
LEP#120 - UTMB / CCC - French Trail Festival
Kaffeefahrt zum Franzosenhügel
Laufend Entdecken Podcast - Der österreichische Laufpodcast · Florian , Christian & Peter
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Show Notes
Ende August ging die Kaffeefahrt zum Franzosenhügel los. Doch halt, wie kam es dazu?

Die letzten Vorbereitungen und die Anreise
Lange, lange haben sich einige unserer Ultralaufbubble auf den UTMB vorberereitet. Für 2021 endlich gezogen, wurde das ganze letzte Jahr trainiert. (in diversen Folgen nachzuhören). Peter wollte als Support mit nach Chamonix fahren um die tapferen Läufer mit Speis‘, Trank und guter Laune um den Berg zu tragen.

Im Juni eröffnete sich unvermutet eine Möglichkeit der Nachmeldung für die Rennen in Chamonix. Neben Steffen, der sich einen Startplatz für den UTMB gesichert hat, hat auch Peter die Chance ergriffen und war gefühlte 0,3 Minuten nach Anmeldungsöffnung beim CCC angemeldet.
Nachdem die Bestätigungsmail angekommen ist, hat er auch realisiert, dass es nun wohl Zeit wäre nach einem knappen halben Jahr des Extremtaperings und Achillessehnenverhätschelns wieder ein paar Trainings einzuschieben.
Bei nur knackigen 10 Wochen Zeit bis zum Start würde das wohl mal ein Trainingsaufbau der etwas anderen Art werden.
Flo hat derweil seinen Trainingsplan eisern durchgezogen und die Höhenmeter, Distanz und Trainingsdauern waren fein auf das Ziel abgestimmt.
Peter hingegen ging mit ein paar groben Eckpunkten im Kopf in die Folgewochen. Der Dreisprung ins Glück beinhaltete zuerst den Kaltstart mit dem Morgenspaziergang Backyard Ultra (Folge 115) – Fazit „das Bein hält“, danach Schonung und neben ein paar Läufen auch gemeinsames Training mit Steffen, der Bergziege und Martin am Unterberg (das könnte man glatt als seriösen Lauf einordnen). Höhenmeter gab es noch durch x-malige Bisambergrunden. Der zweite Test war der Marathontrail beim KAT100. 60km mit 3000hm – da sollte doch abzulesen sein, ob es ein komplettes Himmelfahrtskommando wird oder das Finish zumindest eine kleine Chance hat. (Folge 119)

Da ging doch glatt auch dieser Lauf gut und die Beine hielten erneut. Dank Conny, der Physiotherapeutin des Vertrauens und einer Massageeinheit von Tom (beide brachten nach dem KAT Peter fast zum unkontrollierten Wasserlassen), konnte auch der Abschluss des „Trainings“ in Angriff genommen werden. 2 Bergläufe, 20x Bisamberg, ein bisschen Beine ausschütteln und ein langer Lauf mit Flo – gefolgt von 2 Wochen Tapering – das muss doch reichen und klappen.
Seriös betrachtet hätte nach diesen Trainingsaufzeichnungen wohl nur ein spielsüchtiger Hasardeur auf psychodelischen Pilzen auf einen erfolgreichen Start beim CCC getippt.
Dann kann es ja losgehen.
Der traurige Start in die Woche
In der Rennwoche rund um den UTMB finden ja bekanntlich mehrere Rennen statt und am zweiten Tag der Wettkämpfe kam es im Rahmen des TDS (145km, 9100 hm – technisch anspruchsvoll) zu einem tragischen Zwischenfall (Zeitungsbericht Kleine Zeitung, iRunFar). Ein tschechischer Läufer stürzte an einer gefährlichen Stelle ab und starb in Folge seiner Verletzungen. Der Lauf wurde für alle, die diese Stelle noch nicht passiert hatten beendet und sie wurden vom letzten Checkpoint davor retour gefahren. Die ersten beendeten den Wettkampf regulär (darunter auch Florian Grasel – Interview Folge 113). Angesichts dieser Tragödie war das Resultat aber nebensächlich. Die in den Folgetagen aufgekommenen Diskussionen in verschiedenen Foren zu diesem Thema mit absolut absurden Aussagen wie „warum wurde nicht fortgesetzt, wir haben alle gezahlt“, „wir wollen einen Gratisstartplatz für das nächste Jahr“ zeigen leider, dass es offenbar auch im Trailsport ein gerüttelt Maß an Fetzenschädeln gibt, denen wohl im Training der eine oder andere Stein zwischen die Ohren gefallen ist.

