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Edition Zukunft

Edition Zukunft

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Wie werden wir die Korruption los?

Österreich wird derzeit von einer Korruptionsaffäre erschüttert – schon wieder. "So sind wir nicht", sagte Bundespräsident Alexander Van der Bellen, nachdem das Ibiza-Video 2019 ans Tageslicht gekommen war. Aber sind wir wirklich nicht so? Und was könnten wir unternehmen, um Korruption – in Österreich und weltweit – einzudämmen? Dazu ist der Korruptionsexperte Martin Kreutner zu Gast im Podcast Edition Zukunft. Er war Generalsekretär der Internationalen Antikorruptionsakademie in Wien, leitet das Bundesamt für Interne Angelegenheiten und ist Mitinitiator des Antikorruptions-Volksbegehrens. "Korruption steht sicher nicht in der DNA der Österreicherinnen und Österreicher", gibt Kreutner Van der Bellen recht. Was die Kleinkorruption angeht, habe sich hierzulande in den letzten Jahrzehnten sehr viel zum Positiven verändert. Früher sei es durchaus üblich gewesen, bei der Beantragung eines Reisepasses oder einer Gewerbeberechtigung eine Schillingnote dazuzulegen. Auf diese Idee würde heute niemand mehr kommen – und das sei auch gut so, sagt Kreutner. Schließlich freut sich jeder über faire Behandlung. Nur wo maßgebliche Entscheidungsträger aus Politik, Wirtschaft und Medien zusammenkommen und sich Dinge "in fast schon kuscheliger Klüngelei ausschnapsen", scheint Österreich noch ein Problem zu haben, sagt Kreutner. Die Ibiza-Affäre habe das aufgezeigt, die öffentliche Wahrnehmung sich aber vor allem auf zwei Politiker beschränkt. Dabei habe sich nun herausgestellt, "dass die beiden Herren dort offenbar von Dingen gesprochen haben, die sie von anderen aus dem politischen Alltag kennen", sagt der Korruptionsexperte. Was also tun, um Korruption einzudämmen? Die Forschung ist sich einig, dass die Bekämpfung auf vier Säulen fußt: Prävention, Bildung, Sanktionen und internationale Kooperation. Aus anderen Staaten könne man sich durchaus einiges abschauen, "das eine Land, das man als Blaupause nehmen kann", gibt es laut Kreutner allerdings nicht. Die nordischen Länder, Singapur oder Neuseeland stünden aber sehr gut da. "Dort werden Sie es sehr schwer haben, jemanden zur Korruption zu bewegen", sagt Kreutner. Die perfekte Welt werde es zwar nie geben. Die Akzeptanz für Korruption sinkt jedoch. Ge¬rade jetzt öffne sich deshalb ein "Window of Opportunity", im Rahmen dessen man mit einigen wenigen Veränderungen viel erreichen könne.

Oct 15, 202135 min

Warum Killerroboter verboten werden sollten, ehe sie eingesetzt werden

Es gibt eine Gruppe von Menschen, die versucht uns vor Killerrobotern zu schützen. Ihr Problem? Fehlende Aufmerksamkeit und oftmals ein fehlendes Bewusstsein für die Tragweite des Problems. Menschen lassen sich tendenziell nämlich leichter für eine Sache gewinnen, die aktuell schon ein greifbares Problem darstellt, als für solche, die sich noch zu veritablen Problemen entwickeln werden. Deshalb wurde es zu lange verabsäumt der Klimakrise entschieden entgegenzutreten oder Soziale Medien rechtzeitig zu regulieren. Freilich ist es aber auch schwieriger Dinge einmal zu reglementieren, wenn diese schon im Einsatz sind. Ein gutes Beispiel sind Atomwaffen. Spätestens seit der Bombardierung von Hiroshima und Nagasaki weiß die Menschheit um ihre extreme Gefahr. Einmal im Einsatz lassen sie sich Staaten aber auch nur mehr sehr schwer wegnehmen, wie die in vielen Punkten vergleichbare Kampagne für ein Verbot von Atomwaffen immer wieder schmerzhaft lernen muss. Ein möglicher Ausweg aus diesem scheinbaren Dilemma ist die Ächtung. Die Ächtung einer ganzen Waffengattung nämlich. Und im Grunde ist es das, was die Kampagne für ein Verbot von Killerrobotern erreichen möchte. Die autonom agierenden Waffensysteme – die mit dem vereinfachenden Terminus Killerroboter beschrieben werden – seien nämlich gar kein Problem künftiger Generationen mehr, sondern ein reales und riesiges Problem der Gegenwart. Davor warnt Marit Seyer, die Obfrau der Österreichischen Kampagne für ein Killerroboter-Verbot, im Edition-Zukunft-Podcast. Wir müssen sie verbieten, bevor sie vielfach Unschuldige töten, so der Auftrag. Und sie müssten sozial geächtet werden. Am Weg zur vollen Autonomie Sieht man sich die zahlreichen internationalen Beispiele bestehender und bereits in Einsatz befindlicher halbautonomer Waffensysteme an, so lässt sich dieser Eindruck tatsächlich bestätigen. Die Technik wäre wohl bereits ausgereift, um Drohnen oder andere Waffen ganz autonom handeln und töten zu lassen. Vermutlich ist die Präzision aber noch nicht ausgereift genug, sodass man einen enormen Backlash im Falle eines Unfalls zu befürchten hätte. Noch zieren sich die Staaten also, Killerroboter einzusetzen, was noch ein kurzes Zeitfenster für eine etwaige Regulierung oder ein Verbot eröffnet. Dieses zu nützen, dazu will die globale Kampagne aus fast 200 Organisationen ihre jeweiligen Regierungschefs drängen. Seyer fasst die Kernbotschaft der Kampagne so zusammen: "Es geht darum, wer die Entscheidung trifft, ob ein Leben genommen wird. Das ist entweder der Mensch, der Mitgefühl hat und versteht welchen Wert menschliches Leben hat, oder es ist die Maschine, die von einem Algorithmus programmiert wurde und davon überhaupt keine Ahnung hat." Es ist der immer wieder angesprochene "human in the loop", der nach Ansicht der Aktivistinnen und Aktivisten eben keinesfalls aus der Tötungsschleife genommen werden dürfe. Ohne das dem Menschen inhärente schlechte Gewissen beim Töten, würde die Zahl solcher Angriffe drastisch steigen, glaubt auch Thomas Hajnoczi, ehemals Österreichs Botschafter bei der Uno in Genf und später Leiter des Referats für Abrüstungsfragen im Österreichischen Außenministerium. Dass gewisse Grade an Autonomie und KI bei Waffen heutzutage nun einmal dazugehören, wollen weder Seyer noch Hajnoczi bestreiten, es gehe aber um die berühmte rote Linie. Der Mensch bilde diese. Und das Argument von Befürwortern autonomer Waffen, wonach sie keine Fehler machen würden, wie das bei Menschen immer wieder der Fall ist, und dass dadurch menschliches Leid verhindert werden könnte, will Seyer nicht gelten lassen. Das genaue Gegenteil sei der Fall, die Fehleranfälligkeit zu hoch, die Gefahr dass Kinder mit Spritzpistolen oder jeder mit einem Turban angegriffen werde, oder auch dass es zu schlichten Verwechslungen sich ähnlich sehender Menschen komme, schlicht und ergreifend zu hoch, so die Obfrau.

Oct 1, 202134 min

Wie Literatur Krisen und Kriege vorhersagen soll

Kassandra ist eine tragische Figur in der Mythologie. Die Tochter des trojanischen Königs Priamos und Schwester von Hektor und Paris war von überwältigender Schönheit gesegnet, weshalb ihr der Gott Apollon die Gabe der Weissagung schenkte. Auch Apollon selbst verliebte sich in Kassandra. Als diese jedoch seine Liebe nicht erwidert, verfluchte er sie: Fortan sollte niemand ihren Weissagungen Glauben schenken. Kassandra sah das Unheil durch das trojanische Pferd voraus, blieb jedoch unerhört. Bis heute werden solche Warnungen als Kassandrarufe bezeichnet. Für den deutschen Literaturwissenschafter Jürgen Wertheimer ist Kassandra Warnung und Inspiration zugleich. Warnung deshalb, weil wir auch heute nicht viel besser darin geworden seien, auf die Kassandras unserer Zeit zu hören – also auf Menschen, die laut Wertheimer in der Lage sind, gesellschaftliche und politische Entwicklungen sehr gut zu beobachten und zu analysieren – und frühzeitig auf die Warnungen zu reagieren. Inspiration, weil Kassandra Namensgeberin und Ausgangspunkt für ein Projekt war, das nicht nur für Wertheimer selbst, sondern wohl auch für viele Beobachter anfangs wie eines der gewagtesten und verrücktesten Unterfangen innerhalb der Zukunftsforschung erschien. Das Ziel: Krisen und Konflikte mithilfe von Literatur frühzeitig zu erkennen. Knapp vier Jahre lang untersuchten Wertheimer und sein Team in Zusammenarbeit mit dem deutschen Verteidigungsministerium Romane. "Wir schauen uns die Eingeweide einer Kultur an, lesen Subtexte, schauen, welche Emotionen die Texte in der Bevölkerung auslösen. Literatur ist ein großes Teleskop, das uns ermöglicht, ins Innere von Menschen zu schauen", sagt Wertheimer im STANDARD-Podcast "Edition Zukunft". Diese Literatur-Analyse soll – ähnlich wie Seismographen – Strukturen herauslesen, die Krisen, Konflikte oder Kriege in unterschiedlichen Regionen der Welt wahrscheinlich machen: Welche Feindbilder und Mythen werden in einer Gesellschaft konstruiert? Welche Rolle spielen Religionen? Wie wird der Sinn der Worte verfälscht, welche Begriffe werden annektiert? Daraus entstehen Prognosen, die in der Lage sind, Konflikte ein bis drei Jahre im Voraus vorherzusehen, sagt Wertheimer. Und was tun mit diesen Informationen? "Damit können wir die sich aufbauenden verlogenen Mythen bereits im Anfang kommunikativ zerstören", sagt Wertheimer. Was er damit meint: Mithilfe von Sprache lässt sich medial eine Gegenbotschaft erzeugen, die deeskalierend wirkt, noch bevor es zu einem Konflikt oder Krieg kommt. Im Podcast spricht Wertheimer außerdem darüber, was seine Forschung zu den aktuellen Entwicklungen in Afghanistan zu sagen hat, wer seiner Meinung nach die Kassandras von heute sind und wie sich die Erkenntnisse künftig auch für Europa nutzen lassen.

