
Auf den Tag genau
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Ep 57Klischee und Wirklichkeit. Pariserinnen 1920
Die Pariserin ist seit jeh her ein Klischee von enormer Strahlkraft. Am 26.2.1920 überprüft für die BZ am Mittag Gusti Haas das Bild der Pariserinnen unter den Bedingungen der Nachkriegsjahre. Ob es sich um einen Autor oder eine Autorin handelt, konnten wir nicht herausfinden. Was denken Sie? Hat den Text eine Frau oder ein Mann verfasst? Schreiben Sie einen Kommentar oder eine Mail an [email protected]. Es liest Frank Riede.
Ep 56Strauss und Schönberg in Berlin
Schon in den 1920er Jahren war Berlin international für sein reges, vielfältiges Musikleben berühmt. Weit stärker als heute fand dieses seinerzeit seinen Niederschlag auch in den Tageszeitungen, die in ausführlichen Umschauen regelmäßig aus den Konzertsälen der Stadt berichteten. Im Mittelpunkt der Kritik der Vossischen Zeitung vom 25.2.1920 standen dabei zwei Veranstaltungen, die mit einigen auch heute noch klangvollen Namen aufwarten konnten: mit dem von Richard Strauss, der an besagtem Wochenende nicht nur mit eigenen Werken, sondern mit der Staatskapelle zudem als Beethoven-Dirigent zu erleben war. Und mit dem des Neue-Musik-Spezialisten Hermann Scherchen, welcher im Rahmen der Volksbühnenkonzerte mehrere Werke Arnold Schönbergs in Berlin zur Diskussion stellte. Es liest Paula Leu.
Ep 55Montessori on the rise
Die Reformpädagogik der italienischen Ärztin Maria Montessori fand in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts weltweit Anhänger. Ihre Montessori-Methode wandte sich gegen eine autoritär geprägte Erziehung und suchte die Entwicklung des Kindes aus seinen eigenen Impulsen und Wünschen heraus zu fördern. Von den ersten Schritten dieser reformpädagogischen Bewegung in Deutschland berichtet ein Beitrag im Vorwärts vom 24. Februar 1920. Gelesen von Frank Riede.
Ep 54Notschrei der Zeitungsverleger
Das berühmte Bonmot, wonach es für Zeitungen nie gut sei, wenn sie in der Zeitung stünden, galt auch schon 1920. Dass die Tägliche Rundschau am 23.2.1920 in eigener Sache berichten musste, war der blanken ökonomischen Not geschuldet: Die allgemeine Explosion der Material- und Lohnkosten hatten mittlerweile auch den Zeitungsmarkt erreicht und die deutschen Zeitungsverleger zu einer Krisensitzung in Weimar versammelt. In deren Ergebnis wendet sich die Rundschau mit einem Notschrei an ihre Leser. Gelesen von Paula Leu.
Ep 53Auf dem rechten Auge blind
Für den viel erhobenen Vorwurf, dass die Gerichte der Weimarer Republik auf dem rechten Auge blind gewesen seien, ist die juristische Aufarbeitung des ersten Attentats auf den Reichsfinanzminister Erzberger vom 28. Januar 1920 ein überaus anschauliches Beispiel. Der Täter, Oltwig von Hirschfeld, wurde zu einer nur geringen Haftstrafe verurteilt, wobei ihm etliche grotesk anmutende strafmildernde Umstände zugebilligt wurden. Von den Plädoyers und dem Inhalt des Urteilsspruchs berichtet in ihrer Ausgabe vom 22.2.1920, weitgehend ungerührt, die Berliner Morgenpost. Gelesen von Frank Riede.
Ep 52Die letzte Zigarette
Die Sorge, dass eine zu sprunghafte Anhebung der Tabaksteuer ihr Ziel verfehlen und ein ‘Ausweichverhalten der Raucher‘ provozieren würde, hegte nicht erst die für dieses Wort vielkritisierte einstige bundesdeutsche Gesundheitsministerin Ulla Schmidt. Ein ähnliches Argument findet sich auch schon in der Berliner Morgenpost vom 21.2.1920, die nicht glaubt, dass irgendjemand wegen der drastischen neuen ‘Banderolenabgabe‘ auf Tabakwaren, die die Reichsregierung unter dem Druck der galoppierenden Kriegsfolgekosten beschlossen hatte, von der Zigarette ließe. Die Raucher würden vielmehr fortan zu ausländischen Produkten greifen und damit das Ende der deutschen Zigarette und mit ihr Tausender Arbeitsplätze einläuten. Es liest Paula Leu.
