
Ö1 Journal-Panorama
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Ungarn: Orbán vor der Abwahl?
Lange galt er als unbesiegbar und allmächtig: der ungarische Langzeitpremier Viktor Orbán. Seit 16 Jahren regiert seine rechtskonservative FIDESZ-Partei das Land; Demokratie und Rechtsstaatlichkeit wurden in dieser Zeit sukzessive abgebaut, das Land lag im Dauerkonflikt mit der EU. Doch bei den Parlamentswahlen am 12. April könnte es eng für FIDESZ und den Ministerpräsidenten werden: Mit Péter Magyar ist Orbán ein ernstzunehmender Konkurrent erwachsen. Im Wahlkampf verspricht er den Kampf gegen die allgegenwärtige Korruption und die Verbesserung der Infrastruktur, des Gesundheitswesens und der Wirtschaftslage der Ungarinnen und Ungarn. Viele Menschen jubeln dem konservativen FIDESZ-Dissidenten, der die große politische Bühne erst 2024 betreten hat, zu - die meisten Umfragen sehen Magyar deutlich in Führung. Doch ein Wahlsieg ist keine ausgemachte Sache, denn Orbáns FIDESZ-Partei hat das Wahlrecht in den vergangenen Jahren mehrfach geändert, um ihre Machtbasis zur sichern.
Mexiko City: Ein Stadtporträt
Im Aztekenstadion in Mexiko-Stadt wird am 11. Juni das Eröffnungsspiel der Fußball-WM zwischen Mexiko und Südafrika ausgetragen. Damit rückt die mexikanische Hauptstadt weltweit ins mediale Interesse. Neun Millionen Menschen leben im Zentralraum, über 20 Millionen in der gesamten Metropolregion. Mexiko City ist eine der lautesten Städte der Welt, und doch ist es an manchen Plätzen erstaunlich ruhig. Einst durchzogen Kanäle die Stadt, auf den letzten davon gleiten bis heute Kayaks durchs grüne Wasser, am Horizont sieht man majestätische schneebedeckte Vulkane. Sie waren längst da, als noch die Azteken herrschten. Die meisten Seen, die seinerzeit über die Stadt verteilt waren, sind heute allerdings verschwunden.
50 Jahre Apple: Aus der Garage an die Weltspitze
Im Jänner 2007 stand Steve Jobs auf einer Bühne im Moscone-Messezentrum in San Francisco und stellte ein Gerät vor, das die Gesellschaft für immer verändern sollte: das iPhone. Dieses neuartige Telefon löste den Smartphone-Boom aus, die Grundlage des heutigen Social Media-Zeitalters. Apple wurde dadurch zu einem der mächtigsten und wertvollsten Unternehmen der Welt.Steve Jobs hat Apple lange zuvor, bereits am 1. April 1976, gemeinsam mit Ron Wayne und Steve Wozniak gegründet und es vom legendären Garagen-Startup zum Tech-Giganten gemacht. Zum 50. Geburtstag steht Apple aber vor großen Herausforderungen. KI und die US-Politik verändern die Welt radikal, außerdem steht ein Wechsel an der Unternehmensspitze an.
Libanon - Leben im Krieg
Der neue Krieg im Nahen Osten zieht auch den Libanon wieder in Mitleidenschaft. Nach Angriffen der Hisbollah auf Israel schlägt dessen Armee zurück, kontrolliert den Luftraum und Gebiete im Süden des Landes. Es gibt bereits mehr als 1000 Tote. Und mehr als eine Million Menschen sind schon vertrieben worden. Sie schlafen unter freiem Himmel oder in selbstgebauten Zelten auf der Straße. Weil der Staat kein Geld hat, springen Hilfsorganisationen bei ihrer Versorgung ein. Und obwohl der Frust über die Terrororganisation Hisbollah hoch ist, ist die Angst vor einer erneuten israelischen Besatzung größer. Den Vertriebenen droht, nicht mehr zurück nach Hause zu kommen.
Tod auf Wunsch? Kanada und die Sterbehilfe
Saldo: Folgen der Energiekrise
Seit dem Beginn des Krieges im Iran steigen die Gas- und Rohölpreise an den weltweiten Handelsbörsen massiv an. Das hat Folgen, die weit über die Preisanstiege an den Tankstellen hinausreichen. Da die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern noch immer sehr groß ist, wirken sich deren Kosten auf fast alle Wirtschafts- und Lebensbereiche aus - vom Heizen über die Stahl-, Papier-, Lebensmittel- und Futtermittelproduktion bis hin zu höheren Transportkosten.Die Regierung versucht durch Preisbremsen gegenzusteuern. Aber reicht das? Wie sehr ist unsere Wirtschaft bedroht? Ist die Versorgung gesichert? Zu welchem Preis?Darüber diskutieren:Walter Boltz, EnergieexperteElisabeth Zehetner, Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium (ÖVP)Sigrid Stagl, Umweltökonomin (WU Wien)Monika Köppl-Turyna, Wirtschaftsforscherin (EcoAustria)Diskussionsleitung: Christoph Danninger
Budapest/Sofia/Zagreb - Drei Bürgermeister unter Druck
In Ungarn, Kroatien, Bulgarien gibt es konservative oder rechtspopulistische Regierungen (in Bulgarien aktuell eine Übergangsregierung). In den jeweiligen Hauptstädten ist das anders: Budapest, Zagreb und Sofia haben oppositionelle Bürgermeister aus dem linksliberalen bis grünen Lager gewählt.Konflikte zwischen Hauptstadt und Regierung sind programmiert. Oft geht es ums Geld, weil zum Beispiel die Zentralregierung Zuschüsse für die Stadt kürzt. Darüberhinaus wird auch gerne die Justiz bemüht: So ist etwa der Budapester Bürgermeister angeklagt, weil er die sogenannte Prideparade in seiner Stadt gegen den Willen der Regierung durchgesetzt hat. Der Bürgermeister von Zagreb wiederum steht unter Beschuss, weil er den Auftritt eines rechten Rocksängers unterbinden wollte.