Sep 17, 202140 min

Macht der digitale Euro unser Bargeld obsolet?

Dass der E-Euro bald kommt, wird konkreter: Im Juli hat die Europäische Zentralbank eine zweijährige Untersuchungsphase für den digitalen Euro eingeläutet. Die meisten von uns zahlen jedoch bereits mit Karte und überweisen per Banking-App, haben im Alltag also nur mit Online-Transaktionen zu tun und in der Pandemie vermutlich kaum mit Bargeld hantiert. Was wäre denn überhaupt das Neue an einem digitalen Euro, an welchem die EZB basteln möchte? „Mit dem digitalen Euro erlangt Europa eine gewisse Souveränität zurück“, sagt Philipp Sandner, Professor an der Frankfurt School of Finance & Management und Leiter des Frankfurt School Blockchain Center. Damit könnte die Europäische Union eine eigene, digitale Zahlungsinfrastruktur herstellen, ohne auf Kreditkartenunternehmen angewiesen zu sein, sagt der Wirtschaftswissenschafter im STANDARD-Podcast Edition Zukunft. Früh dran ist die EZB mit dem Wunsch einer europaweit einheitlichen digitalen Währung nicht, denn auch die chinesische, US-amerikanische und schwedische Zentralbanken planen bereits jeweils eigene digitale Währungen. Zudem werden Kryptowährungen immer mehr akzeptiert und in El Salvador vielleicht sogar bald staatliches Zahlungsmittel. Läuft die EZB damit einem Zug hinterher, der schon abgefahren ist? Zumindest zu spät „auf’s Radar gepackt“ hätte sie das Thema, sagt Sander. Und welche Risiken birgt der digitale Euro zudem? Haben wir Hackerangriffe oder die technische Überwachung unserer Finanzen durch die Notenbank zu fürchten, wie das kritische Stimmen etwa dem E-Yuan, Chinas digitaler Währung, vorwerfen? Darüber spricht der Wirtschaftswissenschafter im Podcast und erklärt außerdem, wie lange es dauern wird, bis der digitale Euro tatsächlich einsatzbereit ist und man damit im Supermarkt oder einer Bar bezahlen kann, wie die Wallet, also die digitale Geldbörse funktioniert, was ihn von Kryptowährungen wie Bitcoin unterscheidet und ob wir vielleicht bald kein Bargeld mehr nutzen werden.

Sep 3, 202129 min

Warum tun wir uns so schwer über die Klimakrise zu sprechen?

Als das "perfekte Problem" beschreiben Psychologen die Klimakrise, der Wissenschafter Anthony Leiserowitz soll die Eindämmung des Klimawandels sogar als "policy problem from hell" beschrieben haben. Denn die Lage ist verzwickt: Obwohl die Treibhausgase in der Atmosphäre die Welt, in der wir leben, auf den Kopf stellt, geht die Entwicklung langsam und zeitlich verzögert voran. Und überhaupt: Jeder Mensch, jeder Schlot, jede Nation trägt nur einen kleiner Teil zur Erderhitzung bei, weshalb niemand die Schuld bei sich sehen will. Sven Egenter von Klimafakten.de erklärt im Podcast, warum wir die Klimakrise gedanklich so schlecht fassen können, wie man am besten mit Falschinformationen und Scheinargumenten umgeht und warum Katastrophismus eher nicht angebracht ist.

Sep 1, 202142 min

Wie smart soll die Stadt von morgen sein?

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Es hätte die erste Stadt sein sollen, "die aus dem Internet heraus" gebaut wird – so hatte Dan Doctoroff, Chef von Sidewalk Labs, das Stadtentwicklungsprojekt Quayside in Toronto beschrieben. Die Google-Tochter wollte dort einen ganzen Stadtteil nach den eigenen Vorstellungen einer smarten Stadt errichten lassen – inklusive tausender Sensoren und Kameras, die ihre Einwohner auf Schritt und Tritt überwachen. Vergangenes Jahr zog sich Sidewalk Labs wegen der Corona-Krise aus dem Projekt zurück – und Datenschützerinnen atmeten auf. Das Konzept der Smart City sorgt immer wieder für Aufregung. Für die einen ist sie der nächste logische Schritt der urbanen Evolution, die das Leben effizienter machen soll, für andere eine Überwachungsdystopie. Nathalie Klauser Stübi kennt diese Diskussion – und sieht sie gelassen. Sie ist Co-Präsidentin der Smart City Alliance mit Sitz in Basel und diskutiert beim diesjährigen Forum Alpbach über die Vorzüge smarter Städte für den Klimaschutz. Die Smart-City-Bewegung sei anfangs sehr technologiezentriert gewesen und habe sich vor allem rund um Silicon-Valley-Giganten entwickelt. "Da wurde zuerst nicht sehr menschenzentriert gedacht", sagt Klauser. Von dieser Vorstellung, aber auch von den Tech-Konzernen selbst, habe man sich inzwischen gelöst. Die Ziele einer Smart City, wie sie Klauser beschreibt, klingen wie die Utopie einer lebenswerten Stadt: In ihr sollen Bewohner sowohl mit Öffis als auch zu Fuß, mit dem Rad oder – bedingt – mit dem Auto ef fizient unterwegs sein. Sauber soll sie sein, nicht zu laut und nicht zu hell. Wirtschaftlich attraktiv ist sie ebenso, wie sie verschiedenen Lebensentwürfen Raum gibt. Obendrauf sollen auch noch alle Be wohner mitreden und -bestimmen können. Der Weg zu dieser Utopie führt natürlich oft über die Technologie-Schiene. "Aber es gibt ganz viele nichtdigitale smarte Ideen", sagt Klauser. Da wäre zum Beispiel das partizipative Budget, das die brasilianische Stadt Porto Alegre schon 1988 eingeführt hat – lange bevor jemand über Sensoren in Gehsteigen sprach. Die Grundidee, alle Einwohnerinnen und Einwohner über das Budget der damals finanziell stark angeschlagenen Stadt mitentscheiden zu lassen, machte Schule: Heute gibt es weltweit tausende Gemeinden, in denen Bürger mitentscheiden dürfen, wohin ihr Geld fließt. "Es gibt gerade ein Riesen-Revival", sagt Klauser. "Es ist eine alte, aber smarte Idee, die jetzt digitalisiert wird." Auch in der Corona-Krise hätten smarte Städte Stärke zeigen können: Weil Singapur schon früh viele Daten erhoben und verknüpft hat, konnte der Stadtstaat schnell Cluster identifizieren und die Fallzahlen niedrig halten. Auch Städte mit Smart-City-Strategie wie Wien hätten die Krise besser überwunden als andere – zwar nicht, was Infektionszahlen angeht, aber weil sie Anstiege frühzeitig berechnen und Konsequenzen besser abfedern konnten. Die Idealvorstellung einer Smart City sei allerdings auch kulturell bedingt. "Vieles, was in Asien oder den USA als smart gilt, würde unseren Wertvorstellungen – Stichwort Datenschutz – widersprechen", sagt Klauser. In Europa setzen Städte stärker auf digitale Selbstbestimmung und Hybridlösungen. So müsse es zusätzlich zu digitalen Amtswegen stets parallel eine analoge Lösung geben, um niemanden auszuschließen. Auch zu mehr Klimaschutz könne die Smart City beitragen, im merhin sind Städte inzwischen die Hauptquelle von Treibhausgasen und verbrauchen rund 70 Prozent der weltweit erzeugten Energie. Dabei bieten sie insbesondere die Möglichkeit – neben laut Klauser ebenso notwendigen negativen Anreizen wie Umweltsteuern –, auch positive Anreize zu setzen. Sie sollen den Menschen das umweltfreundliche Leben möglichst leicht machen. Dass Kopenhagen weltweit die Fahrradstadt Nummer eins wurde, hängt etwa auch damit zusammen, dass die Ampelanlagen so smart gemacht wurden, dass der emissionsarme Verkehr dort Vorrang hat. Eine Strategie, die sich inzwischen auch

Aug 27, 202128 min

Wie die Pandemie unsere Sprache verändert

Der Inhalt des Duden ist auch eine Geschichte unserer Gesellschaft. 2004 nahm das Wörterbuch etwa das Wort "Googeln" auf, 2017 kamen "Filterblase" und "Selfie" hinzu, 2020 dann unter anderem "Flugscham", "Gendersternchen", "Hatespeech", "Insektensterben", "Klimakrise" oder "Brexiteer". Unter Sprachwissenschafterinnen, Politikern, aber auch in der öffentlichen Debatte lösen die Begriffe regelmäßig heftige Debatten aus. Es ist gewissermaßen ein Kampf zwischen Sprachbewahrern und Spracherneuerern, Konservativen, Liberalen, Progressiven und Aktivistinnen und Aktivisten um nichts weniger als die Deutungshoheit in der deutschen Sprache. Das hat auch die Corona-Pandemie gezeigt, die nach nur wenigen Monaten ihre Spuren in den Wörterbüchern hinterlassen hat. Lockdown, Social Distancing, Ansteckungskette und Herdenimmunität sind bereits fixer Bestandteil des Duden und werden es wahrscheinlich auch in den nächsten Jahren bleiben. Gleichzeitig spricht die Politik schon vom Brückenlockdown oder möglicherweise bald von der Winterruhe. "Krisen verändern unsere Sprache", sagt Oksana Havryliv, Sprachenwissenschafterin an der Universität Wien, im STANDARD-Podcast. Denn durch Krisen entstehe die Notwendigkeit, eine neue Realität zu benennen.

