
Zen
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Ep 157Z0157 Was tun in einer aussichtslosen Lage? (19.3.2022)
Anhand vom Koan aus dem Mumonkan, Fall Nr. 5, Kyogen’s Mann im Baum, spricht Christoph Rei Ho Hatlapa darüber, wie wir als Schüler auf dem buddhistischen Weg in einer Lage handeln können, die wir als aussichtslos empfinden. Zunächst geht es für uns als Zenpraktizierende um die vollständige Akzeptanz der Lage. Erst dann geht es um die Frage, welche Antworten wir in einer solchen Lage geben können. Thich Nhat Hanh spricht in diesem Zusammenhang über die Möglichkeit, das Leiden so zu nutzen, dass wir es in Glück transformieren können. In einer als aussichtslos erscheinenden Lage geht es darum, sowohl Mitgefühl - für alle beteiligten Seiten - als auch Weisheit im Sinne einer Einsicht in die jeweiligen Zusammenhänge zu praktizieren. Auch in Bezug auf den Krieg in der Ukraine brauchen wir, wenn wir hilfreich wirken wollen, Verständnis für die Motive und Bedürfnisse aller beteiligten Seiten. Und auch für die Verstrickung in diejenigen politischen und wirtschaftlichen Kräfte und Zusammenhänge, in die wir selber eingebunden sind. Um für junge Erwachsene den Aufenthalt im ToGenJi zu ermöglichen, bitten wir um eine Spende. Sie finden die Kontodaten/Paypal auf unserer Website http://choka-sangha.de/kontakt/spenden/ Herzlichen Dank
Ep 156Z0156 Innere Arbeit, Weltarbeit und Allverbundenheit
Indem wir uns von der Welt dabei helfen lassen, unser ganzes Selbst zu werden, helfen wir selber der Welt ganz zu werden. - So bschreibt der Prozess-Psychologe Arnold Mindell unser Verflochtensein mit der über uns hinausgehenden Welt. Im Ansatz der prozessorientierten Psychologie nach Arnold Mindell werden psychologische und physikalische Dynamiken nicht als grundsätzlich getrennt behandelt. Als Frucht eines langen Übungsweges, so stellt es auch Hermann Hesse in seinem Buch Siddharta dar, kann sich in uns das Bewusstsein der Einheit allen Lebens entwickeln. Diesen ewigen Aspekt Allverbundenheit der Großen Welt sollten wir, auch mitten im Engagement, nicht aus den Augen verlieren. LITERATUR: - Arnold Mindell. Der Weg durch den Sturm. (Orig.: The Eye of Turbulence) Via Nova, 1997 - Siddhartha: eine indische Dichtung by Hermann Hesse https://www.gutenberg.org/ebooks/2499 Um für junge Erwachsene den Aufenthalt im ToGenJi zu ermöglichen, bitten wir um eine Spende. Sie finden die Kontodaten/Paypal auf unserer Website http://choka-sangha.de/kontakt/spenden/ Herzlichen Dank
Ep 155Z0155 Die scheinbare Widersprüchlichkeit des Lebens - Avatamsaka Sutra (6.12.2021)
Im Koan aus dem Hekiganroku, Fall Nr. 39, Umons Kayakuran, antwortet Meister Umon auf die Frage eines Mönchs nach dem wahren Buddhakörper: "Kayakuran", d.h. mit dem Bild eines eingehegten wunderbaren Gartens. Und die von ihm auf die Nachfrage des Mönchs ergänzte Metapher vom "Löwen mit dem Goldhaar" weist dann in der Zentradition auf die leidende Kreatur hin. Im Identitätsbewusstsein, "Manas", identifizieren wir uns mit unserer persönlichen Geschichte und erleben uns illusionär als getrennt von allem Anderen und allen Anderen. Tragischerweise versuchen wir unter dem Einfluss dieser Illusion die ganze Welt als uns gegenüberstehende Ressource zu gebrauchen und zu verbrauchen. Eine ganz andere Welt wird im Avatamsaka Sutra beschworen, eine Welt, in der die vielfältigen Verbindungen zwischen den Wesen und Phänomenen und die energetischen Zusammenhänge unmittelbar wahrgenommen und erlebt werden können. Wenn wir beginnen - durch die Übung und die Praxis vermittelt - zunehmend in dieser Welt der großen Zusammenhänge und der gegenseitigen Durchdringungen zu leben, dann löst sich die Illusion der scheinbar getrennten Existenz auf und wir erkennen den Zusammenhang zwischen "Kayakuran" und "Goldhaarlöwe". In dieser Welt der großen Zusammenhänge mehr und mehr unsere Heimat zu finden ... - dazu kann uns die Übung verhelfen. Um für junge Erwachsene den Aufenthalt im ToGenJi zu ermöglichen, bitten wir um eine Spende. Sie finden die Kontodaten/Paypal auf unserer Website http://choka-sangha.de/kontakt/spenden/ Herzlichen Dank
Ep 154Z0154 Eine Revolution des Mitgefühls (4.12.2021)
Der neue Aufruf des Dalai Lama ist für uns eigentlich nichts Neues, trotzdem könnten wir mehr tun - oder auch weniger, was den Konsum angeht - um zu einer wirklich nachhaltigen und gerechten Lebensweise in Kooperation mit der Natur zu gelangen; wie zum Beispiel auch der neue Vizepräsident Boliviens in seiner Antrittsrede betonte. Dazu kann jeder von uns auf seine und ihre Art und Weise beitragen. Literatur: Der neue Appell des Dalai Lama an die Welt. Seid Rebellen des Friedens. His Holiness The Dalai Lama, Sofia Stril-Rever. Benevento, 2020 Eine aussergewöhnliche Rede des bolivianischen Vize-Ministerpräsidenten David Choquehuanca https://www.youtube.com/watch?v=vljHjAc5O_s Um für junge Erwachsene den Aufenthalt im ToGenJi zu ermöglichen, bitten wir um eine Spende. Sie finden die Kontodaten/Paypal auf unserer Website http://choka-sangha.de/kontakt/spenden/ Herzlichen Dank
Ep 153Z0153 "Zen is ecstasy!" (3.12.201)
Unsere Vorstellungen über ’Selbst’ und ’Nicht-Selbst’ können uns zu Sklaven unserer Konzepte machen. Wir neigen dazu, ein Bild der Wirklichkeit zu konstruieren und unterwerfen uns dann diesem Konstrukt. Achtsamkeit kann uns dann wieder mit der Wirklichkeit in Verbindung bringen. Die Instrumente der Lehre und deren Begrifflichkeiten sollten genutzt und nicht verehrt werden. Wir stehen mit allen Wesen und Phänomenen um uns herum in Verbindung und sind selber ein Prozess in Prozessen in Prozessen ... Und wenn wir das wirklich realisieren, dann können wir ekstatisch leben, wie auch Oi Saidan Roshi oft betonte: "Zen is ecstasy!", indem wir die ’Drei Dharmasiegel’ständig präsent wissen: ’Nicht-Selbst’, ’Nicht-Dauer’ und ’Nirvana’ (im Sinne von: Nicht-Konzept, Zeichenlosigkeit). Literatur: Thich Nhat Hanh. Aus der Tiefe des Verstehens die Liebe berühren. Theseus, 1996 Um für junge Erwachsene den Aufenthalt im ToGenJi zu ermöglichen, bitten wir um eine Spende. Sie finden die Kontodaten/Paypal auf unserer Website http://choka-sangha.de/kontakt/spenden/ Herzlichen Dank
Ep 151Z0152 Äußerer Frieden und innerer Frieden (2.12.2021)
Anhand von Joshus Koan "Ein neugeborenes Baby" aus dem Hekiganroku, Fall Nr. 80, spricht Christoph Rei Ho Hatlapa über unser ’inneres Kind’. Oft finden wir keinen inneren Frieden, weil wir keinen Frieden in unserem "Inneren Team" haben. Unser "Inneres Kind" ist vielleicht verwundet und vernachlässigt und stört unseren Alltag. Um in uns selber Frieden finden zu können, müssen wir unserem eigenen ’Inneren Kind’ Aufmerksamkeit geben. Die Übung und die Praxis kann uns dabei helfen, die aufsteigenden Impulse aus unserem ’Inneren Team’ wahrzunehmen und in einer für uns selbst und für unsere Mitwelt heilsamen Art und Weise anzuerkennen und dann auch zu manifestieren. Was wir in unserem Inneren vorfinden - wenn wir überhaupt danach schauen - müssen wir selber befreien lernen. Um für junge Erwachsene den Aufenthalt im ToGenJi zu ermöglichen, bitten wir um eine Spende. Sie finden die Kontodaten/Paypal auf unserer Website http://choka-sangha.de/kontakt/spenden/ Herzlichen Dank
Ep 151Z0151 Dana und die 6 Vollkommenheiten (Teisho vom August 1999)
Christoph spricht über Dana (übersetzt als Freigebigkeit oder Großzügigkeit) im Verständnis jenseits von materiellem Wert. Welche Art von Reichtum haben wir tatsächlich zu geben? Ein Beispiel ist unsere Präsenz, die wir unserem Gegenüber schenken, in Form als Einfühlung, als Verständnis, als gute Kommunikation. Aber auch Versöhnung, Dankbarkeit oder Raum geben für Entwicklung oder Klarheit, kann als Dana verstanden werden. In unserem erwachsenen Leben, haben wir manchmal die Vorstellung, dass unsere Batterie leer sei. Geben fühlt sich dann als einseitiger Prozess an. In der Zen Übung können wir eine andere Form von Geben erfahren: Geben als Prozess des Durchströmtwerdens; wie bei einem Kanal; hier fließt die Energie ab, dort fließt neue Energie zu. Wir können dem Strömen eine Richtung geben - aber, das Strömen kommt von alleine, wenn wir es zulassen. Die meisten Dinge, die wir zu geben haben, sind nicht in Mark und Pfennig zu berechnen. Wir können ein Tempel ohne Tor sein. (Abschlussgeschichte). Erklärung der 6 Paramitas: Paramita = Prozess des Transzendierens (Die sechs Tugenden/Vollkommenheiten) Dana - Großzügigkeit Sila - „Verkehrsregeln auf dem Weg der Erleuchtung“ (Richtlinien) Kshanti - Weitherzigkeit (Geduld) Virya - Entschlusskraft Dhyana - Besonnenheit (Versenkung) Prajna - Weisheit / Einsicht
Ep 150Z0150 Meditation und praktische Selbstversorgung von Hyakujo bis zum To Gen Ji (17.10.2021)
