
Was soll das alles?
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Sibylle Kefer schreibt sozialkritische Liebeslieder an das Leben
Live-Spezial: Pianistin Angelika Ortner und die Kunst einer besseren Zukunft
Musikerin Ava Fina und ihr Mut zur „Wild Woman“
Sängerin Sanna Frankie: Verletzlichkeit als Superpower
S6 Ep 15Ansa Sauermann greift zur Rockgitarre in diesen unruhigen Zeiten
Mit “Gehts noch?” bündelt Ansa Sauermann Themen, die sich über Jahre angestaut haben: gesellschaftliche Debatten, politische Verhärtungen und die Frage, wie man darauf musikalisch reagiert, ohne belehrend zu werden. Dafür greift der in Wien lebende Musiker diesmal hörbar stärker zur Rockgitarre – geprägt auch von seiner Jugend in Dresden, vom Aufwachsen mit Die Toten Hosen und frühen Konzertfahrten mit seiner Mutter. Im Gespräch erzählt Sauermann von Rebellion gegen den Vater, vom Wechsel vom Schlagzeug zur Gitarre, von Support-Shows für Element of Crime und davon, warum auch leise Songs laut sein können. Aufgenommen wurde diese Folge von “Was soll das alles?” im Wiener Café Weidinger, die Hintergrundgeräusche gehören also diesmal bewusst dazu.
S6 Ep 14Jazzmusikerin Yvonne Moriel sucht keinen Plan B
Yvonne Moriel zählt zu den spannendsten Stimmen der jungen österreichischen Jazzszene: Mit ihrem Quartett Sweetlife verbindet die Saxophonistin und Komponistin Jazz, Improvisation, Dub und elektronische Klangflächen zu einem eigenständigen Sound zwischen Groove, Offenheit und klanglicher Irritation. In dieser Folge von “Was soll das alles?” spricht sie über ihr neues Album “Sweetlife III”, das in einem langen kollektiven Prozess entstanden ist, über freie Improvisation, elektronische Sounds und darüber, warum sie musikalisch immer wieder neue Herausforderungen sucht. Außerdem geht es um ihren Weg von Tirol nach Wien, um Eiskunstlauf in ihrer Jugend, um ein abgeschlossenes Medizinstudium und um die bewusste Entscheidung, sich trotzdem ganz für die Jazzmusik zu entscheiden. Eine Folge über Disziplin, künstlerische Freiheit und die Lust, sich immer wieder neu herauszufordern.
S6 Ep 13Karin Rabhansl singt zwischen Humor, Tod und Teufel (LIVE)
Diese Folge entstand live beim Passauer Podcast-Festival: Zu Gast ist Karin Rabhansl, eine Künstlerin, die Dialekt, Indie, Rock und heitere bis düstere Geschichten auf besondere Weise verbindet. Wir sprechen über ihr Aufwachsen im Bayerischen Wald, erste musikalische Prägungen zwischen Rainhard Fendrich, Georg Danzer und Nineties-Rock, den Weg von der Banklehre zur Musik, frühe Aufmerksamkeit durch FM4 und den Song „Magst schmusen? mir wad's wurscht“. Außerdem geht es um den Stilwandel seit ihrem Album “Tod und Teufel”, um dunkle Themen wie Schuld, Einsamkeit und toxische Beziehungen, politische Haltung in Songs und die Frage, was Musik gesellschaftlich erzählen kann. Zum Schluss sprechen wir über ihr heutiges Leben zwischen Bühne, Musikunterricht und neuen Projekten – und darüber, was von ihrer Kunst einmal bleiben soll. Danke an Matthias Hofer und das Team des Festivals für die Einladung nach Passau.
S6 Ep 12Voodoo Jürgens feiert den Zweifel als Aufbruch
Voodoo Jürgens ist zurück mit “Gschnas”, seinem vierten Album, das vieles neu denkt und trotzdem unverkennbar nach dem Wiener Dialekt-Liedermacher klingt. Drei Jahre nach “Wie die Nocht noch jung wor” sprechen wir über neue Arbeitsprozesse, über Zweifel als Ausgangspunkt des Schreibens und darüber, warum seine Band heute viel stärker an seinen Songs beteiligt ist als früher. Es geht darum, wie er sich den Dialekt als künstlerische Sprache zurückerobert hat, warum er aufpassen will, nicht zur Comicfigur seines Alter Egos zu werden und größere Bühnen für ihn nicht automatisch das nächste Ziel sind. Wir reden über seine Ausflüge ins Schauspiel, über seine preisgekrönte Hauptrolle im Film “Rickerl”, über das Arbeiten vor der Kamera und darüber, was ihm die Malerei ermöglicht. Außerdem sprechen wir über Autonomie, über das Freistrampeln und über ein Album, das zwischen Selbstbefragung, Spielfreude und Aufbruch entstanden ist.
S6 Ep 11Yasmo rappt mit offenen Augen durch den Sturm
Seit zehn Jahren stehen Yasmo und Die Klangkantine gemeinsam auf der Bühne – mit einem Sound zwischen HipHop und Bigband-Jazz und Texten, die nicht ausweichen. Zum Jubiläum erscheint ihr viertes Album “Augen auf und durch”. Der Titel ist Programm: hinschauen statt wegsehen. In dieser Folge spreche ich mit Yasmin Hafedh, wie Yasmo eigentlich heißt, darüber, warum gerade jetzt die Zeit für klare Worte ist, wie sich politische Diskurse verschieben und wo für die Musikerin die persönliche Schmerzgrenze liegt. Wir reden über Protest als Motor und Lebenselixier und wie man politisch sein kann, ohne belehrend zu werden. Außerdem geht es um das Älterwerden im HipHop, über ihre Anfänge im Poetry Slam, ihre ersten Bühnenerfahrungen als 16-Jährige, um feministische Solidarität in der Musikszene und um die Frage, was ein „gutes Leben“ eigentlich ist. Ein Gespräch über Haltung, Humor und darüber, warum man manchmal einfach weitermachen muss – mit offenen Augen.
S6 Ep 10Andreas Spechtl (Ja, Panik) lässt die Masken fallen
Macht, Geld, Gier und ein Casino als Parabel auf den Kapitalismus: Ich spreche mit dem Musiker Andreas Spechtl (Ja, Panik) über seinen Auftritt im Spielfilm “Un Gran Casino” von Filmemacher Daniel Hoesl. Das Casino di Campione wird darin zur Bühne eines essayistischen Fiebertraums zwischen Apokalypse und Revolution; Andreas spielt einen Spieler – Figur und Symptom zugleich – und erzählt von Dreharbeiten und der Faszination eines Ortes, der ganz dem schnellen Geld verschrieben scheint. Außerdem sprechen wir über 20 Jahre Ja, Panik: Wie hat sich die Eigen- und Fremdwahrnehmung der Band verändert? Wir reden über Kapitalismuskritik im Pop, Witz und Diskurs und über sein aktuelles Leben in Argentinien, zwischen Tourproben, Distanz zu Europa und Bandmitgliedern und frischer Perspektive.