Klartext: Arbeitsmarkt im Wandel
Im Jahr 2050 werden in Österreich rund 120.000 Erwerbspersonen fehlen - mit massiven Folgen für den Arbeitsmarkt, vor denen unlängst AMS-Chef Johannes Kopf gewarnt hat. Hintergrund ist die demografische Entwicklung, unter anderem die niedrige Geburtenrate. Das Thema werde viel zu wenig ernst genommen, mahnt Kopf. Schon jetzt klagen Betriebe über einen Fachkräftemangel. Zugleich liegt Österreich bei der Teilzeitquote im europäischen Spitzenfeld. Wer soll also künftig die Arbeit machen? Welche Branchen sind besonders betroffen? Und wie groß sind die Umbrüche in der Arbeitswelt, die durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz zu erwarten sind?Darüber diskutieren:Julia Bock-Schappelwein, WIFOJohannes Kopf, AMS-VorstandManuela Vollmann, Geschäftsführerin ABZ*AustriaDiskussionsleitung: Monika Feldner-Zimmermann
Berlin und seine vielen Baustellen
Ärmelkanal: Flucht trotz hohen Risikos
Nach wie vor versuchen zehntausende Menschen jedes Jahr von Nordfrankreich über den Ärmelkanal nach Großbritannien zu gelangen. In Städten wie Grande-Synthe oder Loon-Plage leben bis zu 1.500 Menschen in wilden Camps und warten dort auf die Chance auf eine Überfahrt. Etwa 41.000 haben es im vergangenen Jahr auf diesem Weg ins Vereinigte Königreich geschafft. Die französische Polizei hat jetzt ihre Einsatzdoktrin geändert: Sie darf die Boote nun auch noch im Wasser an der Überfahrt hindern – zuvor waren im Meer nur Rettungseinsätze der Behörden erlaubt.
Altkleiderspenden: Second-Hand, Hilfe für Bedürftige oder doch nur Müll?
Am Ende des Winters misten wieder viele ihre Kästen aus und werfen alte Kleider in einen der tausenden Sammelcontainer.Vergangenen Sommer hat allerdings ein Greenpeace-Bericht für Aufsehen gesorgt, wonach nur wenige Altkleider wirklich weiter getragen werden. Vieles lande stattdessen auf Müllbergen in Asien oder Afrika oder werde dort verbrannt. Jene, die über die Altkleidercontainer Spenden sammeln, also Hilfsorganisationen, Gemeinden und Privatbetriebe, versichern hingegen, die Sammlung sei nachhaltig. Aber es würde einfach zu viel billige Kleidung produziert und gekauft, Stichwort Fast Fashion. Anlässlich des Welt-Recycling-Tags am 18. März stellen wir die Frage: Was geschieht mit unseren Altkleiderspenden?(Der Bericht wurde im Dezember 2025 erstmals ausgestrahlt.)
Kontaminiertes Erbe: Über den Umgang mit NS-belasteten Gebäuden
Heute sind sie oft unauffällige Amtsgebäude wie Bezirksgerichte, Polizeistationen oder Büros von Ministerien, an denen man achtlos vorbeigeht. In der Zeit des Nationalsozialismus haben sie aber häufig eine zentrale Rolle gespielt. Menschen wurden in diesen Gebäuden gefangen gehalten, gefoltert oder aus ihnen vertrieben und in Konzentrationslager gebracht. Die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) lässt nun einen Teil ihrer Gebäude historisch aufarbeiten. Fast alle der vom Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung untersuchten Gebäude sind NS-kontaminiert. Die oft schreckliche Geschichte hinter den Fassaden soll nun öffentlich gemacht werden. Weitere NS-belastete Bauten stehen im Blickpunkt: In Braunau am Inn wird im Hitler-Geburtshaus bald eine Polizeistation eröffnet. Und wie soll mit dem „Hitler-Balkon“ am Wiener Heldenplatz umgegangen werden?
Zwischen Tradition und Verkehrswende: Tram-Großmacht Tschechien
Der Prager Nahverkehr gehört mit seiner Netzdichte und dem hohen Takt europaweit zu den Spitzenreitern. Bis heute bilden Straßenbahnen das Rückgrat des Netzes. Sie fahren über Kopfsteinpflastergassen bis in die hintersten Winkel der Stadt, sind eine beliebte Touristenattraktion – und für die Einheimischen so wichtig, dass ständig neue Straßenbahn-Kilometer gebaut werden. Selbst Franz Kafka hat in seiner Kurzgeschichte „Der Fahrgast“ die Tram in den Mittelpunkt gestellt. Aus Tschechien stammt ein in ganz Mittel- und Osteuropa verbreitetes Straßenbahnmodell, die Tatra-Reihe. Auch heute noch liefern tschechische Firmen neue Trams nach ganz Europa.Doch gleichzeitig ist Tschechien ein Autoland: Seit kurzem sitzen die „Motoristé sobe“, die Autofahrer-Partei, als Junior-Koalitionspartner im Kabinett von Ministerpräsident Andrej Babiš. Der Gedanke an eine Verkehrswende behagt längst nicht allen im Land.
Südafrikas Pinguine verhungern
Früher haben hunderttausende sogenannte Brillenpinguine die Inseln und Küsten Südafrikas bevölkert. Heute steht der Afrikanische Pinguin auf der roten Liste der bedrohten Arten. In der Wildnis gibt es nur noch 8.000 brütende Paare. Zigtausende dürften verhungert sein. Die Vögel sind stark auf Sardinen angewiesen, durch den Klimawandel mit steigenden Meerestemperaturen werden die seltener. Wissenschafter:innen warnen: Wenn nichts passiert, wird der Brillenpinguin in den nächsten zehn Jahren ausgestorben sein. Südafrikanische Tierschutzorganisationen sind emsig dabei, das Schlimmste zu verhindern. Sie päppeln kranke oder verletzte Tiere in Rettungsstationen wieder auf und betreiben Brutprogramme - verlassene Pinguineier werden ausgebrütet und die Küken dann solange versorgt, bis man sie auswildern kann.