Im Fall Nr. 125 aus dem Kattoshu, Hyakujos’ "Kein Essen", wird die Verbindung von spiritueller Praxis mit Selbstversorgung aus dem eigenen Garten thematisiert. Hyakujo Ekai (chin.: Baizhang Huaihai, 720-814) war Schüler von Baso Dōitsu (chin.: Mazu Daoyi, 709-788). Zu Hyakujos Schülern gehörten Huangbo Xiyun und Linji Yixuan (jap.: Rinzai). Die noch heute in Zenklöstern gültigen Regeln werden auf ihn zurückgeführt. Die im Indien der Wanderasketen, Einsiedler und Mönche übliche Arbeitsteilung: "Spirituelle Fachleute" betreiben Meditation und Versenkung und die arbeitende Bevölkerung unterstützt diese Spezialisten mit Lebensmitteln und Kleidung, diese in Südasien bis heute übliche Arbeitsteilung wurde in der Chan-Tradition im China der Tangzeit aufgehoben. Hyakujo, sicherlich inspiriert von der daoistischen Tradition, setzte auf die spirituelle und die Persönlichkeitsentwicklung der Menschen durch meditativ ausgeführte Arbeit, auch die ganz praktische Arbeit im Garten zur eigenen Versorgung mit Lebensmitteln. Insofern kann man von Hyakujo als dem ersten buddhistischen Permakulturisten sprechen. Im ToGenJi Projekt der Choka Sangha stellt sich jetzt die Frage, wie einerseits die anstehenden Aufgaben des Betriebs auf die jüngere Generation übertragen werden können und andererseits die jüngere Generation von der Erfahrung der älteren profitieren kann. Um für junge Erwachsene den Aufenthalt im ToGenJi zu ermöglichen, bitten wir um eine Spende. Sie finden die Kontodaten/Paypal auf unserer Website http://choka-sangha.de/kontakt/spenden/ Herzlichen Dank Um für junge Erwachsene den Aufenthalt im ToGenJi zu ermöglichen, bitten wir um eine Spende. Sie finden die Kontodaten/Paypal auf unserer Website http://choka-sangha.de/kontakt/spenden/ Herzlichen Dank
Ep 149Z0149 Meister der Gestaltung des eigenen Lebens bleiben - auch im digitalen Zeitalter (16.10.2021)
Ausgehend vom Koan aus dem Mumonkan, Fall Nr. 8, Keichu der erste Wagenmacher, spricht Christoph Rei Ho Hatlapa über die Herausforderung, im Zeitalter der digitalen Achtsamkeitsräuber Herr über die Gestaltung des eigenen Lebens zu bleiben. Bleiben wir beim Arbeiten im bloßen Reaktivmodus, dann lassen wir der Lebendigkeit kaum einen Raum. Wenn wir dagegen wirklich mit unserem Wesen, mit der Buddhanatur in uns, in Verbindung stehen, dann wird auch unser äußeres Handeln zu einem Ausdruck des großen, über uns selbst hinausgehenden Lebens. Um für junge Erwachsene den Aufenthalt im ToGenJi zu ermöglichen, bitten wir um eine Spende. Sie finden die Kontodaten/Paypal auf unserer Website http://choka-sangha.de/kontakt/spenden/ Herzlichen Dank
Ep 148Z0148 Der Umgang mit Bewertungen und Kritik (15.10.2021)
Das Koan zu diesem Vortrag stammt aus dem Hekiganroku Fall Nr. 97 "Die Verfehlung ist getilgt" und bezieht sich auf eine Passage aus dem Diamantsutra. Wenn wir mit Bewertung Anderer konfrontiert werden, können wir den Sachverhalt heilen, indem wir diese Beurteilungen annehmen. Und indem wir an unserer eigenen Gewohnheit, in Bewertungen gegenüber Anderen zu geraten, arbeiten, können wir uns mit unserer Buddhanatur rück-verbinden. Nach einem Bodhidharma zugeschriebenen Text gibt es neben dem unmittelbaren Verstehen, im Sinne einer unmittelbaren intuitiven Einsicht, vier Arten der Übung, um auf den Weg zu gelangen: - Das ’Nicht-Mögen’ ablegen - Die eigenen Umstände annehmen - Nach nichts verlangen - Im Einklang mit dem Dharma leben Bei all diesen Übungen geht es letztendlich darum, aus der Gegenwärtigkeit des Präsentseins leben zu können. Um für junge Erwachsene den Aufenthalt im ToGenJi zu ermöglichen, bitten wir um eine Spende. Sie finden die Kontodaten/Paypal auf unserer Website http://choka-sangha.de/kontakt/spenden/ Herzlichen Dank
Ep 147Z0147 Die Revolution des Mitgefühls (14.10.2021)
Für eine wirklich Revolution des Mitgefühls - die auch schon Bestandteil der ’Revolution’ des Buddha war - brauchen wir die Fähigkeit, das Grenzenlose in der Welt der Formen und Grenzen zu erkennen. Wenn wir mit dem Grenzenlosen, auch in uns selbst, Freundschaft schließen, dann können wir die vier Aspekt des Mitgefühls verwirklichen: - Metta. - Liebende Güte und Selbstakzeptanz - Mudita. - Freude und Mitfreude - Karuna. - Tiefe Anteilnahme - Upeksha. - Gleichmut und anteilnehmende Gelassenheit Voraussetzung für die Praxis des Mitgefühls ist auch die Erkenntnis des Verhältnisses von ’Selbst’ und ’Nichtselbst’. Wenn wir die ’Zeichenlosigkeit’ aller unserer Konzepte durchschauen und unsere Vorstellungen und Konzepte relativeren, dann gelingt es uns leichter, diese Konzepte ins Leben zurückzuholen, in ein Leben der Wunder, das immer auch in einem größeren Bezug steht, als unser jeweiliger Standpunkt uns zu sehen erlaubt. Buch: Der neue Appell des Dalai Lama an die Welt: Seid Rebellen des Friedens. 4. Auflage, Benevento, 2020 Um für junge Erwachsene den Aufenthalt im ToGenJi zu ermöglichen, bitten wir um eine Spende. Sie finden die Kontodaten/Paypal auf unserer Website http://choka-sangha.de/kontakt/spenden/ Herzlichen Dank
Ep 146Z0146 Das Koan-Training im Rinzai-Zen als Heldenreise (19.9.2021)
Anhand des Koan aus dem Hekiganroku Fall Nr. 33: Chinso Shosho besucht Shifuku, spricht Christoph Rei Ho Hatlapa über den inneren Weg des Zen mit Hilfe von Zen-Koans. Ein Training mit den klassischen Koans, bei einem kompetenten Zenmeister konsequent verfolgt, kann sich für den Praktizierenden als eine Reise nach Innen, als eine Art von ’Heldenreise’ darstellen. Auf diesem Übungsweg, im Verlauf dieser ’HeldInnenreise’, können sich die eigenen inneren Kraftquellen zeigen und es kann sich der innere Meister melden. Im Kontakt mit dem äußeren Meister werden dann diese inneren Entdeckungen auf ihre Authentizität und auf ihre Belastbarkeit überprüft. Christoph Rei Ho Hatlapa gibt hier einen Überblick über die Stationen der inneren Reise und Entwicklung, die wir anhand der ersten zwölf Koans des Mumonkan anlaufen und bearbeiten können. Es geht dabei darum, die im Osten stärker gepflegten Schätze des Inneren im eigenen Inneren selber wieder zu entdecken und sich zu eigen zu machen. Um für junge Erwachsene den Aufenthalt im ToGenJi zu ermöglichen, bitten wir um eine Spende. Sie finden die Kontodaten/Paypal auf unserer Website http://choka-sangha.de/kontakt/spenden/ Herzlichen Dank
Ep 145Z0145 Kazuaki Tanahashi und das Streben nach Frieden und Versöhnung (18.9.2021)
Christoph Rei Ho Hatlapa bezieht sich in diesem Teisho auf die Arbeit von Kazuaki Tanahashi und insbesondere einen engagierten Film, in dem Kaz den in der Kriegsindustrie arbeitenden Menschen vier Sätz ans Herz legt: - Es gibt keine Situation, die nicht verändert werden könnte. - Findet eine gemeinsame Vision! - Als Einzelner kannst du die Welt nicht verändern, du kannst jedoch beitragen und auch beispielsweise einen Experten finden, der sich für deine Vision einsetzt. - Niemand ist ohne Verantwortung Kazuaki Tanahashi (geb. 1933, fellow of the World Academy of Art and Science) bemüht sich speziell auch um die Verarbeitung der Kriegsgreuel, die von japanischen Nationalisten in China während des zweiten Weltkrieges begangen wurden. Christoph Hatlapa berichtet von seinem eigenen Engagement zur Linderung der Folgen des Yugoslawienkrieges, speziell beim Aufbau des Friedenszentrum in Ossiek. Literatur: Kazuaki Tanahashi. Painting Peace. Art in a Time of Global Crisis. Shambhala Publications. Chang, Iris. Die Vergewaltigung von Nanking : Das Massaker in der chinesischen Hauptstadt am Vorabend des Zweiten Weltkriegs. Pendo, 1999 Um für junge Erwachsene den Aufenthalt im ToGenJi zu ermöglichen, bitten wir um eine Spende. Sie finden die Kontodaten/Paypal auf unserer Website http://choka-sangha.de/kontakt/spenden/ Herzlichen Dank
Ep 144Z0144 Sich öffnen für das, was außerhalb unseres Erwartungshorizontes liegt (Teisho vom 16.7.2021)
Eine Geschichte aus dem Buch ’Das verborgene Licht’: Ohashi verkauft ihren Körper. Ohashi, die Tochter eines verarmten Ronin, die sich aus wirtschaftlichen Zwängen prostituieren muss, geht zu Hakuin und bekommt von ihm ein Koan: "Wer ist die Person, die diese Arbeit macht?". Nachdem sie sich ihrer größten Angst, der Furcht vor dem Gewitter und den Blitzen, bewusst aussetzt, erwacht sie zu einer neuen Sicht auf das Leben. Anhand dieser Geschichte spricht Christoph Rei Ho Hatlapa über unsere Versuche, aus eigener Kraft perfekt zu handeln und uns durchzusetzen. Aber, wenn wir es schaffen, Zugang zu den Kräften zu finden, die durch uns hindurch wirken, dann erscheint uns unsere Welt in einem ganz anderen Licht. Wir haben dann die Chance, aus dem "Großen heimatlosen Selbst" heraus, wie es im Zen heißt, zu leben und von der Ebene der Urteile und der Vergleiche zur Ebene der wirklichen Lebendigkeit zu wechseln. Um diesen Schritt machen zu können, müssen wir uns zunächst den eigenen Umständen und unseren tiefsten Ängsten stellen und uns der Botschaft hingeben, die vielleicht in ihnen verborgen liegt. Dann können wir uns, außerhalb unseres Erwartungshorizontes, für diejenigen Kräfte öffnen, die weit über uns hinausgehen. Um für junge Erwachsene den Aufenthalt im ToGenJi zu ermöglichen, bitten wir um eine Spende. Sie finden die Kontodaten/Paypal auf unserer Website http://choka-sangha.de/kontakt/spenden/ Herzlichen Dank
Ep 143Z0143 Sich selbst erkennen und die menschliche Weiterentwicklung (Teisho vom 15.7.2021)