Die anderen Läufe wurden (auch weil sie auf anderer Strecke stattfinden) regulär durchgeführt. Also ab nach Chamonix.
Der Tag davor
Mit einem Übernachtungszwischenstopp in Kärnten ging es im Bastimobil durch Italien immer Richtung Trailrunners Paradise. Die Stimmung gut und die Autoplaylist voller Ohrwürmer ging es mit EAV, Reinhard Fendrich und jeder Menge Rock ins Aostatal. Bei der Anfahrt zum Mont Blanc Tunnel wurde es im Auto ruhiger und die Voltage stieg merklich. Beim ersten UTMB-Schild am Grenzübergang wurde es allen schlagartig bewusst und auch visuell ins Gesicht gezimmert, dass dieser Lauf stattfindet und alle an der Startlinie stehen werden.
Ein paar Vortunnelstauminuten später und um 50 Tunnelmauteuro erleichtert tuckert der Athletenexpress durch den Mont Blanc Tunnel um Minuten später Chamonix zu erreichen und das kuschelige Zimmer zu beziehen, das nicht zu unrecht in den Bewertungen als „wunderbar für 2 Personen“ beschrieben wurde. Da ist es ja gut, dass die Gruppe aus 4 Personen bestand. Aber sie mögen sich ja alle, also gut geschlichtet und die Betten verteilt.

Da Peter bereits um 0645 im Bus in Richtung Start sitzen sollte, packte er seine Racevest bereits jetzt.

Gemeinsamer Gearcheck erledigt und es hat sogar das noch am gleichen Tag aktivierte „Cold Weather Kit“ Platz. 8 Liter ist aber wirklich nicht viel.
Covidbedingt entfiel dieses Jahr der Check bei der Startnummernausgabe und so war das eine richtig zügige Sache. Einzig die Abholung des GPS-Trackers, den sich Basti um wohlfeile 50 Euro und 150 Euro Kaution dazuoptioniert hat, war etwas langwieriger – da ist noch organisatorische Luft nach oben.
Der Abend klang mit einem gemeinsamen, traditionellen Pizzaessen inkl. zweier Preracebiere mit den Teamkolleg:innen des Team Vegans aus.
CCC
Nach einer bewegenden Trauerminute für den tschechischen Läufer, wurde der CCC um 0900 (bzw. für Peter um 0915) gestartet.

Pünktlich um 0500 beutelt der Wecker Peter nach einer kurzen aber doch recht erholsamen Nacht aus dem Bett und mit Micheles Hilfe, gab es gar noch ein Frühstück bevor es auf den Weg Richtung Bus ging. Kurz vorm Bus schoss es dem müden Burschen in die Synapsen, dass er seine ID-Card im Geldbörserl stecken hat und dieses ist natürlich neben dem Bett in der Unterkunft. Im Laufschritt retour und am Weg Flo angerufen, dass er ihm den Personalausweis bitte runterbringen möge, sonst geht sich der Bus nimmer aus.

Gesagt, getan, erledigt und retour zum Bus – sodele – Alle wach und Adrenalinlevel stimmt nun auch.
Viel zu früh in Courmayeur angekommen, wurden die folgenden 90 Minuten mit Kaffee, Klowarteschlangen (Danke an den Tippgeber, der auf ein WC im Untergeschoß des Sportzentrums hinwies – der erste Held des Tages) und Unterhaltungen mit Mitbewerbern (liebe Grüße an Thomas vom Über das Laufen Podcast) rumgebracht.
Unter dem Startbanner durch ab zum ersten Anstieg.
Der Tête de la Tronche ist der einzige Abschnitt des CCC, der nicht ident mit der UTMB-Route ist.