Klartext: Über die Sinnhaftigkeit von Markteingriffen bei Treibstoffpreisen
Im Krieg der USA und Israels gegen den Iran zeichnet sich kein rasches Ende ab. Europa als Nachbar der Konfliktregion musste sich bisher mit der Rolle des Zuschauers begnügen. Dabei ist Europa von den Folgen des Kriegs unmittelbar betroffen: Der steigende Ölpreis schürt Inflations- und Konjunktursorgen, diese schicken Aktienkurse auf Talfahrt. Etliche Staaten diskutieren zwölf Tage nach Kriegsbeginn bereits Markteingriffe. In Österreich nimmt die politische Debatte über Eingriffe in Energiepreise Fahrt auf, schon ist von Steuersenkungen und Deckelungen die Rede. Sind Eingriffe gerechtfertigt? Und ab welchem Zeitpunkt? Gibt es auch andere Instrumente zur Entlastung? Darüber diskutieren: Johannes Benigni, Ölmarkt-Experte Michael Böheim, Ökonom, WIFOBarbara Schuster, stv. Chefökonomin, Momentum Institut
15 Jahre Fukushima-Katastrophe: Japan setzt wieder auf Atomkraft
Am 11. März 2011 ereignete sich im Nordosten von Japan das schwerste Erdbeben des 21. Jahrhunderts. Es löste einen verheerenden Tsunami aus, der rund 20.000 Opfer forderte. Tsunami und Beben beschädigten auch das Atomkraftwerk Fukushima Nummer 1 schwer, weite Landstriche wurden radioaktiv kontaminiert. 15 Jahre später setzt Japans Regierung wieder verstärkt auf Atomkraft. Sogar der Stromversorger Tepco, dessen mangelnde Vorsorge für die Atomkatastrophe verantwortlich war, durfte soeben wieder einen Atommeiler in Betrieb nehmen.
Sexuelle Belästigung von Kindern im Internet
Laut einer repräsentativen Umfrage der Initiative "Safer Internet" sind 38 Prozent der 11- bis 17jährigen Kinder und Jugendlichen in Österreich im Netz schon einmal sexuell belästigt worden: Mit intimen Fragen, Dickpics - also der unerwünschten Zusendung von Genitalbildern - oft mit der Aufforderung, doch als Gegenleistung auch Nacktfotos von sich zu schicken. Die meisten Übergriffe passieren in sozialen Netzwerken oder über die Chatfunktionen von Online-Spielen. Pädophile erschleichen sich das Vertrauen von Kindern unter 14 Jahren - mit dem Ziel, Nacktfotos zu bekommen oder zu ihnen sogar einen tatsächlichen Sexualkontakt anzubahnen. Und auch schon Teenager werden Opfer von der sogenannten "Sextortion": Da drohen Täter mit der Veröffentlichung von Nacktbildern oder Porno-Videos, wenn nicht gezahlt wird.
130 Jahre Bergrettung
Seit 130 Jahren gibt es in Österreich die Bergrettung. Es ist eine Organisation von Freiwilligen, die ihre Freizeit für Ausbildung, Übungen und Einsätze zur Verfügung stellen und bei nahezu jedem Wetter und jeder Tages- und Nachtzeit ausrücken. Die Einsätze werden vielfältiger und jedes Jahr mehr. Ein Lawinenabgang war auch vor 130 Jahren, als der Alpinismus in Österreich zu boomen begann, der Auslöser für die Gründung eines organisierten Bergrettungsdienstes.
Wenn Kinder schwer zu tragen haben - Über den Umgang mit Übergewicht
In Österreich lebt rund jedes dritte Kind im Volksschulalter mit Übergewicht oder Adipositas; bei den 10- bis 19-Jährigen ist es ungefähr jeder/ jede vierte. Ursachen sind oft unausgewogene Ernährung und Bewegungsmangel, aber auch psychische Belastungen und genetische Faktoren können eine Rolle spielen. Die Folgen von früher Adipositas sind für Körper und Seele gravierend und belasten die Betroffenen oft ein ganzes Leben lang.Adipositas ist eine Krankheit – frühe Unterstützung ist entscheidend. Zum Welt-Adipositas-Tag am 4. März beleuchten wir die Rolle der Eltern bei kindlicher Adipositas. Wann sollen sie eingreifen – und wie helfen, ohne zu beschämen? Viele Familien erleben ein belastendes Spannungsfeld zwischen Schweigen aus Angst vor Bodyshaming und der Verantwortung, rechtzeitig zu handeln.
Iran: Der Diktator ist tot - und jetzt?
Seit dem Wochenende greifen die USA und Israel den Iran massiv aus der Luft an. Irans Oberster Führer Al Chamenei wurde ebenso getötet wie einige hochrangige politische und militärische Vertreter des Regimes; zahlreiche Regierungsgebäude und Militärstützpunkte wurden bombardiert. Der Iran wehrt sich und greift seinerseits Ziele in Israel und US-Militärbasen in den umliegenden Staaten an. Der Krieg weitet sich bereits aus, die Hisbollah im Libanon ist schon involviert. Ist der Enthauptungsschlag der Anfang vom Ende des iranischen Regimes oder kann es sich trotz allem an der Macht halten? Was ist eigentlich das Kriegsziel, was bedeutet der Krieg für die Menschen im Iran, und welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat der Krieg auf uns in Europa? Darüber diskutieren bei Elisa Vass: Gudrun Harrer, Journalistin und Nahost-ExpertinMatthias Wasinger, Offizier und Militärexperte des BundesheersMartin Weiss, Diplomat, ehemaliger österreichischer Botschafter in den USA und Israel
Klartext: Wenn drei regieren, freut sich der Vierte?
Nach der Nationalratswahl 2024 herrschte in Österreich innenpolitisches Tohuwabohu. Die Regierungsverhandlungen für die erste Dreierkoalition der Geschichte platzten. Einige Zeit lang sah es nach einer blau-schwarzen Regierung aus. Doch dann scheiterte auch das, und vor einem Jahr fanden doch noch ÖVP, SPÖ und NEOS zu einer Koalition zusammen.In den Umfragen ist seither aber die FPÖ Kaiser. Sie liegt in der Gunst der Befragten weit vor den Regierungsparteien. Warum eigentlich? Was hat die Dreierkoalition in ihrem ersten Regierungsjahr geschafft, und welche Herausforderungen liegen vor ihr? Zeigen sich erste Risse im harmonischen Außenbild - Stichwort: Volksbefragungs-Dissonanzen - oder kann sie langfristig im Kampf gegen Wirtschaftskrise, Inflation und Probleme im Sozialbereich doch noch Zustimmung erreichen und ein bisschen glänzen?Darüber diskutieren bei Astrid Plank:Gernot Bauer, profilThomas Hofer, PolitikberaterMaria Zimmermann, Salzburger Nachrichten
Sprungbrett oder Armutsfalle? Was bringt die Einschränkung des Zuverdiensts?
