
Auf den Punkt
2,246 episodes — Page 35 of 45

Ep 549Wirecard: Die Rolle der PwC-Wirtschaftsprüfer
Der Wirecard-Skandal zieht immer weitere Kreise: Jetzt geht es um die Wirtschaftsprüfer von PwC, die den Jahresabschluss 2019 der Wirecard-Bank testiert haben - möglicherweise auf der Basis falscher Angaben. Was das für die Wirtschaftsprüfer bedeutet. Im Juni 2020 ist das Lügengebäude von Wirecard in sich zusammengefallen: Die Firma musste Insolvenz anmelden, mehrere Spitzen-Manager von Wirecard sitzen in Untersuchungshaft und Ex-Vorstand Jan Marsalek befindet sich auf der Flucht. Wem hätte der Skandal früher auffallen müssen? Neben der Bafin stehen hier besonders die Wirtschaftsprüfer im Fokus: Die Firma EY testierte jahrelang die Bilanzen der Wirecard AG und wurde erst sehr spät misstrauisch. Und eine neue SZ-Recherche gemeinsam mit dem WDR beleuchtet jetzt die Rolle von PwC, einer anderen Wirtschaftsprüfungsgellschaft. PwC hatte zuletzt die Wirecard-Bank geprüft. Investigativjournalist Klaus Ott erklärt im Podcast, wie PwC jetzt versucht, sich abzusichern - damit keine Schadenersatzforderungen auf den Konzern zukommen. Der im Podcast angesprochene Text von Uwe Ritzer finden Sie unter diesem Link: http://sz.de/1.5035814 Weitere Nachrichten: Hate-Speech-Gesetz, Polizeiskandal in NRW Redaktion, Moderation: Laura Terberl Redaktion: Ania Kozlowska Produktion: Valérie Nowak

Ep 548Von der Leyens Rede: Viel Pathos, wenig Konkretes
Ihre erste Rede zur Lage der Europäischen Union war ein Ritt durch alle aktuellen Themen. Doch welche handfesten Lösungen hat die EU-Kommissionspräsidentin wirklich präsentiert? Steigende Corona-Infektionen, Klimawandel, Geflüchtete: Die Europäische Union steht vor vielen Herausforderungen. Ursula von der Leyen versuchte in ihrer ersten Rede zur Lage der Europäischen Union zu erklären, wie die EU gestärkt aus der Corona-Krise hervorgehen kann. Die Kommissionspräsidentin verkündete dabei ihre Vision einer klimaneutralen, digitalen und sozialen Union. Die von ihr erwähnte “Next Generation EU” sei im Grunde ein Corona-Hilfstopf, der die EU aus der Krise nach der Pandemie herausführen soll, sagt Brüssel-Korrespondent Björn Finke. Man könne natürlich auch zynisch sagen: Es ist ein Topf, in den die künftigen Generationen einzahlen müssen, die Steuerzahler der Zukunft. Konkret kündigte Leyen eine Digitalsteuer an und Strafzölle für umweltschädliche Produkte. Zudem habe sie die Relevanz der Rechtsstaatlichkeit in Polen und Ungarn deutlich gemacht: “Das war ganz klare Kante”, meint Finke. Der Redeteil zu Migration und Geflüchteten sei hingegen stark von Pathos anstatt von konkreten Ankündigungen geprägt gewesen. **Weitere Nachrichten:** Rechtsextreme Polizei-Chat-Gruppen in NRW, Dritte Startbahn in München in weiter Ferne, verlängertes Kurzarbeitsgeld. **Moderation, Redaktion:** Lars Langenau **Redaktion:** Viola-Kristin Rüdele, Laura Terberl **Produktion:** Carolin Lenk _Zusätzliches Audiomaterial über die Facebook-Seite der EU-Kommission._

Ep 547Trumps Nahost-Abkommen: Nicht mehr als eine Absichtserklärung
In Washington unterzeichnen Vertreter von Israel, der Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain einen Vertrag. Doch kann der wirklich Frieden im Nahen Osten schaffen? In Washington unterzeichnet Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu am Dienstag ein Abkommen mit den Außenministern der Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain. Für US-Präsident Donald Trump ist das "ein wahrhaft historischer Tag", für den er seiner Meinung nach eigentlich mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet werden sollte. Die Vertragsunterzeichnung werde mit Freude in Israel aufgenommen, aber der coronabedingte Lockdown interessiert die Israelis mehr, sagt Israel-Korrespondent Peter Münch. Es sei nur ein Schritt, der Optionen für einen neuen Nahen Osten eröffnet, aber er sei eben noch nicht der neue Nahe Osten. Bislang sei das “Abraham Abkommen” nicht mehr als eine Friedensabkommen genannte Absichtserklärung. Ohne die Palästinenser werde es nie zu einem wirklichen Frieden in der Region kommen. **Weitere Nachrichten:** Bundesregierung plant Aufnahme von 1500 Geflüchteten, Millionenhilfe für deutsche Pharmakonzerne, Brexit-Verhandlungen vor dem Aus **Moderation, Redaktion:** Lars Langenau **Redaktion:** Viola-Kristin Rüdele, Laura Terberl **Produktion:** Justin Patchett _Zusätzliches Audiomaterial über Reuters._

Ep 546Kommunalwahl in NRW: Ein Modell für Deutschland
SPD abgeschmiert, starke Grüne und eine konstante CDU mit Armin Laschet an der Spitze. Ist NRW eine Art schwarz-grünes Legoland der Bundesrepublik? Sieger ist mit 34 Prozent die CDU. Die Grünen legen vor allem in den Großstädten stark zu und erreichen landesweit 20 Prozent. FDP, Linke und die AfD kleben bei etwa fünf Prozent. Und die SPD fährt das historisch schlechteste Ergebnis bei Kommunalwahlen in NRW ein. Für Christian Wernicke, SZ-Korrespondent aus Düsseldorf, ist das Wahlergebnis "durchschnittlich". Eine "Trendwende" für die Sozialdemokraten, von der SPD-Chef Norbert-Walter Borjans spricht, sei "Augenwischerei”: "Das war keine Trendwende, das war eine Schmach.” Armin Laschet hingegen sei jetzt der CDU-Vorsitz kaum noch zu nehmen. Außerdem sei der NRW-Ministerpräsident der richtige Mann für eine künftige schwarz-grüne Koalition auf Bundesebene. **Weitere Nachrichten:** Diskussion um Aufnahme von Geflüchteten aus Moria, Messerattacke in Stolberg, Tiktok lässt Microsoft abblitzen. **Moderation, Redaktion:** Lars Langenau **Redaktion:** Laura Terberl, Viola-Kristin Rüdele **Produktion:** Carolin Lenk _Zusätzliches Audiomaterial über WDR und ARD._

Ep 545Mia san Bayern: Die CSU wird 75
Laptop und Lederhose, Amigos und Modellautos: Die CSU hat Bayern geprägt und beansprucht es für sich. Die Wähler verziehen ihr so einiges. Bayern identifiziert man vereinfacht gesagt mit drei Dingen: dem FC Bayern, das Oktoberfest und die CSU. Wie hat die Partei es geschafft, dem Land so sehr ihren Stempel aufzudrücken? Wo steht die Partei heute und wo geht sie hin? Kann sie vielleicht sogar bald das Kanzleramt erobern? "Die CSU ist in Bayern stark", sagt der Parteivorsitzende Markus Söder. Hier kenne man jeden Ort, jeden Fluss. Aber wenn man Ministerpräsident ist und aus der CSU, dann sagt Söder, sei man "ausbefördert". Roman Deininger, der SZ-Reporter, erklärt in dieser Folge außerdem, was die CSU zu ihrem Erfolg in den letzten Jahrzehnten führte. Weitere Themen: Deutschland nimmt 150 unbegleitete Minderjährige auf, Deutschland erhält 22,7 Milliarden aus Hilfsfonds. **Moderation, Redaktion:** Jean-Marie Magro **Produktion:** Carolin Lenk _Zusätzliches Audiomaterial über CSU._

Ep 544So bedrohlich ist die Afrikanische Schweinepest
Die Afrikanische Schweinepest ist in Deutschland angekommen. Für Menschen ist sie nicht ansteckend, für Schweine endet sie fast immer tödlich. Am Mittwochabend ist es nur ein Verdacht. In Brandenburg hat man einen Wildschwein-Kadaver gefunden. Die Aufregung ist groß: Ist die Afrikanische Schweinepest jetzt auch in Deutschland angekommen? Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner kann am deutschlandweiten Warntag keine Entwarnung geben. Ja, der Erreger sei diagnostiziert worden. Die Krankheit ist seit einiger Zeit in ganz Europa auf dem Vormarsch. Menschen müssen sie nicht fürchten. Für Wild- und Hausschweine endet sie fast immer tödlich. Besonders für Landwirte, erklärt Hauptstadtkorrespondent Michael Bauchmüller, ist ein Aufkommen der Krankheit im eigenen Stall ein Desaster. **Weitere Themen:** Warn-App "NINA" funktioniert nur teilweise, EU-Staaten wollen 400 Minderjährige aufnehmen. **Moderation, Redaktion:** Jean-Marie Magro **Redaktion:** Vinzent-Vitus Leitgeb **Produktion:** Valérie Nowak _Zusätzliches Audiomaterial über BMEL._