Aug 20, 202125 min

Hilft uns die Gentechnik aus der Klima-Patsche?

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Der Ertrag von Nutzpflanzen steigern, gesunde Inhaltsstoffe erhöhen und die toxische oder allergenen reduzieren, Weizen resistent gegen Schädlinge machen – Ortrun Mittelsten Scheid fallen viele Dinge ein, die man mit Gentechnik anstellen kann. Die Molekularbiologin leitet eine Forschungsgruppe zu epigenetischen Veränderungen in Pflanzen an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Sie ist davon überzeugt, dass die Crispr-Genschere die Welt besser machen könnte – wenn man es nur zulassen würde. Denn viele Menschen und auch die Politik stehen der Gentechnik kritisch gegenüber, in der EU gelten strenge Regeln für gentechnisch veränderte Organismen. Für Mittelsten Scheid ist diese Entscheidung aus wissenschaftlicher Sicht unverständlich. Gentechnik gebe es bereits seit Jahrtausenden – denn auch die gezielte Kreuzung von Kulturpflanzen greife in die DNA von Pflanzen ein. "Ohne Gentechnik wären wir schon längst verhungert", sagt sie im Podcast. Genetisch veränderte Produkte fände man heute in jedem Bioladen. Dabei, so die Biologin, könne mit der Crispr-Genschere viel genauer und schneller gearbeitet werden als mit klassischer Gentechnik, wo man aufwändig mithilfe von Chemikalien oder radioaktiver Strahlung per Zufall tausende unkontrollierte Mutationen entstehen lässt. Die Technologie könne auch dabei helfen, die Landwirtschaft an den Klimawandel anzupassen. Mit der Genschere könnten Pflanzen etwa widerstandsfähiger gegen Trockenheit oder invasive Arten gemacht werden. Weil sie einfacher zu handhaben ist als klassische Gentechnik könnten so lokal angepasste Rassen geschaffen werden, an denen Saatgut-Konzerne, welche die Gentechnik derzeit dominieren, kein finanzielles Interesse haben. Im Podcast spricht die Molekularbiologin außerdem darüber, warum "Superbäume", die enorme Mengen CO2 aus der Luft saugen noch in weiter Ferne sind und warum sie optimistisch gestimmt ist, dass sich die Vorbehalte der Gesellschaft gegenüber Gentechnik bald auflösen werden.

Aug 18, 202129 min

Röcke tragen, Emotionen und Schwäche zeigen: Was Männer beschäftigt

Im Edition-Zukunft-Podcast sprechen wir mit Matthias Tschannett (46) und Benjamin Wagner (31), zwei systemischen Einzel-, Paar- und Familientherapeuten in Ausbildung unter Supervision, über das Thema Männlichkeit. Sie haben im Oktober 2020 die Gruppe der Mannsbuilder gegründet, die sich weniger als Selbsthilfegruppe versteht denn als Treffpunkt für interessierte Männer, die sich laufend mit "Männerthemen" beschäftigen. Dabei sei es bewusst weit definiert, was denn ein solches Thema ist – von Vorbildfunktionen in der Vater- oder Onkelrolle über die femininen Seiten des eigenen Körpers und Wesens bis hin zum Zeigen von Schwäche. Wagner definiert toxische Männlichkeit als ein Gefühl, "sich immer als Mann beweisen zu müssen, vor allem auch gegenüber anderen Männern", gepaart mit einer Ablehnung aller Dinge, die weiblich konnotiert sind. Es gebe aber ohnehin nicht eine Männlichkeit, sondern eine Vielzahl an verschiedenen Männlichkeiten, und Männer sollten auch mehr Gefühle zulassen als "Hunger, Wut und Aggression". Sind Frauen vielleicht sogar ein Stück weiter darin, bestimmte Themen, die ihnen nicht guttun, oder Verhaltensweisen, unter denen sie leiden, zumindest anzusprechen? Für Tschannett haben Frauen diesbezüglich einfach schon einen härteren Weg hinter sich gebracht, mussten sich öfter verteidigen und bestimmte Dinge erkämpfen. Prinzipiell müsse aber natürlich nicht der erste Weg sofort zum Psychotherapeuten führen. Sehr oft reiche es schon, wenn manche Männer es öfter einmal schaffen würden, mit guten Freunden – und nicht nur Frauen – tatsächlich einmal über ihre Gefühle zu reden. Überrascht habe die beiden vor allem, in welcher Häufigkeit der Wunsch von Männern nach weiblich konnotierter Kleidung, Schmuck und Kosmetik wie Röcken oder Nagellack kam, wobei sie uneins sind, ob Männerputzutensilien denn nun etwas Gutes sind oder nicht. Dringenden Aufholbedarf gibt es laut den Mannsbuildern auch noch bei einem sehr heiklen Thema. Nämlich: Wie nähere ich mich als Bursche, junger oder erwachsener Mann Frauen, aber auch generell anderen Menschen, höflich, interessiert und wertschätzend an, ohne dass es übergriffig ist.

Aug 6, 202126 min

Erholungszonen, leistbare Mieten, Durchmischung: Wie kann eine Stadt für alle funktionieren?

Der Yppenplatz in Wien ist nicht nur das Forschungsobjekt von Cornelia Dlabaja, sondern auch ihr Lieblingsort in Wien: "Auf diesem Platz gibt es alles, was eine Stadt ausmacht", sagt die Soziologin und Kulturwissenschafterin. Seit über 15 Jahren beobachtet sie das Gebiet in Wien-Ottakring und forscht zu sozialer Ungleichheit in Städten. Vor allem Menschen, die auf engem Wohnraum leben, muss eine Stadt genügend Zugang zu öffentlichen Erholungsflächen ermöglichen, sagt Dlabaja. Im Podcast spricht sie über die Ungleichverteilung von Grünflächen in der Stadt, warum wir mehr zu Fuß gehen sollten und was menschenfreundliche Städte ausmachen. Und: Die Soziologin erklärt, warum das Reisen nicht nur dem Klima zuliebe neu gedacht werden muss, sondern warum Massentourismus auch Stadtbewohnern schaden kann.

Jul 23, 202137 min

Urban Farming: Kommt das Gemüse bald aus der Stadt?

Man sieht sie in Wien, Graz, Salzburg und und vielen anderen Städten auf der ganzen Welt immer öfter: Gemüsebeete mitten in der Stadt. Urban Farming nennt man es, wenn Kräuter, Obst und Gemüse zwischen Wohnblocks, in Parks oder am Straßenrand wachsen. Seit Jahren ist der Trend zum Stadtbeet ungebrochen. Der Bewegung geht es nicht nur ums Essen. Doch woher kommt die Faszination für das Garteln in der Stadt? Cordula Fötsch vom Wiener Verein Gartenpolylog sieht viele Motive für das Stadtgärtnern. "Viele Menschen wollen wissen, wo ihr Gemüse herkommt", sagt sie im Podcast. "Und das auch ihren Kindern beibringen." Landwirtschaft in der Stadt sei an sich nichts Neues und wurde schon im Mittelalter praktiziert. Erst seit den 1970er-Jahren aber will die Urban-Farming-Community auch als politische Bewegung verstanden werden. Damals eigneten sich Aktivisten in New York verwahrlosten Raum in der Stadt an. Kunstinstallationen und kleine Gärten sollten vor allem die Nachbarschaft zusammenbringen. Der Community-Aspekt ist der Bewegung bis heute erhalten geblieben. Oft bekomme Fötsch aus den Gärten die Rückmeldung, dass aus einer anonymen Nachbarschaft eine richtige Gemeinschaft wird. "Leute erzählen, dass sie zwischen Wohnung und Geschäft plötzlich fünfmal gegrüßt werden", sagt Fötsch. Trotzdem klebt an den Gemeinschaftsgärten oft ein elitäres Image: Warum zäunt man den ohnehin knappen öffentlichen Raum ein, nur damit ein kleiner Kreis seinem Hobby nachgehen kann? "Jeder der ein Auto parkt, eignet sich auch öffentlichen Raum an – und darüber wird viel weniger diskutiert", kontert Fötsch. Dem Bobo-Image arbeite Gartenpolylog entgegen: Der Verein wolle auch sozial und ökonomisch benachteiligte Menschen das Garteln im Grätzel ermöglichen. Schließlich sei es eine Tätigkeit, die sich durch alle sozialen Schichten und Kulturen zieht. Im Podcast spricht Fötsch außerdem darüber, wie man auch ohne grünen Daumen einen Garten starten, wie es mit Tieren in der Stadt aussieht und warum auch Nicht-Gärtner von den Cityfarmen profitieren. Von der Politik fordert sie, die Stadtgärten stärker zu fördern – obwohl Ackerbau am Land wohl immer effizienter sein wird als in der Stadt.