Wer Arbeitslosengeld oder Notstandshilfe bezieht, darf seit Anfang des Jahres keinem geringfügigen Nebenerwerb mehr nachgehen. Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel – und so ist es auch hier. Doch die Fälle, in denen weiter dazuverdient werden darf, sind restriktiv abgesteckt. Das macht das Ganze nochmals komplizierter und sorgt für große Verwirrung und Unsicherheit. Der Kreis der Betroffenen ist sehr divers. In den vergangenen Monaten haben vor allem Kunstschaffende auf die harten Konsequenzen aufmerksam gemacht, die durch diese Reform auf sie zukommen. Ihre Branche ist bei weitem nicht die einzige, die es tangiert.Regierung und Arbeitsmarktservice versprechen sich Einsparungen und eine Arbeitsmarktbelebung. Die Politik beruft sich dabei auf Studien des Wirtschaftsforschungsinstituts WIFO. Eben diese Analysen zeichnen aber ein weitaus komplexeres Bild, zum Beispiel auch, was die Folgekosten dieser Neuregelung betrifft.
Bulgarien: Erziehung zu Tugend und Frömmigkeit
Ein neues Schulfach sorgt für Debatten über den politischen Kurs des Landes.Bulgarien will das Schulfach "Tugend und Religion" verpflichtend einführen. Der Staat soll im Bereich der Erziehung und Moral direkter eingreifen, meinen Regierende und Lehrkräfte. Als Begründung nennen sie steigende Jugendkriminalität und aggressives Verhalten in der Schule. Expert:innen und Oppositionelle befürchten eine gezielte Offensive gegen Liberalismus und Demokratie. Sie glauben, dass unter anderem Russland versucht, über den Religions- und Russischunterricht auf junge Menschen in Bulgarien Einfluss zu nehmen.
Klartext: Über die Zukunft des alpinen Skisports in Österreich
Die Bundesregierung hat sich in ihrem Regierungsprogramm zur österreichischen Positionierung als Skination Nummer eins bekannt. Nach dem letzten Alpinbewerb bei den Olympischen Winterspielen in Milano Cortina 2026 steht fest: Österreichs Alpin-Team hat eher bescheiden abgeschnitten. Dazu kommen Nachwuchs-Probleme – immer weniger Kinder, vor allem aus dem Osten Österreichs, lernen Skifahren, viele Familien können oder wollen sich den Skisport nicht mehr leisten. Der Klimawandel mit milden und schneearmen Wintern tut das Übrige. Hat der Skisport in Österreich noch eine identitätsstiftende Funktion? Was muss unternommen werden, damit Österreich eine Skination bleibt? Und ist das überhaupt nötig?Darüber diskutieren:Christian Abenthung, Generalsekretär Snowsport Austria, Dachverband der österreichischen SkilehrerverbändeRenate Götschl, Präsidentin Landesskiverband Steiermark und ehemalige Ski-RennläuferinRudolf Müllner, Historiker und Sportwissenschafter, Universität Wien
Wie die "Wendekinder" die DDR-Erinnerung übernehmen
Die Teilung und die Wiedervereinigung Deutschlands zeitigen bis heute Folgen in vielerlei Hinsicht. „Wendekinder“, die einen Teil ihrer Jugend in der DDR oder unmittelbar nach dem Mauerfall erlebten, leiden laut Soziolog:innen mitunter noch heute an mentalen oder physischen Problemen. Die politischen Folgen zeigen sich in den Erfolgen der Ost-West-Polarisierung durch die AfD und - im Vorfeld der vier kommenden Landtagswahlen - an hitzigen Wortgefechten zwischen „Nostalgikern“ und denen, die die DDR ausschließlich als Unrechtsregime ansehen.Die Generation der „Wendekinder“ will sich jetzt mit Initiativen verschiedenster Art stärker in die Erinnerungsdebatte einbringen und der Frage nachgehen, was aus der deutsch-deutschen Geschichte für die Gegenwart zu lernen ist.
Ukraine: Vier Jahre Krieg und kein Ende?
Am 24.2.2022 hat Russland die Ukraine mit einem Großangriff überzogen; was als Blitzkrieg geplant war, dauert bis heute an und ist längst zum Abnützungskrieg geworden. Schätzungen zufolge wurden rund 400.000 Soldaten auf beiden Seiten sowie tausende Zivilisten getötet und doppelt so viele verwundet. Für die Menschen in der Ukraine hat der jahrelange Krieg Zerstörung, Gewalt, Verluste und Angst und eine psychische Dauerbelastung gebracht. Über 6 Millionen Ukrainer:innen haben ihr Land verlassen.Russland zerstört gezielt die ukrainische Energie-Infrastruktur und stößt langsam, aber stetig weiter auf ukrainisches Territorium vor; die russisch-ukrainischen Gesrpäche unter Vermittlung der USA haben bisher keine greifbaren Ergebnisse gebracht, doch US-Präsident Trump macht Druck: Er möchte ein Kriegsende bis Juni. Wie kann es weitergehen? Wie lange können die Menschen in der Ukraine noch durchhalten? Und wie kann man sich die Verhandlungen zwischen den beiden Kriegsparteien vorstellen?