S6 Ep 9„Wortwiege“-Kuratorin Anna Luca Krassnigg erkundet das Ungeheuer Mensch
Theater als Denkraum, als Brücke, als Widerstand: In dieser Folge spreche ich mit Anna Luca Krassnigg über ihre Arbeit zwischen Regie, Lehre und Festivalleitung. Seit 2012 ist sie Professorin am Max Reinhardt Seminar, seit 2020 leitet sie das „Wortwiege“-Festival in den historischen Kasematten von Wiener Neustadt – ein Ort, an dem Theater, Literatur, Musik, Film und Wissenschaft aufeinandertreffen. Wir sprechen über ihre Vision eines politischen Theaters, über das Spannungsfeld zwischen Klassikern und Gegenwartsdramatik, über Macht, Mythos und das aktuelle Spielzeitmotto „Ungeheuer… ist viel“. Es geht um interdisziplinäres Arbeiten, auch in ihren eigenen Projekten wie Fox On Ice, um Empowerment, welche Rolle Sprache und Kunst in politisch aufgeladenen Zeiten spielen können. Ein Gespräch über Theater als vielschichtiges Kunstverständnis und über die ungeheure Doppelgestalt des Menschen.
S6 Ep 8The Ghost and the Machine: Andi Lechner feiert Kunst als Mysterium
Ein entschleunigtes Album in einer Zeit des schnellen Skips: In dieser Folge spreche ich mit Andreas Lechner über „Sorrows“, ein bewusst analog klingendes Werk zwischen Melancholie und Hoffnung. Wir reden über Kreativität als Haltung, über sein Aufwachsen in der Steiermark, erste musikalische Erweckungsmomente zwischen Nirvana und Metallica, sein Gitarrenstudium in Wien und warum er Jazz als Urform des Punk versteht. Außerdem geht es um Resonator-Gitarren als Gegenentwurf zur Künstlichen Intelligenz und welche Rolle Musiker:innen in einer von Algorithmen geprägten Welt spielen. Ein Gespräch über Kummer und Frohsinn im Plural – und über Musik als Gegenmodell zur Gegenwart.
S6 Ep 7„The Souffleur“: Claus Philipp über die Arbeit mit Willem Dafoe
„The Souffleur“ bewegt sich zwischen Theater und Kino, zwischen Spielfilm und dokumentarischer Atmosphäre. Der Film – mit Willem Dafoe – führt ins InterContinental, zum Wiener Eislaufverein, ins Papageienschutzzentrum und stellt Fragen nach Macht, Stimme und System: Wer spricht? Und wer lenkt im Hintergrund? Darüber spreche ich mit Claus Philipp, Dramaturg, Publizist, langjähriger Kulturressortleiter des “Standard” und ehemaliger Geschäftsführer des Stadtkino Wien. Wir reden über Kino als Ort und Institution, über Irritation als produktive Zuschauererfahrung und über die Arbeit hinter den Kulissen. Was bleibt von einem Film wie “The Souffleur”, wenn man das Kino verlässt, eine Botschaft oder ein leiser Widerstand?
S6 Ep 6Kabarettist Marc Carnal spielt Gott und sucht die Irritation
Marc Carnal ist Gott – zumindest auf der Bühne. In seinem ersten eigenen Kabarettprogramm “Gott live” spielt er den Allmächtigen, im echten Leben ist er einer der wichtigsten Gaglieferanten des Landes: Autor der Late-Night-Show “Willkommen Österreich”, FM4-Kolumnist, Hörspielautor. Wir sprechen über Witze als Muskeltraining, über Schreiben für andere und für sich selbst, über seine Arbeit mit den Satirikern Dirk Stermann und Christoph Grissemann, über die Freiheit, ein Programm auch nach der Premiere noch ständig umzubauen. Es geht um die Entwicklung eines eigenen Programms, um seine Arbeit im Team von “Willkommen Österreich” und um die Frage, welche Gags funktionieren und warum der offensichtlichste Schmäh selten der beste ist. Hinweis: Das Theater am Alsergrund, in dem “Gott live” u.a. zu sehen war, hat mittlerweile geschlossen. Aktuelle Termine von “Gott live” sind am 19. Februar in der Kulisse Wien und am 25. Februar im Kleines Theater Salzburg.
S6 Ep 5Elias Hirschl und die Macht der Sprache in „Schleifen“
Was passiert, wenn Worte nicht nur beschreiben, sondern krank machen? In dieser Folge spreche ich mit dem Autor, Poetry-Slammer und Musiker Elias Hirschl („Salonfähig“, 2021) über seinen Roman „Schleifen“, ein Buch über die Obsession, die Welt vollständig in Sprache zu überführen. Im Zentrum stehen die Sprachphilosophin Franziska Denk und der Mathematiker Otto Mandl, angesiedelt im Umfeld des Wiener Kreises – und der Traum von einer Universalsprache, die alles ordnen, erklären und heilen soll. Ein Projekt, das immer wieder neu beginnt und zwangsläufig scheitert. Wir sprechen über Sprache als Macht, über Klarheit als Verheißung und Gefahr, über Wörter, die Realität verzerren oder auslöschen können. Über Krankheiten, die erst real werden, wenn sie benannt sind. Es geht um mathematische Beweise und literarische Formen, um Fußnoten, erfundene Quellen und die Frage, warum wir Texten vertrauen, sobald sie wissenschaftlich klingen. Elias Hirschl erzählt von seinen eigenen Zugängen zwischen Mathematik, Philosophie und Schreiben und dem Wunsch vieler Menschen nach einer Weltformel. Wir sprechen über Hirschls musikalisches Projekt Ein Gespenst, über seine Schreibroutinen zwischen Disziplin und Kontrollverlust und darüber, warum er sich mit jedem neuen Buch bewusst neu erfinden möchte, statt an einer einmal gefundenen Form festzuhalten. Über Schreiben als Risiko, als ewige Schleife mit offenem Ausgang.
S6 Ep 4Jo The Man The Music und ihr Mut, sichtbar zu werden
Wachstumsschmerzen sind real: In dieser Folge spreche ich mit der Musikerin Jo The Man The Music über den langen Weg, mit Musik nach außen zu treten, und über den Mut, eigene Lieder zu veröffentlichen. Wir reden darüber, wie es sich anfühlt, am Land in der Steiermark aufzuwachsen und sich nicht sicher zu sein, ob man mit so viel künstlerischer Energie überhaupt nach außen treten darf. Mit fünf Jahren begann Johanna, wie die Musikerin Jo The Man The Music eigentlich heißt, Geige zu spielen, schrieb schon früh eigene Texte und Lyrics und komponierte ganze Stücke – zunächst ganz für sich, als inneren Dialog. Es geht um ihre erste EP „Soft Skin“, um Schreibprozesse, um Songs, deren Bedeutung sich oft erst mit Abstand erschließt, und um einen Künstlerinnennamen, der Schutz bietet, ihr Stärke gibt und einfach gut klingt. Ein Gespräch über Zeit, Zweifel, Vertrauen in das eigene Tempo und darüber, wie Kunst entsteht, wenn man sich erlaubt, sichtbar zu werden.
S6 Ep 3Checker Tobi Krell und Antonia Simm: Neugier als Haltung fürs Leben
Was hinterlässt die mächtigsten Spuren auf der Erde? Und was passiert, wenn ein „Checker“ seinem achtjährigen Ich begegnet? In dieser Folge spreche ich mit Wissensreporter Tobias Krell (Checker Tobi) und Regisseurin Antonia Simm über ihren neuen Kinofilm „Checker Tobi – Die heimliche Herrscherin der Erde“ – und über die großen Fragen, die Kinder wie Erwachsene gleichermaßen beschäftigen. Wir reden über die Reaktionen der Kinder auf der Kinotour, über Neugier als Haltung fürs Leben und darüber, warum es als Checker keine gute Idee wäre, ein langweiliger Erwachsener zu werden. Es geht um die Erde, auf der wir stehen und von der wir leben: um Landwirtschaft, Kohleabbau, Archäologie, Saatgut und um Drehorte wie Madagaskar, Mexiko und Spitzbergen, einen der sensibelsten Orte unseres Planeten. Ein zentrales Thema ist die Klimakrise: Wie nehmen Kinder den Wandel wahr? Was kann man ihnen zumuten und was nicht? Und wie erklärt man eine Welt, die selbst für Erwachsene immer schwerer zu verstehen ist? Eine Folge über Staunen, Zweifel, Haltung und darüber, warum das nächste Abenteuer vielleicht direkt vor der eigenen Haustür wartet.