Ep 51Zölibat der Lehrerinnen
Heute fast schon in Vergessenheit geraten: Bis sage und schreibe 1951 galt in Deutschland ein sogenannter Lehrerinnenzölibat, d.h. Pädagoginnen, die eine Ehe eingingen, hatten ihren Dienst an der Schule umgehend zu quittieren und verloren damit über Nacht mit ihrem Beamtinnenstatus alle damit verbundenen Ansprüche. Einen ersten, nur kurzfristig erfolgreichen Versuch der Abschaffung dieser Regelung versuchte mit Hinweis auf die seit 1919 verfassungsmäßig festgeschriebene Gleichberechtigung der Geschlechter die junge Weimarer Republik. An dem hieraufhin stürmisch aufbrausenden Pro&Contra beteiligte sich am 20.2.1920 auch das Berliner Tageblatt. Der Gastbeitrag des Geheimen Justizrates Hugo Freudenthal betrachtet die Causa dabei von einer sehr nüchtern-rechtskundlichen Seite. Es liest Frank Riede.
Ep 50"Der Mann mit dem Koks ist da!"
In der Büchse der Pandora, die der Erste Weltkrieg geöffnet hatte, befanden sich neben reichlich anderen Übeln auch einige bislang, wenn nicht unbekannte, so doch noch wenig verbreitete Rausch- und Nervengifte, mit denen man zunächst die Beschwerden der Soldaten im Feld zu lindern, ihrer Leistungsfähigkeit zu steigern versucht hatte. Unter den Überlebenden kehrten entsprechend viele als Kokainisten aus den Schützengräben ins zivile Leben zurück und ließen durch ihre Nachfrage binnen kurzem überall in den Großstädten die entsprechenden Schwarzmärkte aus dem Boden sprießen. Der sozialdemokratische Vorwärts vom 19.2.1920 nimmt sich dieser Thematik an. Es liest Frank Riede.
Ep 49Urban Gardening 1920
Beim Begriff ‘Urban Gardening‘ denkt man heute an ein Lifestyle-Phänomen großstädtischer Hipster. Die Idee, auch auf städtischen Brachflächen Ackerbau zu betreiben, ist jedoch wesentlich älter. Nachdem die Not des Ersten Weltkriegs die darbenden Stadtbewohner regelrecht dazu zwang, mit ein paar selbst gezogenen Kartoffeln den Hunger zu bekämpfen, gab es in den auch weiterhin entbehrungsreichen Nachkriegsjahren politische Pläne, diese landwirtschaftlichen Ansätze in der Stadt systematisch auszubauen. Der Vorwärts vom 18.2.1920 berichtet über entsprechende Überlegungen, indem er den Stadtbaurat von Berlin-Schöneberg zu Wort kommen lässt. Es liest Paula Leu.
Ep 48Verzicht auf Auslieferung
Die Frage der Auslieferung einer Reihe als solcher benannter Kriegsverbrecher an die Alliierten wurde in der jungen Weimarer Republik heftig diskutiert. Nicht nur auf der äußersten Rechten befürchtete man einen Schauprozess, der die Souveränität des neuen Staatsgebildes massiv untergraben könne. Entsprechend positiv wurde das vorläufige Zugeständnis der Alliierten, auf die Auslieferung zu verzichten und das Urteil über die Angeklagten dem Reichsgericht in Berlin zu überlassen, auch in der Vossischen Zeitug vom 17. Februar aufgenommen. Gelesen von Frank Riede.
Ep 47Wer will heute noch heiraten?
Geheiratet wird immer. Dass es allerdings auch unter den materiell erschwerten Bedingungen der unmittelbaren Nachkriegszeit einen wahren Ansturm auf die Standesämter gab, wundert den Kommentator der BZ am Mittag vom 16. Februar. Schaue man sich an, was eine Brautausstattung im Jahre 1920 kostet und wie schwer sie überhaupt zu beschaffen sei, so müsse man wohl ein rechter Hasardeur sein, um gegen alle diese Widerstände das Abenteuer Ehe doch zu suchen. Es liest: Paula Leu.