Geheilt, aber nicht gesund: Junge Survivors nach Krebs
Die Diagnose "Krebs" ist speziell für junge Menschen besonders beängstigend. Jedes Jahr wird in Österreich rund 320 Mal bei unter 18jährigen die Krankheit festgestellt. 80 Prozent der jungen Patient:innen überleben, die Lebensspanne danach wurde bisher zu wenig beachtet. Denn etwa zwei Drittel dieser Survivors- so nennen sich Menschen, die den Krebs hinter sich haben - leiden unter Spätfolgen, verursacht durch den Krebs selbst oder durch die Behandlung.Auf ihr Recht auf adäquate gesundheitliche Versorgung, gesellschaftliche Teilhabe, auf Integration am Arbeitsmarkt und auf ein selbstbestimmtes Leben will der Internationale Kinderkrebstag am 15. Februar hinweisen. Es gibt zahlreiche Organisationen und Initiativen, die diese Menschen engagiert unterstützen. Was noch fehlt, ist ein breites Bewusstsein in der Gesellschaft für die Bedürfnisse dieser jungen Menschen. Denn viele von ihnen sind zwar geheilt, aber nicht gesund.
Klartext: Die Schule der Zukunft - weniger Latein, mehr KI?
Bildungsminister Christoph Wiederkehr hat einen größeren Umbau der Lehrpläne angekündigt. Künstliche Intelligenz soll künftig mehr Raum bekommen, Unterrichtsstunden für Latein bzw. die zweite lebende Fremdsprache sollen in den Gymnasien hingegen gekürzt werden.Die Entrüstung ist bei AHS-Leher:innen groß, sie sprechen von einem Anschlag auf die Gymnasien. Prominente aus Wissenschaft und Kultur haben eine Petition gegen die Kürzungen unterschrieben, Latein sei Basis unseres Denkens. Zustimmung für Wiederkehrs Pläne kommt hingegen vonseiten der Wirtschaft. Wie wichtig ist Latein-Unterricht heute? Sind die Lehrpläne noch zeitgemäß? Und was soll Schule vermitteln?Darüber diskutieren:Farah Denno, AHS-Landesschulsprecherin (Wien)Martina von Künsberg Sarre, stv. Klubobfrau und Bildungssprecherin (NEOS)Clara Ledermann, AHS-Lehrerin (Latein, Deutsch), Verein Sodalitas
Ein neuer Politstar: Japans erste Premierministerin stellt sich den Wählern
Japan wählt am kommenden Sonntag ein neues Parlament. Sanae Takaichi, die erste Premierministerin der Inselnation, hatte die Neuwahlen ausgerufen: Sie strebt eine stabile Mehrheit für ihre rechtskonservative Koalition an. Sie hat gute Chancen, nach drei Premierministern in nur vier Jahren länger zu regieren und Japan ihren Stempel aufzudrücken. Denn wegen ihres Auftretens und Regierungsstils ist die 64-jährige Politikerin binnen weniger Wochen zu einer regelrechten Kultfigur der Politik mit hohen Zustimmungswerten geworden. Allerdings bleibt abzuwarten, ob ihre große Beliebtheit auch ihrer Partei, der LDP, helfen wird. Die seit 1955 fast ununterbrochen regierende Partei hat wegen Skandalen sehr viel Zustimmung verloren, die rechte Kleinpartei Sanseito ist im Aufwind.
Iran: Das größte Blutbad in der modernen Geschichte
Am 9. Jänner befahl Irans oberster Führer Ayatollah Ali Khamenei dem Obersten Nationalen Sicherheitsrat, die wachsenden Proteste niederzuschlagen - mit allen Mitteln.“Wir haben protestiert, weil das Leben unmöglich, unleistbar geworden ist. Nun müssen Familien viel Geld dafür bezahlen, die Leichen ihrer Kinder zu bekommen”, sagt eine junge Frau. Sie trägt schwarz, wie viele andere. Die Menschen im Iran stehen unter Schock, sind voller Trauer und Wut. Das iranische Regime ist geübt darin, Angst zu verbreiten und Widerspruch verstummen zu lassen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Iraner und Iranerinnen ihrem Unmut wieder Luft machen und gegen die Repression aufbegehren. Diesmal kommt der Druck nicht nur von innen: Die USA drohen Teheran mit Militärschlägen.
Georgien: Der Kampf der Regierung gegen die Pressefreiheit
Die Medien in Georgien stehen unter Druck. Vor knapp einem Jahr hat die Regierungspartei „Georgischer Traum“ neue Gesetze eingeführt, die unabhängigen Medien die Arbeit kaum möglich machen. So müssen sich kritische Medien und NGOs als „ausländische Agenten“ registrieren. Viele erinnert dieses Gesetz an das Vorgehen in Russland.Ende November 2024 hat die Regierungspartei „Georgischer Traum“ beschlossen, die EU-Beitrittsverhandlungen nicht mehr fortzusetzen. Tausende Menschen gingen damals auf die Straße, um dagegen zu protestieren. Seitdem wird jeden einzelnen Tag vor dem Parlament demonstriert. Teilweise setzen die Polizei und vermummte Schlägertrupps Gewalt gegen Demonstrierende ein, Medienvertreter:innen werden dabei besonders ins Visier genommen – mit dem Ziel, sie einzuschüchtern. Trotzdem machen sie weiter, tun sich zusammen und zeigen Widerstand.
Saldo: Gefährdet die Bürokratie unseren Wohlstand?
Viele Unternehmen stöhnen unter der zunehmenden Bürokratie. Kritisiert werden nicht nur Überregulierung, zu viele Formulare und behördliche Vorgaben, sondern auch immer mehr und immer kompliziertere Gesetze. Das geht zu Lasten der Wettbewerbsfähigkeit. Wirtschaftsforschungsinstitute gehen davon aus, dass der bürokratische Aufwand die Betriebe in Österreich jedes Jahr bis zu 15 Milliarden Euro kostet. Nicht nur Bürgerinnen und Bürger, sondern auch die Behörden selbst leiden oft unter dem „Amtsschimmel“. Die Regierung hat nun eine groß angelegte Entbürokratisierung angekündigt. Ein Gastwirt und eine Bürgermeisterin schildern ihren Alltag mit der Überregulierung. Außerdem diskutiert die Managerin Sabine Herlitschka mit dem Entbürokratisierungs-Staatssekretär Sepp Schellhorn (NEOS) über die Regierungspläne zum Bürokratieabbau.
Klartext: Social Media-Verbot - Hilfreich oder übertrieben?