1500 Höhenmeter auf den ersten 10 Kilometern sind aber auch direkt eine Ansage an die Starter:innen. Der Großteil des Weges wird im Gänsemarsch absolviert und Überholen ist nur selten möglich. Das ist einerseits etwas mühsam, da das eigene Tempo nicht bestimmt werden kann, andererseits ist es für Menschen wie Peter hilfreich, da sie nicht zu schnell starten können.
Die Landschaft wunderschön, die Beine gut, das Wetter perfekt – der Tag lässt sich gut an.

Nach rund 2 Stunden war der 2584 m hohe Berg erklommen und der erste Downhill des Tages zauberte Peter ein Lächeln ins Gesicht. Nur nicht zu schnell – nur nicht zu schnell. Die nächsten Kilometer führten den Bergkamm entlang zum Refugio Bertone und somit retour zur UTMB-Strecke.
Hier war auch die erste Labe. Peters Taktik für diesen Lauf hieß – hinauf nicht zuviel Zeit verlieren, bergab Leute einsammeln aber nicht overpacen und in den Labestationen Stehzeit minimieren.

Also Bertone ohne Hinsetzen hinter sich bringen und das Essen im Gehen erledigen.
Der nächste Abschnitt nach Refugee Bonatti war unspektakulär und auch die nächsten Kilometer bis Arnouvaz, wo sich die nächste Verpflegungstation befand.
Kurz vor Arnouvaz wartete aber ein recht steiler Downhill und Peter konnte nicht anders. Stöcke weg – Handschuhe blieben an und Hurra die Gams – runter durch den Wald. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht war Arnouvaz bald erreicht. Dennoch bemerkte Peter, dass die Kondition nicht endlos sein wird und auch der Laufstil nach der Verletzung nicht optimal ist. Hoffentlich würde das nicht noch zum Problem werden.
Selbe Prozedur wie zuvor und ab Richtung Grand Col Ferret. Soll heissen, ab auf wieder mehr als 2500 Meter. Dieser Pass bildet auch die Grenze zwischen Italien und der Schweiz. Der Anstieg zieht sich doch recht lange und Peter verfolgt seine klassische Bergauftaktik – such dir ein paar Wadl, die ungefähr dein Tempo gehen und hypnotisiere diese bis oben erreicht ist.

Ab 2000m merkt man auch, warum das Kältekit wohl nicht ganz umsonst aktiviert wurde. Obwohl es kurz nach Mittag war, wurden Wind/Regenjacken, lange Ärmel und Handschuhe ausgepackt. Diese Pässe in der Nacht würden wohl das Minus am Thermometer aufblitzen lassen.
Über den Berg und ab auf den längsten Downhill des Laufs. Mit einem 6 Minuten Zwischenstopp in La Fouly in Richtung Champex-Lac, der letzten Einkehr vor den letzten 3 Bergen.
Hier konnte Peter gut Tempo machen und war eigentlich ganz zufrieden. Natürlich war eine gewisse Ermüdung spürbar und gazellenhaft war der Bewegungsablauf wohl nicht mehr. Peter aktivierte nun auch das erste Mal die Playlist und ab hier wurde er von sanften Klängen begleitet (Playlist hier).
Kurz vor Champex-Lac, einem Bergstädtchen auf ca. 1500hm, geht es ein paar hundert Höhenmeter in eben dieses nach oben. Diese Lifebase ist einer der großen Labestationen in denen auch Support erlaubt ist. Peter gönnte sich hier ebenfalls 5 Minuten Pause zum Nachfüllen und Essen fassen. Bisher ging die Taktik gut auf und bei jeder Labe wurden Plätze gut gemacht.
Raus aus dem Zelt und entlang des Sees Richtung Trient. Bevor diese Verpflegungsstelle erreicht wurde, hieß es in 11km wieder rauf auf knapp 2200 Meter und dann wieder runter auf 1200 Meter über dem Meer. Auf diesen 11 Kilometern verspürte Peter auch das erste Mal bewusst ein gewisses beklemmendes Gefühl um die Brust am Anstieg. Das Tempo konnte zwar noch einigermaßen gehalten werden, aber es war richtig mühsam und auch Downhill funktionierte nicht mehr so locker wie gewohnt, obschon er gemeinsam mit einem anderen Läufer das Tempo höher hielt, als ein Großteil der sie umgebenden Läufer:innen, und so ging es weiter nach vorne in der Rangliste. Vielleicht hat er aber hier bereits zu wenig gegessen und hätte wohl da bereits gegensteuern müssen.