Ep 46Pionierflug London-Kapstadt
Der Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts war gekennzeichnet von einer Revolution des Verkehrswesens. Hatten zunächst immer umfangreichere Fernzugverbindungen die Enden der Welt näher aneinander gerückt, so sollten insbesondere die 1920er den Flugverkehr ins Zentrum des Interesses rücken. Am 15.2.1920 berichtet die Vossische Zeitung nicht zufällig von einem durch das englische Kriegsamt finanzierten Pionierflug von London über Kairo bis nach Kapstadt. Gelesen von Frank Riede.
Ep 45Die Not im Erzgebirge
So groß die materielle Not der Nachkriegszeit in der Kapitale Berlin war – noch viel dramatischer stellte sich die Situation in manch anderen, abgelegenen Regionen des Landes dar. Zu den diesbezüglich ganz besonders gebeutelten Gegenden zählten, in Sachsen, das westliche Erzgebirge und das obere Vogtland, wo fatale Missernten die Versorgungsmisere mit Nahrungsmitteln potenziert hatten. In der sozialdemokratischen Tageszeitung Vorwärts findet sich am 14.2.1920 ein eindringlicher Bericht über das Leid speziell der Erzgebirgler-Kinder, der mit einem beschwörenden Hilfsappell an die Öffentlichkeit schließt. Es liest Paula Leu.
Ep 44Fritzi Massary in ‘Der letzte Walzer’
Die jüdisch-österreichische Sängerin und Schauspielerin Fritzi Massary gehörte zu den großen Stars im Berlin des frühen 20. Jahrhunderts. Am 12. Februar 1920 bekleidete sie die Hauptrolle in der Uraufführung der Operette Der letzte Walzer von Oscar Straus und feierte in dieser nicht nur einen rauschenden Erfolg beim breiten Premierenpublikum. Sichtlich hingerissen von ihr zeigt sich auch der renommierte Musikpublizist Oscar Bie am folgenden Tag in seiner Premierenkritik im Berliner Börsen-Courier. Es liest Paula Leu.
Ep 43Modewoche in Berlin
Bei aller wirtschaftlichen und sozialen Misere der Nachkriegsjahre: Im Berlin des Frühjahrs 1920 gab es gleichzeitig durchaus auch einige Anzeichen für eine baldige Rückkehr zum mondänen Alltag einer europäischen Metropole. So fand im Februar etwa wieder eine Modewoche statt, an der sich zahlreiche Berliner Einzelhändler beteiligten – und über die das Flaggschiff des mächtigen Ullstein-Verlags, die Berliner Morgenpost, in ihrer Ausgabe vom 12.2.1920 nicht frei von Lokalpatriotismus berichtet. Gelesen von Frank Riede.
Ep 42Hindenburg ante portas?
Die herausgehobene Stellung, die die Weimarer Verfassung der Position des Reichspräsidenten einräumte, wurde nicht erst von nachgeborenen Historikern problematisiert. Ihre Gefahren wurden schon früh auch von einigen Zeitgenossen erkannt. Im Berliner Börsen-Courier vom 11.2. 1920 findet sich ganz in diesem Sinne eine leidenschaftliche Warnung davor, den Präsidenten direkt vom (in puncto Demokratie noch allzu unerfahrenen) Souverän bestimmen zu lassen. Eine solche Volkswahl würde autoritären, mutmaßlich adligen Republikfeinden von rechts beste Chancen geben, die junge deutsche Demokratie zu kapern – und im schlimmsten Fall selbst einen Reichspräsidenten Hindenburg möglich erscheinen lassen. Es liest Frank Riede.
Ep 41Tragödien der Macht
Der Sozialismus war das Ziel aller sozialistischen Parteien nach dem 1. Weltkrieg. Über den Weg dorthin aber gab es durchaus unterschiedliche Meinungen. Am 10.2.1920 distanziert sich der SPD-nahe „Vorwärts“ vom sowjetischen Weg zum Sozialismus und formuliert eine ‚Kritik am Bolschewismus‘. Statt durch gewaltsames Vorgehen auch in Deutschland einen Bürgerkrieg zu provozieren, gelte es, für die eigenen Ideale mit den legalen Mitteln der Politik zu kämpfen. Nur so lasse sich ein neuer, durch Nationalismen befeuerter Flächenbrand vermeiden und eine stabile Friedensordnung finden. Gelesen von Frank Riede.