Jul 9, 202121 min

Warum uns Müll auf der Straße so sehr stört

Es gibt kaum einen Ort, an dem wir Müll nicht begegnen: der Aludose, dem Plastik sackerl, der Plastikflasche oder den Zigarettenstummeln, die neben der Straße, im Wald, am Strand, im Garten oder sogar auf den Bergen liegen. Der Müll wirkt meist abstoßend, deplatziert, stört das schöne Bild, das wir von einem Ort haben könnten. "Wir ärgern uns dann, weil wir das Gefühl haben, dass andere achtlos sind", sagt Sabine Pahl, Umweltpsychologin an der Universität Wien im STANDARD-Podcast. Dies habe mit unserem Gefühl von Fairness zu tun: Wenn es andere nicht tun, warum sollte ich mich dann um den Müll kümmern? Es gebe aber auch Menschen, die konstruktiv damit umgehen, den Müll aufheben und diesen entsorgen. "Wenn wir im Alltag auf viel Müll stoßen, kann sich das Aufheben aber schnell überwältigend anfühlen", sagt Pahl. Aber warum werfen Menschen überhaupt Müll auf der Straße oder in der Natur weg? "Es gibt eine kleine Gruppe Menschen, die unachtsam sind, die das nicht interessiert", sagt Pahl. Darunter würden auch jene Menschen fallen, die sich vom Staat und der Gesellschaft vernachlässigt fühlen und so gewissermaßen ihren Unmut zum Ausdruck bringen. Aber schlussendlich könne es auch jedem von uns immer wieder passieren, dass wir Müll auf der Straße oder in der Natur verlieren, so Pahl. Ist das Müllproblem also nur ein Unachtsamkeitsproblem von jedem Einzelnen von uns? Für Pahl ist klar, dass es um mehr geht. "Besonders in Entwicklungsländern sieht man, welche Auswirkungen ein nicht funktionierendes Entsorgungssystem haben kann." Eine Verurteilung von Menschen, die scheinbar achtlos Müll wegwerfen, sei daher in den diesen Fällen meist nicht angebracht. Schließlich habe auch Europa und die dortige Industrie eine Verantwortung, wie viel Müll anfällt und wie viel davon in andere Länder exportiert wird. Was das Recycling betrifft, können laut Pahl oft schon kleine Dinge zu einer Veränderung beitragen: etwa, wie viele Meter entfernt der Abfallcontainer vor unserer Haustür steht. "Die Einfachheit der Entsorgung spielt eine große Rolle", sagt Pahl. Dass es beim Thema Müll hauptsächlich um Plastik geht, schreibt die Expertin der großen Aufmerksamkeit der Medien gegenüber diesem Thema zu. Sie gibt jedoch zu bedenken, dass Plastik auch viele nützliche Funktionen erfüllt, ohne denen unser Wirtschafts- und Gesundheitssystem wohl kaum funktionieren könnte. "Im Vergleich zum Klimawandel oder anderen Umweltproblemen ist das Thema Plastikmüll sicher nicht unsere größte Sorge", sagt Pahl. Außerdem spricht Pahl darüber, warum wir im Supermarkt nicht immer zu dem umweltfreundlicheren Produkt greifen, welchen Beitrag Unternehmen leisten können und wie sich die Umwelt auf unser Wohlbefinden auswirkt. Nebenbei hat sie einen guten Tipp für alle, die mit dem Rauchen aufhören wollen: mehr Zeit in der Natur verbringen.

Jun 25, 202128 min

Computer statt Arzt? Wie künstliche Intelligenz die Medizin verändert

Der Siegeszug der künstlichen Intelligenz (KI) ist auch in der Medizin nicht mehr aufzuhalten. Schon jetzt können Algorithmen bestimmte Krebsarten besser erkennen als Menschen. Im Podcast spricht Horst Hahn, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Digitale Medizin, darüber wie Technologie in Zukunft dabei helfen kann, dass wir gesund werden und bleiben. Die Vorstellung von der humanoiden "Arzt-Maschine" könnte dabei falscher nicht sein. Denn KI ist – wie in den meisten anderen Bereichen auch – vor allem ein nützliches Werkzeug für medizinisches Personal. "Die Aufgaben die wir Menschen als anstrengend oder langweilig empfinden, sind die, die sich am besten automatisieren lassen", sagt Hahn. Im Idealfall führt diese Unterstützung dazu, dass Ärztinnen wieder mehr Zeit für Patienten haben und mehr Menschen den Zugang zu guter Behandlung bekommen. Aber könnte es passieren, dass der Effizienzgewinn verpufft, Ärzte noch gestresster und durch die Technik entmündigt werden? Fest steht jedenfalls: Digitale Medizin ordnet die Beziehung zwischen Arzt und Patientin neu.

Jun 11, 202132 min

Keine Zukunft ohne Gelsen: Warum wir alle Tierarten schützen müssen

"Was hat die Gelse jemals für uns getan?" lautet der Titel des aktuellen Buches der Biologin Frauke Fischer. Im Podcast erklärt sie, warum die Biodiversitätskrise gefährlicher als die Klimakrise ist - und warum Artenschutz vor allem ökonomisch Sinn macht.

May 28, 202134 min

Brauchen wir die Viertagewoche? Und können wir sie uns leisten?

Jede Woche langes Wochenende – und trotzdem gleich viel verdienen. Für manche eine unfinanzierbare Utopie, für andere die logische und überfällige Konsequenz aus gesteigerter Produktivität und nicht im selben Ausmaß gestiegenen Löhnen. Befürworter der Wochenstundenreduktion bringen neben Chancen für positive Beschäftigungseffekte vor allem gesundheitliche Aspekte ins Spiel. So würden Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer deutlich seltener krank, seien deutlich besser erholt und könnten in weniger Zeit mehr wertvolle Arbeit leisten. Spanien wagt jetzt jedenfalls den landesweiten Versuch und testet die Viertagewoche bei vollem Lohnausgleich. Kann das klappen?Darüber sprechen wir mit dem Ökonom Oliver Picek vom sozialliberalen Thinktank Momentum Institut und der Ökonomin Monika Köppl-Turyna vom wirtschaftsliberalen Thinktank Eco Austria.

May 14, 202136 min

Wieso mehr Frauen ins Weltall fliegen sollten

Die Erforschung des Weltalls ist immer noch männlich. 500 Astronauten gab es bisher, aber nur 60 Astronautinnen. Dadurch entgehen uns wichtige Daten, die etwa für Therapien eine Rolle spielen können, sagt die deutsche Raumfahrttechnikerin Claudia Kessler im Podcast-Gespräch. Seit Jahren setzt sie sich mit der Initiative "Die Astronautin" dafür ein, dass mehr Frauen ins Weltall fliegen. Außerdem spricht die Expertin im Edition-Zukunft-Podcast darüber, wann der Weltraumtourismus richtig Fahrt aufnehmen könnte, wie problematisch Weltraummüll ist und was die Raumfahrt zur Bekämpfung des Klimawandels beitragen kann. Schließlich erzählt Kessler auch von ihrem Traum, es eines Tages doch noch ins Weltall zu schaffen.

Apr 30, 202126 min

Laden, aber richtig: Was man bei der E-Tankstelle zuhause beachten muss

bonus

Wer ein Elektroauto hat, will es zu Hause laden. Mit sogenannten Wallboxen macht man die Garage zur persönlichen Tankstelle. Aber was muss man beim Einbau einer solchen beachten? Guido Gluschitsch und Martin Putschögl vom STANDARD erklären im Podcast, wie der Einbau funktioniert, wie viel es kostet und wie viel Geld man vom Staat zurückbekommt. Außerdem sprechen sie über die Probleme, die bei einer Wallbox-Installation im Mehrparteienhaus auftreten können – und über die aktuelle Rechtslage.

Apr 30, 202120 min

Biodiesel vs. Elektro: Was treibt uns in Zukunft an?

bonus

Anfang des Jahrtausends redeten alle noch vom Biosprit: Benzin und Diesel aus nachwachsenden Rohstoffen sollten den Verkehr grüner machen. Seit jeher stehen die Biokraftstoffe aber in der Kritik: Zu viel Fläche würde der Anbau von Energiepflanzen benötigen, die auch für Nahrungsmittel gebraucht werde. Auch die CO₂-Bilanz des Pflanzensprits wurde heftig diskutiert. Heute werden vor allem Elektromobilität und Wasserstoff als Alternativen für fossilen Sprit gepriesen, um Biokraftstoffe ist es ruhig geworden. Haben sie das Rennen um den Titel als Antrieb der Zukunft verloren? Im Podcast diskutieren dazu Harald Sigl von Münzer Bioindustrie und Ute Teufelberger vom Bundesverband Elektromobilität Österreich. Biokraftstoffe hätten sich in den letzten Jahrzehnten weiterentwickelt, sagt Sigl. Anstatt Energiepflanzen anzubauen, könne man heute aus altem Frittierfett umweltfreundliche Treibstoffe herstellen. Im Schwertransport werde es auch in Zukunft flüssige Treibstoffe brauchen, denkt Sigl. "Ich glaube nicht, dass die Ever Given jemals elektrisch fahren wird." Teufelberger hingegen sieht die Zukunft des Pkw- und öffentlichen Verkehrs sowie "den Großteil des Güterverkehrs" elektrisch – auch weil es keine direkten Emissionen gibt. Für ¬andere Antriebe ist sie aber offen, sofern sie nachhaltig sind. "Es gibt keine schlechte Tonne eingespartes CO₂", sagt sie.