S6 Ep 220 Jahre Kreisky: Franz Adria Wenzl und die neue Ernsthaftigkeit in der Kunst
20 Jahre Wiener Rockband Kreisky: Franz Adrian Wenzl ist zu Gast. Wir reden über das neue Album “Adieu Unsterblichkeit”, über finstere Lieder für halbwegs verschissene Zeiten, die Anfänge der Band und den ständigen Versuch, sich nicht zu wiederholen. Franz erzählt, warum ein Lied ruhig einmal das Publikum nerven darf und man nicht daran denkt, sich auf den Kreisky-Lorbeeren auszuruhen. Außerdem: warum ernsthafte Kunst gerade jetzt wichtig ist, wie ein typisches Kreisky-Lied entsteht und warum ein bisschen Schmäh selbst im Herz der Finsternis nicht schadet.
S6 Ep 1„Frau Picasso“: Christl lebt Kunst zwischen Feminismus und radikaler Offenheit
Christl lässt sich nicht festlegen: Als transmediale Künstlerin bewegt sie sich zwischen Musik, Literatur und bildender Kunst; kompromisslos, emotional und jenseits von Genre-, Gender- und Mediengrenzen. Im Gespräch geht es um künstlerische Selbstfindung, Aktivismus und Verletzlichkeit. Außerdem spricht Christl über ihren Podcast “Frau Picasso”, in dem sie mit FLINTA-Künstler:innen über Kunst, Inspiration und die oft unsichtbaren Strukturen der Kreativbranche spricht. Ein Gespräch über Sprache, Sound, Bilder und darüber, was es heute heißt, Kunst zu leben.
S5 Ep 19Bad Ida: Ines Dallaji sucht die Nähe zum Publikum
In dieser Folge spreche ich mit Ines Dallaji, Sängerin und Songwriterin von Bad Ida. Wie viel Platz hat Soul-Musik in Österreich? Warum ist es nach wie vor schwierig, mit dieser Musik eine breitere Öffentlichkeit zu erreichen? Ines spricht offen über strukturelle Hürden, über Sichtbarkeit und darüber, was es bedeutet, eine Musik zu machen, die sich nicht leicht einordnen lässt. Ein wichtiger Bezugspunkt ist dabei der Blick nach außen: Wir sprechen über die Musikszene in New Orleans, die Ines aufmerksam beobachtet, als Inspirationsquelle, aber auch als Kontrast zu den Bedingungen hierzulande. Gleichzeitig geht es um Offenheit: Ines weiß noch nicht, in welche Richtung sich die Musik von Bad Ida nach dem neuesten Album „Ending Things“ entwickeln wird. Genau diese Ungewissheit versteht sie als kreative Freiheit. Ein Teil des Gesprächs widmet sich ihrer Stimme: wie sie sie gefunden hat, wie sich ihr Verhältnis zum Singen über die Jahre verändert hat und warum Stimme für sie immer auch ein Akt der Selbstbehauptung ist. Ines erzählt außerdem von ihrem Aufwachsen im Waldviertel, von den musikalischen Einflüssen ihrer Jugend und davon, wie diese frühe Sozialisation bis heute in ihren Songs nachhallt.
S5 Ep 18Belle Fin machen Musik für beste Freunde
Kann man sich als Band einfach neu gründen, noch einmal den Geist jugendlicher Musiker einfangen? Dieses gemeinsame Abhängen als Teenager, mit dem einen Ziel: Musik mit den besten Freunden zu machen, ohne große Ambitionen, Rock’n’Roll im besten Sinne. Das Wiener Duo Belle Fin hat genau dieses Experiment gewagt. Fabian Belfin-Wisniewski und Robin Ullmann versuchen, Einflüsse von außen so weit wie möglich abzuwehren und ausschließlich auf das eigene Bauchgefühl zu hören. Im Gespräch mit Fabian, neben Robin Kern der Liedermacher-Band Belle Fin, geht es um das Unterwegssein, ums Dichten und das gemeinsame Musizieren und um das aktuelle Album „Fest“. Denn ein Fest ist im besten Belle-Fin-Sinne ein Happening, bei dem man sich die schönsten und traurigsten Geschichten erzählt, gemeinsam lacht, weint und tanzt und sich in der Musik verliert. Fabian erzählt davon, wie es ist, als Künstler auf Streamingplattformen wie Spotify angewiesen zu sein und dabei eigentlich nur den direkten Kontakt zu den Fans suchen zu wollen. Er spricht darüber, was ihn an Dave Grohl von den Foo Fighters fasziniert und warum Belle Fin für ihn mehr als eine Band sind – nämlich eine Familie. Neben Fabian und Robin zählen Matthias Ihrybauer, Peter Engel und Julan Berann zur Band.
S5 Ep 17Filiah öffnet mit ihrer Musik emotionale Räume
Sechs Songs, sechs Momente herzenöffnender Ehrlichkeit. Mit ihrer neuen Songsammlung „Sad Girl With A Punchline“ öffnet die Musikerin Filiah eine Tür in eine Welt, die gleichzeitig roh und zart ist, verletzlich und doch selbstbewusst. Eine Welt, in der man weinen und lachen kann, manchmal sogar im selben Atemzug. Nina Schwarzott, wie Filiah eigentlich heißt, erzählt hier Geschichten, die lange in ihr gearbeitet haben, bevor sie bereit war, sie zu teilen. Und sie tut das mit einem Sound, der zwischen Pop, Indie, Folk und leisen elektronischen Noten schwebt. Im Gespräch erzählt Filiah von alten Wunden, vom Wunsch, gesehen zu werden und sich gleichzeitig dabei verstecken zu wollen. In ihrer Musik braucht sie dafür nur sanfte Gitarren, ihre Stimme, ein wenig Dunkelheit, aber noch mehr Licht. Filiah beschreibt den Prozess als ermächtigendes Erlebnis, das auch anderen Menschen Mut machen kann. Die Musikerin spricht im Podcast über familiäre Prägungen, soziale Ängste und einen Hoffnungsschimmer, der bleibt. Und dieses self-proclaimed “Sad Girl With A Punchline” weiß genau, dass in den dunklen Momenten auch sehr viel feiner Humor und Zuversicht steckt.
S5 Ep 1620 Jahre Fuzzman: Herwig Zamernik geht noch lange nicht heim
“Ich muss Haken schlagen, damit es nicht langweilig wird”. Zwei Jahrzehnte Fuzzman sind daher weniger ein Jubiläum als ein Zwischenruf in einer Laufbahn zu verstehen, die von vornherein keine geraden Linien kannte. Herwig Zamernik, wie der Fuzzman eigentlich heißt, ist ein Musiker, der nie dort bleibt, wo man ihn zuletzt gesehen hat. Einer, der Genregrenzen gerne verwischt und sich zwischen Indie, Schlager, Volkslied, Chanson und Metal zu Hause fühlt. In dieser Folge sprechen wir darüber, wie alles begann: über die Zeit als Teenager auf internationalen Bühnen mit Disharmonic Orchestra, über den Rockstartraum und -kater mit Naked Lunch, und darüber, wie aus all dem irgendwann die Figur Fuzzman entstand – als Möglichkeit, alles zu sein und nichts festschreiben zu müssen. Fuzzman erzählt von seinen drei Söhnen, die heute selbst in Bands spielen, von seinem Aufwachsen als Wiener Volksschüler in Friesach in Kärnten, vom Spannungsfeld zwischen Herkunft und Identität und warum er Hymnen eigentlich furchtbar findet, aber trotzdem eine eigene geschrieben hat. Wir sprechen darüber, wie man über Jahrzehnte neugierig bleibt, warum er live ohne Setlist spielt und sein eigenes Bergfestival gegründet hat, und weshalb Chaos auf der Bühne für ihn nicht Unsicherheit bedeutet, sondern Freiheit. Ein Gespräch über ein Musikerleben, das früh begann und bis heute nicht zur Ruhe kommt, und über einen Künstler, der das Unvorhersehbare zum Prinzip erhoben hat.