Ep 40Schlafen auf dem Abstellgleis
Die Berliner Wohnungsnot hatte zu Beginn des Jahres 1920 auch das Hotelgewerbe in Schwierigkeiten gebracht: Die Zahl der Zimmer war der Nachfrage nicht mehr gewachsen. Mit der Eröffnung des ersten Schlafwagen-Hotels wollte man der Misere auf besonders findige Weise begegnen. Auf den Abstellgleisen des Anhalter Bahnhofs konnten Unterkunft Suchende die Nacht in Schlafwagen verbringen – Eisenbahnromantik inklusive. In der Vossischen Zeitung vom 9.2.1920 findet sich ein begeisterter Bericht. Gelesen von Paula Leu.
Ep 39Das Ende der Glatze
Mit einigem Recht kann Haarausfall als eine Geißel der Menschheit bezeichnet werden. 1920 aber sah man sich einem Ende der Glatze nah: Basierend auf Versuchen des großen Tierphysiologen und Pioniers der Luftfahrtforschung, Nathan Zuntz, der sich während des Krieges Fragen der Volksernährung zugewandt hatte, war man auf einen Zusammenhang des Wollwachswachstums von Schafen mit der Zusammensetzung ihres Futters gestoßen. Keine geheimnisvollen Tinkturen, sondern proteinreiche Nahrung ließ die Haare der Tiere sprießen. Gleiches, so das Argument Professor Dr. Carl Oppenheimers im Berliner Tageblatt vom 8.2.1920, lässt sich auch für den Menschen vermuten. Der Kahlkopf könnte somit schon bald der Vergangenheit angehören. Gelesen von Paula Leu.
Ep 38Im Osten nichts Neues?
Mit Inkrafttreten des Versailler Vertrags war Ostpreußen durch den polnischen Korridor vom Reich abgetrennt und der Verkehr materieller wie ideeller Güter deutlich erschwert worden. Wie genau sich die so entstandene ‚Insel‘ entwickeln würde, war zu Beginn des Jahres 1920 aber noch nicht sicher. Würde die Provinz mit ihrem Zentrum Königsberg verarmen und alle Bedeutung verlieren? Würde sie sich in die neue Friedensordnung einfügen oder zum Hort des reaktionären Widerstands werden? In einem am 7.2.1920 von der Vossischen Zeitung abgedruckten Kommentar ihres Sonderberichterstatters Julius Elbau wird deutlich, wie sehr die politische Sprengkraft der sich im Ostpreußen dieser Zeit formierenden rechten Strukturen auch von ausgewiesenen Kennern der Situation unterschätzt wurde. Es liest Frank Riede.
Ep 37Demokratie und Auslieferung
Der Unmut mit den Inhalten des Versailler Friedens beschränkte sich im Deutschland der Nachkriegsjahre keineswegs auf erznationalistische Kreise, sondern zog sich quer durch quasi alle politischen Lager (und hatte etwa auch den ersten demokratisch gewählten Reichskanzler Scheidemann zum Rücktritt veranlasst). Auf besonders erbitterten Widerstand stieß u.a. die von den Alliierten dort vertraglich fixierte Auslieferung von 895 prominenten deutschen Politikern und Militärs. Gegen diese Forderung bzw. deren Erfüllung wandte sich am 6.2.1920 auch ein Kommentar des Berliner Tageblattes. Es liest Frank Riede.
Ep 36Theaterskandale
Das Kulturleben der 1920er Jahre war, zumal in Berlin, reich an sogenannten Theaterskandalen. Die von der Weimarer Verfassung vollzogene Abschaffung der Zensur öffnete auch der Bühnenkunst völlig neue Wege, die nicht selten selbsternannte Hüter der Moral auf den Plan riefen. In ihrem Ansinnen, vermeintlich unverhandelbare ästhetische und gesellschaftliche Normen gegen revolutionäre Künstler zu verteidigen, überschritten jene dabei zugleich nicht selten ihrerseits jäh jegliche Normen des Zuschauerverhaltens. Zu diesem Thema liest aus dem Berliner Tageblatt vom 5.2. 1920: Paula Leu.