Apr 23, 202150 min

Kann reisen jemals grün werden?

Vor zwei Jahren hätte sich wohl niemand gedacht, dass Städte wie Dubrovnik, Venedig oder Hallstatt einmal so leer sein können. Sprach man bis vor kurzem noch vom Overtourism, ist der Tourismus in der Pandemie praktisch zum Erliegen gekommen. Wer im vergangenen Jahr reiste, tat das oft innerhalb Österreichs oder Europa. Könnte der Trend zum regionalen und damit klimaschonenden Reisen bleiben? Stefan Gössling glaubt nicht so recht daran. Er ist Professor für nachhaltigen Tourismus an der Universität Lund in Schweden und forscht seit Jahren zu den Motiven und Auswirkungen des Reisens. Es ist nicht das erste Mal, dass der globale Tourismus einbricht. Auch die Viren Sars und Mers sowie die Finanzkrise 2008/2009 waren Dämpfer für die Branche, die sich aber wieder schnell erholte. Auch nach Corona wird schnell wieder alles beim Alten sein, glaubt Gössling. Für das Klima wird die steigende Anzahl der Touristen zum immer größeren Problem. Der größte Brocken ist dabei das Fliegen. Mit seinem Team hat er ausgerechnet, was die Umstellung auf synthetische Treibstoffe kosten würde. Unleistbar wäre es nicht: Rund 35 Prozent mehr müssten wir für Flugtickets künftig berappen.

Apr 16, 202132 min

Hybrid, Elektro, Wasserstoff: Welcher Antrieb macht das Rennen?

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Der Benzin- und Dieselmotor hat Konkurrenz bekommen: Immer mehr Elektroautos sind aus Österreichs Straßen unterwegs, gleichzeitig wird intensiv an alternativen Antriebsarten wie Wasserstoff oder synthetischen Treibstoffen geforscht. Welcher Antrieb macht das Rennen? Dieter Platzer von Jaguar Land Rover Austria spricht im Podcast bei Guido Gluschitsch über die Antriebe der Zukunft. "Aus technischer Sicht hat der Elektromotor auf jeden Fall gewonnen", sagt Platzer. Doch viele Autokäufer treffen ihre Entscheidung nicht ganz rational – und bei Firmenautos sieht es wieder ganz anders aus.

Apr 16, 202142 min

Sollen wir Gefängnisse abschaffen?

Stellen Sie sich vor, es würde keine Gefängnisse mehr geben. Mörder, Räuber und Vergewaltiger könnten frei herumlaufen – und vielleicht neben Ihnen wohnen oder arbeiten. Aber was wäre, wenn das nicht zu mehr, sondern zu weniger Kriminalität führen würde? Dieser Überzeugung ist der ehemalige Gefängnisdirektor Thomas Galli. Menschen einfach wegzusperren bringe keinem etwas, sagt er im Podcast. Stattdessen sollten wir uns vom Vergeltungsgedanken lösen und alternative Bestrafungen andenken, die mehr auf Resozialisierung und Wiedergutmachung abzielen.

Apr 2, 202136 min

Kritische Rohstoffe: Die dunkle Seite von Solar- und Windanlagen

Egal ob Elektroautos, Windkraftwerke oder Solaranlagen: In all diesen Technologien stecken kritische Rohstoffe wie Lithium, Gallium oder Silizium, die für die Energiewende dringend gebraucht werden, aber oftmals schwer zu bekommen sind. Ein großer Teil der Rohstoffe stammt aus einzelnen Ländern wie China, Chile oder der Demokratischen Republik Kongo. "Immer wieder kommt es beim Abbau der Rohstoffe zu Konflikten, Umweltzerstörungen und Menschenrechtsverletzungen", sagt Karin Küblböck, Ökonomin an der Österreichischen Forschungsstiftung für Internationale Entwicklung in Wien im "Edition Zukunft" Podcast. Ein großer Teil der Verantwortung liege bei europäischen Unternehmen, die in Ländern Südamerikas und Afrikas am Abbau dieser Rohstoffe beteiligt seien. Oft sei wenig transparent, woher die Rohstoffe genau stammen und unter welchen Bedingungen sie abgebaut werden. Auch Regulierungen auf EU-Ebene würden bisher nur einen kleinen Teil der Rohstoffe besser regeln, so Küblböck. Um die Energiewende in Zukunft nachhaltiger zu gestalten, brauche es dringend ein neues Lieferkettengesetz, wie es derzeit etwa auf EU-Ebene diskutiert wird. Darin soll Menschrechtsverletzungen, Zwangsarbeit und Umweltzerstörung in Lieferketten entgegengewirkt werden. Zudem müsse endlich eine funktionierende Kreislaufwirtschaft entstehen, so die Expertin. Von dieser seien sowohl Österreich, als auch die EU bisher noch weit entfernt. Im Podcast spricht Küblböck außerdem darüber, wie sehr die EU künftig von Ländern wie China abhängt, um zu wichtigen Rohstoffen zu kommen und welche Rolle Österreich in der internationalen Rohstoffpolitik spielen kann. Schlussendlich geht es um die Frage: Wie nachhaltig und sauber sind unsere Umwelttechnologien eigentlich? Und geht die Energiewende auch umweltfreundlicher?

Mar 19, 202129 min

Female Choice: Wie sich Frauen ihre Freiheit bei der Partnerwahl zurückholen

Über Jahrtausende seien Frauen von Männern unterdrückt worden, sagt die Biologin Meike Stoverock. Erst die Pille und hunderte Frauenbewegungen haben ihnen wieder mehr Kontrolle über ihr Leben und ihre Partnerschaft gegeben. Durch eine stärkere wirtschaftliche Unabhängigkeit von Frauen und immer mehr Möglichkeiten der Partnerwahl seien Beziehungen längst im Wandel begriffen. Die lebenslange Monogamie habe gewissermaßen ausgedient, stattdessen würden immer mehr Menschen kürzere Beziehungen mit einem oder mehreren Partnern bevorzugen, so Stoverock. Für sie bedeutet das nichts Schlechtes: "Wir müssen uns von den Hoffnungen und Sehnsüchten befreien, dass eine Beziehung bis ans Ende des Lebens halten muss", sagt sie. Die Liebe müsse deshalb aber nicht abhanden kommen. Im Podcast spricht Meike Stoverock außerdem darüber, wieso Männer demütiger werden müssen und wieso für einige Sexroboter wohl die einzige Art der Partnerschaft werden könnten. Außerdem versucht sie die Frage zu beantworten, wie eine Welt aussehen könnte, in der Frauen das Sagen haben. Fest steht: Viele ihrer Thesen werden wohl zu heftigen Diskussionen führen. Ihr kritischer Bick auf die Ehe und ihre stark biologisch geprägte Sichtweise auf die menschliche Partnerschaft stoßen wohl bei so manchen auf Ablehnung. Auch das weiß Stoverock. Wahrscheinlich hat sie gerade deshalb darüber geschrieben. Die lebenslange Monogamie habe gewissermaßen ausgedient, stattdessen würden immer mehr Menschen kürzere Beziehungen mit einem oder mehreren Partnern bevorzugen, so Stoverock. Für sie bedeutet das nichts Schlechtes: "Wir müssen uns von den Hoffnungen und Sehnsüchten befreien, dass eine Beziehung bis ans Ende des Lebens halten muss", sagt sie. Die Liebe müsse deshalb aber nicht abhanden kommen. Im Podcast spricht Meike Stoverock außerdem darüber, wieso Männer demütiger werden müssen und wieso für einige Sexroboter wohl die einzige Art der Partnerschaft werden könnten. Außerdem versucht sie die Frage zu beantworten, wie eine Welt aussehen könnte, in der Frauen das Sagen haben. Fest steht: Viele ihrer Thesen werden wohl zu heftigen Diskussionen führen. Ihr kritischer Bick auf die Ehe und die stark biologisch geprägte Sichtweise auf die menschliche Partnerschaft stößt wohl bei so manchen auf Ablehnung. Auch das weiß Stoverock. Wahrscheinlich hat sie gerade deshalb darüber geschrieben.

Mar 5, 202142 min

"Smart Borders": Totalüberwachung an Grenzen für gefühlte Sicherheit?

Seit knapp 100 Jahren setzen die Staaten dieser Welt auf Reisepässe. Fingerabdrücke, Fotos und Irisscans gehören zum Einreisen vielerorts schon dazu. Wir haben uns daran gewöhnt: Wir opfern Persönlichkeitsrechte für Reisefreiheit, lassen Staaten Daten Sammeln und die Sicherheitsindustrie macht ordentlich Gewinn. Geht das nicht anders? Und was kommt da noch alles auf uns zu? Clemens Binder ist Experte für Grenzen und Sicherheit am Österreichischen Institut für Internationale Politik (OOIP) und forscht seit Jahren zu den Themen Grenzen und Sicherheit. Im Podcast spricht er über die allmähliche Integration sogenannter biopolitischer Elemente wie Impfungen oder Temperaturmessungen in Grenzkontrollen, wer von diesen Entwicklungen profitiert und wie "Working Poor" draußengehalten werden sollen.