Anhand des Koans: "Ein Fehler beim Sprechen" aus dem Mumonkan (Fall Nr. 39) spricht Christoph Rei Ho Hatlapa über den Zusammenhang zwischen eigenem Glück und der menschlichen Weiterentwicklung hin zum Erwachen. Diese Entwicklung ist etwas völlig anderes als die zwanghafte Selbstoptimierung, die uns heute in vielfältiger Form gepredigt wird. Den Zen-Weg zu gehen, bedeutet, nach Dogen, zunächst: Sich selbst zu erkennen. Dann, danach, können wir das Glück darin erleben, die größere Welt in einer Weise auf uns wirken zu lassen, dass wir in ihr gewissermaßen aufgehen und "uns selbst vergessen" wie Dogen sagt. Wir erfahren dann ein beglückendes Überschreiten der eigenen Begrenztheit. Und dann kann es auch geschehen, dass wir in eine neue Harmonie mit den Dingen und Wesen um uns herum kommen und uns "in allen Dingen" (Dogen) selber wieder-erkennen. Film über Sebastião Salgado: Das Salz der Erde. Dokumentarfilm, Deutschland, Brasilien, 2014, 110 Min., Buch und Regie: Wim Wenders, Juliano Ribeiro Salgado. Florence Caplow, Susan Moon (Hrsg.): Das verborgene Licht. 100 Geschichten erwachter Frauen aus 2500 Jahren, betrachtet von (Zen-)Frauen heute. Edition Steinrich Um für junge Erwachsene den Aufenthalt im ToGenJi zu ermöglichen, bitten wir um eine Spende. Sie finden die Kontodaten/Paypal auf unserer Website http://choka-sangha.de/kontakt/spenden/ Herzlichen Dank
Ep 142Z0142 Einer Frau des Weges begegnen (Teisho vom 14.7.21)
In diesem Vortrag behandelt Christoph Rei Ho Hatlapa anhand des Koans Nr. 36 aus dem Mumonkan die Frage der Begegnung zwischen den Geschlechtern. Die Voraussetzung einer wirklichen Verständigung ist dabei immer die Bereitschaft auf den/die Andere/n mit einem offenen Herzen zuzugehen. Und daneben auch, als Grundlage, die Bereitschaft, dass ich mich als Begegnenden selber kennenlerne. Auch die Integrationsanstrengung, die von den Frauen geleistet wird und die von den Männern oft übersehen wird, wird in diesem Prozess deutlicher. Dabei hilft es uns, die eigene Natürlichkeit, den eigenen Zugang zur Buddhanatur, neu zu entdecken. Erwähnte Autoren / Bücher: Danaan Parry. Krieger des Herzens. Herausgeber: Lüchow, 2001 Claude AnShin Thomas. Krieg beenden - Frieden leben. Ein Soldat überwindet Hass und Gewalt. Florence Caplow, Susan Moon (Hrsg.): Das verborgene Licht. 100 Geschichten erwachter Frauen aus 2500 Jahren, betrachtet von (Zen-)Frauen heute. Edition SteinrichUm für junge Erwachsene den Aufenthalt im ToGenJi zu ermöglichen, bitten wir um eine Spende. Sie finden die Kontodaten/Paypal auf unserer Website http://choka-sangha.de/kontakt/spenden/ Herzlichen Dank
Ep 141Z0141 Dana und Selbst-Achtsamkeit (Teisho vom 13.7.2021)
Im Kattosho, Fall Nr. 228, wird die ruppige Art Rinzais beim Bettelgang geschildert. Eine alte Frau - die, wie so oft im Zen, für eine größere Weisheit steht - weist ihn zurecht. Gleichzeitig zeigt sich die alte Frau - auch wie so oft in den alten Erzählungen - als fürsorglich. Christoph Hatlapa spricht über seine Erfahrungen mit der Praxis des Bettelgangs in Japan und seine Fürsorge für seine eigene Gesundheit im fortgeschrittenen Alter. Manchmal geben uns anscheinend unerfüllbare Herausforderungen Gelegenheit, unsere engen Konzepte in Frage zu stellen und überlebte Grenzen in uns selbst zu überschreiten. Manchmal brauchen wir allerdings auch Unterstützung, um die Lehre zu verbreiten und müssen neben der Übung und dem Streben nach geistigen Fortschritt auch auf unsere eigenen körperlichen Bedürfnisse achten. Auch der bewusst wahrgenommene Kontakt mit der uns umgebenden Natur kann uns mit der größeren Welt in Kontakt bringen und unsere Gesundheit stärken. Wenn wir in dieser Weise achtsam bleiben, wird uns das Geschenk deutlicher, uns zwischen Himmel und Erde in einem weit über uns selbt hinausgehenden Geborgenheitskontinuum bewegen zu dürfen. Um für junge Erwachsene den Aufenthalt im ToGenJi zu ermöglichen, bitten wir um eine Spende. Sie finden die Kontodaten/Paypal auf unserer Website http://choka-sangha.de/kontakt/spenden/ Herzlichen Dank
Ep 140Z0140 Jenseits von Richtig-und-Falsch und das Koantraining (Teisho vom 23.5.2021)
Mayoku nimmt mit seinem Auftreten eine Souveränität in Anspruch, die von den beiden Meistern mit ihrer Antwort erschüttert wird. Die Koan-Praxis kann auf uns eine ähnliche Wirkung ausüben: vermeintlich "richtige" Konzepte und Überzeugungen werden in Frage gestellt und erschüttert. Damit eine solche Praxis bei uns wirksam werden kann, brauchen wir die drei Voraussetzungen für diesen Übungsweg: Großes Vertrauen. Große Entschlusskraft. Großen Zweifel. Auch ein gewisses Maß an Zweifel ist wichtig, um uns auf dem Weg nicht vorschnell anhalten zu lassen. Gehen wir auf dem Übungsweg weiter, können wir uns mehr und mehr vom Rechthabenwollen lösen und unsere eigenen Lebensmotive und diejenigen von anderen Menschen wirklich erfahren und ihnen folgen.
Ep 139Z0139 Erwachen zum Großen Zusammenhang Teisho vom Pfingstsesshin 22.5.2021
Der Zenmeister Baso (chin.: Mazu Daoyi, 709-788) brachte seinen Schüler Hyakujo (chin.: Baizhang Huaihai, 720-814) auf schmerzhafte Weise zum Erwachen; geschildert im Hekiganroku, Fall Nr. 53: Hyakujo und die wilde Ente. Solche Momente des – manchmal durch einen Schmerz ausgelösten – Herausgerissenwerdens aus dem Gedankenkarussell, in dem wir uns so oft auf der Stelle drehen, sind typisch für die Zenschulung. In einem solchen Moment, in dem wir uns wirklich einlassen auf einen weit über uns selber hinausgehenden Kontext, kommen wir dann plötzlich mit dem größeren Bedingungszusammenhang – in dem wir faktisch natürlich immer leben – in vollen Kontakt. Dann erleben wir wenigstens für einen Moment unsere Wesensgleichheit mit den uns umgebenden Plfanzen, Tieren und der ganzen physischen Welt. Solche Erlebnisse können unsere Einstellung zur Welt und zum Leben verändern und es kann eine beinahe persönliche Anteilnahme mit den uns umgebenden Wesen eintreten. Von unserem oft so illusorischen Denken und unserer beinah allgegenwärtigen Geschäftigkeit werden wir aber meistens daran gehindert, mit der Welt, von der wir ein Teil sind, wirklich in intimen Kontakt zu kommen. Ohne diesen unmittelbaren und persönlichen Kontakt werden unsere halbherzigen Bemühungen, eine von uns gedanklich als getrennt vorgestellte "Umwelt" zu schützen, womöglich zu spät kommen. Eine wirkliche Veränderung unseres Lebens braucht kein Rückschritt und keine Askese zu sein, sondern diese Veränderung kann sich als Befreiung vom Überfluss und als Gewinn an Kontakt und Vertrautheit mit der Biosphäre und der über uns hinausreichenden Welt herausstellen. Um für junge Erwachsene den Aufenthalt im ToGenJi zu ermöglichen, bitten wir um eine Spende. Sie finden die Kontodaten/Paypal auf unserer Website http://choka-sangha.de/kontakt/spenden/ Herzlichen Dank
Ep 138Z0138 Die schwierigen Aspekte des Lebens anerkennen und transformieren - Teisho vom Pfingstsesshin 21.5.2021
Auf die Frage eines Mönches, was der Wahre Körper des Buddha sei, antwortet Meister Umon: ’Kayakuran’ ("Umzäunter Blumengarten"). Der Mönch fragt nach, was wäre, wenn er diese Antwort wörtlich nehmen würde, worauf Umon antwortet: "Goldhaarlöwe". In diesem Koan steht der "Goldhaarlöwe" für die ungezähmten Aspekte dieser Welt und der Natur, jenseits der umzäunten Blumengärten. Zu diesen ungezähmten Aspekten gehört aber neben der Kraft der Wildheit auch das Leiden, das Unansehnliche und das Vergängliche. Der Wahre Körper des Buddha ist – nach Umon – nur vollständig mit dieser leidvollen und unangenehmen Seite der vollen Wirklichkeit. Tatsächlich gehört die Annahme und Würdigung dieser abschreckenden Aspekte der Welt und unseres eigenen Seins zur Voraussetzung eines transformativen spirituellen Weges. Auf diesem Weg wird dann die natürliche und vordergründige Schönheit zusammen mit diesen schwierigen und unangenehmen Aspekten der Welt und des Lebens zu einer tieferen und tragfähigeren Schönheit transformiert. Für diese Transformationsleistung brauchen wir aber in der Regel den Zugang zu einer Ebene, die jenseits der – scheinbaren – Gegensätze liegt. Diese Ebene ist die spirituelle Ebene, für die wir uns in der meditativen Praxis öffnen. Wenn wir für diese Ebene empfänglich sind, können wir auch die schwierigen Aspekte des Daseins in einem Segen für uns selber und vielleicht auch für unsere Mitmenschen verwandeln. Um für junge Erwachsene den Aufenthalt im ToGenJi zu ermöglichen, bitten wir um eine Spende. Sie finden die Kontodaten/Paypal auf unserer Website http://choka-sangha.de/kontakt/spenden/ Herzlichen Dank
Ep 137Z0137 Die Illusion der getrennten Einzelexistenz überwinden - Teisho vom 17.1.2021