Ep 35Nostradamus und der Okkultismus der 1920er
Die Wirren der Jahre nach dem Ersten Weltkrieg bildeten, neben vielem anderen, einen fruchtbaren Nährboden auch für die verschiedensten Variationen von Esoterik und Parawissenschaft. Unter dem Titel ‘Die Prophezeiungen des Nostradamus‘ widmet sich die B.Z. am Mittag vom 4.2. 1920 weniger konkret den Weissagungen des gleichnamigen frühneuzeitlichen französischen Gelehrten, als sie diese zum Anlass nimmt, über Okkultisten und Okkultismen der Zeit zu spotten. Gelesen von Paula Leu.
Ep 34Menschheitsdämmerung
Anfang 1920 erschien im Ernst Rowohlt Verlag die bis heute wohl wichtigste Anthologie expressionistischer Lyrik: Kurt Pinthus‘ Menschheitsdämmerung. Der Berliner Börsen-Courier widmet dieser am 3.2. eine ausführliche Rezension, für die Dichterkollege Hans Benzmann verantwortlich zeichnet. Benzmann ist voller Lob für Pinthus‘ Zusammenstellung des Buches. Zugleich distanziert er sich persönlich von der revolutionären Kunst des deutschen Expressionismus und verleiht seiner Hoffnung Ausdruck, die Poesie möge zukünftig wieder zu volkstümlicheren Formen zurückfinden. Gelesen von Frank Riede.
Ep 33Fußball-Derbys
Sogenannte Leibesübungen nahmen in den Berliner Tageszeitungen Anfang der 1920er Jahre noch keinen großen Raum ein. Zu den wenigen Blättern, die sich überhaupt eine eigene Sport-Seite leisteten, zählte die B.Z. am Mittag. Auf dieser berichtete sie am 2.2. 1920 u.a. von den Berliner Fußballspielen des zurückliegenden Wochenendes und wagte am Ende des Artikels sogar einen Blick über den Tellerrand der lokalen Verbandsliga hinaus auf das Derby zwischen den beiden stärsten süddeutschen Clubs, der Spielvereinigung Fürth und dem 1. FC Nürnberg. Es liest Paula Leu.
Ep 32Die Überreizten
Dutzende Tote bei Auseinandersetzungen vor dem Reichstag, Schüsse auf Finanzminister Erzberger – Der Januar 1920 war einmal mehr geprägt von blutigen Zusammenstößen, die die junge deutsche Republik erschütterten (und die Wogen der Entrüstung auf allen Seiten hochschlagen ließen). Der Berliner Börsen-Courier mochte sich an der daraus resultierenden politischen Polarisierung nicht beteiligen. Vielmehr macht das links-liberale Blatt am 1. Februar auf der Titelseite mit einem Kommentar auf, der dafür wirbt, das Spiel der wechselseitigen Eskalation nicht länger mitzuspielen. Hier gelesen von Frank Riede.
Ep 31Für die Höchstmiete!
Auch zum Monatsende beschäftigen die Not auf dem Berliner Wohnungsmarkt und mögliche politische Strategien, sie einzudämmern, weiter die Hauptstadtpresse. Die seinerzeit noch täglich erscheinende sozialdemokratische Parteizeitung Vorwärts bezieht am 31.1.1920 klar Position in dieser kontrovers geführten Debatte und plädiert – ganz in Übereinstimmung mit der Parteilinie der SPD – für die Einführung eines Mietendeckels. Gelesen von Frank Riede.
Ep 30Demokratie und Leihbibliotheken
Anfang der 1920er kam es auf dem Buchmarkt zu erheblichen Preissteigerungen. Um dieser ‚Verknappung der geistigen Nahrungsmittel‘ entgegenzuwirken, schlägt ein gewisser Hans Landsberg in der Vossischen Zeitung vom 30.1.1920 als Ergänzung zu Volks- und Universitätsbibliotheken die Einrichtung staatlicher Leihbibliotheken vor. Gelesen von Paula Leu.
Ep 29Polgar über das Reisen
Zu den zahlreichen prominenten Autoren, die als Gäste regelmäßig für das angesehene Berliner Tageblatt schrieben, gehörte auch der österreichische Schriftsteller Alfred Polgar. Am 29.1.1920 findet sich von ihm dort der Bericht über eine Nachtzugreise, der Polgars Ruf als großem Feuilletonisten alle Ehre macht. Es liest Frank Riede.
