel des Berliner Tageblatts vom 5. März zitiert weite Teile der offiziellen Antwortnote auf ein weiteres Auslieferungsgesuch der Entente. Gelesen von Frank Riede.
Ep 64Die Neuordnung Palästinas
Das wohl wichtigste Ziel der auf dem ersten Zionistenkongress in Basel 1897 gegründeten zionistische Weltorganisation war die Errichtung einer nationalen Heimstätte für Juden in Palästina. Auch die Tagung des Großen Aktionskomitees im Februar 1920 in London bekräftigte diese Politik. Nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches mit Ende des 1. Weltriegs rechnete man in der Organisation fest mit der Vergabe des Völkerbundmandates an England, von dem man sich wiederum die Unterstützung des Zionismus erwartete. Am 4.3. berichtet die Deutsche Allgemeine Zeitung in einem Beitrag von der Konferenz des Aktionskomitees über die Neuordnung Palästinas. Gelesen von Paula Leu.
Ep 63Ungarns Abschied von der Demokratie
Von März bis November 1919 bestand in Ungarn eine kurzlebige Räterepublik. Nachdem diese unterging, wurde Ungarn ein zunehmend autoritärer rechtskonservativer Staat. Das Parlament wählte den an der Zerschlagung der Räterepublik maßgeblich beteiligten Admiral Miklos Horthy zum Reichsverweser, wovon der Berliner Börsen-Courier am 3. März berichtet. Damit waren alle Hoffnungen auf ein demokratisches Ungarn vom Tisch. Formal immer noch ein Königreich, das auf die Rückkehr der Habsburger wartete, führte Horthy Ungarn autokratisch bis in den Zweiten Weltkrieg hinein – an der Seite Nazi-Deutschlands. Es liest Frank Riede.
Ep 62Das Schweigen der Kühe
Was man im Herbst noch hinzunehmen geneigt ist, wird im Frühjahr jedes Jahr auf’s Neue zur bösen Überraschung: die Zeitumstellung. Dabei gibt es die Diskussion über die Sommerzeit seit ihrer Einführung im Kriegsjahr 1916. Als sie drei Jahre später direkt wieder abgeschafft wurde, blieben die Debatten hitzig. Nicht zuletzt aus volkswirtschaftlicher Perspektive sei die bestmögliche Nutzung natürlichen Tageslichts absolut notwendig. Am 2.3. 1920 druckt so auch die Berliner Morgenpost ein starkes Plädoyer für die schnellstmögliche Verabschiedung eines Sommerzeitgesetzes durch die Nationalversammlung. Es liest Paula Leu.
Ep 61Erbsünde am Bauhaus
Das Staatliche Bauhaus Weimar unter der Leitung von Walter Gropius hatte von Anfang an viele Kritiker oder gar Feinde. Die Angriffe auf das Bauhaus waren nicht selten Angriffe auf die Kunstfreiheit, wie auch der Polizeieinsatz im Atelier des Malers und Graphikers Prof. Walther Klemm, über den die Vossische Zeitung am 1. März 1920 berichtet. Gelesen von Frank Riede
Ep 60Spengler und das Abendland
1918 war der erste Band von Oswald Spenglers ‚Der Untergang des Abendlands’ bei C.H. Beck erschienen und schnell zu einem der wichtigsten und polarisierendsten Bücher der Nachkriegsjahre geworden. Am 29. Februar 1920 druckt auch das Berliner Tageblatt eine enthusiastische Rezension, welche das Werk weniger als Morphologie, wie es Spengler selbst genannt hatte, sondern als eine wahre ‘Kosmologie der Weltgeschichte’ verstanden wissen will. Es liest Frank Riede.
Ep 59Was das Leben anderswo kostet: England
Zeitungen, auch die der jungen Weimarer Republik, lebten und leben von wiederkehrenden Rubriken. Eine solche war im Berliner Tageblatt der Nachkriegsjahre die Rubrik ‚Was das Leben anderswo kostet‘. Am 28. Februar 1920 wird hier ein Blick über den Kanal geworfen und die rapide Teuerung der Lebenshaltungskosten im England dieser Zeit detailliert analysiert. Gelesen von Paula Leu.
Ep 58Du musst Caligari werden!
Am 27. Februar 1920 hatte ein Meilenstein der Filmgeschichte in Berlin Premiere: im Filmtheater „Marmorhaus“ wurde „Das Cabinett des Dr. Caligari“ uraufgeführt. Die durch grotesk verzerrte Kulissen, harte Kontraste und das Spiel mit – teilweise gemaltem – Schatten neuartige Ästhetik rief ablehnende und begeisterte Reaktionen hervor. Die BZ am Mittag ist voll des Lobes. Es liest Paula Leu.