Im Hekiganroku Fall Nr. 100, Haryô und das “schärfste Schwert”, heißt es: Ein Mönch fragte Haryô: “Was hat es mit dem Schwert auf sich, gegen das ein Haar geblasen wird?” Haryô sagte: “Jeder Korallenast umarmt den strahlenden Mond." Als "das erste Prinzip" wird in der Zentradition die Notwendigkeit verstanden, dass jeder Übende seine eigenen Erfahrungen machen muss. Erlebnisse und Erfahrungen aus zweiter Hand zu diskutieren, wird im Zen vehement abgelehnt. Genauso gilt das Ventilieren der eigenen Erfahrungen nicht als hilfreich. Insofern stellt Meister Engo die Frage an seine Mönche, ob seine vielen Vorträge ihnen nicht geschadet hätten. Und er behauptet schlechterdings, dass es von Anfang an kein Geheimnis und nichts zu sagen gegeben hätte. Tatsächlich können nach dem Verständnis des Zen die Vorträge und Hinweise der Meister nur Anregungen sein, die den Selbsterfahrungsprozess stimulieren sollen. Das Schwert gilt hier als Metapher für diejenige Form von unterscheidender Weisheit, die alle Illusionen abschneidet. Besonders geht es auch darum, aus der Illusion der Getrenntheit heraus zu kommen, in die wir durch unsere Identitätskonzepte verwickelt sind. Die Weisheit, um die es hier geht, macht eine Unterscheidung INNERHALB der Einheit möglich. Die Korallen, die es fertig bringen, ihre Vermehrungszyklen mit Hilfe der Mondphasen zu synchronisieren, zeigen eine "Intelligenz", die wir für uns als Menschheit wohl erst noch erarbeiten müssen. Wenn wir uns die "Intelligenz" dieser Korallen zum Vorbild nehmen, dann könnten wir IN diesem großen Kosmos zur Erkenntnis kommen und damit dem Kosmos selbst zum Erwachen verhelfen. In diesem Sinne vertritt auch der Sinologe David Hinton die These: In der chinesischen Zen-Poesie und der Dichtung der Zen-Meister und Zen-Künstler wird der Kosmos seiner selbst bewusst. Dieser Prozess der integrativen Bewusstwerdung kann durch die Mittel der Sprache aber gerade dort erreicht werden, wo sie sich - wie in der Poesie - auf ein Minimum reduziert und sich in die Stille hinein öffnet. Damit kann die Poesie ein Mittel sein, um das allzu verengte Identitätsbewusstsein zu erweitern und gewissermaßen mit dem größeren Kosmos in ein Gespräch zu kommen. Um diese Öffnung geht es genauso auf dem Weg der spirituellen Praxis des Zen. Die Stille, in die wir in der Zenpraxis gehen, führt uns in den nichtsprachlichen Erfahrungsraum. Damit wird es uns möglich, unseren Standort im Universum - unabhängig von den kulturell geprägten Identitätsschemata - neu zu bestimmen. Dann werden wir fähig, im "homeless home and selfless self", wie Soen Nakagawa es ausdrückte, zur Subjektivität des Kosmos zu erwachen. Diese größere Subjektivität geht weit über die selbstbezogene Achtsamkeit und auf Durchsetzung bedachte Präsenz hinaus. In der wirklichen Präsenz - jenseits der beschränkten Eigeninteressen - werden wir durchlässig für die Resonanzkräfte des Universums. In dem Maße, in dem uns das gelingt, können wir dann auch in eine heilsame Mitschöpfer-Rolle gegenüber dem großen Universum kommen. Und dann können wir als verantwortliche Gärtner in der Biosphäre das schöpferische Moment weiter voranbringen. Literatur: David Hinton. Existence. A Story. Shambhala, 2016 ders.: Awakened Cosmos. The Mind of Classical Chinese Poetry. Shambhala, 2019
Ep 136Z0136 Das allmähliche und das plötzliche Erwachen - Teisho vom 16.1.2021
Anhand des Koans Nr. 38 aus dem Hekiganroku spricht Christoph Rei Ho Hatlapa über die Wege zum Erwachen und den Umgang mit dem Bewusstsein einer sich ständig wandelnden Welt. Die Zen-Tradition berichtet von einer Auseinandersetzung zwischen der nördlichen und der südlichen Schule des Zen in China: Die nördliche Schule vertrat die Lehre von der allmählichen Reifung und Entwicklung, während die südliche Schule nach dem plötzlichen Erwachen strebte. Eine plötzliche existentielle Erschütterung kann unter Umständen zu einer Art von Erwachen führen, einem inneren Umschlagen der Sicht der Welt, das zu einer ganz anderen und realeren Auffassung des Lebens führt. Aber auch ein solcher radikaler Paradigmenwechsel in der persönlichen Erfahrung braucht danach einen Integrations- und Reifungsprozess, wie Christoph Rei Ho Hatlapa am Beispiel der Lebensgeschichte von Reiko Mukai, genannt Kosan, erläutert. Der - irrtümlichen - Auffassung, dass mit einem existentiellen Erwachen schon alles erreicht wäre, widersprach der Zenmeister Oi Saidan Roshi, obwohl er Reiko Mukais "Erwachen" anerkannte. Denn auch nach einem tiefen Erwachen liegt der lange Weg der Integration und Reifung noch vor uns. Das Erwachen, selbst ein tiefes Erwachen mit einer echten Einsicht in die Wesensgleichheit, braucht danach immer noch die Integration mit dem Leben im Alltag und die Bewährung in der Praxis des realen Lebens. Aber auch ohne ein initiales existentielles Erlebnis kann eine gut angeleitete Schulung zu einem fortschreitenden Prozess des Erwachens führen. Beide Wege, die sogenannte "plötzliche Erleuchtung" und die langsame Reifung können sich tatsächlich gegenseitig ergänzen. Diese Integration und Reifung wird in der zenbuddhistischen Tradition, hier vom Meister Fuketsu vertreten, als das Dharmasiegel des Buddha und der Patriarchen bezeichnet. Wer diesen Weg gegangen ist und diese Integration geleistet hat, der kann mit den drei Daseinsmerkmalen des Lebens schöpferisch und aktiv umgehen. Diese drei Daseinsmerkmale sind, laut buddhistischer Lehre: 1.: Die Nicht-Substantialität des Ich (anatta), 2.: die Vergänglichkeit und Flüchtigkeit aller Erscheinungen (anicca) und 3.: Das Verlöschen aller Konzepte im Erwachen (nirvana). In dem Maße, in dem wir mit diesen Daseinsmerkmalen - nicht nur als gedanklich wiedergekäute Theorien, sondern als selbst erfahrene Einsichten - im realen Leben präsent und schöpferisch umgehen können, in dem Maße kann man dann wirklich von Erwachen sprechen. Gerade die selbst erfahrene Einsicht in die Natur der Vergänglichkeit aller Erscheinungen, bis hin zu den Beziehungen der Menschen untereinander, kann uns dann öffnen für die Einzigartigkeit und die volle Intensität jeden Augenblicks. Wir werden dann sorgfältiger im Umgang untereinander und mit der Mitwelt und bleiben auch dann hellwach, wenn wir durch unangenehme Erlebnisse hindurchgehen. Und in dem Maße, in dem wir wissen - durch eigene Einsicht - was mit Nicht-Ich (anicca) gemeint ist, können wir auch die eigene Vergänglichkeit bis hin zum eigenen biologischen Tod annehmen. Wir wissen dann, dass das Große Leben, aus dem wir alle hervorgegangen sind, weitergeht. Und wir können darauf vertrauen, dass wir in diesem über uns hinausreichenden größeren Zusammenhang aufgehoben bleiben; auch wenn das, was wir heute für unser "Ich" halten, sich in seine Bestandteile aufgelöst hat. Wie in unserer buddhistischen Tradition immer wieder aus dem Herz-Sutra, dem Hannya-Shingyo, rezitiert wird: Nichtbegrenztheit (Leerheit, shunyata) ist identisch mit den Formen, die Formen sind identisch mit der Nicht-Begrenztheit, der Leerheit. Damit wir diese Identität von Großem Leben und unserem begrenzten eigenen Leben, diese Identität von Form und Leerheit, im realen Leben umsetzen können, brauchen wir die Übungspraxis. Auf diesem Weg der Integration können wir in zunehmendem Maße mit dem ständig neue Formen gebärenden Gewebe des Großen Lebens in Einklang kommen.
Ep 135Z0135 Meister Bankei und der ungeborene Buddha-Geist
Meister Bankei lebte von 1622 bis 1693 und galt mit seiner Offenheit für alle Bevölkerungsgruppen als Erneuerer der Zentradition und wirkte damit als Wegbereiter des 64 Jahre jüngeren Hakuin. Bankei betonte immer wieder: "Es genügt, wenn die Menschen in Übereinstimmung mit dem ’Ungeborenen Buddhageist’ leben." Auch im Koan Fall Nr. 206 aus dem Kattoshu geht es um den ’Ungeborenen Buddhageist’. Dort wird berichtet, wie Fuketsu (chin.: Fengxue Yanzhao, 896-973) von seinem Lehrer Nan’in (chin.: Nanyuan) auf ’das Ungeborene’, im Gegensatz zu den verschiedenen meditativen Methoden und geistigen Hilfsmitteln, hingewiesen wird. Auf dieses ’Ungeborene’ verweist Bankei seine Schüler immer wieder. Und er rät ihnen: Lass sämtliche Konzepte los! Gib alle Ideen auf und erlebe deinen eigenen ursprünglichen Geist hier und jetzt! Dieses ’Ungeborene’, so Bankei, kann weder durch mentale Techniken produziert werden noch ist es der Zustand einer religiösen Ekstase; es ist, wo auch immer wir uns befinden, makellos schon vorhanden, so wie es ist. Es geht nur darum, ohne Befangenheit, ohne Begriff und ohne Urteil einfach man selbst zu sein. Mit dieser Betonung des Ursprünglichen näherten sich Zenmeister wie Fuketsu oder Bankei der Lehre des Daoismus an. Schon Lao Tse beschrieb den Urgrund der Welt als ein sich selbst, aus sich selbst, immer neu schöpfendes lebendiges Gewebe, eine schöpferische Struktur, die keiner künstlichen Zusätze bedarf. Bankei erreichte mit seiner Lehre - und seinem persönlichen Beispiel - zu seiner Zeit eine ungewöhnlich große Popularität und Anhängerschaft, zu der Menschen aus allen Bevölkerungsgruppen und gesellschaftlichen Rängen zählten.
Ep 134Z0134 Erkennen, was bereits in uns ist (Teisho vom 6.12.2020)
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Ep 133Z0133 Joshus drei entscheidende Worte (Teisho vom 5.12.2020)
Im Fall Nr. 96 aus dem Hekiganroku erklärt Joshu: Lehmbuddhas können nicht durchs Wasser gehen, Metallbuddhas können nicht durch einen Schmelzofen gehen, Holzbuddhas können nicht durchs Feuer laufen. (Erläutert in Nr. 165 der Sammlung mit 333 Zengeschichten von Meister Joshu, s.u.) Von einem begrenzten Selbstverständnis und einer engen Weltsicht aus lassen wir uns leicht in eine angstdominierte Haltung versetzen. Wenn wir allerdings einfach unserer Natur folgen, dann können wir, wenn wir durstig sind, um Wasser bitten und uns am Feuer wärmen, wenn uns kalt ist. Folgen wir – ohne an unnötigen Konzepten zu hängen und ohne aufgesetzten Strategien nachrennen zu wollen - unserer natürlichen Ausstattung, dann können wir bewusst Ja sagen zu dem, was unsere Natur ausmacht. Vorausgesetzt, wir wissen «was genug ist», wie Dogen betont. Dann können wir unserer Buddhanatur folgen und unser Wesen verwirklichen.