Ep 543Brand in Moria: Die Chance nach der Katastrophe
Seit Jahren ist die Lage in Moria unhaltbar. So schlimm der verheerende Brand ist, er könnte zu einem Ende des Flüchtlingslagers beitragen. Fast 13 000 Menschen lebten zuletzt in Moria. Ein Großbrand in der Nacht zum Mittwoch hat die Zeltstadt für Geflüchtete stark zerstört. Man habe das Fiasko voraus sehen können, sagt SZ-Außenpolitik-Redakteur Tobias Zick, der das Lager im Frühjahr besucht hat. Auf Lesobs sei ein äußerst explosive Mischung zusammengekommen: Hoffnungslosigkeit, extreme Überfüllung und der Mangel an allem Lebensnotwendigen. Jetzt sei die Situation eskaliert. Vielleicht biete die Katastrophe jetzt aber die Chance, dieses Lager aufzulösen. Er hoffe, dass die EU jetzt eine gesamteuropäische Lösung für die dort gestrandeten Menschen finde. **Weitere Nachrichten:** Abgasaffäre: Betrugsprozess gegen Ex-VW-Chef Winterkorn kommt, AstraZeneca stoppt Test von Corona-Impfstoff. **Moderation, Redaktion:** Lars Langenau **Redaktion:** Vinzent-Vitus Leitgeb, Ania Kozlowska **Produktion:** Valérie Nowak

Ep 542Brexit-Verhandlungen: Johnsons Drohkulisse
Wieder wird in London über den Brexit verhandelt. Es geht um der Handel nach dem Abschied Großbritanniens aus der EU. Abermals stehen die Zeichen auf Sturm. Zwar ist Großbritannien seit dem 31. Januar diesen Jahres nicht mehr Teil der EU, aber diese Datum hatte eher symbolischen Charakter. Denn bis Jahresende ist das Vereinigte Königreich noch an den EU-Binnenmarkt und die Zollunion gebunden. Der wahre Bruch steht also noch bevor. Noch immer geht es um das Wie des britischen Abschieds und was es für den Alltag dies und jenseits des Ärmelkanals bedeutet. Sollten die Verhandlungen bis zum Jahresende scheitern, wird es zu den Regeln der Welthandelsorganisation mit Zöllen kommen, sagt Großbritannien-Korrespondent Alexander Mühlauer. In den vergangenen sechs Monaten der Verhandlungen sei auch aufgrund von Corona wenig passiert. Neuralgische Punkte wie der Status von Nordirland seien weitgehend ungeklärt. Und jetzt baue Premier Boris Johnson mit einem Ultimatum bis zum 15. Oktober eine unberechenbare Drohkulisse auf. Die EU müsse sich ernsthaft auf einen No Deal einstellen. **Weitere Nachrichten:** Koalition uneins über Sanktionen gegen Russland, Belarussische Oppositionelle Kolesnikowa, gelockerte Corona-Regeln in Bayern. **Moderation, Redaktion:** Lars Langenau **Redaktion:** Vinzent-Vitus Leitgeb **Produktion:** Justin Pattchett

Ep 541Stopp von Nord Stream 2: Das schärfstmögliche Signal
Nach dem Giftanschlag auf Nawalny suchen Berlin und Brüssel nach einer Antwort. Wäre ein Stopp der Gas-Pipeline die richtige Sanktion gegen Moskau? Gerade ist Alexej Nawalny aus dem Koma erwacht. Die Hintermänner des Anschlags auf den russischen Oppositionspolitiker werden im Kreml vermutet. Doch wie soll der Westen darauf reagieren? Etwa durch den Stopp von Nord Stream 2, die vor allem Gazprom gehört? Ein Unternehmen, das mehrheitlich dem russischen Staat gehört. Doch ist die Gaspipline durch die Ostsee wirklich das geeignete Druckmittel auf den Kreml? Ja, sagt SZ-Redakteur Daniel Brössler, der lange Korrespondent in Moskau und in Brüssel war und jetzt schreibt in Berlin über die deutsche Außenpolitik schreibt. Diese Sanktion würde auf Russlands Präsident Wladimir Putin Eindruck machen. Und obwohl dies auch für Deutschland teuer werden würde, wäre dies das schärfste aller möglichen Signale. **Weitere Nachrichten:** Oppositionsführerin Kolesnikowa in Belarus verschwunden, Pop-up-Radwege sind rechtswidrig erklärt, Corona-Kinderbonus. **Moderation, Redaktion:** Lars Langenau Redaktion: Laura Terberl, Moritz Eder, Ania Kozlowska **Produktion:** Carolin Lenk

Ep 540Griechenland versus Türkei: Erdgasstreit im Mittelmeer
Im Mittelmeer verschärft sich ein Konflikt zwischen Athen und Ankara . Es geht um riesige Erdgasfelder. Doch wer hat darauf legitime Ansprüche? In der Ägäis droht ein neuer Krieg. Es geht um riesige Gasvorkommen, deren Wert auf hunderte Milliarden Euro geschätzt wird. Bislang durfte vor allem Griechenland auf die Ausbeutung dieser Felder hoffen. Doch auch die Türken haben ein ein Erkundungsschiff ins östliche Mittelmeer entsendet, begleitet von Schiffen der türkischen Marine. Es ist nicht nur ein Streit zwischen Athen und Ankara, sagt SZ-Türkei-Korrespondent Tomas Avenarius. Es ist auch ein Konflikt des geteilten Zyperns und um Seerechte, in den auch Libyen, Ägypten, Israel, Libanon und Italien involviert sind. **Weitere Nachrichten:** Janine Wissler will Chefin der Linken werden, Debatte um verkürzte Quarantäne. **Moderation, Redaktion:** Lars Langenau **Redaktion:** Vinzent-Vitus Leitgeb, Moritz Eder **Produktion:** Justin Patchett, Ania Kozlowska

Ep 539Wie die Bundesregierung mit dem Fall Nawalny umgehen sollte
Die Optionen der Bundesregierung in der Nawalny-Causa sind begrenzt: Sie hat sich in ihrer Russland-Politik während der letzten Jahre in eine Sackgasse manövriert. Der Kreml-Kritiker Alexej Nawalny ist mit einem Nervenkampfstoff aus der Nowitschok-Gruppe vergiftet worden. Das geht aus einem toxikologischen Befund eines Speziallabors der Bundeswehr hervor. Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht von "bestürzenden Informationen". Nawalny sollte "zum Schweigen" gebracht werden. Die Bundesregierung fordert nun von Russland volle Transparenz. Doch der Kreml streitet jegliche Verwicklung vollkommen ab. Eine typische Strategie, sagt Sarah Pagung. Die Russland-Expertin der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik fordert ein strengeres Auftreten der Bundesregierung gegenüber dem Kreml. **Weitere Themen:** Kinder aus griechischen Flüchtlingslagern in Hannover angekommen, Trump fordert zu Wahlbetrug auf. **Moderation, Redaktion:** Jean-Marie Magro **Redaktion:** Vinzent-Vitus Leitgeb **Produktion:** Valérie Nowak _Zusätzliches Audiomaterial über Bundesregierung._

Ep 538Was der "Charlie Hebdo"-Prozess leisten kann
Mehr als fünf Jahre nach den Terroranschlägen auf die Redaktion von "Charlie Hebdo" und einen koscheren Supermarkt startet ein Prozess. Was kann der leisten? Im Januar 2015 ermordeten islamistische Attentäter 17 Menschen in Paris. Sie griffen das Satiremagazin "Charlie Hebdo" und einen jüdischen Supermarkt an. Die Täter wurden auf der Flucht alle erschossen. Nun, mehr als fünfeinhalb Jahre nach der Tat, beginnt in Paris ein Prozess. 14 vermeintliche Komplizen sind angeklagt. Nadia Pantel berichtet für die Süddeutsche Zeitung von vor Ort. Die Frankreich-Korrespondentin sagt, der Prozess sei schon ein Erfolg, wenn gezeigt würde, dass hinter den Anschlägen ein islamistisches Netzwerk steckt - und eben nicht drei irre Einzeltäter. **Weitere Themen:** Nawalny mit Nervenkampfstoff ermittelt, Spahn gegen Besuchsverbote, Afroamerikaner in Kalifornien von Polizei erschossen. **Moderation, Redaktion:** Jean-Marie Magro **Redaktion:** Laura Terberl, Lars Langenau **Produktion:** Carolin Lenk _Zusätzliches Audiomaterial über Élysée-Palast._