Feb 19, 202135 min

Der Ausweg aus der Klimakrise führt durch die Stadt

Sie sind die Wachstumsmagneten der Zukunft: Laut den Vereinten Nationen werden bis 2050 zwei Drittel der Weltbevölkerung in Städten leben, im Vergleich zu etwas mehr als die Hälfte aktuell. Schon jetzt gibt es mehr als 63 Städte mit über drei Millionen Einwohnern. Hunderttausende Quadratkilometer mehr an Fläche wird das Städtewachstum in den nächsten Jahrzehnten verschlingen. Städte haben meist keinen besonders guten Ruf: Sie sind oft laut, schmutzig, eng und bieten meist wenig Platz für Natur und Erholungsräume. Anziehend wirken sie meist auch nicht wegen ihrer hohen Lebensqualität, sondern aufgrund der Arbeitsmöglichkeiten, die sie bieten. Tatsächlich sollten wir aber mit dem negativen Image von Städten aufräumen, sagt Gernot Wagner, Umwelt-Ökonom an der New York University. Wagner ist in Amstetten in Niederösterreich geboren, lebt aber seit einiger Zeit in den USA und aktuell in New York. In wenigen Tagen wird er sein Buch "Stadt, Land, Klima: Warum wir nur mit einem urbanen Leben die Erde retten", veröffentlichen, in dem er das Klimaschutzpotenzial von Städten aufzeigen will. "Stadt ist dort, wo das Leben kompakt, effizient, reich an Möglichkeiten und zugleich CO2-arm ist", sagt Wagner. Das "effiziente Stadtleben" sei für ihn jenes, bei dem alles in unmittelbarer Nähe anzufinden ist. Das tägliche Leben spielt sich im 15-Minuten Radius ab – zu Fuß oder mit dem Fahrrad, versteht sich – innerhalb dessen sich Arbeit, Cafes, Spielplätze, Supermärkte und Parks befinden. Die Wohnungen sind im Verhältnis zu den Einfamilienhäusern am Stadtrand eher klein – Wagner selbst habe sich entschieden, zusammen mit seiner Familie in eine rund 70 Quadratmeter Wohnung zu ziehen – und deshalb CO2-sparsamer. Abstriche brauche man deshalb keine zu machen, sofern man den eigenen Lebensstil an die Wohnsituation anpassen kann, so Wagner. Die Vororte und Speckgürtel sind für den Experten die größten Klimasünder. Dort, wo die Häuser groß, die Wege in die Arbeit lang sind und die meisten Strecken mit dem Auto zurückgelegt werden. Als Negativbeispiel führt der Experte das Tullnerfeld in Niederösterreich an: Dort habe man mit dem Bahnhof bewusst Anreize für die starke Verbauung der Landschaft durch Einfamilienhäuser geschaffen. Und was ist mit dem Land? Das soll wieder mehr Platz für die Natur bekommen, so Wagner. "Überspitzt formuliert" werden am Ende größtenteils nur mehr die Landwirte wirklich am Land leben und dort die Lebensmittelproduktion sicherstellen. Eine Erklärung, wie ein gutes und erfülltes Leben dann auch für diese Bewohner aussehen kann, bleibt der Experte aber schuldig. Von Lebensmodellen, am Land ein umweltbewusstes Leben führen zu können, hält Wagner wenig – zumindest, wenn es um eine Lösung für den Großteil der Weltbevölkerung geht. Im Gespräch wird auch klar, dass es dem Experten vorrangig um die westlichen Bevölkerungen geht, wo Probleme wie Luftverschmutzung, große Slums und fehlende Verkehrsinfrastruktur eine vergleichsweise geringere Rolle spielen wie in so manchen Entwicklungsländern. Aber klar ist auch: Damit Städte wirklich zum weltweit lebenswertesten Wohnort der Zukunft werden, haben sie noch einen steilen Weg vor sich.

Feb 5, 202144 min

Wie fossile Lobbys weltweit Klimaschutz bremsen

Der menschengemachte Klimawandel stellt eine der größten Bedrohungen der Menschheit dar. Trotzdem tut sich auf politischer Ebene oft wenig – und die CO₂-Emissionen steigen weiterhin und kaum gebremst an. Als ein Grund dafür gilt auch eine kleine, aber einflussreiche Lobby, die international Gesetze für mehr Klimaschutz bremst.Die Journalistinnen Annika Joeres und Susanne Götze haben jahrelang in ganz Europa recherchiert und ihre Ergebnisse in ihrem kürzlich erschienenen Buch "Die Klimaschmutzlobby" zusammengefasst. Im Podcast von "Edition Zukunft" geben sie Einblick in das Netzwerk aus konservativen Thinktanks, Rechtspopulisten, Hobbywissenschaftern und Lobbyisten der Kohle-, Gas- und Agrarlobby. Sie erklären außerdem, mit welchen Strategien und Ar¬gumenten die "Klimaschmutzlobby" strengere Gesetze torpediert und warum ihre Strategie langfristig scheitern wird.

Jan 22, 202141 min

Muss sich die EU nach Corona neu erfinden?

Überfüllte Intensivstationen, geschlossene Grenzen, Wirtschaftseinbruch und mittendrin ein Chaos-Brexit – die Pandemie hinterlässt Spuren am Projekt des gemeinsamen Europas. Wie sich die EU nach der Corona-Krise neu erfinden könnte, schildert Politikwissenschafterin Ulrike Guérot im Podcast Edition Zukunft. Sie leitet das Department für Europapolitik und Demokratieforschung an der Donau-Universität Krems und ist Gründerin des European Democracy Lab. Krisen können jedenfalls auch verbinden, glaubt Guérot. Europa sei „nichts anderes als die Erinnerung an den traumatischen Abgrund von 30 Jahre Krieg inklusive Holocaust“, weshalb sich in den 1950er Jahren die Vorläufer der EU entwickelt haben. In den 1970er-Jahren kam aus Angst vor einer Abwertungsspirale die Währungsunion dazu. Jetzt komme es darauf an, wie Europa die aktuelle Krise wahrnimmt und ob sich daraus ein „Nie wieder“ entwickelt: Nie wieder überfüllte Krankenhäuser in Bergamo, während die Intensivbetten in anderen Teilen Europas noch frei sind, nie wieder russische Militärfahrzeuge in Norditalien statt europäische. Spätestens nach der Corona-Krise sieht Guérot nach Jahrzehnten von wirtschaftlicher Zusammenarbeit eine europäische Sozialunion als nächsten logischen Schritte in eine gemeinsame Europäische Republik. In Umfragen seien zwar die meisten für eine tiefergehende europäische Zusammenarbeit – im öffentlichen Diskurs werden diese Mehrheiten aber noch nicht angenommen. Das liege auch an „falschen Buchführungen“ was politische Entscheidungen anbelangt: Noch immer versuchen nationale Regierungen Erfolge der EU als ihre eigenen zu verkaufen.

Dec 24, 202059 min

Flugtaxis: Wann kommt der Tesla der Lüfte?

In zwei, drei Jahren sollen die ersten Passagierdrohnen regelmäßig über ausgewählten Städten rotieren. Doch ist der Großstadtdschungel wirklich der ideale Einsatzort? Und kann der Drohnenflug tatsächlich zum Preis einer Taxifahrt angeboten werden? Die STANDARD-Redakteure Philip Pramer und Fabian Sommavilla reden mit Herstellern und Experten über den Traum vom fliegenden Auto.

Dec 11, 202022 min

Warum kümmert sich niemand ums Klima, Luisa Neubauer?

Offiziell hat die Klimabewegung Fridays for Future keine Chefin. Gäbe es eine, hieße sie Luisa Neubauer, zumindest in Deutschland. Die 24-jährige Studentin ist eine der Hauptorganisatorinnen der Klimastreiks, vertritt die Bewegung in der Öffentlichkeit und bei Treffen mit Entscheidungsträgern von Angela Merkel abwärts, an denen sie selten ein gutes Haar lässt. Im STANDARD-Podcast spricht sie über Hoffnung und persönliche Entscheidungen und darüber, warum eine neue Klimapartei keine Lösung ist.

Nov 27, 202038 min

Schrauben gegen Schrottberge: Warum reparieren boomt

Smartphones, Laptops und andere Tech-Gadgets gelten als Lifestyle-Tools: Nur das neueste Modell zählt. Doch mit steigendem ökologischem Bewusstsein boomt die Reparatur. Die Politik will nachsetzen – aber das ist gar nicht so einfach.

Nov 13, 202017 min

Was ist dran am grünen Wachstum?