Ep 28Entschädigung der Hohenzollern
Am 9. November 1918 dankte Kaiser Wilhelm II. ab und das Deutsche Reich war fortan keine Monarchie mehr. Eine langwierige Verhandlung begann über die Aufteilung der Besitztümer der Krone zwischen Hohenzollern und Staat. Welche Schlösser, welche Ländereien, welche Kunstwerke durfte die Familie behalten? Über einen Getzesentwurf zur Regelung dieser Fragen berichtet am 28.1. die Vossische Zeitung. Tatsächlich wurde ein Vergleich aber erst 1926 erziehlt. Womit die Angelegenheit freilich immer noch nicht aus der Welt war, wie die aktuellen Restitutionsforderungen der Hohenzollern zeigen. Es liest Paula Leu.
Ep 27Rechte Presse-Hetze nach Attentat
Kaum ein Protagonist der jungen Weimarer Republik stand so sehr im Kreuzfeuer rechter Hasspropaganda wie der Reichsminister der Finanzen Matthias Erzberger von der katholischen Zentrumspartei. Als Erzberger am 26.1.1920 bei einem Attentat vor dem Landgericht Moabit durch den Fähnrich Oltwig von Hirschfeld verletzt wurde, kommentierten das seine Gegner vielfach mit kaum verbrämter Häme. Solidarität erhielt Erzberger dagegen u.a. von seinem Koalitionspartner SPD, dessen Parteizeitung Vorwärts den Anschlag am Folgetag zum Anlass nahm, in scharfen Worten mit den Feinden der Republik abzurechnen. Gelesen von Frank Riede.
Ep 26Eine Reise nach Warschau
Der Erste Weltkrieg hatte die politische Landkarte Ost- und Mitteleuropas gründlich umgekrempelt. Auf den Trümmern des alten russischen Zarenreiches und des vormaligen Vielvölkerstaates Österreich-Ungarn waren zahlreiche Nationalstaaten neu entstanden, unter ihnen als größter nach 120 Jahren Fremdherrschaft auch ein wieder unabhängiges Polen. Aus dessen Hauptstadt Warschau bringt das Berliner Tageblatt am 26.1. 1920 einen ausführlichen Korrespondentenbericht, der genauso über die Situation in der rasant wachsenden Kapitale wie über das aktuelle deutsch-polnische Verhältnis nach dem Krieg räsonniert. Gelesen von Paula Leu.
Ep 25Fragen des Wahlrechts
Mit dem im April 1920 erlassenen Reichswahlgesetz erfüllte die Weimarer Nationalversammlung einen ihrer wichtigsten Verfassungsaufträge. Mit ihm wurde das Frauenwahlrecht gesetzlich verankert, das Wahlalter auf 20 Jahre herabgesetzt und das Verhältniswahlsystem etabliert. In der Ausarbeitung des Gesetzes aber ließ man sich Zeit. Am 19. Januar ging das Innenministerium mit drei Vorentwürfen an die Öffentlichkeit. Der Vorwärts vom 25. Januar erläutert detailliert ihre Vor- und Nachteile. Es liest Frank Riede.
Ep 24Referendum in Nordschleswig
Die Ratifizierung des Versailler Friedensvertrages im Januar 1920 besiegelte neben vielen anderen Bestimmungen auch etliche territoriale Veränderungen in Mitteleuropa. Während Deutschland etwa Elsass-Lothringen oder weite Teile Westpreußens direkt abtreten musste, sollte der neue Grenzverlauf zwischen Deutschland und Dänemark in Schleswig in zwei Volksabstimmungen exakt festgelegt werden. Über die Situation vor Ort im Vorfeld dieser Plebiszite berichtet am 24.1. das Berliner Tageblatt. Es liest Paula Leu.
Ep 23Wo ist das Zentrum?
Die katholisch-konservative ‘Deutsche Zentrumspartei‘, kurz: ‘Zentrum‘, gehörte in der Weimarer Republik zu den großen staatstragenden Parteien. Zwischen 1919 und 1933 war sie an fast allen Reichsregierungen in wichtigen Funktionen beteiligt – so auch zwischen Juni 19 und März 1920 im Kabinett des Sozialdemokraten Gustav Bauer, in dem sie u.a. den umstrittenen Finanzminister Matthias Erzberger stellte. Im Januar 1920 kam das Zentrum in Berlin zu seinem ersten Reichsparteitag seit der Republikgründung zusammen, der von der überregionalen Presse mit entsprechend großem Interesse verfolgt wurde. Am 23.1. widmet ihm das Berliner Tageblatt zum Abschluss einen ausführlichen Kommentar. Es liest Frank Riede.