Die Labe Trient war mit 11 Minuten Eingang zu Ausgang auch die bisher langsamste – da wurde auch ein Sitzplatz in Anspruch genommen und Peter versuchte den Puls unter Kontrolle zu bekommen.

The Walking Dead
Vom Sitzen wird es nicht besser, also raus aus der Labe und auffi aufn Berg. Es warten wieder ein ca. 800hm Anstieg (und das auf ca. 4 km) und einem nachfolgenden Abstieg von ca. 6-7 km. Dieser Aufstieg zog Peter den Stecker. Bereits in der ersten Kurve im Wald blieb er stehen, dachte kurz über diesen Schwachsinn nach, setzte 2 Sprachnachrichten ab, bevor er mit sich übereinkam, dass das jetzt halt auch nix bringt und es wohl weitergehen muss. Die folgenden Kilometer erinnerten sowohl in Tempo als auch in Eleganz an The walking Dead und Peter stand sich quasi nach oben. Als Gehen konnte man ja Kilometerzeiten zwischen 18 und 23 min / km nicht mehr werten. Die UTMB-Tabelle wirft hier auch knackige 2,8 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit aus. Der Brustkorb eng, die Luft knapp, das Gefühl sagt – probier ein Gel und du wirst es mit einem weiten Bogen wieder aus dir raus katapultieren, also lassen wir es wohl. Ein Drama – so war das nicht geplant. Kurz vor dem höchsten Punkt gibt es einen Kontrollpunkt, der eigentlich nicht als Pausenstelle geplant ist. Ist Peter aber wurscht. Ein erschöpftes Bonjour in die Runde geröchelt, quittierte er die Frage, ob er sich kurz auf die Bank setzen möchte, mit einem Kopfnicken und ließ sich auf die Bierbank plumpsen. Die Dame vor Ort fragte ab, ob im schwindelig ist oder ob es irgendwie ernster ist, aber es war wohl nur energielose Erschöpfung und das darf kein Grund sein, nicht weiterzugehen. Es soll ja nach La Flegere gehen.

Bereits seit Champex Lac wiederholte Peter seine zwei Mantras dieses Laufs: „finish strong – du willst den letzten Downhill geniessen“ und „nur bis La Fleschär und du bist durch“… „nur bis La Fleschär“…“nur bis La Fletschere….verdammt blöde Sprache – la Fleschär“
Dieses La Flegere war aber zu diesem Zeitpunkt gefühlt ewig entfernt. Es musste aber weitergehen. Um 22xx ist es auf mehr als 2000 Meter auch nicht gerade muckelig und jede Minute sitzen macht es nicht besser. Weiter, weiter, der Downhill kommt und obwohl es wieder langsam läuft, wurde er zum ersten mal in diesem Wettkampf bergab von einigen Läufer:innen überholt. Da schrillten nun endgültig alle Alarmglocken.
Nachdenken was es sein könnte und versuchen die Liste der möglichen Ursachen durchzugehen und bestenfalls eine Lösung finden.
Irgendwie hinein in die Verpflegungsstelle und wie bisher Cola, Wasser, Obst und Riegel holen. Da diese Essensvariante ja offenbar zum aktuellen Zustand geführt hat, musste auch noch was anderes her – Clif Bar rein, Gel rein ohne Rücksicht auf eine mögliche, schnelle Retournierung durch den Magen – 2 Zitronen essen – eine Salztablette in den Korpus – nachtrinken – noch ein Gel. So schnell es sich anhört, so langsam muss es gewesen sein, denn die Timetable sagt 30 Minuten Stehzeit und Peter hat bis heute keine Ahnung, was er in dieser Zeit gemacht hat – offenbar ein bisschen Essen und sonst eher nix.