Grün ist für viele zur Farbe der Stunde geworden – und das hat nicht wirklich etwas mit den Grünen zu tun. Kaum ein politischer Kommentar zum Klimaschutz, der ohne den Verweis auf Green Jobs oder eine grüne Wirtschaft auskommt. Im neuen "Grünen Deal" der EU kommt der Begriff dutzende Male vor, von "grünen Investitionen", einer "grünen Wende", "grünen Prioritäten" und "grünen Geboten" ist darin zu lesen. Aber was bedeutet das genau? Wie gut sind grüne Jobs wirklich? Und wie kann eine wachsende Wirtschaft mit Klima- und Umweltschutz zusammengehen? Darüber spricht Jakob Pallinger mit der Soziologin und Universitätsprofessorin Beate Littig. Sie sagt: "Wenn wir über Green Jobs reden, stellen wir uns oft Jobs mit gutem Einkommen und Karrierechancen vor. Das ist meist nicht der Fall. Vor allem Frauen sind in vielen schlechten grünen Jobs tätig. Die derzeitige Krise könnte auch eine Chance sein, neue Modelle wie beispielsweise ein bedingungsloses Grundeinkommen zu probieren." Das ganze Gespräch hören Sie im Podcast.

Nov 13, 202046 min

Christa Kummer: "Auch ohne Klimawandel müssten wir eine Änderung einläuten"

Nicht nur schreitet der Klimawandel durch den menschlichen Einfluss viel zu schnell voran, durch unseren überbordenden Lebensstil und die Gigantomanie in unserer Gesellschaft verschärfen wir auch noch massiv die Auswirkungen und Schäden, die das anrichtet. So lautet der Tenor von Christa Kummer, Meteorologin und langgediente Wetter-Expertin des ORF. Die Bodenversiegelung etwa lässt das Wasser nicht mehr abfließen und lässt Muren und Überschwemmungen immer häufiger zutage treten. Österreich sei Europameister in dieser unvernünftigen Praxis und zahle heute immer öfter die Rechnung dafür. Kummer ortete in den Medien zudem lange Zeit eine Überrepräsentation von Extremwettererignissen in Verbindung mit populistischen Schlagzeilen, die Menschen auf gefährliche Art und Weise für das wichtige Thema Klimawandel abstumpfen ließen. Umso wichtiger sei es, dass Experten und Wissenschafter gehört werden. Diese positive Entwicklung beobachtet sie zuletzt aber immer öfter. Nicht zuletzt ist es aber auch so, dass Menschen oftmals eine radikale Diagnose brauchen, um ihr Leben zu ändern. Die Erde hat diese Diagnose bereits bekommen. "Wir sind gezwungen etwas zu tun", sagt Christa Kummer. "Es geht viel zu schnell". "Weniger muss das neue Mehr werden", sagt Kummer auch in Bezug auf unser Konsumverhalten. Wenn Heidelbeeren im Jänner dauerhaft nicht gekauft werden, werde man sie auch nicht mehr um die Welt fliegen und bei uns verkaufen. Dort, wo das aber nicht klappt, brauche es eben harte Gesetze. Man könnte aber auch einfach öfter den Worten alter Häuptlinge folgen, wie Kummer gegen Ende des Gesprächs betont, nachdem sie aus "Die Erde ist heilig: Worte großer Häuptlinge" zitiert.

Oct 30, 202042 min

Grün, leistbar, demokratisch: Wie könnten Städte 2050 aussehen?

Friedrich von Borries ist Architekt und Designtheoretiker – und er hat eine ziemlich klare Vision von der Stadt der Zukunft. Statt "wie ein Kuhfladen" sollten Städte künftig als Netzwerk wachsen, mit dünn besiedelten Grünflächen zwischen dichten Zentren. Aus breiten Straßen könnten langgezogene Parks, aus Dächern urbane Freiräume werden. Auch die politische Entscheidungsgewalt sieht von Borries künftig in Städten. Denn schon jetzt würden sich mehr Menschen mit ihrer Stadt als mit ihrer Nation identifizieren.

Oct 16, 202031 min

Gefilmt, erkannt, überwacht: Wie weit ist Gesichtserkennung?

Im Handy, bei Passkontrollen am Flughafen und zunehmend auch im öffentlichen Raum: Biometrische Systeme sind überall. Vor allem Gesichterkennung wird immer besser. Auch die österreichische Polizei will bei der Überwachung künftig stäker die Technologie setzen. In China bezahlt man im Supermarkt teilweise schon mit einem Lächeln in die Kamera.Aber wie sicher und genau sind solche Systeme? Wie könnten sie missbraucht werden? Und was kommt da noch auf uns zu? Florian Kirchbuchner ist Biometrie-Experte am Fraunhofer Institut für Graphische Datenverarbeitung. Im Podcast erklärt er, wie Gesichtserkennungtechnologie funktioniert, wo die Forschung steht. Eine Mund-Nasen-Schutz kann Kameras zwar verwirren, gegen Fortschritte in der Sprach-, Handschrift- und Venenmustererkennung hilft er hingegen wenig. Kirchbuchner wagt außerdem einen Blick in das biometrische Leben von morgen, in der wir komplett ohne Ausweise, Passwörter oder Schlüssel auskommen könnten.

Oct 2, 202022 min

Warum Recycling das Müllproblem nicht löst

"Recycling ist gut, aber nicht die Lösung", meint Willi Haas, Wissenschaftler am Institut für Soziale Ökologie an der Universität für Bodenkultur in Wien. Recycling sei eher als Mittel letzter Wahl zu verstehen, da es in einigen Fällen wieder sehr viel Energie brauche. Besser sei es, erst gar nicht so viel Abfall zu verursachen. Dies ist laut Haas der Kern einer Kreislaufwirtschaft: Weniger der Natur entnehmen, und gleichzeitig weniger dort zu deponieren.Tatsächlich hat sich der Material- und Ressourcenverbrauch in den letzten Jahrhunderten dramatisch erhöht. Zwar werde heutzutage mehr recycelt als in den 1950er Jahren, dies habe aber nicht mit dem Konsum mithalten können, so Haas. Wie eine Kreislaufwirtschaft in Zukunft aussehen könnte, welche Chancen und Grenzen in dem Konzept stecken und was die Politik und schließlich auch jeder Einzelne dafür tun kann, haben wir Willi Haas im Podcast gefragt.

Sep 18, 202042 min

Klima, Corona, Wirtschaftskrisen: Wie können wir komplexe Systeme verstehen?

Was haben Pandemien, Klimaerhitzung und Wirtschaftskrisen gemeinsam? Es handelt sich um sogenannte komplexe Systeme, die schwer zu erfassen sind und in denen kleinste Veränderungen riesige Auswirkungen haben können. Komplexitätsforscher versuchen diese Systeme mithilfe von Daten und angewandter Mathematik zu verstehen. Einer von ihnen ist Stefan Thurner, Präsident des Complexity Science Hub in Wien und Wissenschafter des Jahres 2017.Im Podcast erzählt er, wie komplexe Systeme aufgebaut sind, wie man sie verstehen und im Idealfall Prognosen für die Zukunft erstellen kann, wie man Kipppunkte im Weltklima erkennen oder sich auf Pandemien vorbereiten kann. In den vergangenen Wochen hat außerdem die vom Complexity Science Hub veröffentliche Corona-Ampel für Aufsehen gesorgt. Sie kennt im Gegensatz zur Regierungsampel nur drei Farben und wird algorithmisch geschaltet. Thurner erklärt, wie sie funktioniert und warum sie keine Konkurrenz zur offiziellen Corona-Ampel ist.

Sep 18, 202029 min

Das Ende der "realen Realität"?

Nach einem kurzen Hype vor wenigen Jahren war VR-Technologie vor allem in der Gamer-Szene präsent, aber nicht unbedingt in praktischen Anwendungen des Alltags. Mit der Corona-Krise und dem Lockdown wurde die virtuelle Realität wieder, zumindest medial, präsenter. Doch kann die VR-Brille tatsächlich einen Museumsbesuch, ein reales Treffen mit Freunden oder gar eine Pilgerreise ersetzen?

Sep 4, 202039 min

Ist das Ende aller Atomwaffen realistisch?

ICAN-Direktorin Nadja Schmidt hofft im Gespräch mit Fabian Sommavilla vom STANDARD auf ein baldiges Ende der Massenvernichtungswaffen. Sicherheitsexperte Franz-Stefan Gady bezweifelt, dass die Atommächte ihre Waffen aufgeben

Aug 21, 202050 min

Macht uns die moderne Arbeitswelt zu "Menschen ohne Eigenschaften?"

Immer schneller, effizienter und prozessorientiert sollen wir arbeiten – aber was macht das mit uns? Werden wir damit zu austauschbaren Maschinenmenschen? Und wie kann in solchen Umgebungen noch Innovation stattfinden? Gunter Dueck war Mathematikprofessor und arbeitete beim Technologiekonzern IBM, heute kritisiert der den neurotischen Effizienzwahn, dem das Management in Unternehmen verfallen sei. Im Podcast spricht er über die Anfänge der Prozessoptimierung in Unternehmen in den 90er-Jahren, als erstmals Software eingesetzt wurde und Berater "wie Heuschrecken die Unternehmen überzogen" haben. Die Aufteilung von Arbeit in immer kleinere, monotonere Aufgaben und der zunehmende Leistungsdruck belaste nicht nur Mitarbeiter, sondern hindert auch die Unternehmen daran, innovativ zu sein. Der Fokus auf Effizienz und kurzfristigen "Shareholder Value" würde Visionen unterbinden, so Dueck.