Ep 22Hafermangel im Berliner Öffentlichen Nahverkehr
Die Wirtschaftskrise in Folge des Ersten Weltkriegs hatte im Januar 1920 fast alle Bereiche des ökonomischen Lebens in Deutschland erreicht. Rohstoffmangel und der teuerungsbedingte Einbruch der Fahrgastzahlen machten in diesem Zuge auch dem Transportwesen zu schaffen. Weshalb sich die Vossische Zeitung in ihrer Ausgabe vom 22.1. um den Fortbestand einer besonders traditionsreichen Berliner Institution sorgt: der Omnibusgesellschaft. Gelesen von Paula Leu.
Ep 21Wien – Prag. Diplomatie unter neuen Nachbarn
Der erste Weltkrieg hatte das europäische Machtgefüge verschoben und die alten Herrschaftsverhältnisse aufgebrochen. Aus der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie gingen mehrere souveräne Nachfolgestaaten hervor, deren Beziehungen zueinander sich erst noch finden mussten. Im Berliner Börsen-Courier vom 21. Januar 1920 kommentiert der deutsche Gesandte in Prag, Prof. Dr. Saenger, diesen Prozess. Gelesen von Frank Riede.
Ep 20Wer herrscht am Bosporus?
Zu den Verlierern des Ersten Weltkriegs zählte neben Deutschland und Österreich-Ungarn auch das mit ihnen verbündete Osmanische Reich. Auf eine verbindliche Friedensordnung am Bosporus hatten sich die siegreichen Alliierten bis Anfang 1920 noch nicht geeinigt. Das Berliner Tageblatt berichtet am 20.1. über die unklare Lage in Konstantinopel. Gelesen von Paula Leu.
Ep 19Alfred Kerr vs. Avantgarde-Theater
Der gebürtige Breslauer Alfred Kerr gehörte unzweifelhaft zu den prominentesten und zugleich streitbarsten Theaterkritikern der deutschen Theaterwelt vor hundert Jahren. Am 19.1.1920 bespricht er im Berliner Tageblatt eine Neuinszenierung des Hamlet, die wenige Tage zuvor am Großen Schauspielhaus in Berlin Premiere hatte. Auf der Bühne standen dabei zahlreiche der renommiertesten Schauspielerinnen und Schauspieler ihrer Zeit wie Alexander Moissi, Werner Krauß oder Helene Thimig. Regie führte – von Kerr ungenannt – Max Reinhardt. Es liest Frank Riede.
Ep 18Ungarn und die Nachkriegsordnung
Große Zeitungen wie die Vossische Zeitung verfügten teilweise bereits in den 1920er Jahren über weitgespannte Korrespondentennetze, die ihre Leser mit exklusiven Informationen aus aller Welt versorgten. Am 18.1.1920 richtete die Vossische dabei ihren Blick in das in Folge des Ersten Weltkriegs stark zusammengeschrumpfte Ungarn und berichtete über die politische Situation im Land vor dem Hintergrund der heftig bekämpften Friedensordnung. Gelesen von Frank Riede.
Ep 17Der Boxkampf Mahir-Eckeroth
Der türkische Boxer Sabri Mahir war eine schillernde Figur im Berlin der 20er Jahre. In seinem Studio für Boxen und Leibeszucht am Kurfürstendamm veranstaltete er regelmäßig sogenannte ‘Teestunden am Ring‘, zu deren illustren Gästen aus dem linken und Künstlermilieu u.a. der junge Bertolt Brecht gehörte. Auf diesen späteren Ruhm Sabris deutete im Januar 1920, kurz nach seiner Übersiedlung nach Berlin, indes noch nicht viel hin. Über den verlorenen Kampf gegen seinen Kontrahenten Eckeroth berichtete die B.Z. am Mittag in ihrer Ausgabe vom 17.1. jedenfalls mit durchaus abschätziger Polemik. Gelesen von Paula Leu.