Ep 132Z0132 Verantwortlich werden für die Umstände in denen wir leben – Permakultur in der Zentradition, Teil 2 Teisho vom 14.3.2021 (Online Sesshin)
Ausgehend vom Shoyoroku Fall Nr. 4: "Der Weltgeehrte zeigt zum Boden" spricht Christoph Rei Ho Hatlapa über die dringliche Notwendigkeit, zu verantwortlichen Menschen zu werden, was unsere Versorgung mit Ressourcen und besonders mit Nahrungsmitteln angeht. Wir stehen auch im ToGenJi-Projekt – immer noch – täglich am Anfang der Kombination einer spirituellen Praxis mit einer verantwortbaren Nutzung der Erde und des Bodens. Die Permakultur hat sich von einer Nischenexistenz langsam zu einer beachtetem Graswurzelbewegung entwickelt und auch im ToGenJi werden Kurse der Permakultur Akademie (siehe: www.permakultur.de) veranstaltet in denen die Teilnehmer dann auch mit der Zenpraxis vertraut gemacht werden. Die Impulse von Masanobu Fukuoka, Bill Mollison, David Holmgren und vielen anderen Pionieren der Permakultur lassen sich einerseits im kleinen Maßstab, als Graswurzelbewegung gewissermaßen, anwenden, zielen aber letztendlich auf eine radikale und umfassende Revolution, ausgehend von der Landwirtschaft, unserer grundlegenden Einstellung zum Umgang mit der Erde. In jedem Fall bedarf es mit einer Methode wie der von Fukuoka einer unmittelbaren Nähe zum Boden. Diese Nähe und Verbindung hat die industriell betriebene Landwirtschaft seit Langem verloren. Die angebliche Produktivität dieser mit immer größeren Maschinen und mit immer raffinierteren Chemikalien arbeitenden Anbaumethoden zeigt sich als eine Illusion, wie Fukuoka schon auf seinen Vorträgen 1982 in den USA betonte; tatsächlich wird in der industriell betriebenen Landwirtschaft ein zigfaches dessen an Energie in Form von fossilen Kohlenwasserstoffen eingesetzt, was zum Schluss an Kalorien in Form von Nahrungsmitteln geliefert werden kann. Die bei uns noch weitgehend übliche Form dieser industriell betriebenen Nahrungsmittelversorgung ist damit nicht nur eine enorme Energieverschwendung sondern trägt auch massiv zum Klimawandel bei und verursacht dazu auch noch eine immer problematischere Trinkwasserbelastung und darüberhinaus eine Bodendegradation und Dersertifikation im globalen Maßstab.(*) Zu den heute noch dominanten katastrophalen Entwicklungen zeigt die Permakultur nachhaltige Alternativen auf. Und auch die Geschichte des Geländes der Choka Sangha, vor dreißig Jahren ein biologisch toter Maisacker, zeigt uns was möglich ist, wenn wir die Natur respektieren und mit ihr kooperieren. Zu einem erwachten Bewusstsein gehört für uns Menschen nicht nur ein befreiter Geist sondern auch eine verantwortbare Lebensweise auf und mit dem Planeten, den wir bewohnen. Es geht für jeden von uns darum – auch mit Hilfe der Übung des Zen – nicht mehr nur "Gäste" und Opfer eines anscheinend unbeherrschbaren Geschehens zu bleiben, sondern sich zu einem verantwortlichen "Gastgeber" weiter zu entwickeln und die Verantwortung für die Umstände in denen wir leben, selber zu übernehmen. Im Zen sprechen wir vom "Gastgeber"; damit sind Menschen gemeint, die sich mit den Bedingungszusammenhängen des Lebens auskennen und die diese Zusammenhänge nicht nur passiv hinnehmen sondern aktiv verantworten. Der Weg des Zen kann uns dabei helfen, diese Fähigkeit zu entwickeln und unsere Beziehung zur Natur damit auf eine neue und nachhaltige Basis zu stellen.
Ep 131Z0131 Unser Umgang mit der Natur – Permakultur in der Zentradition, Teil 1 Teisho vom 13.3.2021 (Online Sesshin)
In diesem Koan wird eine Szene aus dem Gandhavyuha Sutra ("Eintritt in den Bereich der Wirktlichkeit"), einem Teil des Avatamsaka Sutra, verwendet, in der Manjusri seinen Schüler Sudhana über die möglichen Wirkungen eines Grashalms unterrichtet. Fukuoka Masanobu (1913-2008), japanischer Mikrobiologe und später Landwirt, entwickelte eine Form der Landwirtschaft, die mit der Natur kooperiert, statt sie mit Hilfe von Chemie und Maschinen als Ressource auszunutzen. Die Art seiner Landwirtschaftsmethode bezeichnet er als Anwendung des taoistischen Wu-wei-Prinzips. Die Natur mit ihrer Fähigkeit sich selbst zu erhalten, gilt bei ihm als Vorbild für einen Umgang mit der Welt, der auf Zusammenarbeit statt auf (Aus-) Nutzung basiert. Fukuoka etablierte auf seinem Land ein ökologisches Gleichgewicht für den Schutz der Nutzpflanzen vor Schädlingen und für die Nährstoffanreicherung des Bodens. Seine Felder und Gärten sind reich an Tieren und Pflanzen und müssen weder gepflügt noch chemisch gedüngt werden. Mit Hilfe dieser Landwirtschaftsmethode ließe sich – laut der Aussage von Fukuoka – auf vergleichbar wenig Fläche bequem die Versorgung aller Menschen mit ausreichend Nahrung sicherstellen. Diese würde nicht nur satt machen, sondern zugleich als Medizin eine gute Gesundheit bewirken. Voraussetzung ist jedoch, dass sich die Menschen auf eine jahreszeitliche und regionale (sowie fleischarme) Kost einstellen, nicht immer mehr exotische Nahrung zu sich nehmen und diese zu Jahreszeiten verlangen, in denen deren Grundzutaten natürlicherweise nicht gedeihen. Seine Bücher sind Standardwerke der Permakultur. Das Buch: Masanobu Fukuoka. "The One-Straw Revolution: An Introduction to Natural Farming" von 1978, wurde 2009 in den USA und auf deutsch (Der Große Weg hat kein Tor. Pala-Verlag) 2013 neu aufgelegt. Christoph Rei Ho Hatlapa weist anhand von Fukuokas Beispiel darauf hin, dass unser Umgang mit der Natur entweder zur gegenseitigen Ausnutzung und zum Untergang als auch – wie eine "Medizin" für uns und für die Natur selber – nachhaltig und heilsam wirken kann. Es kommt darauf an, wie wir mit dieser "Medizin" – mit der Natur im Kleinen und im Großen – umgehen. Im Tempelmanifest der Choka Sangha wurde festgehalten, dass unsere Praxis und Übung in den jahrhundertealten Wurzeln der Tradition des Zen-Buddhismus und in der Ökologie gründet, speziell in der Permakultur mit ihren ethischen Prinzipien “Sorge für die Erde, Sorge für die Menschen und Wachstumsrücknahme und faires Teilen der Ressourcen”. Für die Verwirklichung dieser ethischen Prinzipien brauchen wir aber auch die Übung eines heilsamen sozialen Miteinanders, in dem Konflikte nach Möglichkeit in WIN-WIN-Lösungen umgewandelt werden können. Masanobu Fukuoka selber fand erst nach einer tiefgreifenden Lebenskrise zu seinem unkonventionellen und nachhaltigen Ansatz des Umgangs mit der Natur. Auch für uns geht es heute darum, einen nachhaltigen und sozial verträglichen Umgang mit der Natur zu entwickeln; dabei geht es, wie Fukuoka betont, sowohl um eine naturgemäße Wirtschaft und Landwirtschaft als auch um die Förderung und Vervollkommnung von Menschen.
Ep 130Z0130 Die vier Tore von Joshu (Teisho vom 4.12.2020)
Im Koan Nr. 9 des Hekiganroku wird von der Frage eines Mönches an den Meister Joshu berichtet: «Was ist Joshu?» - Joshu, so hieß die Stadt, nach der Meister Joshu benannt wurde. Die Antwort des Zenmeisters: «Das Osttor, das Westtor, das Nordtor, das Südtor», lässt den Mönch, der wissen wollte was der Meister zu bieten hätte, außen vor. Denn der Mönch bleibt in der Position des gegenüber stehenden Frage- und Bittstellers. Er möchte etwas von Joshu wissen und erhalten, kann aber nicht eindringen. Joshu zeigt sich – wie die Stadt, nach der er benannt wurde – als in alle Richtungen offen, bleibt aber unverfügbar, wenn er als Gegenüber und als Ressource angesehen wird. Joshu macht klar: Nur durch die eigene Übung – nicht durch eine äußere Ressource – können wir uns mit der Kraft der ’Unbegrenztheit’ aufladen und unsere innere Reichweite steigern. Nur dann werden unsere Knochen zu «Buddhas Knochen» … - wenn wir es denn verwirklichen. Um für junge Erwachsene den Aufenthalt im ToGenJi zu ermöglichen, bitten wir um eine Spende. Sie finden die Kontodaten/Paypal auf unserer Website http://choka-sangha.de/kontakt/spenden/ Herzlichen Dank
Ep 129Z0129 Joshus Steinbrücke (Teisho vom 3.12.2020)
Das Koan von Joshus Steinbrücke finden wir im Fall Nr. 52 des Hekiganroku und im Kattoshu als Fall Nr. 272. Anhand seiner eigenen Erfahrungen schildert Christoph Rei Ho Hatlapa die Übungspraxis mit Koan in Japan. In Joshus Koan von der Steinbrücke geht es um Aspekte des hilfreichen Handelns im Sinne des Bodhisattva-Weges. Auch im Klostertraining kommt es – notwendigerweise – zu Konfrontationen sowohl mit den Licht- als auch mit den Schattenseiten von uns selber als auch mit den entsprechenden Aspekten unserer Mitübenden. Dabei geht es zunehmend darum, sich darin zu üben, aus der Weisheit der Tat heraus hilfreich zu werden.