Aug 7, 202039 min

Das Ende des Konsums: "Wir Menschen sind für Maschinen immer besser lesbar"

Einige unangenehme Alltagssituationen könnten bald der Vergangenheit angehören: keine grantigen Kinder mehr in der Früh, weil die Milch gerade dann aus ist, wenn der Nachwuchs Lust auf Müsli oder Cornflakes hat. Der Kühlschrank hat schon selbsttätig die regionale Biomarke bestellt, die zusammen mit den anderen Produkten in wiederbefüllbaren Behältnissen geliefert wird. Zeitraubende Wochenendeinkäufe gehören dann der Vergangenheit an. Doch nicht nur der eigene Alltag, auch das gesamte Stadtbild wird sich in Zukunft anders gestalten: weniger Geschäftslokale, dafür mehr Lieferdienste. Die zunehmende Digitalisierung aller Services wird uns frei von materiellem Besitz machen. Musik wird gestreamt, Kleidung wird ausgeborgt – wir brauchen in Zukunft vermutlich keine Regale und Schränke mehr. Welche weiteren und weitreichenden Veränderungen für unser Konsumverhalten und unseren Alltag in Zukunft zu erwarten sind, erklärt die Ökonomin Karin Frick vom Gottlieb Duttweiler Institute in Zürich.

Jul 24, 202029 min

Umgang mit Corona: Was wir von Entwicklungsländern lernen können

Seit Generationen hatten wir in Mitteleuropa keine Erinnerungen mehr an eine Epidemie oder ähnliche Krisen, die alle neuralgischen Punkte der Gesellschaft mit großer Wucht treffen. Ganz anderes ist es in vielen anderen Ländern dieser Welt, die mit regelmäßig Krankheitsausbrüchen, Umweltkatastrophen, Kriegen und vielen anderen humanitären Notlagen konfrontiert sind. Wir sprechen mit dem Notfallmediziner Takred Stöbe darüber, wie diese Gesellschaften mit der globalen Corona-Krise umgehen und was wir vielleicht daraus für die Zukunft lernen können.

Jul 10, 202026 min

Krieg der Zukunft: Den Algorithmen die Waffen entziehen

Seit Menschengedenken führen wir Krieg gegeneinander. Obwohl Gründe oft dieselben blieben, wandelten sich die Mittel. Die aktuelle Modernisierung vieler Streitkräfte und die enormen Milliardeninvestitionen lassen uns mit Sorge in die Zukunft blicken. Aber wie sieht er aus, der Krieg von morgen? Generalmajor Johan Frank vom Institut für Friedenssicherung und Konfliktmanagement (IFK) sowie Saskia Stachowitsch vom Österreichischen Institut für Internationale Politik (OIIP) wagen den Blick durch das Visier.

Jun 26, 202045 min

Polyamorie, Real Dolls und Entscheidungszwänge: Wie werden wir in Zukunft lieben?

Polyamorie, Freundschaft plus, serielle Monogamie, Kinder mit dem besten Freund, und heiraten kann frau auch sich selbst. Die Lebensmodelle werden immer vielfältiger, die Möglichkeiten schier unendlich. Haben Monogame und die (womöglich lebenslange) Zweierbeziehung überhaupt noch Zukunft? Es gibt eine "Diversifizierung der Lebensformen", sagt die Soziologin Laura Wiesböck, aber diese Trends betreffen natürlich nicht alles Milieus und Gesellschaftsschichten. Mit der neue Freiheit kommen aber auch Entscheidungszwänge. "Vom Sollen, sind wir zum Wollen gekommen. Aber was man eigentlich will, ist nicht einfach herauszufinden", sagt Wiesböck. Und die Entscheidung wird noch schwerer, weil man dank Datingapps das Gefühl bekommt, dass da draußen eine unendlichen Anzahl von potenziellen Partnern wartet. Das kann vor allem für schüchterne Menschen ein Vorteil sein, weil hier zumindest die Anbahnungsphase anonym und hinter dem Bildschirm passiert. Aber irgendwann muss man dem potenziellen Partner oder Partnerin auch in die Augen schauen – außer man setzt auf Real Dolls. Das sind Puppen, die echten Menschen verblüffend ähnlich schauen und gebaut werden um sexuelle Bedürfnisse, auch die abwegigsten, zu befriedigen oder im Alltag eine Lebensgefährtin zu ersetzen.

Jun 12, 202035 min

Was wir von Science-Fiction über Politik lernen

Die Wechselwirkung zwischen Science-Fiction und Forschung und Gesellschaft ist bekannt. Oft sind neue Technologien von Filmen und den Gimmicks, die dort imaginiert werden, inspiriert. Meist sei das ethisch unproblematisch. Doch manchmal geht es auch um bedenkliche Entwicklungen, die unreflektiert übernommen werden, sagt die Politologin Isabella Hermann und nennt dabei Beispiele wie die Gesichtserkennung oder Implantate. Hermann untersucht, wie in der Science-Fiction – dem Genre der Zukunft – der technische Fortschritt dargestellt wird, welche Auswirkungen Technik auf die uns bekannten sozialpolitischen Strukturen hat und was uns das alles über die Werteverständnisse unserer Gegenwart verrät.

May 29, 202035 min

Die Corona-Krise, ein Segen für das Klima?

Fabriken stehen still, Flugzeuge bleiben am Boden, und statt im Stau stecken Arbeitnehmer nun in Videokonferenzen. Ist das nicht ein Gewinn für das Weltklima? "Eine wirkliche Klimawende muss langfristig und demokratisch passieren und nicht durch einen Lockdown", sagt Katharina Rogenhofer. Sie ist Sprecherin des Klima-Volksbegehrens und hat Fridays for Future in Wien mitgegründet. Im Podcast spricht sie über Aktivismus in der Krise, über Alternativen zum BIP und darüber, wie die Klimabewegung in Zeiten von Corona ihr Thema wieder zurück in den Diskurs bringen will.

May 15, 202026 min

Transhumanismus: Muss der Mensch optimiert werden?

"In the long run we are all dead – Langfristig sind wir alle tot", lautet das geflügelte Wort des Ökonomen John Maynard Keynes. Doch diese banale ¬Tatsache entlockt den sogenannten Transhumanisten wohl nicht einmal mehr einen müden Lacher. In Zukunft müssen und sollen wir Menschen nicht ¬sterben, sagen die Transhumanisten. Ewiges Leben und -technisch optimierte Körper, in Clouds upgeloadete Gehirne und Menschen als Cyborgs – das sind die Visionen der Männer (und einzelner Frauen), die das Menschliche überwinden und uns in einen "posthumanen" Zustand versetzen wollen. Mit Sarah Spiekermann, einer Kritikerin des Transhumanismus, haben wir darüber geredet, welches Menschenbild hinter den transhumanistischen Ideen steckt und wie es unsere Gegenwart und Zukunft beeinflusst.

Apr 30, 202033 min

Menschenrechte im Ausnahmezustand: Sind die Maßnahmen in der Corona-Krise noch verhältnismäßig?

Der Ausnahmezustand bedeutet die Einschränkung vieler grundlegender Rechte. Was das für die Zukunft unserer liberalen Demokratie bedeutet, haben wir mit dem Menschenrechtsexperten Michael Fremuth diskutiert

Apr 17, 202037 min

Wie verändert die Corona-Krise die Arbeitswelt?

Viele Menschen arbeiten von zu Hause aus oder sind in Kurzarbeit, viele andere verlieren ihren Job. Wie wirkt sich die Corona-Krise auf die Arbeitswelt aus? Und gibt es Dinge, die man aus der aktuellen Situ¬ation lernen kann? Inga Höltmann, Expertin für New Work, sagt: Durchaus! Mit Videokonferenzen allein sei es aber noch nicht getan, die richtige Arbeit fängt gerade erst an. Im Podcast erklärt sie, was auf uns zukommt, wie man Struktur ins Homeoffice bringt, ob die Zeit reif ist für ein Grundeinkommen und wie gesellschaftliche Entwicklungen die Arbeitswelt beeinflussen.

Apr 3, 202023 min

Humanoide Roboter: Partnerersatz oder Arbeitssklaven

Die Regisseurin Arlamovsky beschäftigt sich in ihrem neuen Dokumentarfilm mit humanoiden Robotern und unserer Beziehung zu den Maschinen. Während ihnen Enthusiasten Eigenschaften zuschreiben, die die Menschheit retten könnten, fürchten die Skeptiker, dass wir uns durch Roboter selbst abschaffen werden.

Mar 20, 202034 min

Designerbabys und Supersoldaten: Der optimierte Mensch

Höher, schneller, weiter? Nicht nur Spitzensportler wollen immer besser werden. Auch Menschen, die keine Hochleistungen vollbringen, streben immer öfter nach Optimierung. Der Molekularbiologe und bekannte Sciencebuster Martin Moder erklärt im Edition-Zukunft-Podcast, dass es bei solchen Optimierungen hauptsächlich um „die Verhinderung von Leid und das Heilen von Krankheiten“ gehe. Natürlich könnte es theoretisch aber auch dazu genützt werden, um Menschen für Marsmissionen fit zu machen oder sie zu Supersoldaten heranzutrainieren. Macht das Sinn? Nein, sagt Moder. Bis dahin überholt einen die Technik sowieso. Moder erklärt, warum es dennoch so wichtig ist, dass wir möglichst viel darüber wissen was theoretisch möglich wäre. Können wir etwa Menschen kleiner machen, um nicht so viel klimaschädliche Ressourcen zu verbrauchen? Können, ja. Sollen, nein. Zum Glück machen Menschen nicht immer alles, was technisch auch möglich wäre, ist Moder überzeugt.

Mar 6, 202033 min