Ep 537Tarifverhandlungen: Geld statt Applaus
Am Dienstag beginnen neue Tarifverhandlungen auch für Angestellte im Gesundheitsbereich. Die Arbeitgeber des Öffentlichen Dienstes findet die Forderung von Verdi in Zeiten von Corona völlig überzogen. Heute beginnen neue Tarifverhandlungen auch für Angestellte im Gesundheitsbereich. Die Gewerkschaft Verdi vertritt 2,3 Millionen Krankenpfleger, Straßenbahnfahrer, Müllwerker und Erzieher im öffentlichen Dienst und fordert ein Plus von 4,8 Prozent. In Zeiten von Corona finden die Arbeitgeber der Kommunen und Städte die Forderung völlig überzogen. Eine kleine Erhöhung würden die Arbeitgeber trotz angespannter Finanzlage der Kommunen und Städte jedoch anbieten, sagt SZ-Politik-Redakteur Benedikt Peters. Allerdings bezweifelt er, dass es bei einer härteren Auseinandersetzung in der Bevölkerung genug Rückhalt für einen Streik geben wird. Der Abschluss werde aber sicher eine Signalwirkung haben. **Weitere Nacchrichten:** Palamentarischer Untersuchungsschuss für Wirecard-Skandal, Maskenpflicht bei Demos in Berlin, bundesweite Durchsuchungen im Missbrauchskandal von Bergisch Gladbach. **Moderation, Redaktion:** Lars Langenau **Redaktion:** Laura Terberl, Moritz Eder **Produktion:** Carolin Lenk, Julia Oyngerth _Zusätzliches Audiomaterial über _Handelsblatt__

Ep 536Eskalation am Bundestag: Maßlose Zumutung
Nazis haben die Stufen des Reichstagsgebäudes erklommen. Was ist ihr gemeinsamer Nenner mit den angeblich “normalen” Demonstranten? Gleich zweimal hat sich **Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier** zu der Erstürmung der Treppe des **Reichstagsgebäude** geäußert. Reichsflaggen auf den Stufen des Parlaments seien "nicht nur verabscheuungswürdig, sondern angesichts der Geschichte dieses Ortes geradezu **unerträglich**“. Wer den Straßen den Schulterschluss mit Rechtsextremisten suche, oder auch "wer nur gleichgültig neben Neonazis, Fremdenfeinden und Antisemiten herläuft, wer sich nicht eindeutig und aktiv abgrenzt, macht sich mit ihnen gemein“. Es habe sich die Gedankenwelt von Nazis vor dem Bundestag gezeigt, sagt auch der **Ressortleiter der SZ-Innenpolitik, Detlef Esslinger**. Viele Leute seien am Samstag mitgelaufen, obwohl sie wussten wer da mit ihnen demonstrieren würde. Gemeinsamer Nenner sei aber offenbar, dass man die Corona-Politik der Regierung für den Ausfluss einer Diktatur halte. Auch sei es grundsätzlich eine Anmaßung, wenn Demonstranten **"Wir sind das Volk"** rufen würden. Denn DAS Volk gebe es nicht, die Vorstellung davon lediglich eine Illusion. **Weitere Nachrichten**: Maskenpflicht an Bayerns Schulen, Ermittler greifen sich Vermögen von Ex-Wirecard-Chef. **Moderation, Redaktion:** Lars Langenau **Redaktion:** Vinhzent-Vitus Leitgeb **Produktion:** Carolin Lenk, Carlo Sarsky _Zusätzliches Audiomaterial über dpa_

Ep 535Corona-Demo in Berlin: Protest von allen Seiten
In Berlin wird am Samstag gegen die Corona-Schutzmaßnahmen demonstriert. Und das, obwohl die Aufmärsche zunächst verboten wurden. Ist es richtig, Demos zum Schutz der Allgemeinheit verbieten zu wollen? Das Berliner Verwaltungsgericht hat das Verbot der Demo gegen die Corona-Poltik am Samstag in der Hauptstadt in erster Instanz gekippt. Nach Auffassung des Gerichts sind die Demonstrationen unter Auflagen zur Einhaltung des Mindestabstands zulässig. Bleiben die Gerichte bei der Erlaubnis, muss die Polizei die Demonstration zähneknirschend begleiten. Das Verbot sei ein Eingriff in die Versammlungsfreiheit, meint auch SZ-Berlin-Korrespondent Jan Heidtmann. Allerdings habe es auch gute Gründe der Berliner Polizei für ein Verbot gegeben. Denn es sei nicht zu erwarten, dass sich die Teilnehmer an Hygieneregeln halten werden. Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) habe sich nach dem zeitweiligen Verbot schockiert gezeigt, so eine "massive Aggressivität" habe er noch nie zuvor gespürt. Auch würde eine "undurchschaubare Melange" an Demonstranten erwartet, sagt Heidtmann. Darunter seien viele rechtsradikale Gruppen, die zur Gewalt aufrufen würden. Und wer mit denen marschiere, mache sich gemein mit deren Sache. **Weitere Themen:** Corona: Kanzlerin ruft zum Durchhalten auf, Bayerns Grenzpolizei ist teils verfassungswidrig, Japans Premier Abe tritt zurück. **Moderation, Redaktion:** Lars Langenau **Redaktion:** Justin Patchett **Produktion:** Justin Patchett, Carlo Sarsky _Zusätzliches Audiomaterial über Reuters und dpa_

Ep 534US-Republikaner: Eine Show für Trump
Beim Parteitag der US-Republikaner redet sich Donald Trump die USA schön: Die Gefahr durch Corona ist tabu. Polizeigewalt und Rassismus werden ausgeblendet. Und so will er siegen? Diese Woche geht der **Parteitag der US-Republikaner** über die Bühne, bei dem amtierende Präsident erneut offiziell als Kandidat nominiert wird. **Donald Trump** tritt jeden Abend auf - und redet die Lage des Landes schön. Auch die republikanische Partei feiert sich vier Tage lang selbst - mit Reden von Parteimitgliedern und US-Bürgern, deren Leben Trump **positiv beeinflusst** haben soll. Er selbst lobt sich als **Heilsbringer**, der die USA wirtschaftlich vorangebracht und vor dem **Coronavirus** bewahrt hat, sagt **USA-Korrespondent Thorsten Denkler**. Von den 175.000 Toten und Millionen Infizierten redet da keiner. Gleichzeitig haben die USA neben Corona noch ganz andere Probleme: Im ganzen Land ist es zu erneuten Protesten gegen **Polizeigewalt und Rassismus** gekommen, nachdem ein Polizist den Schwarzen Jacob Blake mehrmals in den Rücken geschossen hatte. **Weitere Themen:** Lebenslange für Christchurch-Attentäter, Großveranstaltungen bleiben tabu, Deutsche müssen in Norwegen in Quarantäne. Den SZ-Newsletter zur US-Wahl finden Sie [hier.](http://sz.de/us-newsletter) **Moderation, Redaktion:** Nabila Abdel Aziz **Redaktion:** Laura Terberl, Lars Langenau **Produktion:** Carolin Lenk _Zusätzliches Audiomaterial über Reuters und ABC News_

Ep 533Hilft ein Alkoholverbot gegen Corona?
Wenn die Corona-Infektionen in München weiter steigen, droht der Stadt ein Alkoholverbot. Auch in anderen deutschen Städten gibt es schon Alkoholverbote, damit sich das Coronavirus nicht so stark verbreitet. Es ist allerdings unklar, wie effektiv so ein Verbot sein kann. Wenn in München die Zahl der Corona-Infektionen weiter steigt, wird es ein Alkoholverbot geben. Das hat der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter bekannt gegeben. Dann darf ab 21 Uhr kein Alkohol mehr verkauft werden und im öffentlichen Raum ist der Konsum ab 23 Uhr verboten. München ist nicht die einzige Stadt, in der man über Alkoholverbote nachdenkt, um Corona-Infektionen zu verhindern. Auch in Hamburg, Bamberg, Nürnberg und Augsburg gibt es Verbote. Weltweit haben zum Beispiel Spanien und Südafrika wegen Corona Alkoholverbote durchgesetzt, teilweise verbunden mit hohen Bußgeldern. SZ Redakteur Franz Kotteder erklärt im Podcast, wie effektiv ein Alkoholverbot beim Eindämmen der Infektionszahlen sein kann und wie schwer es ist, ein solches Verbot durchzusetzen. Weitere Themen: Verbot der Corona-Demo in Berlin und erneute Polizeigewalt in den USA

Ep 532Coronavirus in Spanien: Vom Musterland zur neuen Krisenregion
In Spanien steigt die Zahl der Corona-Neuinfektionen wieder dramatisch und das Land gilt erneut als Risikogebiet. Kann die Pandemie auch ohne neuen Lockdown eingedämmt werden? In **Spanien** gibt es insgesamt mehr als 400.000 bestätigte Corona-Infektionen und fast 29.000 Todesfälle. Die spanische Regierung hatte im März für sieben Wochen einen sehr harten Lockdown verhängt. Das Land bekam die **Pandemie** in den Griff. Jetzt zeigen die Kurven aber wieder steil nach oben: Binnen drei Tagen wurden **19.000 Neuinfektionen** registriert. Mitte August hat die Bundesregierung Spanien als **Corona-Risikogebiet** eingestuft. Das ist eine Katastrophe für das Land, denn mehr als fünf Millionen Jobs hängen mit dem Fremdenverkehr zusammen, sagt der **Redakteur der SZ-Außenpolitik Sebastian Schoepp**. Die **Arbeitslosigkeit** sei um 25 Prozent gestiegen, die sozialen Verwerfungen seien inzwischen erheblich. Auch in Spanien werde demonstriert, aber im Gegensatz zu Deutschland leugne niemand die Gefahr. **Weitere Nachrichten:** Wirtschaftlicher Schaden durch Corona, Genesene erneut mit Corona infiziert, Massenentlassung bei Wirecard. **Moderation, Redaktion:** Lars Langenau **Redaktion, Produktion:** Laura Terberl **Produktion:** Justin Patchett