Ep 16Zur Wohnungsnot
Am 16.1.1920 beschäftig sich die Tägliche Rundschau einmal mehr mit der angespannten Lage auf dem Berliner Wohnungsmarkt. Die ergriffenen Maßnahmen seien falsch oder unzureichend. Weitere Verdichtung der eh schon übervölkerten Innenstadt werde das Problem nicht lösen. Stattdessen wird eine konsequente Förderung der Aussiedlung in die Stadtrandgebiete und neu hinzukommende Gemeinden Groß-Berlins vorgeschlagen. Gelesen von Paula Leu.
Ep 1515. Januar 1920
Auch am 15. Januar 1920 sind die nun schon zwei Tage zurückliegenden gewaltsamen Auseinandersetzungen vor dem Berliner Reichstagsgebäude noch das große Thema. In einer Abrechnung mit den ‘Unabhängigen‘ weist die SPD, wie die Vossische Zeitung berichtet, eine Verantwortung für die Eskalation zurück. Sie distanziert sich nachdrücklich von den gegen das Betriebsrätegesetz gerichteten Aktionen der USPD, der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, die sich 1916 von der Mutterpartei abgespalten hatte. Gelesen von Frank Riede
Ep 1414. Januar 1920
Am 13. Januar 1920 kommt es während einer Verhandlung der Nationalversammlung über das Betriebsrätegesetz vor dem Berliner Reichstagsgebäude zu einem regelrechten Blutbad. In der Konfrontation linker Demonstranten und der vom Innenminister eingesetzten Wachmannschaften gibt es Tote und Verletzte. Am Tag danach hält der spätere Mitbegründer der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und damalige Leitartikler des Berliner Tageblatts Erich Dombrowski Rückschau auf die Ereignisse. Gelesen von Paula Leu.
Ep 1313. Januar 1920
Die geplante Lustbarkeitssteuer bewegt die Berliner Kulturszene zu Beginn des Jahres 1920. Am 13.1. druckt die Vossische Zeitung den Beitrag von Frau Luise Wolff, Mitinhaberin der Konzertdirektion Wolff und Sachs, die sich in einem Brandbrief gegen das Gesetzesvorhaben wendet. Das gesamte Berliner Musikleben sei hierdurch bedroht. Gelesen von Frank Riede
Ep 1212. Januar 1920
Am 12.1.1920 druckt das Berliner Tageblatt den meinungsstarken Beitrag des Oberlehrers Heinrich Reintjes. Die Zukunft der jungen Weimarer Republik, so sein Credo, hänge nicht zuletzt an einer gründlichen Reform des Schulwesens. Gelesen von Frank Riede.
Ep 1111. Januar 1920
Am 11.1.1920 findet sich im Feuilleton des Berliner Tageblatts ein Vorabdruck des Schlusskapitels aus Urban Gads „Der Film, seine Mittel, seine Ziele.“ Das gerade auf Deutsch erschienene Buch des dänischen Drehbuchautors und Regisseurs ist eine Manifestation der kulturellen und gesellschaftlichen Hoffnungen, die sich gerade zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit diesem neuen Medium und der Institution Kino verbanden. Gelesen von Frank Riede
Ep 1010. Januar 1920
Am 10. Januar 1920 tritt mit seiner endgültigen Ratifizierung der Versailler Friedensvertrag in Kraft. Völkerrechtlich endet damit der Erste Weltkrieg. Über den komplizierten Austausch von Dokumenten und Unterschriften berichten alle Tageszeitungen. So auch das Berliner Tageblatt. Gelesen von Paula Leu.
Ep 99. Januar 1920
Am 9. Januar 1920 veröffentlicht die Tägliche Rundschau die Kritik eines gewissen Dr. Anders am Entwurf eines Gesetzes, welches Berlin durch Eingemeindungen zu Groß-Berlin erweitern sollte. Mit diesem im Oktober 1920 schließlich in Kraft getretenen Gesetz vergrößerte sich die Fläche Berlins um das Dreizehnfache und fand so ihre bis heute gültige Ausdehnung. Gelesen von Frank Riede
Ep 88. Januar 1920
Am 8. Januar berichtet die Vossische Zeitung von einem Treffen zwischen Reichspräsident Friedrich Ebert und Spitzenvertretern der Industrie. Gegenstand des Gesprächs ist die Sorge, die deutsche Industrie müsse eine zu große Last beim Wiederaufbau des Landes tragen. Gelesen von Paula Leu.