Die Regierung möchte in Österreich ab nächstem Schuljahr ein Social Media-Verbot für Kinder und junge Jugendliche einführen. Auch in anderen Ländern wird ein solches Verbot erwogen, Australien hat es bereits eingeführt.Was spricht dafür, was dagegen? Ist ein Verbot überhaupt technisch umsetzbar? Wäre es besser, wenn die Eltern die Oberhoheit über die Smartphones ihrer Kinder behalten, oder sollen gesetzliche Vorschriften greifen? Darüber diskutieren: Barbara Buchegger, "Safer Internet"Paul Plener, Kinder- und JugendpsychiaterManuela Langenreither, Dachverband der Elternvereine für PflichtschulenDiskussionsleitung: Astrid Plank
Kuba: Leben im ständigen Mangel
US-Präsident Donald Trumps Militärtruppen hatten kaum Caracas angegriffen und Venezuelas Machthaber Maduro und seine Frau entführt, da drohte Trump schon einem weiteren lateinamerikanischen Land mit einem aus US-Sicht unliebsamen Regime. „Kuba wird bald fallen“, sagte er direkt nach seinem Schlag gegen Venezuela und etwas später: „Kuba soll einen Deal machen, bevor es zu spät ist“. Schon jetzt leidet der Inselstaat in der Karibik, der seit 65 Jahren kommunistisch regiert ist, unter einer schweren Wirtschaftskrise, bedingt durch eigene Misswirtschaft und jahrzehntelange US-Sanktionen. Unter Trumps Druck auf Venezuela bleiben zudem die dringend benötigten Ölimporte aus. Doch die Menschen begegnen dem Leid mit viel Resilienz.
Tunesien und die arabische Welt 15 Jahre nach dem Arabischen Frühling
Vor 15 Jahren verließ Tunesiens Diktator Zine el-Abidine Ben Ali sein Land, nach 23 langen Jahren an der Macht. Sein Abgang war die unmittelbare Folge anhaltender Proteste, die das Regime nicht mehr eindämmen konnte. Mit der Selbstverbrennung des Gemüsehändlers Mohamed Bouazizi in der Stadt Sidi Bouzid hatte all das im Dezember 2010 begonnen. Was folgte, war eine Reihe von anfänglich erfolgreichen Aufständen in der arabischen Welt. Der sogenannte Arabische Frühling hatte begonnen. Tunesien bescherte er eine der freiheitlichsten Verfassungen der arabischen Welt. Was ist dort, wo alles begann, davon geblieben? Reportage aus Tunesien + Gespräch über die (enttäuschten) Hoffnungen in der gesamten Arabischen Welt 15 Jahre nach Beginn des Arabischen Frühlings mit ORF-Korrespondent Karim El Gawhary
Klartext: Wehrdienstverlängerung - Pro und Contra
Krieg in der Ukraine, die USA als einstiger Verbündeter wenden sich immer mehr von Europa ab, hybride Bedrohungen: Die Welt ist unsicherer geworden und das österreichische Bundesheer ist dafür nicht gut aufgestellt. Diesen Schluss zieht die Wehrdienstkommission und empfiehlt, den Wehrdienst zu verlängern, inklusive zusätzlicher Übungen. Ein Arbeitsauftrag für die Politik, der an Tabus rüttelt. Doch wird die Regierung das wirklich angehen? Ist eine Verlängerung des Wehrdienstes die einzige Lösung, um Österreich verteidigungsfähig zu machen? Und was würde sie für die Zivildiener bedeuten?Darüber diskutieren:Walter Feichtinger, Mitglied der Wehrdienst-KommissionGerald Fitz, Geschäftsführer Arbeiter-Samariter-BundAnna Schwabegger, BundesjugendvertretungBarbara Tóth, Journalistin "Falter"Diskussionsleitung: Niklas Lercher
Gorongosa: Wiederaufbau im Nationalpark
Der Gorongosa-Nationalpark in Mosambik war bis in die 1970er Jahre ein Besuchermagnet für reiche westliche Touristen. Doch im folgenden langjährigen Bürgerkrieg wurde der Park quasi leergewildert. Die Tiere dienten als Nahrungsmittel für Soldaten auf allen Seiten, außerdem wurde der Park vermint und verwüstet, er musste schließen. Seit etwa zwei Jahrzehnten wird er nun wiederaufgebaut. Wildtiere, darunter die sogenannten „Big Five“ – Elefant, Löwe und Co - sind wieder da. Ein reicher amerikanischer Tech-Unternehmer hat Teile seines großen Vermögens dafür gespendet. Ranger schützen jetzt die Wildnis und die Bewohner:innen der Dörfer bekommen Schulen und Jobs. Doch obwohl das wie ein Erfolgsmodell wirkt, gibt es nach wie vor auch Armut, Hunger und Konflikte. Die lokale Bevölkerung sieht den Park teilweise als von außen aufgedrängt. Ist der Wiederaufbau ein Sieg für die Natur – oder doch eine neue Form von quasi-imperialistischer Einflussnahme und Ungleichheit?
Heute Venezuela, morgen Gränland, übermorgen Kuba? Der neue US-Imperialismus
Seit Donald Trump vor einem Jahr für seine zweite Amtszeit ins Weiße Haus in Washington eingezogen ist, hat er die Welt verändert – und vielfach auch in Angst und Schrecken versetzt. Besonders hoch ist die Schlagzahl seiner völkerrechtlichen Tabubrüche seit Jahresbeginn: Erst führte das US-Militär in Venezuela eine Militäraktion durch, verhaftete den autoritären Machthaber Nicolas Maduro und verbrachte ihn in die USA. Offenbar beflügelt durch diesen Erfolg, erneuerte der US-Präsident seinen Besitzanspruch auf die zu Dänemark gehörende Arktisinsel Grönland und untermauerte diesen mit einer militärischen Drohung. Und auch bei den Massenprotesten im Iran, die vom dortigen Regime brutal niedergeschlagen werden, versuchen die USA mitzumischen. Auch Teheran hat Donald Trump mit militärischem Eingreifen gedroht.Was wurde aus "America First"? Welche geopolitischen Absichten stecken hinter den Interventionen und Drohungen? Und welche Schlüsse sollte Europa daraus ziehen?