Irgendwann und irgendwie raus aus dem Zelt und hin zum finalen 900 hm Anstieg hoch nach La Flegere (und auch nach dem 1000 Mal vorsagen war jede 8 Wiederholung nicht La Fleschär, sondern La Fletschere – wasn Mistwort).
Als es am Fluss von Vallorcine entlang aus der Ortschaft und Richtung Berg ging, überholte ein Argentinier Peter. Dieser wurde zum unfreiwilligen Pacer für den kompletten Anstieg. Seine ähnliche Pace und Schrittfolge machte sich Peter zu Nutze und er fokussierte sich nur auf die Beine des vor ihm befindlichen Athleten. Der Anstieg war zwar gleichmäßig, aber eine endlose steinige Treppenähnliche Abfolge von Serpentinen, die nochmal richtig steil nach oben zeigte. Von unten war ein Glühwürmchenzug ohne erkennbares oberes Ende zu sehen – es war hier auch schon nach Mitternacht.

Die zwischenzeitlich möglichen, aber auch im Vorfeld bereits eher utopischen Sub 18 waren zu diesem Zeitpunkt bereits abgehakt, die Sub 20 sollten gut machbar sein und Durchkommen war in Peters Kopf gegeben – da gab es eigentlich keinen Zweifel mehr.
Nach dem gefühlt endlosen letzten Anstieg, der wie die beiden davor in der Dunkelheit geschah und genausogut in der Stanz, einem Stiegenhaus in Ungarn oder auf einem riesengroßen Berglaufband stattfinden hätte können, beantworteten die beiden Zeitmeßmenschen die Frage „is this the top“ mit einem aufmunterndem „yes – this is the highest point“. Die haben aber nicht gesagt, dass das zwar stimmt, aber nicht bedeutet, dass es nun einfacher wird oder kein Anstieg mehr kommt.
Zuvor aber etwas runter vom Berg und die nächsten 400km, die eigentlich nur 3 oder 4 sind , über Felsplatten und Steine den Berg entlang. In weiter Ferne taucht endlich ein Licht auf, dass ja wohl hoffentlich die Liftstation von diesem La Flegere ist. Ging es gerade rüber? Na aber sicher nicht! In einem weiten Bogen mit ein paar kleinen Gegenanstiegen und dem Durchlaufen eines um die Uhrzeit geschlossenen Almgasthofs ging es zum letzten Hügerl rauf zu der Verpflegung.
Am Eingang wurde Peter darauf hingewiesen, dass er bitte seine Maske aufsetzen soll, aber nachdem er als er danach griff mit einem eleganten Schlenker fast umgefallen ist, hat sich die Dame um entschieden und ihn direkt auf eine Bank gebracht. Vielleicht war die Energie ja noch nicht ganz da.
Nun wurde aber versprochen, dass es wirklich nur mehr bergab gehen sollte. 3 km steil und 5 flach – das waren endlich wieder gute Aussichten. Vielleicht ist Finish Strong ja noch drin…..nicht zu lange aufhalten und runter vom Hügel.
Da ja bereits auf den letzten Berg hinauf ein zweiter Frühling angebrochen ist (auch wenn das die Videos nicht vermuten lassen), wollte Peter nun nochmal alles rausholen, denn sterben kann er tags darauf ja auch noch und weh tun würde es sowieso.
Mit wieder recht flotten Schritten runter, eine zweistellige Zahl an Läufer:innen überholt, ging es auf den finalen Kilometer in Chamonix.
Wie man sich vorstellen kann, ist die Anzahl der Anfeuernden um 4 Uhr morgens überschaubar und so waren bis auf Friends&Family derer, die nun erwartet wurden, nur 1-2 Gruppen an Menschen unterwegs, die wohl gerade aus Bars kamen und Stimmung machten. Ob für die Läufer oder weil sie einfach betrunken waren, ließ sich nicht sagen, aber Peter war das auch egal. Sie waren da und sie machten Stimmung – das reicht.
Um 04:27 nach 19 Stunden 27 Minuten und 30 Sekunden war der Zielbogen durchschritten und Peter holte sich seine Finisherweste, sein Zielbier und die Anspannung fiel ab. CCC – geschafft. Platz 444 von über 2000 Startern – das geht. Ohne Tief wäre da wohl noch ein bisschen was drinnen….aber man will ja nicht undankbar sein 

Als er um 5 Uhr ins Zimmer kam, sich duschte, 2 Stunden aufs Ohr schmiss um rechtzeitig um 0930 in Courmayeur zu sein, waren Flo, Basti, Steffen und Michele bereits seit 11 bzw. 12 Stunden unterwegs…
UTMB

Während Peter schon lief, waren die UTMB Starter noch „entspannt“ im Quartier und bereiteten sich auf ihren Start am Abend vor. Neben dem Quartett rund um Flo (Basti, Michele und Steffen) starteten auch Robert und Christoph in dieses Abenteuer.