Ep 531Nawalny im Koma: Wer hat ihn vergiftet?
Immer wieder werden russische Regimekritiker angegriffen. Doch wer dafür verantwortlich ist, lässt sich nur sehr schwer aufklären - auch weil oft gezielt falsche Informationen verbreitet werden. Zwölf Stunden musste am Freitag die Besatzung eines Sonderflugzeugs darauf warten, dass sie Alexej Nawalny nach Berlin ausfliegen dürfen. Seine Ärzte in der sibirischen Stadt Omsk wollten ihn nicht gehen lassen, wohl aus medizinischen Gründen. Nawalnys Mitstreiter behaupten allerdings, dass seine Verlegung nach Deutschland aus politischen Gründen hinausgezögert wurde. Denn der russische Oppositionelle ist einer der schärfsten Kritiker Wladimir Putins. Ärzte der Berliner Charité gehen davon aus, dass Nawalny vergiftet wurde. Darauf wiesen klinische Befunde hin, teilte die Klinik am Montag in Berlin mit. Der Gesundheitszustand Nawalnys sei ernst, es bestehe aber keine akute Lebensgefahr. Es wäre nicht das erste Mal, dass ein solcher Anschlag auf einen russischen Oppositionellen verübt wird: 2018 zum Beispiel wurde in London Sergei Skripal und seine Tochter vergiftet, beide überlebten nur knapp. Der Fall löste eine schwere politische Krise aus. SZ-Redakteur Julian Hans erklärt im Podcast, wieso Gift ein beliebtes Mittel in Russland ist und warum es so schwierig sein wird, den Fall Nawalny aufzuklären.

Ep 530Biden und Obama: Guter Bulle, böser Bulle
Joe Biden ist jetzt auch offiziell der Kandidat der Demokraten. Seine Wahlkampfrede ist vor allem eines: kitschig. Verfängt diese Strategie? Joe Biden wählt bei seiner Rede auf dem Parteitag der Demokraten sehr pathetische Worte. Die nächste Wahl sei eine über zwei verschiedene Wege: Der eine sei der des "Schattens" und der "Verdächtigungen". Der andere einer der "Heilung, der Hoffnung und des Lichts". Biden ist jetzt ganz offiziell der nominierte Präsidentschaftskandidat der Demokraten. Und die haben sich so eingespielt wie selten in den letzten Jahren gezeigt. Vor allem Ex-Präsident Barack Obama fuhr eine frontale Attacke auf seinen Nachfolger Donald Trump. SZ-Außenpolitik Stefan Kornelius erkennt darin eine schlaue Aufteilung der Aufgaben zwischen dem früheren Präsidenten und dem, der es werden will. **Weitere Themen:** Kalbitz bleibt weiter von AfD ausgeschlossen, Nawalny darf nincht verlegt werden. **Redaktion, Moderation:** Jean-Marie Magro **Redaktion:** Laura Terberl **Produktion:** Carolin Lenk

Ep 529Delivery Hero im Dax: Aufstieg ohne Gewinne
Wirecard scheidet wegen Insolvenz aus dem Dax aus. An seine Stelle tritt Delivery Hero. Ein Konzern mit sattem Umsatz-Plus, aber Millionen-Verlusten. Bis zu 2,8 Milliarden Euro - so hoch könnte der Umsatz von Delivery Hero in diesem Jahr ausfallen. Ungefähr doppelt so hoch wie im letzten. Die Coronakrise schadet nämlich nicht allen Wirtschaftszweigen, es gibt auch Profiteure. Und einer davon sind die Essenslieferdienste, wie eben Delivery Hero. Und weil der Wirecard-Konzern nach seinem Betrugsskandal Insolvenz anmelden musste, wird jetzt ein Platz im Deutschen Aktienindex frei. Für Wirecard rückt Delivery Hero auf. Ein Unternehmen, das Verluste schreibt. Nicht ungewöhnlich, sagt Jan Schmidbauer. Der SZ-Wirtschaftsredakteur erklärt, wie der Industriestandort Deutschland durch Unternehmen, die große Wetten eingehen, umgekrempelt wird. **Weitere Themen:** Auswärtiges Amt wanrt vor Reisen in Teile Kroatiens, Nawalny im Koma. **Redaktion, Moderation:** Jean-Marie Magro **Redaktion:** Laura Terberl **Produktion:** Valérie Nowak, Julia Ongyerth

Ep 528Testchaos in Bayern: Huml wird zur Gefahr für Söder
Gesundheitsministerin Huml wusste früher über das Testchaos Bescheid, als sie andeutete. Das kann Musterschüler Markus Söder nicht recht sein. Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml musste vor einer Woche erklären, dass mehr als 44.000 Menschen, die sich an bayerischen Autobahnen auf das Coronavirus haben testen lassen, nach ihrem Urlaub auf ihr Ergebnis warten. Fast 950 sind bis jetzt nachgewiesenermaßen Corona-positiv. Der SZ liegt eine Mail vor, die belegt, dass Huml das Ausmaß des Testchaos schon zwei Tage vorher bekannt war, als sie ursprünglich sagte. Huml verteidigt ihr Vorgehen in einer Sondersitzung des Bayerischen Gesundheitsausschusses. Ihren Rücktritt könnte wohl nur der Ministerpräsident selbst erzwingen, sagt Andreas Glas. Der SZ-Landtagskorrespondent meint, dass dieses Chaos aber auch schon Markus Söder schadet. Weitere Themen: EU-Staaten erkennen Wahl in Belarus nicht an, Unfallserie auf Berliner Stadtautobahn, Heil kann sich Vier-Tage-Woche vorstellen. **Redaktion, Moderation:** Jean-Marie Magro **Redaktion:** Lars Langenau **Produktion:** Valérie Nowak _Weitere Audioquellen: Bayerische Staatsregierung_

Ep 527Wie die US-Demokraten Trump schlagen wollen
Bei ihrem virtuellen Parteitag läuten die US-Demokraten die heiße Wahlkampf-Phase ein. Leider wirkt die Veranstaltung streckenweise wie eine schlecht organisierte Zoom-Konferenz - doch Bernie Sanders und vor allem Michelle Obama retten den Abend. Die US-Demokraten halten gerade ihren viertägigen virtuellen Parteitag ab, bei dem Joe Biden offiziell als Präsidentschaftskandidat gekürt wird. Bei den Reden am ersten Tag geht es aber sehr oft nicht um Biden, sondern um Donald Trump - eine zweite Amtszeit von Trump müsse unter allen Umständen verhindert werden, das sagen mehrere Redner im Laufe des Abends. Die beste Rede kommt von Michelle Obama, der ehemaligen First Lady. Sie rettet quasi den Abend, da die virtuelle Veranstaltung davor eher wie eine amateurhafte Zoom-Konferenz gewirkt hätte, sagt Hubert Wetzel, unser US-Korrespondent in Washington. Er erklärt im Podcast, für welches Publikum der Parteitag vor allem gedacht ist - und wieso die Strategie, vor allem gegen Trump Wahlkampf zu machen, funktionieren könnte. Weitere Nachrichten: CSU-Ministerin Huml wusste schon früher von Corona-Test-Panne, Kalbitz schlägt Hohloch, Containern weiterhin strafbar. Nach Redaktionsschluss ist Kalbitz endgültig als Fraktionsvorsitzender in Brandenburg zurückgetreten, die aktuelle Entwicklung lesen Sie hier: https://bit.ly/2YblIpL Den angesprochenen Artikel über das Grundeinkommen-Experiment lesen Sie hier: https://bit.ly/3iQdc7n **Redaktion, Moderation:** Laura Terberl **Redaktion:** Vinzent-Vitus Leitgeb **Produktion:** Justin Patchett Weitere Audioquellen: Reuters

Ep 526Belarus: Ist die Zeit des “letzten Diktators Europas” abgelaufen?
Seit 26 Jahren regiert Alexander Lukaschenko Belarus. Doch seit seiner Wiederwahl mit angeblich 80 Prozent gibt es massive Proteste. Seit Tagen demonstrieren Zehntausende in Balarus gegen **Alexander Lukaschenko**. Spätestens seit der Präsident vor einer Woche mit angeblich 80,23 Prozent für eine sechste Amtszeit wiedergewählt wurde, gibt es Proteste im ganzen Land. Kaum jemand glaubt, dass **Swetlana Tichanowskaja**, die Kandidatin der Opposition, nur auf knapp zehn Prozent gekommen sein soll. Doch obwohl Lukaschenko am Montag einer Verfassungsreform zustimmte, lehnt er eine Neuwahl kategorisch ab. Inzwischen reicht der Protest in alle Teile der Gesellschaft, sagt **SZ-Russland-Korrespondentin Silke Bigalke**. Auch Russlands Präsident Wladimir Putin empfinde seinen Amtskollegen in **Minsk** zusehends als Belastung. Über die zentrale Figur der Opposition, Tichanowskaja, wisse man noch wenig. Aber sie sei ein Gegenentwurf zu einem Mann, den Guido Westerwelle einst den “**letzten Diktator Europas**” nannte. **Weitere Nachrichten:** Parteitag der US-Demokraten, FDP-Generalsekretärin Linda Teuteberg tritt ab. **Redaktion, Moderation:** Lars Langenau **Redaktion:** Laura Terberl **Produktion:** Carolin Lenk, Carlo Sarsky _Weitere Audioquellen: Guardian News und The Independent_