BR-319: Highway der Zerstörung im Amazonas
Die BR-319 ist eine fast 900 Kilometer lange rote Staubpiste durch das Herz des Amazonasgebietes. Zur Regenzeit verwandelt sich die Straße in eine Schlammpiste, im Sommer wird so viel Staub aufgewirbelt, dass das Atmen schwerfällt. Der schlechte Zustand der Straße diente bisher als Barriere. So blieb der Wald hier noch intakt. Doch das könnte sich bald ändern. Denn die BR-319 soll ausgebaut und durchwegs asphaltiert werden. Umweltschützer fürchten, dass die Straße mehr Goldgräber, Drogenschmuggler und illegale Holzfäller anlocken könnte. Brasiliens Präsident Lula da Silva will die Abholzung im Amazonas zwar stoppen und hat auch schon einiges erreicht. Doch auch er unterstützt das Projekt zum Ausbau der Bundesstraße BR-319.
JP (Keine) Wahl in Uganda
Am 15. Jänner 2026 finden in Uganda Parlaments- und Präsidentenwahlen statt. Präsident Yoweri Museveni ist seit 40 Jahren an der Macht, und er will es auch bleiben. Obwohl sich die rund 50 Millionen Uganderinnen und Ugander Veränderung wünschen und das auch lautstark zum Ausdruck bringen. Ugandas Regierung agiert immer autoritärer und brutaler gegenüber Oppositionellen, Medienleuten, Menschenrechtsaktivistinnen und Jugendlichen, die das Regime kritisieren. Besonders zu spüren bekommt das der Musikstar Bobi Wine, der bei dieser Wahl bereits zum zweiten Mal gegen den alten Langzeitherrscher antritt.
Bulgarien: Ein EU-Land auf dem Weg in die Autokratie?
Bulgarien ist mit 1. Jänner 2026 der Eurozone beigetreten - als 21. EU-Land. Gleichzeitig ist das Land derzeit aber ein echtes Sorgenkind in der EU. Bulgarien ist das ärmste und zweitkorrupteste Land der EU. Und es könnte wieder in die politische Instabilität abdriften. Zwischen den Jahren 2021 und 2024 gab es schon ganze sieben Parlamentswahlen. Und nun ist wieder eine Regierung zurückgetreten, sie war ein knappes Jahr im Amt.Vor dem Regierungsrücktritt hatte es eine Massenprotestwelle gegeben. Viele Bürgerinnen und Bürger gingen gegen Korruption auf die Straße und protestierten gegen den Staatshaushalt für das Jahr 2026. Sie warfen der Regierung vor, viel Geld in korrupte staatliche Kassen umzuschichten und die Bevölkerung mit höheren Steuern und Abgaben zu belasten. In ihren Augen entwickelt sich Bulgarien immer mehr in Richtung Autokratie.
Gälisch: Eine Sprache zwischen Konflikt und Versöhnung
1998 wurde das Karfreitagsabkommen zur Befriedung des Nordirland-Konflikts geschlossen. Die irische Sprache, das Gälische, wurde darin als kulturelles Erbe anerkannt. Seit 2022 ist Gälisch in Nordirland Amtssprache und erlebt gerade ein beispielloses Revival. Vor allem Katholikinnen und Katholiken unterstützen das, weil sie das Verschwinden der Sprache als Ausdruck der britischen Vorherrschaft in Nordirland gesehen haben. Viele Unionisten, Menschen aus der protestantischen Community, fühlen sich durch die irische Sprache zwar nach wie vor in ihrer Identität bedroht – andere aber entdecken das Gälische auch für sich. Historisch betrachtet wurde die Sprache schließlich von allen gesprochen, sie ist Teil der gemeinsamen Kultur und Geschichte. Die alte Sprache könnte nun wieder zur Brücke zwischen den verschiedenen Gruppierungen in Nordirland werden.
Die Besatzungszeit in Österreich 1945-1955: Angst, Alliierte, Wiederaufbau / 2
Zehn Jahre war Österreich nach der Befreiung vom Nationalsozialismus vor 80 Jahren von den Alliierten besetzt. Dieses Kapitel unserer Geschichte hat die Menschen, die noch aus eigenem Erleben von dieser Zeit berichten können, tief geprägt. Die Demarkationslinie am Fluss Enns teilte das Nachkriegsösterreich in zwei Sphären: die sowjetische und die der westlichen Alliierten. Je weiter man nach Westen kommt, desto mehr wurden die Besatzer als Befreier wahrgenommen, unter denen sich das Leben relativ rasch normalisierte. Zeitzeug:innen aus Niederösterreich und Oberösterreich kommen in Teil 2 der Sendereihe zu Wort.
Die Besatzungszeit in Österreich 1945-1955: Angst, Alliierte, Wiederaufbau / 1
Österreich wurde mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs vor 80 Jahren vom Nationalsozialismus befreit. Zugleich begann die Besatzung durch die Siegermächte, die zehn Jahre dauern sollte. Erst mit dem Inkrafttreten des Staatsvertrags im Juli 1955 erlangte Österreich seine staatliche Souveränität wieder. Die Besetzung lief anfangs chaotisch ab. Schon vor Kriegsende eroberten sowjetische Truppen Wien und weite Teile Ostösterreichs, auch die westlichen Alliierten USA, Großbritannien und Frankreich lieferten sich eine Art Wettlauf, bis dann im Juli 1945 die Grenzen der vier Besatzungszonen endgültig feststanden. Wien wurde ab September 1945 von allen vier Alliierten gemeinsam besetzt. Die Bevölkerung kämpfte mit Leid, Hunger, zerstörter Infrastruktur. Die Besatzer halfen beim Wiederaufbau, zugleich fürchtete die Bevölkerung Plünderungen und Übergriffe, viele Frauen wurden vergewaltigt. Zeitzeug:innen aus Wien, der Steiermark und Vorarlberg erinnern sich an die Besatzungszeit.