Ep 128Z0128 Veränderung und Loslassen (Teisho vom 2.12.2020)
Nach einer Baum-Meditation (aktive Imagination) spricht Christoph Rei Ho Hatlapa über Joshus Koan ’Lass es los!’. Ein Mönch, der wirklich vollständiges Loslassen erlangt hat und von der ’Leere’, von der ’Unbegrenztheit’, zutiefst berührt ist, kommt zu Meister Joshu und fragt um Rat, was er jetzt, nach dem vollständigen Loslassen, tun soll. Joshu macht dem Mönch klar, dass er jetzt, nachdem er alles losgelassen hat, an der ’Leere’, bzw. an der ’Unbegrenztheit’ festhält. Aber auch, wenn wir noch an den menschlich-allzumenschlichen Anhänglichkeiten festhalten, werden wir gelegentlich vom Leben aufgefordert, loszulassen und Raum zu schaffen für Neues. In solchen Prozessen kann uns die Zenpraxis unterstützen, die nötige innere Arbeit zu leisten um auch die uns so liebgewordenen «Vertrautheits-Anker» schließlich loszulassen zu können. Um für junge Erwachsene den Aufenthalt im ToGenJi zu ermöglichen, bitten wir um eine Spende. Sie finden die Kontodaten/Paypal auf unserer Website http://choka-sangha.de/kontakt/spenden/ Herzlichen Dank
Ep 127Z0127 Jenseits der Gegensätze «Der höchste Weg ist gar nicht schwer»(Teisho vom 1.12.2020)
Meister Joshu, chin.: Zhaozhou Congshen, lebte von 778-897, d.h. immerhin 120 Jahre. Schon mit 17 Jahren hatte er eine starke innere Erfahrung von ’shuyata’, also ’Leerheit’. Diese Erfahrung der ’Leerheit’, oder besser: ’Unbegrenztheit’ geht oft einher mit einem starken Eindruck der Wesensgleichheit. D.h. die Grenzen zwischen dem Alltags-Ich und der sogenannten «Um-» Welt verschwinden. Diese ’Leerheit’ oder ’Unbegrenztheit’ wird in der Zentradition differenziert dargestellt als 1.: Spiegelgleiche Weisheit, 2.: Weisheit des vollständigen Handelns, 3.: Die Weisheit der Wesensgleichheit und 4.: Die Weisheit der Beobachtung. Joshu wurde zum Schüler von Meister Nansen, chin.: Nanquan Puyuan (749-835), und wanderte nach dessen Tod, er selber war zu diesem Zeitpunkt schon 60 Jahre alt, durch ganz China um andere Lehrer zu besuchen. Im Koan Nr. 2 des Hekiganroku und im Lehrgedicht Xinxinming (jap. Shinjinmei) von Seng-ts'an (jap. Sosan; † 606), dem dritten Patriarchen wird die Überwindung der – anscheinenden – Gegensätze in der begrenzten Weltsicht thematisiert. Diese Schrift ist ein Appell, aus der dualistischen Interpretation der Wirklichkeit auszusteigen. Um für junge Erwachsene den Aufenthalt im ToGenJi zu ermöglichen, bitten wir um eine Spende. Sie finden die Kontodaten/Paypal auf unserer Website http://choka-sangha.de/kontakt/spenden/ Herzlichen Dank
Ep 126Z0126 Die Illusion der getrennten Einzelexistenz überwinden (Teisho vom 17.1.2021)
Im Hekiganroku Fall Nr. 100, Haryô und das “schärfste Schwert”, heißt es: Ein Mönch fragte Haryô: “Was hat es mit dem Schwert auf sich, gegen das ein Haar geblasen wird?” Haryô sagte: “Jeder Korallenast umarmt den strahlenden Mond." Als "das erste Prinzip" wird in der Zentradition die Notwendigkeit verstanden, dass jeder Übende seine eigenen Erfahrungen machen muss. Erlebnisse und Erfahrungen aus zweiter Hand zu diskutieren wird im Zen vehement abgelehnt. Genauso gilt das Ventilieren der eigenen Erfahrungen nicht als hilfreich. Insofern stellt Meister Engo die Frage an seine Mönche, ob seine vielen Vorträge ihnen nicht geschadet hätten. Und er behauptet schlechterdings, dass es von Anfang an kein Geheimnis und nichts zu sagen gegeben hätte. Tatsächlich können nach dem Verständnis des Zen die Vorträge und Hinweise der Meister nur Anregungen sein, die den Selbsterfahrungsprozess stimulieren sollen. Das Schwert gilt hier als Metapher für diejenige Form von unterscheidender Weisheit, die alle Illusionen abschneidet. Besonders geht es auch darum, aus der Illusion der Getrenntheit heraus zu kommen, in die wir durch unsere Identitätskonzepte verwickelt sind. Die Weisheit, um die es hier geht, macht eine Unterscheidung INNERHALB der Einheit möglich. Die Korallen, die es fertig bringen, ihre Vermehrungszyklen mit Hilfe der Mondphasen zu synchronisieren, zeigen eine "Intelligenz", die wir für uns als Menschheit wohl erst noch erarbeiten müssen. Wenn wir uns die "Intelligenz" dieser Korallen zum Vorbild nehmen, dann könnten wir IN diesem großen Kosmos zur Erkenntnis kommen und damit dem Kosmos selbst zum Erwachen verhelfen. In diesem Sinne vertritt auch der Sinologe David Hinton die These: In der chinesischen Zen-Poesie und der Dichtung der Zen-Meister und Zen-Künstler wird der Kosmos seiner selbst bewusst. Dieser Prozess der integrativen Bewusstwerdung kann durch die Mittel der Sprache aber gerade dort erreicht werden, wo sie sich - wie in der Poesie - auf ein Minimum reduziert und sich in die Stille hinein öffnet. Damit kann die Poesie ein Mittel sein, um das allzu verengte Identitätsbewusstsein zu erweitern und gewissermaßen mit dem größeren Kosmos in ein Gespräch zu kommen. Um diese Öffnung geht es genauso auf dem Weg der spirituellen Praxis des Zen. Die Stille, in die wir in der Zenpraxis gehen, führt uns in den nichtsprachlichen Erfahrungsraum. Damit wird es uns möglich, unseren Standort im Universum - unabhängig von den kulturell geprägten Identitätsschemata - neu zu bestimmen. Dann werden wir fähig, im "homeless home and selfless self", wie Soen Nakagawa es ausdrückte, zur Subjektivität des Kosmos zu erwachen. Diese größere Subjektivität geht weit über die selbstbezogene Achtsamkeit und auf Durchsetzung bedachte Präsenz hinaus. In der wirklichen Präsenz - jenseits der beschränkten Eigeninteressen - werden wir durchlässig für die Resonanzkräfte des Universums. In dem Maße, in dem uns das gelingt, können wir dann auch in eine heilsame Mitschöpfer-Rolle gegenüber dem großen Universum kommen. Und dann können wir als verantwortliche Gärtner in der Biosphäre das schöpferische Moment weiter voranbringen. Um für junge Erwachsene den Aufenthalt im ToGenJi zu ermöglichen, bitten wir um eine Spende. Sie finden die Kontodaten/Paypal auf unserer Website http://choka-sangha.de/kontakt/spenden/ Herzlichen Dank
Ep 125Z0125 Das allmähliche und das plötzliche Erwachen (Teisho vom 16.1.2021)
Die Zen-Tradition berichtet von einer Auseinandersetzung zwischen der nördlichen und der südlichen Schule des Zen in China: Die nördliche Schule vertrat die Lehre von der allmählichen Reifung und Entwicklung, während die südliche Schule nach dem plötzlichen Erwachen strebte. Eine plötzliche existentielle Erschütterung kann unter Umständen zu einer Art von Erwachen führen, einem inneren Umschlagen der Sicht der Welt, das zu einer ganz anderen und realeren Auffassung des Lebens führt. Aber auch ein solcher radikaler Paradigmenwechsel in der persönlichen Erfahrung braucht danach einen Integrations- und Reifungsprozess, wie Christoph Rei Ho Hatlapa am Beispiel der Lebensgeschichte von Reiko Mukai, genannt Kosan, erläutert. Der - irrtümlichen - Auffassung, dass mit einem existentiellen Erwachen schon alles erreicht wäre, widersprach der Zenmeister Oi Saidan Roshi, obwohl er Reiko Mukais "Erwachen" anerkannte. Denn auch nach einem tiefen Erwachen liegt der lange Weg der Integration und Reifung noch vor uns. Das Erwachen, selbst ein tiefes Erwachen mit einer echten Einsicht in die Wesensgleichheit, braucht danach immer noch die Integration mit dem Leben im Alltag und die Bewährung in der Praxis des realen Lebens. Aber auch ohne ein initiales existentielles Erlebnis kann eine gut angeleitete Schulung zu einem fortschreitenden Prozess des Erwachens führen. Beide Wege, die sogenannte "plötzliche Erleuchtung" und die langsame Reifung können sich tatsächlich gegenseitig ergänzen. Diese Integration und Reifung wird in der zenbuddhistischen Tradition, hier vom Meister Fuketsu vertreten, als das Dharmasiegel des Buddha und der Patriarchen bezeichnet. Wer diesen Weg gegangen ist und diese Integration geleistet hat, der kann mit den drei Daseinsmerkmalen des Lebens schöpferisch und aktiv umgehen. Diese drei Daseinsmerkmale sind, laut buddhistischer Lehre: 1.: Die Nicht-Substantialität des Ich (anatta), 2.: die Vergänglichkeit und Flüchtigkeit aller Erscheinungen (anicca) und 3.: Das Verlöschen aller Konzepte im Erwachen (nirvana). In dem Maße, in dem wir mit diesen Daseinsmerkmalen - nicht nur als gedanklich wiedergekäute Theorien, sondern als selbst erfahrene Einsichten - im realen Leben präsent und schöpferisch umgehen können, in dem Maße kann man dann wirklich von Erwachen sprechen. Gerade die selbst erfahrene Einsicht in die Natur der Vergänglichkeit aller Erscheinungen, bis hin zu den Beziehungen der Menschen untereinander, kann uns dann öffnen für die Einzigartigkeit und die volle Intensität jeden Augenblicks. Wir werden dann sorgfältiger im Umgang untereinander und mit der Mitwelt und bleiben auch dann hellwach, wenn wir durch unangenehme Erlebnisse hindurchgehen. Und in dem Maße, in dem wir wissen - durch eigene Einsicht - was mit Nicht-Ich (anicca) gemeint ist, können wir auch die eigene Vergänglichkeit bis hin zum eigenen biologischen Tod annehmen. Wir wissen dann, dass das Große Leben, aus dem wir alle hervorgegangen sind, weitergeht. Und wir können darauf vertrauen, dass wir in diesem über uns hinausreichenden größeren Zusammenhang aufgehoben bleiben; auch wenn das, was wir heute für unser "Ich" halten, sich in seine Bestandteile aufgelöst hat. Wie in unserer buddhistischen Tradition immer wieder aus dem Herz-Sutra, dem Hannya-Shingyo, rezitiert wird: Nichtbegrenztheit (Leerheit, shunyata) ist identisch mit den Formen, die Formen sind identisch mit der Nicht-Begrenztheit, der Leerheit. Damit wir diese Identität von Großem Leben und unserem begrenzten eigenen Leben, diese Identität von Form und Leerheit, im realen Leben umsetzen können, brauchen wir die Übungspraxis. Auf diesem Weg der Integration können wir in zunehmendem Maße mit dem ständig neue Formen gebärenden Gewebe des Großen Lebens in Einklang kommen. Um für junge Erwachsene den Aufenthalt im ToGenJi zu ermöglichen, bitten wir um eine Spende. Sie finden die Kontodaten/Paypal auf unserer Website http://choka-sangha.de/kontakt/spenden/ Herzlichen Dank
Ep 124Z0124 Medizin und Krankheit heilen sich gegenseitig (Teisho vom 27.11.2020)