Ep 525Kühnert: "Mein Respekt für Olaf Scholz musste erst wachsen"
SPD-Vize Kevin Kühnert über sein Verhältnis zu Olaf Scholz, warum er für ihn als Kanzlerkandidaten wirbt und welche Rolle er selbst im Wahlkampf spielen wird. Olaf Scholz steht für viele linke Sozialdemokraten symbolisch für den Niedergang der letzten Jahre. Wohl auch deswegen konnte Scholz mit seiner damaligen Tandempartnerin Klara Geywitz nicht die Wahl um den Parteivorsitz gewinnen. Und ausgerechnet Scholz soll jetzt derjenige sein, der für die SPD das Kanzleramt wieder erobert? Ja, sagen nicht nur seine Vertrauten, sondern auch diejenigen, die noch vor ein paar Monaten gegen ihn Wahlkampf gemacht und gewonnen haben: Saskia Esken, Norbert Walter-Borjans und sogar Kevin Kühnert. Der stellvertretende Parteivorsitzende und Juso-Chef zählt wirklich nicht zu den Freunden von Olaf Scholz. Warum soll der Finanzminister jetzt doch der richtige Kandidat sein? "Mein Respekt für Olaf Scholz musste erst wachsen", erklärt Kühnert in dieser Folge. **Weitere Themen:** RKI-Studie in Kupferzell, EU begrüßt Übereinkunft zwischen Israel und VAE. **Redaktion, Moderation:** Jean-Marie Magro **Redaktion:** Laura Terberl **Produktion:** Valérie Nowak _Weitere Audioquellen: SPD_

Ep 524Gesundheitsämter: Woran es fehlt im Kampf gegen Corona
Zuerst eine Panne beim RKI, dann eine in Bayern. Sind die Behörden der Corona-Krise gewachsen? Beim Blick auf die Gesundheitsämter kommen Zweifel auf. Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml muss am Mittwoch eine sehr unangenehme Pressekonferenz abhalten. Etwa 44.000 Menschen, die von einer Reise zurückgekehrt sind, haben noch kein Testergebnis bekommen. Darunter sind auch 900 nachweislich mit dem Coronavirus infizierte Personen. Und auf Bundesebene veröffentlicht das Robert-Koch-Institut ein veraltetes Papier, wonach schon im Herbst mit einem Impfstoff gerechnet werde. Das Papier wurde kurz danach zurückgezogen. Sind die Behörden der Corona-Krise gewachsen? Beim Blick auf die Gesundheitsämter konstatiert Kristiana Ludwig, dass diese noch immer unterbesetzt sind. Die SZ-Hauptstadtkorrespondentin meint, es fehle eine schnelle Eingreiftruppe, die in Hotspots kurzfristig intervenieren kann. **Weitere Themen:** Über 1400 Neuinfektionen, 700 Festnahmen in Belarus, Delivery Hero Favorit für Dax. **Redaktion, Moderation:** Jean-Marie Magro **Redaktion:** Vinzent-Vitus Leitgeb **Produktion:** Carolin Lenk _Weitere Audioquellen: Reuters_

Ep 523Biden und Harris: Gemeinsam gegen Trump
Joe Biden hat seine Kandidatin für die Vizepräsidentschaft bekanntgegeben: Kamala Harris, eine Senatorin aus Kalifornien, die ihn im Vorwahlkampf noch stark kritisiert hatte. Wieso die Senatorin eine gute Wahl ist. Kamala Harris war Bezirksstaatsanwältin in San Francisco und später Generalstaatsanwältin in Kalifornien. Seit 2017 sitzt sie im US-Senat und hat sich dort schnell einen Namen gemacht. Vergangenes Jahr kandidierte sie als Präsidentschaftskandidatin, hatte damit aber keinen Erfolg. Seit März unterstützt sie offen Joe Biden, jetzt hat er sie als Vize nominiert - obwohl sie ihn im Vorwahlkampf stark kritisiert hatte. SZ-Korrespondent Thorsten Denkler erklärt im Podcast, wieso Biden und Harris ein gutes Duo abgeben und mit welcher Strategie sie Trump schlagen wollen. Weitere Nachrichten: Proteste in Belarus dauern an, Corona-Infektionen nehmen in Deutschland zu. **Redaktion, Moderation:** Laura Terberl **Redaktion:** Vinzent-Vitus Leitgeb **Produktion:** Carolin Lenk Weitere Audioquellen: Twitter-Account Kamala Harris, C-Span, Reuters

Ep 522Libanon: Warum der Wiederaufbau so schwierig ist
Nach der Explosion in Beirut vergangene Woche ist am Montag die libanesische Regierung zurückgetreten. Wie es in dem maroden Staat jetzt weitergehen kann. Die Bewohner Beiruts machen die Regierung für die Katastrophe verantwortlich, vor allem am Wochenende eskalierten die Straßenschlachten zwischen der Polizei und den Demonstranten. Und tatsächlich wurde am Dienstag bekannt, dass die libanesische Regierung wohl vor einer möglichen Explosion am Hafen gewarnt wurde. Sicherheitsexperten haben nach Reuters-Informationen im Juli sogar explizit die 2750 Tonnen Ammoniumnitrat erwähnt, die zu der gewaltigen Explosion geführt hatten. Die Chemikalien hatten der Regierung zufolge sechs Jahre lang ungesichert im Hafen gelagert. Moritz Baumstieger ist Redakteur in der SZ-Außenpolitik und ist vergangene Woche nach der Explosion nach Beirut gereist. Schon vor der Katastrophe gab es eine Protestbewegung in der Stadt, die sich gegen die Regierung gestellt hat. Er beschreibt, wie diese Bewegung jetzt noch größer geworden ist - und wie die Bewohner mit einfachsten Mitteln versuchen, die Trümmer in der Stadt selbst wegzuräumen. **Redaktion, Moderation:** Laura Terberl **Redaktion:** Vinzent-Vitus Leitgeb **Produktion:** Justin Patchett, Julia Ongyerth

Ep 521Schulstart in der Pandemie: “Es ist ohne Alternative”
Für hunderttausende Schülerinnen und Schüler beginnt diese Woche das neue Schuljahr. Worauf Schulen jetzt achten sollten, erklärt der Kinderarzt und Infektionsepidemiologe Johannes Hübner. Diese Woche kommen in vier Bundesländern hunderttausende Schülerinnen und Schüler zurück aus den Ferien. Das neue Schuljahr soll wieder möglichst normal ablaufen, mit möglichst viel Präsenz-Unterricht. Aber auch die Nervosität ist hoch: Wie lassen sich neue Corona-Fälle und Schulschließungen verhindern? "Es gibt keine Lösung für alle", sagt Prof. Dr. Johannes Hübner, der Stellvertretenden Leiter des Haunerschen Kinderspitals in München. Er hat an Empfehlungen für Schulen mitgearbeitet und spricht sich für ein schrittweises Vorgehen je nach Fallzahlen aus. Masken im Unterricht seien nur die Ultima Ratio.

Ep 520Champions League: Geisterturnier in Lissabon
Nach monatelanger Pause spielen die besten europäischen Klubs die Champions-League-Saison zu Ende. Es ist das unvorhersehbarste Turnier seit langem. Monate nach dem überzeugenden Auswärtssieg gegen Chelsea steht für den FC Bayern nun endlich das Rückspiel an. Die Münchner gehören zum Kreis der Favoriten dieser so ungewöhnlichen Champions-League-Saison, deren Finale in Lissabon ausgetragen wird. Keine Hin- und Rückspiele, sondern nur noch ein K.o.-Spiel. Bei diesem Turnier gibt es so viele Unbekannte wie noch nie zuvor, sagt Martin Schneider. Der SZ-Sportredakteur erklärt, dass eine Vorhersage dieses Mal kaum möglich sei. Aber sollte ein solches Turnier in einem Corona-Hotspot wie Lissabon überhaupt stattfinden? **Weitere Themen:** Trump unterschreibt Dekret gegen TikTok und WeChat, Lehrerverband fordert strengere Hygienemaßnahmen. **Redaktion, Moderation:** Jean-Marie Magro **Redaktion:** Vinzent-Vitus Leitgeb **Produktion:** Valérie Nowak

Ep 519Warum Attila Hildmann noch nicht angeklagt wurde
Selbst bei Aufrufen zu Gewalt und zum Umsturz des Staates müssen sich Hetzer wie Attila Hildmann nicht vor Strafverfolgung fürchten. Wie kann das sein? Das Coronavirus für eine leichte Grippe zu halten ist eine Sache. Offen zu Gewalt, Hass und zum Umsturz des Staates aufzurufen eine andere. Attila Hildmann, der eigentlich Koch ist, hat so auf sich aufmerksam gemacht. Immer wieder spricht er von einer Verschwörung der Zionisten, von einem Krieg gegen sie. Hildmann folgen auf seinem Telegram-Kanal 68.000 Menschen. Er ruft dazu auf, zu kämpfen und stellt sich mit einer schwarz-weiß-roten Flagge vor den Reichstag. Trotzdem muss er sich bisher vor keiner Anklage fürchten, weil das Strafrecht viel Interpreationsspielraum zulässt, erläutert in dieser Folge SZ-Hauptstadtkorrespondent Ronen Steinke. **Weitere Themen:** EU sagt Libanon 33 Millionen Euro Hilfe zu, 1045 Neuinfektionen an einem Tag, Testpflicht ab Samstag. **Redaktion, Moderation:** Jean-Marie Magro **Redaktion:** Laura Terberl **Produktion:** Carolin Lenk