Buschbrände in Australien
Vor einigen Jahren verwüsteten besonders schlimme Buschfeuer weite Gebiete in Australien. Kangaroo Island war eines davon. Die Insel vor der Südküste gilt als wahres Naturparadies und wird oft das "Galápagos Australiens" genannt. Die Insel von der Größe Mallorcas spiegelt die einzigartige Biodiversität Südaustraliens wider.Die verheerenden Feuersbrünste verwüsteten zwei Drittel der Insel, Bilder toter Wildtiere gingen um die Welt. Doch die "Arche Noah Down Under" hat sich überraschend schnell erholt.In Australien hat man seit Jahrtausenden Erfahrung mit den Wirkungen von Bränden und setzte diese auch gezielt ein. Flammen und Rauch können die Regeneration der Pflanzenwelt unterstützen, auch die Tierwelt hat sich angepasst. Doch das gezielte Abbrennen von Flächen durch die Aborigines wird kaum mehr praktiziert, Feuer kann sich nun oft auf viel größeren Flächen ausbreiten. Ein Bericht von Michael Marek.
Einsamkeit: Wenn Körper und Seele weh tun
Gerade in der Weihnachtszeit fühlen sich viele Menschen einsam. Viele treffen Freunde und Bekannte, am Heiligen Abend und an den Feiertagen danach kommen traditionell die Familien zusammen – da tut es besonders weh, ungewollt alleine zu sein. Aber auch sonst ist Einsamkeit in unseren modernen Gesellschaften zu einem echten Problem geworden. Sie hat schwere gesundheitliche Folgen für den einzelnen - im psychischen wie auch im physischen Bereich. Sie gefährdet den gesellschaftlichen Zusammenhalt und letztlich auch die Demokratie. In Österreich fühlen sich laut den jüngsten Zahlen der Statistik Austria 28% der Bevölkerung zwischen 18 und 74 Jahren gelegentlich einsam, 8% sind meistens oder immer einsam; besonders betroffen sind ältere, aber auch junge Menschen. Immer lauter werden in Österreich die Rufe nach einem nationalen Aktionsplan gegen Einsamkeit, wie ihn auch andere Länder bereits haben. Was tun gegen Einsamkeit?
Klartext Weihnachtsfriede für die Ukraine - entscheidende Tage für Europa
In die Verhandlungen über einen Waffenstillstand oder gar einen Frieden in der Ukraine ist neue Dynamik gekommen. In Berlin haben auf Initiative der Europäer Gespräche mit der Ukraine und den USA stattgefunden – allerdings ohne den Aggressor Russland. Die Rede ist von entscheidenden Fortschritten, die wohl auch den EU-Gipfel der Staats- und Regierungschefinnen und -chefs ab Donnerstag beeinflussen werden. Geht es doch um das eingefrorene russische Vermögen in Europa, immerhin umgerechnet rund 200 Milliarden Euro. Ist das der Hebel, mit dem Russlands Präsident Putin an den Verhandlungstisch gezwungen werden kann? War die neue US-Sicherheitsstrategie ein Weckruf für die Europäer? Und rückt dadurch ein Frieden in der Ukraine nach fast vier Jahren Krieg tatsächlich näher?Darüber diskutieren: Mario Holzner, Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche wiiwKlaus Schwertner, Caritas Wien, derzeit in der UkraineVelina Tchakarova, geopolitische Expertin
Altkleiderspenden: Secondhand, Hilfe für Bedürftige oder doch nur Müll?
Wer kennt es nicht: Der Kasten quillt über, Kleider, Pullis und Hosen sind aus der Mode gekommen und sollen weg. Viele nützen die tausenden Sammelcontainer in Österreich, um ihre Altkleider zu entsorgen – im guten Glauben, dass die Spende bedürftigen Menschen zugutekommt. Im Sommer hat allerdings ein Greenpeace-Bericht für Aufsehen gesorgt, wonach nur wenige gespendete Altkleider wirklich weiter getragen werden, viele würden stattdessen über hunderte, wenn nicht tausende Kilometer in andere europäische Länder, nach Asien oder Afrika geschickt und dort großteils im Müll landen oder verbrannt werden. Gemeinnützige Organisationen, Gemeinden und Privatbetriebe, die die Sammlungen durchführen, betonen hingegen die Nachhaltigkeit der Kleidersammlungen. Verantwortlich für die Müllberge seien vielmehr „Fast Fashion“, Konsumverhalten und fehlende Infrastruktur für Textil-Recycling. Die EU will mit Verordnungen und Richtlinien die Menge an kurzlebiger Kleidung eindämmen.
"Japaner zuerst" - Der Rechtspopulismus erreicht Japan
Die Demokratie in Japan war lange immun gegen den Rechtspopulismus, wie er sich in den USA und Europa ausbreitet. Das änderte sich bei der Teilparlamentswahl im Juli, als die Sanseito, die „Politische-Teilhabe-Partei“, die höchsten Zugewinne erreichte. In der Folge kam es auch in der Regierung zu einem Rechtsruck. Der Wahlkampfslogan „Japaner zuerst“ hatte am Erfolg der Partei großen Anteil. Sie ist erst einige Jahre alt, sieht sich als Kopie der MAGA-Bewegung von Donald Trump bzw. lässt sich auch mit AfD, Rassemblement National und Reform UK vergleichen. Wie kam es zum Aufstieg des Rechtspopulismus in Japan?
Inklusion in der Arbeitswelt: Viele Hürden auf dem Weg zum Traumjob
Jeder Mensch – ob mit oder ohne Behinderungen – hat das Recht auf Arbeit. Für Menschen mit Behinderungen ist es allerdings oft unmöglich, ihren Traumberuf auszuüben. Häufig sind Vorurteile der Grund, warum sie doch nicht eingestellt werden. Viele sind stattdessen in sogenannten Werkstätten beschäftigt, bekommen nur Taschengeld, aber kein Gehalt, oft bleiben ihre wahren Talente und Fähigkeiten ungenützt.Über geförderte Projekte soll es für Menschen mit Behinderungen einfacher werden, die gewünschte Arbeitsstelle zu bekommen. Aber funktioniert diese Umsetzung? Darüber diskutieren: Julia Moser, FmB – Interessensvertretung Frauen* mit BehinderungenBirgit Posch, Firma Brantner Green SolutionsChristina Schneyder, dabei-austria (Dachverband berufliche Inklusion Austria)Peter Traschkowitsch, Gewerkschaft vida