S5 Ep 15Clara Luzia sucht die Ruhe in stürmischen Zeiten
Nun ist Zeit für Ruhe: Clara Luzia eröffnet einen Raum für leisere Töne, für Verletzlichkeit und Songs, die mehr Atem brauchen als Lautstärke. Dafür hat sich die Wiener Singer-Songwriterin mit den Musikerinnen Catharina Priemer-Humpel, Judith Ferstl, Kaya Meller und Claudia Kottal die Band The Quiet Version ins Leben gerufen. Und die ruhige Version bringt Veränderung mit sich: Auf ihrem neuen Album “Horelia” singt Clara Luzia erstmals auch auf Deutsch und erzählt von Verbindung und Hoffnung in Zeiten, die oft eher nach Dystopie klingen. Im Podcast reden wir darüber, warum sie für diese Musik eine zweite Band brauchte und wie sich ihr Songwriting verändert, wenn es leiser wird. Clara Luzia erzählt, warum sie heute Auftritte mehr genießt als früher, dass sie mittlerweile auch Sitzkonzerte gerne spielt und keinen Alkohol mehr braucht, um auf die Bühne zu gehen. In ihrer Musik geht es heute mehr denn je um die Schwierigkeit und das tiefe Bedürfnis, mit Menschen in Kontakt zu treten und echte Verbindungen entstehen zu lassen. Wir sprechen über private und politische Bruchstellen, über eine Hoffnung, die gerade noch tragfähig ist, und darüber, wie persönliche Zweifel neben einer kollektiven Krise bestehen können.
S5 Ep 14Cellist Lukas Lauermann macht den Klimawandel hörbar
Lukas Lauermann zählt zu den leisen, aber prägendsten Stimmen der österreichischen Musiklandschaft. Als Cellist, Komponist und Klangforscher lotet er in seinem Solowerk die Grenzen zwischen Klassik, Elektronik, Experimental und Pop aus und schafft dabei Klangwelten, die zugleich intim und monumental wirken. Seine Handschrift ist auf unzähligen Projekten und Alben zu hören, darunter Arbeiten mit Alicia Edelweiss, Der Nino aus Wien, Soap&Skin und vielen anderen, die die heimische Szene der letzten Jahre maßgeblich geprägt haben. In diesem Gespräch spricht Lauermann über sein neues Album „Varve“, eine Auseinandersetzung mit Zeit, Klimawandel, Veränderung und den feinen Verschiebungen, die große Wirkung entfalten können. Wir sprechen über geologische Jahresringe als musikalische Metapher, über das Zusammenspiel von Rationalität und Emotion, über das Cello im Wald als Resonanzkörper und über die Frage, wie man in einer Welt im Wandel Klänge findet, die tragen. Ein Gespräch über Musik als Spurensuche, über das Hören als Haltung und über die Kunst, Veränderung nicht nur abzubilden, sondern hörbar zu machen.
S5 Ep 13Doku "Melt": Nikolaus Geyrhalter hält Schnee und Eis für die Ewigkeit fest
Was, wenn das Eis doch nicht ewig ist? In dieser Folge spreche ich mit dem Dokumentarfilmer Nikolaus Geyrhalter über seinen neuen Film „Melt“, ein stilles, eindringliches Hinschauen auf den verschwindenden Schnee. Der Film führt an neun sehr unterschiedliche Orte der Welt, von Japan über die Alpen bis zur Antarktis, und zeigt, wie rasant sich unsere Beziehung zu Eis und Schnee verändert. Geyrhalter (“Unser täglich Brot”, "Erde", “Stillstand”) beobachtet mit seinem Team wie Gletscher schmelzen, wie jahrhundertealte Praktiken und Arbeitsweisen unter Druck geraten und wie Menschen versuchen, mit diesen Umbrüchen umzugehen. Mit seiner unverwechselbaren, ruhigen Bildsprache, die ganz ohne Kommentar auskommt, verwandelt er Landschaften in präzise, fast meditative Porträts und gibt den Menschen vor Ort Raum, ihre Erfahrungen zu formulieren. Der Schnee fällt anders als früher, sagt ein Reisbauer in Japan. Ein Satz, der sinnbildlich für den globalen Wandel steht, den der Film dokumentiert. Im Gespräch erzählt Geyrhalter von seiner Arbeitsweise, der Entscheidung, Zeit und Stille als erzählerisches Mittel einzusetzen, und davon, warum gerade jetzt ein Film über Schnee notwendig ist. Wir sprechen über die politische Dimension dieser beeindruckenden Bilder, über die Verantwortung, die im dokumentarischen Beobachten steckt, und darüber, wie sich die Natur vor unseren Augen verwandelt. „Melt“ ist nicht nur eine ästhetische Annäherung an Schnee und Eis, sondern ein Archiv für eine Welt, die in dieser Form vielleicht bald nicht mehr existiert und genau deshalb ein Film, der nachhallt.
S5 Ep 12Autorin Antonia Löffler erzählt von der Familie als griechisches Drama
Drei Menschen verpassen in New York ihren Rückflug nach Wien. Wenig später hören sie in den Nachrichten, dass ihre Maschine abgestürzt ist. Fassungslosigkeit, Schock und dann: ein Rausch aus Alkohol, Erleichterung, vielleicht sogar Freude über ein zweites Leben. So beginnt Antonia Löfflers Debütroman “Hydra”. Ich spreche mit der Autorin und Ö1-Journalistin über ihr lebenslanges Schreiben, über die Balance zwischen Recherche und Fiktion, Theatergeschichte und Mythologie, familiärer Spurensuche – und warum sie ihre Leser:innen auch gerne auf falsche Fährten schicken möchte. Denn das vermeintliche Was-wäre-Wenn ihres Romans führt mitten hinein in ein Rätsel: auf die griechische Insel Hydra, wo 1991 ein legendäres Theaterprojekt stattfand. Eine junge Radiojournalistin stößt Jahrzehnte später auf ein Familiengeheimnis und versucht, die losen Fäden zwischen Gegenwart und Vergangenheit, Bühne und Leben, Wahrheit und Erinnerung zu entwirren.
S5 Ep 11Oliver Welter feiert die Wiedergeburt von Naked Lunch
„Soll ich Naked Lunch zu Grabe tragen oder soll da noch was kommen?“, hat sich Oliver Welter in den letzten Jahren immer wieder gefragt. Offenbar ist dem Musiker noch nicht danach. Zwölf Jahre nach “All Is Fever” kehrt die Indierock-Institution mit einem neuen Album zurück: “Lights And A Slight Taste Of Death” ist erneut eine jener Platten, bei denen es, wie immer bei dieser 1991 in Klagenfurt gegründeten Band, um alles zu gehen scheint. Zwischen Licht und Tod, Zärtlichkeit und Verzweiflung, Wiederauferstehung und musikalischer Radikalität erzählt Welter vom Schreiben und Verwerfen und von der fast magischen Begegnung mit dem Musiker und Produzenten Wolfgang Lehmann, die diese neue Platte erst möglich machte. Wir sprechen über die Notwendigkeit, Gefühle durch Musik auszudrücken, über seine lebenslange Leidenschaft für den Fußball, über die Karriere seines Sohns, des Musikers und Schauspielers Oskar Haag, und über das Menschsein als unabschließbares Projekt. “Lights And A Slight Taste Of Death” ist eine Tour de Force: fordernd, zärtlich, umarmend, manchmal (selbst-)zerstörerisch, immer wahrhaftig. Und es ist, wie fast alles bei Naked Lunch, größer als Musik.