Ep 518Explosion in Beirut: Was bisher bekannt ist
In Beirut gibt es eine riesige Explosion. Die Stadt gleicht einem Schlachtfeld - und das mitten in der Corona- und Wirtschaftskrise. Die Bilder aus Beirut sind Bilder, die einem das Fürchten lehren. Am Dienstagabend ereignet sich dort die größte Explosion, die es im Libanon je gegeben hat. Eine rote Rauchwolke schießt nach oben. Daraufhin breitet sich eine Druckwelle kreisförmig aus und bringt sogar noch kilometerweit entfernt Fensterscheiben zum bersten. Das Rote Kreuz spricht von mindestens 100 Toten und 4000 Verletzten. Aber die Zahlen der Opfer werden immer wieder nach oben korrigiert. Die libanesische Regierung beschreibt, dass in einer Lagerhalle etwa 2750 Tonnen Ammoniumnitrat lagen. Ganz ohne Sicherheitsvorkehrungen. Die seien detoniert. Es klingt einerseits unfassbar, doch gleichzeitig symptomatisch für den Libanon, sagt der SZ-Nahostexperte Moritz Baumstieger. **Weitere Themen:** Deutschland und EU sagen Libanon Hilfen zu, Stephan Ernst gesteht. **Redaktion, Moderation:** Jean-Marie Magro **Redaktion:** Laura Terberl **Produktion:** Carolin Lenk _Zusätzliches Audiomaterial von Twitter._

Ep 517Corona: Wie der Impfstoff verteilt wird
Obwohl die Impfstoffe gegen das Coronavirus noch an Menschen getestet werden müssen, kaufen schon viele Länder vorab mehrere Millionen Dosen. Warum das sinnvoll ist und wie der Impfstoff schließlich in der Bevölkerung verteilt werden soll. Aktuell wird an mehr als 165 Impfstoffen gearbeitet, die vor dem Coronavirus schützen sollen. Zugelassen ist davon noch keines. Immerhin sechs davon gelten als "sicher" und können nun am Menschen getestet werden. Was in Ländern wie den USA oder Brasilien bereits gemacht wird. Obwohl noch nicht klar ist, ob einer der Impfstoffe erfolgreich gegen das Coronavirus schützen kann, kaufen viele Regierungen schon jetzt große Mengen Vakzine. Die europäische Kommission will zum Beispiel 300 Millionen Dosen des gemeinsamen Präparats von Sanofi und dem Unternehmen Glaxo Smith Kline kaufen. Ob das jetzt schon sinnvoll ist und wie zu gegebener Zeit der Impfstoff verteilt wird, darüber spricht Kathrin Zinkant, Wissenschaftsredakteurin der Süddeutschen Zeitung. Weitere Themen: Cum-Ex-Razzia beim Bankenverband, Laschet bricht aus Sicherheitsgründen seinen Besuch im Flüchtlingslager Moria ab, 166 Corona-Infizierte in bayerischer Konservenfabrik. Redaktion, Moderation: Christina Winkler Redaktion: Laura Terberl Produktion: Julia Ongyerth, Justin Patchett

Ep 516Warum sich China und USA um Tiktok streiten
US-Präsident Donald Trump will die Social-Media-Plattform Tiktok verbieten - es sei denn, der jetzige Besitzer Bytedance verkauft sein US-Geschäft an Microsoft. Wie die chinesische Plattform zum Politikum wurde. Die Videoplattform Tiktok hat weltweit mehr als eine Milliarde Nutzer, allein in den USA sind es 100 Millionen. Letzte Woche kündigte Trump an, die App in Amerika verbieten zu lassen, er habe Sicherheitsbedenken und geht davon aus, die chinesische Regierung würde über die App Nutzerdaten sammeln. Seitdem zeigt die Firma Microsoft Interesse daran, unter anderem den amerikanischen Markt zu übernehmen. Aktuell besitzt die in Peking ansässige Firma Bytedance die Mehrheit der App. Wie sehr diese Firma von der chinesischen Regierung beeinflusst wird und inwiefern Tiktok nur Ausdruck des Konflikts zwischen Amerika und China ist, darüber spricht Lea Deuber, die SZ-Korrespondentin in China. **Weitere Themen:** Demonstrationen gegen Corona-Maßnahmen in Berlin, neue Autobahnbrücke "San Giorgio" in Genua **Redaktion, Moderation:** Christina Winkler **Redaktion:** Laura Terberl **Produktion:** Julia Ongyerth, Carlo Sarsky

Ep 515Steigende Fallzahlen: Das Coronavirus schleicht sich an
Nach relativ sorglosen Wochen infizieren sich nun wieder mehr Menschen mit dem Coronavirus. Wachsamkeit ist angesagt. Eigentlich schien es so, als hätte man sich in Deutschland an das Leben mit dem Coronavirus gewöhnt: Im Supermarkt, im Kaufhaus und in der Bahn tragen fast alle brav Mund- und Nasenschutz. Große Events gibt es nur wenige und wenn, dann möglichst im Freien. Und überhaupt ist so etwas wie eine neue Normalität eingekehrt. Das lag vor allem daran, dass es in den vergangenen beiden Monaten wenige Fälle gegeben hatte. Doch nun steigen seit ein paar Tagen die Fallzahlen wieder. Zwar nicht explosionsartig, aber stetig. Der Präsident des Robert-Koch-Instituts Lothar Wieler zeigt sich beunruhigt - und er hat allen Grund dazu, meint der SZ-Datenjournalist Christian Endt. **Weitere Themen:** Reisewarnungen für drei spanische Regionen, Eurozonen-Wirtschaft bricht drastisch ein. **Redaktion, Moderation:** Jean-Marie Magro **Redaktion:** Laura Terberl **Produktion:** Carolin Lenk _Zusätzliches Audiomaterial von RKI._

Ep 514Die Jahrhundert-Rezession ist da
Die deutsche Wirtschaft schrumpft im Vergleich zum letzten Quartal um 10,1 Prozent. Was dieser Einbruch bedeutet, darum geht es in dieser Folge. Die deutsche Wirtschaft ist in den Monaten April, Mai und Juni stark eingebrochen. Das geht aus dem Bericht des Statistischen Bundesamts hervor. Sowohl Exporte als auch Importe sind laut den Statistikern massiv runtergegangen. Zwar erwarten Ökonomen eine leichte Erholung in den Sommermonaten, doch schon im Herbst könnte die Konjunktur wieder stark schrumpfen. Der Bundesregierung bleibt nichts anderes übrig als auf Sicht zu fahren, sagt Bastian Brinkmann. Der SZ-Wirtschaftsredakteur räumt ein, dass er mit so einem Einbruch zum Anfang der Pandemie nicht gerechnet hatte. **Weitere Themen:** Deutsche Bahn mit großem Minus, Schäuble offen für Wirecard-Untersuchungsausschuss, Seehofer untersagt Berlin mehr Geflüchtete aufzunehmen. **Redaktion, Moderation:** Jean-Marie Magro **Redaktion:** Laura Terberl **Produktion:** Carlo Sarsky _Zusätzliches Audiomaterial von rbb._

Ep 513Warum die Mieten auch während Corona nicht sinken
Trotz Coronakrise bleiben die Mieten auf einem konstant hohen Niveau, die Kaufpreise für Immobilien steigen sogar immer weiter. Wie kann das sein? Zum Anfang der Coronakrise wurde oft gesagt, dass auch in dieser Chancen stecken würden. Eine war, so haben viele gehofft, dass die Mieten günstiger werden könnten. Aber das wird wohl eine Wunschvorstellung bleiben. Die Mieten bleiben stabil auf einem hohen Niveau. Die Kaufpreise für Immobilien steigen sogar. In München kostet ein Quadratmeter einer Neubauwohnung jetzt fast 10.000 Euro. Und auch in anderen Großstädten werden Immobilien immer teurer. Warum die größte Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit diesem Trend keinen Abbruch tut, erklärt der SZ-Redakteur Thomas Öchsner. **Weitere Themen:** Kabinett beschließt Gesetzesentwurf für Fleischindustrie, EU-Kommission bestellt 30.000 Dosen Remdesivir, USA wollen fast 12.000 Soldaten abziehen. **Redaktion, Moderation:** Jean-Marie Magro **Redaktion:** Laura Terberl und Sophia Fehrenbach **Produktion:** Julia Ongyerth _Zusätzliches Audiomaterial von dpa._

Ep 512Wie Trump die Proteste in den USA für sich nutzt
Seit Monaten gehen die Menschen in den USA gegen Rassismus und Polizeigewalt auf die Straße. Jetzt eskalieren in einigen Städten die Proteste erneut. Was sich Trump davon erhofft. Portland, eine Stadt an der Westküste im Bundesstaat Oregon ist das neue Epizentrum der Proteste in den USA. Seit mehr als 60 Tagen gehen dort die Menschen auf die Straße. Und seit ungefähr zehn Tagen sind dort auch Bundespolizisten im Einsatz, um diese Proteste unter Kontrolle zu bringen - obwohl weder der Bürgermeister noch die Gouverneurin Kate Brown diesen Einsatz wollen. US-Präsident Donald Trump hat dagegen den Einsatz öfter gelobt und droht anderen US-Städten damit, ebenfalls Bundespolizisten zu entsenden. Trump möchte sich als „law and order“ Präsident präsentieren, sagt Christian Zaschke, SZ-Korrespondent in New York. Wenn die Proteste weiterhin eskalieren, kann er seinen Anhängern versprechen, umso strenger dagegen vorzugehen. Denn bisher läuft Trumps Wahlkampf nicht besonders gut.