Wir sind gleichzeitig Kinder der Erde und Kinder der Grenzenlosigkeit. "Grenzenlosigkeit" im Sinne des Hannya Shingyo: "Grenzenlosigkeit ist nicht verschieden von Form und Form ist nicht verschieden von Grenzenlosigkeit". (’Shunyata’, sinojap.: ’ku’, wird hier nach Kazuaki Tanahashi als ’Unboundedness’, also als ’Unbegrenztheit’ verstanden; im Sinne der Eigenschaften aller Daseinselemente, die buddhistisch als ohne Eigensubstanz und als untrennbar miteinander verwoben erkannt werden.) Im Herz-Geist, in Bodhicitta, im Erleuchtungsgeist, kann unser Geist zur Verbundenheit mit den Mitmenschen und der Mitwelt erwachen. Eine gelungene Verbindung beschreibt der Soziologe Hartmut Rosa mit der Metapher ’Resonanz’. Zu dieser Resonanz gehört: Wir werden wirklich berührt und ergriffen. Wir erleben uns als selbstwirksam. Im Daoismus wird von Wu wei gesprochen, vom absichtslosen Handeln in Übereinstimmung mit der Mitwelt. Im Wechselspiel von Berührt-werden und Antworten verwandeln wir uns selbst. Die Resonanzbeziehung ist grundsätzlich ’unverfügbar’; Resonanz ist keine Ressource, auf die wir beliebig zugreifen können und sie bleibt unserer Kontrolle existentiell entzogen. In einer solchen Resonanz können wir - nach Umon - gar nicht anders als ’Medizin’ zu erwecken. Und wenn wir die ’Medizin’ im Sinne Umons erweckt haben, können wir nicht anders, als uns mitfühlend und hilfreich zu verhalten. Und Umon fragt dann: Wo findest du dich selbst? Das heißt: Wo bist du selbst in diesem Prozess des durch Resonanz geleiteten Eingreifens in die Welt? Um für junge Erwachsene den Aufenthalt im ToGenJi zu ermöglichen, bitten wir um eine Spende. Sie finden die Kontodaten/Paypal auf unserer Website http://choka-sangha.de/kontakt/spenden/ Herzlichen Dank
Ep 123Z0123 Zufluchtnahme-Zeremonie (Teisho vom 11.10.2020)
1.Nicht töten und Leben erhalten. - Es geht darum, das Leben zu fördern ("Bring up all beings!" - Oi Saidan Roshi) 2. Nichts nehmen, was nicht gegeben ist. Großzügigkeit üben. - Weil das Leben eine großzügige Veranstaltung ist! 3. Kein sexuelles Fehlverhalten. 4. Wahrhaftigkeit praktizieren. Anderen und sich selbst gegenüber. 5. Den Geist nicht trüben und Klarheit bewahren. - Besonders auch in Bezug auf die zunehmende Abhängigkeit von Social Media. Um für junge Erwachsene den Aufenthalt im ToGenJi zu ermöglichen, bitten wir um eine Spende. Sie finden die Kontodaten/Paypal auf unserer Website http://choka-sangha.de/kontakt/spenden/ Herzlichen Dank
Ep 122Z0122 Mit dem Unerklärlichen praktisch umgehen (Teisho vom 10.10.2020)
Changshi schaut ein Polospiel an, geht es um die Beziehung zu den Wesen und Dingen dieser Welt. Sogar mit Werkzeugen, Maschinen und Heizungsanlagen können wir in eine rein mechanistisch gegenständlich oder aber in eine angemessene Art und Weise der Beziehung treten. Wenn wir dann mit einer Blume oder einem Stein zu tun haben, dann analysieren wir die Blume nicht nur und benutzen den Stein nicht nur sondern "werden" gewissermaßen Blume, "werden" Stein. In einem Universum, das unermesslich weit über unser Fassungsvermögen hinausgeht, haben wir es ständig auch mit Geheimnissen und mit dem Wunderbaren zu tun. Das Geheimnsivolle können wir vielleicht nicht analysieren, aber wir können trotzdem damit in Kontakt gehen. Um für junge Erwachsene den Aufenthalt im ToGenJi zu ermöglichen, bitten wir um eine Spende. Sie finden die Kontodaten/Paypal auf unserer Website http://choka-sangha.de/kontakt/spenden/ Herzlichen Dank
Ep 121Z0121 Die grundlegende Frage von Leben und Tod (Teisho vom 9.10.2020)
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Ep 120Z0120 Zen als Durchdringung von Versenkung und alltäglichem Leben (Teisho vom 8.10.2020)
In der Traditon des Zenbuddhismus wird seit Hyakujo Ekai, er lebte von 720 bis 814, ausdrücklich Wert auf die Verbindung von Versenkung und täglicher Arbeit gelegt. Die produktive praktische Tätigkeit wird dabei als spirituelle Disziplin verstanden. Hyakujo Ekai legte die heute noch praktizierten Regeln für das Leben der Mönche in den Selbstversorgerklöstern fest. Wenn wir diesem Weg folgen, können wir immer mehr erleben, dass der Umgang mit den praktischen Lebensfragen und den Dingen des Alltags zu unserem eigentlichen Lehrer wird. Bleiben wir nur im Funktionieren, dann fehlt etwas Entscheidendes. Vollständiges Zen wird dagegen immer mehr zur Durchdringung von Versenkung und alltäglichem Leben. Und im Prozess des Erwachens werden wir natürlicherweise zu achtsamen Menschen. Um für junge Erwachsene den Aufenthalt im ToGenJi zu ermöglichen, bitten wir um eine Spende. Sie finden die Kontodaten/Paypal auf unserer Website http://choka-sangha.de/kontakt/spenden/ Herzlichen Dank
Ep 119Z0119 Welche Normalität wünschen wir uns? (Teisho vom 27.9.2020 in Wuppertal)
Der Kaiser, der viel für den Buddhismus getan hat, befragte den indischen Mönch Bodhidharma, welches Verdienst er durch seine Förderung des Buddhismus erworben hätte. Bodhidharma antwortet: "Kein Verdienst". Wir selber greifen heute kollektiv tief in die Welt ein und glauben oft noch, die Dinge im Griff zu haben. Gleichzeitig werden wir selber mit alltäglichen Herausforderungen konfrontiert bis hin zur existentiellen Frage von Leben und Tod. Und speziell in der herrschenden Corona-Situation stellt sich uns die Frage, zu welcher "Normalität" wir zurückkehren wollen. Wie der Dalai Lama sagt: Wir können dazu beitragen, zur größten Revolution der Menschheit beizutragen: der Revolution des Mitgefühls. Um für junge Erwachsene den Aufenthalt im ToGenJi zu ermöglichen, bitten wir um eine Spende. Sie finden die Kontodaten/Paypal auf unserer Website http://choka-sangha.de/kontakt/spenden/ Herzlichen Dank
Ep 118Z0118 Die Frage von Leben und Tod (Teisho vom 6.9.2020)
Christoph Hatlapa nimmt ein Zitat von Zenmeister Dogen Zenji (1200-1253) als Anlass für diesen Vortrag: "Zusammen sind Leben und Tod das tatsächliche Erscheinen der Wahrheit" (Aus dem Zenki, Kapitel 18 Shobogenzo). Auch in der Corona-Krise wird unser Verhältnis zum Tod und zur Vergänglichkeit kaum öffentlich thematisiert. Wir können uns, besonders auch in Zeiten des Dank Corona entschleunigten öffentlichen Lebens, noch einmal verstärkt für die Natur im Kleinen wie im Großen öffnen. Wir können dann erkennen: gerade in der Vergänglichkeit zeigt sich die Liebe des Großen Lebens für sich selbst. Wie Dogen sagt: "Die Verwirklichung der Erleuchtung bedeutet wahres Leben – vollständiges freies Handeln". Und die Übung und die Praxis fördert denjenigen flexiblen Geist, der sich im Großen Leben - zu dem Leben UND Sterben gehört - als Lebenselexier erweisen kann. Um für junge Erwachsene den Aufenthalt im ToGenJi zu ermöglichen, bitten wir um eine Spende. Sie finden die Kontodaten/Paypal auf unserer Website http://choka-sangha.de/kontakt/spenden/ Herzlichen Dank
Ep 117Z0117 “Vermeide das Übel, praktiziere das Gute, reinige deinen Geist; dies ist die Lehre aller Buddhas” (Teisho vom 5.9.2020)
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Ep 116Z0116 Absichtslosigkeit und die dreifache Weisheit (Teisho vom 11.7.2020)
Meister Chosa ist bei seinem Spaziergang nicht zielstrebig unterwegs; jedenfalls nicht in unserem Sinne von Zweckdienlichkeit. Chosa war Schüler von Nansen, zu seinen eigenen Schülern gehörte Kyosan. Als Kyosan seinem Lehrer gegenüber seine Ergriffenheit zeigt, bringt der Lehrer ihn sofort handgreiflich zurück in die unmittelbare Gegenwart. Kommen und Gehen geschieht für den Meister Chosan im Einklang mit der ursprünglichen Weisheit, der Weisheit des Tatagatha. Im Avatamsaka Sutra heißt es dazu: "Es gibt keinen Ort, den die Weisheit des Tatagatha nicht erreichte. Es gibt kein einziges empfindendes Wesen, das nicht im vollen Besitze der Weisheit des Tatagatha wäre. Nur aufgrund ihres falschen Denkens, ihrer Täuschung und ihrer Anhaftung vermögen die Wesen dies nicht zu erkennen. Wenn es ihnen nur gelänge, ihre irrigen Gedanken aufzugeben, würden sich die allumfassende Weisheit, die spontane Weisheit und die ungehinderte Weisheit von selbst in aller Klarheit manifestieren." Um für junge Erwachsene den Aufenthalt im ToGenJi zu ermöglichen, bitten wir um eine Spende. Sie finden die Kontodaten/Paypal auf unserer Website http://choka-sangha.de/kontakt/spenden/ Herzlichen Dank
Ep 115Z0115 Den eigenen Geist klug gebrauchen und den Segen des Buddha-Dharma weitergeben (Teisho vom 10.7.2020)
In diesem Vortrag spricht Christoph Rei Ho Hatlapa über die Wirkung des Zen-Weges in seinem eigenen Leben und von der Übungspraxis als Kraftquelle. Zur Tradition der Lehren des Buddha gehört auch die Weitergabe dieser Tradition, die "Weitergabe der Leuchte". In diesem Sinne geht es für uns darum, als Gemeinschaft kreativ zu werden und den Segen des Weges für die nächste Generation sichtbar zu machen. Es geht dabei darum, zu lernen unseren Geist in Übereinstimmung mit den anderen Wesen klug zu gebrauchen. Und uns an den Früchten der Kooperation auf diesem Planeten zu erfreuen Um für junge Erwachsene den Aufenthalt im ToGenJi zu ermöglichen, bitten wir um eine Spende. Sie finden die Kontodaten/Paypal auf unserer Website http://choka-sangha.de/kontakt/spenden/ Herzlichen Dank
Ep 114Z0114 Die Erscheinungen und das Wesen der Einheit Oder: Die gegenseitige Durchdringung und Ermöglichung aller Phänomene und Wesen (Teisho vom 8.7.2020)
Alle Dinge, so fragt ein Mönch Meister Joshu, kehren – nach der Lehre des Avatamsaka Sutra – in das Eine zurück. Wohin aber kehrt das Eine zurück? Aus der Einsicht und der Übung ergibt sich die Konsequenz, die gegenseitige Durchdringung und Ermöglichung aller Phänomene und Wesen zur Kenntnis nehmen und in unseren Entscheidungen und Handlungen zu realisieren. In den Lehren der Kegon-Schule heißt es, dass Alle Dinge aus den "drei Reichen", nämlich aus dem Reich der Formlosigkeit, dem Reich der Form und dem Reich des Begehrens oder des Intentionalen, jeweils auf "das Eine" zurückgehen. Nach der Lehre des Kegon werden vier Dharmadhatu - Bereiche oder Erscheinungsformen - unterschieden: Das Dharmadhātu des Li' (jap. ri) ist der Breich des einen Prinzips der śūnyatā. Das Dharmadhātu des Shih' (jap.: ji) Shih kann etwa mit 'Bereich' des Relativen und aller Dinge und Phänomene übersetzt werden. Das Dharmadhātu der Nichtbehinderung von Li durch Shih'. Dieses Reich wird als das "Reich der gegenseitigen Durchdringung zwischen Absolutem und Phänomenen" angesehen. Das Dharmadhātu der Durchdringung zwischen Shih und Shih'. Dieses Reich (Sanskrit: dhātu) ist "das Reich der gegenseitigen Durchdringung der Phänomene". In unserem Fall geht es um das Verhältnis der Einzeldinge und Wesen zum übergreifenden Einen. Joshu antwortet auf die Frage nach diesem Verhältnis mit dem Verweis auf ein sinnlich erfahrbares Ding, sein sebst gemachtes Hemd aus Hanf. Das solide Hemd aus robustem Hanfgarn besteht aus einzelnen Fäden und die einzelnen Fäden erfüllen ihre Funktion im Gewebe des des Hemdes. Das Hemd lässt sich auf die Fäden zurückführen und die Fäden finden ihren Zusammenhang und ihre Nützlichkeit als Hemd. Über diesen Bezug zwischen Einzelphänomen und übergreifendem Ganzen hinaus legt die Kegon-Philosophie noch besonderen Wert auf die gegenseitige Durchdringung der Einzelphänomene. Jedes Einzelphänomen, jedes einzelne Wesen, jeder einzelne Mensch, wird erst dadurch lebendig und aktiv, dass es oder er mit allen anderen Phänomenen in unmitttelbarer gegenseitiger Durchdringung existiert. Diese gegenseitige Verbindung und Durchdringung aller Phänomene und Wesen begründet die Einheit von Erkenntnis und Mitgefühl. Um für junge Erwachsene den Aufenthalt im ToGenJi zu ermöglichen, bitten wir um eine Spende. Sie finden die Kontodaten/Paypal auf unserer Website http://choka-sangha.de/kontakt/spenden/ Herzlichen Dank