S5 Ep 10Kabarettist Hosea Ratschiller sucht seinen “Happy Place”
Wer sehnt sich in diesen Zeiten nicht nach einem „Happy Place“? Hosea Ratschiller hat sich in seinem neuen Kabarettprogramm auf die Suche danach gemacht und dabei eine gesellschaftspolitische Wanderung unternommen, die quer durch den Familienalltag, Maturatreffen, Generationen und den Supermarkt führt. Hosea, dreifach mit dem Österreichischen Kabarettpreis ausgezeichnet, ist bekannt für seinen feinsinnigen Humor, seine leisen Pointen und seine klare Haltung: In einer Welt der Tech-Milliardäre, Investmentpunks und Machtkonzentrationen erinnert er in seinem neunten Kabarettprogramm an das, was uns tatsächlich verbindet: Zusammenhalt, Solidarität, kleine Gesten im Alltag. Im Gespräch geht es um das Private als politisches Terrain: um Vaterschaft, Mittelmaß und die Frage, wie Kinder den Blick auf die Welt verändern. Aber auch um Medienkrise, politischen Rechtsruck und Social-Media-Abhängigkeiten. Zwischen Selbstironie und Gesellschaftsanalyse, zwischen Familienchaos und Philosophie findet Hosea Ratschiller diesen Ton, der beides kann: berühren und zum Lachen bringen. Ein Versuch und eine Einladung, im Zeitgeist der Selbstoptimierung menschlich zu bleiben.
S5 Ep 9„Mother’s Baby“: Johanna Moder will mehr Offenheit bei Geburt und Mutterschaft
Filmemacherin Johanna Moder erzählt in ihrem neuen Film “Mother’s Baby” von einer Mutter, die nach der Geburt ihres Kindes in eine psychische Krise stürzt; irgendwo zwischen postpartaler Depression, Kontrollverlust und einem Gefühl tiefster Fremdheit. Der Film, der im Wettbewerb des Filmfestivals Berlinale uraufgeführt wurde, hält das Publikum lange in der Schwebe: Ist das alles Ausdruck einer seelischen Überforderung oder steckt etwas Unheimliches, gar eine Verschwörung dahinter? Im Gespräch erzählt Moder, warum sie diese Geschichte erzählen musste, wie sehr sie auf eigenen Erfahrungen beruht – und warum sie den deutschen Drehbuchautor Arne Kohlweyer als Co-Autor dazuholte, um einen „Blick von außen“ auf das Thema Mutterschaft zu gewinnen. Wir sprechen über Erwartungsdruck an Mütter, über das gesellschaftliche Schweigen zu psychischen Krisen nach der Geburt und über die Frage, warum Mutterschaft so sehr mit einem Versprechen von Erfüllung aufgeladen ist, das sich nicht für jede Frau einlöst. Moder berichtet, wie sie ihre Hauptdarstellerin Marie Leuenberger fand, was es mit den geheimnisvollen Axolotl im Film auf sich hat und weshalb “Mother’s Baby” kein klassischer Genrefilm ist. Außerdem geht es um die Reaktionen auf den Film, um Mut, Schmerz, und darum, was passiert, wenn eine Frau nicht die Mutter wird, die sie zu werden geglaubt hatte.
S5 Ep 8Das Schottische Prinzip: Julia Reißner schickt ihre Lieder ins All
Julia Reißner ist Sängerin, Texterin und die Stimme von Das Schottische Prinzip – einer Band, die man nicht einfach hört, sondern betritt. Ihre Musik klingt manchmal wie ein Traum, dann wie ein Gespräch unter Freunden oder wie ein gemeinschaftliches Erlebnis im Konzert. Wir reden über das Schreiben ohne Ziel, über Worte, die sich erst später erschließen, und über das Vertrauen, das man braucht, um in einem offenen Prozess mit sich selbst zu bleiben. Julia erzählt, wie sich Das Schottische Prinzip von einem losen Ein-Personen-Experiment zu einer Band mit ganz eigenem Klang entwickelt hat – zwischen Pop, Poesie, Protest und Soundkunst. Ein Thema ist das aktuelle Album „Golden Voyager Record Vol. III“, inspiriert von der berühmten Schallplatte, die mit der Raumsonde Voyager ins All geschickt wurde. Julia sieht darin eine Art poetische Botschaft ins Unbekannte: zwölf Songs über Nähe, Erinnerung und das, was bleibt, wenn Worte nicht mehr reichen. Wir sprechen darüber, wie man mit der eigenen Stimme Räume schaffen kann, warum Wiederholung manchmal ehrlicher ist als Bedeutung und was passiert, wenn man sich beim Musizieren wirklich verliert.
S5 Ep 7Till Brönner findet Rettung in der Musik und sehnt sich nach "Italia"
Wie klingt Erinnerung? In seinem neuen Album “Italia” kehrt Deutschlands bekanntester Trompeter zurück zu den Melodien seiner Kindheit in Rom; zu Filmmusik, Cantautori und dem besonderen Gefühl, wenn Musik einfach passiert, ohne sich erklären zu müssen. Im Gespräch erzählt Till, warum er sich auf sein Bauchgefühl verlässt, weshalb man sich in der Kunst niemals verstellen sollte und wie Musik die Kraft haben kann, dass am Ende alles gut wird. Er spricht über die gemeinsame Sprache Europas, über Musik als Haltung in Zeiten der Spannungen und über einen ganz besonderen Moment: seine Einladung ins Weiße Haus zu Barack Obama. Ein Gespräch über Klang und Charakter, über Gelassenheit und Leidenschaft und darüber, wie man mit einer Trompete ein Stück “Italia” einfängt.
S5 Ep 6Teresa Rotschopf findet ihre Ruhe in der Höhle
Studiobesuch bei Teresa Rotschopf im Wiener Funkhaus. Vor uns stehen Platten, Instrumente und Notizen und wir reden über ein Album, das an einem ganz anderen, fast unwirklichen Ort entstanden ist: in einer Tropfsteinhöhle in der Steiermark. “Currents and Orders” heißt dieses zweite Soloalbum von Teresa, und es klingt zugleich radikal, zart und monumental. Gemeinsam mit einer Gruppe von Musiker:innen und in Ko-Produktion mit Patrick Pulsinger hat sie drei Tage lang tief unter der Erde aufgenommen. Fast ein Kilometer Kabel wurde verlegt, Instrumente in die Dunkelheit getragen. Die Höhle selbst wurde zur Bühne, zum Resonanzkörper und zum symbolischen Raum: ein Ort der Erinnerung, des Rückzugs und der Transformation. Herausgekommen sind vier Stücke, darunter zwei groß angelegte Kompositionen, die das Album wie ein Ritual erscheinen lassen. Musik zwischen experimentellem Pop, Neuer Musik und improvisierter Komposition. Wir sprechen darüber, warum Teresa diesen besonderen Ort gewählt hat, wie es war, dort zu arbeiten, und wie sehr sich Raum, Klang und Emotion gegenseitig beeinflussen können. Ein Gespräch über Klangwelten, Transformation und die Kraft von Musik, die buchstäblich aus der Tiefe kommt.