Ep 511Reisen: Warum es eine Corona-Testpflicht braucht
Eine Corona-Testpflicht für Reiserückkehrer aus Risikogebieten wird gerade rechtlich geprüft. Aber wer soll die Tests bezahlen? Die Corona-Fallzahlen sind in den letzten Wochen wieder etwas gestiegen. Und zwar so sehr, dass sich das Robert-Koch-Institut besorgt zeigte. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder sowie einige andere handelnde Politikerinnen und Politiker führen den Anstieg auf die Reiserückkehrer zurück. Das Virus würde also aus dem Ausland wieder eingeschleust. Ein wirksames Mittel dagegen wäre, wenn alle Rückkehrer sich sofort testen lassen würden. Derzeit prüft das Bundesgesundheitsministerium, ob eine Testpflicht für Urlauber, die in Risikogebieten Ferien gemacht haben, rechtlich möglich wäre. Ein richtiger Schritt, findet Detlef Esslinger. Der SZ-Innenpolitikchef meint, dass Urlauber bewusst ein Risiko eingehen und sich im Sinne der Allgemeinheit testen lassen sollten. **Weitere Themen:** Kein Recht auf Vergessenwerden, Waffenruhe in Ostukraine gebrochen, Bolsonaro in Den Haag angeklagt. **Redaktion, Moderation:** Jean-Marie Magro **Redaktion:** Laura Terberl und Sophia Fehrenbach **Produktion:** Julia Ongyerth _Zusätzliches Audiomaterial von dpa, ARD und ZDF._

Ep 510Hagia Sophia als Moschee: Tritt vors Schienbein der Christen
Erst Kirche, dann Moschee, dann Museum - und jetzt wieder Moschee: die Hagia Sophia in Istanbul. Wie Erdoğan die Umwidmung politisch nutzt. In einer Art triumphalem Staatsakt ist die 1500 Jahre alte Hagia Sophia am Freitag als Moschee wiedereröffnet worden. Staatsoberhaupt Recep Tayyip Erdoğan betete mit Gläubigen in Istanbul. Vor 1500 Jahren unter dem byzantinischen Kaiser Justinian eingeweiht, wurde aus der Hauptkirche der orthodoxen Christen 1453 eine Moschee. Und die Hagia Sophia zum Symbol des Sieges des Islams über das Christentum. Neben der Kaaba in Mekka und der Al-Aksa-Moschee in Jerusalem ist die Hagia Sophia für viele Muslime der religiöseste Ort der Welt, sagt Türkei-Korrespondent Tomas Avenarius. Erdoğan und seine Regierungspartei AKP begeistere mit der "hochpolitischen Entscheidung" türkische Nationalisten und Islamisten, aber entgeistere orthodoxe Christen und Säkulare. Der Präsident wolle damit an alte osmanische Traditionen anzuknüpfen und gleichzeitig von innenpolitischen Problemen ablenken. Die moderne, laizistische Türkei bekomme einen konservativen, islamischen Anstrich. **Weitere Nachrichten:** Wirecard-Skandal: Erste Klage gegen Bafin, Trump sagt Parteitag ab, Streit zwischen China und den USA eskaliert. **Redaktion, Moderation:** Lars Langenau **Redaktion:** Sophia Fehrenbach, Laura Terberl **Produktion:** Julia Ongyerth _Zusätzliches Audiomaterial von der Facebookseite von Recep Tayyip Erdoğan._

Ep 509Mord verjährt nicht - die NS-Zeit erst recht nicht
Der inzwischen 93-Jährige Bruno D. kam kurz vor seinem 18. Geburtstag zum KZ Stutthof bei Danzig. In diesem Lager wurden 65.000 Menschen ermordet. Vor allem Jüdinnen und Juden, politische Gefangene sowie Polinnen und Polen. D. war Wachmann und passte auf, dass die Gefangenen nicht fliehen konnten. Nun verurteilte das Landgericht Berlin den Mann. Er erhielt eine zweijährige Hafstrafe auf Bewährung. Das Urteil spielt dabei nicht die erste Rolle, sagt Peter Burghardt. Der SZ-Reporter meint, wichtig bei solchen Prozessen sind die eindrücklichen Schilderungen einer Generation, die bald nicht mehr da sein wird und damit auch nicht mehr erzählen kann. **Weitere Themen:** AKK stellt neuen Freiwilligendienst vor, Haftstrafen nach Gruppenvergewaltigung in Freiburg. **Redaktion, Moderation:** Jean-Marie Magro **Redaktion:** Laura Terberl **Produktion:** Valérie Nowak _Zusätzliches Audiomaterial von dpa._

Ep 508Wirecard-Skandal: Was wusste Olaf Scholz?
Ein Untersuchungsausschuss zur Wirecard-Affäre wird immer wahrscheinlicher. Und der dürfte dem Kanzleraspiranten Olaf Scholz nicht gerade schmecken. Drei Ex-Vorstände festgenommen, ein Viertel der Bilanzsumme soll es nicht gegeben haben und seit Ende 2015 seien nur noch Verluste geschrieben worden: Der Wirecards-Skandal nimmt immer größere Züge an. Und es stellen sich immer mehr die Fragen, wie dieser große Betrug eigentlich möglich war, wie die Kontrollinstanzen so versagen konnten und was die Bundesregierung davon wusste. Ein Untersuchungsausschuss im Bundestag wird immer wahrscheinlicher und der würde Finanzminister Olaf Scholz, der ja unbedingt Kanzler werden möchte, in einem Wahljahr nicht so richtig schmecken, sagt SZ-Hauptstadtkorrespondentin Cerstin Gammelin. **Weiteres Thema:** Chinesisches Konsulat in Houston soll schließen. **Redaktion, Moderation:** Jean-Marie Magro **Redaktion:** Vinzent-Vitus Leitgeb **Produktion:** Carlo Sarsky _Zusätzliches Audiomaterial von ZDF heute journal._

Ep 507Als der EU-Gipfel in den Abgrund blickte
Jetzt wird der EU-Sondergipfel in Brüssel als Erfolg gefeiert. Doch er stand mehrfach kurz vorm Scheitern. Was wäre das für eine Blamage in Zeiten von Corona gewesen. Mit 1,8 Billionen Euro steht das größte Finanzpaket in der Geschichte der Europäischen Union. Diese gewaltige Menge Geld ist für die EU-Haushalte der kommenden sieben Jahre vorgesehen. Und zum Teil auch für Hilfsfonds zur Bewältigung der Corona-Krise. Dass die Summe der Zuschüsse nicht noch höher ist, liegt insbesondere an den sogenannten "sparsamen Vieren”. Es waren schwierige Verhandlungen, mehrfach stand der Gipfel kurz vor dem Scheitern, sagt der Brüssel-Korrespondenten der SZ, Björn Finke. Den "Sparsamen" seien deshalb große Zugeständnisse gemacht worden. Zwar sei Deutschland der größte Netto-Zahler, aber für die Bundesrepublik sei das "auch ein gutes Investment". Kein anderes Land der EU würde so von dem Binnenmarkt profitieren. **Weitere Nachricht:** Prozessauftakt in Halle. **Redaktion, Moderation:** Lars Langenau **Redaktion:** Sophia Fehrenbach und Vinzent-Vitus Leitgeb **Produktion:** Justin Patchett _Zusätzliches Audiomaterial von Reuters_

Ep 506Coronavirus: Risikogebiet Schule?
Der Wunsch wird immer dringlicher: Nach all dem Corona-Chaos soll der Schulbetrieb nach den Sommerferien wieder weitgehend laufen. Doch jetzt alarmiert eine neue Studie. Seit mehr als vier Monaten gibt es Schulunterricht fast nur noch im Ausnahmezustand. Nach den Sommerferien soll wieder Normalität an den Schulen herrschen, doch in Mecklenburg-Vorpommern enden sie bereits am 1. August. Aber nun gibt es die Ergebnisse einer breit angelegten Studie aus Südkorea, sagt SZ-Wissenschaftsredakteurin Christina Berndt. Für die wurden die Daten von 5700 Sars-CoV-2-Infizierten und ihren fast 60 000 Kontakten ausgewertet. Und in der Studie heißt es, dass Teenager mindestens eine ebenso große Rolle im Infektionsgeschehen spielen wie Erwachsene. Allerdings habe in Dänemark der normale Schulbetriebs ohne Probleme längst wieder begonnen. Bundesweit gültige Leitlinien seien wohl auch gar nicht nötig. **Weitere Nachrichten:** EU-Gipfel, Bundesregierung im Wirecard-Skandal unter Druck. **Redaktion, Moderation:** Lars Langenau **Redaktion:** Sophia Fehrenbach, Vinzent-Vitus Leitgeb **Produktion:** Valérie Nowak