Ep 113Z0113 Das Erwachen zu unserem ursprünglichen Potential (Teisho vom 7.7.2020)
Auf dem spirituellen Weg stellen wir uns der Herausforderung, die Welt einschließlich unserer Selbst erst einmal so zu akzeptieren, wie die Welt ist und wie wir selbst sind. Und auf dieser Basis baut dann die Möglichkeit auf, Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen. In der gegenwärtigen Corona-Krise ergibt sich die Chance, das eigene Leben zu entschleunigen. Und in Erwartung der Rückkehr zur sogenannten Normalität des Funktionieren-Müssens und des Wachstums stellt sich die Frage, was ein ernst genommenen Selbstverantwortung bedeutet. Weil wir im bloßen Funktionieren und Weitermachen-wie-bisher aus der Verantwortung für die Konsequenzen des eigenen Handelns fliehen.\r\nWenn es uns um das Erwachen geht, dann stellt sich uns die Frage: wozu wollen wir erwachen? Und in der Praxis der Übung können wir die ursprüngliche nicht-korrumpierbare Buddhanatur, die in jedem von uns verborgen ist, kultivieren und in ernst genommenem selbstverantwortlichen Handeln realisieren. Dann kann \"jeder Tag ein guter Tag\" sein.\r\n\r\n\r\nUm für junge Erwachsene den Aufentahlt im ToGenJi zu ermöglichen, bitten wir um eine Spende. \r\nSie finden die Kontodaten/Paypal auf unserer Website http://choka-sangha.de/kontakt/spenden/\r\nHerzlichen Dank
Ep 112Z0112 Dana und die 6 Vollkommenheiten (Teisho vom August 1999)
Christoph spricht über Dana (übersetzt als Freigebigkeit oder Großzügigkeit) im Verständnis jenseits von materiellem Wert. Welche Art von Reichtum haben wir tatsächlich zu geben? \r\nEin Beispiel ist unsere Präsenz, die wir unserem Gegenüber schenken, in Form als Einfühlung, als Verständnis, als gute Kommunikation. Aber auch Versöhnung, Dankbarkeit oder Raum geben für Entwicklung oder Klarheit, kann als Dana verstanden werden. \r\nIn unserem erwachsenen Leben, haben wir manchmal die Vorstellung, dass unsere Batterie leer sei. Geben fühlt sich dann als einseitiger Prozess an. \r\nIn der Zen Übung können wir eine andere Form von Geben erfahren: Geben als Prozess des Durchströmt-werdens; wie bei einem Kanal; hier fließt die Energie ab, dort fließt neue Energie zu. \r\nWir können dem Strömen eine Richtung geben - aber, das Strömen kommt von alleine, wenn wir es zulassen.\r\nDie meisten Dinge, die wir zu geben haben, sind nicht in Mark und Pfennig zu berechnen. \r\nWir können ein Tempel ohne Tor sein. (Abschlussgeschichte).\r\nErklärung der 6 Paramitas: \r\nParamita = Prozess des Transzendierens (Die sechs Tugenden/Vollkommenheiten)\r\n\r\nDana - Großzügigkeit\r\nSila - „Verkehrsregeln auf dem Weg der Erleuchtung“ (Richtlinien)\r\nKshanti - Weitherzigkeit (Geduld)\r\nVirya - Entschlusskraft\r\nDhyana- Besonnenheit (Versenkung)\r\nPrajna- Weisheit / Einsicht \r\n\r\nUm jungen Erwachsenen den Aufenthalt im ToGenJi zu ermöglichen, bitten wir Sie um eine Spende.\r\nSie finden die Kontodaten/Paypal auf unserer Website http://choka-sangha.de/kontakt/spenden/\r\nHerzlichen Dank
Ep 111Z0111 Chinso Shosho besucht Shifuku (Teisho vom Januar 1997 HE 33)
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Ep 110Z0110 Der alltägliche Geist ist der Weg
Anhand des Koan aus dem Mumonkan, Fall Nr. 19, spricht Christoph Rei Ho Hatlapa über den Zusammenhang von spirituellem Weg und dem \"gewöhnlichen\" Alltag.\r\nDer Weg, so erklärt der alte Meister Nansen, ist keine Angelegenheit von Wissen oder Nicht-Wissen. Statt dessen zeigt er sich dem Einsichtigen als so weit und grenzenlos wie das Universum.\r\nDer Begriff \"Weg\", chinesisch \"Dao\" wurde in China benutzt um den buddhistischen \"Dharma\", also das \"Gesetz des Großen Lebens\", zu übertragen. Und dieser \"alltägliche Geist\", im Chinesischen dargestellt mit einem Zeichen, das sowohl \"ewig\" als auch \"gegenwärtig\" bedeuten kann, wird von uns entwickelt im Spagat zwischen dem Streben nach Verbundenheit und der eigenen Souveränität. Im idealen Fall können wir Autonomie und Verbundenheit gleichzeitig entwickeln. Dieses Bestreben ist uns von Geburt mitgegeben und auch Ausdruck unserer Buddhanatur. Lässt sich aber eine integrative Verbindungen zwischen diesen beiden Bestrebungen nicht herstellen, tritt oft die Angst um das Angenommensein dazwischen. Dann versuchen wir, alles richtig zu machen und kategorisieren die Welt in \"Richtig\" und \"Falsch\". Den Aspekt der Grenzenlosigkeit, der für die unvoreingenommen wahrgenommenen Welt kennzeichnend ist, können wir dann kaum noch erfassen.\r\nDer Zen-Weg kann uns dann dabei helfen, aus der Welt der Beurteilung und der Selbst-Beurteilung wieder herauszufinden. Dieser Weg ist ein Weg der Befreiung, auch ein Weg der Befreiung aus dem alles beherrschenden \"Du bist verkehrt! Ich bin verkehr!\". Dann können wir in die Welt des So-Seins eintreten, in der Beschuldigungen, Bewertungen und Konkurenzgedanken aus dem Zentrum rücken die Nicht-Grenzenhaftigkeit und Wesensgleichheit des Universums spürbar wird.\r\n\r\n\r\nWir freuen uns sehr über eine Spende, um die Kosten für die Erstellung dieses Podcast zu decken. Sie finden die Kontodaten/Paypal auf unserer Website http://choka-sangha.de/kontakt/spenden/\r\nHerzlichen Dank
Ep 109Z0109 Imagozellen der Transformation. Vortrag in Hannover am 16.2.20
Im Prozess des Erwachens, der in der Zen-Schulung gefördert wird, kommt es auf das stimmige Verhältnis der Bemühungen von Lehrer und Schüler an. In der Einschätzung der jeweiligen Verantwortung für den Erfolg des Erwachens kann es dabei, besonders bei uns im Westen, leicht zu einer Unterschätzung der Selbstverantwortung des Schülers kommen. Shinichi Hisamatsu, der philosophische Lehrer von Oi Saidan Roshi legte deswegen großen Wert auf den Prozess der \"Wechselseitigen Teilhabe direkter Selbsterforschung\". Nach Hisamatsu geht es auf dem Weg des Erwachens zentral um die Frage: Wie erwecke ich das \"Formlose Selbst\", an dem alle Wesen Anteil haben, in mir selber. Und zwar auf eine Art und Weise die zu dessen Manifestierung führt.\r\nDas \"Formlose Selbst\" können wir zum Beispiel auch als Gruppenwesen erleben. Jede miteinander kooperierende Gruppe zeigt ein Gruppenwesen, das auch nichtphysische Bedürfnisse haben kann. Zum Beispiel das Bedürfnis nach Leitung, Wachstum oder Hamonie. Als Mitglieder einer Gruppe, von der Lebenspartnerschaft bis zur Menschheit als Ganzer, hat jeder Einzelne von uns eine Verantwortung dafür, sich für das Gruppenwesen einzusetzen. Genauso wie wir als Einzelne von einem gedeihenden Gruppenwesen profitieren können. Shinichi Hisamatsu betonte in seiner Lehre das notwendige Erwachen zum Bewusstsein an dieser unserer jeweilige Teilhabe am großen \"Formlosen Selbst\" des Universums.\r\nDiese Formlose Selbst kann sich in uns selber auch als ein Bedürfnis nach Echtheit und Integrität äußern. Ein Bedürfnis, das durchaus mit der gesellschaftlichen Forderung nach Funktionierenkönnen in Konflikt geraten kann.\r\nIndem wir still werden und nach Innen schauen und horchen, können wir dieses Formlose Selbst in uns selber wahrnehmen und damit in Kontakt kommen. Dann können wir mit dem Handeln und der Entwicklung und den Manifestationen dieses Formlosen Selbstes kooperieren. Und dann können wir zu Imagozellen einer heilsamen Transformation werden.\r\n\r\nWir freuen uns sehr über eine Spende, um die Kosten für die Erstellung dieses Podcast zu decken. Sie finden die Kontodaten/Paypal auf unserer Website http://choka-sangha.de/kontakt/spenden/\r\nHerzlichen Dank
Ep 108Z0108 Der wahre Mensch ohne Rang im Klimawandel (Teisho vom 15.3.2020 in Potsdam)
Neben den Koansammlungen wird im Zentraining der Rinzai-Tradition auch die Sammlung mit biographischen Anekdoten über Meister Rinzai als Koansammlung bearbeitet.\r\n\r\nDer wahre Mensch ohne Rang ... – so bezeichnet Meister Rinzai (chinesisch: Linji Yixuan, gest. 866) den Menschen, der zu seiner ursprünglichen Natur erwacht ist. Was dieses Erwachen aber im Wesen ausmacht, das ist, so heißt es im Zen, nicht in Worten auszudrücken. Dasjenige, um das es auf dem Zen-Weg geht, kann nicht benannt werden.\r\nDieser \"wahre Mensch\", der mit dem nicht wirklich begrifflich fassbaren Dao im Einklang lebt, stand auch schon bei Lao Tse und in der Anekdotensammlung des Tschuang Tse im Mittelpunkt. Die buddhistische Tradition, die wir als Zen kennen übernahmen im China der Tang-Zeit nicht nur die Metaphorik aus dem Daoismus, sondern auch eine sehr lebenspraktische Haltung gegenüber dem Alltag.\r\nUnser Alltag des Konsums und des Wachstumszwangs wird sich auf dem Weg zu einer von Mitgefühl und Weisheit geleiteten Gesellschaft in der Gestalt ähnlich dramatisch verändern müssen, wie die morphologische Wandlung von einer Raupe zu einem Schmetterling verläuft. Noch können wir uns eine lebensdienliche Gestalt unseres Alltag genausowenig vorstellen, wie sich vielleicht eine Raupe die Gestalt eines Schmetterlings vorstellen kann. Aber diejenigen Zellen, die den Wandeln initiieren, sind bereits aktiv. Wir können uns jetzt für die Impulse aus diesen Zellen, die den Wandel in Gang setzen, öffnen. Der wahre Mensch, von dem Meister Rinzai sprach, braucht allerdings, um sich zu zeigen und zu entwickeln, unsere Praxis und unsere Übung.\r\n\r\nWir freuen uns sehr über eine Spende, um die Kosten für die Erstellung dieses Podcast zu decken und den Aufenthalt junger Menschen im ToGenJI zu finanzieren. Sie finden die Kontodaten/Paypal auf unserer Website http://choka-sangha.de/kontakt/spenden/\r\nHerzlichen Dank