S5 Ep 5Wolfgang Muthspiel feiert im Jazz das Fremde und Unbekannte
Wolfgang Muthspiel zählt zu den profiliertesten Jazzgitarristen unserer Zeit. Gemeinsam mit Scott Colley am Bass und Brian Blade am Schlagzeug hat er jetzt ein neues Album aufgenommen – und wieder führt der Weg nach Japan: Auf “Tokyo” vereint das Trio feinsinnige Balladen, Folk-Anklänge und Kammerjazz. Wir sprechen auch über das Üben als Voraussetzung für ein lebenslanges Spielen, über das Erinnern in der Musik an andere Musiker und über das Vertrauen in die eigene Stimme und den eigenen Stil. Muthspiel erinnert sich an seine Kindheit an der Geige, an die Rebellion mit der Gitarre und im Jazz, und er beschreibt seine Suche nach dem eigenen Sound und seinem idealen Klang. Außerdem erzählt er von seinen 15 Jahren in den USA, reflektiert die politische Situation und spricht über den Zusammenhalt in den Communities. Trotz aller Herausforderungen macht sich Muthspiel um den Jazz keine Sorgen: Für ihn lebt die Musik vom Respekt gegenüber den Mitspielern und vom Erleben und Feiern des Unbekannten.
S5 Ep 4Anda Morts spielt zwischen Punk, Politik und Biertrinken
Auf “Ans”, dem ersten Album von Anda Morts, geht es um Politik und Haltung, aber genauso ums Abhängen, ums Biertrinken, um das Leben zwischen Jugendclub und Autobahn. Seine Songs sprechen Dinge direkt aus, ohne Schnörkel und ohne Euphemismus. Im Gespräch erzählt Andi,wie er sich kurz nennt, warum politische Musik für ihn wichtig ist, aber nicht ausreicht und warum es ihm genauso darum geht, auf Demos zu gehen und dort Haltung zu zeigen. Wir sprechen über die Linzer Jugendclubs, die ihn geprägt haben und die für seine Band auch heute, trotz ausverkaufter Tourneen in Deutschland, den Boden bereiten. Andi erzählt, weshalb er seine Songs nicht im Dialekt singt, wie er als Kind vom Klavier zum Schlagzeug wechselte und warum er sich eigentlich gar nicht gerne im Rampenlicht sieht. Seine Musik ist direkt und kompromisslos, er selbst dagegen reflektiert und gelassen. Ein Gespräch über Punk als Haltung, über die Frage, was einen am Boden hält und darüber, warum Klarheit manchmal stärker wirkt als Lautstärke.
S5 Ep 3Filmemacher Thomas Arslan bleibt in Bewegung – aktuell im Filmmuseum
Thomas Arslan ist bekannt für lakonische Dialoge, eine klare Bildsprache und eine nüchterne Beobachtung gesellschaftlicher Realitäten. Seine Filme erzählen oft von urbanen Räumen, von Figuren am Rand der Gesellschaft und von stillen Spannungen, die sich im Alltag entfalten. Gleichzeitig hat er immer wieder mit Genreformen experimentiert – vom Western “Gold” über den Gangsterfilm “Im Schatten” bis zu seinem aktuellen Thriller “Verbrannte Erde”. Anlass für dieses Gespräch ist die große Retrospektive „In Bewegung – Die Filme von Thomas Arslan“, die derzeit im Österreichischen Filmmuseum in Wien (in Kooperation mit dem Berliner Arsenal on Location) läuft. Dort werden sämtliche wichtigen Arbeiten des Regisseurs gezeigt, von frühen Kurzfilmen bis zur Österreich-Premiere von Verbrannte Erde. Arslan gilt heute als einer der stilprägendsten Vertreter der Berliner Schule, jener filmischen Bewegung, die seit den 1990er-Jahren mit präziser Beobachtung, formaler Strenge und zurückhaltender Erzählweise den deutschen Film erneuert hat. Wir sprechen über seine Handschrift, über Berlin als zentralen Schauplatz, über das Erzählen in und mit Räumen, über Genre-Experimente – und darüber, warum Reduktion und Zurückhaltung in seinen Filmen oft mehr sagen als viele Worte.
S5 Ep 220 Jahre Fettkakao: Andi Dvořák zwischen Punk, Metallica und Euphorie
Seit 2005 betreibt Andi Dvořák mit Fettkakao eines der eigenwilligsten und konsequentesten Indie-Labels Österreichs. Mit einer klaren Haltung und einer Liebe zur DIY-Kultur hat er ein Zuhause für Musiker:innen, Künstler:innen und Freundschaften geschaffen, jenseits von kapitalistischer Verwertungslogik. Im Gespräch geht es um seine musikalische Sozialisation in Wien, Stadionkonzerte und seine Leidenschaft für Metallica, ebenso wie um sein Aufwachsen in der Punk- und Hardcore-Szene. Wir sprechen über die Anfänge des Labels, die Rolle seiner eigenen Plattensammlung und seines DIY-Hintergrunds, die besondere Mission von Fettkakao und die Frage, wie man Musik und Kunst dokumentieren kann, ohne sich einem Genre oder Marktlogik zu unterwerfen. Außerdem reden wir über Vinyl, visuelle Gestaltung, die Wiener Underground-Szene, das Jubiläumsprogramm „Fettkakao 20“ mit Ausstellungen, Film und Konzerten und DJ-Sets. Eine Episode über Freundschaft in der Kunst, Musik und die Freude daran, eigene Wege zu gehen.
S5 Ep 1Aenne Schwarz glaubt an die verstörende Kraft des Kinos
Schauspielerin Aenne Schwarz glaubt an die verstörende Kraft des Kinos. In dieser Episode sprechen wir über Sprache als zentrales Ausdrucksmittel, darüber, wie Trauer auf der Leinwand sichtbar werden kann, und woran sie erkennt, dass ein Drehbuch so geschrieben ist, dass sie es unbedingt spielen möchte. Wir reden darüber, warum Aenne sich heute stärker im Film als im Theater zu Hause fühlt, über Altersarmut bei Schauspielerinnen, über Radikalität in der Politik, ihre Beziehung zu den USA und was sie sich für die Zukunft wünscht – für sich selbst, aber auch für die deutschsprachige Film- und Theaterlandschaft. Aktuell ist Aenne Schwarz im Kinofilm “Zweitland” (Regie: Michael Kofler, ab 5. September 2025 im Kino) an der Seite von Thomas Prenn und Laurence Rupp zu sehen. Der Film erzählt von Südtirol im Jahr 1961: Die norditalienische Region wird durch eine Serie von separatistischen Bombenanschlägen erschüttert. Inmitten von Gewalt, Repression und patriarchalen Strukturen spielt Aenne Schwarz Anna – eine Frau, die sich ihren eigenen Weg sucht. Sie erzählt, wie sie sich mit Dialekten vertraut macht, wie sie diese Figur für sich entdeckt hat und warum Annas Geschichte auch für unsere Gegenwart Bedeutung hat. Ein Gespräch über Kunst, Haltung und die Suche nach Selbstbestimmung – im Kino wie im Leben.
