
... Anne-Sophie Reißig, der Deckel-Stapel im Kopf & „Deine Grenzen sind nicht meine“
Anne-Sophie Reißig, Essstörung überwinden | Begleitung Eltern & Betroffene, Radebeul
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Show Notes
Heute ist eine Folge, die Raum braucht – und genau den geben wir ihr auch.
Ich spreche mit **Anne-Sophie Reissig **über ein Thema, das oft im Verborgenen bleibt, aber viel mehr Menschen betrifft, als man denkt: Essstörungen und das, was sie mit unserem Selbstwert, unserer Körperwahrnehmung und auch mit dem Blick auf die eigene Identität machen können.
Anne-Sophie kennt diesen Weg nicht aus einem Lehrbuch, sondern aus dem eigenen Leben. Sie erzählt, dass sie über viele Jahre mit Magersucht, Bulimie, Binge-Eating und einem extremen Sportzwang gekämpft hat – inklusive der Momente, in denen es nicht mehr nur um „Figur“ ging, sondern um Kontrolle, inneren Druck und die Frage: **Wer bin ich eigentlich ohne all das? **
Spannend (und gleichzeitig hart ehrlich) ist, wie sie beschreibt, dass die Einsicht „ich habe ein Problem“ oft nicht plötzlich kommt, sondern sich langsam durchsetzt – bei ihr unter anderem durch Rückzug im Freundeskreis, die Sorge ihrer Familie und ein klares Ultimatum der Eltern, als es körperlich wirklich kritisch wurde. Und genauso ehrlich spricht sie darüber, wie tückisch Komplimente sein können: „Du bist so diszipliniert“, „so schlank“, „so durchtrainiert“ – Anerkennung von außen, die einen inneren Kreislauf noch stabilisieren kann, obwohl es längst wehtut.
Anne-Sophie macht in unserem Gespräch aber auch deutlich, dass Heilung selten ein einziger Moment ist. Für sie waren Begegnungen mit Menschen wichtig, die Ähnliches erlebt und einen Weg heraus gefunden haben – und zugleich die Erfahrung, dass „Standard-Hilfen“ nicht immer passend sind. Sie erzählt zum Beispiel von Situationen, in denen sie sich nicht abgeholt fühlte, wenn es nur um Ernährungspläne ging, obwohl ihr innerlich längst klar war: **Es geht nicht ums Essen, sondern um den Druck dahinter. **
Was ich besonders stark fand: Anne-Sophie nimmt den Satz auseinander, den viele in irgendeiner Form schon gehört haben – „das bleibt halt ein Teil von dir, gewöhn dich dran“– und setzt etwas dagegen, das hängen bleibt. Für sie gilt: Die Grenzen anderer Menschen müssen nicht deine Grenzen sein.
Und genau daraus ist auch ihre heutige Arbeit entstanden. Sie geht in Grundschulen und weiterführende Schulen, arbeitet dort nicht nur mit Vorträgen, sondern mit Übungen, Gruppen- und Partneraufgaben, damit Kinder und Jugendliche nicht nur zuhören, sondern sich selbst erleben können: Körperwahrnehmung, Umgang mit Gedanken, Essen und Emotionen, Social Media als Lebensrealität – nicht verteufeln, sondern verstehen, reflektieren und gesünder einordnen.
Außerdem spricht sie darüber, wie breit ihr Spektrum inzwischen ist: Sie arbeitet mit Eltern, Jugendlichen, jungen Erwachsenen, begleitet auch Erwachsene und bildet sogar Kinderärzte sowie medizinische Fachkräfte weiter.
Und sie gibt sehr konkrete Hinweise, worauf man achten kann, wenn man im Umfeld merkt, dass jemand zunehmend in schwierige Muster rutscht – inklusive dem wichtigen Hinweis: Das sind Erfahrungen und Beobachtungen, keine Diagnose, und bei ernstem Verdacht sollte man sich professionelle Hilfe holen.
Am Ende wird es nochmal richtig menschlich: Wir sprechen darüber, was sie heute unter körperlicher Selbstbestimmung versteht – als Verbundenheit mit sich selbst, als „zu Hause sein im eigenen Körper“. Und wir landen bei der Frage, welche Zeiten sie vermisst: diese kindliche Leichtigkeit, barfuß im Schnee, Schneeflocken fangen, einfach mal im Jetzt sein. Genau diese Mischung aus Klartext und Wärme macht diese Folge so besonders.
Du willst Anne-Sophie folgen oder sie für deine Schule/Institution anfragen? Ihre Webseite: www.annereissig.de **Instagram: **@annesophie.reissig
Viel Spaß beim Zuhören und Weitertragen!
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