Starting Grid
Obwohl sie als Gruppe gemeldet waren, wurden die vier auf 3 Startblöcke aufgeteilt (nach utmb Score). Vorneweg Flo, der um 1700 auf die Reise ging. 30 Minuten später folgten Steffen und Basti und nochmal 30 Minuten später rundete Michele das Ganze ab.
Erste Kilometer

Die Marschtabelle und auch das schlaue Buch über den UTMB sagt: „Wer die ersten Kilometer nach Les Houches läuft will Top 10 laufen oder ein DNF hinlegen“. Flo ist ganz hinten im Startblock gestartet und konsequent alle Anstiege gegangen. Ein Äuzerl schneller waren Basti und Steffen unterwegs und noch ein kleines bisschen flotter war Michele am Weg.
Es rollte und ganz unspektakulär ging es durch die ersten Kilometer. Nach dem ersten Hügel nach Saint Gervais und einem Linksknick geht es ab nach Contamines Montjoie. Hier wartete Flo wie vereinbart auf die beiden Mittelstarter. Gemeinsam wurde der erste große Berg in Angriff genommen.

Group up – Way to Courmayeur
Der Col du Bonhomme startet den UTMB Reigen der hohen Berge. Strikt nach Plan kämpften sich die drei nach oben und die Nacht wurde tatsächlich kalt. Das Kit la froid war wohl nicht unnütz.
Basti tankte immer fleißig ISO in den Labenund irgendwie und irgendwann bemerkte er nebenbei, dass ihm nicht ganz wohl ist. Das hat er kundgetan und auch direkt vergessen.

Michele war zu diesem Zeitpunkt noch alleine unterwegs und hatte sich nach seinem erste kleinen Tief nach ca. 20 km wieder gefangen. Sobald er den ersten großen Anstieg gesehen hat, war sein Kopf wieder besänftigt und es ging bergauf.

Ein bisschen weiter vorne ging es dann auf den Col de la Seigne. Beim autonomen Versuch (UTMB ohne UTMB – Bericht von Geordi und in Folge 063) war der zu flotte Downhill nach Les Chapeux und der folgende Anstieg auf den Col de la Seigne des Zieges Totengräber. Dieses Mal im Downhill mit angezogener Handbremse aber wieder mit dem nach oben drückenden Gefühl aus dem Magen unterwegs, ging es Basti erneut nicht so optimal.
Als Ursache hatte er das oben angesprochene ISO im Verdacht, man munkelt aber, dass auch der Kopf eine gewichtige Rolle gespielt hat. Sollte er denn erneut auf diesem „Saupass“ die Segel streichen?

Mantraartig hatte er sich ja vorgesagt, dass er es dem Berg dieses Mal zeigen wird. Um das mit Nachdruck kund zu tun, sprudelte es im Schwall aus ihm in einer Haarnadelkurve heraus. So kann man natürlich auch ein Statement setzen: „Berg, ich find dich zum Kotzen“.
Zu diesem Zeitpunkt hatte Basti die Einschätzung, dass er zu 95% ein DNF am Ende hinlegen würde. Viel Hoffnung war da nicht in der Nacht. Steffen und Flo haben ihn mental ein wenig aufgerichtet und das mitgebrachte ISO von Flo hat auch ganz gut getan.

Plötzlich auch noch ein „EY, Basti“ von hinten hörend und Michele sehend, war des Bastis Geist wieder aufgerichtet und es konnte Richtung Courmayeur gehen.

Volltanken in Courmayeur
Nach Lac Combal und einem weiteren Anstieg ging es gar steil vom Mont Favre hinunter nach Courmayeur. Die Marschtab