S4 Ep 10Nathan Trent: Vom Song Contest bis “Butterfly Effect” (Teil 2)
Im zweiten Teil unseres Gesprächs geht es um die großen Fragen seiner Karriere und die Suche nach Sinn in der Kunst. Nathan Trent spricht über seine Arbeitsethik, warum Musik für ihn immer auch Zuflucht ist und wie lange ihn der Song Contest noch verfolgt hat. Wir reden darüber, was nach dem ESC kam, über den langen Produktionsprozess seiner neuen EP “Butterfly Effect” und warum diese Songs für ihn mehr als nur ein künstlerisches Statement sind. Außerdem erzählt Nathan, wie er Künstliche Intelligenz als praktisches Tool im Alltag nutzt – nicht als Ersatz, sondern als Hilfe beim Managen seiner Arbeit.
S4 Ep 9Nathan Trent: Neubeginn, ESC & die Suche nach dem eigenen Sound (Teil 1)
Mit einer italienischen Mutter und einem Wiener Vater in Innsbruck aufgewachsen, über Musical-Ausbildung und erste Schritte auf der Bühne – und dann der Sprung auf die große Bühne: Nathan Trent hat 2017 Österreich beim Eurovision Song Contest vertreten. Heute meldet er sich mit seiner neuen EP “Butterfly Effect” zurück. Im ersten Teil unseres Gesprächs erzählt er, warum die Zeit in London für ihn so schwierig war, weshalb er nun in Berlin ein Zuhause gefunden hat und wie er heute auf seine ESC-Erfahrung blickt. Nathan spricht über seine Anfänge in der Musik, den Moment, in dem er wusste, dass er eigene Songs schreiben muss, und erklärt, warum er seine Musik als „HyperRnB“ bezeichnet und seine Stimme mehr für ihn ist als nur ein Instrument. Teil 2 folgt nächste Woche.
S4 Ep 8Natalie Halla zeigt uns Afghanistans letzte Botschafterin
In ihrem neuen Dokumentarfilm “Die letzte Botschafterin” begleitet Dokumentarfilmerin Natalie Halla die afghanische Diplomatin Manizha Bakhtari über mehrere Jahre – von der dramatischen Machtübernahme der Taliban im August 2021 bis in die Gegenwart. Halla erzählt, wie es zur ersten Idee kam, dieses außergewöhnliche Porträt zu drehen, warum sie trotz Hürden an dem Projekt festhielt und wie sie das Vertrauen ihrer Protagonistin gewann. Wir sprechen über die Herausforderungen einer Langzeitbeobachtung, die Balance zwischen filmischer Nähe und Respekt vor der Privatsphäre, die Arbeit mit Kamerafrau Judith Benedikt sowie über zentrale Bilder und Stilmittel des Films. Als Juristin ist es Halla ein Anliegen, Themen der Menschenrechte und der Menschenrechtsverletzungen sichtbar zu machen. Sie arbeitet bewusst autonom, oft mit kleinem Team, um unabhängig erzählen zu können. Besonders am Herzen liegt ihr das Daughters Program in Afghanistan, das junge Frauen und Mädchen unterstützt, die eine Perspektive brauchen und nur heimlich zur Schule gehen können. Im Gespräch erzählt Halla, was sie sich von ihrer Dokumentation erhofft, welche gesellschaftliche Wirkung sie anstrebt und welche Projekte sie in Zukunft noch realisieren möchte. Ein Gespräch über Widerstand, Kunst und Aktivismus, Migration, Hoffnung – und darüber, wie globale Geschichten in einer persönlichen Perspektive erzählt werden können.
S4 Ep 7Dani Lia feiert ihre Konzerte nach dem TikTok-Hype
Dani Lia schreibt Songs für alle, die zwischen Nostalgie und Neuanfang hängen – mal melancholisch, mal voller Energie, aber immer ehrlich. 2022 gelingt ihr mit “alles verloren” der virale Durchbruch auf TikTok; inzwischen zählt der Track über 16 Millionen Streams. Mit ihrer Debüt-EP “kratzer & wunden tape” (2024) und der aktuellen Single seele berührt hat sie ihren eigenen Stil gefunden: eine Mischung aus Indie-Vibes, R’n’B und Texten, die direkt ins Herz gehen. In dieser Folge von “Was soll das alles?” spreche ich mit Dani über die Entstehung ihrer Songs: Beginnt alles mit einer Emotion, einem Beat oder einem Textfragment? Muss sie ein Drama wirklich durchlebt haben, um darüber zu schreiben – oder reicht die Erinnerung? Wir reden über ihre frühen musikalischen Einflüsse, soziales Bewusstsein, ihre Zeit bei “Starmania”, Perspektiven im Pop, Selbstzweifel – und darüber, was es bedeutet, als junge Künstlerin im deutschsprachigen Soul- und R’n’B-Kosmos sichtbar zu sein.
S4 Ep 6Anna Mabo lebt die Kunst der mittelschweren Ekstase
Anna Mabo veröffentlicht im Herbst ihr viertes Album “Mittelschwere Ekstase” – ein poetischer, eigensinniger Aufbruch zwischen Zärtlichkeit, Aufbruch und Hoffnung. In dieser Folge spricht sie über Songwriting als Ventil, über die Bedeutung von Selbstironie und darüber, warum jedes ihrer Alben ein Neuanfang ist. Wir reden über das Verhältnis zum Publikum, über die Frage, wann ein Konzert mehr ist als nur Musik – und über die feine Linie zwischen Unterhaltung und Ehrlichkeit. Mabo erzählt von der Entstehung der neuen Songs, dem Spannungsfeld zwischen Theater und Musik, der Zusammenarbeit mit Ernst Molden und ihrer Vorstellung von Musik als Ausdruck größter Offenheit. Und natürlich geht es auch um die großen Themen hinter dem Albumtitel: die Gleichzeitigkeit der Dinge, das Schöne im Schweren und die stille Ekstase im Alltag.
S4 Ep 5Paul Plut lässt seine Lieder atmen und sagt sich von Social Media frei
Paul Plut ist als Solokünstler bekannt für düstere Dialekt-Songs zwischen Apokalypse und Innerlichkeit – mit Viech zeigt er eine andere Seite. “Vollmond”, das neue Album des Band-Kollektivs, ist in einer nächtlichen Session entstanden. Was macht die Arbeit im Kollektiv mit ihm als Musiker und Songwriter? Wie fühlt es sich an, wenn plötzlich alle ans Mikro dürfen? Wir sprechen in der aktuellen Podcast-Folge über sein Aufwachsen in Ramsau am Dachstein, sein Verhältnis zu Leben und Tod, über geteilte Verantwortung im Studio und darüber, wie man Popmusik so gegen den Strich bürstet, dass sie trotz allem funktioniert. Paul erzählt, warum der Vollmond mehr als nur ein Aufhänger für die neue Songsammlung war, welche kreativen Unterschiede er zwischen Viech und seinem Solo-Schaffen sieht – und warum er sich ein Revival der Kassetten als Tonträger wünscht. Ein Gespräch über Gruppenprozesse, Grenzverschiebung und die Frage, ob man als Künstler jemals ganz bei sich – oder doch immer Teil von etwas Größerem ist.
S4 Ep 4Musiker Cid Rim bringt Leichtigkeit in krisenhafte Zeiten
Was passiert, wenn man der Kälte Wiens den Rücken kehrt, in Mexiko Boxunterricht im Park nimmt und sich täglich ins Studio setzt, ohne Plan – nur dem Gefühl folgend? Bei dem Wiener Musiker Clemens Bacher alias Cid Rim entstand daraus “Sprint”, ein farbenfrohes Album zwischen Jazz, Pop und Breakbeats, das nach Leichtigkeit und Aufbruch klingt. In dieser Folge erzählt der Produzent und Schlagzeuger, wie das Leben unter der mexikanischen Sonne seinen kreativen Prozess verändert hat, warum eine klare tägliche Routine – vom Frühstück bis zum Boxtraining am Nachmittag – für ihn der Schlüssel zu neuer künstlerischer Freiheit war, und wieso es Mut braucht, Perfektionsismus gegen Intuition zu tauschen. Wir sprechen über alte Arbeitsweisen und neue Rituale, Vertrauen, musikalische Generationenwechsel und darüber, warum die neuen Lieder sich anfühlen wie eine musikalische Dosis Optimismus in krisenhaften Zeiten. Ein Gespräch über das Loslassen, das Loslaufen – und die Kraft, einfach mal nicht zu verkopfen.