Ep 505EU-Sondergipfel: Es geht um 1,8 Billionen Euro
Die Verhandlungen beim EU-Sondergipfel in Brüssel gestalten sich schwierig. Es geht um viel Geld - und um den Zusammenhalt in der EU. Welche Streitpunkte es gibt und wie wahrscheinlich eine Einigung ist. Die Staats- und Regierungschefs der EU verhandeln über den 750-Milliarden-Euro-Plan gegen die Corona-Krise. Es wird aber auch über den Finanzrahmen der EU bis 2027 gesprochen - so geht es insgesamt um bis zu 1,8 Billionen Euro. Zum ersten Mal seit Monaten trifft man sich bei diesem EU-Sondergipfel auch wieder persönlich und nicht nur per Videokonferenz. Deshalb gelten strenge Hygienemaßnahmen und es dürfen weniger Menschen vor Ort sein. Auch unser Brüssel-Korrespondent Matthias Kolb berichtet deshalb von seinem Büro aus über den Gipfel. Im Podcast erklärt er, wieso sich die Länder bisher noch nicht einig sind und was die zentralen Streitpunkte sind. Den im Podcast erwähnten Text aus der Wochenendausgabe finden Sie hier: https://bit.ly/3eEfnIX **Weitere Themen:** Georgias Gouverneur gegen Maskenpflicht, Wirecard-Manager gesteht, Bundesverfassungsgericht schützt Bürgerrechte. **Redaktion, Moderation:** Laura Terberl **Redaktion:** Jean-Marie Magro **Produktion:** Carolin Lenk, Carlo Sarsky

Ep 504Twitter-Hack: groß, aber amateurhaft
Auf einmal wollen Joe Biden, Elon Musk und andere Promis Wildfremden Geld schenken. Zu schön um wahr zu sein. Über den größten Hack der Twitter-Geschichte. "Wenn ihr an diese Bitcoin-Adresse 1000 Dollar schickt, dann sende ich euch 2000 Dollar zurück!" So einen Tweet haben unter anderem die Twitterkonten von Apple, Joe Biden oder Kanye West abgesetzt. Das klingt zu schön um wahr zu sein? Ist es auch. Natürlich handelt es sich hier um Betrug. Und trotzdem gingen die Hacker sehr amateurhaft vor und erreichten relativ wenig, fasst der SZ-Datenjournalist Max Muth zusammen. **Weitere Themen:** Deniz Yücel verurteilt, Facebook-Urteil, Bund und Länder einigen sich auf lokale Beschränkungen. **Redaktion, Moderation:** Jean-Marie Magro **Redaktion:** Laura Terberl **Produktion:** Valérie Nowak

Ep 503Kanzlerfrage: Warum Söder es am Ende wohl doch nicht wird
Markus Söder wird von vielen zum nächsten Kanzler hochgeschrieben. Aber ist er wirklich so ehrgeizig, dass er Merkels Nachfolge antreten will? Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder ist bekannt für seinen Ehrgeiz. Aber ist er auch so ehrgeizig, dass er jetzt schon Kanzker werden möchte? In der Coronakrise hat Söder an Statur gewonnen. In nationalen Umfragen ist er der klare Favorit für die Nachfolge von Angela Merkel. Die Kanzlerin lud er erst in dieser Woche ins bayerische Kabinett auf die Insel Herrenchiemsee ein. Waren da Kanzlerin und ihr Nachfolger beisammen? Daran will der SZ-Reporter Roman Deininger noch immer nicht so richtig glauben. Er denkt, dass Söder in Bayern bleiben wird. Aber die Spekulationen um seine Kandidatur schmeicheln dem Ministerpräsidenten schon sehr. **Weitere Themen:** Thüringer Paritätsgesetz verfassungswidrig, Apple muss doch nicht Steuern nachzahlen. **Redaktion, Moderation:** Jean-Marie Magro **Redaktion:** Sophia Fehrenbach und Vinzent-Vitus Leitg **Produktion:** Valérie Nowak _Zusätzliches Audiomaterial von dpa_

Ep 502Morddrohungen vom Polizeicomputer: Ein ungeheuerlicher Verdacht
Von einem PC der hessischen Polizei sollen Drohmails verschickt worden sein. Gibt es im Apparat ein strukturelles Problem mit dem Rechtsextremismus? Erst die Frankfurter Anwältin Seda Basay-Yildiz, dann die Linken-Politikerinnen Janine Wissler, Anne Helm und Martina Renner und jetzt auch noch die Berliner Kabarettistin Idil Baydar. Alle haben Morddrohungen erhalten. Alle Mails sind mit Nazi-Parolen bestückt und wurden mit “NSU 2.0” unterzeichnet. Und alle enthalten Daten, die nicht öffentlich zugänglich sind. Wurden sie von Rechnern der hessischen Polizei abgefragt? Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) gerät immer stärker unter Druck. Und jetzt ist auch noch der zuständige Polizeipräsident Udo Münch zurückgetreten. Selbst der hessische Innenminister glaubt inzwischen, dass es rechte Strukturen in der Polizei gebe, sagt Hessen-Korrespondent Matthias Drobinski. Doch die internen Ermittler würden noch im Dunkeln tappen. Aber der Verfasser dieser Mails ziele mit seinen rechtsextremen Botschaften auf die Öffentlichkeit. Drobinski empfiehlt dem Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) die Racial Profiling Studie, um rechte Tendenzen innerhalb der Polizei unabhängig untersuchen zu lassen. **Weitere Nachrichten:** Erste Hinrichtung auf US-Bundesebene seit 17 Jahren, Merkel übt Zurückhaltung bei Söders K-Kandidatur. **Redaktion, Moderation:** Lars Langenau **Redaktion:** Sophia Fehrenbach, Justin Patchett, Vinzent-Vitus Leitgeb **Produktion:** Justin Patchett _Zusätzliches Audiomaterial von dpa_

Ep 501Polen - ein gespaltenes Land
Polen hat gewählt, aber bleibt gespalten. Zwischen liberal und konservativ. Zwischen Land und Stadt. Zwischen West und Ost. Zwischen PiS und Anti-PiS. Polens Präsident Andrzej Duda hat die Stichwahl knapp für sich entschieden. Sein Herausforderer war der Warschauer Bürgermeister Rafal Trzaskowski. Trzaskowski hätte für einen liberalen Aufbruch gestanden, sagt SZ-Redakteurin Viktoria Großmann am Telefon in Warschau. Trotz schwerster Angriffe von Duda und der PiS habe sich der liberale Kandidat auf keine Provokationen eingelassen. Polen sei ein gespaltenes Land. Gespalten zwischen liberal und konservativ. Zwischen der Bevölkerung auf dem Land und der Stadt. Zwischen PiS und Anti-PiS. Zwischen Westen und dem Osten des Polens. **Weitere Nachrichten:** Spahn mahnt zu Vernunft, Sachsens Schulen sind keine Corona-Hotspots, Union macht Druck auf das Finanzministerium bei Wirecard. **Redaktion, Moderation:** Lars Langenau **Redaktion:** Vinzent-Vitus Leitgeb, Sophia Fehrenbach **Produktion:** Carlo Sarsky _Zusätzliches Audiomaterial über Reuters und dpa_

Ep 500Steuererklärung: Trump holt sich ein blaues Auge
Die Staatsanwaltschaft in New York darf Trumps Steuerunterlagen einsehen. Der schimpft, aber so schlimm ist es für den Präsidenten nicht gelaufen. Am Donnerstag hat der Supreme Court, der Oberste Gerichtshof in den USA, ein Urteil gefällt. Dabei ging es um Trumps Kreditgeber, also zum Beispiel die Deutsche Bank. Die Frage war, ob diese Kreditgeber dazu gezwungen werden können, die Steuererklärung und weitere wichtige Finanzunterlagen des Präsidenten rauszurücken oder nicht. Das Urteil lautet: Zumindest teilweise. Die Staatsanwaltschaft von New York darf die Unterlagen einsehen, der US-Kongress nicht. Insofern wird auch die Öffentlichkeit die Steuerakte Trumps zumindest vor den Wahlen nicht zu Gesicht bekommen. Der Präsident schimpft trotzdem und spricht, wie so oft, von einer Hexenjagd. Dabei braucht er sich gar nicht beschweren, sagt Stefan Kornelius. Der SZ-Außenpolitikchef meint, das Urteil schade Trump kaum. Doch seine Chancen, bei der Präsidentschaftswahl gegen Joe Biden zu gewinnen, steigert das Urteil wohl auch nicht. **Weitere Themen:** Kinder leiden stark unter Coronakrise, Haftstrafen im G20-Gipfel-Prozess, FC Bayern zieht schweres Los. **Redaktion, Moderation:** Jean-Marie Magro **Redaktion:** Vinzent-Vitus Leitgeb **Produktion:** Julia Ongyerth _Zusätzliches Audiomaterial über Reuters._