S4 Ep 3Wanda-Entdecker Stefan Redelsteiner: Von Stefanie Sargnagel bis Voodoo Jürgens (Teil 2)
Wie wurde aus der genialen Facebook-Autorin Stefanie Sargnagel eine gefeierte Schriftstellerin? Und was passiert, wenn Künstler:innen den Verlag oder das Label wechseln – bleibt da noch Platz für persönliche Bindungen? Im zweiten Teil des Gesprächs mit dem Musikmanager Stefan Redelsteiner geht es um die Gratwanderung zwischen Freundschaft und Profession, um Nähe und Distanz im Kulturbetrieb. Redelsteiner spricht offen über das Ende der Zusammenarbeit mit Wanda – warum nach drei erfolgreichen Jahren Schluss war, wieso ausgerechnet die ausverkaufte Stadthalle zum Problem wurde und wie die Maschine Wanda irgendwann zu groß wurde. Und er erzählt, warum er Voodoo Jürgens so lange begleiten will, wie es ihn gibt. Teil 1 des Gesprächs ist bereits online. Darin erzählt Stefan Redelsteiner von seiner Kindheit im Wiener Gemeindebau, seinen Anfängen als Musiker, der Gründung von Problembär Records und seiner Zusammenarbeit mit Der Nino aus Wien, Neuschnee, Voodoo Jürgens und Mwita Mataro. Es geht um Außenseitertum, Pop als Utopie, das Musikbusiness – und darum, wie man als Manager mit Eigensinn, Ego und dem eigenen Unsichtbarsein umgeht.
S4 Ep 2Der Problembär: Stefan Redelsteiner und sein Weg zu Wanda (Teil 1)
Er hat Wanda entdeckt, Voodoo Jürgens aufgebaut und Der Nino aus Wien eine Bühne gegeben: Stefan Redelsteiner ist eine Schlüsselfigur des Neuen Austropop – und eine der prägendsten Stimmen hinter den Kulissen der heimischen Popkultur. In Teil 1 unseres Gesprächs erzählt Redelsteiner (jetzt ist das Buch "Der Problembär" mit Autor Gerhard Stöger) von seinen Anfängen als Musiker, von Außenseitertum, Pop als Utopie – und vom ewigen Spannungsfeld zwischen künstlerischem Anspruch, Eigensinn und Ego. Dabei wird seine tiefe Liebe zur Musik zum roten Faden: Sie war Rettung, Motor und Kompass zugleich. Er spricht offen über seine Kindheit im Wiener Gemeindebau, seine musikalische Sozialisation, erste Erfahrungen in der Musik – und darüber, warum er heute keinen Alkohol mehr trinkt. Außerdem verrät er, wie man eigentlich Musikmanager wird – und warum es dabei um weit mehr geht als um Businesspläne. Wir sprechen über die Gründung von Problembär Records, jenem Label, das Acts wie Der Nino aus Wien und Neuschnee eine erste Bühne gab, über neue Erfolge mit Mwita Mataro – und darüber, wie man als Manager mit der eigenen Eitelkeit umgeht, wenn man ständig im Hintergrund bleibt. Auch Voodoo Jürgens taucht bereits auf – als Teil einer Geschichte, die in Teil 2 weitergeht: mit Stefanie Sargnagel, Wanda und der Frage, was bleibt, wenn die Magie vorbei ist.
S4 Ep 1Sophia Blenda erschüttert mit radikaler Sanftheit
Sophia Blenda ist Musikerin, Multiinstrumentalistin, Songwriterin – und eine der eindringlichsten Stimmen der deutschsprachigen Popmusik. Mit ihrem zweiten Soloalbum „Die Summe der Vereinzelung“ legt sie ein klug komponiertes, poetisch verschachteltes Werk vor, das sich mit Schmerz, Machtverhältnissen und kollektiver Erfahrung auseinandersetzt – und das dabei nie in Selbstmitleid kippt, sondern Widerstand formt. Im Gespräch geht es um weiblich gelesenen und queeren Schmerz, um das Schreiben gegen patriarchale Gewalt, um Sprache als Schutzraum – und darum, wie aus intimen Liedern plötzlich etwas Gemeinsames wird. Sophia Blenda erzählt, warum sie „Sad Girl Summer“ als Reality Check auf die Popkultur geschrieben hat, was Billie Eilish und Stefan Zweig miteinander zu tun haben – und wie es ist, sehr persönliche Songs auf die Welt loszulassen. Ihre Musik ist leise, aber klar. Zärtlich, aber radikal. Ein Gegenentwurf zur Verharmlosung, zur Vereinzelung – und ein Versuch, aus schweren Dingen etwas Schönes zu machen. Ein Gespräch über das Ich und das Wir, über Glorifizierung und Wahrheit, über Kunst als kollektives Erinnern.
S3 Ep 17Ariel Oehl singt mit offenem Herzen "I love you"
Wo die Liebe hinfällt, da bleibt oft was zurück: ein Kuss, ein Riss, ein Lied. Ariel Oehl, der alte Verführer, hat mit „lieben wir“ ein ganzes Album über diese Zumutung von Gefühl gemacht – und wer einmal reinhört, merkt schnell: Das ist kein Zufall, sondern Absicht. 15 neue Songs, ein musikalischer Richtungswechsel, ein poetischer Blick auf das, was uns alle betrifft. Die Liebe – romantisch, freundschaftlich, gesellschaftlich. Und wie sie sich anfühlt, wenn man Vater ist, wenn die Welt brennt, wenn alles gleichzeitig zu viel und zu wenig ist. Im Gespräch erzählt Ariel über den neuen Sound, die Texte, das Vatersein, über Hoffnung als Konzept und darüber, warum „lieben wir“ ein sehr analoges Gegenmodell zur immer perfekteren KI-Musik ist – ohne Technik-Bashing, sondern mit Gefühl.
S3 Ep 16Steintor Herrenchor suchen die Schönheit im Herzschmerz
EMit ihrer aktuellen EP „oh scheiße Gefühle“ liefert die hannoversche Band Steintor Herrenchor einen intensiven, ehrlichen und erstaunlich unironischen Soundtrack für all jene, die sich schon mal in einem Gefühlschaos wiedergefunden haben – oder noch mittendrin stecken. In dieser Folge spreche ich mit Sänger Timon über Musik als Ventil und über das Bedürfnis, nicht alles kontrollieren zu wollen. Wir reden über emotional aufgeladene Post-Punk-Beats, zarte Hoffnungsmomente und über eine ganz eigene Art, sich musikalisch Raum für Schmerz, Sehnsucht und Rastlosigkeit zu schaffen. Timon erzählt, wie es war, aus einer zufälligen Zusammenarbeit eine richtige Band entstehen zu lassen, warum der Begriff „Neue Neue Deutsche Welle“ zwar praktisch, aber auch limitierend ist – und wie sich ihre Musik ganz ohne Rücksicht auf klassische Harmonielehre entwickelt. Außerdem sprechen wir über die ersten Gehversuche der Band, darüber, wie es sich anfühlt, bei Konzerten ein Gefühl der Gemeinsamkeit zu schaffen.